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171. Jahrgang

Samstag, 8. November ft)2t

General-Anzeiger für Oberhessen

£

Vrvck vnd Verlag: vrühl'lche UniversttSt5-vuch- und Steinönitferei R. Lange in Gießen. 5chriftleitung und Gelchäftrftelle: Zchul^traße 7.

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klamc-JI;'jcig<ii v 70mm Drelle 35 Goldpfennig, 'playoorschrijt 20* , Auf- schlag. - Derantwortliä, für Politik u. Feuilleton. Ör. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;sür den Anzr:genre>l:Hanö ^eck, sämtlich in Gletzen.

Wahllehren.

DaS Wahlergebnis tn den beiden angelsäch­sischen Reichen ist wohl geeignet, bei uni Deut­schen bl> den Reid aüszulösen 3n England wie in Amerika hat der gesunde politische Sinn der Massen dafür gefolgt, dad durch drn unzweideutiaen Willen deS Dolles eine Regft- umg, die sich auf eine starke Majorität stützt, daS Da der deS Staates ergreifen farm Ohne die bei unS üblichen wochenlangen Krisen, ohne die in Deutschland gut Regel gewordene Erörte­rung, welcher Partei d« Führung einer Koa- lilionSregierung beim um eine solche formte es sich bei der Parieiensersplitterung im deutschen Reichstag Entlang ja nur handeln zukornm.n, welche Parteien d^ Eintritts in die Koalition für würdig erachtet würden und schlietzlich ohne den Schacher am jedes einzelne Ministerporte­feuille, haben die englischen und de amerikani­schen Wahlen mit einen Schlage ein klares Bild geschaffen. Zweifellos hat das parlamentarische System sowohl in seiner englischen Heimat wie auch in Amerika in den Rachkricgsjahren eben­falls eine nicht ung'fährlich: Krisis Lucchzumoch-n gehabt. Das traditionelle Zweiparteiensystem lei­der Länder war durchbrochen. 3n Eng­land hatten die wirtschaftlichen ÄriogSfolgen, vornehm Ich dve von Lloyd George, Donar Lao und Daltw n mit untar.glichen Mitteln bekämpfte Arbeitslosigkeit die Arbeiterpartei zur zweilstärkuen Fraktion deS Parlaments gemacht. Der Kamps zwi chen Konservativen und Libera­len erlaubte Macdonald die Regierung zu über­nehmen. QIb:r sein Minderheitskabirett wc>- ein Experiment das zu'ammenbreche.a muhte, sobald eine der beiden alten Parteien den ernsten Willen hatte, es zu stürzen. Beide batten dazu solange keine Deranl-a sung. als Macdonalds Auhenpol.- tik sich von den gleichen national englischen 3n- terefien leiten lieft, tote die seiner Dorgänger, und als seine 3nnenpolitik sich von der Lloyd Georges nur gradw.ile unterschied. Erst als der Druck des linken Flügels seiner Partei ihm eine Politik auszwang, die innerpolitisch als Kon­zession an den Kommunismus und auhenpolitisch als Verbrüderung mit dem bolschewisti chrn Ruh­land empfunden wurde, war die Schonzeit für Dkacdonald abgelaufen. Die Wahlen brachten den Konservativ-m mit einer Zweidrittelmehrheit d.e unbeschränkte Herrschaft im Parlament Mac- dvnald trat zurück und Da ldwin konnte dem König bereits seine Ministerliste zur Genehmigung vorlegen. England hat als Ergebnis einer Woche für die Dauer von 5 3ahren eine stetige Re­gierung.

