Wirtschaft.
Zur Konjunkturentwicklung^ (Don unserm Mitarbeiter im rheinisch-westfalischen Industriegebiet.) Zweifellos hat sich die deutsche Wirtschaft in der letzten Zett, relativ günstig entwickelt. Es ist aber die Frage, ob die Auswärtsbewegung anhält. Diese Frage ist unter zwei Gesichtspunkten zu betrachten- von dem weltwirtschaftlichen und von dem binnenwtrtschaftlichen.
Was den ersteren angeht, so sind Zweifel nicht von der Hand zu weisen. Die Aussichten für die deutsche Ausfuhr sind schlecht, nicht nur wegen des allgemeinen Kapitalmangels, wegen der Schutzzollschranken und wegen der mangelhaften Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes, sondern auch vor allem wegen der seit Kriegsbeginn zu verzeichnenden völligen Umschichtung der Weltmarktverhältnisse. Schon seit Jahren geht in allen Ländern die Tendenz einerseits dahin, die im eigenen Lande gewonnenen Rohstoffe auch im Lande selbst zu verarbeiten und die Fertigerzeugnisse anderer Länder femzuhal- ten, andererseits die Ausfuhr nach Kräften zu steigern und als Ziel vor allem Mittel- und Osteuropa zu wählen. Anstatt wir mit unseren Fertigerzeugnissen auf den Weltmarkt kommen können, wird man uns im eigenen Land mit Auslandsfabrikaten Konkurrenz bereiten. Daraus ergibt sich, daß das Ausland für unsere Fertigfabrikate — von einigen Ausnahmen abgesehen — keinen Bedarf hat' wo dieser Bedarf besteht, ist seine Befriedigung durch Deutschland sehr schwierig, weil uns für sehr wichtige Fertig- erzeugn.sfe die Rohstvffgrund.'age weitgehend beschnitten worden ist. Während die deutsche Ausfuhr verhältnismäh'g gering bleiben muh, wird also die von Deutschland benötigte Einfuhr ausländischer Waren immer verhältnismäßig hoch sein müssen. Don einer günstigen Gestaltung der Handelsverträge ist nicht viel zu hoffen. Die günstigsten Verträge können uns nichts helfen, wenn keine Rachfrage vorhanden ist.
Auch auf dem inneren Markte wirken verschiedene Momente konjunkturhemmend. Auch jetzt noch betragen die Steuern durchschnittlich mit 7—10 Prozent vom Umsatz ein Mehrfaches der Vorkriegszeit: sie stehen weit über Weltmarkthöhe. Dasselbe gilt für die Frachten: setzt man die Beförderungskosten für die wichtigsten Güter in Deutschland gleich 100, so ergibt sich für Frankreich ein Stand von nur 50, für Belgien ein solcher von etwa 55, für Oesterreich-Ängarn von 48 usw. Große Gefahren drohen auch von der Geldfeite her. Es drängt sich immer mehr die Befürchtung auf, daß ganz allgemein die deutsche Währung für stabiler gehalten wird, als sie tatsächlich ist. Wurde sie früher durch die Inflation bedroht, so erwachsen ihr jetzt Gefahren aus den hohen Auslandskrediten und aus den Reparationszahlungen, die im Prinzip genau so kapitalentziehend wirken, wie die Inflation. Außerdem haben sie noch den großen Rachteil, daß sie künstliche Kaufkraft ins Land tragen, die nicht nur preissteigernd wirken, sondern die auch schon sehr bald die Erzeugung bzw. den Verbrauch in völlig falsche Dahnen lenken muß. Dazu kommt, daß die deutsche Irrdustrie viel zu hohe Zinsen zu zahlen hat und daß die Ll'mwandlung von Sachkapital in DetriebSkapt- .tal noch lange nicht in dem genügenden Um- ^fange erfolgt ist. Auch soziale Probleme können finter Umständen die Konjunktur wieder zerstören: für den Fall der Abänderung der Arbeitszeit würden z. B. in der Eisenindustrie die Produktionskosten um mindestens 20 Prozent steigen. Lohnerhöhungen müssen — von dem sehr wichtigen Moment der Inflationsgefahr abgesehen — preissteigernd wirken. Jede infolge von Lvhnheraufsehungen notwendig werdende Preiserhöhung der Kohle von 1 Mk. je Tonne erhöht z. D. die Lokomotivselbstkosten um mehr als 3 Mk. je Tonne. Auch markttechnische Momente warnen vor Optimismus. Die jetzige Belebung z. D. im Bergbau und in der Eisenindustrie ist hauptsächlich erfolgt, weil man hier in Zukunft mehr mit anziehenden, als mit fallenden Preisen rechnen muh, ein Moment, das zu Bestellungen natürlich sehr anreizt, zumal früher mit Aufträgen stark zurückgehalten wurde, so daß die Lager jetzt vielfach leer sind.
