machen. Vielfach werden hierbei Fehler in der Anzucht dieser Pflanzen begangen. Man vermeidet sie am ehesten, wenn man an die Aufgabe dieser Pflanzen denkt, den Winter gut zu überstehen.
Darum suche man weniger große, als ft dm» mige Pflanzen mit festem Gewebe zu erzielen. Am besten sät man in ein leer gewordenes Misb- beet (das natürlich keine Düngerpackung bekommt). Die Mistbeeterde darf für diese Pflanzen nicht zu fett sein, damit sie moch vor Winter nicht zu üppig wachsen. Man sät gleich so, daß die Pflanzen stehen bleiben können, ohne zu dicht zu stehen. Beste Entfernung 8 mal 8 im Quadrat. Ilm diese Entfernung zu erzielen, kann man die Samen entweder in Rillen oder breitwürfig dünn aussäen und dann auf die angegebene Entfernung verziehen. Ein Berstopfen (Pikieren) schwächt jedesmal das Wurzelwerk und dadurch die Winterfest igkeit. Gegossen werden die Pflanzen möglichst wenig oder gar nicht, damit das Gewebe recht fest bleibt. Die Mistbeetfenster werden erst bei stärkerer Frostgefahr aufgelegt und beim Vvr- übergehen derselben wieder ab- oder wenigstens hvchgehvben. Rur bei ganz großer Winterkälte werden Strohmatten aufgelegt.
Man kann die Pflanzen auch auf ein gewöhnliches Freilandbeet aussäen. Dann wirft man am Rande desselben einen etwa 20 Ztm. hohen Wall auf und überdeckt die Beete mit Stangen, auf welche man dicht Spargelkraut, Stroh und dergleichen breitet.
Winterhärte Sorten sind: Bon Weißkohl „Maispitz" und „Expreß". Bon Rotkohl „Früher, Keiner, roter Erfurter". Bon Wirsing „Advent" „Kitzinger", „Almer". Alle diese Sorten sind durchschnittlich Ende Juni schnitt fertig.
Ueberwinterung der Artischocken.
Die Durchwinterung der Artischocken geschieht am sichersten, wenn man sie im Spätherbst aus dem Sande hebt, in trockenen Sand im Keller eiw- senkt, gegen Mäuse bewahrt und sie dann im Frühjahr, wenn kein Frost mehr zu befürchten ist, in ein gut zugerichtetes Beet einpflanzt. Oder man macht an einem recht trockenen Ort ein» 30 Ztm tiefe Grube, seht die auf 90 bis 120 Ztm. eingestuhten Pflanzen hinein und bedeckt die Wurzeln samt den Pflanzen mit Erde. 3m Frühjahr versetzt man sie dann wieder auf die Beete. 3m Lande überwintert man sie auf folgende Weise: Wenn die Fröste eintreten, so schneidet man «das Kraut 2 Zoll hoch über der Erde ab, häufelt letztere über die Stöcke, deckt frischen Pferdemist darüber, harkt im Frühjahr, wenn feine Fröste mehr zu befürchten sind, das Stroh hinweg und gräbt den feineren Mist zwischen den Stöcken ein, ohne aber diese dabei zu verletzen oder zu lüften. Mancherorts stellt man auch ein viereckiges, 30 Ztm. hohes, unten und oben offenes Kästchen über die Pflanzen und überdeckt dasselbe mit Laub, Stroh und Pferdemist. Wenn man im 3anuar oder Februar ein Mistbeet anlegt und die Artischocken hineinpflanzt, so kann man von ihnen schon im April oder Mai ernten. t3m Anfang hält man die Pflanzen warm und lüstet sie wenig, bei guter Witterung aber gibt man ihnen mehr Luft.
Fragekasten.
Frage 53: Wie kann man jetzt Stachelbser- (bzw. 3ohannisbeer-) raupen vertilgen, so daß sie nächstes 3ahr nicht wieder auftreten?
Antwort: Die Wintereier, Puppen, Raupen und geflügelte Weibchen der Schädlinge überwintern am liebsten zwischen abgefallenem Laub. Es empfiehlt sich daher, die Umgebung der Beerensträucher von jedem Unkraut und trockn em Laub zu säubern und zu verbrennen. Sodann überstreut man den Boden unter den Beerensträuchern mit Aetzkrlk und gräbt so tief wie möglich um, so daß alle Brut, die etwa schon ihr Winterquartier bezogen hat, in eine Tiefe von 20 bis 30 Zentimeter gebracht wird, wo sie zugrunde geht. Würde dieser vorbeugende Kampf alljährlich und in jedem Garten geübt, so würden wir bald Herr der Schädlingsplagen fein. Wenn aber der böse Rachbar nichts tut, dann ist alle Mühe vergebens. Ein einziger verwahrloster Garten verseucht zehn andere.
Frage 54: Wie sieht der Speierlingsbaum aus? Gedeiht er bei uns und von wo kann man junge Bäume beziehen?
