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Nr. 2(1 Zweites vlatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhefsen)Montag, 8. September 1§2§

Sie v-ri-uft, nicht em Solen 1" -nd entschwindet.

wahr?"

W i r; l ch a f t ist planmäßig geregelte Tätig­keit zur Befriedigung der materiellen Bedürfnisse. Kultur ist Entfaltung der inneren Kräfte des Geistes. Die Wirtschaft hat es der Außen­seite des Menschen zu tun; die Kultur mit der Innenseite des Daseins aber wie beim Menschen beides nicht getrennt besteht, sondern in­einander und miteinander verwoben ist, so stehen auch Wirtschaft und Kultur notwendig in Be­ziehung und gegenseitiger Wechselwirkung. Wirtschaft ist nicht Endzweck, sondern immer nur M i t l e l z u rn Z w e ck; sie ist der Unterbau, auf dem die Kultur aufgerichtet sein muß. Der Mensch soll wirtschaften, um seine Bedürfnisse zu befrie­digen. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, sagt ein weises Apostelwort; aber er muß auch feine geistigen Kräfte entfalten können, sei es in der Arbeit, daß er ihre Methoden durch Technik und Erfindung vervollkommne und so in kürzerer Zeit bewältige, was vhnÄKm seine Arbeitskraft länger erfordern würde, sei es, um nach der Arbeit auch noch Zeit zu finden, um teilzunehmen an den Gü­tern Der Kultur im Genuß und Erleben, in Freude

und Buhe. Der Mensch ist gleichsam in drei große 'Hinge einbezogen, in drei Gemeinschaften, in denen Wirtschaft und Kultur ihre Lagerung finden, wo­rin sie gleichzeitig m das rechte Verhältnis ge­rückt werden wollen, um zum Segen zu fein; es sind dies: die Blutsgemeinschast der Familie, die

fünf zähl'n1

Gutmütig wendet sie den Kopf:DtS nun? dos kann i nur mit dem Dividier'n. da Hal S

Wirtschaft und Kultur

Don Dr. Johannes Dierkes- Berlin.

9Teurer, mein' ich, teurer!

".Hörn'n S' mir auf,, Die Leut m d Taschen H^jSber, beste \5rau, jnan steigt ja Ihnen in Die Tasche, wenn Sie

Verkaufen Sie d' Kirschen oder verkauf s t?

"Aber so lassen Sie sich doch erklären

Kaufen S' was oder kaufen S' nix?" fuhr ihn die Zenz rn.

Er mußte lächeln: ,Zch wette meinen Kops.

Bei Die halben Pfund muß ich fünfundzwan­zig Mark drauf sch lag'n, aber weil du's bist, wieg ich ein bisserl gut, schau her."

Kirschen essend trollte sich der Tom und er­rechnete sich ein gut Gewissen:Ich habe falsch halbiert, sie hat mich um mein Zuckerstcmgerl 'bracht, also sind wir quitt.

Inzwischen malte die Glasscherbenzenzi auf die Karrentafel: '

Härzkirfchen schene

1 Pfund 1550 Wk.»

1/2 Pfund 750 Mk.

Leute kamen, Leute gingen, Leute blieben stehen, Leute bewegten rechnend die Lippen, Leute schmunzelten, Leute zogen ihre Börse:Ein hal­bes Pfund, bitte."Mir auch em halbes Pfund."Und mir. bitte.Mir auch, nur

Kleiner wurde der Herzkirschenberg und klei­ner. Leute, die sonst niemals Kirschen kauften, beim Lesen der Preistafel kamen sie ins Schwanken und verlangten doch ein halbes Pfund. Leute, Die es in Geschäften eilig hatten, waren pwhltch nicht mehr eilig. So eilig hatte es ferner Daß er im Borübergehen nicht von einem Rechenfehler feines Nächsten profitieren möchte. Sellftt wenn er Durch­fall hat. Wo Vorteil winkt, fallt ferner durch.' Im Gegenteil, man sucht den Vorteil zu ver- großern.

Mir, bitte, zwei halbe Pfund.

2llso, a ganz's Pfund?

Nein, zwei halbe, jedes extra, bitte.

Aber Dann muß ich für ein red s Den Halden Pftmdpreis

Selbstverständlich.

