Nr. 240 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhessen) Samstag, n. GNover 192$
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Giehener StadLtheaLer.
Presber und Stern: Kreuzfeuer.
Ein deutscher Medizinmann, eine grurLehr- liche Haut, fabelhafter Erfinder und Men'ch!etts° beglücker hat zwei Söhne drüben, den einen m Reuyvrk, den andern in Rio, die als Selfmademen ihr Glück gemacht haben. Zum sechzigsten G<^ burtstag des Alten führen sie den Eltern ihre Frauen ins Haus, der Reuyorker eme ausgepichte Doltarprinzessin mit „Mungo . Schrank-' koffern und ausschlieblichem Interepe für oport, Tanz, Kleidern, Vergnügen: der Sudamerckmer eine berühmte Sängerin zwar, über Duch^ eine gleich gute deutsche Hausfrau. In wenig W?. heben beide Brüder im Verkehr mit den schone Schwägerinnen spitz, daß sie ja eigentlich in un- glücklicher Ehe leben. Der Eudamenckaner sieht in der forschen Lollarprinzessm aus dm U- S. 21. .seinen Typ ' und der, trotz aller ^uchngkett tm Gelbverdienen, immer noch leicht sentime tat an- ochauchte Drud:r findet in der Schwägerin die Srau, die ihm ein deutsches Heim auf fremder Erde schaffen kann, mit teuth.er Musik deutscher Gemütlichkeit, deutschem Kinder- Lhen Was tun, spricht Zeus! In: der Alten Welt wäre die Situation zur -pragodie reis. Dis fmarte Amerikanerin zerbricht sich jedoch Mit Sen
Braucht Oberhesfen zwei Handelskammern?
Liese Frage haben wir im vorigen Jahre (Ar. 271 des „(Zieh. Anz." vom 17 Vor». 1923) schon aufgeworfen und verneint. Die Giehener Handelskammer hat daraufhin in Ar 271 unseres Blattes vorn 21. Rov. 1923 in eingch nden Darlegungen mitgeteilt, dah auch sie gut dem Standpunkt steht, eine einzige Handelslammer sei zur Vertretung der Belange von Handel und Industrie in Ob:rHessen ausreichend and könne auch mit vollem Erfolg tätig sein, sofern sie am Brennpunkt des öffentlichen Lebens in unserer Provinz, also in der Provinzialhaup.stadt Gießen, ihren Sih habe. Die Handelskamn.e.- Friedberg, der wir in unserer Ar. 295 vom 15. Dez. 1923 das Wort gaben, hat, wie auch früher schon, eine Bereinigung der beiden Handelskammern Giehen und Friedberg abgelehnt, ohne aber mit ihre Begründung uns und auch andere überzeugen zu können. Unser Vorschlag, die beiden Kammern zu vereinigen, ging aus von der Erwägung. dah durch diese Maßnahme die Position der vberhessischen Industrie und Handelsvertretung gegenüber den vielfachen und schweren Aufgaben ber neuen Zeit ganz auherordentlich gestärkt werdeii würde, und dah die Kammermitglieder durch die Ausschaltung einer Dvppelarbeit an vielfach ganz einheitlich liegenden Verhält - nissen und Fragen sparen könnten, d h die Handelskammerheiträge allgemein leich er trag' 6ar würden, ohne die hinreichende Vertretung der Kammerinteressen selbst zu gefährden Beim Vorstand der Friedberger Handelslammer schlugen diese Gesichtspunkte nicht durch. Wir gewannen damals schon Klarheit darüber, dah die Ablehnung des Friedberger Kammervorstan- bes der ganzen Lage der Verhältnisse nicht gerecht wurde.
