Nr. <62 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Samstag, 12. M TO
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Zu den hessischen Schulresormplänen.
Der Hessische Landesvvrstand der Freunde des humanistischen Gymnasiums hat am 8. Juli die folgende Eingabe an das Hessische Landesamt für das Dil- dungswesen in Darnnstadt gerichtet:
„Rach den Erklärungen, die Herr Ministerialdirektor LIrstadt am 4. Juli in der Volkskammer abgegeben hat, nehmen wir an, daß die geplante Reform des hessischen höheren Schulwesens der in der Ausführung begriffenen Llmgestaltung des preußischen Schulwesens im wesentlichen entsprechen soll. Da man in Preußen jeht auf das Reformgymnasium wegen seiner offenkundig gewordenen Mängel verzichtet und auch die Rückbildung der bestehenden Resorm- ghmnasien in Gymnasien normalen Stils zur Regel macht (Denkschrift des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung: die Reuvrdnung des preuhischen höheren Schulwesens, S. 37), so geben wir der bestimmten Erwartung Äusdrmck. daß auch in Hessen die weitere Gründung von Reformgymnasien unterbleibt und der in Büdingen gemachte Versuch auf Grunde der dortigen schlechten Erfahrungen, die auch dem Landesamt bekannt sind, eingestellt wird. Für das Realgymnasium behält der preußische Plan den La- teinunterricht von Sexta an bei. Wir erwarten, daß man auch in Hessen darauf zurückkommt, dann aber, wie es natürlich ist, das Latein auch bis zum Schluß durchführt.
Im übrigen halten wir es für unsere Pflicht, auf schwere Rachteile hinzuweisen, welche die in Preußen eintretenden Linderungen des Lehrplans für das humanistische Gymnasium bedeuten.
1. Dem Französischen soll eine so kümmerliche ^Stundenzahl zugewiesen werden U II: 3, O II—O I je 2 = im ganzen 9 Stunden gegenüber unseren jetzigen 23 Stünden), dah sich nichts Rennenswertes wird erreichen lassen. Fakultativer Unter» richt im Englischen soll von den Schülern besvir- ders bezahlt werden. Diese stiefmütterliche Behandlung der modernen Fremdsprachen würde dem Gymnasium die Konkurrenz mit anderen höheren Schulen aufs äuherste erschweren und ihm weitere Dolkskreise entfremden.
2. Dasselbe gilt von der geplanten Kürzung des mathematischen Llnterwichts auf der Oberstufe (9 Stunden gegen die jetzigen 12 Stunden). Dem Gymnasiasten wird dadurch der Zutritt zu den Technischen Hochschulen erschwert, während er sich bei dem seitherigen Zustand glatt vollzog. Auch war bisher die Mathematik für die Gymnasien neben den alten Sprachen das wirksamste Mittel, um die Schüler zu selbständiger Arbeit zu erziehen. Man sollte es nicht abstumpfen.
3. Der lateinische Llnterricht soll statt 68 Stunden 56 erhalten. Von II b an haben die Klassen nur noch je 5 Lat ein stunden, das Liebersehen in das Lateinische soll von II a an Wegfällen. Dieser Lateinunterricht würde nach Umfang und Methode dem Lateinunterricht des früheren Realgymnasiums gleichen. Run bemerkt die preuhische Denkschrift (S. 47), dah der Lateinunterricht am Realgymnasium, aufs Ganze gesehen, die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt habe. Er sei vielmehr eine recht dürftige Dublette des Lateinunterrichts am Gymnasium geblieben und habe über eine oft recht fragwürdige Llebersehungsfähigkeit hinaus eine wirkliche Einführung in den Geist und die Kultur Roms nicht erreicht. Es erscheint uns widersinnig, dah man diese Art des Lateinunter- richts, die man beim Realgymnasium mit so starken Worten verwirft, nun dem Gymnasium aufnötigen will.
Auch darauf möchten wir aufmerksam machen, dah nach der preuhischen Deform des Gymnasiums von II a in keine fremde Sprache mehr überseht wi b. Man mühte denn gerade für den zweistündigen französischen Unterricht diese Lielungen bei- behalten wollen, die man für das Lateini.che und 1 iechische untersagt. Das Gymnasium w rd auf diesem Weg zwar leichter, aber nicht besser.
