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Mittwoch,

Erstes Blatt

K4. Jahrgang

12. März 1924 rwnadme von Unzeigen für die logesnummer bis zum Nockmittay vorher ohne jebeTerbinblidjkeit

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm DreUe örtlid)8, auswärts 10 (Bolbpftnnig; für Ne- Klame-Anzeigen d 70mm Drerte 35 tbolbpfennig, Plotzvorschrift 20"/,,Auf- fchlaq. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: I)r. Friebr.Wilh Lange- für ben übrigen Teil: Ernst Dlumfchein:für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giessen.

Nr. 6\

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ietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Deutschland und der Frankensturz.

Ein von kurzer Geschäftsreise aus Parts zurückkohrender Mitarbeiter schreibt uns:

Für den Deutschen, der die furchtbare Infla­tionszeit in der Heimat und am eigenen Leibe durchgemacht hat, ist es nicht ohne Reiz, den Verlauf der Krankheit in einem anderen Land« zu verfolgen. Die Symptome sind dieselben, die Ursachen wohl auch. Der Kranke ilst genau so ungeduldig. Die Aerzte sind genau so ratlos. Sie machen dieselben Dummheiten und noch einige neue dazu.

Zu den Aerzten in der Finanzpolitik rechnet man ja auch die Presse, lieber den Frankensturz wird in d.m französischen Zeitungen gelogen, daß die Druckerschwärze errötet. Zuerst suchte man die Aufmerksamkeit des Publikums von den Stürmen an der Börse abzulenken, und wenn es auch nur das Steigen dec Seine war, es muhte herhalten, um das Sinken der Währung zu verschleiern. Lange geht das nicht. Bld rücken die Devisen­kurse auf die erste Seite des Blattes. Run sucht man einen Sündenbock, den man prügeln kann. DieHournee Industrielle" war die erste Zeitung, die den neuerlichen Frankensturz auf eine grohe Offensive des Auslandes, be­sonders deutscher Finanzkreife in Verbindung mit englischen Geldleuten zurückzuführen suchte. Der Zweck sei ein doppelter: einerseits Frankreich zu veranlassen, das Ruhrgebiet aufzu­geben, andererseits alle Devisen des Festlandes einschliesslich des Franken auf ein genügend nied­riges Riveau zu bringen, um eine grohe Operation internationaler Liquidatoren zu ermöglichen.

Dem Publikum war das zu hoch. Riemand glaubt auch mehr an solche Anwürfe. Man ver­sucht es deshalb mit einer anderen £r te: Der Frank fei gar nicht in Gefahr. Das Budget sei ja in schönster Ordnung. Also warum den Kopf verlieren?©onfiance. Vertrauen müsse die Losung fein. Ein Geschäftsfreund zeigte mir einen Bericht des Schweizerischen Bankvereins und be­tonte dabei eifrig die Neutralität dieses Urteils. Darnach sei ja der französische Haushalt für das Hahr 1923 mit 23 433 Millionen Einnahmen und 24 402 Millionen Ausgaben fast vollständig zum Ausgleich gebracht worden. Die Derzinfung der öffentlichen Staatsschuld betrage allein zwölf Milliarden, d. h. die Hälfte der Ausgaben, und diese schwere Last ruhe auf Frankreich nur, weil Deutschland nicht zahle. Dadurch sei die Bilanz der Staatseinnahmen passiv geworden. Auherdem brück das unbekannte X dec französi­schen Kriegsschuld an England und Amerika. Der Papiergeldumlauf werde, da er nicht mehr ver­mehrt wird (?), in Zukunft keinen nachteiligen Einfluh auf den französischen Wechselkurs aus­üben können.