Alles in allem liegt für irgendwelchen übertriebenen Optimismus keine Veranlassung vor.
Die rote Kaschgar.
Roman von Fedor von Zvbeltih.
14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
.Deinen Onkel Hora kann ich nicht Wiedersehen". sagte sie. „Das ginge über meine Kräfte. Aber ich will ihm vergeben tote dein Vater cs wünscht. Ich will ihm glauben, daß seine Kugel ohne Absicht traf. Ich will auch für ihn betat. Mit Gert will ich sprechen."
Da fuhr Frche in die Höhe. „Du — ?" rief sie, ihr Kopf flog zurück, ihr Blick umkreiste das Muttergesicht, ein fast schreckhafter Ausdruck zitterte im Hellicht der Augen.
„Ja — ich, meine Frehe. Ich will ihm sagen, daß ich in der Irre wandelte und in einem dunklen Tal — daß ich nun aber wieder den Weg gefunden habe, der zur Wahrheit führt und zur Sonne. Dem Vater hat ihn mir gewiesen. Gat soll mein Sohn werden, und ich will ihn segnen . . ,*‘
Ungebändigt träufelte Leid in das Herz Freyes. Es war ja zu spät, zu spät! Was aus der Auhenwclt erreg md auf die Mutter einwirken konnte, hatte man ihr ferngehalten. Auch Alexe schonte die Kranke, die nichts ahnte von dem Letztg.'sch'.hqum, von der bevorstehenden Hochzeit Gerharks und s inet Reise nach CH na — die immer noch glaubte, er sei frei und sie brauche ihn nur zu rufen, um wieder gutzumachen, was sie in ihrem Wahn verfehlt hatte . .
Während Frehe mit sich rang, unfähig, im jähen Sturm ihres Empfindens zu einem ilaren Gedankeninhalt zu komm n, sprach Frau von Elstern ruhig und im Bilde ihrer Vorstellung auch schluhrichtig weiter:
„Ich möchte, daß du an Gert schreibst, Kindchen. Er soll äu mir kommen, und ich w ll eure Hände ineinander! g n. Ich w ll, dH ihr beide glücklich werdet. Was mir der Traum gesagt hat, ist zuverlässig. Auch Onkel Hora wird Freude haben an dem Glück seines Sohnes, und denn sei alles Trübe und Schlechte verbannt und v.r gessen — dann kann ich sterben. Dein Vater wartet auf mich — heute über ein Jahr werde ich bei ihm sein. '
Der Saatenstand tu Preußen.
Die Statistische Korrespondenz teilt über den Saaten st and in Preußen Anfang De - z e m b e r mit ,dah die Saatfelder gut eingegrünt sind und vielfach einen so üppigen und dichtbezogenen Stand haben, daß sie mit Schafen ünd sonstigem Kleinvieh beweidet wurden. Tierische Schädlinge, wie Feldmäuse und Ackerschnecken, traten in vielen Gegenden ziemlich stark auf. Für das Einbringen der Hackfrüchte, des Kohls und für die Saatbestellung war die Herbstwitterung recht günstig. Bisher konnte täglich auf den Feldern ohne wesentliche Störung gearbeitet, die Rübenernte vollständig bis Mitte Rovember und die Saatbestellung fast restlos Ende Rovember beendet werden. Die Saatfläche für Wintergetreide ist jedenfalls nicht kleiner als im Vorjahre: möglicherweise sogar bis zu 10 Prozent größer.
