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Er. 240 Erster Blatt

U4. Jahrgang

Samstag, U Mover 1924

GietzenerAnzeiger

Seneral-Rnzerger für Gberhesten

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Buch- und Steinörucfcrei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

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GießenerFamilienblätter Heimat im Bild.

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Die gescheiterte Volksgemeinschaft". Der Plan des Reichskanzlers Dr. Marx, durch Erweiterung der bisherigen Regierungskoalitton nach links und rechts ein Kabinett der Volks­gemeinschaft zu bilden, das die Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Sozial dem >kraten umfassen soll, muh nach den Beschlüssen der ReichstagSfraklionen als endgültig ge­scheitert angesehen trerden. Die Demokra­ten und das Zentrum hatten, w-ie bekannt, die Richtlinien des Kanzlers gebilligt und sich bereit erklärt, eine Regierung der Volksgemein­schaft zu unterstützen. Anklarer war, wohl ab­sichtlich, die .gestern gefaßte Entschließung der Deutschen Volkspartei gehalten, in der betont war, bah der Standpunkt der Deutschen Volkspariei bekannt fei und sich nicht geän­dert habe, in der aber zugleich eine beschleu­nigte Lösung der Frage der Regierungserwei- terung gefordert wurde. Wenn derVorwärts" daraus schließt, daß die Votkspartei nur den Dürgerblock wolle und an der Ausschaltung der Sozialdemokratie fest halle, fo legt er in die volks- parteiliche Entschließung einen Sinn hinein, der an sich in ihr nicht liegt, denn es ist bekannt,l daß die Deutsche Volkspartei, wenn auch gegen ge­wisse Widerstände in ihren eigenen Reihen sich schließlich doch auch mit dem Eintritt der Sozial­demokratie in die Reichsregierung unter der Vor- ausfetzuny abfinden würde, dah dafür den Deutschnationalen ein ihrer Stärke und ihrer Bedeutung entsprechender Einfluh auf die Regierungsgeschäfte zugestanden würde.

Für die Entwicttung der Krise entscheidend äbcr sind die Antworten, die die Deutsch­nationalen und die Sozialdemokraten dem Kanzler erteilt haben. DerVorwärts" hat nur allzu recht, wenn er feststellt, dah sich die deutschnationale und die sozialdemokratische Ant­wort wie Feuer und Wasser voneinander unterscheiden. Die deutschnativimle Antwort näm­lich stellt Richtlinien auf, die sich auf den christ - lichen, nationalen und sozialen Cha­rakter der umzubildenden Reichsregierung be­ziehen. Die Partei fordert den christlichen Staat, die Ablehnung des Klassen­kampfes, die Bekämpfung des den Ar­beitsfrieden bedrohenden Terrors, die För­derung der Arbeitsgemeinschaft zwi­schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Sie for­dert weiter, dah die Reichsregierung auf dem durch die Regierungserklärung vom 29 August über die Kriegsschuldfrage etngeleiteten Woge weitergeHen soll. Das sind Forderungen, die die Sozialdemo­kratie unter keinen ttlrnständen anerkennen konnte.

Auf der anderen Seite aber sind auch die Forderungen, welche die sozialdemokra­tische Antwort aufstellt, für die Deutsch- nationalen und, um es gleich vorweg zu nehmen, für die Deutsche Volkspartei und zum Teil auch für das Zentrum völlig unannehmbar. Die «Sozialdemokratie fordert das grundsätzliche Be­kenntnis zur Republik, während der Reichskanzler in seinen Richtlinien nur dir An­erkennung der tatsächlich bestehenden Verfassung und die Bereitschaft zur Abwehr eines gewalt­samen Staatsumsturzes verlangt hat. Sie ver­langt ferner unbedingte Fortführung der bisherigen Außenpolitik^ während die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei eine Revision der Dawesgesetze für notwendig halten. Sie verlangt den sofortigen Ein­tritt in den Völkerbund, während sogar i die Reichsregierung diese Frage noch nicht für spruchreif hält. Sie will den Achtstundentag aufs neue gesetzlich festgelogi wissen, und das in einer Zeit, in der selbst Sozialdemokraten aner­kennen, dah nur durch Mehrarbeit die Lasten getragen werden können, die das Londoner Protokoll uns auferlegt. Wenn ferner die Sähe der Richtlinien des Kanzlers, die sich mit der Steuer-, Wirtschafts- und Handelspolitik be- ässen, nach sozialdemokratischer Auffassung ge­nauerer Präzision bedürfen, so weih man, vvhin damit gezielt wird, denn die Sozialdemo­kratie hat gerade in der letzten Zeit ihre Gegner­schaft gegen jeden Schutzzoll wieder aufs schärfste betont.

