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m. 291 Zweites statt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderyeffen)Mittwoch, ( vez'mder 1924

Jugend und Hochschule.

Vom Geist der neuen Jugend.

Dem Pfarrer 0. Luther, Charlottenburg.

3n der deutschen Jugendbewegung vollziehen sich tiefgreifende Wandlungen. Fast schon wie eine versunkene Welt ist die Zeit, in der der Wandervogel die Jugend aus dem Drohstadt­staub und- den lächerlichen Torheiten der mo­dernen Zivilisation hinausrief in die freie Natur, um sie drauhen am sprudelnden Quell, im wogen­den Äehrenfcld, im rauschenden Wald an Leib und Seele wieder gesunden zu lassen. Es wird ein unvergängliches Verdienst des Wandervogels bleiben, für die Läuterung und Stählung jungen LebenS die Wege bereitet zu haben. Aber die Tugend, zumal die ältere, hat doch längst erkannt, daß abendlicher Tanz auf dem Wiesenplan und schwärmerisches Liegen am Nachtfeuer zu wenig Lebensinhalt schenken, vor allem keine Willens­menschen erziehen, die in den Unbilden der Zeit und in den tausendfachen deutschen Nöten klar, fest und entschlossen ihr eigenes und das deutsche Schicksal gestalten. Darum drängt die Jugend heute nach Arbeit auf dem Boden der Wirklich­keit. Sie will aus der Selbstgestaltung des eigenen Jchs und traumvoller Romantik zur Tat, sie will irgendwie eingeordnet sein in das vielgestaltige Schaffen, das aus heimlichen Lebenstiefen stam­mend neue deutsche Zukunft zu bauen sucht. Die Jugend trägt in sich, zumal in den Kreisen, die nicht dem entnervenden volksfeindlichen Pazi­fismus unterlegen sind, ein tiefes Weh über die deutsche Not und einen heihen Herzschlag für die deutsche Zukunft, an die sie glaubt mit all der frohen Selbstverständlichkeit, die ein kerngesundes Volk in sich trägt. Aber auch unzerstörbarer blut­warmer Glaube an Deutschland will sich jeht nicht mehr begnügen in Schwärmen und Träumen, in romantischem Nationalismus.- der jeden Tag in FesteSstimmung verbringt. Ernste Jugend weih längst, dah allein zähes Arbeiten mit offenen Augen für alle Lcbenswirklichkeit und durchglüht von tiefer, treuer Liebe zum deutschen Volke all­mählich die Fesseln bricht, die uns geschmiedet sind. Darum will sie zu denen hinüber, die ihr Wege der Arbeit weisen, die ihr irgendwo ein ruhiges Schaffen, in stärkstem Verantwortlichkeits- gefüyl für Volk und Staat ermöglichen. Ob eS die Sorge um das Auslandsdeutschtum ist oder die etndringende Beschäftigung mit den Nöten des Grenzlanddeutschlums, ob es die Teilnahme ist an sozialen Mahnahmen des Staates oder der Kommune, ob es die Fürsorge ist für Kranke und Schwache irgendwo will Jugend zur Tat kommen, weil in ihr allein Lebenswerte ruhen, die die Gesamtheit zu fördern vermögen. Wohl weih Jugend, dah sie immer nur sich vorbereiten kann auf den hohen Beruf des Staatsbürgers, der mit Leib und Seele im Dienst seines Volkes steht, aber sie brennt darauf, dah diese Vor- bcrcitungSzeit für sie ausgestaltet werde mit tiefem Verständnis, eirwehendster Sachkunde und bingebendstcr Treue. Auch die Jugend hat er­kannt, dah Politik unser Schicksal ist, die Politik in jenem echten Sinn als der unablässige Dienst am Volk, als das lautere selbstlose Schaffen für die Dolksgesamtheit, und sie brennt daraus, mit all den jugendfrischen Kräften sich einen Platz zu erobern, an dem sie Höchstes zu leisten versuchen darf. Es kommt alles darauf an, diese Sehnsucht der Jugend zu befriedigen. Es darf sich nicht wicderhclen. was im alten Deutschland geschah, dah der völlige Mangel an politischer Erziehung uns in eine noch wirrere Zukunft flöht. Cs darf nicht wieder wie einst die Beschäftigung mit öffentlichen Dingen als des deutschen Edel- mcnschcn unwürdig erscheinen, im Gegenteil, cs muh als die höchste Ehre gelten, im Dienst des Vaterlandes sich zu verzehren, wenn auch dieser Dienst Mühe. Kleinarbeit und Verdruh mit sich bringt. Wenn im deutschen Vaterland der Ruf nach Fübrerpersönlichkeiten immer stärker wird, woher sollen sie kommen, wenn nicht aus deut­scher Jugend. Sie. die dem Leben entgegen- schreitet, ist doch berufen, aus sich heraus ein­mal die Führer zu stellen, die im Gegensatz zum Masscntum. das immer Untergang bedeutet, uns zu neuen, besseren Lebenslagen führen, in höchster Anspannung ihrer Kraft, in größter Selbstzucht und mit glühendstem Idealismus. Und wer un­sere Jugend kennt, der weih längst, dah sie mit dem sicheren, unverbildeten Instinkt, der ihr eigen ist, schon heute In sich Führerpersönlichkeiten erzieht, die unsere Hoffnung sind. Dah wir nur unsere höchste Sorgfalt darauf richten möchten, dem. was werden will, die Wege zu ebnen, damit Deutschland, das doch, weih Gott, nicht schlechter ist wie andere Völker in der Welt, seinen Platz sich wieder erobert.