* Weiterer Abbau der Außenhandelskontrolle. Im weiteren Verlauf des Abbaues der Außenhandelskontrolle wird durch die in diesen Tagen im „Reichsanzeiger" zur Veröffentlichung kommenden Verordnungen des Reichstoirtschaftsministers wiederum eine Anzahl Waren freigegeben. Es handelt s.ch hauptsächlich um Waren folgender Gruppen: Einzelne Waren des ersten Abschnitts des Zolltarifs, Gold, Platin, Silbererze, einzelne chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, gewisse Waren aus tierischen und pflanzlichen Spinnstoffen, einige Waren der Schnitz- und Formerstoffen, edle Metalle, Gold- und Silbermünzen, gewisse Waren aus unedlem Metall, elektrotechnische Erzeugnisse und Fahrzeuge. Gleichzeitig werden durch eine zweite Verordnung die für edle und unedle Metalle und Waren noch bestehenden Ausfuhrverbote aufgehoben, mit Ausnahme von Eisenschrott und Rohaluminium.
* Ein Schuhverband deutscher Pa- piermarkversicherter in Frankfurt (M a i n). Unter dieser Bezeichnung ist in Frankfurt a. M. ein Verein gegründet worden, dessen Eintragung beantragt ist und der die Interessen der Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigten bei der Auswertung ihrer Ansprüche aus Lebens-, Leibrenten-, Unfall-Prämien-Rückgewähr, Haftpflicht- usw. Versicherungen toahrnehmen will.
"Hugo Stinnes, Eisen - A.-G., Mülheim, an Weil & Reinhard, A.-G., Mannheim, interessiert. Der „Deutsche Handelsdienst erfährt aus Essen, daß die Firma Hugo Stinnes, Eisen-A.-G., Mülheim (Ruhr) sich maßgebend an der Weil & Reinhard A.-G., Mannheim, beteiligt hat. Die Weil & Reinhard A.-G. hat mit der Hugo Stinnes A.-G. ein Abkommen dahingehend getroffen, daß der ersteren Firma die Bearbeitung des gesamten süddeutschen und ein Teil des mitteldeutschen Marktes auch für diese Finna übertragen wird.
Frankfurter 2lbendbörse.
Frankfurt a. M., 9. Dez. Die im Schluß- verlaufe des Mittagsverkehrs vorübergehend ausgetretenen ©etoinnabgaben traten auch an der Abendbörse erneut hervor. Die Rückgänge bewegten sich indessen nur in bescheidenem Maße und die Grundsiimmung ist deshalb weiter als fest anzusprechen. Das Geschäft gestaltete sich wieder äußerst lebhaft und die Umsätze nahmen wieder einen größeren Umfang an. Lebhaft und fest verkehrte der Markt der Auslandrenten, wo besonders Bagdad, Zolltürken und die ungarischen Renten stärker beachtet waren. Heimische Renten dagegen waren ohne größeres Geschäft, die Äuife kaum verändert. Am Montanmarkt kamen die Realisierungen stärker zum Ausdruck, namentllch für die mittags stark gesteigerten Papiere. Interesse erhielt sich für Chemiew rte, die von der Realisationsneigung kaum b rührt wurden. Dagegen wurden in den führenden Werten des Ellkkromarktes Glättst llungm vvrgenommen. Der Bankaktienm irkt behi.lt sein freundliches A s- sehen bei. Das Geschäft verlief ruhig. Im allgemeinen fand das c.ngebotcne Material glat e Unterkunft, so daß die Börse in lebhafter und fester Haltung schloß. Deutsche Anleihen: Kriegs- anleihe 0 820 - 0,815, 3prvz ntige Konscls 1,00. Ausländische Renten: Bagdad II 9 1—9 25. Zulltürken 10,25—10,50 Monastir 8, 1924er Ungarn 6,40, 1910 ungarische Staatsrente 6,75. Montan- werte: Buderus.16,9, Gels.nkirchen 89, Harpener 110, Mannesmann 61,50—61, Phönix 54,15 Ryei- nische Braunkohlen 39, Rombacher Hütte 27,9 bis 27,6, Tellus 3.2, Kali Ascheislcben 16, Westeregeln 20,25. Chemische Papiere: Badi.che Anilin 2o,25,
Gneshetm 29 Vchetdeanstalt 21,75, Elbersewer Farben 25 35, Th. Goldschmidt 20,50 bis 20,75. Höchster Farven 25,7 bis 25 5, Holzverkohlung 8, chemische Rhenania 6,5, Rütgeiswerke 17,75. Ellktrowerte: AEG. 108—10.7, Bergmann 18,25, Licht und Kraft 8, Felten 32,50 bis 32,75, Lah- meyer 13,75 bis 13,85, Mainkraft 10,6, Schlickert 60 Reiniger 2,25. Bankaktien: Adca 3,1, Berliner Handelsg flllschaft KO, Kommerzbank 6,5, Darmstädter Bant 12 9, Diskonto 16.4, DreSdn r Bant 8,5, Met llb . nk 18.25, Mitteldeutsche. Kreditbank 1,9, Oesterreichische Kreditaktien 10,3. Rheinische Kreditbank 3 3. Transportwerte: Rordd. Lloyd 3,6. Schantungbahn 3,5. Sonstige Industrie- wcr.e: Kl her 2,9, Daimler 3 5, Karlsruher Maschinen 3,75, Zem.nt Heidelberg 25 25, Dyckerhoff und Widmann 4,15, Spinnerei Hammersen 22,5, (Sehr. Junghans 12, Met illg feilsch ist 16,5, Peters Union 1,7, Rheinmetall 9 4, Chemische Mainz 10,1, Zellstoff Waldhof 10 Badischer Zucker 3,6, Frankenthalzucker 4,15, Heilbronnzucker 3,41, Off« steinzucker 3,6, Stuttgartzuck.r 3,5.
