Ausgabe 
10.5.1924
 
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Nr. NO

Drittes Blatt

Tiebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

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vurgiert und Vomiert und trenn er in jeden Fall so men hätte.

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geschwitzt, daß der böse Feind, den Körpern gewesen wäre, auf rasch als möglich Reißaus genom-

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Fruhlingskruren.

Don Dr. W. Schweisheimer.

Neues Leben in der Natur, frisch aufstre­bendes Keimen. und Drängen, und auch der Mensch beschliesst bewußt, ein neues Leben zu beginnen. So muh der alte Adam, abgegriffen und durch harten Winterfrost und scharfen Stu­benrauch zermürbt, zunächst erneuert werden. Eine neue Hülle gleich neuen Sommerkleidern um sein Beharren zu schaffen, ist dem Geist noch nicht gelingen. Beschleunigung der ständig vor sich gehenden Erneuerung aller Zellen und Säfte wird darum erforderlich.

Die Sitten ändern sich mit den Zeiten. Wer in früheren Jahrhunderten, noch in der Zeit biedermeierlichec Märzwinde, ahnungslos einen Mick ins frühlingsmäßige Städtchen tat, der kannte glauben, eine allgemeine Epidemie habe ,öic Bewohner ergriffen. Da eilten die Aerzte umher, au Fuß mit ihren kugelgekrönten Stöcken, in fünfen Wagen, die Bader und Barbiere Iprangeä treppauf, treppab, die Apotheker und Drogisten bekamen den Laden nicht mehr leer, heil- und weisheitskundige Frauen predigten der eifrig lauschenden Zuhörqrinnenschar. Und schon tret der sichtbare Effekt dieser eifrigen Bewe-

Wie sich die deutsche Besatzung in Frankreich benahm.

Poincare hat in feinen Hetzreden öfters ver­sucht, die Behandlung, die das siegreiche Deutsch­land Frankreich angedeihen liefe,, mit der uner­hörtes Vergewaltigung zu vergleichen, der jetzt unsere deutsche Westmark durch Franzosen und Belgier ausgesetzt ist. Die Antwort auf diese ungerechtfertigten Schmähungen wird jetzt aus Grund des nüchternen Tatsachenmaterials von Karl Linnetech in dem soeben bei der Deutschen Derlagsanstalt in Stuttgart erschienenen Buch Deutschland als Sieger inz besetzten Frankreich" erteilt. Die Schrift bietet zumerstenMal eine ausführliche Darstellung der Besetzung von 1871 bis 1873, die aus den deutschen Akten geschöpft ist, und weist in allen Einzelheiten nach, wie mafevoll die Bedingungen der Besetzung waren und in welch versöhnlichem Geist sie von deutscher Seite durchgeführt wurden. Als die beutln Truppen Frankreich bis auf den letzten Mann verlassen hatten, nachdem sie schon vorher immer verringert worden waren, sprach der Präsident der französischen Republik dem OberstkommanDie- renden der deutschen Besatzungsarmee Manteuffel aus eigenem Antrieb seinen Dank für den Geist aus. in dem er seine schwierige Aufgabe gelöst habe. Die Disziplin der deutschen Truppen war derartig, dafe ihr selbst die Fnrnzosen die Aner­kennung nicht versagen konnten. Dem steht nun als dunkles Eegenbild das Benehmen der Fran­zosen im besetzten Gebiet gegenüber, die sich in steigendem Maste zu grausamen Gewaltmaßnah- men .und blutigen Verbrechen gegen eine wehr­lose Bevölkerung haben hinreisten lassen. 5Hefe Tatsachen belegt das Werk in allen Einzelheiten. Die deutschen Offiziere verrni den nach dem, deutsch-frairzöfischen Kriege jedes heraussvrdernde Benehmen. In den seltenen Fällen, wo es, zu Ausschreitungen kam, wurden sofort Strafen ver­hängt, auch wenn von französischer Seite kein Strafantrag gestellt war. So erhielt z. B. ein deutscher Offizier mehrere Tage Stubenarrest, weil er in Gegenwart eines Angestellten der fran­zösischen Eisenbahn emen die Franz-sen b leidigen- den Ausdruck gebraucht hatte. Ein Hauptmann wurde kriegsgerichtlich bestraft, weil er einem Dienstmädchen, das ihm in einem Kurhotel eine Grimasse geschnitten, auf frischer Tat eine Ohr-> eige gegeben hatte. Reitpeitschen durften außer beim Reiten überhaupt nicht getragen werden. Auch die Unteroffiziere und Mannschaften der Besatzungsarmee wahrten im allgemeinen den guten Ruf des deutschen Heeres. Da streng anbe­fohlen war, daß Händel mit Franzosen unbedingt zu vermeiden seien, so wurden viele Soldaten schon deswegen bestraft, weil sie Streitigkeiten mit Einwohnern nicht aus dem Wege gegangen waren oder ihre Kameraden nicht von Ausschrei­tungen zurückgehalten hatten.

