Einzelbild herunterladen

1

______ _____

;*y

io. Sept. 1924, ete ich 2leuentoeg28 an Ort unv Stelle Larzahlung!

3 Kaffenschränke, > 2 PiamnoS, ein lschrank, 2 Sota?, 1 Zimmerieppich, 1 Standuhr. 1 Steg. 3 Gasherde, 1 Da?. rerd.IZahEpindel, hrrad« und Leicht» kleinen Photogr.» t Wille Zigarren 6928D

SMuhichr.

»MMüikiM V M WfflWl MMklMMW M. Wfl,5W.L

Kaufgesuche

AU

KM

GinfamilienhauS etwa 7 Zimmer, od

StagenhauS in dem alSb. eine 7-Zimmerwohn. bei, ro.t, in Stehen gen. bar z.kaus.gei. Groh. Häilsg-emTauichw. 5Zimur,t.gm.ireier

Süffle M W zwei 3llchi- zWlM vomFrübiabrod. auch

WM,

M

SWk pTeSTj Müesie verein-

Dienstag, 9. Septemver (924

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Zweites Blatt

1220

1200

1750

2500

Lei-

ileberlic^t. Deutschland soll zahben:

3m ersten Fahre 24/25 im einzelnen

800 Mill. auS der aujzunehmen- den Anleihe

200 Mill. auS dem Dienst öci ErsembaHnobligativnen

3m zweiten Fahre 25 26

im einzelnen

440 C2G1L aus dem Dienst de Eisenbahnobligcttionen

Fähigkeiten wünschen. Ein Abgeordneter hat näm­lich einen Haarkünstler auf Schadenersatz verklagt, der, ohne sich etwas Schlimmes dabei zu denken, seiner 17 Fahre alten Tochter die Haare kurz- schnitt. Er wußte allerdings nicht, daß der jungen Dame von ihrem Papa, der noch sehr altmodische Anschauungen zu haben scheint, streng verboten worden war, sich einen Bubenkopf zuzulegen, und daß sie diesen schwerwiegenden Schritt auf eigene Faust unternahm. Der wütende Baker erschien in dem Geschäft, in dem das Unglück geschehen war, bedrohte den Friseur und erklärte, er werde ihn wegen Schadenersatzes verklagen und außerdem die Sache vor der Kammer zur Sprache bringen. Das französische Abgeordnetenhaus hat augenscheinlich keine wichtigeren Probleme zu verhandeln. Die Friseure sind dadurch plötzlich von einer Gefahr bedroht, von der sie vorher nicht das geringste ahnten. Sie werden künftig nicht mehr wagen dür­fen, die Schere an die Locken einer Dame zu fetzen, bevor diese nicht ihre Großjährigkeit einwank^rei nachgewiesen oder das Einverständnis des Che- manns beigebracht hat. Der Borsitzende des fran­zösischen Friseurvereins tritt mannhaft für das Recht der Frauen auf den Bubenkopf ein.Wenn wir," sagte erjede Dame, die sich die Haare kurz schneiden lassen will, erst nach der Berechtigung zu dieser Tat fragen würden, wenn wir eine schrift­liche Erlaubnis von Dater, Mutter oder Gatten verlangen würden, dann würden wir uns einfach lächerlich machen."

Entdeckung einer alten Kattenfiedlung.

Auf der Mader Heide unweit Kassel, wo einst der religiöse Sammelplatz des germani­schen Stammes der Kalten war. wo noch um die Mitte des 17. Fahrhunderts die hessischen Landgrafen ihre Volksversammlungen abhielten, halben kürzlich Grabungen stattgefunden, die letzte Spuren einer verbrannten Siedelung ergaben und unter anderem ein Skelett ans Tageslicht brach­ten das sorgsam unter der Schwelle eines der zerstörten Häuser bestattet worden ist. Zweifellos handelt es sich hier um die bei der Erbauung des Hauses vvrgenommene Opferung eines Kriegsgefangenen. Die Untersuchungen der Fund­stätte durch hessische Geschichts- und Altertums­forscher hat nun den fast sicheren Rückschluß gezeitigt daß an der Stelle dieser Siedlung der Hawpt-ort der Katten war, dessen Zerstö­rung Tacitus in den Annalen erwähnt. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger alS furchtbare Römerrache für die katastrophale Niederlage des Barus im Teutoburger /Walde, um eine Wiederholung der Tragödie von Karthago in allerdings kleinerem Maßstabe. 3m Führe 15 der christlichen Zeitrechnung brach Ger- manicus plötzlich mit mehreren Legionen vom Höchster Kastell aus gegen Rordosten auf. zog über den Taunus, erschien überraschend im Gebiet der Katten an 6er Fu lda und bedrohte derr

Die Lasten des Dawes-Gutachtens.

