Nr. M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhefsen)Samstag, n. Gttober 1924
Der amerikanische Wahlkamps.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Neu York, Ende September.
Knapp sechs Wochen nur trcnr.cn uns i.vch Don dein 4. November, an dem der Mann gewal.lt •petbcn soll, der als Staatshaupt, und zwar aü8 regierendes Staats Haupt de r gröh- len und mächtigsten Republik der Erde im März des nächsten Jahres in das Weihe Haus von Washington einz ehen soll.
Aeuherlich ist m den amerlkanrichen Stad en und beim amerikanischen Volke auch jetzt n-ch verhältnismähig wenig von fieberhaf er CS/rega g 1a spüren, älnd doch werden d.ese Präsident schastswcchlen für die Geschichte der Derei.i.g e i «Staaten vxchrscheinlich eine geirif e e vchalc D - bentimg gewinnen Und zwar zunächst wenig r durch das Ergebnis, als vielmehr durch g.-nz mue Erscheinungen im Partei we en, durch Volks- ftimmungen und scharfe Resvrmten - denze n, die meist erst wäh end dieses Wahlkampfes zum ersten Male hervortraten oder doch ihre jetzige bisher ungeahnte Stärke gewannen. Mit blonderem Interesse muh vor allem das deutsche Publikum die Wahlroch-veitirngca und die Vorgänge hier verfolgen, weil noch niemals iwrhec das amerikanische Deutschtum fv geschloffen und politisch zielbewuht in die Arena eines Wahlkampfes cingctrcten ist wie diesmal.
Die offizielle Qlufftelhmg der dritten Kandidatur, Lafvllette für den Präsidentenpvstea und Whee'ler für die Vizepräsidentschaft neben den Kandidaturen der beiden historischen Parteien der Republikaner und Demokraten hat zunächst aber die technische Seite des WahlVorganges so sehr kompliziert, daß vie e schon heute das Schei tern aller drei Kandidaturen für wahrscheinlich hal'en, wonach dann das von der Verfassung vorgesehene Rot- verfahren ein treten würde.
Die Sache ist nämlich dis, daß nach den Verfassungsbestinrmungm ber zu wählenbe Präsident unter allen ümftänben die absoluta Majorität der von den Einzelstaaten gemäh der Zahl ihrer Kongrehvertre er nominierten Wahlmänner erhalten mufk Weil daZ 531 ftnd, würde die absolute Mehrheit 266 ausmachei. Run ist es nach den bisherigen privaten Probeabstim- mungen — zum Beispiel der Hearst-Presse, die im 15 Städten für Coolidge 43568, f r Davis 24 765, für Lafvllet t e 51 180 Et mmen ergab — wie auch nach sonstigen genauen Sßät- Mngen sehr leicht möglich, dah keiner der drei Bewerber die nötige Mehrheit auf sich vereinigt. 'Sin zweiter Wah'gang ist in diesem Falle zwecklos, weil die Wahlmänner nach einem imperativen Mandat ihrer Staaten stimmen.
Es wurde in diesem Falle also die weitere Derfassungsbestimmung angewandt werden müssen, nach der das Repräsentantenhaus aus den drei Kandidaten, die die meisten Stimmen eichalten haben, den Präsidenten zu wählen hat. Es werden jedoch nicht die 2T5= geordneten persönlich gezählt bei dieser Abstim- myng, es wird nach Staaten gerechnet, wobei jeder Staat eine Stimme hat und tixbei vor allem wiederum eine absolute Mehrheit borgefdjrieben ist. Also auch diesmal ist es zwei- fechaft, ob die Majorität von 25 Staaten unter den bestehenden 48 herauskommen wird. Lind nun bleibt nach der Rotbestimmung der Konstitution als letzter Weg nur die Wahl des Vizepräsidenten durch den Senat, bei der aber diesmal nur zwei Kandidaten in Frage kommen, nämlich die, die die meisten Stimmen auf 'ich vereinigt haben. Der so gewählte Kandidat für die Vizepräsidentschaft — der Republikaner Dawes, der Demokrat V r h a n und der Pro- gressist W h e e I c r — würde also, wenn die direkte Präsidentschastswahl kein absolutes Ma- sjoritätsergebnis bringt, automatisch im nächsten März Präsident werden.
