Nr. 266 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, U. November (924
Belgrader Krisenrummel
Don unserem Dallrnkorrespondeate ia Peter Twiel
Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Belgrad, 2. Dov. 1924.
Was wird cnrS diesen ewigen Re;ierung5- fiifen herxausl'mmon, frag .r sich täglich he.' alle besorgten Polit.ker, und nc finden kaum eine befriedigende Antwort. Die Mehrzahl der südslawischen Bevölkerung ist seit langer Zeit schon von der Auffassung abgekommen, daß es sich bei all diesen ewigen Krisen lediglich um ein törichtes freventliches Parteisviel handele, und sie ist der bestimmten Aufsalfung. boß de'e Krisen tiefer gehen und daß sie ans Sein des ganzen Staates rührten.
Eine kleine Hoffnung vor einiger Zeit. Der König hatte einen energischen Schritt getan, und er hatte eine Regierung zugestanden, in der d i e Vertreter aller drei Stämme oder Rationen und alle drei Glauben dieses Staates vertreten waren. 3n der Regierung David o w i t s ch , die vor etwa drei Monaten gebildet wurde, gab es Serben, Kroaten und Slowenen, und es gab in ihr orthodoxe Prawoflawen, Katholiken undMulel- ma ne n. Diese Regierung trat mit e nein bedeutenden Schwünge und mit einer großen Hoffnung in die Oeffentlichkeit. Sie wollte eine .Regierung der Harmonie" und eine „Regierung der reinen Hände" fein Sie wollte, so war ihr Pivgramm. Len seitherigen unerhörten unrd die Existenz des Staates bedrohmden Mißklang zwi'chen Serben, Kroaten und Slowenen aus der Welt schaffen, und sie wollte die öffentliche Korruption, die nach ihrer Meinung lebensgefährlich am Mark des Staates nagte, vernich en Die'e Regierung brachte zur Lösung dieser Aufgabe gute Vorbedingungen mit: sie war aufrichtig dem Werke der Versöhnung ergeben, und sie war aus untadeligen Männern zus-ammenge'etzt. D'ele Tatsache sicherte ihr denn auch, wie es schien, von Anfang an das Vertrauen der Krone, die ebensowohl eine brüderliche Versöhnung als auch „reine Hände" wünscht, und sie sicherte ihr das Vertrauen namentlich derjenigen weiten Strömungen im kroatischen Volke, die seither intransigent gegen jede Belgrader Regierung sich verhalten hatten. Raditsch, der kroatische Bauernfuh er. der so ungefähr der Ausdruck des ge amten kroatischen Volkes ist, bekannte sich offen und mit Wärme zu dieser Regierung, und er bekannte sich namentlich zu deren Führer, dem De'grader sechischen Demokraten Davidvwitsch So v rügte die'e Regierung im Parlamente übe' die Mehrheit, und sie konnte mit ihren 180 Mandaten gegen nur 130 der Opposition ihr Werk parlamentarisch beginnen.
Aber es war von vornherein klar, daß das Werk der Versöhnung nur durchzuführen sei, wenn auch von feiten der Serben wesentliche Zugeständnisse in der Richtung der kroatischen, slowenischen und bosnischen Föderativwünsche gemacht wurden. Dazu waren Davido- witschs demokratische Serben bereit, — aber es war nicht dazu bereit, die Mehrzahl der im sog. oppositionellen „Rationalen Blocke" vereinigten radikalen Serben und „selbständigen" serbischen Demokraten. Ganz in der Auffassung befangen, daß nur eine zentral! st ische Einrichtung des Staates die südslawische Einigung stützen könnte, bekämpften deren Führer, der greife 84jährige Rikola Paschitsch und der junge nationalistische Feuerkvpf Swetosar Pribi« t s ch e w i t s ch diese „Dersöhnungsregierung". und Paschitsch sprach sogar davon, das; es ein Fehler gewesen sei, den Kroaten nach dem Kriege Gleichberechtigung mit den Serben gegeben zu haben.