Börsenkurse.
(Ohne Gewähr.)
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Hamburg.Amerika Pavel. . . viorddeuttcher Lloyd.....
Cberamtsche Werke Albin . Zementwerk Heidelberg . . Philipy Holjmann . . . . . Anglo«Tont -Guano .... Badische Anilin Cbenmche Mayer Slapin . . Noidschniid» ......
GneS- eimer Electron . ... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung . . .... Nüigerswcrke ......... Scheideanstalt.........
Alla ElektrifttütS^esellschaft Bergmann ......... , Mainkraftwerke ...... Schubert Siemen« A HalSke ..... Adlerwerke Kieyer ..... Daimler Motor«. ...... Henligenstoedt......... Meguin. ........... frankfurter Armatur« . . , Konservenfabrik Braun . , Merallgescll rbaft Frankfurt. Pet Union A.°>'S Schnhiabrik Herz . . , . . . Sichel .........
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Zur R o t iz: Die Berliner Wertpafrier» börse notiert noch folgenden Grundsätzen:
1. für Aktien und Ante.le, a) die noch nicht auf Goldmark umgestellt sind, in „Reichsmark für 100 Papiermark", b) die bereits auf Goldmark umgestellt sind, in „Reichsmark für 100 Goldmark^:
2. für festverzinsliche Werte, a) soweit sie nach der bisherigen Rotierungsart über 15 Milliarden Prozent notierten, in „Reichsmark für 100 Papiermark", b) soweit sie b i s 15 Milliarden
Prozent nach der viSherigen 2wtierungsart notiert sind, in „Reichsmark für eine Million Papier» mark", c) 8—15 Prozent Reichsschatzanweisungen „K" von 1924 in „Reichsmark für eine Milliarde Papiermark";
3. für die festverzinslichen wertbeständigen Anleihen, die bisher in „Mark für eine Gold» mark" notiert wurden, in „Reichsmark für 100 Godmark":
4. für die Anleihen, die auf Dollar lauten, in Prozenten:
5. für die nach Sachwert verzinslichen Pfand- briefe und Schuldverschreibungen, die bisher tn Billionen notiert wurden, in „Reichsmari".
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
(In Billionen Mark auSgedrückt. voenoS-SirrS, London, Ne» 6 ort. Japan, Rio de Janeiro für eine Tin bett. Wien nutz Vudavest für 100000 Lindenen. olleS übrige für 100 LmhetLN.!
Telegraphische Auszahlung.
(Ohne Gewähr.)
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Märkte.
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gievener Anzeiger^.)