Zweifellos wird durch dieses Moment die Spannung und Unsicherheit sehr erhöht. Fast wichtiger aber noch ist der eigentliche Wahlkampf selbst und die unvorhergesehenen starken Aussichten, die die Führer der jungen amerikanischen Fortschritts- und Reformpartei erlangt haben, L a f o l l e 11 c und Wheeler.
Soeben wird gerade bekannt, dah akich der einflußreiche Senator und Politiker Hiram W. I o h n s o n , bisheriger Republikaner, jetzt ganz offen und aktiv für Lafollette eingetreten ist, nachdem schon längere Zeit über seine passive Resistenz gegen das Programm Coolidges gesprochen worden war.
Es ist trotzdem zweifelhaft, ob die Anstrengungen und auch die wachsende Gefolgschaft der jungen Partei gegen die mächtige Organisations- Maschinerie der Republikaner schon diesmal — wohlgemerkt schon diesmal — wird aufkommen können. Ein besonderes, zum Glück weithin als unfair empfundenes Kampfmittel der herrschender Parteischicht ist es, den greifen Lafolle11e, 6er doch die besten Traditionen des alten Ameri- kanertums verkörpert, womöglich als _ S o - zialisten und großen Revolutionä r hinzustellen. Viel Aufsehen hat so eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Kalifornien erregt, Danach die Anhänger Lafollettes für die sozialistische Liste stimmen müßten. Gerade dieser Willkürakt hat aber die Opposition sehr verstärkt. In letzter Zeit hat nun auch der demokratische Kandidat Davis, der bisher ziemlich un Hintertreffen geblieben war, stärkere Crfolgsaus- sichten, besonders im landwirtschaft lichen mittleren Westen gewonnen. Auch ferne Kampagne richtet sich vorwiegend gegen Die republikanische Korruption und die nngesunde Oligarchie. So sagte Davis in einer feiner Reden u. a.: ,,Dem Farmer, der trotz aller mühsamen Arbeit vom Elend bedroht ist, iem Konsumenten, der infolge unbilliger Gesetze unverschämte Preise für seinen Lebensunterhalt zahlen muß, und schließlich allen anständigen Korruptionsfeinden dieses Landes lege ich ans Herz, dafür zu sorgen, dah wir wieder eine Regierung erhalten, deren wir uns vor der Welt nicht zu schämen brauchen." .
Die Sache ist nur die, dah man in sehr weiten Kreisen dem demokratischen Herrn Davis, dem einstigen „jungen Mann" des Hauses Morgan Lurchaus nicht den festen Reformwillen und den unbedingten GerechtigkeitsMMl ,?,utraut, wie dem populären „fithing bob", d. h. Lafollette. Das ist ienn auch der Grund, warum das amerikanische Deutschtum in seinem ganz überwie
genden Teile unb faff immer mit ehrlicher Begeisterung für Lafollette, den Vorkämpfer aus Wisconsin, ein tritt.
Einen glänzenden Beweis nicht nur für diese deutsche Gefolgschaft, sondern überhaupt für die endgültig einsehende politische Sammlung des amerikanischen Deutschtums gab am letzten Sonntag die große Fe st Versammlung der Steuben-Soeiety in dem Riesengebäude des Pankee-Sladiums, in dem 40 000 Männer und Frauen, amerikanische Bürger deutschen Blutes aller Schichten und Berufe versammelt waren und als einem der Hauptredner dem Präsidentschaftskandidaten Lafollette zujubelten, der mit frischen Worten den großen Anteil betonte, den gerade das deutsche Clement unter der amerikanischen Bevölkerung am Aufstieg Amerikas habe.
Diese Anerkennung des deutschen Faktors durch den Führer der neuen großen Partei wird den frischen Zug des Selbstbewuhtseins und des politischen Interesses, der heute zum Glück endlich burch die deutschen Reihen geht, erfreulich tärfen. So wird hoffentlich bald die Mahnung der Reuhorker Staatszeitung eine Selbstverständlichkeit werden: „Haltetfest . wozu ihr euch in diesen Stunden stolz und freudig bekanntet, die Selbstbestimmungspflicht des neugeeinten Deutschamerikanertums, das nach langen Jahren schüchterner Demut, gewaltsamer ilnter- drückung und fast nach dem Verlust des Dolks- bewuhtseins den rechten Weg wiedersand. Fallt nicht zurück in die Traumduselei politischer Lethargie und willensschwacher Gleichgültigkeit."
