m. 2b§ Drmes Blatt
Gießener Anzeiger (Senerai-Anzeiger für Vveryeßen)
Samstag, 8. November 1924
Die französische Besetzung
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len Hal. Einerlei dabei ist, ob die Maschine schon längst cnlzwei ist oder aus einem anderen Grunde nicht verwandt wird. Döse Zungen behaupteten später, der Präfekt habe sich, nachdem die Steuer eingetrieben war. ein Auto gelaust. ..Dom Ertrag dieser Steuer?" „Das darf man natürlich nicht sagen. — aber — so machen sie's alle."
3n einem anderen Dorfe wird mir von glaubwürdiger Seite erzählt, die ansässigen Rumänen seien von allen Steuern befreit, ja sie bezögen noch unter irgendeinem Dorwande einen r-egelmäßgen Z u s ch u h aus der Gemeindetas'e. D)aS der Deutsche also mit seiner Hände Werk erarbeitet, wird dein andern vom Staate groß- mütigft zugewiesen. 3n der Sprache der gewöhnlichen Sterblichen nennt man so etwas nicht Steuerpolitik, sondern Raub und Erpressung.
Mll kleineren Schikanen aller Art wird ebenfalls nicht gespart. Gin Deispiel dafür: Sämtliche deutsche Lehrer müssen eine Prüfung in der rumänischen Sprache oblegen, auch andere Beamte, sogar Aerzte Diese Tatsache, sowie der Prüfungstermin wird den Betreffenden aber nur verhältnismäßig kurze Zeit vorher mitgeteilt. Rach 2£b:egung der Prüfung wird ihnen nicht etwa gesagt, ob sie bestande.H haben oder nicht. Rein, die Dekawttgabe wird um einige Monat? hinausgeschoben. Vollständig klar ist man sich darüber, daß bei der rumänischen »Wirtschaft" nur „rein sachliche" Momente in dieser Zeit in Erwägung gezogen werden.
Roch ein Anderes gibt dem Deutschen ein Gefühl der Unsicherheit, das Bewußtsein, stets - bespitzelt zu werden. Das ganze Land ist überzogen mit einem Reh von geheime i Ver- trauensmännern. Sie sind halbamtliche Funktionäre und Agenten der Regierung. 3hr Einfluß ist größer, als man auf den ersten Blick annimmt. Durch Zufall gewann ich einen Einblick in ihre Arbeitsweise. Mein Freund unterhält sich mit einem solchen „Dertrauens"mann. Er kennt ihn schon länger. Heute ist der noble Herr in etwas angctrunlenem Zustand und plaudert allerhand aus: immerhin sagt er noch: „Was wir jetzt reden, bleibt unter uns." Dann erzählt er mit Stolz, er fei Vertrauensmann für den und den ilnterbejirf. Die Zentrale des Gesamtbezirkes sei in Z. und liege in Händen des R. R. „Was ich für diesen Bezirk hier angebe, wird gemacht." Der Rumäne nimmt an, mein Freund studiere Medizin und fragt ihn. ob er sich nicht in T. niederlassen wolle. Er verneint. „Wer weshalb nicht?" „3n T. sitzt doch schon ein Arzt, der Dezirbsarzt 21.“ „Wer was. wollen Sie sich gerne in T. niederlassen? Wollen Eie DezirkSurzt werden? Sagen Sie es mir! Der alte Bczirlsarzt ist nicht mehr. 3ch verspreche es 3hnen. in tarzer Zeit sind Sie Dezirksarzt." (Der jetzige Dezirlsarzt ist natürlich auch Deutscher, daher das einfache Verfahren.) Mein F eund lehnt das großmütige Anerbieten natürlich ab. Tatsckche aber ist, daß der Rumäne wohl imstande gewesen wäre, sein Dersprechen durchzuführen. Es war keineswegs leere Prahlerei, die nur seinem Rausch zuzuschreiben wäre. Solche Dinge kommen ja alle Tage vor.