Schon hier stockt man und fragt: Wie kommt es, dass am 31. Dezember 1923 fällige fran­zösische Schahanweisungen in Höhe von 1,2 Mil­liarden Franken nur mit Hilfe der Rotenpresse eingelöst werden konnten? Derneutrale" Bericht des Schweizer Bankvereins war vom vorigen Hahre! Die Wahrheit: Der französische Haushalt weist Hahr für Hahr ein verschleiertes Defizit von sechs bis sieben Milliarden Gold­mark auf. Die Steuern, deren Erhöhung einfach ein Anlassen an den sinkenden Geldwert ist, reichen noch nicht für die Hälfte der Ausgaben des Staates. Das Defizit wurde bisher stets durch innere Anleihen ausgeglichen. Alle zwei, drei Monate appelliert der Staat aufs neue an die Vaterlandsliebe und den Opfersinn der französisch.n Rentner, und immer wieder geben sie für sechs bis sieben Prozent im Hahre ihr Geld hin. Sie werden es nicht Wiedersehen.

Die Regierung tut alles, was man schon in anderen Ländern probiert hat. Sie verfolgt die ausländische Spekulanten mit geladenem Gewehr. 3n der Börse gab es eine kleine Tempelreini­gung: sieben Rusten und zwei Griechen wurden ausgetrieben. Poin:ars verlangt ein Ermächti­gungsgesetz zu fiskalischen Mahnahmen: Drosselung der Staatsausgaben, Steigerung der Einnahmen, vor allem durch.zusätzliche Erhebung von zwei Zehnteln auf alle Steuern. Eine Stabili­sierung des Franken wäre ja für Poincars die beste Wahlvorbereitung. Gelingt es nicht in kürzester Zeit, dem Frankensturz Einhalt zu ge­bieten, dann ist nicht nur die Stellung des Finanzministers de Lasteyrie, sondern des ganzen Kabinetts Poincars erschüttert.

Die letzten Stunden des Reichstags.

B e r l i n, 11. März. (Priv.-Tel.) Der RelchS- lag fetzte die politische Aussprache fort.

Abg. Diernreiter (Dayr. Dpt.): Die gegenwärtige Regierung treibt Raubbau mit dem Dollsvermrgen und belastet die Landwirtschaft in einer Weise, die die Produktion gefährdet. Wir erkennen an, dass die gegenwärtige Sinans- not auherordentliche Opfer v>n allen Standen fordert. Wir müssen aber verlangen, dah b t e Opfer gerecht verteilt werden. Die gegen- wertige Veranlagung der Steuer für die ßanb- toirtschaft ist ungerecht und bedarf einer ordent­lichen Reform unter Heranziehung von Vertre­tern der Bauernschaft.

Abg Eisenberger (Bahr. Buernbd.): Die vielen kleinen Leute, die im Kriege ihre ganzen Ersparnisse in Kriegsanleihe ange­legt und jetzt alles verloren haben, erheben mit Recht gegen den Staat die Anklag-, baß er ein ungetreuer Dermögensverwalter gewesen sei.

ReichSsinanzminisler Dr. Luther: Die Op­position wirst unserer Finanzpolitik immer

Die Vernehmung Dr. von Kahrs.

Das GeneraMaatskommissarial. Cme Diktatur Hitler-Ludendorsf. DerMarsch auf Berlin". DasKomödLenspiel" im Bürgerbraukeller.