LRan kann dem ..Vorwärts" nur rocht g ben. wenn er die augenblicklich: politische Lag: i ch n , präzisiert, dah das Zentrum, wenn d:eVolks- Partei der Regierung Marx keine Schonze t ge währe, nur noch zwischen Bürger block u. .d Auflösung zu wählen hrbe. Auf d r .nder.n Seite ab:r kann man auch ei rem Blatt de R:ch- ten nur Zustimmen, H>:nn es schreibt, dah die Seziald:m. kratie sich selbst au s ges ch a l t e t habe und dah nichts anderes übrig bleite als Mo Erweiterung der Reichsregierung nach rech s 3tne Entsch ttdung ist nach d:n Erttäru goa des Zentrums nicht vor 'Dienstag zu erwa-tten

Wenn im Laufe der Verhandlung«' immer wieder der Gedanke auftaucht, man solle dem Kabinett Marx eine Schonzeit g währ' 1, und bis zum 10. Januar Burgsrieden halten. 0 Hal ea wir diesen Gedanken für unausführbar Ein­mal mühte in diesem Falle die Deutsche Vvlkspartei sich den bindenden Verpflich­tungen entziehen, die sie gegenüber den Deutsch nationalen cing ga g-i i I. s dann aber worden die Deutschnationalen, wenn die »ihnen gegebenen Zusicherungen nicht innegehalten werden, unbedingt schon aus Rücksicht auf ihre Wählerschaft ihre Ankündigung wah.TN'chrn und in die schärfste Opposition gegen das Kabinett Marx eintreten. Die Sozia d mokratrn allerdings scheinen geneigt zu sein, aus err.en bcrartigen Pakt einzugehen. Wir halten ihn, wie gesagt, für unmöglich und sehen nach wie vor

Die Neparationsanleihe.

Das Ergebnis der Londoner Verhandlungen. Die Beteiligung des Aus­landes. Der amerikanische Anteil überzeichnet.

Richt nur die Leiter der hohen Politik, auch die verantwortlichen Männer für die Wirlschaits- und Finanzpolitik müssen von Amtswegen Opti­mismus zeigen, auch wenn sie in ih.em Innern nicht ohne Zweifel sind. Das war der Grund, warum der Reichsfinanzminister und der Reichs­bantpräsident schon seit Wochen jede Gelegen­heit wahrnahmen, um ihr Vertrauen aaf den erfolgreichen Ausgang der Anleiheoe.Handlungen zum Arsdrack zu bringen. Jetzt scheint endgülttg das Projekt der Reparations-Anl ihe unter Dach und Fach zu sein. Die Auflegung der achthundert Millionen Goldmark nominal be­tragenden Anleihe soll dem Vernehmen nach bereits am 14. Oktober erfolgen. Da nicht nur Amerika und England an der Zeichnung beteiligt sein werden, sondern auch Holland, Schweden, die Schweiz, Italien und sogar Frankreich und Belgien, wird den angelsächsischen Interessenten kaum derjenige B.- trag zur Verfügung stehen, der arsprünglich in Aussicht genommen war: Amerika mindestens ein­hundert Millionen Dollar und England 75 Mil­lionen. Reichsfinanzminister Dr. Luther soll von der letzten Unterredung, die er mit dem vorläufigen Agenten für die Reparationszah­lungen, dem amerikanisch n Bankier Owen V 0 u n g, gehabt hat. recht bef ie igt gewesen sein. Run hat sich der Reparationsag mt nach Paris zur Reparatlonskomm: ssion b geben, um sich das entscheidende Placet der auch jetzt noch füra llc Reparationssragen zustän.igea Kom- mislion zu holen. \

Die fertig vorliegenden Anleiheabmachurgen sind nämlich die Voraus e,ung für die ogenn n e zweite Feststellung der Repa.a.ions- kommission, von welcher ab weitere Fr.ste 1 für die wirtschaftliche Räumung des Ruhrge ietts datieren. Tl.ber die Anleih bett gungen wollen die letzten Meldungen soviel wi len, dah mit einem Ausgabekurs von 92 Prozent und einem Zinssatz von 7 Prozent zu rech er ist. Wenn dies zutrifft, hätten die Anleihezeichner eine Verzinsung ihres Geldes tauf hundert ge = rechnet) in Höhe von etwa S1/* Prozent u d überdies noch einen Gewinn von 8 Prozen', wenn die Reparations mloihe von Deutschland zurück- gezahit wird. Heber die Höhe der Provision, welche die vermittelnden Danken f ir sich i' Ar- spruch nehmen wollen, verlautet noh nichts Cd ist jedoch kaum Zu erwarten, d h dem Reich aus dieser Anleihe erheblich mehr als 90 Pr-z. zur Verfügung stchen w rdeir. Dies würde ein Disagio (Äbgeld) von fast 10 Prez und ei en Ret vertrag der ganzen A rleihr: Deut chlan) in Höhe von nur 720 Mill oaen G-old-mar! (statt 800 Millionen Gvldanark) bedeuten.