Daß die Friedberger Kammermitglieder den schweren Durck des jetzigen Zustandes bitter empfinden, ist nun deutlich sichtbar geworden. In einer öffentlichen Versammlung in Bad-Aau- heim, zu der die Vereinigung des Bad-Aauhei- mer Einzelhandels und die Hotina (Hotel-Industrie) die Mitglieder sämtlicher Wirtschaftsvcr- bände eingeladen hatten, verhandelte man über die Höhe der Handelskammerbeiträge. Es kamen dabei, wie wir in unserer Ar. 236 vom 7. Oktober ds. Is. berichteten, allerlei Klagen über grohe Härten und Belastungen bei der Veranlagung zum Ausdruck. Der Präsident der Friedberger Handelskammer, Kommerzienrat Langsdorf, mußte anerkennen, daß die Beiträge hoch sind, und der Aedner schilderte, der „Bad-Aauheimer Zeitung" zufolge, Fälle, „bei denen Firmen im Dezirk bis zu 6000 Mk. Beiträge zahlen sollen und einfach erklären, nicht dazu in der Lage zu fein". Schließlich wurde eine Kommission gewählt, die mit der Friedberger Handelskammer über die Herabsetzung der Beiträge verhandeln soll. Wie der Kammerpräsident Kommerzienrat Langsdorf mitteilte, wird es wohl so kommen, daß für das laufende Jahr nur die H ä l s t e des Beitrags zu zahlen fein wird. Bevor die Versammlung zu diesem Ergebnis der Aussprache gelangte, hatte Präsident Langsdorf betont, daß die Friedberger Kammer, wenn sie ihre Geschäfte durchführen solle, mindestens 21 500 Mk. einnehmen müsse. Bei dieser Bezifferung ist der Redner zweifellos von der vollen, auch von ihm als hoch anerkannten Bemessung der Beiträge ausgegangen. Wenn er sich nun nach seiner späteren Erklärung mit dem halben Beitrag begnügen will, so ergibt sich wohl —da man nicht, annehmen kann, daß die Beitragssätze ursprünglich höher als notwendig bemessen waren —, dah als wichtig erkannte Aufgaben der Friedberger Kammer nicht zur Durchführung werden gelangen können. Daß ein solcher Verzicht in dieser Zeit des schwersten Wirtschaftskampfes für die Kammermitglieder überaus schmerzlich und auch für die Allgemeininteresfen wenig dienlich ist, liegt auf der Hand. Aller Voraussicht nach werden wir aber nicht nur in diesem Jahre, sondern noch auf lange Zeit hinaus mit überaus schweren Wirtschaftsverhältnissen zu kämpfen Haben. Wenn man sich nun heute schon auf den Verzicht einstellt, nur weil die Zahlungskraft der Mitglieder nicht ausreicht, so kann man sich mit Leichtigkeit klarmachen, dah man in der Folgezeit nur sehr schwer, wenn überhaupt wieder dazu Lammen wird, mit den Erfordernissen der Zeit gleichen Schritt halten zu können. Dah unter solchen Verhältnissen die berechtigten Belangs von Handel und Industrie in den Kreisen Friedberg. Büdingen und Schotten sehr leicht ins Hintertreffen geraten dürsten, ist naheliegend.
Aus dieser Betrachtung der Dinge ergibt sich erneut die Frage: Braucht Oberhessen zwei Handelskammern? Aach dem. was aus der Rau- Heimer Versammlung herausgekommen ist, müssen wir diese Frage heute noch entschiedener verneinen, als früher. Für Handel und Industrie in den Kreisen Friedberg. Büdingen und Schotten wäre es zweifellos am besten, wenn es zu einer Bereinigung der Fried b e r g e r und
der Giehener Handelskammer käme. Die Wirtschaft im südlichen Teile unserer Provinz hätte dann die Gewißheit, dah ihre Be a ge in vollem Ausmah zur Geltung g.bracht wer- den könnten Lind auch an den Kosten w rde der Einzelne sparen können, denn nach alter Er- fahi-ung worden die Lasten für den Einzelnen immer in dem Mähe leichker. je gröher der Kreis derer ist, die die Gesamtheit der Kosten zu tragen haben. Wenn sich jetzt die Aauhe mer Versammlung auch gegen eine Verschmelzung der beiden Kammern ausgesprochen hat, so bars man Liese Stellungnahme noch nicht als Endentscheidung in dieser Angelegenheit ansehen, denn einmal war die*e Versammlung nur total begrenzt, und zum andern hatte, wie man aus einer Bemerkung der „Dad-Rauheimer Zeitung" entnehmen kann, eine Anzahl der Versammlungsteilnehmer infolge der vorgerückten Stunde das Versammlungslokal vor Echluh verlassen. Cs wird mir daraus an- kommen, we sich die Gesamtheit der Friedberger Kammermitgliedor zu der neuen 2a#? der Dinge ein stellt. Wie die Belange dieser Kreise am besten zu wahren sind, dürfte nach den Lehren der Rauheim, r Versammlung und nach unseren vorstehenden kurzen Anmerku ngen für seien Kaufmann und Industriellen des Bezirks, der streng kausmännisch rechnet, wohl nicht mehr zweifelhaft sein.
