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Er. 265 Erstes

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Blatt

K4. Jahrgang

Momag, fv. November (924

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck und vrrlag: vrLHI'Ichr Un>v«iHtS<r-vuch- und $teiri6ni<krti H. fange in Sieden. Schriftleitung und Selchästrftelle: Schnlftrade 7.

»«Nähme mu »iijt.Mui für di« Ingesnummtr bi« zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindltchkeil. Preis fir l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örllich8,auswärts 10 Goldpfenmg; für Ne- Klame-An-eigen o 70 um Breite 35 Goldpfennig, Plahoorfchrift 20°Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschcin; fürden Änzeigentell: Haus Beck, sämtlich in Gieszen.

Die österreichische Krisis.

Gin Eis eiLahnerst rett in Oeftenekfc: das klingt für unS fast schon wie em Märchen aus der Der- gangenheit. Wir sind so kurz von Gedächtnis geworden, dah wir die Zeiten, wo bei uns Streiks an der Tagesordnung waren, bemühe vergessen haben. Die festgefügte Ordnung der Dinge bedeutet unS wieder mehr als einen Begriff, und da will eine Lahmlegung deS gesamten Verkehrs nicht hineinpassen. Zumal, wenn man bedenkt, dah der flanke Streitgegenstand sich auf eine Summe von weniger als einer halben Million Gvldrnark be­schränkt. Zehn Milliarden Kronen waren das An­gebot der Regierung und die Forderung der Eisenbahner noch auseinander, scheinbar eine statt­liche Summe, die aber auf rund 600 000 Goldmark zusammenschmilzt, wenn man sie von den 3nsla- tionszahlen der österreichischen Valuta befreit. Unb deswegen ein Kamps, der schwere wirtschaft­liche Folgen unausbleiblich macht?

War es wirklich nötig, dah Herr Dr. Seipel bte andersten Konsequenzen zog u'.id die Wirt­schaftskrise in eine polit ische Krise ver­wandelte? So fragt man in Wien, so fragt man natürlich auch bei uns. Die Antwort kann, wenn man den Konflikt in den engsten Grenzen fahl, nur verneinend lauten, aber das ganze Problem wird erst verständlich, wenn man es in den Rahmen der allgemeinen Erscheinun­gen hineinstellt. Unb da zeigt sich sofort, dah der Streik der Äsendahner nurein Symptom ist, dah er deslxrlb für Herrn Dr. Seipel auch nicht etwa die Ursache, sondern nur der A n l a h zu seinem Rücktritt war, weil er sich in Schwierig­keiten verstrickt sah, deren er auf andere Weise nicht Herr werden kcnrnte.

Herr Dr. Seipel ist der Mann des Erfolges; die zwei Jahre, die er an der Spitze des öster­reichischen Kabinetts steht, bedeuten einen Auf­stieg aus der Zeit der Vereinigung hinüber in die Gründung. 3m Sommer wurde ein A ieniat auf ihn verübt, das ihn monatelang ans Kranken­bett fesselte, das inzwischen auch seinen zahlreichen Widersachern Gelegenheit gab. einen neuen Q3?r- stoh gegen ihn zu rüsten. DeSholo muh er gleich­zeitig gegen drei Fronten kämpfen: auf der einen Seite liegen die Cisenbahier, die ja nicht nur Sozialdemokraten sind, auch die Ge­werkschaften der anderen Parteien nrachen mit, und hinter ihnen wieder verstecken sich alle die­jenigen Ehrgeizlinge, die Herrn Dr. Seipel außer- parlamentarisch zur Strecke bringen wollen; auf der anderen Seite halt er sich für verpflichtet, äu dem Worte zu stehen, das er in Gen? dem Völkerbund gab, also dafür zu sorgen, dah die Einnahmen des Staates die Ausgaben decken. Schon aus dem Grunde glaubt er nicht die Ver­pflichtung übernehmen zu können, den Eie bah- nern höhere Löh.ve zu zahlen, obwohl wohl nir­gends darüber ein Streit besteht, däh die Dis- krepanz zwischen dem Gehnlt uird der Lebens- Hal ung in Oestervrtch gef h liche Formen a ge­nommen htt. Das Gespenst des Finanzkommissacs Zimmermann zciqk sich eben bei allem, was in Oesterrckch geschieht, im Hintergründe; wenn man so will, hatte sich Dr. Seipel in seinen ei jenen Fesseln gefangen und war de - halb schon gezwungen, den 5tnolc t zu durch- bauen durch seinen Rücktritt. Er weih, da-h er vielleicht der einzige ist, der die Gage übri> Haupt halten fami, er braucht abrr e ne solche Kraftprobe nicht nur, um zu zeigen, dah es ihn mit seinen Sanierungsbeinühu gen ernst ist, so - dern auch, um den Nachweis zu erbring n> doh ein anderer als er, mag es nun ein De.rm.en-- Ministerium sein oder mag es der ehemalige Fi­nanzminister sein, der sich auf den österreichische r Dr. Wirth lcknausspielt und ein rrrues Bündnis mit den Sozialdemokvaen schlie ei möchte, die rollende Kugel nicht auf halten kann.

