Einzelbild herunterladen

Stuf TUBata Hari (bte wegen angeblichen Hoch- benxrtä verurteilte und in Vincennes erschossene holländische Tänzerin, mit der man bekanntlich General Malvy in Verbindung gebracht hat).

Ties tixtr das Signal zu einem Skandal vllerschlimmster Art. Die Saaldiener waren nicht in der Lage, die Ordnung aufrecht >u erhalten. Auch der Abgeordnete Moutet wird in die Schlägerei hineingezogen. Inzwischen stellte sich der neugcwählte 2tbg. General de Saint Hust so, daß er die Kämpfenden überblicken kann und machte die Gebärde des Anlegens und des Schiebens auf General Malvy. Minutenlang dauert die Keilerei an und nur mit großer Mühe kann Präsident Paintevs die Sitzung auf- heben, und den Saal räumen lassen. Die Sitzung wird auf eine Stunde unterbrochen.

Aach Wiederaufnahme der Sitzung erklärt Painleve, das Bureau habe den Abg. de Saint Hust aufgefordert, sein Bedauern über den Vorfall auszusprechen, er habe sich, aber ge­weigert. Man müsse also über ihm die Zensur verhängen. Als General habe er 35 Jahre lang Gewohnheit gehabt, das Reglement zur Anwen­dung zu bringen. Wenn es ein Reglement der Kammer gebe, so solle es auch bei ihm zur ^Aus­führung kommen. Es wurde dann die Zensur über de Saint Just verhängt und Abgeordneter Darillet konnte endlich seine Rede gegen den Amnestieentwurf fortsetzen.

Attentate in aller Wett.

In Würzburg.

München. DieMünchener Allgemeine Zeitung" meldet, daß in Würzburg im An- schluß an die kürzliche abgehaltene Reichs-Frauen­tag ung der Deutschen demokratischen Partei drei Teilnehmerinnen, die vergangenen Samstag einen Ausflug in die Umgebung der Stadt machten, bei welcher Gelegenheit sie schwarzrotgoldene Abzeichen trugen, von mehreren Pfälzern über­fallen und mit einer Ditriollösung überschüttet worden seien. Die Damen hätten schwere Aetz- wunden davongetragen, ihre Kleider seien von Säure zerfressen worden. Die Täter seien ent­flohen.

Ja Palästina.

Frankfurt a. M, 9. Juli. (Wolff.) Wie das Hauptbureau der Palästinazentrale der A g a- das Isroel uns mitteilt, fand gestern in I e - rusalem eine Trauerfeier für den er­mordeten Prof. Dr. De Haan statt. An dieser Feier nafrn der Gouverneurstellvertreter, der Bürgermeister von Jerusalem uni) die Konsuln von Spanien, Frankreich, Italien und Polen teil. Die Versammlung protestierte gegen die in der Presse und "in der Oeffentlichkeit betriebene Hetze, welche die Ursache des Mordes bildet. Laut Daily Expreß" wurde im englischen Unterhaus eine schriftliche Anfrage eingereicht, in der die Regierung befragt wird, ob es ihr bekannt sei, daß 'der Führer der antizionistischen Orthodoxie Dr. De Haan ermordet worden sei, der am Tage nach dem Attentat nach London fahren wollte, um in London gegen den Versuch einer Zwangs- vrganisation der Mischen Gemeinde in Palästina zu protestieren.

Ja Loudou.

London, 9. Juli. (WTB.) Ein rumäni­scher Student im Alter von etwa 25 Jahren verschaffte sich unter dem Vorwand, Hilfe uni) Rat zu erbitten, Zutritt zur rumänischen Gesandtschaft. Beim Konsul vorgelassen, gab er z w e i Schüsse auf ihn ab, ohne ihn zu treffen. Der Angreifer wurde verhaftet.

In Lemberg.