Frankfurt a. M., 9. Dez. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 20,50 bis 23. Roggen, inländ. 20,50 bis 21,75, Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26, Hafer, inländ. 17,50 bis 21,50, Mais (gelb) 21, Weizenmehl, inländ. Spez. 0 36 bis 38,50, Roggenmehl 31,50 bis 34, Weizen- lleie 13, Roggenkleie 12,25. Tendenz: befestigt.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 9. Dez. Der Produttenmarkt wurde im Einklang mit den ausländischen Märkten heute fester: das Geschäft blieb aber in engen Grenzen. Es notierten pro 1000 Kilo: Weizen, märf. 214 bis 220, Roggen, märf. 209 bis 213, Gerste, mark. 225 bis 250, neue 190 bis 200, Hafer, märt. 165 bis 176, fromm. 155 bis 167, Mais (1000 Bln.) 203 bis 206, Rafrs 385 bis 390, Leinsaat 400 btd 405, pro ICO Kilo: Weizenmehl 23 bis 32,25, Roggenmehl 28,50 bis 31,75, Weizenkleie 14 bis 14,20, Roggenkleie 12,20 bis 12,40, Viktoriaerbsen 30 bis 32, Heine Erbsen 21 bis 22, Futtererbsen 19 bis 20, Peluschken 15 bis 16, Ackerbohnen 19 bis 20, Wicken 17 bis 18, Lupinen, blau 11,50 bis 13, gelb 15 bis 16, Serradelle, alt 10 bis 12, neu 15 bis 17, Rapsluchen 16,20 bis 16.80, Leinkuchen 24,50 bis 25, Trvckenschn hei 8,80 bis 9,20, Torfmelasse 8,60 bis 9, Kartoffelstöcken 18,20 bis 18,50 M.
R gf An der Spitze stehen
KrüaerolÄ
mit demanh septisch wirkenden Zusatz,
Frehe richtete sich auf. Mühselig, sie fühlte in ihrem Herzcl id sich auch körperlich gebrochen, wie ein mihhand.ltcs armes Tierchen. Der brodelnde Kops suchte nach Ausflüchten — sie tonnte' der Mutter die ganze Wahrheit unrneg'ich sag.m — ein Wolkenbruch von Vorwürfen wäre dann über sie hereingebrochen, und auch ein neuer Rervenanfall hätte die Folge sein können.
Sie küßte ihr die Hände und küßte sie auf die Stirn. „Muttchen," b gann sie zach, „ich d nke dir für deine Liebe, ich danke dir innigst. Aber sieh, es geht so nicht, wie du möchtest — nein, so geht es nicht. Ich kann an Gerhart nicht schreiben, weil. . .“ sie stockte und begann dann schneller zu sprechen . . . „weil ich nicht weiß, wo er im Augenblick ist. Es heißt, er sei nach dem Ausland abkommandiert — oder er stehe dicht vor seiner großen Reise — oder . . und wieder suchte sie.nach einer neuen klärenden Wendung, die der Wahrheit wenigstens nahekommen konnte . . . „Machen, und ahnn wir denn, wie er heute denkt? Du wolltest nichts mehr von ihm wissen — und ich war dir eine gehorsame Tochter und habe ihm gesagt, daß ich iyn nicht lieben könne — und da ist er schweig mb geg ng?n . . Machen, darüber ist lange Zeit verflossen — wir sahen ihn nicht wieder, wir hörten kaum noch etwas von ihm. Er ist jung, er ist ein Mmn und wird mich vergefm haben — und kann n chl inzwischen eine andere gekommen sein, die ihm gefällt, besser vielleicht, als ich ihm gefallen habe?"
Sie sank wieder auf die Kissen zu Füßen der Mutter und umfaßte streichelnd 'ihre Härde. Run kam sie über die Formlosigkeit ihrer D.helfe hinaus und gewann festeren Boden. Die Rotlüge geboren aus Liebe und Mitleid und der Hllflofigkeit gegenüber dem dg.-nen Schme-z nahm Gestaltung an. Dabei st igrrte sich unbewußt ihre Gemütsb toegung. Flieg nde Rrte f h in ihre Wangen und vcrbl.,ht.> wied r. cn ©aja - iensaum rann um ihre Aug n, us ihrem Blick i tropften Gefühle wie wirre Rätsel.
i . „Muttchen, kann ich den Mmn zu mir rufen " )agte sie, dm ich von mir tot 8? Selbst wenn | er mich noch hären könnte, muß er sich nicht fragen
I ob das etwa« Besseres als eine launische Ein- |
gebung ist, vielleicht nur ein posthumes Reueempfinden über meine rasche Absage? ilnb ich habe doch auch meinen Stolz — soll ich mich vor ihm entwürdigen? älnd habe mein Herz, das seine eigene Sprache hat und das nicht" . . . mit einem keuchenden At mzug fti h sie dies letzte hervor. . . „das nicht lügen Willi . . ."