Die überwiegende Anzahl der Vergehen, die bestraft wurden, bestand in Wirtshausstreitig­keiten und Raufereien, bei denen ebenso oft die Franzosen wie die Deutschen die Angreifer waren. Nach den Akten des Oberkommandos kamen wäh­rend der ganzen Dauer der Besetzung 4 schuld­hafte Tötungen und 1 Totschlag aus Notwehr vor- austerdem 40 Körperve 'lchungen, darunter 33 leichterer Art. Don den Franzosen aber sind im besetzten Rheinland von Dezember 1918 bis Oktober 1922 nicht weniger als 65 vorsätzliche Tö­tungen und Misthandlungen mit Dvdesfolge be­gangen worden. Für die sittliche Haltung der Deutschen spricht es, dast damals nur ein einziger Notzuchtversuch zur Bestrafung kam, während bei der Besatzungsarmee im Rheinland innerhalb von nicht ganz zwei Jahren 170 Sittlichkeitsverbrechen, großenteils schwerster und gemeinster Art, ge-

Der andere folgte dem Rat, den man ihm gegeben, bestteg den holpernden Postwagen und mhr nach dem berühmten Badeort. Dort trank er Wasser, als sei er ausgedörrt, nahm Bäder and fügte sich in das scharf von Gesundheitswächtern Ivntrollierte Leben des Kurortes. Ein noch Schlauerer riet sich selbst am unfehlbarsten, unter­zog sich in ländlicher Umgebung einer Milch- eder Molkenkur,' wenn ihm aber die Silberstücke

Winter angesammeltenbösen Säfte" austreiben. Darum der extra stark gebraute Trank, der so gehaltreich sein mußte, daß bei der Probe seiner Wirksamkeit der Prüfer, der sich auf die be­netzte Bank setzte, nach einiger Zeit kleben bleiben sollte. Diese Frühlingskur machte wieder jung, behauptete der Enthusiasmierte, und v. Kobell gab als Verjüngungsrezept:

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gung ein: da wurden Trünkchen genommen, wurde zur Ader gelassen, geschröpft und

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Und der Dock is a Maler,

Da halt i was drauf: Wie alt gar a Kopf is, Er frischtm no auf.

Die Starkbiere haben den Lauf der Zeiten überteuert, soweit sie nicht den Kriegswirren vor­übergehend zum Opfer gefallen sind. Sonst sind die Frühlingskuren zum Teil abgekommen, näm­lich in dem engen Sinn, dafe eine Mode alle Leute, gesunde wie kranke, dazu brächte, sich einer richtigen KMnkenkur zu unterziehen. Geblieben

schwächer im Deutel klangen, trank er Butter­milch, der ein heilsames Purgiersalz zugefeht war.

So wurden die winterlichen Säfteversüßt", der Körper gelindegereinigt. Freilich, wer be­sonders gewitzigt war, der ließ sich nicht auf eine allgemeine Milchkur ein. He nach Tempera­ment und Charakter wählte er Kuhmilch oder Stutenmilch, Eselmilch oder Ziegenmilch, und jedes wirkte anders.Hier logieret mein Frühlings- doktor," sagte vertrauend der Stadtkaufmann, und machte die Stalltür auf, wo die milchspendende Eselin ihr Heu rupfte. Der Besucher wandte sich mit Abscheu von diesem Anblick fort: er wußte, daß nur Ziegenmilch von heilsamer Wirkung fein könne.