Lemberg, 9. Juli. (WTB.) lieber den An­schlag auf die Munitionsmagazine rnder Lemberger Vorstadt I a n o w wird gemeldet: Ein 6lrb eiter der Munitionsmagazine, demobilisierter Wachtmeister der polnischen Armee, legte fnrter das Gebäude, in dem sich über 200 Waggons Artilleriegeschosse und Dynamit befanden, eine Höllenmaschine, deren Uhrzeiger auf vier älhr nachmittags gestellt war. Das verbrecherische Vorhaben wurde von einem zweiten Arbetter der Munitionsmagazine zufällig beobachtet, der sofort die Lemberger Polizeidirektton verständigte. Der Später wurde verhaftet uni) gestand in der Polizei­untersuchung, daß er die Absicht hatte, die Muni­tionsmagazine in die Luft zu sprengen. Im Ver­laufe der Erhebungen nannte der Festgenommene den Aamen eines ukrainischen Eisenbahn­funktionärs, der selbst das Explosionsmaterial zur Verfügung gestellt habe. Im Zusammenhang mit diesem Anschlag, der in hiesigen Kreisen unge­heures Aufsehen erregt, find weitere ver­dächtige Personen verhaftet worden. Die Lencherger Blätter bemerken, daß, wenn es gelungen wäre, den verbrecherischen Anschlag aus­zuführen, die Hälfte der Stadt dem Erdboden gleichgemacht worden wäre.

Der Kölner Regiefranken-Prozeß.

Köln, 9. Juli. (WTB.) Im Laufe der heu- ttgen Vormittagsfitzung im Prozeß gegen Mi- nftterialrat Dr. Schneider erklärte ftch der An­geklagte zur Eidesleistung bereit, um die Wahrheit seiner Aussagen zu erhärten. Bei den Vernehmungen in der älntersuchungshast hätte er sich über die einzelnen Punkte nicht in voller Ausführlichkeit äußern dürfen, da ihm durch das Amtsgeheimnis Bindungen auferlegt waren, die jedoch durch die besondere Erlaubnis seiner vorgesetzten Behörde jetzt in Fortfall kämen. Dr. Schneider gab seine Bekanntschaft mit The- dieck und Hochberg alias Bergmann zu, die ihm Aachrichten über die Separatistenbe­wegung überbrachten, ohne daß er jedoch wußte oder sich darum kümmerte, in wessen Auftrag sie handelten. Daß Bergmann und Thedieck Flug­schriften vertellt hätten, wurde ihm erst aus der Anllage bekannt. Zucker kenne er aus dem Jahre 1919, als er, Schneider, bei der Staats­anwaltschaft in Köln tätig war. Zucker wurde ihm damals von besonderer Sette als zuverlässige Auskunftsperfon über den internationalen Schleichhandel genannt.

Als Zucker dann Generalagent der Minlos- werke wurde, in deren Direttion Scheiders guter Bekannter von Tiff 1923 eintrat, war er wöchent­lich mindestens zweimal bei Zucker imb sprach aus ©efätligfett gegenüber Tiff in Angelegenheiten der Minloswerke mit ihm. Daß Hochberg falsche Re­gienoten an Zucker gegeben haben könne, habe er nie geglaubt, denn er kannte Hochberg als zu­verlässigen, maßvollen, über die Absichten der Re­

gierung stets informierten Menschen und traute ihm eine derartige sinnlose Tat wie diese Fäl­schung von Regiefranken nicht zu. Erklärte doch Im Herbst 1923 diepreuhischeRegierungauf eine von privater Seite an sie gerichtete Anfrage, ob man nicht den Regiebetrieb durch Inverkehr­bringung falscher Regienoten stören könne, klar und unzweideutig, daß die Finanzhoheit ein so hohes Recht sei, daß daran unter keinen Umftänöen ge­rüttelt werden dürfe, zumal die Kosten doch nur die rheinische Bevölkerung bezahlen würde.

In der Rachmittagssitzung schilderte Ministe­rialrat Schneider, wie ihm am 12. Mai Zucker die Verhaftung Silbermanns mitteilte. Gr habe Zucker sofort ermahnt, sich zur Polizei zu begeben, die volle Wahrheit zu sagen und auch ihn, Schneider, dabei als Zeugen zu benennen, denn Zucker und Silbermann seien in der Angelegenheit guten Glaubens gewesen. Dies habe er auch den Ver­wandten Zuckers und Silbermanns immer wieder gesagt. Er habe sich zu feinem Eintreten für Zucker als Mensch verpflichtet gefühlt, weil er, Schneider, im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit Hochbergs gewissermaßen die ©arantie für die Echtheit der Franken übernommen habe.