Die Zenz schüttelt Den Kopf. Die Zenz wog. Der Käufer log:

Wissen S', meine beiden Kinder streiten sonst. ,

Der nächste Käufer hatte gleich drei streit­lustige Kinder, Denen er drei einzelne halbe Pfund kaufen mußte.

Dann kam einer, Der taufte zehn halbe Psimd. Don allen Seiten eilten sie herbei, em Gentz, Ge­raus gab's um die halben Pfunde. ilnö zwischen Wiegen Füllen, Geldeinnehmen wackelte der Kops der alten Zenzi mehr und mehr txrrtmm^rt:I weiß net, was die Leut' heut' hab n, daß f auf 'die halben Pfund' so narrisch find'-'' .

,T)as will ich Ihnen sagen," polterte etn Ehr­licher, ,toenn Sie die halben Pfunde um

Tut mir leid, 's Papier kost t extra, beim Kleinauswiegen geht was verlor n, von Der Ar­beit will ich gar net reden .

Aber liebe Frau, ich meme ja.

Liebe Frau hin und her, ich kann s net bil­

der Grundsatz: Macht schasst Recht, wer die Macht hat, Hal alles und kann schalten und walken, tote er will. Das ist Die Denkweise der Qiur-Dclono- rnischcn, sie ist in ihr gleichsam dynamisch an­gelegt , sie muß und wird danach handeln, wenn ihr keine Schlanken gefeßl werden. Hier ist daS Betätigungsfeld des Staates; er ist politische Per- söntichkeit des Ganzen; er muß denken und füh­len für die Geswntheit, deren Leden sein eigenes ist. Er muß durch seine Rechtsetzung das Gleich­gewicht der wirtschaftlichen Kräfte Herstellen und durch feine Machtmittel energisch eingreisen, wo es von Der einen oder anderen Seite ei-schüttert wird Der Solda: muß stark fein und sich erhalten Läßt er sich schwächen, so ge­deihen auf sein: Kosten die wirtschaftlich Starken: ein paar Dutzend ober einige Hundert ober auch gar Tausend von Individuen gedeihen, saugen Den (Staat aus und das breite Volk muß schwer unter diesem Dlutentleerungsvorgang des Staates lei­den; körperlich und seelisch kann es zu einem wei­ten Trümmerfeld werden; wer denkt nicht unwilll .lich an Die Zeiten der Papiergeld übers chwem- mung, in deren Wellen Tausende umkamen, und die Millionen ihre ganze bewegliche Habe weg- spülte.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaft. Gibt es überhaupt eine Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaft ? Stehen sich hier nicht K a p i t a l u n d Arbeit als ewig gegensätzliche Kräfte und Stände gegenüber? Das mag fein aber wenn es der Fall ist, liegt das gewiß nicht an der Ordnung und dem Bestehen von Kapital und Arbeit, son­dern an den Menschen, die hinter beiden stehen.

Die deutsche Handelsvertragspolitik.

Von Präsident a. D.

Geheimrat Dr. Guggenheimer.

Am 10. Januar 1925 soll nach den Dev- faillcr Bestimmungen Deutschland zugleich mit dem Kölner Besahungsgebiet auch feine handels­politische Freiheit wiedererlangen. So dringend notwendig es ist rechtzeitig vor diesem Datum unser zollpolitisches Rüstzeug in Ordnung zu bringen so wenig zweckmäßig erscheint es nur, vor dem 10. Januar Handelstarifvertrage zum Abschluß zu bringen, wenn nicht besonders drin­gende Umstände dafür sprechen. Noch sind die Zünftigen Richtlinien unserer Handelspolitik nicht festgelegt. Tie Hochschuhzollbestrebun­gen und Freihandelsideen stehen heute noch in einem unvermittelten Gegensatz, und es Uxrf> unbedingt nötig sein, daß, wenn auch nicht etwa die Entscheidung für das eine oder andere System restlos fallen wird, doch der allgemeine Grundsatz von dem ausgegangen werden soll, eine Feststellung erfährt. Im übrigen sollte auch möglichste Freiheil der Entschließung für Diejeni­gen Handelsverträge bestehen, die nach dem 10. Januar 1925 abgeschlossen werden. Auch der teil den Londoner Verhandlungen immer wieder betonte Gesichtspunkt, daß Dertragsver- tzandlungen nicht unter Desahungs- druck stallsinden dürften, ist wefter fest im Auge gu hallen Die Handelsverträge, die unter solcher Leetnftussung laufen, könnten niemals diejemgen -Vorteile bieten, die bei voller freier Entschlie­ßung zu erreichen wären.