Auch mit anderen weniger frommen Ge- tränfen hat man Frühlingskuren gemacht. Nicht immer ist freilich der Arzt Pate bei diesem Medizinieren gestanden. Die Starkbiere, wie sie beispielsweise nach alter Sitte in München im Frühjahr hergestellt wurden, hatten eine aus­gesprochen purgierende Wirkung. Dieser Früh­lingstrank mußte das Blutlüften" und die im

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der Kurbeflissene auch in dem Bade, das er ausgesucht hat, den ganzen Tag mit Kartenspielen am Spieltisch zubrächte, in einer Stellung (wie eine kräftige, infolge ihres hohen Alters aber ehrwürdige Bemerkung bemängelt), die man nur des Vormittags bei der Wirkung des Brunnens annehmen darf. Auch heimische Trinkkuren können ausgezeichnete Dienste tun, vor allem, weil eben auch bei ihnen ein deutliches Achten auf gesund­heitlichen Lebenswandel wichtigste Begleiterschei­nung bildet.

Wer nicht wirklich krank ist oder sich kränk­lich fühlt, für den ist eine Frühlingskur im enge­ren <5jn ne des Wortes unnötig. Auch für ihn ergibt sich mit dem Anspruch des Frühlings die schönste und gesündeste Kur ja von selbst. Kör­perlich winkt auch denen, die t>on' Wintersport nichts wissen wollten oder konnten, die Befreiung ^us den geheizten Stuben, Wandern und andere Aufrüttelung der langsam gewordenen Sehnen und Gelenke. Da kreist das Blut schneller durch die elastisch federnden Adern, die Lungen saugen begehrlich die lang vermißte reine Lust ein, die Haut verkündet In froher Bräunung den Einfluß von Sonne und Wind. Die Muskeln spannen sich, und freier, frischer denkt das Gehirn.

llnb ein seelischer (Jungbrunnen entspringt der Kur des anbrechenden Frühlings für jeden Menschen. Die leuchtenden Farben des Himmels und des sprießenden Grases, der Gesang der Vögel, der berauschende Dust der schneebefreiten Erde, das Sproßen und Blühen, das mit Zu­versicht auf Besserung schlimmer Zustände erfüllt, Licht und Wärme des wieder auswärts steigen­den Gestirns das alles zusammen übt einen bezaubernden Einfluß auf die unter Winterdruck Re Seele aus. Mit der Natur entrostet auch

e Atem. Die alljährliche Frühlingskur des Erwachens der Natur wird zum Spring­horn der Jugend für jeden Menschen schenkt auch dem an Jahren Fortgeschrittenen die Seelen­jugend wieder, ohne die Leben und Lebensfreude nicht denkbar sind.

2and in Parteien und Gruppen. Statt inner- nrTcc Jrin&eit sieht man Spaltung und Streit. Aber Deutschland sollte ein Ganzes sein, nicht nur ein Politischer, nicht nur ein staatlicher Begriff.

der Arbeiter ohne den Bauern? Was ist die Maschine ohne den Geist, der sie erfindet und lenkt? Was ist der Handel ohne die Menge der Käufer? And was ist ein Land, ohne daß Dichtung und Kunst, ohne daß Wissenschaft den Kops des Ganzen bilden? Nur in der Einheit erlangen die Teile wirklichen Wert und nur aus dem Zusammenwirken entsteht jenes gegenseitige Vertrauen, das allein das Volk lebendig, den Staat möglich und den einzelnen individuell be- sriedigt macht. Zn dieser Erkenntnis liegt die Möglichkeit, sich in die Lage einzustellen, wie sie nun einmal durch die europäischen Verhältnisse gegeben ist und durch eigenartige Gegensätze schmerzlich wirkt

fauch sie so gut wie die mit Volldampf und Nacht­schicht arbeitende Industrie an der raschen Heraufführung der Danierungskrtse mit­arbeiteten, bedachten sie ganz gewiß nicht, UnD doch sind wir auf diese Weise zur Krisis gelangt Nur daß sie, weil sie verspätet ist, wahrscheinlich üblere Folgen als vor vier oder fünf Monaten haben wird.