Man sieht, dies Wahljahr 1924 ist von hoher Bedeutung sowohl für die ganze Republik als auch für die Zukunft des amerikanischen Deutschtums.
Jur Lage des kaufmännischen Mittelstandes
Von Senator a. D. Deythien, M. b. R.
In bet FriÄ>enszeit war bie Arbeit des Kaufmannes gewih nicht leicht, aber er schäftte im ganzen in Freiheit. In der Kriegszeit kam der Geist des grünen Tisches zur Herrschaft: gewiß formten wir nicht in Freiheit leben, sondern muhten, vom Weltmarkt abgeschnürt, uns Einschränkungen gefallen lassen: aber jenes Maß von grundsätzlichem Mißtrauen gegen das Wirken des selbständigen Kaufmannes, wie wir es erlebt haben, war ungerecht und unzweckmähig. In der Zeit nach dem Umsturz, der ohne eine große Idee hervortretend, wichtiges seelisches und wirtschaftliches Daterlandsgut verschlendert hat, ist der Zwang nicht von uns genommen worden und noch jetzt leiden wir unnötig darunter. Die Prns° gäbe unseres inneren Wohlstandes, der Verlust des Ruhrkampfes, den wir führen muhten als letztes Mittel gegen Vertragsbruch unb Feindesübermut, brachte uns an den Zustand des wirklichen Sterbens unserer Ration, beim der Währungsverfall mit seinen entsetzlichen Erscheinungen, der vollständigen inneren Knickung unseres Rechtlichkeits- und Ehrbarkeitsempfindens war wohl der Tiefpunkt unseres Verfalles, unb erst aus ber allmählichen Wiederkehr der staatlichen Ordnung, der Ehrlichkeit des Geldes, der Wieder- emporsührung wirtschaftlicher Ehrlichkeit, des Bruches mit dem Dogma der gesetzlichen Arbeitszeit, gab auch dem kaufmännischen Mittelstände neue Hoffnung, wenngleich nun erst fein toa fr- re r Kamps um bie Existenz begann. Die gründliche Verarmung unseres Volkes zeigte sich naturgemäß zuerst in den Läden der Kaufmannschaft. Die Kaufkraft sank in einem nie gekannten Maße, und zum Tageskassenrückgang kam bie Kreditarmut, denn das ersparte Kapital des Kaufmannes war verloren gegangen. Sich jetzt, angesichts ber teuren Krebitverzinsung, über Wasser zu halten, ist eine manchmal unmöglich erschei- nenbe Ausgabe. Aber man begreife, um wieviel schwerer dieses Ringen wird, angesichts der ungleichen Behandlung unseres Standes gegenüber anderen Wirtschaftsformen: haben doch nachweislich die Konsumvereinsorganisa-tionen wiederholt Reichs- und Staatskredite zu billigen Zinsen zugewiesen erhalten, also eine Bevorzugung, welche Mißbilligung verdient. Es muh verlangt werden, daß dann auch den Organisationen der selbständigen Kaufleute und Gewerbetreibenden eine solche Wohltat zuteil werde. Bei ber ümgeftaltung der Rentenbank zu einem agrarischen Kreditinstitut wird z. B. auch bie Kreditstützung des deutschen Handwerkes erwogen, was wir durchaus begrüßen müssen, aber nicht zuletzt ist ber beutsche Einzelhandel dieser Stützung wert und er mühte meines Erachtens über bie ausgezeichnete Organisation der Handelskammer zu diesem Zwecke in Verbindung mit den maßgebenden öffentlichen Gelbstellen gebracht werden. Viele Klagen entstehen auch über die Rücksichtslosigkeit, mit der gewisse ßieferantenfreife bie Rot ber Zeit gegenüber bem Kaufmannsstande ausnuhen, unb es wäre hier eine schärfere Anwenbung des neuen Kartell- gefetzes des öfteren am Platze.