Wenn die optimistischen Meldungen, beson­ders aus Amerika und England, nicht eine bloße Folge der Dankenpropaganda sind, so besteht unter dem getdbesitzenden Publikum aller Zeich­nungsländer geradezu ein Hunger nach diesen deutschen Anleihetiteln. Rach den Erfah­rungen, die wir im Jahre 1919 mit der deutschen Sparprämienanleihe gemacht haben, tun wir gut, die prophetischen Ankündigungen der Interessen­ten mit Vorsicht aufzunehmen. An sich wäre es

nicht verwunderlich, wenn ausländische Geldgeber in der deutschen Anleihe ein besonders günstiges Geschäft sehen würden. Zahlreiche führende Staatsmänner, Diplomaten und Geschäftsleute ha­ben die deutsche Reparationsanleihe als eine be­sonders günstige Kapitalanlage be­zeichnet. So kritisch auch die Lage der deutschen Wirtschaft und der Reichsfinanzen beurteilt wer­den mag, so ist doch mit Gewißheit anzunehmen, dah wir die 800 Millionen Goldmark dieser An­leihe prompt verzinsen und tilgen wer­den. Auch Störungseersuche unserer etwa wieder sanktwnslüstern we benden westlichen Rachbarn sind kaum zu befürchten, da ja die internationalen Bankiers während der Londoner Verhandlungen vom Iuli/August die ttleberzeugung gewonnen haben dürften, dah Frankreich und Belgien die Reparationsanleihe natürlich im eigensten In- teresle nicht notleidend werden zu lassen ent­schlossen sind.

In Deutschland gehen die Meinungen darüber auseinander, ob man die jetzt zustande kommende Reparationsanleihe mehr vom bank- technisch-geschäftlichen oder vom poli­tischen Standpunkt aus beurteilen soll. Als Geschäft" ist die Reparationsanltthe wenn sie in der skizzierten Form Zustandekommen sollte nicht eben glänzend. Wenn achtprozentige Ver­zinsung für erstklassig gesichertes Leihgeld die Rorm auch für diejenigen Anleihen abzeben sollte, welche unsere Wirtschaft i:n Aislande auf­nehmen muh, so wird man die schwersten Be­denken äuhern müssen. Anderseits ist die Poli­tische Erwägung durchaus berechtigt, dah die ein­mal an Deutschlands wirtschaftlichem und sinan- ziellem Ergehen interessierten Ausländer im ei­genen Vorteil den Bogen nicht Überspan­nen werden. Die grundsätzlichen Bedenken gegen die fast völlige Abhängigkeit der deut­schen Wirtschaft vom ausländischen Geldmarkt bleiben natürlich vollauf bestehen. Unter diesem Vorbehalt können wir es jedoch, nur begrüben, wenn die ausländischen Geldbesitzer deutschen Anleihen so starkes Interesse entgegen^ bringen, wie das jetzt bei der Reparationsanleihe den Anschein hat. Wenn das Sprichwort zutrifft, dah der Appetit beim Essen kommt, so kann man hoffen, dah die bisher noch recht geringe Reigung des Auslandes,zur Gewährung billiger Wirtschaftskredite nach der Ueberzeich- nung der jetzt aufzulegenden Deutschland-Anleihe tr-achsen wird.

Die Anleihebedingungen.

Ab sch Ins;

der Londoner Verhandlungen.

London, 11. Ott. (WTD. Funk.) Die deut­sche Anleihe, die zunächst dem Dawes-Gutachten einen Erlös von 800 Millionen Goldmarl er­bringen soll, ist gestern zum Abschluh ge- k 0 m m e n. Sie zerfällt in zwei Gruppen, in einen amerikanischen und einen europäischen Anteil. Der amerikanische beläuft sich auf 110 Mil­lionen Dollar, der europäische auf 261 2 Millio­nen Pfund Sterling. Der amerikanische Anteil ist von dem Bankhaus Morgan übernommen wor-

nur zwei Wege, um aus der Krisis heraus- zukrmmon: Dürgerblvck oder Reichs­tag sauflösung.

Aus dem Wege zur Rechtskoalition?