Dem Gedächtnis der Gefallenen.

Allgemeiner Gedenktag am 3. August.

Berlin, 9. Juli. (WTB.) Die Reichs- regierung hat beschlossen, am 3. August anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Kriegsbeginns eine Gedenkfeier für die Opfer des Weltkrieges zu veranstalten. Zweck und Ge­danke der Feier ist, an dem für die Geschichte Deutschlands so bedeutungsvollen Tage der Ehr­furcht für die Gefallenen und dem Dank für die Opfer, die das ganze Volk im Kriege gebracht hat, in würdiger Weise Ausdruck zu geben. Mit Politik hat die Feier nichts zu tun. Die Reichsregierung hofft, daß di: gesamte Bevölkerung, die in allen Teilen durch Opfer im Weltkriege getroffen wurde, ohne Rücksicht auf politische und wirtsch aftliche G e g e ns ätze Anteil an der Feier nehmen wird.

Für Berlin ist der Verlaus der Gedenkfeier so gedacht, daß in den Morgenstunden sämtliche öffentlichen'und möglichst auch privaten Gebäude halbmast flaggen, die Kriegergräber ausgeschmückt und alle Kriegerehrungen (Denkmäler), GÄrenk- steine usw., bekränzt werden. Am Vormittag wird in den Kirchen ein Trauergottesdienst abgehalten. Zwischen 11 und 12 älhr findet vor dem Reichs­tagsgebäude eine öffentliche Feier statt. Die Ge­denkreden werden die beiden Feldpröbste hal­ten. Der Reichspräsident wird in kurzen Worten der Bedeutung desTages gedenken. Einige Minuten vor 12 ülhr beginnen die Kirchenglocken zu läuten; gleichzeitig wird em Artilleriesalut ab­gegeben. Punkt 12 Ähr setzt ein allgemeines, der Stauer um die Kriegsopfer gewidmetes Schwei­gen von 2 Minuten mit allgemeiner Verkehrs stille ein.

Um einen würdigen Verlauf der Gedenkfeier zu gewährlcisten, ist es unerläßlich, daß von den Teilnehmern an der Feier alles unterlassen wird, was die Gegensätze im deutschen Dolle zu betonen und zu verschärfen geeignet ist. Alle Vereine und Verbände, die gewillt und bereit sind, sich an der Feier zu beteiligen, müssen deshalb auf die Mitnahme von Fahnen verzichten. Aehnliche Feiern wie in Berlin sollen im üb­rigen Reiche abgehallen werden. Die Ver­handlungen mit den Länderregierungen sind aus­genommen. Um die in Betracht kommenden Ver­bände und Organisationen über das Programm der Gedenkfeier zu unterrichten and mit ihnen die Beteiligung daran zu erörtern, hat heute im Reichsministerium des Innern unter dem Vorsitze des Reichsministers Jarres mit den Spihenveibänden eine Besprechung stattgefunden. Rach einer eingehenden Aussprache stimmten die. Vertreter der Verbände dem Grundgedanken der Reichsregierung über dir Reichsfeier zu und gaben die bindende Erklärung ab, daß die an der Feier teilnehmenden Verbände sich an die von der Reichsregierung gegebenen Richtlinien halten würden.

Aus dem Hessischen Landtag.

(Rachmittagssitzung.)

Darmstadt, 8. Juli. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 3% Uhr.

Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Voranschlags, und zwar werden die Verhand­lungen beim Kapitel Landes amt für das Bildungswesen wieder aufgenommen.

Zur Rede des Abg. Dr. Greiner, der das russische Schulwesen als vvrbildllch hingestellt hatte, bemerkt Abg. Kaul (Soz.), daß die Zahl der Analphabeten dort kaum.abgenommen habe. Der Redner verteidigt dann die bekannten sozial- demokrattschen Schulforderungen.