Antwort: Der Speierlingsbaum, Svrbus domestica, einheimisch im südlichen Europa bis Algier, ist ein seltener, den meisten Obstzüchtern nur dem Ra men nach bekannter Baum, welcher früher in Rheinhessen, im Rheingau, im Lors- bachtal, auch in der Wetterau bei- Hochweisel und Fauerbach angepflanzt und verwildert vorkam. Da er aber nur langsam wächst und verwildert strauchartig bleibt, so dürfte er an vielen Orten infolge der Feldbereinigungen verschwunden fein. 3m Aussehen gleicht er der Eberesche und hat wie diese gefiedertes ßaub, das aber stärker gezähnt und unterseits weißlicher ist. Die Blüten sind doppelt so groß wie die der Eberesche, die in Büscheln zusammenstehenden Früchte sind grün, vom Aussehen kleiner Birnen. 3hr Geschmack ist ungemein herb, doch werden sie wohlschmeckend, wenn man sie wie Mispeln teigig werden läßt. Das weihe Holz ist zäh, es ist das schwerste aller in Deutschland vorkommenden Gehölze und zu Drechslerarbeiten und Schnitzereien- besonders geschäht. Der Wert des Speierlingshaumes besteht darin, daß der Saft der gerbstoffreichen, herben Früchte dem Apfelmost zugeseht, einen klaren, dauerhaften und wohlschmeckenden Apfelwein gibt. Speierlingsfrüchte find daher sehr gesucht und werden gut bezahlt. Man ersieht den Baum aus Samen, er braucht nicht veredelt zu werden. Veredlungen auf Ebereschen, Mehl- und Elsbeer- bäume wachsen zwar an, sind aber nur von kurzer Lebensdauer. Am vorteilhaftesten bezieht man junge Bäume aus größeren Baumschulen. An Boden und Lage macht der Speierlings- oder Sperberbaum, wie er auch genannt wird, keine besonderen Ansprüche.
Frage 55: Wie Farm man Hagebuttenwein Herstellen?
Antwort: Rezept 1: Reife Hagebutten werden von Stil und Kelch befreit und dann in den Keller gestellt, bis ba8 Fruchtfleisch ganz weich geworden ist. Dann werden sie gründlich verknetet. Alsdann gibt man zu 10 Liter Hage- buttenmafje 5 Liter Wasser, rührt das Ganze tüchtig mit einem Holzlöffel durcheinander, läßt es einige Tage an einem kühlen Orte stehen und preßt barm aus. Der Rückstand wird abermals mit 5 Liter Wasser durcheinander gerührt und nach etlichen Tagen nochmals abgepreht. Dies Farm zum drittenmale wiederholt werden. Der gewonnene Most wirb mit 450 Gramm Zucker pro Liter versetzt und barm zum Gären in einem mäßig warmen Zimmer bei 12 bis 15 Grab auf- gestellt. Dabei wirb die Oeffnung von Anfang an mit einem Gärspund ober einem feuchten,
tauberen Lappen zu verschließen sein. Zu bemerken ist, daß bie Gärung nur langsam vor sich geht unb der Wein nicht vor Mitte nächsten Sommers auf Flaschen gefüllt werden darf, weil er sonst nachgären würde. Ergebnis: Ein Helles, fast weißes, alkoholarmes, aber sehr angenehmes Getränk. — Rezept 2: 8 Liter reife Hagebutten werden von Stielen und Kelchen befreit, einmal ausgeschnitten und in eine etwa 40 Liter haltende Korbflasche getan. Hierauf werden 10 Pfund Zucker in 25 Liter Wasser aufgekocht, und dieses nach dem Abkühlen auf etwa 20 Grad nachgefüllt. Rach der stürmischen Gärung stellt man das Gefäß in einen luftigen Keller und zieht den Wein nach 4 Monaten auf Flaschen. Ergebnis: Ein vrangeroter, ziemlich kräftiger Wein. Der Rückstand kann durch Auffüllen mit der angegebenen Menge Zucker und Wasser zum zweitenmale zur Weinbereitung benutzt werden.
Turnen, Sport und Spiel.
Fußball.
Morgen empfängt der S p o r t c tu b 19 0 0 in einem Gauligatreffen an der Hardt die Mannschaft des F.'C. Germania-Osterode am Harz. Die Gäste muhten bereits heute mittag um 2 Ahr auf die Reise gehen, um in Gießen ihrer Pflicht nachzukommen. 3n Anbetracht der schlechten Zugverbindungen erklärte sich 1900 bereit, das Spiel vormittags 10.30 Ahr auszutragen. Nachdem 1900 die drei ersten Spiele teilweise unverdient verlor, konnte es vergangenen Sonntag in Wetzlar gegen F. C. 05 die ersten Punkte nach Giehen mitnehmen. Auch morgen wird es einen spannenden Kampf geben und ist in Anbetracht der hervorragenden Gästeverteidigung der Ausgang des Treffens vollkommen offen. Die Zuschauer werden sicher auf ihre Kosten kommen. Das Ligafpiel B. f. D. Gießen—Germania Marburg findet dagegen erst nachmittags statt.
Houben läuft einen Weltrekord.