Während nun bie Zeit des Warenmangels obgelöft worden ist von dem eifrigen Suchen nach Warenabsatzmöglichkeit — dessen Auswuchs das Preisausschreiben-Unwesen ist, gegen das, mit auf mein Eingreifen hin, strenge Vorschriften erlassen wurden: während ein Wettbewerb in Gestalt von sich überbietenden Zeitungsanzeigen, Zugaben, Saison-, Extra- und Sonder-Rabatten usw. Platz greift: während also alle Voraussetzungen für einen Schuh der Käufer gegen HeberDorteilung geschwunden sind, bleibt dennoch ein großer Rest übelster Zwangswirtschaft bestehen, gegen den wir mit aller Energie Sturm laufen müssen. Die Reichsregierung gibt uns dazu das beste Mittel an die Hand. Cs ist unseren Anträgen im Reichstage, die an ber Spitze auch meinen Ramen tragen, enblich gelungen, den Erlaubniszwang abzuschaften, und bei der Begründung für die Aufhebung dieses Gesetzes sagt bie Reichsregierung u. a.: „Der Warenmangel hat bem Suchen nach dem Absatz der Ware Platz gemacht. Die Gefahr, daß unzuverlässige Elemente in den Zwischenhandel eindringen, besteht nicht mehr, weil der scharfe Wettbewerb hier grundsätzlich reinigend wirkt." — Es ist dies jedenfalls ber Sinn ber Begründung (ber Wortlaut ist mir gerade nicht zur Hand). Wenn aber so bie Voraussetzungen, bie für den Zwang unb bie Hemmung maßgebend waren, fielen, weshalb besteht dann noch bie Preis» treiberei-Verorbnung mit ihren Vorschriften über Gestaltung bes angemessenen Warenpreises, weshalb bestehen noch Preis- prüfungsstellen, bie barüber wachen sollen.
daß das Publikum nur angemessene Preise bezahle? Diese Stellen müßten, wollten sie ihre Pflicht erfüllen, jetzt — es klingt paradox — die Käuferschaft zwingen, sehr ost höhere Preise zu bezahlen, da ber Kaufmann in seiner Rot, um zur Deckung für Gehälter und andere bringende Geschäftsunkosten Gelb in die Kasse zu bekommen, feine Ware oft unter bem Ge° stehungs preise abgibt. Also fort mit diesen Ana- cknonismen. — Dasselbe ist hinsichtlich des Preisschilder-Zwanges zu sagen, der im starken Konkurrenzkämpfe unnötig xmb oft schikanös erscheint.
Roch immer treibt die An ti - Wu che rpv - l i t i k, beruhend auf bie Preistreiberei-Verordnung usw., böse Blüten. Rückblickend wissen wir, wie sie dazu diente, den Kleinen zu bangen, während der Große frei ausging. Die Wuchergerichte waren insofern eine zu berechtigten Klagen Veranlassung g bmde Einrichtung, als gegen chren Spruch eine Berufung nicht stattfand. Solange es Menschen gibt, wird es auch bei Richtern Fehlsprüche geben, zumal, we n sie es ab- lefrnen, ber Ermah.rung der Iustizmi niste e i zu folgen und bei den komplizierten P reisen twick- lungsverhäUnissen Sachvrrstänlige zu vernehmen. So konnte ein angeklagter Kaufmann neben der Strafe auch die öffentliche Anprangerung e warten. denn das Urteil Durfte vor und in fernem Geschäftslokal und an den Anschlc^ äulen plakatiert werden. Sun wirklichen Wuch.rer m t Recht strengste Strafe, aber Rech.sgarantien gegen Fehl- sprüche durch einen Instanzenweg, das to.vr un ere Forderung Den unter meiner Führung eingereichten Anträgen ist es erfteulichernoei e mi. gelungen, bie Bäich.rgeeichte abzu «baffen, fv daß jetzt jeder Kaufmann seinem ordentlichen Richter wiedergegebe i ist. Wir erreich e i auch, dah eine Amnestierung der geringfügigen Vergehen aus bet Inflationszeit erfolgte. Auch hier ist noch nicht alles erreicht, wir arbeiten arm Erfolge weiter.