Sie barg das Gesicht im Schoße der Mutter ob dieser doppelten Lüge und weinte. Die alte Frau legte die Hand auf das lichte Haar ihres Kindes und sagte mit einer Stimme, die wie von weit her Hang und so fein und dünn gleich dem Zirpen einer Grille im Wiesengras
„So liebst du ihn nicht mehr, Fr.he?"
„Rein, "-rief Frehe hart, und alle ihre Sieber bebten unter der Selbstgeißelung dieses Rein.
„Wen liebst du, Kindchen?"
„Mutter, quäle mich nicht!"
„Ich quäle dich nicht. Ich teilt beinern Vater Rede stehen. Er kommt wieder im Traume. Ich will ruhigen Herzens mein Ende vorbereiten."
„Liebes Machen", bat sie, „laß mich, laß mich!"
Sie schluchzte wild. Aber im Hirn der Kranken Irammte d:r Wckle nach Wahrheit sich fest. Sie war ihrem Traumg.b.lb Rechenschaft schuldig.
„Weine dich aus. meine Kleine, sagte sie, „und dann gib mir Antwort. Gert ist jung und ein Mann. Auch du bist gottlob noch jung, aber ein Mädchenh.rz vergißt eine verstörte Liebe erst dann, wenn eine neue sich regt. Din ich nicht deine Mutter, der du dich anvertrauen kannst ?..."
Frehe hob sich auf den Kissen. Sie stand auf und wischte die Tränen vom Gesicht. Sie war wieder ruhig g Word n. Sie muhte der gereizten Llnerbittlichkeit d.r Mutter gegenüber das Spiel fortseyen. So erwiderte sie denn:
„Ich wollte nicht davon sprechen, weil die letzte Entscheidung noch in der Zukunft liegt Der Bruder, dm du im Garten sahst. Bruder Dorotheus Fiedler, hat um mich geworben. Ader höhere Pflicht ruft ihn noch auf zwei Jahre ober darüber hinaus zu b:n Heiden. Dahin k. nn ich ihm nicht folgen, ich kann auch von dir mich nicht trennen ich muh auf feine Rückkehr warten."
Eist aufmerksam lauschender Zug schärfte di» gelben wie von seelischem Edelrost gefärbten Züge der alten Dame.
„ünb du hast diesen Bruder lieb?" fragte sie wieder.
Frehe wich aus. „Er ist mir sympathisch." erwiderte sie, „ich habe Reigung für ihn, ich wühle bet ihm mich tn sicherer Hut Er hat Landbesitz ich glaube in Oesterreich oder in Sad- deutschland den will er übernehmen, wenn seine letzte Mission beendet ist.'
„Was zwingt ihn zu dieser Reise?"
„Vielleicht innerer Drang, vielleicht etit Schwur, vielleicht Befehl des Gpiflopats. Ich weih eS nicht."
„Du sprichst von seinem Landbesitz. So ist er also vermögend?"
Frehe wurde ungeduldig. „Du fragst mich zu viel, Muttchen. Ich kann das nur vermuten. Ich habe ihn nicht ausgeforscht."
„Ist er noch in der Kolonie?"
„Er rüstet zur Abreise."
„Bringe ihn zu mir. Ich will ihn sehen und sprechen. Das kann ich verlangen, wenn er mein Schwiegersohn werden will. Es wäre richtiger gewesen, er hätte zuvörderst an mich sich gewandt."
„Er hat das vermieden, weil er noch gar nicht weih, was ihm dje Zukunft bringt. Wir wollten dich nicht nutzlos erregen."
„Du siehst, dah ich meine Herben in Zucht habe. Geh' Frehe, imd hole ihn.
Frehe schüttelte energisch den Kops. „Ich kann ihm nicht nachlaufm, Mama. Das widerspricht meinem Gefäbl. Aber ich weih, er ist morgen noch frier. Ich werde Gel gmheit finden, ihm zu begegnen — und dann bringe ich ihn fr er."
‘Sie Mutter nickte zustimmend. Sie beg nn nun mube zu teerb.n. Die Zusammendrän;ung der Gedanken war eine ungewohnte Arbeit für fie. Ihr Gesicht verlängerte sich, der Ausdruck der Augen verblaßte.
„Du bist angegriffen. Machm" sagte Freye. „Ich schicke dir Katharine, sie soll dich zu Bett bringen. Ruhe dich aus bis zum Mittagessen. Ich muh in bic Anstalt, mein Llnterricht beginnt."
(Fortsetzung folat)