Die Schädigung, welche die Reform für das Gymnasium bedeutet, ist schwer und offenkundig. Die hessische Regierung sollte um so meh Bedenken tragen, Preuhen auf den eingeschlagenen
Weg zu folgen, weil die Schulpolitik dieses Staates zur Zeit keineswegs stetig und zielbewuht ist. Wir erinnern an die wiederholten -Umfälle in der einschneidenden Frage des Reforrngymnasiums. Eben wollte noch der lateinlose Unterbau für glle Schulen, auch für das Gymnasium, zur Regel werden. Run wird plötzlich das Todesurteil über das Gymnasium mit lateinlosem Unterbau gesprochen, und die bestehenden Reformgymnasien werden rückgebildet. So kommt auch von dem Schulausschuh ’ des deutschen Hochschulverbands, der kürzlich in Göttingen tagte, die Rachricht, dah die dort erschienenen Vertreter des preuhischen Kultusminister rums zu Abstrichen von ihrem Re- formplan geneigt gewesen feien. Unter diesen Umständen dürfte es sich empfehlen, nach dem Vorbild anderer deutscher Regierungen eine abwartende Stellung einzunehmen.
Auf älle Fälle sollten so einschneidende Veränderungen des hessischen Schulwesens nicht ohne Beratung mit Vertretern der davon betroffenen Kreise erfolgen. Es genügt nicht, daß Gutachten «ingefordert werden, die nicht veröffentlicht, son
dern von dem öanbeßamt nach Gutdünken verwendet werden. Wir verlangen eine mündliche Verhandlung, zu der Vertreter der Universität, der Technischen Hochschule, des Predigerseminars, des Priesterseminars, des Gymnasiums, des Realgymnasiums und der anderen höheren Schulen, sowie pes unterzeichneten Landesverbandes und ähnlicher Verbände zur Förderung des Dildungs- wesens zuzuziehen sind. Die Vertreter wären von den betreffenden Körperschaften und Schulgat- tungen zu wählen. Hätte das Landesamt von vornherein dieses wahrhaft demokratische Verfahren gewählt, statt das der Kabmettspolitik, so wären die humanistischen Vereinigungen nicht genötigt worden, sich in die Oeffentttchkett zu flüchten.
Die Angriffe, welche Herr Ministerialdirektor Urstadt am 4. Juli in der Volkskammer deswegen gegen diese Vereinigungen gerichtet hat, sind uns dem "Wortlaut nach noch nicht genau bekannt. Wir behalten uns vor, nach Veröffentlichung des stenographischen Berichts darauf $a= rückzukommen."
Landwirtschaft und Gartenbau.
Harnstoff.
Phosphorsäure, Kalk, Kali und Stickstoff sind die hauptsächlichsten Rährstoffe, die a>tr der Pflanze in den künstlichen Düngemitteln zuführen. Untet diesen ist der Stickstoff von überwiegender Bedeutung, weil er gewöhnlich im Minimum, d. h. in geringster Menge im Boden vorkommt und seine Zugabe deshalb für ein gesundes, freudiges Wachstum der Pflanzen unerläßlich ist. Eine Ausnahme machen die sogen, schmetterlingsblütigen Pckanzen (Erbsen, Dohnen, Klee, Luzerne, Wicken usw.), die selbst in der Lage sind, mit Hilfe von Knöllchenbaktenen an ihren Wurzeln den freien Stickstoff der Lust für sich nutzbar zu machen. Bei ihnen erübrigt sich im allgemeinen eine Stickstosfdüngung. Sie werden deshalb auch Stickstoffsammler genannt, im Vergleich zu allen übrigen Pflanzen, die die Fähigkeit, den freien Stickstoff der Luft zu binden, nicht besitzen.
Die bekanntesten sttckstosshaltigen künstlichen Düngemittel, die wir vor dem Kriege benutzten, waren Chilesalpeter und schwefelsaures Ammoniak. Letzteres wurde bei der Gasfabrikatton gewonnen, bevor es technisch möglich war, in größeren Mengen den freien Stickstoff der Luft in für die Pslanzenernährung verwertbare Form zu bringen.