DieS alles gibt ein kleines Bild von dem Wirken der Rumänen gegen das Deutschtum. Man must sagen, es liegt System in ihrer Arbeit, sie gehen planmäßig vor. Das nächste Ziel auf ihrem Wege ist die Zerstörung deS deutschen Wohlstandes, der für die Deutschen im Wwehrkampfe immer eine starke Stütze war. 3n die Reihe der Maßnahmen, die dahin zielen, gehören die Enteignung deS Bodens, sowohl aus Privatbefih als auch aus Kirchmb^ih, die 2lrt der Besteuerung, sowie die verschiedensten politischen und wirtschaftspolitischen Mastnahmen. Mit kalter Berechnung wartet man auf den Tag. an dem die wirtschaftlich geschwächten Deutschen ihre kulturellen Mnrichtungen nicht mehr halten können, da die unabhängige Organisation der Kirche zusammenbricht und deutsche Bildungsstätten aufgegeben werden müssen. D eses System birgt zweifellos große Gefahren für das Deutschtum, und hart wird der Kampf sein, den unsere Brüder um ihr Do list um werden zu führen haben.
Es fragt sich allerdings nur, ob Rumänien ungestört diese Politik wird fortführen können, ob es sich nicht eines Tages wieder in einen neuen Krieg verwickelt sieht, den man mit Zittern und Beben in Bukarest herannahen sieht, denn Rußland wartet ja auf eine Gelegenheit. Es hat Bessarabien nicht verschmerzt: und Ungarn schaut nach Siebenbürgen hinüber. Bulgarien ist feinem Rachbarn auch nicht besonders wohlwollend gefilmt. Rumänien aber ist durch feine Eroberungen innerlich uneinheitlich. Cs hat einen sehr großen Prozentsatz Fremdvölkischer. Unter diesen Umständen ist es verständlich, daß man nicht allzu Hoffnungsfreudig einer kriegerischen Verwicklung entgegensieht.
Wie dem auch sei, — kommt es auf einen hartnäckigen Kampf an um das Deutschtum, so können wir unseren Brüdern am Saum der Kar- parthen schon vertrauen. Sechshundert 3ahre lang haben sie ihr Volkstum verteidigt, sie werden es auch weiterhin hüten. Wenn die Sturmglocke ertönt, dann werden sie zusammenstehen tote ein Mann und die Kirchenburg schirmen: die Kirchenburg, das schönste Symbol religiös- völkischer Einheit.
An uns aber wird es sein, sie im schweren Kampfe nicht im Stiche zu lassen, den sie als ferne Vorposten des Deutschtums auszufechten haben. Rot tut vor allem, stets die geistige Verbindung mit ihnen vom Reiche aus aufrecht zu erhalten. Rimmermehr darf es „Deutsche" geben, die Siebenbürgen mit Sibirien verwechseln. — Laßt in ihnen drunten niemals das bittere Gefühl auf kommen: „Wir sind in
unserem Daterlande versunken und vergessen." — Sie werden und die Treue halten, darum laßt sie an unserer Treue nicht verzweifeln. Hämmern wir eS uns immer wieder ein: „Draußen, jenseits der Reichsgrenzen wohnen noch Millionen deutscher Brüder, — waS einem von ihnen geschieht, wird und selber getan."
„Grüßen Sic mir Deutschland," sagte mir ein einfacher sächsischer Dauer beim Ausgang aus dem DorsUrchlein, „grüßen Sie mir Deutschland und sagen Sie allen, daß auch hier gute Deutsche wohnen. Sagen Sie allen, daß wir deutsch bleiben merben bis zum Letzten und daß wir darum kämpfen werden, solange ein Sachs noch atmet. — Sagen Sie auch, baß wir mit brennenden Augen nach dem Reiche hinüberschauen, daß wir an seine Zukunft glauben — trotz allem. Daß uns dieser felsenfeste Glaube allein stark macht im Kampfe. -- Laßt und am Reiche nicht verzweifeln, — wir werden auf unserem Posten ausharren."
Zi.
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(Eine Valkanreise.
IV.
Siebenbürgen. — Rumäniens Kampf gegen das Deutschtum
(Eigener Bericht des „Gieß. Anz")
deutscher Gebiete.
Francesco Ritti, früherem italienischen Ministerpräsidenten.