Zn aller Stille hat sich eine Kredit not 'eingestellt, die verhängnisvoll werden muß. Wäh­rend die Industrie dank den gewaltigen Aufträgen des Handels teilweise auf Monate hinaus be­schäftigt ist. die weit über dem Weltmarktpreis liegenden deutschen Preise aber gleichzeitig jede Ausfuhr völlig unterbunden haben, zeigt es sich daß wir an dieser inneren Hochkonjunktur mit ihren Widersprüchen zugrunde gehen müssen, wenn nicht alsbald Rettung kommt. hat näm­lich niemand Geld, um die gekauften Waren zu bezahlen und um die Fabrikation in Gang zu erhalten, d. h. also, besonders die nötigen Rohstoffe aus dem Auslände zu erwerben. Dazu würde uns, es sei immer wiederholt, nur starke Warenausfuhr befähigen. Statt dessen haben wir in den letzten vier Monaten durch übertrieben starken Inlandverbrauch weitere De­visenmassen verzehrt, unser bißchen Vermögen ent­sprechend weiter heruntergebracht. Beinahe nie­mand mehr ist imstande und willens, Kredite zu gewähren. Die Banken und private Geldgeber verlangen abenteuerliche Zinsen, und dies rasend teure Leihgeld zerstört jede redliche Gewinnmvg- lichkeit, frißt jeden kalkulierten Ueberschuß aus. So gespannt ist die Lage, daß Werke von Welt­ruf sich um geradezu lächerlich kleine Beträge verklagen lassen müssen. Sie benutzen diesen jäm­merlichen Weg, um eine neue Zahlungsfrist zu gewinnen. Widersprüche an allen Ecken und Enden, Widersprüche ohnegleichen! Die Kreditnvt. die sich noch dadurch verschärft, daß das Ausland vorgeschossene Gelder in beträchtlicher Höhe zu- rückverlangt, bringt die Wirtschaft zum Erliegen. Es hilft nichts, tesß wir unser Letztes in die Feuerung werfen, daß beispielsweise wirklich« Wertpapiere rnasfenweise verschleudert werden, um bares Geld zu bringen. Auf diese Weise vernichten wir mit eigner Hand den Rest unseres Volksvermögens 'und erzwingen eine immer grau- samere Verarmung der Nation.

Gerade im Augenblick wichtiger internatio­naler Entscheidungen steckt Deutschland in fürch­terlichster Klemme. Am den verbündeten Feinden, die uns jetzt wirtschaftlich reorganisieren wollen, einigermaßen gleichberechtigt gegenüberstehen zu tonnen, müßten wir Handel und Industrie stark und arbeitskräftig, ble ® e n e f u n g 8 f r t f e be­reits überwunden haben. Nur dann wäre es möglich, von den geriebenen Geschäftsleuten, die hinter dem Sachverständigenausschuß stehen, erträgliche Bedingungen zu erhalten. Der Aus- landkredit, um den wir seit langem so brünstig werben, wird uns nur dann zu erträg­lichen Bedingungen gewährt werden, wenn die fremden Finanzgroßen uns seiner für würdig erachten. Im anderen Falle find wir hilflos der Auswucherung preisgegeben. Deutschland hat, um mühsam zwischen Scylla unb Charybdis hindurch­zugelangen, nur noch eine Möglichkeit: Es muß sich auf die unvermeidliche, bereit« einsehende Krise so ernsthaft vorbereiten, als ginge es jetzt tatsächlich ums Letzte. HederrvtePfennig, der gespart werden kann, muß ge­spart werden. Den deutschen Spargeist zu wecken, alle Schichten des Volkes zu zwingen, den Leibriemen eng zu schnallen, das allein kann die Wirtschaftspolttik einer neuen Regierung fein. Wer sich dem eisernen Zwange, dem Gebot der Stunde nicht fügen will, der möge dafür auch Steuerlasten ohnegleichen auf sich nehmen.

Wenn Deutschland sich einschränken und echtes Geld zusammenkratzen will, bermag es dies selbst heute noch Die Groß-Berliner Sparkassen haben binnen biet Wochen rund 700 000 Goldmark an neuen Spareinlagen erhalten: man sieht also, das kleine Volk ist entschlossen, zu den früheren guten Gewohnheiten zürüctzukehren. Deshalb heißt es jetzt, das langsam zurückkehrende Vertrauen der Bevöllerung zu stärken, den Sparern jede Erleichterung zu schaffen und, dies bor allem, sie mit der Gewißheit zu erfüllen, daß neue Ver­luste für sie ausgeschlossen sind. Wir können die schwere Gesundungskrise nicht bermeiden, wir müssen das drückende Kre.rz auf uns nehmen, aber wenn wir alle unsere Pflicht tun und, statt uns aufs Ausland zu verlassen, soweit wie mög­lich die erforderlichen Detriebsgelder aus Eige­nem aufbringen, sei es auch unter saurem SchnÄß und blutigen Tränen, dann heißen die Gotter uns hoffen.