Deutschkunde und Nationalbewuhtsein.

Don Dr. Hermarrn DreyhauS.

Der Begriff Deutschkunde im Sinne eines Llnterrichtsg g nstandes ist noch Verhältnismäb g jungen Datums. Nur etwas m hr al3 ein I hr zehnt ist es her, dah er das Erbe der sogenannten .ethischen" Fächer antrat. Zurächst ern > i n Kriege und nachher immer machtoo ler auf:retend. Das war nötig. Denn gleich d n früheren ethi­schen Fächern bildet die Deutschkunde d a g:- meinsamen Kem der verschiedenen Schularten. Durch die Ramenswandlunz ist aber dessen W - sen deutlicher hervorgetreten, und die Fächer Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Religion lind mehr auf das ihnen innewohnende gemein­same Moment hing-wiesen worden. Worin besteht diese Gemeinsame? Die Frage stellen, heißt gleich eine F-lle von Schwierigkeiten h.r- aufbeschwören. Nicht als ob man sich nicht einig Wäre über die Grundnatur der b er vorhin genannten Fach r In biefer Beziehung gibt es nur Meinungsverschiedenheit.n über di. Men­gen des zu bietenden Stoffes, in der Sache selbst kommt man bald überein. Aber das G - meinsame, was des gt das? Die le te Tagung der .Gesellschaft für deutsche Bil­dung" hat so recht gezeigt, wie weil die Mei­nungen in diesem Punkte doch noch auseinan^er­gehen. Gewiß, man war sich einig über die Hervorhebung d s spezifisch Deut chen in Lite­ratur Kunst. Geschichte und Land chaft, m n tarn and? immer wieder zu dem .deutschen 'Menschen",

stellen.

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Durchdringung der selbst die

Aufschwung des Handels, die Bildung van Jn- dustriebezirken und nicht zuletzt durch die immer mehr erwachsende deutsche Wanderlust geschah

duften mit Auownrf mimen 2ie scdrellttenS befei igert. Wir m en Ihnen, In der Apotheke .7) g eUen ,>agoio:-E--rakt zu tauten unj durch Aut- kochen mit1 4 Md. .Sutter undI Wasser eine vrels- w.rie, prompt wirkende Hunenmedijin selbst herzu»

an dem Wohlergehen feiner Schüler den ©cgfll der Tiefatmung."