München, 11. März. (Priv.-Tel.) Sofort nach Eiöffnung der Sitzung begann die Verneh­mung des Regierungspräsiden.en Dr. v. Kahr. Dei Vorsitzende bemerk.«, dah der Zeuge unver­eidigt vernommen werde, da die äuhern Um­stande eine gewisse De eiügung an den Do. gangen im Düigerbiäukeller erkennen liehen und da in­zwischen ein Ermittlungsverfahren ge­gen ihn elngelci et worden fei. Dr. v. Kahr führte folgendes aus: Am späten Nachmittag des26 Sep­tembers 1923 wurde ich von dem Gesamtministe- rium zum Generalstaatskommissar er­nannt und mit der g samten vollziehenden Gewalt beauftragt. Mein Amt war in der Hauptsache Wirtschaf kicher und polili ch r Art. Meine Wirk­samkeit gilt vor allem den bayrischen Belangen, der Wahrung der Staatsautorität und dec Festi­gung dec staa.lichen Macht. Ich ging dabei von dem Grundsatz aus, dah H'rr im Lande nur der Staat und dieSaatsgewatt sein darf, sonst niemand, dah aber dir Einzelbauten lebenswichtige Glieder des Staates sind. Darüber habe ich von Anfang an in der Oeffentlich'eit keinen Zweifel gelassen, dah ich die mir über regenen Machtb.f ignisfe nicht nur im Sinne des bayrischen, f entern auch im 3n= teresfe des grohrn deutschen Vaterlandes verwen­den wolle nach Grundsatz: gesunde, starke Staa­ten sind die Voraussetzungen eines gesunden Rei­ches. Viele Kreise dräng en im Oktober und An­fang Rovernber auf ein selbständiges Vorgehen in der Währungsfrage. Ich bin diesen Desttebun- gen entgegengetre en, um eine Wirischaf ssepara- tion Bayerns zu vermei' en. Angsich's dieser Um­stände bestand für Bayern die Aufgabe, die Staatsautorität unbedingt zu sichrrn und alle Gewalt zufammenzufassen, um sie, je nach dem Gang der DerMtnifse, zur Wiederher­stellung der Ordnung im Reich heranzuziehen. Es schien mir notwendig, dah an dieser Aufgabe auch Bayern, und zwar nicht nur im bayerischen Hnteresse, soittern auch im Interesse des ganzen Reiches, Mitarbeiten muffe. Es war bei dieser Arbeit nicht gedacht an eine militärische Aktion, sondern an die Herbeiführung eines politi­schen Drucks. Diese Bstrebungen sind aber nicht etwa hinter dem Rücken der bayerischen Regierung getätigt worden. Lossow und Seisser halten wiederholt schon zu Beginn des Septem­bers auf Grund ihrer Bespreuungen mit Hit er von beffcir Gedankengangei Kenntnis genrmmen, dah in Byern mit Ge.valt die Diktatur Hitler-Ludendorff vorwärtsge ragen wer­den sollte, um bie politische und wirtschaftliche Rot im Reich zu beseitigen. Don einem solchen Vorgang sollte, wie mitgeteilt worden war, die bayrische Regierung unbehelligt b.eiben, wenn fie nur den geplanten Vormarsch nicht hindere. Lostow, Seisser und ich haben von Anfang an und feit Monaten diese Gedanken

immer und immer wieder als bodenlos und fata» sttophal für Byern und das Reich bezeichnet. Ich war mir roll kommen klar, welch unheilvol.e Folcen ein solch bayrischer Marsch nach Berlin für Den Bestand des Reiches und für die ganze nationa­listische Bewegung im Reich haben könnte. Es mühte mit einer militärischen Aktion Frankreichs und mit Der Besetzung wicht wer Handelsstädte gerechnet toerbea und damit, dah einem solchen Angriff von feiten der übrigen Decliandsmachte nicht entgegengetreten teerten würde Dah aber das wrpfenloe deutsche Volk in einem solchen Konflikt mit Foanlrrich voll­ständig unterliegen mühte, ta n niemand bezweifeln. 3m übrigen mühte ein solches Vor­gehen zu einer Krise führen. Es war bekannt, dah auch ausserhalb Bherns in einem Teil ter nationalen Kreise der Rarne Lu.endorsf schon wegen der aussenpolitischen Wirkung abge- lehnt und Hitler bestimmt abgelehnt tourte.

Der Dormarsch Hitlers mühte weiter nach un­serer Anschauung zu einem zweiten Kriege 1866 fuhren und dazu, dah das einzige, durch jahrelange, mühevolle Arbeit aufgebaut?, pflichttreue Instrument der Reichswehr zer­schlagen würde.

Kurz, überall, wohin wir sahen, waren für uns nur rauchende Trümmerhaufen zu sehen, nur Zer­störung und letzten Endes völliger Zusam- m e n b r u ch. Wir hatten auch keine Zwei el tar- über dah das Unternehmen, selbst wenn die Reichswehr oder Prlizeiwrhr hinter uns ge­standen hätte und sich teilweise beteiligt hatte, kaum sehr weit über die Do,Atu ober über die Grenze hinausgekommen wäre.