3n Amerika brachte der Wahltag der herrschenden republikanischen Partei einen gewal­tigen Sieg. Der Präsident C o o l i d g e ist auf zwei weitere Jahre neu bestätigt, die Fortführung seiner gemäßigten, allen Experimenten abholden Politik gewährleistet. Auch in Amerika hat bei diesen Wahlen neben den beiden alten Parteien der Republikaner und der Demokraten zum ersten- mal eine b r i 11 c in den Wahlkampf eingegriffen, die Progrefsisten Senator Lafollettes. Aber sie haben doch nur einen, angesichts der grohen Reklame und den, namentlich in Deutschland, da­raus abgeleiteten grohen Erwartungen, recht be­weiben ' zu nennenden Achtungserfolg erzielen können. Als der Derlauf des Wahlkampfes, und namentlich der Sieg der britischen Konservativen eine Riederlage Lafollettes immer wahrschein­licher machten, kehrte ein groher Teil der Ge- werkschas cn und der Deutschamerikaner, die La­follette Unterstützung zugesagt hatten, noch zugu­terletzt ihm den Rücken, um ihre Stimmen für Eoolidge und gegen den unpopulären Demokraten Davis in die Wagschale zu werfen. Also auch hier eine Absage an das Dreiparteiensystem wie in England: auch hier vermochte der nüchterne Tat- sachensinn der Wähler die Krisis des Parlamen­tarismus zu überwinden unter Rückkehr zu den beiden alten Parteien.

Deide Wahlen, in England wie in Amerika, haben eine ungeheure Stärkung der beiden konservativen Parteien gebracht, die Parteien, die eine staatserhaltende ausgeprägt machtpolitische und wirtschaftsfreundl.che Entwick­lung gewährleisten. Schroffe Abl.hnung jedweder sozialpolitischen Experimente und die Forderung nach betont nationaler Auftenpolitik ist der unzwei­deutige Wille der englischen wie der amerikanischen Wähler. Dieser letzteren Tatsache gegenüber er­scheint die Fortsetzung der Diskussion müft g ob für Deutschland nicht ein Kabinett Macdv tald, trotz aller erfahrenen Enttäuschungen. und eine Präsi­dentschaft Lafollettes vorteilhafter gerne en wäre. Wir werden eben in Zukunft weiter mit Coolidges vorsichtig abwartender Politik und erneut mit Baldwins papie enen Protesten zu rechnen haben. Die reinliche Scheidung zwischen gertum und Svziallsmus ist in England offensichtlich. Der konkervativ-liberale Wahlpakt, in der Hauptsache wohl das Werk Churchills, die gemeinsame Wahl­parole gegen den Sozialismus hat erst diesen Un­geheuern konservativen Wahlsieg ermöglicht. Lind auch in Amerika war es die Verdächtigung der republikanischen wie demokratischen Gegner, ßa- sollet les progresiistifchrs Programm sei nichts als verkappter Sozialismus, die dem Senator viele Stimmen, besonders deutschamerikanischer Wtrt- schaftskreise entführte.

Ein anderes HBen die beiden Wahlen noch außerordentlich verdeutlicht: Die Krisis des Liberalismus, der formalen Demokratie, eine Ctscheinung, die ja auch in Deutschland seit den Wahlen zum ersten Reichstag rapide Fort­schritte macht. Die britischen Liberalen, innerlich gespalten unter der Führung Asquiths und Lloyd Georges, für den nicht zuletzt von ihnen herauf- beschworenen Wahlkampf völlig ungenügend vor­bereitet, sind nur mit knapper Rot der Gefahr

Kabinettskrisis in Oesterreich.

Der Eisenbahnerstreik. Rücktritt der Regierung Seipel.

Wien, 8 Rov (211) 3n Oesterreich besteht eit längere^ Zeit ein Lohnkonslikt der Repe u.ig mit den Angestellten und A:b:itern der Bundes­bahnen, her sich in den le.ft.n Tagen aufs äufrerftc zuspihte Die von der Bundesb ihndirekt-on ge­machten Vorschläge wurden von den Angestellten- Vertretern abgelehnt Sie erklären, haft die Streikparole nicht mehr zurückgenommen werden könne Der Präsident der Bundesbah­nen Dr. Günther unterrichtete daraus den Bundeskanzler über de durch die Ablehnung der bis an die äufterftc Grenze gehende i Z.igestä.rd- nrsse geschaffene Lage und kündigte für den Fall des Streikausbruchs feine Absicht an, von der Leitung der Dundesbah ien zurückzutreten, da er bann die erfolgreich eingeleitete Sanie­rung der Bundesbahnen für bedroht anleben müsse. Der Bundeskanzler billigte den Standpunkt des Piäschenten und ersuchte ihn, ich bet fernen Entscheidungen ausschliehlich von der Erwägung einer