Unsere Preise sind mr unsere anerkannt guten Qualitäten als besonders vorteilhaft zu bezeichnen. Alle Gröben und Weilen
Mk 59.- 69.- 79.- 89.- 98.- 115.-135.- usw
Die von den französischen Defainrngsbehörden erlassenen Verfügungen die ich g:fainm?ll. bilden ein Denkma l der Gew all, das in der modernen Geschichte Europas ohne Beispiel ist. Rach den ersten zwei Monaten Ruhrbesetzung waren bereits 2105 Beamte der verschieb iten Verwaltungszweige ausgewiesen worden. Dte Truppen drangen nach Belieben in die Amtsgebäude, raubten, tvas ihnen geüel. vernichteten die Aktenbestände und schleppten die Beamten fort.
Edle deutsche Patrioten, Männer in hoher Stellung wurden mit solcher Brutalität mißhandelt, daß sie oft dem Tode nahe waren: in Gefängnisse geworfen und mit Vagabunden zusammengesperrt, blieben sie ohne Verpflegung und ärztliche Behandlung. Mit d... 21 r b e i l ernt a f f e n sprang man mit namenloser Grausamkeit. wie mit wilden Tieren um. Vichts war mehr heilig, weder öffentliche Gebäude noch Privat- bäu|cr und Armenafyle. Was nur irgend Wert hatte, fiel der Verwüstung anheim. Zwei meiner Freunde, ein Ska ndinavier und ein Amerikaner, die sich auf den treuesten französisch- belgischen Kriegsschauplatz begeben haltert, ha bett mir eine Sammlung von Photographien, von Verfügungen und Erlassen der Mililärbchörden und von Tatbestandsaufnahmen der schwersten Greuel zugeschickt, und ich gestehe, tvas ich da gesehen und gelesen, hat mich mit Ekel und Schauder erfüllt. Mein amerilanischer Freund hat von solchen Beispielen scheußlicher Entartung eine Sammlung von Photographien zusammon- gestellt: QKänner werden gepeitscht, Kinder tot- geschlagen, Häuser und Bureaus geplündert — Szenen, wie sie nur der wildeste Sadismus sich vorzustellen imstande ist. Ohne Zweifel sollte hier das infame Wort Clömenceaus, daß in Deutschland 20 Millionen Menschen zuviel seien, feine erste Ausführung finden, aber das wahre Ziel war doch, die deutsche Produkt Ion und damit daS Gesamtleben Deutschlands bis zu einem Grade zu zerrütten, daß die soziale und polittsche Auslosung des Reiches sich automatisch daraus ergeben müsse. Keiner von Deutschlands Feinden hat es für sich allein niederwerfen fön- nen, oder auch nur kurze Zeit zu widerstehen vermocht: aber nun haben die Kleinstert von ihnen, Belgien und Polen, die sadistische Wollust, den gebundenen Riesen zu quälen. 3edoch der Riese ist unsterblich und die Feinde werden nicht ewig vereint bleiben. Niemand weiß, was die Zukurrft allen bringt. Sicherlich aber treibt die europäische Kultur ihrem Ende entgegen.
Belgiens Oluf treten im Ruhrgebiet war um nichts weniger brutal und ruchlos als Frankreichs. Dies Land, das im Hamen des Rechts von allen gerettet worden ist, hat nicht gezaudert, die Grundlage aller Gerechtigkeit, di' Achtung vor dem (Eigentum und vor der Würde der Person mit Füßen zu treten.
3m Ruhrgebiet sind zum erstenrnal wieder gebildete Völker arischer Rasse zu den sch l i turnst e n Formen mittelalterlicher Plünderung zurück gekehrt. Kein Rechtskundiger lebt, der nicht mit Schauder auf das sieht, was dort vorgefallen. 3n der Klasse der 3uriften gibt es auch Leute, die gegen entsprechendes Entgelt alles zu rechtfertigen bereit sind. Aber gibt es unter ihnen auch nur einen, der so verächtlich wäre, daß er die französisch-belgischen Gerichte im Ruhrgebiet zu rechtfertigen wagte? 3ch habe die Berichte über einige französisch-belgische Militär- prozelse gelesen: auch in den schlimmsten Zeiten der Barbarei ist nie etwas derartig Schmachvolles geschehen!