Die Giehener Jugendherberge aus dem Hoherodslwps.
Wer das Gebäude, das dem Verband für deutsche Jugendherbergen zum Ausbau als Herberge vom ötaate zur Verfügung gestellt wurde, vor einem halben Jahre kannte, der kennt es heute immer nicht mehr wieder. Fußböden, Wände und Decken sind mit sauber gehobelten Brettern verkleidet, und die Hand des Anstreichers hat den Wänden freundliche und hübsche Farben gegeben, während die Decken nur ein durchsichtiger Lack überzieht. Das Erdgeschoß wird durch eine Bretterwand in einen Vorraum, der zugleich Küche ist, und einen Schlafraum für Mädchen geteilt. Hier harren 7 Betten mit prall- gestopften Strohsäcken der Benutzung. D. h. eigentlich muß es heißen Holzwollsäcke, Stroh konnte der Vogelsberg nicht entbehren. Ein Tisch mit einigen Schemeln, darüber ein geflügelter Drache, der auf dem Kopf eine Kerze trägt, und einige Kleiderhaken und Bilder ergänzen die Inneneinrichtung. Dom Dorraum führt eine bei den gegebenen Raumverhältnissen notwendigerweise enge und etwas steile Treppe zum Vorplatz des Obergeschosses und zum Schlafraum für Knaben, der 12 Betten, einen Tisch und 8 Schemel aufweist und durch einen fünfarmigen Leuchter aus schwarzein Holz, der an dicken runden Schnüren von der Decke herunterhängt, beleuchtet werden kann. Für den Winter haben zwei Betten dem Ofen weichen müssen und sind als drittes Stockwerk dicht unter der Decke verstaut. Eine handfeste umklappbare Leiter ermöglicht den Aufstieg zum Dachraum, der noch ein wenig vom früheren Zustand des Hauses ahnen läßt. Ein Aufbau dieses Raumes war nicht mehr möglich, da der Lehm der Zwischendecke und der Wandgefache in diesem nassen Jahr nicht trocknen wollte. Das Dach dagegen ist neu hergerichtet und bietet mit seiner Dretterverschalung, der Dachpappen- und der Ziegellage einen sicheren Schutz gegen Regen und Schnee. Wenn der Winter abgezogen ist und die Sonne das nachgeholt hat, was sie dieses Jahr versäumte, werden auch hier Boden und Wände mit Brettern verkleidet und eine größere Zahl Strvhsäcke einfaches Aachtlager gewähren. Die äußere Schindelung des Hauses ist zunächst nur ausgebessert worden, der Anstrich dagegen auf nächstes Jahr verschoben, das auch den Anbau einer geräumigen Halle und eines Holzschuppens bringen wird.
So hat das alte Haus eine neue Aufgabe erhalten und wird ihr lange Jahre dienen können, wenn nur die Jugend, für die es hergerichtet wurde, es mit Ehrfurcht und Liebe behandelt. Vor beinahe 70 Jahren erbaut (der Zimmer- mann, der das Gebälk aufstellte, lebt noch in Breungeshain) hat es zuerst Zwecken der Forstbehörde gedient, wurde später als Schutzhütte benutzt, hat im Kriege gefangenen Russen und ihren Wachmannschaften Obdach gewährt und war dann verwahrlost und unbegreifucherweise dem Verfall preisgegeben worden. Im vergangenen Frühjahr sollte es abgebrochen werden, da hat es der Verband für deutsche Jugendherbergen gerettet, und die Gebefreudigkeit der Gießener Einwohnerschaft hat es ermöglicht. eine gediegen ausgebaute und gut e ingerichtele Jugendherberge daraus zu schaffen, die der gesamten wandernden Jugend gastlich offen steht, Die die Bedingungen des Verbandes erfüllt und Willens ist, sich der Herbergsordnung zu fügen, Ueber die Möglichkeit der Benutzung, die vorherige Anmeldung usw., wird eine Bekanntmachung in der nächsten Woche noch näheres bringen. Hier fei nur noch dankbar der Firmen gedacht, die durch ihre Mitarbeit, durch Geschenke unb anderweitige Unterstützung den Bau fördern halfen. Dr. F.