Recklinghausen, 10. Olt. (TU.) Houben, der deutsche Meister, betrat gestern unter dem 3übel der Tausende von Zuschauern den Biktoriaplatz. 3m Zwischenlauf brauchte er über 100 Meter 11 Sekunden, dafür wurde aber der Gnglauf um so spannender. M o st - Krefeld, fein gefährlichster Gegner, fam sehr gut vom Start, hingegen Houben um so schlechter, und unter dem Druck dieser Tatsache wurde nun der Endkamps das Spannendste, was man je gesehen hatte. Houben, der zunächst den Kampf kaum glaubte gewinnen zu können, holte mehr und mehr auf und schob sich in den letzten Metern unter dem brausenden 3ubel der aufs höchste gespannten Menge an Most vorbei. Als aber die Zeit von 10,4 Sekunden bekannt wurde, brach der 3ubel der Menge nochmals stürmisch hervor. Houben lief mit Rückenwind, doch wurde sein Vorteil durch den ungünstigen Start mehr als crus- geglichen.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag, 12. Ott.: Der Rosenkavalier. Montag, 13.: Die Boheme. Dienstag, 14.: Tannhäuser. Mittwoch, 15.: Rigoletto. Donnerstag, 16.: Der Schatzgräber. Freitag, 17.: Ariadne auf Raxos. Samstag, 18.: Der fliegende Holländer. Sonntag, 19.: ®ie Zauberflöte. —
Schauspielhaus. Sonntag, 12. ua., naajm» 3 Ahr: Rctthan der Weise. Abmds 8 Ahr: SochS Personen suchen einen Autor. Montag, 13.: Bvmmelstu denken. Dienstag, 14.: Der Liebes- tva.ck. Mittwoch, 15.: Rathan der Weise. Donnerstag, 16.: Die Hermannsschlacht. Freitag, 17.: Sechs Personen suchen einen Autor. Samstag, 18.: Der Liebestrank. Sonntag, 19.: Die Hermannsschlacht.
Eingesandt.
(Für Form und 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Tierschutz.
Es ist bedauerlich, daß es auch hier in Gießen Menschen gibt, deren Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt auf einem sehr tiefen Riveau steht. 3n 3ndustriebezirken ist eher die Berständnislofig- keit gegen alles Leben zu begreifen, als an Orten, die umgeben sind von einer gut entwickelten Landwirtschaft. Ein trauriges Beispiel- fall ein Beweis zu der Behauptung fein:
Eingeengt von Mauern und Lattenwänden liegt hier in Gießen ein nur wenig Quadratmeter großes Plätzchen, mit Steinen gepflastert; kaum Raum genug, die alles Leben erzeugenden Sonnenstrahlen hineinscheinen zu lassen. Holzstöße und halbverfaulte Holzkisten verengen den Raum immer mehr — und vom Schmutze erst gar nicht zu reden. Hier an diesem Ort ist durch Menschen- wille gezwungen, Leben zu vegetieren. Ein armes Schwein, das nicht weiß, wo es sich lassen soll, das keinen warmen Anterschlups hat, „lebt" hier, und auf dem kalten Steinboden streckt das Tier seine müden Glieder aus. Ein ungepflegter Hund, mit struppigem, verstaubtem Haar, abgemagertem Körper, traurigem Blick, steht an einer Kette gebunden bar und wartet der Dinge, die da kommen sollen. Hühner laufen umher unb find für jede zugeworsene Brotkrume dankbar. — So ist es mit dem Tiergarten dieses verständnisvollen Besitzers bestellt. Den Pflanzen geht es aber auch nicht besser. An mehreren Stellen bie)e§ sogenannten Hofes sind je ein Stein aus dem Bodenbeläge herausgenommen und in diesem nur wenige Quadratzentimeter großen Löchern sind Deerenobst- sträucher gepflanzt. Ein Einblick in solch eme „Wirtschaft" darf genügen, einen Rückschluß auf den Eigentümer ober Besitzer ziehen zu lassen. Richt nur die geringe Siebe zu Tier unb Pflanze, sondern auch die geringe spekulative Befähigung ist in solchen Fällen erstaunlich. Wie kann ein Tier unter solchen Verhältnissen freudig gedeihen und den erhofften Gewinn abwerfen? Möge jeder Leser dieser Zeilen, der sich mit betroffen fühlt, aus sich heraus Abhilfe schaffen oder soll der Staat seine Mittel einsehen, um solch rohen Treiben machtvoll entgegentreten zu können. H. M.
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Leiter eines hyg. Instituts, stellt fest:
,,Danach ist es unter Zuhilfenahme des Süßstoffs möglich, ohne weiteres an Zucker wenigstens bis 75% zu sparen. Aber auch eine Verminderung des Zuckers bis zu 80 und mehr Prozent ist möglich“.
Ein Versuch überzeugt. Ueberall zu haben.
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Sonntag, 26. Oktober, nachm. 4 Uhr, in der Neuen Aula KONZERT Leitung: Herr Wilhelm Schattier.
Mitwirkende: Herr Adolf Permann (Bariton) vom Frankfurter Opernhaus. Herr Julius Hahn, Gießen (Klavier).
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