Das Verfahren von Frank-Caro, nach dem der Kalkstickstoff hergeslellt wird, und das Haber- Doschversahren, nach dem die Badische Ani in- unb Soda-Fabrik schwrfelsau.es Ammoniak. Kaliammonsalpeter, salzsaures Ammoniak, Leana- salpeter und Ratronsalpeter gewinnt, sind die bekanntesten Dindungsmethoden des Luftstickstoffes. — Sie sind Errungenschaften des deutschen Geistes und setzen uns in den Stand, unserem Düngestickstoff im eigenen Lande zu erzeugen md uns in dieser Hinsicht unabhängig vom Ausland, zu machen.
Es ist nun der Badischen Anilin- und Soda- Fabrik weiter gelungen, durch Erhitzen von Ammoniak mit Kohlensäure Harnstoff herzu- stellen. Er enthält 46 Proz. Stickstoff und ist neuerdings in den Handel gekommen.
Er eignet sich besonders für Gemüse- und Gartenpflanzen. Sein hoher Stickstofsgelialt und damit geringe Transportkosten (44 Kg Harnstoff enthalten ebensoviel Stickstoff wie 100 Kg schwefelsaures Ammoniak), gute Streusähigk.it. gute Lagerungsfähigkeit und Verteilungsmögltchknt sind ferne besonder m Vorzüge.
Mit kalkhaltigen Düngemitteln, also Thomasmehl, Rhenaniaphosphat, Knochenmehl usw., kann Harnstof! gut gemischt werden, nich zu empfehlen ist. ihn mit Kalisalzen und Suprrphos- phat zusammen auszustreuen.
Der günsttgste Zeitpunkt der Anwendung ist im allgemeinen kurz vor der Aussaat. Bei tätigen Bodenarten und Pflanzen mit längerer Wachstumsdauer kann er auch als Kopfdünger Verwendung finden.
Wegen des hohen Prozentgehaltes ist aus
gleichmäßiges Ausstreuen und gutes Vermischen mit dem Boden besonders zu achten. Bei gewissen Gartengewächsen kann auch eine nicht zu konzentrierte Harnstosflofung verabreicht werden. (Auf ca. 10 Liter Wasser 2—3 Eßlöffel Harnstoff.)
Im allgemeinen gibt man auf 1 Ar — 100 Quadvatmtr. bei: Gemüsen, wie Kohlarten, Mohrrüben, Spinat, Salat usw. 2—3 Kg. Harnstoff, Erdbeeren und Tomaten 1—3 Kg. Harnstoff, Spargel 2—4 Kg. Harnstoff. Leh'eren düngt man sofort nach Beendigung des Stechens. Tabak je nach der Stallmistgabe 1,5—2,5 Kg. Harnstoff. Blumen aller Art vor der Vegetation 20 Gramm pro Quadvatmtr. und im Mai oder Huni nochmals die gleiche Menge. Die 2. Gabe tann auch im Wasser gelöst verabreicht werden.
Zu Feldfrüchten wird je nach Düngezustand des Bodens je Hektar gegeben: zu Winterhalmfrucht 90—130 Kg. Harnstoff je Hektar, zu Sommerhalmfrüchten 70—120 Kg. Harnstoff je Hektar, zu Zuckerrüben und Futterrüben 130—175 Kg. Harnstoff je Hektar, zu Kartoffeln 90—130 Kg. Harnstoff je Hektar.
Versuche in Feld und Garten haben ergeben, daß Harnstoff bei sachgemäßer Anwendung Ernten uyd Reinertrag steigert und wesentlich erhöht. Gr ist vorläufig nur zur Gartendüngung in 5-Kg - und Ve-Kg -Dosen im Handel.
Landwirtschastsamt Butzbach.
Wasserrüben als Nachsaat.
Sind die Roggenfelder abgeerntet und stehen die Garben auf Haufen, so lasse man nicht, was vielfach fälschlich geschieht, das Stoppelfeld brach liegen, sondern breche das Stück um und säe Wasserrüben ein. Diese schnell Heranwachsenden Rüben eignen sich zur Rachsaat ganz vorzüglich, denn sie bedürfen keiner weiteren Pflege. Dafür geben sie eine fast tmmer reiche Ernte und sind em Diehfutter von hervorragender Rähr- krast. Besonders in futterarmen Jahren wird man solchen Rübenvorrat gern bis in die Wintermonate liegen lassen und zur Streckung der eigentlichen Wintervorräte verwenden.
Die Blattläuse, ihre Lebensweise und Bekämpfung.