Ich hatte den aufrichtigen Wunsch, die natio­nalen Kreise in Byern, wenn auch nicht unter einem Hut, so doch auf eine einheitliche nationale Linie zu bringen und sie dem einheitlichen Na- tionalgrfühl einv.uglictern. Darum have_ ich die Vertreter sämtlicher vaterländischon Verbände am 27 September zu mir eingelaten. Bald darauf beklagte sich Hitler darüber, daß ihm 14 ange­kündigte Versammlungen verboten worden feien. Er bemerkte, dah ich, ohne es zu wissen, im Banne des Bayerischen Kurier stehe. Meine Kreise gingen nach Rom, seine nach Derlm. Run ging die völkische Presse zum vol.en An- g iff über. Im Oktober ergab sich dann dir Wabrchinlichk.it, dah bayerische Reichs­wehr zur Verwendung inThü ringen ober Sachsen kommen sollte. Damit war auch die F aae entschiedLN, ob, wie das in solchem Halle üb ich ist, ci.i Zivilstaatskommissar dem militärichen Führer zur Seite gegeben to.ro, wie es im Hahre 1919 der Jall war, ba-ai spater tm Hahre 1920 bei der Aktion im Ruhrgebiet und ta -n auch in Thüringen und Sachsen, lieber diese

Frage sprach ich mit Pöhn er. PöhE betonte damals, dah er nur bei den weitestgehenden Voll­machten sich bereit erklären könne. Für Byern interessierte er sich nicht, sondern nur für dar ganze grohe Deutschland. Pöhnrr erklärte später, dah er si-ch dieser Sache nicht zur Qterfugung stelle. Anfang November verdichteten fich die Ge­rüchte, daß in den vaterländischen Verbanden

Explosionsstimmung herrsche.

Am 6. Rovernber berief ich, um die Verbände soweit wie möglich in die Hand zu bekommen:, die Führer sämtlicher vaterländischen Brbände zu einer Besprechung. Ich brachte mein Miss- faflen zum Ausdruck, dah nach mir gewordenen Mitteilungen es unternommen worden sei. die Hamen Lossow und Seisserzu misch rauchen, dah die Ramen unter Schriftstücke ohne jede Fühlung mit den Herren gesetzt wurden und damit diese Surren in gewisse Verbindung mit der» artigen ilnteme^mungen gebracht wurden. Ich wies darauf hin, dah derartiger Unfug unter- bleiben müsse. Solches Vorgehen fei Unwahrheit und Untreue. Auf Unwahrheit und Untreue könne man aber eine vaterländische Sache nicht aufbauen. Ich sprach dann davon, dah die Arbeit der Rationalisten im Reich bei den herrschenden Verhältnissen nachhelfen müsse. Dies könne auf dem normalen Wege der parteipolitischen Ent- Wicklung geschehen Die bayerische Regierung, und l ie Landespolizei würden niemals einen Putsch mitmachen. Wenn der Wille der llnterorbnung nicht bestehe, mühten sich unsere Wege trennen. Im Anschluss an meine Ausfüh- rangen erklärte Lossow mit militärischer Bestimmt­heit gegen einen Putsch werde die Reichswehr vorgehen. Deiffer erklärte, dass die Qanbedboluet zur Verfügung des GeneralstaatskommissarS stehe. Er gab barüber Auskunft dah er m i t dem Zug gegen Rorddeutschland einverstan­den sei. Der Zweck dieser Unterredung war, die Verwendung der vaterländischen Verbände gegen Thüringen zu verhindern.

Eine militärifdye Aktion gegen Berlin unv der­gleichen kam für mich, Losfow und Eeiffer, nie­mals in Frage. Ich f>atte eine solche auch nie­mals geplant, wusste auch nach den Mittei­lungen aus dem Norden, dass dort keine aus­schlaggebenden Faktoren vorhanden waren, an die sich ein derartiges Unternehmen anlehnen konnte. Ich habe mir ein Einsehen von Macht- mitieln insoweit gedacht, als ähnliche Ver­hältnisse wie im Frühjahr 1919 vorliegen würden.