Führung der Bundesbahnen nach wirtschaftlichen Grundsätzen

leiten zu lassen Zugleich er Härte er, daft die Regierung, wenn ihr bei einem so wich­tigen Teil des Sanierungswerks, wie es die Reform der Bundesbahnen sei, unüberwindliche Schwierigkeiten gemacht würden, nicht län­ger im Am t bleiben würde. Der Minister­rat beschloft gestern nachmittag im Sinne der Dorschläge des Bundeskanzlers. Die­ser teilte die Entschlüsse des Präsidenten Günther und der Regierung unverzüglich den parlamen­tarischen Führern mit und berief die Dertreter der Eisenbahnerorganisationen, um sie eindring­lichst davor zu warnen, noch in letzter Stunde das von der Regierung und dem Parlament unter so grohen Opfern nahe an die Dollendung geführte Sanierungswerk zu gefährden. 3n später Abendstunde wurden die Verhandlungen mit den Eisenbahnern abgebrochen, die sofort den

Streik proklamierten. Der Generaldirek­tor der Bundesbahnen, Dr Günther, hat seinen Rücktritt eingereicht. Auch die Re­gierung hat ihren Rücktrittsbeschluft in die Tat umgesetzt.

Der Streik.

W i e n, 8. Rov. (T. 11.) Der Streik der Eisen- babner ist um Mitternacht ausgebrochen. Die um diele Zeit noch auf den Strecken besmdlichen Züge werden an ihre Bestimmungsorte burebgefüftrt Don 12 Uhr ab werden keinerlei Passa­giere mehr z.u den Zügen zugelassen Lelensmittelzüge werden vorläufig ohne Ein- fchrär.kung verkehren Auch die Kohlenversorgung gilt zunächst als gesichert. Man glaubt, daft nun der Versuch gemacht werden soll, ein Beamten» Kabinett durch den Rationaltzat wählen zu lassen, jedoch hätte ein Deamlenkabinett wahr­scheinlich keine Aussicht, die Schwierigkeiten beseitigen zu können Dielfach wird für den Bundeskanzler der jetzige Polizeipräsident von Wien, Schober, als kommender Mann genannt.

Der Präsident der österreichischen Bun­desbahnen etfläde in einer Unterredung u. a.: Ich habe mir bei den Derhandlungen ein Ziel gesetzt, über das nicht hinausgegangen werden konnte. Die Differenz, die letzten Stadium der Derhandlungen noch vorhanden war, betrug nicht einmal 10 Milliarden, also eine keineswegs bedeutende Summe Allein ein Rachgeben in solchen Fragen wirkt präjudizierend. Ich möchte die Ansicht bekämpfen, daft ich unter dem Druck der Regierung gestanden hätte. Die Regie­rung hat sich zwar von vornherein mit mir solidarisch erklärt, ich habe aber meine Entschlicftungen in voller Freiheit und unter der eigenen Deran twortu ng ge­troffen. An ein rasches Ende des Streikes glaube ich nicht.

entgangen zwischen den beiden Flügelparteien I der Konservativen und der ßabour Party zer- I rieben zu werden. Als ein Häuslein von vierzig | Mann kehren die Liberalen ins Unterhaus zu­rück, too sie nicht einmal mehr dazu berufen sind, zwischen den beiden groften Parteien das Zünglein an der Wage zu spielen. Die Demo­kraten Amerikas stehen feit dem Rücktritt WilsonS von der politischen Bühne wie die bri­tischen Liberalen und die deutschen Demokraten unter der lähmenden Wirkung einer permanenten Führerkrisis, die es der dritten Partei erst mög­lich machte, bei den Wählermassen ein Echo zu finden.

In Deutschland müssen die Dezember­wahlen die Klärung bringen, die soeben in Eng­land und Amerika durchgeseyt ist. Auch wir müssen die Parteienzersplitterung überwinden, wenn der Staat nicht an einem miftverstandenen parlamentarischen System zerbrechen soll. Eine starke Koalition bürgerlicher Parteien gleicher Grundauffassung muft neben die aus dem Wahl­kampf zweifellos gestärkt hervorgehende Sozial­demokratie treten. Rur dann erscheint die Bildung einer Regierung mit sicherer parlamentarischer Mehrheit und durch sie die stetige Fortführung einer nationalen Politik auf lange Sicht ge­währleistet.