Rach-gerade wird es Zeit, daß dem § 164 der Rechsvetfassung, der dem Mittelstände Schuh gegen Au fsaugung und lieber- laftung verspricht, lebrnbige Kraft gegeben würbe. Die Aufsaugung unserer Wirt ch fisform durch Trusts und Kartelle streifte ich schon Das Kartellge seh muß besser gefjanbfrab' werden, das Reichswirtschaftsminister um hat nach dem Gesetz hierzu die Möglich'eit. Der un er den Augen ber vorgesetzten Stellen bei Reichs-, Staats- unb Gemeindebchw en betriebene Warenhandel der Beamtenschaft ist zweifellos ein grundsätzlich w Verstoß g gen die erwähnte Verfaf tungsb stimmu-g W r g nnm der Beamtenschaft von H rzen auskömmliche Eehä ter unb wollen andererseits. dah bie Industrie unb das Gewerbe an Angestellte unb Arbeiter die
jenigen Gehälter imb Löhne zahlen, welche das Produkt irgendwie tragen kann, aber wir verlangen, dah man den genannten Käuserschichten es überlasse, ihre Käufe im freien, selbständigen Ha ndel ober bei Wirtschasiseiii' richtungen zu tätigen, die denselben Steuern. Lasten, sozialpolitischen Verpflicht tu ngen. Beaufsichtigungen unb Kontrollen unter too r f e n sind, wie das selbständige Handelsgewerbe Die Industrie sowohl wie die Lairdwirtschaft bedenke, daß unsere ßetenS- arbeit gegenseitige Rücksichtnahme verdient. Diese aber wird außer acht gelaften. trenn die Industrie durch Versorgung ihrer Arbeiter mit Lebensmitteln und Gebrauchs gegenständen, und die Landwirtschaft durch ihre genvf fenschas tlichen Verkaufszentralen in das Wirtschaftsgebiet des kaufmännischen Mittelstandes cingreifcn Ich tin cn ar. und der landwirtschaftliche i Eigenart unb QI.beit unb trete in der Öffentlichkeit und im Parlament für ihre Lebensfrage ein, ich erwarte aber dah das oft geprägte Wort: „Mittelstand in ©tobt unb Land Hand in Hand^" auch praktisch verwirklicht werbe. Wenn diese lanbwirtschiftli< en Deckaussstellen sich zum 'Befuge u:ib 'Berlricte ber von ihr benötigten typischen Massengüter, wie Kunstdünger, Saatgetreide. Maschinen usw. zusammenschließen. so mag das verstanden werden. Es besteht aber kein wirtschaftlicher QIn laß. dort mit Kolonialwaren, mit Pelzen, Kostümen — bis zum einfachsten Küchengerät zu handeln. Die Stadt kann die Landlun. schäft nicht entbehren unb andererseits b aucht daZ Land bitter notwendig das Verständnis der Stadt Be- völkerung für ihre Röte. Die Konsumvereine der Beamten und QIrbeiter mögen als Konkurrenz für das freie Gewerbe weiter wirken, die selbständige Gefchäftssorm hat -ich als die ü'erlegene er wie en. Zu beklagen ist nur, wie gesagt, die kritisierte Bevorzugung, welche diese Stellen hie unb da genießen und eben «lls ihre Agitation, durch welche der .Kaufmann oft generaliter zum Wuchwer gestempelt wird Schier leiden der seßhafte Textil-Cinzelh'.ndel und auch andere Branchen unter dem Straßen ha ndel. dem Hausier- und Wanderlager-We en. Hier bc- dars die Gesetzgebung, was die Prüfung der Zuverlässigkeit und die rich ige Hinzuziehu.ig zu ben Steuern anb-langt, ber Ergänzung
Das andere große Gebiet, aus dem uns verfassungsmäßig Schutz zuteil werdm soll, ist das Gebiet der ilebe Haftung mit Steuern und Abgaben, über die ich demnächst in einem besonderen Artikel berichten werde, gilt es doch, auch hier die richtigen Wege zu fin en, um. unter Wahrung der Rechte des Staaes. dem kaufmännischen Mittelstände notwendige Erleichterungen zu verschaffen.
Landwirtschaft und Gartenbau.
Jur Herbstaussaat.