Wenn im ersten Frühjahr die ersten grünen Spitzen sprossen, beginnt die Wonnezeit der Blattlaus. Aus einem Winterei, kaum so groß, daß man es mit einer Lupe wahrnehmen kann, und das im Boden, an einem Stengelteil. unter Laub oder om Topfrand verborgen war, schlüpft sie aus, häutet sich, saugt und gebärt lebendige Zunge. Ihr Leben beschließt sie, wenn sie nach einigen Tagen einer reichlichen Rachkommenschaft das Leben geschenkt hat. Diese ihrerseits ist bereits zwei bis drei Stunden nach der Geburt erwachsen und vermehrt sich in der gleichen Weise. Daß bei die'e'- Vermehrungsart. sofern die Verhältnisse günstig sind—, wozu außer Rahrung noch Feuchtigkeit und Wärme geheren —, der Raum
auf einer Pflanze alsbald zu eng werden muh, leuchtet ein. Aber die Ratur hat für ihre Geschöpfe liebevoll gesorgt. Sobald Rahrungsmangel infolge Llebervölkerung eintritt, kommen die Blattläuse geflügelt zur Welt, und kaum geboren, erheben sie sich leicht beschwingt in die Lüfte, um ihr Geschlecht weiter auszubreiten. Diese Art ihrer Verbreitung erinnert an das Schwärmen der Dienen und verfolgt den gleichen Zweck.
Zwar hat so ziemlich jede Pflanzenart ihre besondere Dlattlausart, und man kennt einige Hundert Arten allein aus Europa, aber in der Rot sind sie nicht wählerisch und nehmen in vielen Fällen auch mit Ersah vorlieb: so kann denn aus einem einzigen Winterei eine Vermehrung stattfinden, für deren Angaben die Zahlen der Inflationszeit nicht ausreichend sind. Wenn aber im Herds! durch das rauhe Wetter die Rahrung knapp wird, (Derben keine befruchteten Weibchen mehr, sondern nur noch Männchen und Weibchen geboren. Letztere legen die erwähnten Wintereier. Rur an Pflanzen, die Im Gewächshause oder im Zimmer weiter wachsen and somit auch immer wieder neue Rahrung bieten, unterbleibt dieser Geschlechtswechsel.
Es ist bekannt, daß Gewächse, die von Dlatt- läusen befallen find, in ihrer Entwicklung Rot leiden. Sie bekommen durch das Aussaugen des Dlattgrüns ein bleigraues Aussehen, blattlaus- krankes Gemüse, wie Salat oder Dlumenkohl, wird unbrauchbar und Obstbäume, die an der Plage leiden, lassen einen Teil ihrer Früchte fallen. Pnfsbohnen, von Blattläusen heimgesucht, sehen keine Samen an und Fensterpflanzen, an denen Blattläuse sind, bilden verkümmerte Blätter und blühen nicht. Schlimm ist die durch Blattläuse hervorgerufene Kräuselkrankheit der Pfirsichbäume. Aber nicht allein durch das Entziehen von Rahrung leiden die Pflanzen. Die Beschädigung durch die Ausscheidungen der ^iere, die man als „Honigtau" bezeichnet, und die die Dienen als Blattlaushonig eintragen, ist fast noch größer, denn der zuckerhaltige Saft verschmiert die Spaltöffnungen der Blätter und gibt für eine Reihe von Pilzkrankheiten den geeigneten Rährboden, unter denen der schwarze Lieberzug, den man mit Rußtau bezeichnet, die bekannteste ist. Durch das Verschleppen von Blattläusen von einer Pflanze zur anderen ist die Schädlichkeit der Ameisen bedingt, die sie wie Milchkühe pflegen, um ihnen die Zuckerlösung abmelken zu können. Man hat demnach Ameisen in der Gesellschaft von Blattläusen stets als Feinde zu betrachten.