timents nicht lange den Kopf. Die mangelhaften Sprachkenntnisse allein machen ihr einige Schwierigkeiten, so schnell das erlösende Wort zu finden; was sie will, weiß sie sofort: ein Tauschgeschäft: eine Lady nimmt nicht, ohne daß sie wiä>ergabt. Sie nimmt der Schwägerin den Mann und überläßt ihr großmütig den eigenen. Alle Teile sind mit verblüffender Fixigkeit — time is rnoney — vollkommen einig, die Frauen bzw. Männer zu tauschen wie die Schlipse. Die gute Mama macht in ihren etwas hinterm Mond gebliebenen An- schauimgen von Liebe, Ehe und Treue zwar ein etwas sorgenvolles Gesicht, aber auch nur für Minuten, dann ist auch sie im Bilde, und ihr Gatte wird sich übers Jahr ebenfalls damit abgefunden haben. Man erstaunt über nichts mehr, höchstens darüber, daß zweie nötig waren, dies Ei des Kolumbus auszubrüten.
Die gestrige Erstaufführung holte unter T e l e k y s Regie mit Hilfe einer ausgezeichneten Besetzung alle liebenswürdigen Seiten des Stückes geschickt heraus. Zum gut Teil werden die Herren Presber und Stein ihren Gießener Erfolg Fräulein Rita Andre zu verdanken haben, der die fesche, grazöse Amerikanerin mit ihrer Kleiderpracht und ihrem liebenswürdigen Plappermäulchen wie aus den Leib geschrieben war. Eine gleich gute Akquisition scheint Fräulein Maus A elfen zu sein. Beide Damen werden gewiß auch in schtvierigeren Rollen, als sie das harmlose Plau-
Aus der Provinz.
Landkreis Gictzcn.
X Lang-Göns, 10. OIL Die Landwirte sind zur Zeit mit allen Kräften an der Bergung der Kartoffelernte beschäftigt. Tag für Tag sieht man jeden Morgen ganze Wagen beladen mit Landwirten, Stadtkindern und Kunden hin- ausfahren, um die kostbaren und unentb-hrlichen Erdäpfel dem zersetzenden Witterungseinfluß zu entziehen, ileber den Ausfall der Ernte läßt sich zur Zeit noch nichts bestimmtes feststellen, denn wie die Fäulnis sich weiter entwickelt, wird im Frühjahr erst abschließend zu Tage treten. Wenn alle Knollen gesund und ohne Fehler wären, könnte man mit einer guten Ernte rechnen. Die Fäulnis ist ganz verschieden, je nach der Beschaffung des Bodens und der Auswahl der Sorte. Ärn meisten haben unstreitig die warten und seinen Spcisekartofftln (Industrie ud Elli Pepo) gelitten. Rotschalige, welche, nebenbei bemerkt, kaum noch angepflanzt werden, haben die nasse Witterung weit besser überstanden.
* Saubringen, 11. Oft. Morgen findet die diesjährige Obstausstellung des Obst- und Gartenbauvereins Daubringen statt. Die Ausstellung wird mit den verschiedensten Sorten Obstes und Gartenbauerzeugnissen beschickt werden und dürfte daher für jeden Obstzüchter und Garterbautreibenden von großem Interesse sein.