Wie müssen die Herbstsaaten gedüngt werden und welche Bodenbearbeitung ist ihnen zu geben?
Von Landwirtschaftsrat Dr. Lehr, ßanbtotrt- schastsamt Lich.
Von den vielen Faktoren, bie bei ber Erzeugung pflanzlicher landwirtschaftlicher Produkte eine wesentliche Rolle spielen, finb mit an erster Stelle bie Bodenbearbeitung unb bie Düngung zu nennen.
Alle lanbwirtschaftlichen Kulturpflanzen unb mithin auch bie Wintersaaten müssen, wenn ste Höchsterträge bringen sollen, in voller Düngung ftrfren, b. h. alle zur Erzeugung pflanzlicher Masse erfoick)erlichen Rährstvffe müssen im Boden in genügenber Menge unb in aufnehmbarem Zustanbe den Pflanzen zur Verfügung^ stehen. Zu einer Vollbüngung haben wir die Rährstvffe Stickstvft, Phvsphvrsäure, Kali unb Kalk in den Boden zu bringen. Zu Wintergetreide geben wir die Phvsphvrsäure- und Kalidünger im Herbst vor der Bestellung in den Boden und sorgen durch üntergrubbern ober Eggen für ein g l e i ch- mähig es Vermischen mit der Olckerkrume. Wir können geben: Thomasmehl. Rhenaniaphosphat und Superphosphat als PhvsPhorsäurÄmnger: Kainit unb das Kalisalz als Kalidünger. Kainit ist immer 1—2 Wochen vor der Aussaat zu geben. Zu einer mittelstarken Düngung sind pro Hektar (1 Morgen) 15—20 Pfund Phvsphorfäure entsprechend 1—1,35 Zentner Thomasmehl oder 3L bis 1 Zentner Rhenaniaphosphat und 40 Pfund Kali = 1 Zentner 40proz. Kalisalz oder 3,5 Ztr. Kainit in den Boden zu bringen. An Stickstoffdünger stehen der Salpeter, schwefelsaures Olm- moniak, Leunasalpeter unb Kalkstickstoff als wichtigste zur Verfügung. Welcher Stickstoftdünger am besten angewandt wird, ist ohne Kenntnis der besonderen Verhältnisse schwer zu sagen. Bei richtiger, sachgemäßer Anwendung haben alle sehr gute Wirkungen. Zum Unterschied von den Kali- unb Phosphorsäuredüngemitteln geben wir die Stickstoffdünger unseren Wintersaaten nicht in voller Menge vor )der bei der Aussaat, ba wir sonst besonders bei den leichteren Bodenarten mit großen Verlusten durch Auswaschung während des Winters zu rechnen hätten. Kalkst ickstoft und auch schweselsaures Ammoniak kann auf schweren, kündigen Boden in ganzer Menge bei bzw. vor der Bestellung iKalkstickstoff) gegeben werden, da auf diesen Böden eine Auswaschung dieser langsam wirkenden Stickstoffdünger nicht zu befürchten ist.
Ist ber Boden Verhältnis mäßig arm an leicht aufnehmbarem Stickst oft, wie es infolge der reichlichen Riederschläge wohl die meisten Boden m diesem Iahre sein werden, so gibt man — wenn man die ganze Stickstoffgabe z. D. auf schweren Böden nicht schon in Form v)n Kalkslickstoft ober schwefelsaurem Ammoniak gegeben hat — etwa i/3 ber gesamten Stickstoftgabe im Herbst bei der Bestellung und die restlichen -/3 im zeitigen Frühjahr als Kopfdüngung mit nachfolgendem Unter- eggen oder Hacken. Eine mittelstarke Gesamtstick- stoffdüngung find etwa 15 bis 20 Pfund Stickstvft auf den Morgen. Geben wir davon auf nährst)ft- armen Böden und bei später Aussaat zwecks rascher Kräftigung der jungen Pflänzchen noch vor Eintritt des Winterfrostes, wie es in diesem Iahre bei dem mehr oder weniger guten Saatgut angebracht ist, 1/3 der Gesamtstickstoffzufuhr gleich 5 bis 7 Pfund im Herbst, so wären dies rund 30 bis 40 Pfund Salpeter oder 18 bis 25 Pfund Leunasalpeter oder 25 bis 33 Pfund schwefelsaures Ammoniak. Die doppelte Menge dieser im Herbst
gegebenen Stickstoftdünger muß im zeitigen Früi>- jahr außerdem noch als Kopfdünger verabreicht werden. Eine in solchen Mengen fachgemäß angewandte Düngung unserer Winter Halmfrüchte bedingt unter normalen Verhältnissen einen Mehr- ertrag von 3 bis 4 Zentner Körnern mit dem entsprechenden Stroh pro 1/4 Hektar.