Die Bekämpfung ist bei der ungeheuren Vermehrung des Llngeziefers nicht immer leicht. Bei Kulturen im Gewächshaus, oder in Mistbeeten ist streng darauf zu achten, daß Saftstockungen durch unvorsichtiges Gießen mit kaltem Wasser, oder verkehrte Lüftung. bei kaltem Wetter vermieden wird: denn prakttsch genommen, durch Saft- 11 oefung an treibenden Pflanzen kann man Blattläuse jederzeit Hervorrufen, weshalb man früher gerade bei Blattläusen an eine -Urzeugung glaubte. 'Beim ersten Auftreten ist das liebel durch Räuchern mit schlechtem Tabak zu bekämpfen. Rur in geschlossenen Räumen hat diese Maßregel Er« folg. 3n jedem anderen Falle ist Spritzen mit Harzölseife, oder Seifenwasser, 20 bis 30 Gr. Schmierseife auf einen Liter Wasser, dem man einige Tropfen schlechten Alkohol oder Abkochung von Quassiaspänen zuseht, zu empfehlen. Bewährt Hal sich auch Abkochung von Tabakslaub, die man als braune Brühe abgießt und mit der dreifachen Menge Wasser verdünnt. Ze eher das geschieht, um so sicherer der Erfolg. _
Bei Obstbäumen treten Blattläuse und in deren Gefolgschaft Honigtau meist dann auf, wenn nach kaltem Regen plötzlich hohe Wärme ein fei} t. Die Bäume, besonders Steinobst, sind dann oft
Trotz der entsetzlichen Teuerung ist es kein Kunststück, stets gut gekleidet zu fein, wenn man alle Kleidungsstücke nur mit den weltberühmten echten Heitmann's Farben, Marke Fuchskopf im Stern, selbst färbt.
Heitmann's Farbe spart den Färber.
Der Alte ütts Lopper.
Roman von Hanns von Zobeltih.
14. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Wenn man nur erst in Topper wäre! Der Weg zog sich und zog sich: mal ein Stück Kuscheln, ni.. ine Strecke Heide, mal ein Stopoelf.Id
Sann, endlich, tauch e doch der hölzerne Kirchti, auf. Der wohlbekannte. Seit zwei Jahren 1 der Bursch ihn nicht gesehen. Fast hätte e af gejubelt. Dachte zum ersten Male auch an ater und Mutter und was die für Geeichter nu-jen würden —
Mm die letzte Ecke bog der Wagen. Das war run schon Tvpperscher Grund. Ter Land- wi .s'oh:i erwachte in dem Soldaten. Sie waren noÄ urück mit der Ernte, und dabei arbeiteten sie - cht. Drüben tagen die Garben schon gern hl <7U' dem Felde, aber kein Wagen war za eben. . ej'.' wo die Sonne stach. Wo steckten sie L^n .7 "Endlich, stand die lange Latte, der Ver- tro ric’-. mit Frau und Kind: der Alte dengel.'e c ■' narrte dann aber mit großen, blöden Aug n • . ,tv Sen Wagen, ließ die Sense fallen, schlug
Hände über dem Kops zusammen, lief quer- . H bis an den Weg. Herrjemine. . . Gott- aeo Marzanke . . ." -
Tag Verworrner! 3a freilich . . . ich bin s. 2t ’ dah du's weißt. Dring' den Herrn .e* rjemine! Herrjemine! 3st's denn '-'<imm?" Der Verworrner trabt neben dem - — n her. Anhalten tat der Herrschaftskutscher : solch lumpigen Kätners nicht.
r- ' -
„Schlimm? Guck' ihn dir an ... den armen
„herrjemine! Herrjemine! Linser Gnädiger und "die junge gnädige Frau . ."
„Sind doch gut zuw.ge? Vater und Mutter auch?"
„3a doch, Marzanke. Die wer'n sich mal freuen —“ o , ..
„Sag mal. Verworrner, was faulenzt ihr denn" so? Warum fahrt ihr nicht ein?"
Der Alte hatte sein trockenes Dauernlachen. Fahr du mal ein, wo die Russen im ganzen Dßrf man 5lotz vier Gäule und sechs Ochsen gelassen haben." „
„Die re dimmten Kerle.
Mit Handtarrei müssen wir's 'chaffen. Herrjemine darüber verfault uns das K rn aus d m ftclbe ' Aberst wenn se man nich wiederkommen, bie Kanalljen! Du Marzanke. ist's denn wahr, hat der König ’ne Schlacht verloren?"
• Olu ja schon . . . freilich Aberst er wird" ihnen davor doppelt das Fell versohlen. Versiehst du —" c .
Herrjemine . . . Hernemine . . .