Abg. Fenchel (Dbd.) verlangt, daß bei der Besetzung von Lehrerstellen den Wünschen der Landbevölkerung entg egengelommen würde. Beim Abbau sollte man die Schulvorstände zu Rate ziehen.

OIBg. Frl. Birnbaum (D. Vp.) bekennt sich zur Simaltanschule, denn sie sei geeignet, Span­nungen zu beseitigen. Es sei bedauerlich, daß der Abbau sich in erster Linie gegen die Frauen gerichtet habe. Man habe Lehrerinnen bis zum 54. Lebensjahre abgebaut In einem Fall in Gießen habe man eine Tochter, die Lehrerin ist, gezeoungen, aus dem Haushalt ihrer Eltern auszuscheiden, sonst wäre sie abgebaut worden. Verheiratete Beamtinnen seien nach ungefähr 18 Dienstja'hren ohne jede Entschädigung entlassen worden. Die Rednerin verlangt zum Schluß Er­ziehung zur Duldung und im Geiste der Brüder­lichkeit

Abg. Frau H a 11 e m e r (Ztr.) bespricht eben­falls eine Reihe von Abbaumaßnahmen, die Här­ten mit sich gebracht Phöben.

Abg. Reiber (Dem.) meint, man solle den Landwirten in der Frage der Fortbildungsschule entgegenkommen, aber das Gesetz dürfe nicht ge­ändert werden.

Abg. D. Dr. Diehl (Dntl.) erklärt, der Reli- gionsunterricht müsse in der Schule bleiben, er müsse noch vertieft werden.

Darmstadt, 9. Juli. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 91/2 älhr. Am Regie- rungslisch: Staatspräsident Ellrich sowie die Minister von Brentano und Raab.

Die Beratungen werden dann beim Mini­sterium für Arbeit und Wirtschaft ausgenommen.

Abg. Mann (Soz.) spricht zunächst für An­nahme des Sachverständigen-Gutachtens, denn zu den Inflationsgewinnern kämen noch die Auf­wertungsgewinner. Der Redner erörtert hierauf Fragen der Lohn- und Preispolitik. Zum Schlüsse seiner Ausführungen fordert der Redner, daß bald wieder einmal eine Berufs- und Gewerbezählung flattfinbet

Abg. Dr. Büchner (Dem.) erklärt, erstaunt zu fein, daß Anträge gestellt wären, gerade diese Ministerien für Arbeit und Wirtschaft zu be- feitigen, weil alles von der Wirtschaft abhängt. Der deutsche Unternehmer sei der idealste, das beweise ein Vergleich mit dem Ausland. Der Tarifvertrag wirke sich gegen den Unternehmer einseitig aus; nur in normaler Zeit sei der Achtstundentag durchführbar, jetzt nicht. Der Red­ner fritifiert, daß in Darmstadt so viele Feste gefeiert werden, die doch viel Geld kosten.

Abg. Dr. Dehlinger (Dbd.) kommt auf die schlechte Lage der Landwirtschaft zu sprechen, auf bie niedrigen Preise und auf die vermehrte Einfuhr; schließlich toerbe dadurch der Wieder­aufbau Deutschlands verhindert.

Hierauf wird das Kap. 53 (Landesamt für das Bildungswesen) einstimmig an­genommen. Die Anträge zu diesem Kapitel sollen der Regierung als Material überwiesen werden.

Die Anträge über die Aussetzung des Fortbildungsschul Unterrichtes im Sommer werden dem Ausschuß als Material überwiesen.

Die folgenden Kapitel von 58 bis 74 werden in Uebereinstimmung mit den Ausschußanträgen angenommen. Die Anträge und Vorstellungen hierzu werden zum größten Teil in Übereinstim­mung mit den Ausschußanträgen angenommen, der Regierung als Material überwiesen oder als erledigt erklärt.

Die Beratungen werden bann bei Kap. 75 (Ministerium für Arbeit mb Wirt­schaft) toieber aufgenommen.