Einiges noch über die Bodenbearbeitung Im allgemeinen ist hierzu zu sagen, dah Höchsternten bei entsprechend starker Düngung mir ein Boden zu gewähren imstande ist, der die beste Bearbeitung erfahren hat. Wie mm im einzelnen bie Bearbeitung vorzunehmen ist, kann hier nicht gesagt werden, da auch frier wieder die besonderen Verhältnisse (Vorfrucht, Bodenart. Feuchtigkeits- zustarrd usw.) mit berücksichtigt werden m’ifren Der HaupHveck ber Bodenbearbeitung für die Winter- Halmfrüchte besteht darin, den Pflanzen ein gutes Saatbett zu beschaffen. Dieses wird ihnen aber am wenigsten dadurch gegeben, dah, wie es fast allgemein geschieht, der Olcker am Tage der Aussaat erst feine Saatfurche erhält. Die* unausbleibliche Folge dieser falschen Bodenbearbeitungs- maßnahme ist ein häufiges starkes Auswintern der in zu (öderem Boden stehenden Winterfrucht. Sie Saat furche ist frühzeitig zu geben, damit die Ackerkrume sich sehen und den Wurzeln ber jungen Pflänzchen ehren festen Halt gewähren kann.
Ist durch besondere ilmftänbe, wie z. D. Aussäen der Winterhalmfrüchte nach Hackfrüchten, die spät das Feld räumen, eine rechtzeitige Saatfurche nicht zu geben, so muß künstlich durch Walze oder noch besser den ülntergrundpacker die Beseitigung der durch das frische Pflügen im Boden entstandenen Hohlräumen erstrebt und ein dichterer Zusammenhalt (Setzen) des unteren Teils der Ackerkrume bewirkt werden. Eine zu feine Herrichtung der Oberfläche des Saatackers ist ebenfalls unter allen Umständen zu vermeiden, weil einmal die auf der Oberfläche vorhandenen mehr oder weniger großen Schollen den Schnee besser fest halten und dadurch die Saat schützen, und andererseits eine zu feine Oberfläche zu sehr der Gefahr der OZerschlämmung ausgesetzt ist, was ein Ersticken und Faulen der Saat während des Winters zur Folge haben würbe.
Die Vertilgung der Herbstzeitlose.
Oluf den Wiesen hat sich im vorigen Iahre vielfach die Herbstzeitlose, welche den Wiesenertrag beeinträchtigt unb für ba£ Vieh schädlich ist, gezeigt.
Die Vertilgung der Herbstzeitlose kann erfahrungsgemäß dadurch geschehen, daß das Kraut ber Pflanze 2—3 Iahre nacheinanber zur Zeit des höchsten Saftstandes — womöglich bei feuchtem Boden — ausgezogen wird, inf:>(gebeffen ersticken bie Zwiebeln nach und nach im eigenen Safte. Erfolgt einige Zeit vor bem Ausziehen des Krautes eine kräftige Düngung, sei es mit Tho- masmeA, Kainit ober auch Kompost, so ist ber Erfolg ber Vertilgung ein um so sicherer. Durch bie Düngung wird bie Rasennarbe dichter, unb bie durch bas Ausziehen an und für sich schon geschwächte Lebenskraft ber Zwiebel vermag nicht mehr so leicht ihre Triebe durch diese dichtere Rasennarbe hindurchzudrücken.
Kohlpflanzen für das nächste Frühjahr.
Um im nächsten Iahre recht früh Kohlgemüse zu haben, kann man bekanntlich schon ls" Aussaaten von Weiß-, Rot- und Wtrsmgkohl