Wäre alles nur streng nach parlamenta- rischen Grundsätzen gegangen, so hätte die Regierung Davidvwitsch bei ihrer Arbeit den „Rationalen Block" schimpfen und rumoren lassen können. Aber es ist ja genügend bekannt, daß dieser Rationale Block, der heute noch die Mehrheit des serbischen Volkes in sich schließt, immer schon nicht viel auf eine parlamentarische Lösung der grundsätzlichen Staatsfrage gab und dah er gegenüber den Wünschen der 1918 neu gewonnenen Kroaten, Slowenen, Muselmanen und Montene- griner immer zuvor das rein serbische Interesse wahrte. Dieses serbische Interesse aber gründete in einer Staatseinrichtung, die für alle Zeiten den Serben die Vorherrschaft im Staate sicherte. — und «eine solche Staatseinrichtung wollte der Rationale Block gegebenenfalls auch gegen den Willen der anderen und gegebenen- falls auch gegen eine parlamentarische Mehrheit durchsetzen.
Zu diesem außer- oder unparlamentarischen Durchsetzen freilich gehört Kraft, — aber der Rationale Block glaubt, über diese Kräfte zu verfügen. In der Meinung, dah er sich auf die Mehrheit des serbischen Volkes und — was mehr ist — auf die Mehrheit der Armee stützen
kann, ist er in seinen Forderungen unnachgiebig. — und diese llnnad>giebigteit zeigte sich in der letzten Zeit vffenllchtlich auch gegenüber der Krone. Es war im Verlause der Regierung Davidvwitsch. die ruhig und fleißig an der Vorbereitung wichtiger Staatsgesetze, dem Invalidengesetz und dem Gesetze gegen die Korruption, arbeitete, klar geworden, dah die Krone in ihrem Vertrauen auf die Arbeit der Dersöhnungsregierung schwankend wurde, — und der Rücktritt des Vertrauensmannes der Krone in dieser Regierung. des Kriegsministers und Generaladjutanten des Königs, des General Hadzitschs. war einzig in dieser Richtung und zugleich auf ein Mihtrauen der Armee gegenüber der Regierung Davidvwitsch zu deuten.
Wenn man Material zu Anschuldigungen gegen eine Regierung wünscht, ist solches Material meist leicht zu finden und Stephan R a d i t s ch , der kroatische Dauernsührer. ist ja seinem ganzen Temperament und seiner politischen Psyche nach jeden Augenblick für den serbischen Egoismus zu verwenden. Es war vorauszusehen gewesen, dah Raditsch, indem er zu einer „ehrlichen und dauernden" Versöhnung zwischen Serben und Kroaten der Regierung Davidvwitsch die Hand reichte, nichts oder nur wenig von seinen kroatischen Forderungen aufgeben würde, — wie er dann in der Tat auch weiter auf dem Grundsätze der Republik nerbarrte (er wollte zwar diese Frage vorläufig zurückstellen und mit der Monarchie ein Kompromih schlichen), und wie er weiter im Rahmen des südslawischen Staates ein autonomes Kroatien mit einem autonomen Landtage forderte, höhnten die serbischen Rationalisten über eine solche „Verhöhnung" und sie forderten vor der Oeffentlichkeit und vor dem König Rücktritt der Regierung.
Dieser Rücktritt ist vor etwa 14 Tagen nun auch erfolgt, und er ist nicht auf parlam ntalichcm Wege, sondern, wie die Regierungspre e fehr eb, durch den „Druckder Krone" herb igeführt worden. Kein Wunder, dah Kroaten Slowenen und Muselmanen nun doppelt erbt tert sind, dah Raditsch der Krone das Wort „Staats- ft r e i ch" entgegenschleuderte, und dah er drohte, er werde nunmehr wieder seine 70 Abgeordneten von Belgrad zurückrufen.