In einer Unterredung mit Ludendorff wurde davon gesprochen, dah bei der kritischen wirtschaftlichen und politischen Lage es dringend notwendig sei, entsprechende Machtbefugnisse, vom

neue Fehler vor. Es ist rätselhaft, wie aus einer solchen Fälle von Fehlern ter unoc- streitbare Erfolg entstehen konnte, dah die W a h» rung tatsächlich stabil g em a ch t und erhalten worden ist. Die Mittel, die wir anwenden mussten, waren natürliche ba-*, aber alles ist leichter zu ertragen, als eine Wiederkehr ter Inflation. Die Regierung dentt nicht daran, tas Brrufsbeamtentum beseitigen zu wollen Dte Behauptung, die Abdautom Missionen arbeiten nicht objektiv, muss ich mit allem Nachdruck zu- rückweisen. Die Regierung sicht auf dem totarr> punkt, dah der gesamte Personalabbau sobald wie irgend möglich beendet sein muj, fbäteftenS im Laufe des Hah.es 1925. Sine förmlich: dort- führung des Schlusstermins der Mfauverordnung ist dagegen nicht möglich. 3n der nächsten Zeit wird eine Verordnung he Auskommen, Die in ähn­licher Weise wie in Preussen eine Rach Prü­fung solcher Beschwerden ermöglicht, in denen Verletzung der politischen und religiösen Reu- traliätt in künftigen Abbaufällen gerügt wird, ilebet die Verteilung der Steuern auf die

einzelnen Gruppen

trerben immer noch die jetzt ganz unzutreffenden Zahlen der Brgangenheit an-euhri: tatsächlich haben wir in der Zeit vorn 1. ^mber 1923 btS 31 März 1924 folgende Verteilung des tatsäch­lichen Aufkommens: Bm Gelamtsteueraufkommen brachten die Steuern vom Bitz 58 Proz., Steuer vom' Arbeitslohn 14 Proz., Steuern auf Genuss- mittel 4 Proz., Steuern vom Umsatz 24 Prwz. ^Sne industriellen Unternehmungen, die gegen­wärtig wenig C-e'winn abwerfen, sind ausserordent­lich stark mit Vermögenssteuer belastet. Unleug­bar aber ist die ungeheure Verarmung des deut­schen Volkes. Aus dieser Sage können wir nur durch grösste Steigerung der Einnahmen und äusserste Br Minderung der Ausgaben den Weg ins Freie finden.

Abg von Graefe (teutschvolk.): Alle Par­teien dieses Hauses stehen blind der Tatsache gegenüber dass sich jetzt eine neue Staatsidee ent- toicfelt Hetzt geht der Kampf nur zwischen Haken­kreuz und Sowjetstern. Es ist ganz verkehrt, zu sagen, dass man die katholische Kirche angwise, wenn'man das Zentrum angreifc. Der Vati­kan ist auch ein politischer F rstor, und darum muss er sich auch Angriffe auf seine politische Haltung gefallen lassen. (Abg. Ledebour: For- bern Sie den Papst doch auf Pistolen!) Gegen die päpstlichen FriedenswerÜe haben sich seiner­zeit die Herren Kuehlmama. Stresemann und

Graf Wostarp entschieden ausgesprochen. Luden­dorff befinbet sich in seiner Burteilung des Zen­trums in sehr guter Gesellschaft.

Rach persönlichen Bmerkungen wird bie Weiteiberatung auf Donnerstag vertagt.

Freitag Reichstagsoufrösung!

Berlin, 11. März. (WTD ) Der Aeltestrn- rat des Rrichstages bat die Dijpofitioren für den Rest der Tagung so getroffen, dass Donnerstag oder Freitag die Auflösung des Rrichstags er­folgen fcrm. Am Mittw-v'ch werden das Post- fi^anHgrsctz, das Gesetz übet die Ausprägung von SiV tmürz n, der deutfä-nationale Antrag toeg-n der Wahl des Reichspräsidenten, am Dorm rstag das Gesetz über die Golddis- tontbanf erledigt werden.