ahndet wurden. Dabei sind die viel zahlreicheren Untaten der Franzosen und Belgier im Ruhr­gebiet noch nicht einmal berücksichtigt.Die Zah­len sprechen nicht," sagt der Verfasser nein sie schreien in die Welt hinaus, daß die gegen­wärtige Besetzung der Rheinlande ein Rückfall in die Barbarei längst vergangener Jahrhunderte und für Frankreich, dessen weißen und schwarzen Soldaten die überwiegende Mehrzahl der gemei­nen Verbrechen zur Last fällt, eine nie auszu­löschende Schande ist." Das gute Verhalten der deutschen Desatzungstruppen wurde von neutralen Beobachtern rückhaltlos anerkannt.Nie Ist eine bewaffnete Macht besser in der Hand gehalten und fester von aller Tyrannei über ein besiegtes Volk zurückgehalten worden," schrieb damals ein Berichterstatter derTimes". Gaston May fällt in seiner 1909 erschienenen Abhandlung über den Frankfurter Vertrag das Urteil, daß diestrenge Manneszucht der deutschen Besatzungsarmee eine der wirksamsten Ursachen für das günstige Er­gebnis war", und der berühmte französische Hi­storiker A. Sorel sagte 1875:Wenn man den Geisteszustand bedenkt, in dem der Krieg die Franzosen gelassen hatte, kann man nur erstaunt sein über die Leichtigkeit, mit der der Schein des Friedens sich zwischen den beiden Völkern aus- richtete. Die Franzosen bewiesen dabei viel Ent­sagung und Vaterlandsliebe: die schone und «strenge Manneszucht der Deutschen trug in sehr hohem Maße dazu bei."

Genesungs"krise?

Von Reinhard Collstede.

Vier Wochen nach dem Erscheinen der Renten- mart war man in zünftigen Greifen einigermaßen erstaunt darüber, daß die prophezeiten Wirkungen des neuen Geldes zum Teil ausgeblieben waren. Und gerade die unangenehmen Folgen, auf die man sich ängstlich vorbereitet hatte. Durch die im letzten Augenblick ersolg'.e mitleidlose Zerrei­ßung des Jnslationsschleiers war dem Milliarten- und Billionenschwindel ein Ende gemacht wordcn: wir hatten wieder richttges Geld in der Hand, womit sich kaufen ließ und wofür man gern ver­kaufte, aber wir merkten zu gleicher Zeit auch, wie unsagbar arm wir geworden waren.

Die Meteorologen pflegen sich nicht selten zu irren, unb so trafen auch die Weissagungen unserer vollswirtschafllichen Wetterkundigen zu­nächst nicht ein. Während der Inflationszeit, wo alle Löhne und Gehälter tagweise bezahlt wur­den, hatte niemand Geld genug zu wichtigen, oft unentbehrlichen Anschaffungen gehabt Ehr das Verdiente noch zum Kaufmann getragen werden konnte, war cs schon gänzlich entwertet. Jetzt, wo die Rentenmark da war, zerrannen die spär­lichen Pfennige wenigstens nicht mehr unter Den Händen. Der fleißige Arbeiter erhielt zwar ge­ringen Lohn, aber er be hielt ihn doch wenig­stens. Nicht mehr floß schier das gesamte Volks­einkommen rasend schnell, in Gestalt von Infla­tionsgewinnen, in Die weit geöffneten Kassen einiger großer Profitmacher. Und so waren die Millionen, Die bisher kaum ein Hemd, geschweige Denn ein Paar Stiefel oder einen Anzug hatten kaufen können, in Der Lage, sich wieder einiger­maßen Damit auszurüsten. Sie stürmten förmlich Die Läden. Ihre Abgerissenheit zwang sie dazu. Es begann eine Blütezeit Des inneren Marktes: alle Industrien, Die für Den deutschen Tagesbedarf arbeiteten, hatten übermäßig zu tun und der gefürchtete Stillstand Der gesamten In­dustrie- und Handelsmaschline blieb einstweilen aus. Deutschlands Industrie erfreute sich aber» mal« einer sogenannten günstigen Konjunktur, Die aber genau so Scheinblüte genannt zu werden verdiente, wie Dergroße Aufschwung" während Der Inflativnsmonate, Der in Wahrheit nichts als fine unerhörte Vergeudung deutscher Kraft und etzten deutschen Eigentums gewesen ist.