* Grünberg, 11. Oft. Die Butzbacher— Gießer Dahn läßt aus Anlaß des Gallus» marktes am Mittwoch Sonderzüge zwischen Lich und Grünberg laufen. Man beachte die heutige Anzeige.
l. Hungen, 10. Oft. In der jüngsten Ge- meinderatssihung wurde die 10jährige Vorauszahlung der Haftpflichtversicherungs-Prämie beschlossen, um dadurch in den Genuß von 2V2 Freijahren zu gelangen. Auf das bei der letzten Holzsubmission aus- gebvtene Eichen st ammholz wurde, des geringen Angebots wegen, ein Zuschlag nicht erteilt. Das Holz soll erneut in dem gesamten noch unverkauften Eichenstammholz zur Submission gebracht werden. Die zur Herstellung der Bismarck st raße erforderlichen Arbeiten und Lieferungen wurden mit einer Ausnahme den Wenigstnehmenden übertragen. Da sich für die zum Derkauf zu bringenden Gemeindehäuser in der Dellersheimer Straße mehr Reflektanten gefunden haben, als Häuser vorhanden sind, soll die Angelegenheit in einer besonderen Besprechung der Interessenten zu regeln versucht werden. Mehrere die Wohnungsfürsorge betreffende Fälle wurden besprochen, ohne daß der Gemeindebehörde die Möglichkeit geboten ist, wirksame Abhilfsmaßnahmen zu treffen. — Durch die bessere Witterung in der letzten Zeit haben die noch rückständigen Erntearbeiten gute Fortschritte gemacht. Das Grummet ist zum größten Teil eingebracht, jedoch in sehr minderwertiger Güte. Gegenwärtig ist man mit dem Einbringen der Kartoffeln beschäftigt. Diese haben durch die nasse Witterung sehr durch Fäulnis gelitten, so daß sich auf manchen tief gelegenen, nassen Aeckern das Ernten kaum lohnt. — Im vorigen Vierteljahr sind in der hiesigen Stadt 7 Kinder (6 Knaben und 1 Mädchen) geboren. Sieben Brautleute schlosien die Ehe unb 3 hochbetagte (81, 82 und 83 Jahre) starben.
Starkenburg unb Rheinhessen.
* Darmstadt 10. Oft. (Eigener Bericht.) Der Bund der Ausgewi es enen freier Berufe in Darmstadt hat an das hessische Ministerium einen offenen Brief gerichtet, der sich mit den Richtlinien des Reiches für die Rückkehr der Ausgewiesenen befaßt. Es wird darin beanstandet, daß die Richtlinien das Darlehen auf den Höchstbetrag von 3000 Mk. beschränken. Troy der großen Zahl der Ausge- wiefenen habe das Reich nur eine Summe von 500 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Es sei daher ausgeschlossen, daß die Höchstsumme von 3000 Mark auch nur bei einem Bruchteil der Gesuchsteller erreicht werden könne. 3000 Mk. reichen zur Wiedererrichtung der Existenz eines Geschäftsmannes nicht im entferntesten aus. Die Bestimmungen über die Betreuung in den ersten Monaten nach der Rückkehr mit den reduzierten Unterstützungssätzen seien allzu schematisch. In manchen Fällen sei ein Ausgewiesener schon gezwungen, die gewährte Geldunterstühung für den Rücktransport seiner Möbel auszugeben, so daß ihm nichts mehr verbleibe für die Instandsetzung seiner Wohnung und den Wiederaufbau seiner Existenz.
Hessen-Nassau.
S. Frankfurt a. M., 10. Oft. Seit jeher ist Frankfurt wegen seiner Lage die Stadt der deutschen und internationalen Kongresse gewesen. Besonders in diesem Jahre wurden hier viele Tagungen abgehalten, und gerade augenblicklich kann man sagen, daß in Frankfurt ein Kongreß den andern ablöst. Fast zu gleicher Zeit wurden der Historikertag, die Tagung des Bundes für Gegenwartschristentum und die internationale
derstückchen gestern bot, „ihren Mann" stellen. Karl (Bold und Auguste Marcks waren ein würdiges Clternpaar, Felix A o r f o l k und Julius Safte, Brüder, deren Anpassungsfähigkeit an amerikanisches Tempo erstaunlich war; Max Hoffmann, ein Major a. D. und Schürzenjäger mit leisem Stich inS Unsympathische. Gut herausgearbeitet war ebenfalls die erfreulich gradherzige Sophie Frau Schubert- Jünglings. ~e.