Das ist die Vorgeschichte dessen, was sich ereignete, und im Augenblick, da diese Zeilen getrieben werden, stehen wir hier in Belgrad noch mitten in der weiteren Entwicklung der Dinge. Der König griff in diese Entwicklung selbst mit energischer Hand ein und rief die großen Parteien zur Beratung in das königliche Schlot', aber lein langfristiger Plan, die b id.n zerstr ttenen grol en serbischen Parteien, die Raditalen Pusitsch und die Demokraten Davidowilschs, in einer s erbischen Koalitionsregierung zu samm ln, ist bis jetzt noch nicht gelungen. Cs mag sein, dah gegen das Prinzip einer solchen Regierung weder Radikale noch Demokraten etwas einzuwenden haben, aber wie das nun einmal bei dem ausgesprochen parteipolitischen Getriebe in Belgrad ist, (tretet man sich gegenseitig um den Vorrang in dieser Regierung. Die Radikalen Pasitschs möchten drese Regierung und damit die Demokraten beherrschen, und das wollen sich natürlich die Demokraten nicht gefallen lassen. Unb so geht der Streit der Parteien hin und her — und die Staatsinteressen leiden.
Aber es gibt natürlich auch sachliche Hindernisse für die Bildung dieser Regrerung, und daS nationalistisch-serbische Programm der Radi- kalen verträgt sich natürlich schwer mit dem versöhnungsbereiten, nachgiebigen Programm der Demokraten. Dazu kommt die Ertoägnmg, dah eine Versöhnung der beiden großen serbischen Parteien noch keineswegs die innere Unausgeglichenheit des Staates regelt, und dah nur ein Ausgleich zwischen Serben und Kroaten und Slowenen das Problem Südslawen wahrhaft zu lösen imstande ist. Diese Lösung ist — die Jahre haben es gezeigt — nicht einfach. und gerade gegenwärtig ist man anscheinend wieder weitem, denn je von dieser Lösung entfernt.
Drei Möglichkeiten eröffnen sich jetzt. Die eine ist die Bildung einer Konzentrationsregierung, die sich wieder gegen Raditsch wenden müßte. Das wäre also keine Lösung. Die zweite Möglichkeit ist das Ausschreiben von Reuwahlen. Qlber auch sie bedeuteten nur ein Aufschieben der innerpolitischen Regelung deshalb, weil nach den Wahlen im neuen Parlamente die Gegensätze zwischen Serben, Kroaten und Slowenen sich voraussichtlich nur noch schärfer zeigen würden, und weil man dann alle seitherigen Streitfragen — nur drei Monate später — erneut aufrollen müßte. Die dritte Möglichkeit wäre die Fortsetzung der Da - vidowitsch'schen Versöhnungsregierung. aber auch sie hätte nur ein^ hoffnungsvolle Zukunft, wenn das Dersöhnungswerk von allen Serben mit allein Ernste und mit möglichster Rachgiebigkeit gefördert würde.
Seltsame Flitterwochen.
Roman von Arnold Fredericks.
43. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Sechzehntes Kapitel.
Als Lefevre in dem Speiehaus am Boule dard des Italiens Richard Duvalls Arm berührte. war er von großer Arrg l geplagt: trotzdem täuschte er freudige Hebe ra chung rb:r dar unerwartete Zusammentreffen vor.
Schon seit dem vorhergehenden Abeed hatte er nichts von Grace gesehen oder gehört. Er latte von Stapleton erfahren, daß sie lein Haus kurz nach neun Ußv verlassen hatte, se.ther war sie völlig verschwunden.
Irrer st dache der Präfekt, sie habe ifreVe - kleidung rhrem Manne nicht länger verheimliche i Können und sei bei ihm. Später erfuhr er von Bernet, daß es nicht der Fall tojr. Run war der alte Herr- wegen ihrer langen Abwesenheit ernstlich um sie besorgt.
„Wie geh: alles, mein Freund?" fragte er, ausgesprochene Sor,..'o!igkeit vor rauschend. „Haben Sie die Räuber schon entdeckt?"
Duvall lächelte. „Roch nich: aber ich zä'ie darauf, sie zu haben, ehe der Aberd herum ift"
„Wirklich? Ich beglückwünsche Sie! Hab n Sie etwas von Fräulein Goncourt ge'ehen?"
„Rein. Warum?“
„Ich Lachte, Sie hätten sie vielleicht getroffen. Wie Sie wissen, sind Sie beide hinter derselben Sache her."
Duvall lächelte geringschätzig „Ich glaube picht, daß sie die Fährte verfolgt, auf der ich
bin,“ sagte er. „Ich wlll die Wette gewinnen, Herr Präfekt."