Sim Alten war die Puste ausgegangen. Mußte stehen bleibm, sich verschnaufen
Rückwärts klang noch ein paarmal das .Herrjemine!, Herrjemine!' Lind dann waren sie schon in der Dorfstrahe. Ein paar ®oren johlten auf; der Schulmeister, Balthasar Schmidt, stand vor seinem Häuschen, schaute, verwundert und zog devot das Käppchen. Beinahe hatte Marzanke gelacht: also der erkannte ihn nicht und hatte ihm doch manchmal die Buxen stramm gezogen
Hetzt bog der Wagen durch das Hofbor ein zum Schloßhof. Lind da saß der Greis, der
Hunker Egid, auf seinem Dänklern und sonnte s ch. Hatte den blanken Schädel lief gesenkt, machte wohl ein Schläfchen.
Wirklich, er schlief ganz fest. Der Wagen hielt, Kruse knallte mit der Peitsche Der Hun er Egid merfte es nicht. Es kam auch sonst keiner. So daß Marzanke m harn g nug ■ enn der Arm schmerzte dock) höllisch, hem n.e.kletterte, zum Hunker Egid hinüberging: „Mit Verlaub, Herr Hunker . . .“
Fuhr, der auf, rieb sich die Augen, stand schwer aus — und hatte dann doch die Sache gleich erfaßt. Rämlich daß da ein Dl f ierlev im Stroh aus dem Wagen lag und Hilfe brauchte Zog also erst bedächtig die große Schelle neben der Tür, fragte: „Wo kommt Er her?"
„Don Kunersdorf, gnädiger Herr Hunker." „Wen hat Er denn da?"
„Den Herrn Stabskapitän . . ."
Da schrie der Egid auf und lief vorwärts. Aber zugleich gellte ein anderer Schrei, und aus der Haustür stürzte Frau Beate aus den Wagen zu. Es war nur ein einziger Schrei, der von ihren Lippen kam. Dann staird sie am 'Wagen, klammerte sich mit beiden Händen an die Leitersprossen, als müsse sie sich festhalten, flüsterte herzbrechend: „Christian . . . lieber Schwager... Allmächtiger Gott . . ." und die Tränen schossen ihr aus den Augen.
Der Blessierte erkannte sie nicht und nicht das Vaterhaus. Lag da, wälzte sich zur Seite, vielleicht weil ihm die Sonne hart ins Gesicht stach, krampfte mit den Händen ins Stroh hatte ein unverständliches Lallen.
Allmächtiger, guter Gott —
Tie Knie zitterten ihr unter dem Selbe. Doch
i sie zwang sich, faßte sich. Rur nicht schwach fein jetzt Stark sein — helfen — helfen —. Ein ; Knecht war hinzugelaufen. auch ein paar Mägde Sie ordnete an, griff mit an. Die Leiter herunter, die große Decke aus dem Haus, nein, der feste, selbstgewirkte Teppich. „Da [egen wir den Christian hinauf, Onkel Egid. So tragen wir ihn hinein. Vorsichtig, daß wir ihm nicht weh tun ..“
Der Greis nickte. Wie ein Tragekind hob er den Blessierten vom 'Wagen, ganz allein. Einmal schlug der wild um sich Da bog ihm Egid sanft den Arm, hielt ihn fest. Murmelte dabei ein seltsames Sprüchlein zwischen den zahnlosen Kiefern. Wußte selbst nicht, woher er's hatte Es paßte auch nicht recht, und paßte doch wieder. „Leichter trüget, was er trüget, wer Geduld zur Bürde leget."
So trugen sie den Herrn Stabskapitän ins Haus hinein. Als sie im kühlen Flur standen, fragte die eine Magd leise: „Gnädige, hinauf in des Hunkers Stube?"
Einen Augenblick hat Frau Beate doch gezögert. Dann war es, als ob sie sich dessm schämte und der leichten Röte, die ihr ins Ge icht stieg. Sie ritz hastig die Tür auf zu ihrem eigenen Zimmer zur ebenen Erde. Lind sie wies drinnen auf ihr eigenes Bett. Ohne ein Wort zu sprechen. Lind wortlos half sie dem Siechen die Kleider vom Leibe schneiden, schob die Kissen zurecht, ging, ihm ein kühles Lränklein zu holen. Rur einmal zitterte ihre Hand: als sie das Hemd von der Schulter lösen muhte und sah, wie blutiger Eiter durch Den Verband gedrungen war —
. . . wenn er auch sterben mußte. . . Christian . . .
(Fortsetzung folgt.)
Für die Reise nicht vergessen
W i
Zahnpaste Mundwasser Zahnbürste