Abg. Scholz (D. Vp.) betont, das Wirt­schaftsleben sei durch die Revolution schwer ge­schädigt worden. Da die Revolutionswrrtschaft zusammengebrochen sei und die Privatwirtschaft die Steigerung der Produktton durchführen solle, sei es merkwürdig, daß ein Gegner dreser Privat­wirtschaft jetzt an der Spitze des Wirtschastswesens steht. Der Redner fragt an, ob es wahr sei/daß in Offenbach Gelder für die Wohlfahrtspflege auf Llmwegen an Streikende bezahlt wurden? IInb ferner, ob es wahr fei, bah dort Stunbenlöhne von 80 Pf. unb 1 Mk. gezahll toürben. Die Span­nung zwischen dem Lohne eines gelernten und eines ungelernten Arbeiters müßte wieder großer werden. Die Kr^itbrosselung sei gut, soweit sie ungesunde Existenzen beseitige; aber alte wirt­schaftliche Unternehmungen dürften nicht zugrund», gerichtet werden.

Schluß der Sitzung. Rächste Sitzung morgen. ("*» r ------------- 1

Davis demokratischer Präsident- schastskanditat.

Reuhork, 9. Juli. (Funkspruch.) Der demokratische Konvent hat Davis als Kan­didaten für die Präsidentschaftswahl nomi­niert.

BolschewistischeSpionage in Rumänien

Wien, 9. Juli. (WTB.) Aus Buka­rest wirb die Verhaftung eines Beamten des rumänischen Auhenministe- riums wegen Verbindung mit Svw je t- kreisen gemeldet. Seit ungefähr drei Mona­ten ist der Chiffreschlüssel für Radiotele­gramme des rumänischen Ministeriums an die Wiener Gesandtschaft in den Händen einer feindlichen Macht, wahrschein­lich Sowjetruhlands. Das Außenministerium erhielt nun von anonymer Seite eine Anzahl Quittungen, die die Anterschrift des in schwe­rem Verdacht stehenden Legationsrates trugen und den Empfang hoher Summen bestätigen, die dieser von der Wiener Verttetung der ge­nannten feindlichen Macht erhalten hat.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. Juli 1924.

10 Jahre ständige Feuerwache.

Am 1. Juni waren 10 Jahre verflossen, seit die ständige Feuerwache auf dem Os - Waldsgarten eingerichtet ist. Die Krastfahr- spritze wurde allerdings erst am 11. Juli in Dienst gestellt, doch war vorher die Wache schon besetzt unb leistete im ersten Monat Dienst mit den vorhandenen Geräten. Der kurz nach Errich­tung der Wache ausgebrochene Weltkrieg halte auch die Feuerwehrleute zu den Fahnen gerufen, so daß während der Kriegsjahre ein fortwähren­der Wechsel in der Besetzung eintreten mußte. Wie segensreich die Wache seit dem Bestehen ge­wirkt hat, ergibt sich aus der untenstehenben Zu­sammenstellung. Don den dort verzeichneten Ar­beiten der Wache wird die Bürgerschaft wohl nur in geringem Maße Kenntnis haben, da jetzt bei nicht zu großen Feuern nur ein stiller Alarm einsetzt, während früher durch die Glocken-, Horn- und Trommelsignale bei jedem fleinen Schadenfeuer die ganze Stadt in Aufregung ver­setzt wurde. Seit dem Bestehen ist die Wache 1253 mal alarmiert worden. Die Alarme Oerleiten sich auf 18 Keller-, 37 Zimmer-, 7 Dachstuhl-, 154 Kamin-, 19 Wald- und Rasen- und 99 sonstige Brände, während an Großfeuern 3 stattfanden und llmal Drandhilfe nach auswärts geleistet wurde. Aber nicht nur bei Feuersgefahr wurde die Wache in Anspruch genommen, sondern in 148 Fällen leistete sie auch andere Hllse, wie Kellerauspumpen, Schachtdeckeleinsehen, Beseiti­gung von Erdfenkungen unb Verkehrsstörungen, Aufheben von Pferden usw. Probealarme fanden 35 statt, während Dlindalarme 42mal einsetzten. Ganz unbegreiflich ist jedoch die hohe Zahl der böswilligen Alarme, die sich auf nicht weniger als 680 in dem verflossenen Zeitraum beläuft. Es ist dies ein trauriges Zeichen, daß es noch Leute gibt, die ein Vergnügen daran finden, die Feuerwehr aus Unfug zu alarmieren. Diese Leute bedenken nicht, welchen kolossalen Scha­den sie unter llmftänben an richten können, denn wenn die Feuerwache aus Unfug nach dem letzten Haus der Frankfurter Straße alarmiert wird und es bricht gleichzeitig z. D. am Ende der Mar­burger Straße ein Feuer aus, so wird bis zum > Eintreffen der Wache an der Brandstelle kostbare