Der Präfekt schien unangenehm berührt. „Der Abend ist noch nicht vorbei," erwioerte er. „Aber jedenfalls hoffe ich, daß Stapletons Dvh.r ohne weiteren Zeitverlust zurückgebracht wird — gleichviel, wer tum Erfolg kommt."
„Kommen Sie haute abend zu ihm! Ich habe eine llttne Geschichte mit Bernet a^rsgemach. d e Sie überraschen dürfte, Und dann werden wir Lazu noch den Knaben holen." Duvall stand auf und setzte den Hut auf. „Wir nehmen Sie gerne mit."
„Auf jeden Fall bin ich dort. Welche Zeit bestimmen Eie?"
„Spätestens halb neun Ußr.“
„Gut," sagte der Präfekt „Ich werde dort fein. Auf Wiedersehen, mein Freund!"
„Auf Wiedersehen: empfehlen Sie mich Fräulein Goncourt!"
Duvall ging aus dem Speifehaus wog und in fein Zimmer im Hotel, um Grace einen large r Briet zu schreiben. Er machte ihr Vorwürfe. i»ß sie hm noch gar nicht geschehe i habe Er war jer.t vier Tage hier in Paris und hatte noch kein Wort von ihr erhalt:n Ein 2r.es hätte, nahm er an, mit dem Schiss kommen müßtet, mit dem er selbst gefahren war. Er beschrieb ihr, wie sehr sie ihm fehlte, wie innig er sre liebte und wie bald er in ihre Arme zurückzueilen gedachte.
Und während er schrieb, stand Grace. Halo tot vor Müdigkeit, in dem Kleider schrank in Pa y. nicht weiter als eine Merle von ihm, versteckt und beobachtete mit ängstlichen Augen den Räuber. der auf dem Sofa schlief.
Daran ist aber gegenwärtig noch nicht zu glauben, und es muß deshalb jede der drei Entscheidungen, die die Krone dieser Tage wählt, als vorläufig nur zeitweilig betrachtet werden. Die Lösung der innerpolitifchen Dinge in Eüd- slawien ist immer noch nicht reis
Anm. der Red. Inzwischen bat nun der König Pasitsch mit der Bildung eines Konzentra- tionslabinetts von Radikalen und Demokraten beauftragt. nachdem die dritte oben aufgezeigte Möglichkeit, Fortsetzung der Dersöhnungspolittk durch ein Kabinett Tirnotejewitsch, gescheitert ist. Ob es einem alten routinierten Staatsmann wie Pakitsch gelingen wird, die südslavische Krise einer befriedigenden Lösung en! gegentu- führen, erscheint angesichts der ablehnenden Haltung der Kroaten gerade diesem Manne gegenüber äußerst zweifelhaft.
Philipp Eulenburg.
Unter der Fülle dec in den letzten Jahren erschienenen Literatur, die sich mit der de ilschen Politik in der Vorkriegszeit befaßt, beansprucht das Buch Hallers über den Fürsten Gutenberg*), t 1921, den bekannten Freund des Kaisers, besondere Aufmerksamkeit. Sowohl um des Verfassers als auch um des Inhaltes willen Haller, der frühere Gießener, jetzige Tübinger Historiker, hat schon durch seine historisch- potttischc Studie „Die Aeca Bülow" (1922) sich als ein scharfer Beobachter der deutschen auswärtigen Dorkriegspolitik erwiesen. Für viele Einzel- hecken in dieser Studie war ihm — das sehen wir jetzt durch dies 'Derk — Eulenburg der Gewährsmann, dessen LcbenSerinnerungen er auch bereits vor einem Jahr herausgab. Ec hat auch jetzt mit innerer Wärme das viel ve.schlungene und nicht gewöhnliche Leben dieses Firsten bar- gestellt Fußend auf einer Fülle von Briesen und Auszeichnungen Eulenburgs läßt er diese — sie geschickt verbindend und erläuternd — vornehmlich zu dem Leser sprechen.