Aus jeden Fall scheinen die in Braunschweig mit der lnstemaiischen Atemgymnastik erzielten Erfolge so beackenSwert, daß die Sache bet allen für die körperliche und geistige Gesundung unseres Volkes Verantwortlichen auf ernsthafte Nach­prüfung rechnen darf.

Das Amt für Politische Bildung der D. St.

Die Notwendigkeit, daß den jungen Akade» rnikern die Kenntnis der großen politischen Fra­gen vermittelt werden muß. mit denen daS Ge­schick unseres Vaterlandes verknüpft ist. kann heute wohl von niemandem mehr verkannt wer­den. Der Versailler Vertrag und seine Auswir­kungen. die Reparationsfrage. das Problem deS Völkerbundes, auf der anderen Seite die Grund­lagen der großdeutschen Idee, die Verhältnisse unserer jenseits der Reichsgrenzen wohnenden Volksgenossen und der fremden Staatswesen, denen sie angeboren, das sind einige von den Dingen, deren Kenntnis zum mindesten zum eisernen Des! and eines jeden Aka­demikers gehören sollte. Von vielen Seiten wird an der Erreichung dieses Zieles gearbeitet. Der Deutsche Hoch^chulring, die studentischen 'Ver­bände, studentische Parteigruppen und andere stellen ihre Kräfte in den Dienst der Sache. Auch manche Dozenten lesen Kollegs über die ge­nannten Themen.

DaS neu eingerichtete Amt für politische Bil­dung der Deutschen Studentenschaft will nun nicht etwa den genannten Organisationen die Arbeit abnehmen, sondern sie vielmehr ergänzen. Das geschieht ei imal durch Vermittlung lückenlosen Materials als Grundlage des ilnterricbto, wozu das Amt durch enge Verbindung mit allen dafür in Frage kommenden Stellen befähigt ist. Dann will es aber an möglichst allen Hochschulen die B ldung von Arbeitsgemeinschaften, an denen Dozenten und Studierende aller Rich­tungen beteiligt sind, anstreben, um dadurch der ganzen Arbeit eine Dauerwirkung zu verleihen und die allmähliche Aufnahme bief-r Gebiete ir den ilnterridjt . plan durch usetzen. Natürlich muß unter diesen Umständen die Behandlung aller Fragen es kommen wohl hauptsächlich die eingangs genannten in Betracht auf über­parteilicher Grundlage erfolgen. Hier­aus ergibt sich schon ohne weiteres, dah die Arbeit des Hochschulringes, der Verbände usw. nicht überflüssig, sondern erst recht notwendig wird. Denn diesen bleibt es Vorbehalten, im eigenen Kreise das im Hörsaal Vorgetvagene zu verarbeiten und im nationalen Sinne die Schluß­folgerungen aus der wissenschaftlich-neutraler Darstellung zu ziehen. Von diesem (hesichtSpanki aus hat sich, wie wir hören, auch die Leiten- des Deutschen Hochschulringes zur Zusammen­arbeit mit dem neuen Amt bereits erhärt.

lich zum einheitlichen Deutichen führen. Herr­lich stand der im August 1914 auf leider nur ein Jüngl.ng! Schwere ManneSnot konnte er nicht ertragen. Und so zerbrach er 1918, nach­dem er schon lange Jahre vor dem Kriege in seinem kulturellen Leben sich verloren und von neuem rückhaltlos die Vorwürfe verdiente, die Lessing hundert Jahre vorher seinem Zeitalter gemocht.