Zeit verloren gehen, ja es können sogar Menschen- leben zu Schaden kommen, was doch wohl nicht die Absicht desjenigen ist, der die Feuerwehr zu einem Vergnügen umsonst bemüht. Hoffen wir, daß in den kommenden Jahren die böswilligen Alarmierungen ganz verschw.nden. oder doch aus ein Minimum beschränkt bleiben.

*

Gießener Wochenmarktpreise

am 10. Juli 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 180 Pf., Matte 35, Käse 60, Eier Stck. 13, Wirsing Psd. 40, gelbe Rüben 30, rote Rüben 15, Römisch kohl 10, Boh­nen 50, Blumenkohl Stck 80120, Salat (3 Kopfe) 10, Salatgurken wtck. 80100, Ober-Kohlrabi 10 bis 20, Erbsen Pfd. 25, Mischgemüse 15, Tomaten 80, Zwiebeln 20, Rettich Stck 1015, Pilze Pfd. 25, Kartoffeln, neue 1518, Dirnen 60, Kirschen 3540, Himbeeren 100, Heidelbeeren 35, Stachel­beeren 3040, Johannisbeeren 35, Erdbeeren 120.

*

Bornotizen.

Lageskalen der sürDonnerstag. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle: 8.Uhr auf der Liebigshohe. Volkshochschule: Im Rundfunkhaus, Loberstvaße, abends 81/* -Uhr: Vortrag von Dr. Heußel, anschließend Radiovor­führungen. K. A. A. Gießen: Öffentlicher Vor­trag des Professors P. E. DeckerChristentum und nationaler Gedanke" abends 8 Aho-im Katho- lischen Vereinshaus.

GießenerHochschulgesellschaft Rächsten Sonntag vormittag im großen Hörsaal Fest-Sitzung mit Vortrag von Prof. Dr. Decher überEntwicklungsgeschichte und Entwicklungs­mechanik".

Kriegerverein Gießen. Man schreibt uns: Das 50jährige Bestehen des Krieger­vereins Gießen wird am nächsten Samstag, dem 12. Juli, durch einen Festkommers auf der Lieöigs- hvhe gefeiert. Am Sonntag, 13. Juli, findet vormittags eine Totengedenkfeier im Hofe der Zeughauskaserne statt, wozu die Behörden, Kor­porationen und Vereine ihre Beteiligung zuge­sagt haben. Am Rachmittag desselben Tages ist allgemeine Familienfeier für die Vereinsmitglie- ber unb deren Angehörige auf der Liebigshöhe.

&

Wettervoraussage

für Freitag.

Veränderliche Bewölkung, gewitterhaft, warm.

Zunächst hat sich die Hochdruckwetterlage weiter befestigt. Da im Rücken des über Mit­teleuropa liegenden Hochdruckleiles ein neues Fallgebiet sich zeigt, werden die Winde all­mählich sich auf Süd drehen und zunächst wird eine stärkere Erwärmung eintreten.

* * Zum Provinzialbirektor der Provinz Starkenburg unb Kreisdirektor des Kreises Darmstadt wurde der Ministerialrat Dr. Eugen Kranzbühler zu Darmstadt er­nannt.