Uraufführung in Mainz.
Im Mainzer Stadttheater fand die Uraufführung von „Alexander", Schauspiel in drei AHen von Gerhard Halm statt. Das Rmgen des großen Mazedoniers mit dem Zweifel, ob er göttlicher oder menschlicher Abstammung fei. dessen dramatische Gestaltung auch schon Hebbel be chäf- tigte, hat Gerhard Halm recht geschickt in den Mittelpunkt seines neuen Schauspiels geteilt. Geschichtliches verwob er mit rein Menschlichem und kleidete beides in Sprache und Form, die auf» horchen ließen und Veranlassung sein werden, das weitere Schäften dieses jungen Dichters aufmerksamer zu verfolgen. Rur möge er sich selbst treu Weißen und nicht wie im dritten Akte fernes Alexander" Stilversuche unternehmen Die 6earg Kaiser näher und eigener" sind wie Gerhard Halm. Das Werk ist erfüllt mit großer Wärme und
Versammlung der Köche abgehalten. Im näch» sten Jahre wird die Hochflut der Kongreffe an- halten, denn schon jetzt ist eine Reihe von großen Veranstaltungen vorgesehen. So werden wir 1925 haben: Eine imernalionale Hundeausstellung, eine große internationale Geslügelausstellung und eine internationale Kochluirstausstellung. Außerdem ist eine Reihe von internationalen sportlichen Veranstaltungen geplant, mit Feuerwerken an und auf dem Main, die in Dombeleuchtungen ihre Krönung finden sollen. Daß Frankfurt es auch versteht, Feste zu feiern, hat nicht nur das große Radfahrerbundesfest gezeigt, es wird jetzt neuerdings auch bestätigt durch eine amtliche Aus« laffung des ©. d. A., der im August seinen Bundestag hier abhielt und in der es heißt, daß dis Herzlichkeit der Darbietungen nicht zu übertreffen gewesen wäre. Da jede Veranstaltung viel Geld nach Frankfurt bringt, ist man natürlich nach Kräften bemüht, sie zu fördern, wenn auch der Einzelne bald einmal der vielen Feste müde sein wird. — In der Arbeits Marktlage der Stadt ist eine leichte Besserung eingetreten. Rur in den kaufmännischen Berufen war eine weitere Verschlechterung zu verzeichnen. Die Zahl der Arbeitsgesuche betrug in der letzten Woche 13 302. Am Schluß der Woche waren noch 11 600 Arbeitsuchende gemeldet. In Crwerbslosenunterstühung befanden sich 6471 Haupt Unterstützungsempfänger und 2502 Zuschlagsempfänger.
Wirtschaft.
Dürfe und Geldmarkt.
Die schleichende innerpolitische Krise nahm der Dorfe in der abgelaufenen Woche jegliche Unternehmungslust. Selbst am Anleihemärkte herrschte eine gewisse Mutlosigkeit und Reigung zum Qlbba'u bei Engagements Die De* ratungen des Aufwertungs-Unterausschusses haben bisher nur das eine positive Ergebnis gezeitigt. daß die Regierung an dem kürzlich vom Reichsfinanzminister dargelegten Standp.mtt zur Anleihefrage festhält und daß sie selbst Antrag n von Vertretern der jetzigen Regierungsparteien gegenüber immer wieder betont, daß die (Sven tat einer Auswertung durch den Reichs tat und die vorhandenen Mittel klar festgelegt sind. Die Au- leihespekulation sieht mehr und mehr ein, daß ihre Chancen stark zufammenschrumpsen Cs fehlt auch an Mitläufern aus den außerhalb der Börse stehenden Kreisen. Trotz des stillen Geschäfts konnten im Gegensatz zu den Anleihen die meisten Jndustriepapiere ihren Stand gut behaupten und zum Teil sogar etwas verbesiern. Wenn man von wenigen Ausnahmen absieht, zeigen die m letzter Zett veröffentlichten Hmftcl» lungsvorschläge deutlich das Bestreben der Verwaltungen, den Interessen auch der kleineren! Aktien^siher Rechnung zu tragen. Die Warnungen verschiedener Danken sind nicht ungchört geblieben. Ernste Sorge bereitet der Industrie noch immer die Frage der Deschaffung von Betriebskapitalien. Der Erholungsprozeß wird durch die Kreditschwieftgkeiben außerordentlich gehemmt und verzögert. Die unklare innerpolitische Lage und der schleppende Gang der Londoner Anleiheverhandlungen wirken natürlich auf die Bemühungen der Industrie, Auslandkredite zu bekommen, ebenfalls retardierend. Im Inlands ist Geld auf mehrere Wochen oder gar Monate hinaus im freien Markte kaum erhältlich, da allgemein Ungewißheit über die künftige Ge- ftayung der Zinssätze herrscht. Kurzfristiges Dörsengeld ist hingegen ziemlich leicht zu bekommen.