Das ist nun unsere Lage, kulturell un­sicher, politisch gebrochen! Da ist der Ruf nach deutscher Art, der heute so laut er­tönt, nur allzu verständlich. Allein, daß ich es noch einmal sage: zuerst gebrauchen wir den politischen Deutschen, nicht den kulturellen! Bei diesem tonnen wir wohl einmal ein paar Jahr­zehnte von der Erinnerung zehren, in Ermange­lung jenes sind wir in wenigen Jahren erledigt. Deshalb muh der deutsche politische Mensch im Mittelpunkte der Deutschkunde ste­hen. Nur er schafft das Nationalbetoußt- f e in der Tat, nicht das des Gefühls. Die von mir kurz gezeichnete Linie durch die Jahr­hunderte zwingt durch ihren Verlauf zur Be­tonung des politische:'. Menschen. Wir dürfen den Gewinn von 1914 nicht einfach wieder zer­fallen lassen. Die preußisch-deutsche Idee vom Dienst am Staate und für den Staat darf nicht einer unferm innersten Wesen fremden Ichsucht und Parteienwirtschaft zum Opfer fallen. Der Jüngling von ehedem muh endlich zum Manne werden. Alm mit einem Aufschrei Spenglers aus feinemPreußentum und Sozialismus" zu sprechen:W:r brauchen keine Ideologen mehr, kein Gerede von Bildung und Weltbürgertum und geistiger Mission der Deutschen. Wir brauchen Härte, wir brauchen eine tapfere Skepsis, wir brauchen eine Klasse von sozialisti­schen Herrennaturen ', wobei sozialistisch na ü Ich nicht im partei'^o.itischen Sinne gemeint ist, son­dern in dem feiner eigentlichen Wortbedeutung, wie sie die beiden großen preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große verkörpert haben.

Mit einem Wort: der deutsche politische Charakter ist das Ziel der Deutschkunde, ist der Inhalt des Rat onalbewußtseins, das wir heute brauchen, ein Charakter voll Härte und Kühle. Zu ihm muh sich unsere Jugend auch schon deshalb hinfinden, weil sie unter dem Joch von Versailles steht. Wir sind vom Schicksal nicht so bevorzugt, auf einer Insel zu liegen wie England, oder einen staatlichen Entwicklungsgang hinter uns zu haben wie Frankreich, wir sind politisch ein junges Volk, das zudem das Alnglüd hat, in der Mitte eines Erdteils zu liegen, dessen Haupt­staaten nur dann vom Frieden sprechen, wenn sie sich auf unsere Kosten satt gegessen haben, so im 17. Jahrhundert, so heute in Genf. Wir können da nicht widersprechen, aber wir können durch zielsichere Deutschkunde unser Rational- bewuhtsein Härten zu Stahl.

eine derartige gegenseitige einzelnen Dolksteile. daß ganz von selbst öi< vorhandenen Gegensätze nachliehen und schließe

Volkswirte in kaufmännischen Betrieben.

Tie Angehörigen des neuzeitlichen Berufe- der praktischen Volkswirte, die ihre national- ökonomische Vorbildung und ihre luristischen Kenntnisse mit Verständnis für die Bedürfnisse des wirkschaftl-chen Lebens hereingen, ge­winnen ellenthaltrn an Dodn. D e g.w rblchen AIntcrnch nungen s nb in wachs nbern Maße ba*u übcrgcgcing.n, n b.n kuusmänn scheu und techni­schen Krälten auch vrakt ich? Volkswirte nach dem Vorb.lde der Fichv rbände, Kartell?. Han­delskammern usw. als ständ gen M.tarbeiter (Syndikus) oder von F ll zu Fall alS Beratenden Volkswirt heranzuziehen.

Schon die Fälle von Verordnungen aller möglichen Behörden, sowie die v e fachen Ver­handlungen zwischen F r-nen und B Hörden pffm die M tarbeit e nes nitionalökonoi. isch°:uristt ch geschulten Volksto i s. der das W'r schaf Sl ben kennt, besonders ratsam ersche nen. Hierzu gehört insb sondere das G b ei des S teuer wesens. Sodann sind es alle mit dem Konvention s- und Syndikat w sen zufcmm rh ng nden 5cg?n und Verhr' dlung n Zew r s ch sei, Be- tri bsräte, Ange : llt.n. uslchüss . Sozialv.rsiche- rung u. dgl. genügen als Stichwort, um den sozialpolitischen Aufgabenkreis zu kennzeichnen.