Das tatsächliche Ziel der Besatzung ist, das Programm der französischen Eisenindustrie zu verwirklichen, d. h. durch Zerrüttung der deutschen Gesamtproduktion die politische und wirtschaftliche Einheit des Reiches in einer Folge von ökonomischen Krisen, revolutionären Bewegungen und Bürgerkriegen zu vernichten, also das endgültig ra erreichen, was i m Vertrag von Versailles nur zur einen Hälfte gelungen, zur andern aber in hinter hä Illichen Annexen vorbereitet war. 3n dieser Beziehung hat die Ruhrbesehung einen vollen Erfolg. Wir werden jedoch in kurzem erleben, ob dieser Erfolg, der alle Völker der Erde schädigte und das Wirtschaftsleben der Völker erschütterte, nicht auch, nachdem er die Besiegten
(Rachdruck
2llS im 3ahre 1918 die Rumänen die neuen Gebiete in Besitz nahmen, da wurde dieser Akt in mancher Beziehung alS eine Desreiu.rg aufgefaßt. Wie schön Hangen nicht auch die vielen Versprechungen und Verheißu.rgen vom Schuh der völkischen Minderheiten, von Gleichberechtigung in kultureller Hinsicht, von der U.i= berührt beit deS Unterrichts in den Schulen. Wie schon klang daS alles den Deutschen in die Ohren Allmählich aber zeigte der Rumäne sein wahre- Gesicht, seine Pläne und 2lbfichten, die er hegt, treten immer unverhüllter hervor Heute, nach sechsjähriger Herrschaft, wird dir jeder siebenbürgische Bauer, jeder Deutsche in „Groß-Rumänien" zurufen. „Traue keinem Rumänen." Haß gegen daS rumänische Wesen, das ist heute das allgemeine Gefühl. 3eben Tag, jede Stunde erhält eS neue Rahrung durch d e Bedrückungen und Schikanen der Behörden, durch die Lotterwirtschaft auf jedem Gebiet, in der Verwaltung, im Steuerwesen, wo jeder Beamte nur daS Ziel hat, sich die Taschen zu füllen. Und man muß stille fein dazu, sich alles gefallen lassen, denn das ganze Land wird von Spitzeln überwacht. Wehe dem, der sich gegen die Herrschaft der Korr^tion auflehnen wollte.
Sie wissen ein Lied davon zu fingen, die Siebenbürger Sachsen, von der rumänischen ,,Wirtschaft". Die Lage der übrigen Deutschen in Rumänien, der Ban nter Schwaben, der Deutschen in der Bukowina, Bessarabien und im Alt reich ist ähnlich, wenn nicht zum Teil noch schlechter. Hier aber soll vorwiegend von den Verhältnissen in Siebenbürgen die Rede sein. 3m Folgenden seien einige kleine Beispiele rumänischer Derwaltungs„kunst" angeführt:
Ein Bezirkspräfekt verfügt, daß jeher Ma- schtnenbesiher einen Kasten mit Verbandzeug an- schassen muß, und zwar darf er einen Kasten, welcher der Vorschrift entspricht, nicht etwa da taufen, wo er ihn am billigsten bekommt, nein, er muß einen ganz bestimmten Kasten bei einer ganz bestimmten Firma kaufen.
Gin anderes: Sämtliche Fuhrwerksbesiher müssen ihre Wagen mit Schildern versehen, die ihren Rumen und Wohnort tragen. Auch sie dürfen sich nicht etwa die Schilder selbst anfertigen, sondern müssen sie von einer bestimmten Firma kaufen.
Oder: 3n jedem Hause muß ein rumänischer Kalender sein, und zwar auch ein bestimmter Kalender. Was hilft es dem Bauern, wenn er ihn nicht kaufen will: der Landgendarm bringt chm den Fetzen ins Haus und er muß zahlen. Er braucht ja dann den Kalender nicht zu nehmen, aber jedenfalls zahlen muß er.
Das sind nur einige Fälle. Aehnliches kommt alle Tage vor und wiederholt sich in allen möglichen Variationen. Die Hauptsache ist, daß irgendein Beamter ein Geschäft dabei macht. Er vereinbart die Sache mit der bett. Firma und erläßt dann die entsprechende 23erfügimg.