Unb das ist der eigentliche Anlah. der diesem Österreich schen Streik ein europäisches Deftcht gibt. Von Deutschland her ist stets behauptet worden, dah die Gründung dieses österreichischen Rumpfstaates eine Unmöglichkeit sei, weil ihm alle Voraussetzungen zum selbständigen Leben fehlen. Die Herren in Paris und London wollten das nicht zugchen, sie haben deshalb grohe Geld­mittel zur Verlügung gestellt, um die Sanierung trotzdem durch^rdrücren, ohne zu begreifen, dah ein Stück Land nicht beliebig ans seinem wirtschaft! chen Zu'am nenhang her­an s g e r i s s e n ux? den i?.n t, o ider >. se ne wirt- schastlichrn Kanäle zu dem Äachüarstaate behalten muh. 'Die letzten zwei 3ahre haben ihnen schein­bar Recht gegeben; aber doch nicht end­gültig.

Der österreichische Staat ist allzu hoch be­packt mit Lüsten auch von der Seite des Deamten- abbaus her, als dah er nicht früher oder später iufamia.mbnedjen mühte. Man wird ihm wahr­scheinlich noch einmal helfen, wird vielleicht die Zügel der Finanzkontrolle etwas lockerer lassen urrd dadurch fein: Lei-msdauer verlängern, aber eine wi:cksch^tftltche Mi'g^urt blecht er trotzdem und Ruhe kann in M.t;oleuropa erst eintreten, Denn die natürlichen Lebensbedin- Zungen dieses Staates, die nach Deutsch­land Hinweisen, nicht mehr unterbun­den sind.

Das ist die eine Ruhanwendung, die wir, und hoffentlich auch Europa, ans bem österreicyi- ichm Streik ziehen müssen. Die andere aber ist diese: auch in der deutschen Cisenbahner- ' ch a f t ist unverkennbar eine starke Aeigung kvm Streik vo-,Hunden. Wir bestreiten nicht, rop die Lage der Eisenbahner keineswegs be­neidenswert ist, wir bestreiten aber, dah sie Purch einen Streik verbessert werden

kann. Helfen kann nur die äuherste Anstrengung aller Kräfte, denn wir haben keine Aussicht, die Lasten des Versailler Vertrages von unseren Schultern abzuwerfen. Deshalb muh rechtzeitig Vorsorge getroffen werden, dah die Wellen d.eses österreichischen Streiks, mag er nun vorüber­gehend erfolgreich sein oder zusammenbrechen, nicht zu uns herüberschlagen, denn die Konse­quenzen wären bei uns ungleich verheerender,

Erklärungen

des Bundeskanzlers.