Roch immer herrscht vielfach Unklarheit über die Belastung Deutschlands durch das Dawes-Gut­achten. Wir geben in folgendem eine gedrängte

auch, daß noch heute im Bache M a tz o f f, der den heiligen Bezirk durchflieht, ein Werb spukt, das. den Gatten erschlagen und die große Stadt, die dort einmal geftanben habe, dem Fetndq verraten hat. Die Frage war bisher die, ob das Dorf Maden oder das nördlicher gelegene Metze als Ort des von Tacitus erwähnten Matt!um In Betracht kommt. Das Ergebnis der jetzigen Grabungen läßt mit Sicherheit an­nehmen, daß es sich um Maden handelt, also um den politischen Hauptort der Katten. Heute ist Maden ein schlichtes Bauerndorf. Nichts erinnert an große Vergangenheit als ferne Heide mit einem riesigen Dafaltblock, dem Moderst ein, und einem einsamen Stern im freien Felde, dem Malstein, wahrscheinlich em Markstein für den Platz der alten Gerichtsstätte. Um die Berge und Wälder aber schwebt noch in Sagen und Märchen und allen Bräuchen der Geist der entthronten Gottheiten . . .1 Rudolf Heinemann.

$

Das Recht auf den Bubenkopf.

Darf der Friseur einer minderjährigen jun­gen Dame ohne Einwilligung der Eltern die Haare abschneiden, darf er eine verheiratete Frau ohne dis Erlaubnis des Mannes um die Pracht ihrer langen Locken bringen? Mit dieser Frage wird sich demnächst ein Pariser Gericht zu beschäf­tigen haben, uird man darf auf das Urteil des Richters gespannt fein, dem wir dazu salomonische

(4 Proz. von 11 Milliarden) 150 Mill, aus dem Dienst der

FndustrieobÜgatronen

(3 Proz. von 5 Milliarden) 250 Mill aus der Verkehrssteuer 380 Mill, aus d Rerchshaushalt

3m dritten Fahre 26,27 tm einzelnen

550 Mill, aus dem Dienst der

Eisenbahnobliga ttorren

(5 Prvz. von 11 Milliarden)

250 Mill, aus dem Dienst der

Fndu st rievbl igationen

(5 Prvz. von5 Milliarden)

290 Mill- aus der Verichrssteuer

110 Mill, aus d. Reichshaushalt 3m vierten Fahre 2728

im einzelnen

660 Mill, aus den Eisen bahnvbli- gativnen

(6 Proz. von 11 Milliarden) 300 Mill, aus den Fndustrievbli-

gat tonen

(6 Pri^. von 5 Milliarden) 290 Mill, aus der Veickehrssteuer 500 Mill, aus d. Reichshaushall

3m fünften Fahre 28 29 im einzelnen

660 Mill, aus den Eisen bahnobli- gatronen

300 Mill, aus den 3ndustrieobli- gativnen

290 Mill, aus der Verkehrssteuer 1250 Mill, aus dem Reichshaushall.

l^rechnender Wvtzlstandsindex eine Wohlstands- Zunahme erkennen läßt.

Tie Zahlungen Deutschlands sind durch fol­gende Maßnahmen sichergestelll:

1. Tie deutschen Eisenbahnen werden mit einer Kapitalschuld von 11 Milliarden Mari be­lastet dic in den ersten drei Fahren mit 3 Proz., 4 Prvz., 5 Proz. jährlich zu verzinsen ist. Dom Fahre 27 28 ab sind 5 Prvz. Zinsen und 1 Proz. für dic Tilgung der Schuld jährlich aufzubringen. Zu dem Zwecke werden die deutschen Eisenbahnen entstaatficht und in eineDeutsche Reichsbahn- Gesellschaft" "umgewandell, deren Betrieb unler ausländischer Kontrolle steht.

2. Die deutsche Fndustrie wird mit einer Kapitalschuld von 5 Milliarden Gvldmark be­lastet, dic 25 26 mit 3 Proz., 26/27 mit 5 Proz., von 27/28 ab mit 5 Proz. zu verzinsen und mit I Prozent zu tilgen ist.