Neue Verhadlungen mit den Deutschnationalen- (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 11. Oft. Rachdem die Bemühungen des Kanzlers zur Herbeiführung einer Regie­rung dec Veltsgememschaft endgültig gescheitert waren, haben sich die Mittelparteien un-.er dem Druck der Deutschen Volkspartei dazr entschlossen, die Verhandlungen mit der Deutsch- nationalen Partei allein fortzu­sehen. Dem Reichskanzler Dr. Marr, der be­auftragt wurde, sofort mit den Führern der Deutichnationalen Fühlung zu nehmet und ihnen die <5rage vorzulegen, ob die Deutschnational^ Partei bereit fein werde, die Richtlinien des Reichskabinetts anzunehmen, stellten die deutsch- nationalen ttlnterhändler verschiedene Fragen über die Auslegung dieser Richtlinien und erfannteq dann diele Richtlinien als geeignete @runi> lagen für weitere Verhandlung:n über die Re­gierungserweiterung an. Die Entscheidung liegt nunmehr bei den einzelnen Reichs.agsfrakttonen. von deren endgültiger Stellungnahme das Zu­standekommen einer Koalition zwischen allen bürgerlichen Parteien abhäiigt. Die Demo­kraten leisten entschiedenen Widerstand und werden voraussichtlich sehr bald aus den Ver­handlungen ausscheiden. Dadurch wird zwei­fellos die Stellungnahme des Zentrums sehr erschwert, das ohne Demokraten nur sehr ungern eine Erweiterung der Regierungskoalition nach rechts mitmachen will.

In vrlkepatteilichen Kreisen v rlau iet, dah die Möglichkeit bestehe, der Deutschnationalen Partei innerhalb der Reichsregierung d re i Mi­ni st e r sitze ciiizuräumen. Die Deutsche Vollspartei werde ihrerseits lediglich zwei Ministersitze beibehalten, und zwar das Außen-

mi nisteri um und das Reichsfinanzmi­nisterium. Man glaubt in Volks arieil ch:n Kreisen, dah die schwierigste Pha e der Ver­handlungen über die Regierungsumb.l'ung be­reits überwunden ist, und dah geueif er Anlaß za einer optimistischen Beurteilung der Lage besteht. Die' Deutsch rationale Partei wird vor'.ussich l.ch den Vizekanzler und Innenminister sowie den Reichsjustiz- und den Reichser­nährungsminister stellen.

Die Regierungskrisis bis Dienstag vertagt.

Berlin, 11.Oft. (Tel.-An.) Am Schluß der Parteiführerbesprechung, die um 71 \ ilfjr begonnen hatte und bis kurz vor 8 Tlhc dau­erte, wurde folgender amtliche Bericht aus­gegeben:

In der abends 71/. iUhr stattgehabten Besprechung des Reichskanzlers mit den Fraktionsführern der Koalitivnsparteien er- klätten die Vertreter des Zentrums, daß ihre Fraktton ihre endgültige Stel­lungnahme zur Frage der Regierungser­weiterung sich vorbeha lten müsse, da zur Zeit zahlreiche Mitglieder von Berlin ab­wesend seien. Der Reichskanzler kam mit den Patteiführern überein, die nächste Zu­sammenkunft im Laufe des Dienstags ab­zuhalten. Wie die Tel.-Lin. hierzu ersähtt, kann die Vollsitzung der Zentrumsfraktion aber nicht eher stattfinden, weil die ch r i st l i ch e n Gewerkschaften am Sonntag und Mon­tag ihr 25jähriges Bestehen feiern. Aus Zentrumskreisen verlautet, daß die Klärung des Standpunktes der Fraktion dadurch er« schwett werde, dah die demokratische Reichstagsfraktion zu der Frage der Erweiterung der Regierung nach rechts noch keinen eindeutigen Beschluß gefaßt habe. Als Ergebnis der bisherigen Verhand-

dcn, ben Hauptteil des europäischen Anteils über­nimmt die B a n k v 0 n E n g l a n b. An bem euro­päischen Anteil finb auherbem Frankreich, Belgien, Italien, bie Schweiz, Hol­land, Schweben unb Deutschlanb be­teiligt. Italien wirb seinen Anteil in Li re her­ausbringen, bie Schweiz z. T. in J r a n k e n unb S .T. in englischen P f u n b. Schweben übernimmt seinen Anteil in schwebischen Kronen. Im übri­gen wirb die europäische Emission in Pfund erfolgen. Die Anleihe ist in bereits 25 Jahren rückzahlbar, und zwar erfolgt die Rückzah. hing durch Auslosung ober Rückkauf. Für bie amerilantsche Quote ist bie Tilgung bes Kapital- Betrages mit einem Aufgelb von 5 Prozent, also zu 105 Prozent vorgesehen. Die europäische ist mit pari rückzahlbar. Die Emission erfolgt in allen Länbern zum Kurse von 92 Prozent unb wird bereits in der nächsten Woche beginnen. Der Zinsfuß beträgt 7 Prozent. Die zur Tilgung der Zinsen erforderlichen Beträge gehen allen Re­parationszahlungen voran.