Wien, 10. Rov. (SU.) Aus Regierungs­kreisen wird uns folgendes Bild von der poli­tischen Krise gegeben: 3n allen politischen Krei­sen ist heute in der Beurteilung der Lage eine wesentliche Beruhigung eingetreten. 3n der Pressekonferenz erklärte der Bundeskanzler Dr. Seipel: Die Demission der Regierung sei als durchaus e r n st aufzufassen. Der Bundeskanzler betonte nachdrücklich, dah sich die Leitung der Bundesbahnen einzig und allein von wirtschaftlichen Bedürfnissen bed Unterneh­mens habe leiten lassen, und dah eine Einfluh» nähme ber Regierung in ber einen oder anderen Richtung keineswegs erfolgte. Die Sanierung ber Bundesbahnen sei ein so wichtiger Bestandteil des Gesamtsanierungsplanes, dah die Regierung nicht im Amte bleiben konnte, sobald der Präsi­dent Günther die weitere Verantwortung für die Vollendung der Organisation nicht mehr tragen zu können erklärte. Es handelt sich im übrigen gar nicht um den Streik der Eisen­bahner allein. Es bestehe der Eindruck, dah gewisse mächtige Gruppen von öffentlichen Angestellten, trotz der Er, fahrungen der letzten 3ahre, nicht gelernt haben, die Angelegenheiten der Allgemeinheit und ihre eigenen auseinander zu halten. Die ganze Sanierung beruhe aber auf unzähligen Opfern der Gefamtbevölkerung.

Der Finanzminister Kienboeck führte aus, dah das nach langen Verhandlungen mit dem Dölkerbuno ausgestellte Rormalbudget ins Wanken geraten wäre, wenn die Bundesbahnen mit der Forderung erneuter Zuschüsse an die Bundesverwaltung herantreten würden Das Personal und die gesamte Oeffentlichkeit müssen bebenten, dah die Frage wieder aufsteigen könnte, ob die Bundesbahnen auch weiterhin, staatlicher Besitz bleiben föimtcn.

Diese Erklärung d s D.indes! nckers und der Finanzminister haben h.nreichend Aufschlüsse über die Beweggründe der Demission gegeben und vor allem dazu beigetragen, die in der Oes entlich- keit aufgetauchte Meinung zu zerstreuen, als sei der Streik für die Regierung gewissetwnhet nur

Der neue Landtag in Anhalt.

Dessau, 10. Rov. (TU.) Das Gesamter- gebnis der anhaltischen Landtagswahlen ist bis auf einen ländlichen Ort folgendes: Sozial­demokraten 78 449 (bei der letzten Wahl 64 935), Demokraten 13991 (6187), Kom­munisten 11 217 (16 709), Zentrum 2406 (2009), Völkische 7942 (7989), Dodenre- formet 3207 (3005), Dolksgemeinfchast 74 482 (74 514). Rach dem bisherigen Wahlergeb­nis haben an Mandaten im neuen Landtag bekommen: Volksgemeinschaft 14 (bisher 15), So­zialdemokraten 15 (13), Demokraten 3 (1), Kom­munisten 2 (4), Zentrum 0 (0), Dationalfozialisten 1 (2), Dodenrcformer 1 (1).

Die WqMchlacht in Anhalt ist geschlagen. Als Ueberrrfte des Ringens um die Gunst der Wähler bedecken grohe Menge i weihen Papie.s die Strahen, g?.nz besonders Lte der Lan^eshauoi- fhabt. Der K . mp f wurde diesmal nach ameri­kanischem Mu st er geführt. Die Demokra­ten liehen 'ei- Freitag La tautos mit Transpa­renten durch die Strahen sahnen, auf derer f e der Menge ihren Wahlaufruf bekannt machten. Dir Deutsche Dolkspartei schickte schwarz- weih-rote, mit den anhaltische r Färbet trapier e Autos durch die S rahen von De au Vor Heroldstrompeten tourten Wär che gebla en So­weit bisher b .-farmt ist, find die Wchlen im garten Lande ruh g verlauf 'n. 3n De sau wurde der Wahl'al durch Wecken der Reichs danne faw lle eirg.'Litrt. Di: f zraldemokrali'cke i H usbe'itzer fxtf.en schon in den frühen M'r^tiui er in d n Reichsfarben gefl ggt. Dir Wahlb teili^ung war auherordentlich groh.

DievolksparteilicheKandidaten- lifte für Hessen-Nassau.