Baldwins Amtsantritt.

London, 8. Rov. (T. U.) Macdvnald und seine Ministerkollegen begaben srch gestern früh in den Dirminghampalast, um ihre Amtssieael zu übergeben und sich vom König zu verabschieden. Wenig später tourbe der neue Premier Stanley Baldwin und die übrigen Kablnettsmitgliicher vom König empfangen, sie wurden in Eid genommen, es erfolgte txmn die Uebergabe der Amtssiegel, worauf sich die neuen Minister in die einzelnen Aemter begaben.

Die englische Presse fährt in ihrer Kritik der Zu'ammenf ehu- g des Stobi et'.s Ball w n weiter fort DieTimes" findet, daft das n ue Kabinett interessanter in lenen Einzelheiten als in feiner Gesa.ntheit ist Baldwin habe er­heblichen Mut bei der Zu'amme si tzunq se" es Kabinetts bewiesen. Er habe ei e grafte Zahl von führenden Staatsmännern derlett, die el nicht übersehen to t?en, daft sich Churchill erst als K nservat d r hätte Berd e iste e-werben müssen, bevor er ein Amt als Minister zuge­wiesen erhalte Die Westminster ©.rette" sch eibt, Baldwins Kabiirett ist stark in den eir^lnen Per­sönlichkeiten. aber es ist noch nicht sichw, wie sie zusammen arbeiten werden. Das re e Kabinett ist unendlich viel befer al3 Baldwins erstes Kabinett. Es ist wohl in der Lage, den Stürmen lange genug zu widerstehen, um ihm die Atempause zu g den, die es braucht und der liberalen Partei Zeit zu lassen, sich wieder zu reorganisieren. »Daily Ma l' h'l. die E - nenrrung Churchills für den Beweis de^ D st e bens Baldwins, die WiU> rversinnZU g der Kon­servativen Partei zu vollenden.

Trotz der absoluten Mehrheit, auf die sich Dnldwin zu stützen vermag z ng er doch eure seh wese Mäfttgmg tn der Aönuhrng be3 Sieges Die (Mitarbeiter, de er sich he. angerufen hat stehen mehr oder m nder alle auf eine? mittleren Linie und le ner von ihnen kann, I auch innerpolitisch nicht, als Scharf mack, er be­zeichnet werden. Sehr schwierig wir die Be etzung | deSAuftenmintsteriurnS. Der eigentlich be­

rufene Verwalter wäre ohne Zweifel Lord Curzon getodm, der bereits im ersten Ka­binett Boldwin die auswärtigen Geschist^ führte unJ heilen Verdienste unbestritten sind. Aber der rechte Flügel der Konservut.ven, die D i e h a r d s, liehen, getrieben von ihren französischen F eun- den, fein Mittel unversucht, um die Berufung Curzons zum Auftemn nister zu verhindern Die französische Presse lieft sich zu Einwirkungs- Versuchen auf die Entschlüsse Baldwins bin- reiften, wie sie sie sonst nur Deutschland g?gea- über auszuüben wagt Curzon musst: sich tenn auch bescheiden und mit de n Post m des Lord- Pcäs.denten d s Geh irnen R sts vorsieb ne'mie.i, der in keiner Weise feiner politischer Arbeitskraft und seiner politischen Bedeutung angemessen ist.

Die Rücksicht, die Baldwin damit auf den Diehard- Flügel seiner Partei nahm, ging aber ldenn doch nicht so weit, daft er an Stelle Curzons Lord Derby erwählt hätte, der ihm von den Fvanzosenfteunden präsentiert wurde. Er berief zum Auftcnminister Austen Chamber­lain, den Sohn des groften englischen Kolonial­ministers, der unzweiselhast auch eine beachtliche pol.tische Kraft ist und aller Voraussicht nach die engl.sche Auftenpolitik auf der Linie fortführen wird, wie sie Curzon vorgezeichnet hat.