So führt uns das Buch die Entwicklung und die einztlnen Lebensstadieu dieses Mannes klar vor Augen. Sein Wesen. Künstler und preußischer Beamter zugleich, das Verflechten seines Lebensweges mit dem des Kaisers, seitdem dieser ihn schon als Prinz zum Freunde erkor, seine diplomatische Laufbahn, die ihn nach Münchm. Stuttgart und Oldenburg führte, schließlich seine Dot- schaftcctätigleit am Wiener Hoß von der er 1902 gesundheitshalber zurücktrat. Wir gewinnen interessanten Einblick in die politischen Verhältnisse der Bundesstaaten, vor allem in die Bayerns mit seinen partikularistischen und ultramontanen Strömungen. Roch bedeutsamer wird daS D.ld, seitdem Eulenburg, wie er selbst einmal ausdrückt, „als Dorschafter der Reg erung beim Kaiser" zugleich auch Einfluß und steigernde Bedeutung für die Innen- und Außenpolitik des Reiches gewinnt. Mit der Darstellung des bekannten Prozesses, in den der Fürst durch Harden verwickelt wurde und in dessen Verlauf er als todkranker- Mensch nach Hause zurückgebracht wurde, schließt die aufschlußreiche Darstellung.
Haller will durch sein Werk, wie er schon zu Anfang sagt, eine Rechtfertigung des viel verkannten Menschen und Staatsmannes Eulenburg bewirken, zugleich auch eine Quelle für die Geschichte der Zeit bieten. In dec bekannten Prozeßsache ist es ihm gelungen, soweit man die verwickelten Vorgänge durchschauen kann. Eulenburgs Unschuld zu rechtfmtigen. Das Bild Hardens wird dadurch noch trüber, wie es bereits ist. Guten Einblick erhalten wir auch in die Kanzlerzeit Caprivis und Hohenlohes: hier fließen die Quellen besonders reichlich. Bis in die ersten Jahre Bülows ist Eulenburg der vors chtige, aber keineswegs schmeicheln e kaiserliche Berater unb Vermittler zwischen R g evung und Monarch. Hinter allem aber steht anfänglich noch drohend die Furcht vor dec gigantischen Gestalt Bismarcks. Ebenso plastisch tritt die kluge, aber dämonische Gestalt Holsteins hervor. des eigentlichen Lenkers der auswärtigen Polttik Deutschlands von 1890—1926. Wie wenig glücklich seine Außenpolitik für das Reich war. vor allem durch seinen Gegensatz zu England, wird uns auch hier wieder klar. Anschaulich wird dec stille Kampf zwischen dem Auswärtigen Amte und dem temperamentvollen, in seiner Art jedoch durchaus ehrlichen Willen des Kaisers geschildert. Richt zuletzt ist es Bülow, dessen geistvoll vornehmes, aber auch vor allem im Hinblick auf die Außenpolitik leider so wenig tiefgründiges Wesen uns h ec lebendig vor die Augen tritt.
Fürst Eulenburg ist, wie Hallers Buch deutlich zeigt, ein Mensch von scharfer Deobachtungs-
* Aus dem Geben des Fürsten Philipp zu Eulenburg-Hertesel) von Johannes Haller. Berlin 1924. (®ebr. Pätel.) 1146
Duvall wollte am Abend etwas vor acht Uhc bet Stapleton sein: es waren noch zwanzig M.- raiten brs dahin, als er die Treppe au des Bankiers Wohnung hinaufstieg und rn die Dibliothel geführt wurde.
Stapleton saß in verbissenem Schweigen da und erwartete die Ankunft seines Be uchecs. Er sch.ien über Duvalls Ankunft nicht sonderlich erfreut. Da es dem letzteren of'entac nicht gelungen war, mit der Entdeckung seines vermißten 9tr.<r- ben vorwärts zu kommen, hatte der Bankier das Vertrauen zu seinen Fähigkeiten verloren.
„Guten Abend, Herr Stapleton. Wie ich sehe erwarten Sie Ihren Monn." Ec sah nach dem'Päckchen Banknoten, das neben des Bankiers Ellbogen lag.
„Jawohl. Ich vertraue darauf, daß Sie nichts tun, um sein Kommen oder sein Weggehen zu verhindern?"