3. Die Verkehrs steuer, die die Eisen­bahnen bisher an das Reich zu leisten hatten, ist im Fahre 25,26 bis zur Höhe von 250 Mil­lionen und vorn Fahre 26 27 ab bis zur Höhe von 290 Millionen Gvldmark an die Repara- tronskommisfion abzufuhren

Mill. Gm.

1000

jinkS).Popujaire" ssoziasistllchi undHumantttz" (linksfozialistifch).

Die anderen, um es volkstümlich aus Öl­drücken, fressen der Regierung aus der Hand. Falls fi-' einmal nicht aas Fonds 62 ihreSub- sidien" ziehen, so ist das nach oben sogar ver­dächtig. Der Herausgeber M. 3übel desEclair" hat das erleben muffen; denn ihm wurde von der Cli'-rnenceau-Regierung sogar ein Hochverrats- Prozeß angehängt, aus dem er ober unbehelligt hervorgmg.

Ten in Deutschland oft zitiertenFigaro­hat sich neuerllch ein Seifenfabriken! gekauft, der, wie es heißt, mit R. Poincar,'- Abmachungen ge troffen hat, um ihn nach feinem Rücktritt vom Ministeramte als polnischen Leitartikler zu ver­pflichten. Das von dessen pvli sichern Gegner be­gründeteEcho Rational", Hauptichri'tleNer An­dre Tardicu, hat nur einen geringen Leserkreis.

Der bei uns noch häufiger als Regierungs­blatt erwähnteTemps" ist fast noch bedeutungs- Ibfer. 3hm tut durch eine gewisse Unabhängig­keit in der Stellungnahme das3oumal des Debats" Abbruch, aber beide haben keine weite Verbreitung und gellen vom Standpunkte des Durchschalillslesers als einigermaßen langweilig. Aus eigener Kraft kann sich keines dieser Blätter erhalten,Subsidien" sind chr Lebenselement. Sie legen Wert darauf, daß ihre pollttfchen Artikel von den Verfassern gezeichnet werben. Aber wer garantiert, daß diese Autoren nicht irgendwoher privatimSubsidien" beziehen?

Die französische Poesie trägt am Weltkriege mit die Hauptschuld, sie ist fernerhin das wesent­lichste Hindernis eines wirklichen Friedens ge» wesen. Wer wird einst diesen Augiasstall reinigen?

Kenntnis der lokalen Verhältnisse veranlagt wer­den. Diese Regelung liege nicht nur tm 3nter- esse der Steuerzahler, sondern sie sei auch zum Ruhen der Gemeinden, der Länder und bes Reiches. Der Redner nahm weiter gegen die Wobnungs-Zwangswirtschaft Stcllnnw deren Be- citigung er vor allem für die Mieter von Läden und Wohnungen forderte, die sehr zah­lungskräftig seien, während er sich für den Schuh des kleinen Mannes aussprach Lebhafter Bei­fall der 'Versammlung bekundete deren Ein­verständnis mit dem Redner. Gastwirt Rahne f c l d - Gießen forderte die Besettigung der Ge­tränke- und der Herbergs steuer, die für das Gast wirtsgcwerbc überaus schädlich feien.

(SHnftimmtg wurde folgende Entschließung an* genommen:Die heute in der Turnhalle za Gießer versammelten Wirtschaftsgruppen Handel. Hand werk und Gewerbe. Haus- and Grundbesitz pro- testieren gegen die Art und Höhe der jetzigei Steuern, die zur Erdrosselung dieser Gruppen führen muß. Wir verlangen eine Beschränkung in der Vielseitigkeit und eine gleichmäßige Ver­teilung auf alle Schultern, außerdem unbedingte Sparsamkeit innerhalb der Staats- und Kom­munalverwaltungen."