Statt Des allgemein erwarteten großen Preis­abbaues, Den Der Zusammenbruch Des Geldzeichen- schwinDels eigentlich mit sich bringen mußte, haben zahlreiche deutsche 3nDuftrien in Den letzten Mo­naten recht beträchtliche Preiserhöhungen Vvrgenommen. Außerstande, Den jäh einsehendcn Bedarf zu decken, waren sie in der Lage, der Verbraucherschaft ihre Vedingungen vorzuschrei­ben. -Unb zu diesen Bedingungen lieferten sie nach Leibeskräften. Je höher Die Preise fliegen, desto heißer wurde der Warenhunger des Handels. Auch gescheite Geschäftsleute glaubten mit Sicher­heit, Daß Die neue Teuerung bereits' Da sei und sich ixifd> gewaltig auswachsen würde. Folglich kauften sie Ware in immer beträchtlicheren Men­gen ein, häuften ihre Lager bis oben hin voll und sahen freudig Der Zukunft entgegen. Daß

Gegensätze.

Don Alexander v. Gleichen-Rußwurm.

Vier Jahre nach der Revolution und Dem sogenannten Friedensschluß zeigt Deutschlands Lage eigenartige Gegensätze, die man paradox nennen könnte, wenn es nicht leider gute Gründe für ihr Vorhandensein gäbe. Der Gelozeichensülle ist die Geldknappheit gefolgt; die Währung aus den Tiefen der Hölle zu ungeahnter Höhe empor­geschnellt. Die Rentenmart muß man ein Wunder nennen, schrieb eine englische Zeitung. Aber die Einfuhr wird noch lange nicht durch Ausfuhr abgeglichen. Valuta und Geldtnappheit verhin­dern die volle Ausnutzung von Maschinen, An­lagen und Menschenkräften. Der Staat frißt sich selbst auf, denn die Steuern verhindern weniger durch ihre Höhe als durch die Art der Eintrei­bung und Verteilung, daß Deutschland mit Voll­kraft arbeiten kann. Das Geld gleicht nun ein­mal dem elektrischen Strom, der die ganze Ma­schine in Bewegung seht und erhält. Es ist geheim­nisvoll wie dieser und regelt sich nach eigenen Gesehen.

Aber trotz mancher Wühlerei, die zumeist vorn Ausland angeregt und bezahlt ist, trotz mancher llebertreibung oder Entgleisung extremer Richtungen stellt sich die moralische Gesundung endlich ein und das Gesamtvolk sucht fein Gleich­gewicht neu zu erringen, das Gleichgewicht, das wirtschaftlich durch Angebot und Nachfrage, po­litisch durch einen geräuschlos arbeitendenStaats- betrieb und ethisch durch Abnahme von Ge­setzesübertretungen in Erscheinung tritt. Wohl- gemerkt, dies Gleichgewicht ist noch nicht erreicht, aber die wichtigsten Tendenzen streben danach, und darin liegt ein großer Fortschritt Das Baro­meter des Vertrauens ausgedrückt durch den Wertmesser der Währung zeigt Steigung, und wer die Kraft zum Aushalten hat, atmet freier. Das ist wie die Sonnenseite eines nordischen Frühlingstages.

Auf der anderen (Excite ist es jedoch falt und hoffnungslos geblieben. Neben der Gesundung wuchern starke Krankheitskeime und die indivi­duelle Gnstellung in das Zeitbild läßt oft großen ethischen Mangel erkennen Der Staat vernichtete den Drang und Hang zur Sparsamkeit, indem fast alles, was Fleiß. Arbeit und Entsagung zurückgelegt, dem Fall der Mark und dessen volkswirtschaftlicher Auswirkung zum Opfer fiel. Die natürliche Folge ist gesteigerte Genußsucht. Luxus. Verwendung jeder Einnahme,damit man etwas davon hat", denn das Vertrauen ist nach dieser Richtung verloren und Die Jugend findet die Alten nur Dumm, Die sich um Der Spar­pfennige willen vieles versagten. Das Ausland wundert sich unwillig, Daß Die Deutschen aus- geben, ohne zu zählen, es begreift ihre Psycho­logie eben nicht oder will sie vielmehr nicht be­greifen.