„Gewiß nicht." .
Stapleton sah nach der Uhr. „Er wrrd ictzt bald hier fein Darf ich Sie bitten, oben in meinem Arb itszimrner auf rn:ch zu warten? Es wäre nichts für Sie. hier zu bleiben. Der Mann könnte nicht herein wollen."
„Rein — Sie Haven recht. Ich darf nrcht hier "sein. Aber ich warte lieber nicht im Arbe ts- zimmer. Ich habe eine andere Wicht."
„ülnd die wäre?" forschte der Bankier beunruhigt. _
.Wo ist Fran^ors — Ihr Chau feur?"
„Beim Ellen, denke ich. Warum?"
IWollen Sie so freundlich fein und sich besten versichern ? Ich will in sein Zimmer gehen."
Stapleton flingette einem Diener, der ihm sagte, daß dec Chauffeur eben beim Essen sitze.
gäbe und von vornehmer Äultur, aber ihm fehlte ebenso wie Bülow jene letzte Kraft und der stahl- harte Wille, wie ihn etwa BiSmarck besaß, den einmal für recht erkannten Weg durchzuführe.r. auch gegenüber Höf schon Einflüssen. ILib hierin liegt im Grunde die historische Tragrk dieses Menschenlebens.
Turnen, Sport und Spiel.
Tnrugau Hessen (D T.)
-0- Gießen, 10. Rov Am Sonntag nachmittag fand in der UebungSballc des ORanner- trirnvereinS (Turnhalle der Oberrealschule) eine Ga u f ra u e n t u r n st u n de statt. Da der seit bei'igc Gauleiter dos Frauenturnens. Harman.» Fischer (Marburg), sein Am' niedergelegt hat. übernahm cs d.eSrna! der Gauober-tumtvart Dllh. Will ((Dießen), die sehr zahlreich erschienenen Qkrtretcr and Turner nnen der Verein-rlegen in den Uebungsßo'i des neuen TurnjahreS einzuführen Es bete ligten sich die Vereine von Al Irndorf a L.. Bad-Rauheim Mw und Tv. 1860, Biedenkopf Butzbach Cölbe. Frankenberg. Friedberg. Gießen Mtv. unb Tv. 1846, Gladen bach. ®rubel, Großen Linden. (3iü berg, Klein- Linden, Lich. Marburg Tv. und Lade.. Ridda. Treis a. Lda unb Wetzlar Den Schlaghops im Wechsel mit Wiegeschritt und den Doppei- schottischhupf bchandUlc W Will (Gießen), in das Keulen schwingen führte P. Schuler (Wetz lac) ein. einfache, aber eindrucksvolle Hebungen am Pferd hatte Turnlehrer R. Paul (Gießen) zusammeng-stellt. und W e i k h a r d t (Butzbach) berichtete über seine Erfahrungen bei der Aus bildung von Frau ntumwarten in Spandau. Eine gute Anleitung für das Frauenturnen hat der Ober-turnwart der Deutschen Turnerschaft K u - na t b (Bremen) in feiner Schrift „Die Dorturnerin" geg.'ben Die durchgeturnten Hebungen dienen dec Vorbereitung des GausrauenturnenS am 24. Mai und des KreiSsostes am ersten Sonntag im August des nächsten Jahres. Auf dem Kreisfest wird in nur einer Stufe (über 17 Jahre) geturnt, und zwar in einem Reum. Sieben- und Dreikampf.
Arbcitcrturn- unb Äportbund.