* Beförderung. Oberbahnhvfsvorsteher Karl Luh beim Bahnhof Gießen wurde zum Cisenbahninspektor befördert.

Die Gießener Jugendherberge aus dem Hoherodskopf. Die kürzliche Haussammlung für dieses Herbergswerk ist nun­mehr abgeschlossen, und zwar mit einem vollen Erfolg; 1780 offene Hände spendeten 2155,46 Mk. Damit ist der Ausbau des Häuschens sichergestellt, der schon in den nächsten Wochen betrieben wer­den soll, so daß im Herbst das gastliche Heim den jungen Wanderern offen stehen wird.

* * Ein Sonderzug von Gießen nach Lang-Gons. Aus Anlaß des Sängerfestes am nächsten Sonntag, 13. Juli, in Lang-G bn s verkehrt ein Sonderzug 2.4. Klasse zwischen Gießen unb Lang-Gons mit Aufenthalt in Gr.- Linden. Gießen ab 8,15 vm., Großen-Linben ab 8,27, Lang-Göns an 8,35 vm.

* * Fahrplanänderung auf der Strecke Wetzlar Gießen. Vom 15. Juli ab wird Pz. 1612 (W.) zwischen Wetz­lar und Gießen durchweg um 7 Minuten früher gelegt. Wetzlar ab 9.08, Gießen an 9.24 Vm.

* Gegen das übermäßig schnelle Autofahren. Das Hess. Ministerium des In­nern gibt bekannt: Durch die ständig zunehmende Zahl der zum Verkehr zugelassenen Kraftfahr­zeuge wird die ordnungsmäßige Abwicklung des Straßenverkehrs naturgemäß immer schwieriger. Diese Schwierigkeit wird in unzulässiger Weise dadurch vermehrt, daß Kraftfahrzeugführer immer mehr die Vorschriften über Fahrgeschwindigkeit usw. unbeachtet lassen. Den Pvlizeiorganen wurde daher zur Pflicht gemacht, Zuwiderhandelnde un - na ch sichtlich zur Anzeige zu bringen und ge­gebenenfalls wegen Entziehung der Fahrerlaub­nis das Rötige zu veranlassen. Anträgen aus Genehmigung von Auto- und Krafträder-Zuver- lässigkeitsfahrten usw. wird künftig nur ent­sprochen, wenn die Rotwendigkeit hierzu recht­zeitig nachgewiesen wird.

* * Höhere Renten- und Wochen- Hilfe-Fürforge. Der Reichstagsausschuß für soziale Angelegenheiten hat einen Antrag der Abgg. Frau Teusch (Z.) unb Dr. Molden- Hauer (D. Vp.) angenommen, wonach ab 1. Aug. 1924 der jährliche Reichszuschuß für jede In­validen-, Witwen- und Witwerrente 48 Goldmark, für jede Waisenrente 24 Goldmarl betragen soll. Ferner wurde beschlossen, die alten Renten der Unfallversicherung nach dem Iahresarbeitsverdienst zu berechnen und jedem, der aus der plnfallversicherung eine Rente von 2/3 ober mehr der Vollrente bezieht, ab 1. Juli 1924 eine Sonderzulage von 15 Goldmark monatlich zu zahlen. Schließlich wurde ein Antrag des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Demokraten angenommen, der in der Wochen­hilfe den einmaligen Beitrag zu den Kosten der Entbindung und bei Schwangerschaftsbe- schwerden auf 25 Gold mark, das tägliche Wochengeld auf mindestens 50 Goldpfennig unb das Stillgeld auf mindestens 25 Goldpfennig festsetzt.

spd. Gefälschte Zwei - Dillionen- scheine sind in Frankfurt a. M. feit einiger Zeit abermals ttn Umlauf. Es handelt sich um die Ausgabe vom 5. 11. 23. Die Schein; haben, keine, oder aufgedruckte Wasserzeichen, so daß die Fälschung sofort erkennbar ist. Ferner tauchen wieder Fälschungen des wertbeständigen' Eisenbahn-Rvtgeldes 8,40 Goldm. =j 2 Dollar aus. Diese Fälschungen sind daran kennt-/