Die Nepko billigt die Anleihebedingungen.

Paris, 11. Oft. (SU.) Die Repko hat geftevn nächstch.mdcs vffizicllLä Krmmunigus der- öfsentlicht:Die Repto hat heute 2 Liyungen unter dem Vorsitz Bart Hous abgchalten. In der Morgenstunde hat bie Kommission den Kom­missar der Reichseisenbahnges l.schäft Leverve vernommen, am Rachmittag Owen 2J du n g, ben Generalagenten für die Reparationszahlungen, der über den Gang der Verhandlungen über die 800-Millionen-Anleihe bettchtete. Die Kommrsfwn hat die Bed im gungen dieser Anleihe gutgeheihen und brschlossen, am 13. Oktober die zweite im Londoner Protokoll fest gelegte Feststellung dorzunehrnen. Die Kommission hat auf iben Posten des amerikanischen! Teilnehmers an bestimmten Satzungen der Repto Herrn P e r k i n s berufen. Schließlich hat die Kommission bie Ernennung ber Mitglieder des Transfer-Komitees vollzogen.

Me deutsche Anleihe in Amerika bereits überzeichnet.

Reu York, 11. Okt. (Tel.-Un.) Die Reuhork World" Meldet: Für den amerika­nischen Anteil der deutschen Anleihe ist be­reits 1 Milliarde Dollar gezeich- n e t worden. Die Zeitungen bringen optt- mistische Meldungen über die Zeichnung der deutschen Anleihe.Reuhork World" betont in ihren groß aufgemachten Ausführungen über die Lieberzeichnung der Anleihe:Dieser unerreichte Finanzrekord ist um so bemerkenSwetter, wenn man die antideut­schen Gefühle der amerikanischen Bevölkerung erwägt, denn die Anleihe wurde hauptsächlich von Privaten, nicht aber von Körperschaften gezeichnet. Diese be­tonen, dah ihre Hilfe bei dem glänzenden Zeichnungsergebnis überflüssig sei.

hingen über die Regierungsumbildung ist also festzustellen, daß die Entscheidung über den Ausgang der Krise zunächst bis Dienstag vertagt ist.

*

Zu der Vertagung der Verhandlungen schreibt die Germania: In der Regierungsfrage stand man gestern abend glücklich wieder da, wo man am 29. August begonnen hatte. Klar geworden. ist nur, daß der Gedanke der großen Volksgemein­schaft von der Sozialdemokratie bis zu den Deutschnationalen gescheitert ist. Den Versuch zur Bildung einer Volksgemeinschaft hat Reichs­kanzler Marx nicht nur auf Grund eines ausdrück­lichen Beschlusses des Parteivorstandes unternom­men, sondern auch in der richtigen Erkenntnis, daß eine ausgleichende Zusammenfassung aller arbeitswilligen und verantwortungsfähigen politischen Gruppen für die nächsten Aufgaben der deutschen Politik segensreich gewesen wäre. So muß man das Scheitern dieses Gedankens an poli­tischen Hindernissen um so mehr bedauern, als an Stelle der gescheiterten Pläne keine neuen zu Gebote stehen, die re st los zu befriedigen vermöchten. Der deutsche Parlamentarismus verzettelt sich in parteipolitischer Taktik und die Lektüre der höchstbewußt formulierten Partei­erklärungen sticht traurig ab von der viel geringe­ren Bewußtheit, mit der die wirklich dringenden Fragen in der Taktik verschwinden. Es ist schade um die besten Entwürfe, wenn sie so zerstäubt und unfruchtbar werden.

Die Preisabbauaktion der Reichsregierung.

Berlin, 10. Okt. (Priv.-Tel. des Wolff- bureaus.) Lieber die bevorstehende Preisabbau­aktion der Reichsregierung, die aber noch der Billigung des Reichskabinetts bedarf, weih das Tageblatt" milzuteilen, daß in erster Linie K re- di te i n s ch r ä n ku n g e n der Reichsbank für die Landwirtschaft und die Bin» schränkung bzw. Beseitigung der zur Zeit in großem Umfange üblichen Steuerstundun-