£ Mit den Spielen am Sonntag ist in der Gruppe „Ost" die ülngewißheit, wer Gruppenführer wird, geklärt Mit einem äußerst knappen 1:0-Refullat holte sich Gießen die noch fehlenden Punkte in Oberbiel, die dortige 1. Mannschaft war selbst ein starker Reflektant. Daß sie den Gießenern den Sieg nicht leicht machte und es hart auf hart ging, beweist das knappste aller Resultate. 3n der Gruppe „West" ist die Situation soweit geklärt, daß Wicseck die Führung nicht mehr streitig gemacht werden kann. Es ist also dock) so gekommen, wie hier schon früher ausgeführt wurde. Gießen und W i e s e ck treten zum Entscheidungsspiel an; wann und wo, steht noch nicht fest. Das Spiel in Oberbiel fand bei dem herrlichen Herbst- Wetter eine äußerst zahlreiche Zuschauermenge aus Oberbiel und dem benachbarten Albshausen Der Platz selbst war nicht gerade in glänzender Verfassung. Das scharf und flott einsehende Spiel brachte zunächst keiner Partei einen (Srfolg Gießen war im Vorteil und drückte Oberbiel immer mehr in seine Spielhälfte, wo letzteres äußerst zahl- und erfolgreich verteidigte. Erst 12 Minuten vor Schluß gelang es dem Mittelstürmer Gießens, das einzige Tor des Tages einzudrücken. Gießen gefiel recht gut, es spielte in fairer Manier ein flüssiges Kombinationsspiel, die Spielweise Oberbiels ist noch zu scharf und massiv, die Mannschaft ist ein beachtenswerter Gegner.
Eießens 2. und 3 Mannschaft spielte in Alsfeld gegen die dortige 1 und 2. Mannschaft ein Gesellschaftsspiel, beide wurden von den Alsfeldern in „großzügigster" Weise ab = gefertigt. Hier entschied das größere spielerische Können, die technische lleberlegcnbeit. Mit 5. 1 Toren wurde Gießens 2. und mit 4:0 Toren die 3. Gießens hcimgcschickt Zu verwundern ist bad nicht, denn Alsfeld besitzt vorzüglich trainierte Spieler, die schon von jeher tadellosen Sport geboten haben.
Leibesübungen an Hochschulen.
Zu dieser Mitteilung in unserer Rr. 261, in der von sportärztlichen Sprechstunden an der Universität Breslau berichtet wurde, wird uns von Prof. Dr. Huntemüller -Gießen geschrieben.
Ich möchte darauf Hinweisen, daß derartige Llntersuchungen an der hessischen Landes- universität im Institut für Körperkultur schon seit dem Sommersemester 1922 stattfinden Wir sind hier in Gießen aber noch einen Schritt weiter gegangen und haben im engen Zusammenarbeiten mit der Studentenhilfe feit dem Sommersemester 1923 die regelmäßige Untersuchung der neuimmatrilu»
„Seien Sie sehr vorsichtig, Duvall," sagte e» ängstlich. „Ich toll nich'. Laß elto s unter 'immer wird, was die Burschen b.unruh gen könnte."
„Oh, Francois wird mich nicht sehen. Ich werde für ihn unsichtbar Meiden. Ab: ich tue bester dran, jetzt hinaufzugehrn." Er nickte dem Bankier zu und flieg sifort die Treppe zu den Dienstbotenz.mmer.n hinauf.
An der Tür des Zimmers des Ehau feurS blieb er einen Augenblick stehr.r Sc war zu. Ec drückte sie lachte auf und bctiat das ZimmLr. Es war ziemlich dunkel, aber mit Hilfe einer Taschenlampe sand Dur all Len Wandschrank und war ra'ch gut Larin verbargen. Die Türe ließ er halb offen ftcß.n und stellte zu seiner Defrie» tigung fest, daß er ohne Sch vier g'eil durch das Fenster an der Rvrdseite hinauslehen konnte. Hier wartete er. bis der Chauffeur kommen würde.
Währenddem faß Stapleton grimmig in der Bibliothek unten und wartete aas die Ankunft des Erpressers. Mit dem Schlag ach. Ahr meldete ihn der Diener an.
„Führen E-ie ihn sofort herein!" rief der Bankier. — Er stand arll und spazierte im Zimmer auf und db.
In einem Augenblick war der Mana i r der Diblioth:!. Sein mach .g r Wuchr. .er schwarze Bart und seine ich:ren 11 mg: sf r:nr.< p äg.en ihn zu einer leicht erkennbaren Ge'talt.
„Hier bin ich. wie ich es Ih ea versprach, Herr Stapleton," b.m:rkte er ruhig „Ich rechne damit, daß Sic das Geld bereit haben."
(Fortsetzung folgt.)