Eine besondere Erregung im konservativen Lager ist aber dadurch entstanden, daft Baldwin sich als Schatzkanzler Winston Churchill be­rief, dessen Wahl geradezu eine Über­raschung bedeutet, da er freihändle­rischer Gesinnungsart reichlich verdächtig ist, und somit also der Wirtschaftspolitik des ersten Kabinettes Baldwin fernsteht, das bekannllich bei seinem Abgang die Hochschutzzoll-Pa- rote in den Wahlkampf schleuderte. Für die kommenden deutsch-englischen Handelsvertrags- Det Handlungen ist dieser Umstand gewift nicht ohne Bedeutung, wenn es auch verfehlt wäre, allzu grofte Erwartungen auf ihn zu setzen.

Englischer Botschafterwechsel in Berlin?

London, 8. Rov. (TU) Die Abreife des englischen Botschafters in Berlin, Lord d A her- novn, ist abermals verschoben worden. Während einige Blätter seine Stellung stützen, nennen andere bereits als fetten Rrchfotger Sir Will iE Tyrell, den gegenwärtigen Abtei­lungschef im Auswärtigen Amt.

Das eisatz-lolhringlfche Problem.

Paris, 8. Rov. (TU.) Unter dem Vorsitz Herriots -beschäftigte sich eine Konferenz mit der elfaft-lothrii'.gischen Frage. Zugegen waren eine Reihe etfah-lo.hringifcher Parlamentarier, die den Links-Republilancrn. den republikanischen Demokraten, sowie den Sozialisten angehören, darunter Tauflieb. Lllwrffer, Georg Weil und andere Der Ministerpräsident teilte feine Ab­sicht mit, demnächst einen Gesetzentwurf über öie Aufhebung des G e n e r al ° Kommis­sariats von Elsaft-Lotyringen ab 1 Januar 1925 einzubringen. Die Konferenz psiichtete dieser bei. Einige strittige Punkt? wer­den jedoch noch Gegenstand weiterer Besprechun­gen am Quai d'Orsay bilden. Man erwägt die Möglichkeit, den General-Kommisiar durch einen Beamten zu ersetzen, dessen Vollmachten ge­nauer festgesetzt fein werden.

Des deutschen Volkes deutscher Maler.

Don Dr. Konrad Giert.

Karlsruhe. 8. Rov (TU.) Der Alt­meister bet deutschen Malerei. Prof. Sj a n .> Thoma, bet gerade vor einem Monat fein 85. Lebensjahr Vollenbete, ist gestern morgen gestorben.

Wer du ihm bist? Sein deutscher Maler, Die Liebe hat sich dir gefeilt, Und dankbar beugen wir die Knie Dor dir, du ftiller, treuer He.d '

Ein deutscher Dichter. Detlev von Lilien» cron, nun auch schon manches Jahr bei den Un­sterblichen, hat einst Hans Thoma öiefe -Sorte Augcrufen lieber fünfundzwanzig 3aftr>* sind feit - bem vergangen, dem sechz gsten DebuU-^.age des Meisters ift der fiebenzigste, d r asi-t aste, ist vor wenigen Wochen der fünfundacf-tzigste gc c. it. In nimmermüder Arbeit fcfra'ric der Greis, mancher weise Spruch ncrlieft feine Wertstatt samt manchem meisterlichen W rt, und wir hatten uns so an diesen Besitz gewohnt, daft wir den Künstler auch als Mensche für unsterblich hielten. Cs war ja etwas von QU-ft thos um ihn, dessen Jugend in der groften Zeit Der groben französischen Meister lag, dessen F.ühwerke deut­lich zeigen, in wie bewusster Qlrbeit sich Thoma fein Handwerckszeug gesammelt hat Deine 3u- gendbilder hängen neben denen, die vor d.nn Be­ginn des Impresironisrnus baticren ein Dsiick Geschichte der deutschen Malerei des neunzehnten Jahrhunderts.

Aber das war der Anfang Sicherer und eigener wird die Technik, klarer und deutlicher der persönliche Zug des Künstlers, bis schliefst ich uns der Mann erwachsen war, den wir so lieben, der vielleicht noch mehr Besitz des deutschen Dolkes geworden ist, als sein grofter Dorgänger Ludwig Richter: und der menschlich tiefer und künstlerisch wertvoller ist.

Das Geschick hat ihm zum Beginn seines Erdenwallens ein Geschenk gemacht es lieft ihn im Schwarz wa 1 d zur Welt kommen, desien frische und starke Lust, beffen Hoch Senen mit ihven fanftgsichwunzenen Lini n fv g nz .Heimat" sind, und dessen helles Laubgrün seit a.:> mit der schweren Dunkelheit der Dannen tontraftiert.