Besonders schmerzlich für den sächsischen Bauer war die Enteignung eines Teiles seines Grundes: des Grundes, den vor Iahr- hunderten seine Ahnen der Ratur obgerungen und dem Ackerbau erschlossen hatten, den viele Geschlechter in zäher Arbeit der Kultur erhalten und verbessert hatten, den er selbst schon jahrzehntelang mit seinem Schweiße gedüngt hotte, an dem er hing mit allen Fasern seines Herzens. — Und jetzt kirnen die fremden Heroen, die „Kul- turbi/inger". Mit einem Federstrich nahmen sie ihm die besten Teile weg, oft bis auf 5 3och (20 Morgen) herunter. Zu welchem x3toede? Das sah man nur zu deutlich. Angeblich als Siedlungsland ; aber das Si:dlungsg/ctz ga t nur für die neue, oberten Gebiete, wo die Deutschen in der Hauptsache Grundeigentümer waren. 3m Altreiche, too eine gleichmäßige Bote.Verteilung viel notwendiger wäre, hätten sich die Bojaren, die rumänischen ®roßgvunöbefi:,er, schön beoankt für ein Sredlungsgef^). — Und wer erhielt das Land? Zum Teil die onfälfigen Rumänen, kleine Bauern mit primitiver Wir-tfchaftsw:i'e und Hirten, teils bi: Zigeu er. die vor jedem Dorfe in ihren niedrigen Lehmhütten hausen und sich Dom „süßen Richtstun" ernähren. 3ebe Zigeuner- famtlie erhält fünf 3och Land (15 Morg?n)! Ein Hohn <nr die Kultur, auf den Fleiß des deutschen Bauern, dem man den Grund wegnimmt. Niemals wird ihn der Zigeuner bebauen; wüst wird er wieder liegen wie vor vielen hundert Jahren, eh: der Deutsch: in das Land kam. Der Zigeuner macht sich luftig darüber. ^3ch habe“, lagt er, „zu Hause einen kleinen Düffel und eine kleine Büffelkuh (er meint feine Kinder). Die werde ich vor den Wagen und den Pflug spannen." Das ist der ..Kulturfvrtschritt" in .Groß-Rumänien". — Auch der Boden, der jetzt noch nicht enteignet ist, kann noch ente gnet werden, bis auf 5 3och herunter Es brauchen nur irgendwie Wünsche laut zu werden. Die Ent - chädigungen, die gezahll werden, sind lächerlich und nur ein ganz geringer Bruchteil öes tatsächlichen Wertes. Auch hier noch zum öd. oben der Hohn.
An die säch'ifche eva ng cl i sche Lan de S- kirche suchte man ebenfalls auf diese Weise heranzukommen. Sie beraß nämlich ausged:hrte Ländereien, vor allem Wald, die man zum aller»
verboten.)
größten Teile enteignete. Aus dem Ertrag dieses Grundbesitzes wurde die Verwaltung der Kirche bestritten, die Pfarrer besoldet, die deutschen Schulen unierßalten usw. Alle diese Ausgaben müssen jetzt durch Steuern der Kirchengew.einbe gedeckt werden, was natürlich schwieriger ist und oft Mißstimmung schafft. Das Ganze zeigt aber, daß die Rumänen die Bedeutung der Kirche sehr wohl erkannt haben. Sie ist die Organisation, in der alle Kräfte des Deutschtums zusammenfließen und trägt ein doppeltes Gesicht: Einerseits ist sie religiöse Gemeinschaft, ist Orga- ni'alion des evangelisch-deutschen Glaubenslebens. Als solche hat sie eine sehr große Bedeutung: denn es ist von nicht zu unterschätzendem Wert für die Erhaltung des Deutschtums, daß d.e Sachsen evangelisch wurden. Der völkische (Segen- sah zu den übrigen Dewe.h ern des Landes und zu den Beherrschern wurde durch den religiösen sehr verstärkt. Beide, und dann die Ki.ch: als Organisation der völkischen Kultgemeinschaft verhinderten eine Ent deutsche ng und ein Auf- gehen in den Fremdvölkischen. Volkstum und Glaube, diese beiden finb hier zu einer harmonischen Einheit glücklich zufammengeschtoeißt, sie tragen und erhalten sich gegenseitig. - Andererseits aber ist die Kirche, die Kirchengemeinde, auch bis zu einem gewissen Grade wirtschaftliche Organisation. Sie ist die einzige, die sich aus sämtlichen Deutsch-Stämmigen, und nur aus die'en, zusammensetzt. Wenn dahw von der Gesamtheit der Deutschen irgendetwas wirtschaftlicher Art unternommen werden soll, so geschieht das in der Regel im Rahmen der Kirche gemeinde; so z. B. eine Lichtanlage in einem Dorfe. Die politische Gemeinde ist aber auch schon mehr ober weniger von Rumänen durchsetzt.