So mußte der Wunsch, bei weniger Arbeit besser zu leben, für Die meisten zum Wahlspruch des Tages toerDen, und nur Die Bauernschaft entging dieser Versuchung. Das Aufsteigen neuer Bedürfnisse in breiten Schichten geschah um so schneller, als ihm die wachsende Papiergeldfülle zur Verfügung stand. Aber es blieb innerlich unbegründet, Da die verkürzte Arbeitszeit und der zunehmende Mangel an wirklich vorhan­denen Betriebsmitteln einer Verbesserung der Lebenslage entgegenstanden. Alle diese Erschei­nungen haben nur eine Folge, nur eine un­abwendbare Wirkung, die man im wirtschaftlichen Leben ein ehernes Gesetz nannt: die Steigerung Der Preise unD Die Verteuerung Des gesamten Da­seins. Es ist eine Täuschung, Daß bei Anwendung Der kleineren Zahlen alles billiger geworden ist, im Gegenteil: Deutschland ist so ziemlich das teuerste Land in Europa, obwohl die Preise Der lanDwirtschaftlichen Erzeugnisse (Durch Die Steuer- Verteilung) den Betrieb nicht mehr lohnen.

Hier muß Wandel geschaffen werden, Damit auch auf Der Schattenseite das Barometer steigt. Es ist schlimme politische Arbeit, wenn auf Dem LanDe, wo das Brot wächst, Mißtrauen gedeiht und zugunsten Der städtischen Straßen der Nähr- stand gebrüeft wird. Die einzige vernünftige Wirt­schaftspolitik scheint mir zu sein, Die Produkten so zu steigern, Daß sie zur Ernährung möglichst aus­reicht. Das hat man im Krieg versäumt. Das hat die Revolution mit ihrem gedankenlosen Sozialis­mus versäumt, das versäumt von neuem die Finanzpolitik des Reichs, indem sie vergißt, daß auch nach einem ehernen Gesetz nur Der per­sönliche Gewinn gesteigerte Arbeit schafft.

Mit Neid und Mißgunst, die zumeist unsere Gesehgebungsmasckine ankurbeln und angekurbelt haben, ist nichts zu machen. Sie scheiden das

ist Dagegen vielfach der Brauch, daß ein chronisch Leidender oder wer sich sonst nicht wohl fühlt, im Frühjahr eine Trink- oder Badekur mitmacht. Diese Bedeutung werden die Frühlingskuren immer beibehalten, sei es am Ursprungsort ter heilkräftigen Quellen selbst oder im eigenen Heim, wo gewisse Wässer in kurmäßiger Weise getrunken werden. /

Die Vorteile einer solchen Frühlingskur in einem Kurort für einen chronisch Leitenden sind in Der Tat hoch einzuschähen. Dem langteuernten Modebrauch liegt Richtiges zugrunde. Die gänz­liche Veränderung ter Lebensweise bringt wie andere Badekuren auch das Aufgeben mancher schlechten, der Gesundheit abträglichen Gewohn­heit mit sich. Die Einhaltung bestimmter, vorge­schriebener Kost läßt Ernährungstorheiten des Winters in ihrer Wirkung entschwinden. Die Durchspülung des ganzen Körbers mit Wässern, Die bestimmte, sonst nicht in diesem Maße vor­handene Salze enthalten, übt eine vorzügliche je nach Der Art des Leidens spezifisch beeln» flussente Heilwirkung aus. Daß es gerate ter Frühling ist, Der zu Der Kur gewählt toirD, hängt mit Dem allgemeinen Gefühl nach Erneuerung zu­sammen, mit Dem Wärmerwerten ter Witterung und der Freude, Den ins Zimmer bannenden Win­ter überstanden z-u haben. Die Auswahl des ge­eigneten Kurortes sollte aber Dabei nicht Dem Zufall oder gelegentlicher Empfehlung überladen bleiben, sondern nach genauer gesundheitlicher An­zeige vorgenommen werten.

Es ist gar kein Zweifel, Daß das Versetzen in völlig andere Umgebung auch bei Den Früh- linaskuren viel zu ter günstigen Wirkung beiträgt Mäßigkeit, Körperbewegung, bei manchen Trink­kuren sogar sehr energische. Achten auf gesund­heitliche Notwendigkeiten treten gn Die Stelle Der unhygienischen, unbedachten Lebensführung, wie sie das gesellschaftliche Leben des Minters mit sich gebracht hatte. Natürlich würde Die Wirkung gleich bedeutend geringe - sein, wenn