So hat er das Wesen deutschen Landes und deutschen Volkes als Kind in sich aufgenommen; so ist ihm aus dieser Landschaft dw Heimat erwachsen, die nicht an den Ort gebunden ist; so hat er die Ruhe und fülle K^ast gefunden, die der GrundAug feines Wesens sind und die allen lange verschüttete Kindheit und längst ver­lorenen Heimatglauben wieder erstehen lassen.

Hier lag seine Kraft und feine Schwäche Wenn jemand dem Riesen gleicht, der seine Kraft immer wieder gewann, sobald er mit seinem Sufte die Erde berührte, so ist es Hans Thoma. Die Erde ist fein ewiges Thema. Rcttur. Land­schaft . . . wieder und wieder malte er sie, und ganz gleich, wo er sie fand und wann er sie malte, sie bekam überall etwas von dem mit, was wir Erde nennen. Mutier Erde. Das ist schon in seinen frühesten Bildern zu spüren. Ec de ist das Thema seiner Bilder, die den Menschen in die Landschaft hineiubeziehen Eine Schwar;wald-Lanöschaft. früh "ngä-;uft taucht vor uns auf . . . wie oft hat Thoma sie gemalt mit dem saftig-zarten Grün der Wiesen, dem kaum blätter überhauchten Geäst der D iume . und irgendwo verloren wandern ein paar Menschen, fVielen Kinder frohen Ringelreihen, Kinder der Heimat alle, alle der Erde entsprossen und im ornex-ften eins mit dieser deutsch m Erde Der Cinunddreiftigjährige malt ein Bild, das im Stoff, in der Kompofition oft vor ihm. oft nach ihm dagewesen ist, ein einfaches Bauernmädchen, das Hühner füttert Aber wie das Mad-chen den Kopf zu dem Federvieh hinabneigt, voll Liebe und Müttexlichkeit ... das fnrnte nur et; drs ist wieder dies feste Derbund.nfein mit allem Leben­den. das Band, das Mensch und Tier und Land­schaft zufammenlnüpft zu einer groben Gemein­samkeit Und noch ein anderes Bild, noch zwei Jahre vor diesem entstanden, noch bekannter, weil eS der Ansangsgeschichte der modernen Malerei angehört, erscheint vor uns.Sie Räherin". diese Frau, die mit einer Handarbeit am offenen Fenster sitzt Sülle der Arbeit ist um sie. ein ftischer Wiesens!rauft vor ihr bringt das Drauften hinein, das vor dem Fenster ist. Sommer und Sonne Hingen hinein: ein Bild deutschen Heims in seinem schönsten Sinne.

Es ist eine Selbstverständlich? sit, daft dieser Künstler jeder Sensation aus bem Wege ging. Oder richtiger, er brauchte ihr gar nich aus dem Wege zu gehen. Denn seinem We ei ca e f emd, Don sich reden zu machen; seinem Künälertum war es fremd, sich in Crpecimmten zu. d er fieren Et­was von der Weisheit Lionardvs steckte i.i ihm, unbekümmert um Zeitströmungen ging er sei e-i Weg, seine Kunst ist zrellos. Manchüner un e er modernen Maler hat zu Lebzeiten höhere Preise für seine Bilder erzielt, ist für die Sotto dlungi einer Epoche vielleicht bedeutender gevefen irnb nimmt in mancher Geschichte der Malere- des 19. Jahrhunderts einen gröft c n Pst ein. Aber hier ist die Scheidung am klarsten zwi ' ?n dem Ratur-Maler und d<m ! c r. Denn wenn vielleicht der Rum: tc and e wieder genannt werden und noch ni-) '-1 3^h* ren in den Werken über M .'.ei - : finden irrn mag... Thomas' Bilder toü:ce.v toenn ü irg- wo namenlos eines T" 1

von neuem ihren Platz erobern: im He r en der Menschen. Es sind ja nicht dir 21 :g?n oder die Hand, die auf ihm den Pinsel 'ü^.:n fondrrrr daS Gef ühst Ec sagte selbste.nmal: »Schsieft.ich