Auf dem Gebiete der Statistik des Be­triebes vermag d r praktisch: Volkswirt neue Anregungen zu geben, die Statistik auf wissen­schaftliche Grundlage zu stell n und systematisch auszuwerten. Die in der Presse erschemenden Inserate, durch die Erwerbsunternehmungen enen .Statistiker" suchen, lassen häuf g nicht mit der wünsch r.swerten D stimmthe t crs.hen ob bibei an einen rein kaufmännisch vorg b [beten Angestellten gedacht wird, 6er b c Statistik wesentlich als D u ch h a l t e r zu b?arbe ten hätte oder ob eine Durchführung der Statistik im Sinnedermode-rnenHandelswissen- schaf t beabsicht gt w rd.

Allerdings gehören zur Lösung solcher Auf­gaben voll ausgebildete Volkswirte mit entsprechender Prak s. Zu ihrer äußeren Kennzeichnung hat der Reichsverband her Rut­schen Volkswirte die einhe t'iche Verufsbe e.ch- nung .Volkswirt R. D. V ' g sch. sfen Denn die akademischen Grade, wie Doktor una d.e ver­schiedensten Arten vonS blamierten . sind wissenschaftliche Qual: ikationsmerkmale d. h. lediglich im Hinblick aus die theoretische Vorbildung.

Atemgymnastik und Schule.

Gewiß wurde bisher in vielen Schulklassen bereits Atemgymnastik getrieben: beim Turnen, von 10-Minuten-AIcbungen und der bes. Klassen­zimmergymnastik, beim Gesanaunterricht, in den Artikulations- und Sprechübungen im ersten Grundschuljahr. Darüber hinaus ist man jetzt in den braunschweigischen Schulen zur Durchführung einer planmäßigen Atemgymnastik geschritten, lieber deren Gestaltung und die damit erzielten »sehr befriedigenden Ergebnisse" berichtet der dor­tige Stadtarzt Geh. San.-Rat von Holwede in Nr. 7 der »Zeitschrift für Schul- g e s un dhei t s p s l e g e". Diese hygienische Be­reicherung der Jugenderziehung stützt sich auf folgende Richtlinien: 1. Die Atemgymnastik soll Bestandteil des Turn-, Gesang- und Sprachunter­richts sein. 2. sie ist in allen Schulklassen forg- * fähig zu pflegen. 3. die Alebungen müssen stets bei geöffneten Fenstern (nicht in den Pausen) vorgenommen werden, 4. die täglichen Alebungen müssen auf die Fälle beschränkt bleiben, wenn zwei Unterrichtsstunden ohne dazwischenliegcn!>e Pause hintereinander erteilt werden, 5. es darf keine Störung des Alnterrichtsbetriebs eintreten, 6. die Auswahl der Kinder durch die Schulärzte muß sehr sorgfältig erfolgen, damit nicht bei ein­zelnen Kindern mehr Schaden (z. B. durch Blu­tungen) angerichtet wird.

An 12 Knaben im Alter von 1014 Jahren hat Geheimrat von Holwede ein halbes Jahr lang täglich die Alebungen planmäßig vorge­nommen und nach deren Verlauf folgende Er­gebnisse einwandfrei festgestellt: »Vergrößerung der Atmungsoberfläche, Zunahme der Spannweite zwischen Ein- und Ausatmung! die Gewichts­zunahme war nachweislich stärker als im voran­gehenden Halbjahr bei Nichtübung. Hebung der Ernährungs» und Atmunasnote (Quäkermessung). Besonders ausfallend erscheint die Beseitigung des krummen Rückens, der schlaffen Haltung, her­vorgerufen durch die bei der Einatmung not­wendige Streckung. Gradrichtung der Wirbel­säule." Endlich ist festgestellt worben, daß sich als Folge der planmäßigen Atemübungen auch »eine erhöhte Schulleistung (Merkfähig­keit» ergeben hat, die sich in einer Besserung des Schulzeugnisses ausdrückte. offenbar die Folge der Befreiung des Gehirns von Ermüdungs- stosfen." Schließlich wird betont, daß »es sich bei den in dieser Riege Alebenden (die aus den untersten Volksklassen kommen und vielfach erblich mangelhaft bcanlagt sind), dahin gebracht wurde, daß die vom Reichsgefundheitsamt oufgestellten Ziffern über Größe und Gewicht der Dolksschul- kinder erreicht wurden, zum Teil fcirüber hinaus- ragten, ja. dah trotz der angeführten körperlichen Minderwertigkeit der Zustand der gleichaltrigen Kinder der g-hobenen Bürgerschulen erreicht, zum Teil übertroffen tourbe.