Rach der Ar.nahmr d:s Rotetats wird der Reichskanzler noch einmal lautGermania" den OtanrWnft der Regierung zur F y' Rotvevordnungen darlegen und zum Ausdruck briiogm, dass die Regierung, da eine zieve.- cinfttmmunj mit den Oppositionsparteien nicht zu erzielen fei, an das Volk zu appellie­re n und den Reichstag aufzulösen.

Die Neuwahlen deS Reichstages dürften am 4. oder 11. Mai stcttfrnden.

Der 4. Mai dürfte dabei in erster Linie in Frage kommen, und die preussischen Gom:indewahlen, die auf diesen Tag einberufen sind, würden Wohl um kurze Zeit hinausgeschoben werden.

Der Sparausschuss des Reichstages soll als Ausschuss bri der Regierung fortbestehen, lieber dir Drriäng-rrmr; der Gültig eit der Freifahr- karten der Abgeordneten bis zu den Reuwahlen soll noch mit dem Reichsrat verhandelt werden. Ferner ist vorgesehen, dass die Wahlagi­tation während der Karwoche ruhen soll, so dass in di.ser Woche keine Brsammlungen abgehalten werden.

Der Sachverständigenbericht.

Paris, 12. März. (Havas.) Der Bnk- Untevmsschuh hörte gestern nachmittag Dr. Schacht der heute vormittag seine Aussührungen fortscyen wird. Das Komitee Dawes wird heute nachmittag zufammcntreten, um den Dericht des Dank-Unterausschusses über bic Aus­führungen Dr. Schachts und den Bricht der Budgetkommission entgegenzunehmen. Das «iomitee Dawes scheint die Form festgelegt zu haben, die es seinem endgültigen Bericht geben

wird. Der Bericht wird nach einem einleitenden Teil im zweiten Teil Empfehlungen bringen, die bie Sachverständigen den Regierungen Aber die verschiedenen Fragen machen. Die Sachver­ständigen werden wahrscheinlich den Ruhen be­tonen, Deutschland

ein Moratorium für die Barzahlungen zu ge­währen unter dem Vorbehalt von Sach­leistungen.

Endlich wird ein dritter Teil die technischen De« bingungen über die ins Auge gefassten Punkte enthalten, nämlich die Emissionsbank, die Etsen- babnfvagen, Monopole usw.

Rach einer Blättermeldung aus Reahork er­fährt tieChicago Tribüne", das Sachverstän- bigenEomitee werde in fernen Konkiwianen für eine gewisse Reihe von Hahren, d. h. bis Deutsch­lands Wirtschajtskraft wieder hergestellt ist, die jährliche Zahlung von 2 Milliarden Goldmark Vorschlägen. Diese Summe falle dazu dienen, die Sachlieferungen an die Alliierten zu decken, also die Kohlen- und Koksliefer-ungen zu begleichen. Mit anderen Worten: die M i - cumver träge, die am 15. April ablaufen, feilen durch diese Zahlung erseht werden. Nach Maßgabe der Hebung der Finanz- und Wirtschaftslage sollen diese Zahlungen staffel» weise die Summe von 31/? Milliarden Gold­mark erreichen.

Abkommen, tote die von Wies Emden und Stinnes- ßuberfac, sollen wahrscheinlich erneuert wer­den. Die deutschen Staatsmonopale sollen von den Mliierten überwacht werden.

In Brbindung mit dieser Meldung ist es nicht ohne Interesse, anzuführen, dass nach einer Mitteilung desReuyork Herald" von Deutsch­land verlangt werden soll, den Ertrag der Staats^ monopile an die internationale Gold­emissionsbank abzuführen, die sie als Depot bewahre. Don diesem Dep)t sollen die Sachlieferungen bezahlt werden. Rach dem gleichen Blatt sollen die Sachverständiaen auch bereits praktisch die Frage bet deutschen Eisenbahnkontrolle gerccelt haben, um die Rechte der Zeichner der geplanten Anleihe zu sichern. Es würden ein oder mehrere D e r - wa 11ungsräte ernannt werden, die die Aktio­näre vertreten sollen, wie dies in Amerika der Fall sei. Ihre Aufgate bestehe besonders darin, den Zinsendienst für die Anleihe aus den Einkünften der Eisenbahnen sicherzuftellen.