Aus diesen Gründen hat der Pfarrer ein ganz anderes Aufgabenbereich als bei uns meistenteils. Cs ist sehr viel weiter. Er ist nicht nur Seelsorger, er muß vielmehr Führer sein auf allen Gebieten des Lebens, er muß ein rechter Volksmann fein. Sehr viel verlangt man von ihm. Zunächst hat er fein geistliches Amt zu versehen, daneben hält er ßefeabenbe und Vorträge allgemein-bildender Art. 3n Berufsfragen soll er beschlagen fein und darin feine Gemeinde beraten können, vor allem, was Intensivierung und neuzeitliche Einrichtung der Landwirtschaft anlangt. Oft gründet er landwirtschaftliche Genossenschaften, Konsum- und Absatzvereine, Spar- und Kreditvereine, und leitet sie in die richtigen Dahnen. Er muß also auf allen Gebieten zu Hause sein, will er seiner Gemeinde in der richtigen Weise vorstehen. Man legt deshalb weniger Wert auf das Studium an theologischen Fakultäten. Auch Lehrer können nach theologischer Vorbereitung zu Pfarrern gewählt werden und man sagt, daß gerade sie in der Volksarbeit am meisten leisten. Die ©efamtarbeit der Pfarr- Herren auf diesem Gebiete für die Erhaltung und Stärkung des Deutschtums ist gar nicht abzu- schähen.
Erwähnt mag noch ein gewisser Zwie spa 11 werden, der sich mancherorts zwischen Gemeinde und Geistlichkeit zeigt. Die Haupturfache ist folgende: Als die Rumänen 1918 das Land in Besitz nahmen, machte eine Gruppe der Deutschen Propaganda dafür, den Anschluß an Rumänien freiwillig zu erklären, da er ja doch nicht zu hindern sei. Man wollte im neuen Staate sich dadurch eine günstige Position schaffen, und tatsächlich machten die Rumänen auch eine Reihe von Versprechungen. Die Partei, die für die Anschluß- erflärung popagierte, setzte sich dann durch. — Allein, in den folgenden Jahren erlebte man bittere Enttäuschungen. Jetzt wirft man in kurzsichtiger Weise den Pfarrern vor, diese Zustände mitverschuldet und das Volk falsch geführt zu haben. Man übersieht dabei, daß die Entwicklung d o ch so gekommen wäre. Die Anschlußerklä- rung an und für sich war freilich eine Torheit, wie man ja jetzt allenthalben einsieht.
Eine gefährliche Falle wird man, meines Erachtens, den Deutschen stellen in der Frage der Besoldung der Pfarrer. Wie gesagt, hat man den Kirchenbesih, aus dem diese Ausgaben gedeckt wurden, bis auf weniges enteignet. Cs müssen jetzt höhere Kirchensteuern ausgeschrieben werden und höhere Steuern schaffen in der breiten Masse immer ilntoiflen, sie mögen fein, für welchen Zweck sie auch wollen. Jetzt fehlt es nicht an Stimmen, die den Deutschen einblasen möchten, man solle doch allen Grund der Kirche an den Staat abtreten, und dieser solle dann auch die Unterhaltung der Kirche und die Besoldung der Pfarrherren übernehmen. Es ist klar, daß die Kirche in diesem Falle dem Staate auf Gedeih und Verderb ausgeliefert wäre und den Gemeinden wohl auch bald ein sehr wichtiges Recht entzogen würde, die freie Pfar- rerwahl: denn wer einen Beamten bezahlt, wird früher oder später auch beanspruchen, ihn einzufetzen. Die Gefahren, die dabei dem Deutschtum drohen, liegen, bei der Bedeutung von Pfarrer und Kirche, auf der Hand.
Ein kurzer Blick wäre noch zu werfen auf das Gtcuertocfen. Auch das ist sehr willkürlich und einseitig. Zwei Beispiele:
Der Präfekt eines Bezirkes erläßt eine Verfügung, daß jeder Maschinenbesitzer für jede Maschine soundsoviel hundert Lai Steuern zu zah-
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