Es wird ausdrücklich betont, daß die Lehrer­schaft die Neuerung mit Begeisterung aus­genommen und in geschickter Weise durchgeführt hat. »Mit Verständnis und kraftvoll geleitet fühlt der Lehrer alsbald an feinem eigenen Leibe und

und Minister D o e l i Y k nnte mit Stolz die starke B tvnung d s d utfcheu We ns als ben bedeut ndsten Vorz-g fener Schulres rn p elfen.

Ee> ist sicher m.t Freuden zu beg üßen. dav in Zukunft die deutsche Jugend mit größerer Eindringlichkeit in das Westn ihres Vol.Stums eingeführt werden soll. Zweifellos wird durch das fortgisetzte und zielstredende Vertiefen in deutsche vg nart ein gesteigertes Ratio- nolbew'.-ßtsein erlogen. Denn die deutsche '23ergimgcnh.it ist derartig reich an großen und erhebend n Werten, daß Ile in Fülle Racheife- rungswärdiges bietet Dadurch wirv der Alnter- gründ für ein Ziel der Deutschkunde gescha.fen, für die Erziehung zur deutsch n Kultureinheit Aber so schön und erstrebenswert dies.s Z el auch erscheint, höchstes und letztes Ziel kann eS nicht sein, dafür ist es nicht faßlich genug. Es ist allzusehr Sache deS Gefühls, zu wenig Gegenstand des Willens, des Verstan­des. Mit diesem Ideal konnten wir uns vor hundert Jahren begnügen, wo es nur ein kultu­relles D utsäl nd g b heute wo des poli­tische Deutschlmrd um Sein urtb Nichtsein lt mpst. muß der kulturelle deutsche Mensch zurüätreten vor dem politischen. Ganz richtig stellte darum auf der Tagung derGesellschan für deutsche Bildung" Ministerialrat Schellberg d.e For­derung:Heute müssen wir unser Dildungswefen auf den nationalen Staat einstellen!" Ihm gebührt der Vorrang unter allen Lebensfragen. Deshalbe muß zum Ausgangspunkt der bc-tid)- kundlichen Facher der deutsche politische Mensch genommen werden, nicht der kulturelle

Beide sind Ergebnisse der Erziehung, ater der eine mehr als der andere. Zwar ist der poli­tische vorwiegend die Folge einer traffen Da- feinsnotwendigkeit, wodurch er ursprünglicher, triebhafter wirkt, der kulturelle Mensch dagegen braucht Zeit zur Entwicklung, zum Erleben, Ge­stalten, tritt also im Grunde später auf alS der politische. Dakür ist er aber auch in sein-m Wesen örtlicherer und infelgedess n in 'einem Besitzstände weniger bedroht Der politische Mensch reckt sich schon im Mut laitcr bald zu starker staatlicher Entwicklung, ohne jedoch in Deutschland an das Ziel, die politische E.nheit, zu gelangen. Der jeder deutschen Polüik im Mjttela.ter beigc üjte Zug einer kirchlichen oder imperialistischen Richtung wurde verbängnlrvolk weil er unausgereift abbrach und statt (in s Staates ein Trumm rfe d von Territorien hint.r- lieh. Doch hatte sich der K u l t u r d e u t s ch e ' schon so weit entwickelt, daß von einer gewiss n Blüte gesprochen werden kann, die sich nicht b oh bis ins ausg.hende Mittelalter hielt, die fog.a: die weltbewegende Reformation Luthers zu ge­stalten vermochte.