heiligen Bezirk, der sich im Dogen des heute un­bedeutend gewordenen Flußlaufes der Eder be­fand. Die Ramon dos Odens berg es. des Lamsberges. des G udem s ber ges, dos Heilig en berg es unb anderer Basalttegel erinnern noch daran, daß es einstmals Kullstätten des Wodan und Ziu gewesen find. Es muß zur Zett der großen Opforfeste gewesen fern. Unter der gewaltigen Wirkung der- großen römischen Geschitze jener Schleudermaschinen, die tm Modell tn der Äaalburg bei Homburg v. d. H. za sehen sind muhten die Katten ihren Widerstand acaen den Brückenschlag der Römer auf geben Md zogen sich in die mit Ringwällen befesttgtzm Borgwälder der Gebirge um Kassel zuruck wohin ©reife Weiber und Kinder, sowie das Vieh tn Sicherheit gebracht worden waren. Der heillge Deziri mit dem Hauptort Mathanan unb dem religiösen Hauptplatz Mezz--ahr naihde preis gegeben werden. Germanicus .zerstörte dann diese beiden Stätten und deren Umgebung, indem er sie niederbrannte und auch die letzten Trünv- , mer so vernichten lieh, datzretn Wteder^Mr- mögllch war. Rähercs ist über diese Katastrophe nicht bekannt. Rur Sagen berichten, kuß Ger- manicus auf den Hilferuf von Arnn n s Schwieger­vater Segost bis zur Diemel vvrdrang, dort die von Hermann belagerte Sieburg ensietzte und Thusnelda, die von ihrem Vater dem Gatten geraubt worden war, als Siogestrophäe nach Rom entführte. Erne alle Legende er.zähll

Dom Fahre 29 30 ab erhöhen sich die ftungen, falls ein nach bestimmten Richtlinien zu

Vie französische politische Presse.

Bon Dr. Ferdinand 3asper.

Als im Fahre 1893 in Paris der Panama- flandal explodierte, ergab sich, daß mehr als rin Schock französischer Abgeordneter die Dc- iskchungsgelder dos Lesfev-Unlerneh.nens gc- ,schluckt halten. Einige Fahre hielten sich die Kompromittierten von d r Politik fern, um dann um so fröhlicher wieder in den Wallern der poli­tischen Betätigung hprumzuplät'chern. Einer der am meisten belasteten, der Dr. rned. Georges Elemenceau. hat es sogar spater zum Prc° mier-Minister gebracht.

Aas neuerlichen CBeröffentlid)ungen wissen trir daß bei Rechtsanwalt Rahmend Poin- Car6, der derzeitige Kabinettschef. als er 1912 Minister des Auswärtigen war, russische Be- stechrngsgeld.-rSubsidien" nennt nun txiÄ an die Pariser Presse verteilt hat. Wir wissen aus den Beröfsenttichungen der russischen Akten außerdem, daß er mit fremden Geldern llrnerpolitische Gegner beschwichtigte. Wie der nicht franzosenfeindliche LondonerObserver" er» 3äfj(t, wurde sogar der Posten eines Thealerkri- Likers ebnes Pariser Blattes nicht dem Fähigsten $ugeteilt, sondern für 60 000 Franken verkauft. Der taufende Ehrenmann kommt durch andere dunkleltobeneiTUudxmcn schon wieder auf seine Rechnung

Absatz 62 des französischen Budgets sah vor dem Kriege eine Million Franken, während des Krieges 25 Millionen Frs. für Bestechungen der reffe vor Die Summe ist heute nicht mehr igcmA so hoch, aber noch hoch genug, denn der Boche" bezahlt ja alles. Wer aber wird von diesem Tische gespeist?

Da sind zuerst die fünf großen BlätterMa- Fvurnal",Pettt Fournal",Pettt "Pari- undEcho de Paris". Einige beschränken

in ihrem Leserkreis auf Paris, andere arbev irchr für die Provinz. Als vor kurzem ein des letztgenannten Blattes, der in» juzquKn verstorbene Moritz Darris d.m Minister- Präsidenten wegen der durch die sozialistischeHu- fmantii' enthüllten Destechungslistan in der De- iputiertenkcunmer befragte, meinte dieser, Gelder !von einer fremben Macht zu nehmen, sei leider kein .strafbares Deraehen. ©ingetoeible behaupten, au» Hjer Deusichland habe jede auswärtige Regierung ltn den letzten Fahrzehnten sich bestimmte Organe der öffentlichen Meinung Frankreichs gekauft, und fügen hinM. es hätte keinen Welttrieg gegeben, fvfem Deutschland diesem Beispiele gefolgt wäre unb sich die einflußreichen Pariser Zeitungsschrei­ber verpflichtet hätte. Einer aus der Gilde stand jüngst am Pranger: die serbische Regierung, die er mit Kot bewerfen wollte, stellte einwandfrei fest, daß er das nur tat, well er zu wenig Te- Gablung empfangen hatte. Das oben erwähnte Englische Blatt wird recht haben, wenn es meint, Jbcrö Schmieren von Zeitungen im ganzen durch Privatleute oder auch nur die Annahme von be­sonderen Summen für gewisse Dienste, ist so et­was allgemeines in Frankreich, daß es wohl kaum jemand in Paris für eine besondere ilcbcrrafcfjung ansieht".