Giehen, 10. Rov. (Wolff.) Auf dem Wahl» kreisvertreteickag ber Deutschen Dolkspartei für Hessen-Rass au wurden folgende Kandidatenlisten für die Reichs- und Land:agswahlen aufgestellt: Reichstagswahlliste: 1. Direktor Dr.Wil­helm F. Kalle- Frankiurt a M, 2. Reichsland- bundvorf itzer.der Landwirt Hepp- Seelbach. 3. Oberstudienrat Dr. Decker- Kassel. 4. Lokomotiv­führer Theodor Seibert- F^xinkfurt a. M., 5. Larckrwirt und Bürgerin rrster Günther- Wüst- willenroth (Vogelsberg), 6. Schrrftstellerin Frl. Minna Rrebour - Frankfurt a M, 7. Ange­stellter Leydhecker -Haigrr, 8. Taveziermeister Saal-Hersfeld, 9. Prof. Dr. Steinhousen,

ein Vorwand gewesen, um anderen Schwie­rigkeiten auS dem Wege zu gehen. Anderseits ist aber aus den Mitteilungen deS Bundeskanzlers ersichtlich, dah ihm ernstlich daran gelegen ist, die Voraussetzungen für die Sicherung des Sanie­rungswerks zu schaffen und dah er im Rahmen des Genfer Uebc re in kommens de Sanierung Oesterreichs für unbedingt erreichbar und not­wendig hält. Um diese sicherzustellen, hat Dr. Seipel die Demission des Kabinetts einqe.eicht und alle moralischen und politischen Kräfte auf den Plan gerufen. Diel bemerkt wurde, dah Dr. Seipel ausdrücklich bestätigte, er glaube nicht an eine lange Dauer des Streiks. Man glaubt daraus schließen zu können, dah Dr. Seip l im Besitze entsprechender Informationen ist. Die Christlichsoziale Partei erklärte, dah sie wie ein Mann hinter de in Bundes­kanzler steht und auch die Grohdeutfche Dolts- partei ist ber Anficht, dah von einem Bruch der Koalition keine Rede sein kann.

Die Streiklage.

Wien, 10. Rov. (TU.) Die Bahnhöfe waren gestern noch verödeter als vorgestern, da keine Arbeiterzuge verkehrten. Der Streik nimmt vor­läufig einen ruhigen Verlauf. Die S11 a - henbahn hatte gestern einen Massenverkehr zu bewältigen. Auch Autos wurden stark bean- sfrucht und vielfach von Fremden zu Fahrten nach Lundenburg und Prehburg benutzt, um dort den Anschluss an die tschechischen Bahnen zu erreichen. Die Streikleitung hat zugestanden, dah die Auslandpost mit Kraftwagen nach und von Wien befördert wird. V e r m 111 - lungsver Handlungen im Streik haben bisher noch nicht stattgefunden. Ein Ausweg dürfte sich kaum vor Dienstag nach dem Zu­sammentritt des Rationalrats zeigen. 3n der Plenarsitzung des Rationalrats soll nur die De­mission des Kabinetts zur Kenntnis ge­nommen werden, während sich die Parteiklubs bereits Dienstag vormittag mit ber Erklärung des Bundeskanzlers Dr. Seipel, dah sich das Kabinett durch keinerlei Vertrauenskundgebung der Mehrheit des Rationalrats dazu bewegen lassen wird, eine Wiederwahl anzunehmen, bevor nicht der Streik abgebrochen ist und die Regierung die Ueberzeugung gewonnen hat, dah das Sanierungswerk in Zukunft nicht durch die Bundesangestellten fort­während gestört wird. 3n der Lebensmittel­versorgung Wiens besteht vorerst keinerlei Ge­fahr und auch die Kohlenversorgung würde erst bei einer längeren Dauer des Streiks schwierig werden. Der volkswirtschaftliche Schaden des Streiks für die gesamte Geschäftswelt ist aber schon jetzt äuherst empfindlich.

Vorsitzender b-4 Gläubig?r schu tzvcrbandcS, Kas el, 10. Postinspektor Schellenberger- Wetzlar, 11. Danfangestellter Osterhaus- Wiesbaden, 12. Landwirt Benner- Flcisbach (Dillkreis).