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* Die Verordnung über den Abbau der Devisengesehe ist, wie die „Doft. Ztg." hört, fertiggestellt und bedarf nur noch der not» wendigen Unterschriften. In dem Verordnungsentwurf wird der Begriff der Devisenbank beibehalten, jedoch wird der Charakter der Devisenbank in Zukunft von den obersten Landesbehvrden verliehen werden und nicht mehr durch den De» visenkommisfar, der abgebaut wird. Verboten bleibt der Devisenterminhandel, soweit er sich auf Geschäfte in Devisen gegen Mark erstreckt. Beide» halten wird auch der Einheitskurs, jedoch will man diese Bindung möglichst bald in Fortfall kommen lassen. Auch die Auskunstspflicht der Devisenbanken wird in begrenztem Umfange bei» behalten. Den Wechselstuben wird durch die Verordnung bis zu einem gewissen Grade die Abgabe von Valuten gestattet.
* Die Draunkohlenfunde in der Rhvn. Von sachverständiger Seite wird der „Deutschen Bergwerks-Zeitung" u. a. geschrieben: Die Rhön birgt zweifellos Draunkohlenvorrom- men, welche ernste Beachtung verdienen. Der fett Jahrzehnten bereits in schwachem Maße darauf betriebene Bergbau ist durch die Unzulänglichkeit der Kräfte stark beeinträchtigt worden, welche sich daran versucht haben. Technische Fehlgriffe, falsche Einschätzung der Wirtschaftsmöglichkerten und unzureichende Geldmittel haben an der anscheinend aussichtsreichen Stelle zu einer großen Mißwirtschaft geführt und ein Vertrauen auf die Braun« kohlenvorkammen der Rhön bisher nicht auf.
Lebendigkeit, die sich bei den Aktschlüssen zu drw matischen Höhepunkten steigerten. Die Inszenierung durch den Oberspielleiter Peterß brachte alle Schönheiten der Dichtung zu wirkungsvoller Geltung, der Bühnenbilder Wilh. Gulleus ir ihrer berückenden Schönheit sei besonders gedacht. Dichter, Spielleiter. Bühnenbildner und Darsteller wurden oft und herzlich gerufen.
Rudolf Dusch.
Grecos Nachlaß.
El. Ein Verzeichnis über den gesamten Mo- biliarbesitz, den Greco seinem Sohne Jorge Manuel als Erbteil vermachte, ist nach einem Bericht des „Cicerone" von dem königlichen Delegierten für staatliche Kunstpflege m Toledo, Don Francisco de Borrja de San Roman ent«- Leckt worden. Es waren mehr als 200 Gemälde vorhanden, religiöse Darstellungen und zeitgenössische Porträts von Kavalieren; durch die Angabe der genauen Masse, zum Teil auch der Rainen der Dargestellten ist das Verzeichnis ein wichtiges Hilfsmittel zur Feststellung der vorläufig dem Greco zugeschricbenen Bilder. Auch em Katalog der Bibliothek des Künstlers ist darin vorhanden, in der namentlich zahlrmche Traktate über Architektur enthalten waren DaS Dokument ist offenbar eine Ergänzung des Tena- ments, durch das Jorge Manuel Thevtococuli als Erbe seines Vaters anerfannt wurde.