Die fünf großen Pariser Blätter haben sich Durch Ausnruch des Rachrichtendienstes unb ge- metnfamv Bewirtschaftung des Anzeigenteiles sechs bedeutendere Provinzzeiiungrn tributpflichtig ge­wacht. nämlichPettt Marseiüais",Pettte Gi° nrnbe ^Bordeaux),T^peche de Toulouse", Fournal de Rouen",Echo du Rord" (Lille)' unt>W>n Republicarn". Durch einen ausge­dehnten Fnseratenteil haben sich die kleineren Pro° vfttzblätter eine gewisse Unabhängigkeit betixtbren Dnnen, sie stehen jedoch durchweg unter dem Ein­fluß von Lokalpolitikern, die von dem Aufstieg zu politischer Macht in der Riesenstadt an der Seine träumen, die mehr Hauptstadt ist als der Regierungssib eines anderen Kulturlandes.

Der Leser fragt: Gibt es denn in der fran­zösischen Hauptstadt nur fünf Zeitungen? Die Qtattrort ist.O nein!, aber die anderen leben erst recht vonSubsidier" und werden aus dem Millionen so nds von Titel 62 gespeist, und .daher stellen die in England, Stalin und Deutschland selbstverständliche unabhängige QKctnung, die bei uns Deutschen wohl zu bunt und zu geteilt ist, tn Frankreich nur drei, vier Blätter dar:Quo- tibien (linksliberal),Eve Rouvelle" (etwas mehr

(Ein Steuer-Protest ans Gießen.

Auf Einladung der Gießener Wirischafts- Derbänbc für Hande l, Handwerk und'G e- werbe, Haus- und Grundbesitz fand Sonntag nachmittag in derTumhallc amOswalds- garten eine Steuer-Prote st Versamm­lung statt Der Besuch der Kundgebung entsprach nicht den Erwartungen, dic man nach den viel­fachen Klagen bei privaten Unterhaltungen all­gemein annehmen mußte, und die auch die em» berufenden Führer der Wirtschaftsoerbändc ge­hegt hatten. Die geräumige Turnhalle war, trenn man die zerstreut sitzenden Besucher zusammen­gerückt sich denkt, nur zur guten HÄfte besetzt, anstatt überfüllt und zu klein zu fein, wie der Vorstand dachte.

Der Versammlungsleiter, Malermeister Launspach, tote auch der Redner des Tages, Stadw. H a u r y ° Darmswdt, verurteilten denn auch in ihren Ansprachen diese Lauhell in nach­drücklicher Weise. Der- Vor sitz ende teilte Wetter nut, für die Stadtverwaltung sei trotz Einladung niemand anwesend, der Oberbürger­meister habe sich entschuldigt, als Dei-totter des Kreisamtes sei Assessor Dr. Krüger erschienen. Er betonte ferner jedermann fei sich natürlich darüber klar, daß Steuern gezahlt werden mühten, die Belastung dürfe aber nicht über die Grenze der Leistungsfähigkeit hinausgehen. Mit den Steuererträgen müsie sparsam gewirtschaftet wer­den, sie dürften nicht dazu dienen, unprodukttve Acnller durchzuschleppen.

Dieselben Grundgedanken vertrat auch der Hauptredner, Stadw. Ha u r h - Darmstadt. Als Quelle des ganzen ttebels bezeichnete er die Erzberg erschc Steuerreform die mit der Beseiti­gung der Finanzhoheit der Gemeinden den schwer­sten Fehler gemacht habe, weil damit auch die auf genauester Kenntnis der lokalen Verhältnisse be­ruhende Beurteilung der Lage des einzelnen Steuerpflichsigen verlorengegangen sei. Weller kritisierte er die ganze Art und Weise der jetzigen Steuererhebung sehr abfällig, die viel zu 'umständ­lich und viel zu kostspielig sei, wodurch ein sehr großer Teil der ganzen Steuern für die Verwal- tungdarbeit verschlungen werde. Die Regierung habe die Sparsamkeit verlernt, sie müsse zu ihr toieber zurückkehren. Auch das Zuviel an ein­zelnen Steuerarten sei von Äebel, ebenso aner­träglich sei die Art der heutigen Steuerpolitik, die einen Stand gegen den andern aufhehe, anstatt einen versöhnenden und erträglichen Ausgleich za schaffen. Vereinfachung Klarheit and G^echtlg- keit müßten wieder Platz greifen. Deshalb forderte her Redner, daß die Unmenge von Steuerarten er nannte 17 verschwinde, jede Sonder- steucr unterbleibe und die gesamte Besteuerung auf folgende dre i große Steuern, die ins­gesamt dasselbe Ergebnis bringen könnten und würden wie jene 17, zurückgeschraubt werde: Ein­kommensteuer, Vermögenssteuer, Umsatzsteuer. Außerdem müsse die FinanzhvheitderGe- meinben wiederhergestellt werden, und dann habe man die dringend notwendige Klarheit und Vereinfachung des ganzen Steaerbetriebs. Dann könne auch wieder auf Grund der genauen