Landtagswahlliste: 1. Schulrat Swarzhaupt- Frankfurt a. M, 2 Landwirt Kaiser, 1. Vorsitzender des 3unalanbbundes Hessen, Holzhausen (Kr K rchhain), 3. Dr. Wolff, Geschästsführer des Mitteldeutschen Braunkohlen - syndikats, Kastel, 4. Frau S udienrat Amalie Fröhlich- Höchst a. M., 5. Landwirt und Kom- munaL'artfctagäabgeorbneter Guckes - D eithardt, 6. Schlossermeister Ulm - Wetzlar, 7. Rechnungs- revisor Deeres - Frankfurt a. M., 8. Rot- Haar, Geschäftsführer des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes Wiesbaden, 9. Volks­schullehrer Bauspieh- Korb (Oberwesterwald­kreis), 10. Frau verw. General R o e t h e r - Wtes- batxm, 11. Landwirt Trteschmann- Oberellen- bach, 12. prakt. Arzt Dr. de D a r y - Frankfurt am Marn.

Die demokratischen Kandidaten für Hessen-Nassau.

Auf einem in Giehen abgehaltenen Parteitag der Demokratischen Partei Hessen-Rassau wurde nach einer Rede Professor Dr. S ch ü ck i n g s dieser als Spitzenkandidat für die Reichstags- liste nominiert. Rach ihm kandidieren für den Reichstag Obermeister Kniest (Kassel), Bank- bireftor Dr. Hahn (Frankfurt), Gottfried Rade (Kassel). Für den Landtag wurden aufgestellt: ber seitherige Abg. Goll (Frankfurt), Lehrer Wickel (Heftrich im Taunus), Frau Dr. Rosa Kempf (Frankfurt).

Austritte aus der Demokratischen Partei.

Frankfurt a. M, 9. Rov. (TU.) Dr. Fritz Röhler, fteUtxrtretenber Vvrfihenber des Aufsichtsrates der Deutschen Gold- und Silberfcheideanstalt. langjähriges Mit- glich ber Städtischen Verwaltung, hat seinen 2lustritt aus der Demokratischen Partei erklärt. An dieser Enlschliehung änderte auch nicht das Angebot einer Reichs tag skandidatur an einer ber ersten Stellen ber demokratischen Liste. Eben­falls aus der Partei ausgeschieden ist ber bis­herige Oberbürgermeister Frankfurts, Dr. G. Voigt.

Bauernbund und Demokratische Partei.

Berlin 9. Rov. (TU.) Der erweiterte Ausschuh des deutsche Bauernbundes billigte

Der Wahlkampf.

den Austritt der Mehrzahl ber Prä> fibialmitglteber aus ber D u schm Demo« kratischen Partei. Einmütig wurde a[6 felbst- verstäichlich bezeichnet, dah einem so hervor­ragenden Führer des Bunde- wie Wach borst de Wente, der bei der Demokratischen Partei verbleibe keine Schwierigkeiten ge­macht werden sollen.

Keine eigene Kandidaten der Nationallideralen Neichspartei.

Berlin, 9. Rov. (WTD.) 3n Berlin ver­sammelte sich der Dertretertag der Ratioiwlllbe» raten Reichs Partei und nahm eine Entjchlief; mg an, in der die Partei den Gedanken eines Aus­gehens in anderen Parteien abl.'h.tt Sie werd« ihre Organisation mit verstärkter Kraft ausg stat­ten, um D o rkä mpser für alte entichie- den nationalen Elemente mit libe­raler Weltanschauung fein zu können. 3m 3ntereffc einer möglichst beschlossen« i Rech:s- front werde sie bei dieser Wahl von der 21i.filob (ung eigener Kandidaten abse hen, vvrbc sitt­lich einer besonderen Regelung in den einzelnen Wahlkreisen.

Keine Auslösung des sächsischen Landtages. Dresden 9. Rov. (TU.) Der sächsische

Landtag lehnte mit 50 gegen 43 Stimmen die von den Kommunisten und Deutschnationalen bean­tragte Auflösung des Landtages nach langer Debatte ab. Für die Auflösung stimmten die Deutschnationalen und die Kommu­nisten.

Eine Rede Stegerwalds.

Die Arbeitnehmerschaft und die deutsche Wirtschaft.