Aber der politische Deutsche war ret­tungslos verloren. Vielleicht, dah er nie im eigentlichen Sinne bestanden hat! Derrn welche Empfindung gab bei Karl dem Großen den Aus­schlag, die deutsche oder die christliche, wovon waren die deutschen Kaiser, die Sachen S Ler und Hohenstaufen, m chr d herrscht, von den Ge­danken der deutschen Ration oder dem Jn.p -- rtum Romanum? In beiden Fällen si h' m n sich oftmals veranlaßt. dcS letzt re anzunehm n, w nn nicht zuviel Ei z l.r igniffe auf lulttrel. m Gebiet dagegen sprachen, vo i dem Heilandvichler angefangen über Otfr.ed von We ß nburg bis zu Walther von der Vvg Iweide uni> seinen Zi - genossen sowie einer B.ukunst, die sich aller poli­tischen Ohnmacht zum Troy entwickele, die n ihren Domen am Rh in, in Süd- und Westdeutsch­land noch heute uns re Bewunderun; herverr fi. Selbst das Lehnswcsen bringt, so sehr es auch die pcl.t sche Zertrümmerung Deutsa,lands he.- beigeführt und g fördert h.t. doch vorwieg nd den Bew is eines deutschen Eharekt rs d s h ch mittel.alteilich n m eriums. Zwar k mmt gec oe durch seine Auswirkung^ der furchtba c poli­tische und kulturelle V rf H, des en Tiefpunkt toi: im dreißigjährigen Kri g sehrn. Ganz langsam setzt erst wieder die Gesandu g ein.- Roch Le s - fing muß 1769 cm Schlus e »einer »H:mburgi» schen Dramaturg e" bitt r b te n:n: ,xl der den gutherzigen 6i.it all, dn D utschen ein R-tional-

ter zu versch ffen di wir De tsche roh k ine Ration find! Ich rede nicht von d r pol ti chen Verfassung, sondern bloß von d.m sittlichen Charakter. Fast sollte mm feg n, di er fei, keinen eigenen Raum h ben zu wo len. Wie si d noch immer die geschworenen Nachahmer a,les Ausländischen, besonders noch immer d.e un e - tänigen Bewunderer der nie genug bewunderten Franzosen^ alles was uns von jenseits l<t8 Rheines kommt, ist schön, reizend, allerlitbft, göttlich: lieber verleugnen wir Gesicht und Gc- hor. als daß wir es anders find n sollten: lieber wollen wir Plumpheit für Alng^zwungenhelt, Frechheit für Grazie, Geheule für M isik uns ein­reden lassen, als im geringsten an d r Superio- rität zweifeln, welche dieses liebenstoü dige Volk, dieses erste Volk in der Welt, wie es sich selbst sehr bescheiden zu nennen pflegt, in all m, waS gut und schön und erhaben und anständig ist, von dem gerechten Schicksal tzu seinem Antclle erhalten hat."

Dieses Wort steht an dem Vorabend Goetheschen Schaffens, das uns mit dem Herders und Schillers nicht zuletzt auch Lessings wenigstens ein k ulturelles Deutschland wieder vorbereiten half. Die Blütezeit der deutschen L tc a ur führ aber schließ­lich durch d'e Weltaasfassung der Romantik zu dem Wiedererstehen einer politischen Deutschlands. Zwar find die Wege zu­nächst kraus und, da fremdem Vorbild folgend, in die Irre führend. Aber endlich gelingt doch durch Bismarck der Dau des Reiches. Damit war wieder eine Alnterlage für den Entwicklungs­gang der politischen Deutschen gegeben. Alnb er begann, langsam sich durchzusetzen. Zwar waren die Hemmn.sse gegen das früher Mittelalter un­gleich größer. Zu den Etommesgegensätzen waren solche konfessioneller und sozialer ge­treten. die gleich nach der Reichsgründung starke Erschütterungen in dem jungen Dau hervor­riefen und ernste Gefahren heraufbeschwo.en.

Andererseits war aber der m ode r n e Ver- kehr mit seinen zahlreichen Hilfsmitteln eine neuzeitliche Errungenschaft, welche dir Stammes- grenzen immer mehr verwischte und die Be­völkerung aller Telle des Landes als zusammen­gehöriges Ganzes erscheinen lieh. Durch den

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