Wirtschaft.

Dividcndenlosigkcit im Anilinkonzern.

Wie nicht anders zu erwarten war, haben die Dem Anilin-Konzern angeschlossenen Werte, die Farbenfabriken vorni. Friedr. Bayer & Co. in Leverkusen die AG. für Anilinfabrikatton in Berlin-Treptow, die Badischen Anilin- und Soda-Werke A. G. m Ludwigshafen, die Färb- werke Dorrn. Meister, Lucius und Brüning in Höchst a. M. die Chemischen Werke Weller ter Meer in Uerdingen und die Chemischen Werke Griesheim Elektron für 1923 keinerlei Erträgnisse aufzuweisen, welche auch nur die Möglichkeit zu- lassen irgendeine Dividendenverteilung in Aus­sicht zu nehmen. Zum Teil ist mit Verlusten gearbeitet worden, die aber bei der Umrechnung von der Papier- auf die Goldmark kaum ins Ge­wicht fallen können. Die Dorberellungen für die Goldmaribilanz sind noch nicht zum Abschluß ge- kommen, ob die Vorlegung noch in diesem Fahre erfolgen' kann, läßt sich zur Zeit noch nicht be­urteilen; ebenso sind die Verwaltungen auch letzt noch nicht in der Lage, sich darüber zu äußern, ui welchem Außmaße die Zusammenlegung des Aktienkapitals, das weniger in der Fnflattvnszett als vorher mehrfach stark erhöht worden ist, er­folgen soll. Soviel steht allerdings fest, daß die Zusammenlegung der Aktten in ziemlich fd>arfem Umfange erfolgen wird. Das ungünstige Ergebnis des letzten Fchres braucht kaum besonders er­läutert zu werden , besonders schwer haben die tm besetzten Gebiet liegenden Werke des Konzerns, und das ist die Mehrzahl, zu leiden gehabt. Die -.ahlreichen Beschlagnahmungen, die Schwierig­keiten im Verkehr innerhalb des besetzten Gebietes tmb zahlreiche andere ungünstige Momente konn­ten natürlich nicht ohne stärkeren Emfluß auf t* Ergebnisse bleiben. Htnzukommen die Schwierig ketten im Export und die stark verminderte Auf' nahmefähigkeit auch des Fnlandes mftfge bei ungünstigen Lage der farbenverbrauchrnden Fw dustrien. Das laufende Fahr hatte bisher irtrtei den gleichen Erscheinungen zu leiden, die bis­herigen Ergebnisse sind infolgedessen wenig be- f rtebigenb. Die Aussichten bleiben unbestimmt.

D orübergehende Einstellung der Getreide-Ausfuhr. 5ter Roggenpreis hat in der letzten Zett eine außerordentliche Steigerung erfahren. Er ist an der Berliner Produktenbörse auf 150 Mark für die Tonne am 6 August, auf 180 Mark für die Tonne am 26. August, auf 180 Mark für die Tonne am weiter von' 180 Mark auf 190 Mark gestiegen Die Verspätung der Ernte, die durch das fort­währende regnerische Wetter fast in allen Teilen Deutschlands eingetreten ist, hat das Angebot des Fnlandgetreides außerordentlich verringert und seitens der Mühlen und des Konsums stark Rach frage hervorgerufen. Unter diesen Umstän­den wird, wie derDeutsche Handelsdienst" er­fährt, die Ausstellung der für die Ausfuhr von Roggen, Weizen, Hafer und Gerste erforderlichen Unbedenklichkeitsbescheinigimgen mll sofortiger Wirkung vorübergehend eingestellt. '