Hamburg, 10. Rov. (TU.) Bei dem aVH Samstag abend vom Verband deutscher Techniker (Deutscher Gewerkschaftsbund) veranstalteten ersten deutschen Technikertag sprach Ministerpräsident a. D. Stegecwald über das deutsche Volk und seine Wirtschaft. Der Redner führte u. a. auS. Die 1918 gegründete Arbeitsgemeinschaft konnte nicht zu der erhofften Auswirkung kommen, weil der Geist und ber Wille zur Gemeinschaft fehlten Heute, nach Annahme beS Londoner PatteS, stehen wir wieder vor einem entscheidende.^ Wendepunkte. Heute aber liegen die Dinge weit klarer. Die Arbeitgeber haben Gelegen eck, zu beweisen, ob es ihnen mit dem Gedanken der Arbeitsgemeinschaft ernst ist. 70 Prvz. d?s deut­schen Dolles bestehen heute aus Lohn- und Ge- haltsempsängern. Als Ziel schwebt dem Deutschen Gewerkschastsbund bas organische Hinei n- wachsen der Arbeitnehmerschaft in Wirtschaft und Staat durch Selbst- und Staatshilfe vor, wogegen er Sozialisierung und die Bestrebungen des Kommunismus ab lehnt. 3n diesem Sinne ist die Einrichtung der Be­triebsräte fortzubilden.

Will Deutschland seine Selbständigkeit zurückge- Winnen, so bedarf es einer Entböl'erung der Großstädte und Stärkung deS landwirtschaftlichen Elements.

Rotwendig ist vor allem auch die Rückkehr zur alten preuhischen Einfachheit und Sparsamkeit. Das bedeutet aber nicht Riedrighaltung der Löhne, die heute zum Teil kaum das Lebensnot­wendigste gewähren. Mit hungernden Arbeft- nehmern wird keine Qualitätsarbeit geschaffen, die heute doch Das Kennzeichen ber brutschen Produktion fein muh. 3n ber Frage der Ar­ve i t s z e i t tritt der Deutsche Gewerkschafts- bund für den Achtstundentag als Rorm ein, verwirft ihn aber bei mechanischer Anwendung. Läht sich die Durchführung deS Dawes-Gut­achtens nicht mit dem Achtstundentag als Rorm ermöglichen, so fordert die deutsche Arbeitnehmer­schaft feine Revision, da sie es ablehnt, Sklave des internationalen Kapitalismus zu fein. Die Aufgaben des Deutschen Gewerkschafts- bundes bestehen demnach in der Forderung nach Preissenkung bzw. Hebung des Reak- loynes, Regelung ber Arbeitszeit und Steuer­erleichterung für kinberreiche Familien

Die Steuersenkung.

llebcreinfommen zwischen Reich und Ländern.

Berlin, 9. Rov. (WB.) Der Reichs­finanzminister und die Finanzmini­ster der Länder habet sich ange* ch" ter dringenden Rotw-iOigkeit ever sofortigen S eue - senkung vorbehal lich der Se'lugichm: ccS Reichspräsidenten auf ei e Reu r nu g verständigt, durch welch? ti> seitens ie ReichS- regierung vo gesehenen Steuersenkungen herbeigeführt werten, durch tocl±? ferner die Weiterführung ter rh edicS mi: Tb' u des Kalenderjahres erlöschen en ßinlrmmen- steuer in dieser mr.tneb cinnähigten Form Iss zu der gesetzgeberischen Regelung gesichrrt und durch wccktze endlich 'eite^s ic? Reiche; i zun Ablauf des Rechnungsjahres dir Gev^h.' da.ür übernommen wird, dah die die Grundlage der LänderhauShalte bildenden Uebertoeifungen von Anteilen an R-ich§stenern in den vier Monaten De^em">er 1924 ti" Mirz 1925 nicht unter dem Mo:ats urchchnitt d.r b.i- ben Monate Augu i und S-pt m)? 192! fi cket. Die Länderr?giecu gc i mach.en ge e über di et Leistungen des Reitzes im 3nt-ie ie ber Wirt- jchaftserh^lung darauf austneckam. iah viel ach durch dio Senkung ber ReichSkteuer^ b> Ge-