Was die ersten Grundfragen Der handels­politischen Einstellung anbetrifft, so halle ich das System de r allgemeinen M ei st 0 e g u n - ft i g u n g für geboten. Die Nachteile einer be­schrankten Meistbegünstigung liegen Darm, als eine Umgehung derselben immer wieder zu be­fürchten ist und eine wahre Kunst dazu gehört, bie richtige Zollbehandlung eintreten zu lassen. Nur die Vereinfachung des Zolltarifs und diese wird wiederum nur durch allgemeine Regeln und nicht durch Filigvanarbrit geschossen küßt rasche und sichere Bestimmung der Preise für Export- und Importware zustande kommen. Es mag fein Daß die allgemeine Meistbegünstigung nicht in jedem Fall für Deutschland die gleichen Früchte trägt weil diese weitgehende Begünsti­gung unter Umständen nicht mit Äquivalenten des begünstigten Landes ausgehoben werden kann. Nachteile aber werden daraus, daß im all­gemeinen Meistbegünstigung gewährt wird, Deutschland auch nicht entstehen können, wenn es alle diejenigen Vorteile vorn Dertragsgegner cin- Jjeimfl, Die derselbe zu gewähren vermag.

Es dars in diesem Zusammenhang nicht un­erwähnt bleiben, daß besondere handelspolitische Begünstigungen, die Deutschland evtl, im Saar« gebiet gewährt, keineswegs maßgebend für Die Meistbegünstigung anderer Länder sein wur­den Da das Saargebiet deutsches Land ist, und die Regelung Der Handelsbeziehungen zwi­schen ihm und Dem übrigen Deutschland ferne Konfeguenzen für die Handelsverträge mit nicht- deutschen Ländern gestattet. Handelsvertrags- verchandlungen sind in erster Linie anzustreben mit denjenigen Ländern, nach denen unsere Aus­fuhr besonders stark ist. Doch ist auch die handels­politische Stellung des etwaigen Kontrakten und seine Geneigtheit zum Abschluß eines Han­delsvertrages zu berücksichtigen.

Vor Eintritt in Die Verhandlungen muß natürlich Der autonome Zolltarif so ge­staltet sein daß eine möglichst große Anzahl von Einfuhrstaaten Interesse an dessen Ermäßi­gung in möglichst vielen Positionen nimmt. Es versteht sich von selbst. Daß eine Steigerung Der autonomen Zölle ins ftngemessene auch meßt zweckmäßig ist, weil dies nur das fahren auf der Gegenseite zur Folge hätte. Wohl unbedingt nötig ist aber die Schaffung Deä auto­nomen Zolltarifs, an die wenigstens m den all­gemeinen Grundsätzen unver weilt herangetreten werden müßte. Klarheit müßte auch vor Eintritt in die Dertragsverhaiidlungen bestehen, inwie­weit Die einzelnen Sähe des autonomen Zoll­tarifs in Den Vertragsverhandlungen herabgesetzt werden Dürfen, ohne Daß hierdurch der Schutz der deutschen Arbeit vernachlässigt wurde. Es müßte sozusagen ein interner Minimal- tarif bestehen, unter Den herabzugehen auch in Verhandlungen nicht zulässig wäre.

Sic Zolltarifrevifion ist außerordentlich drin­gend. Jedes Säumnis auf Dem Gebiet wird die unbedingt nötigen Vertragsverhandlungen hin­ausziehen und starke Nachteile für Die Ausfuhr bringen Die Regierung muß sich unbedingt Dafür ftarf machen, Die bestehenden Gegensätze bezüglich des Tarifs auszugleichen und die Unterlagen so rechtzeitig zu beschaffen, daß Die Dertragsgegner fic auch kennen lernen können.

Halbe und ganze Pfunde.

Don Fritz Müller- Partenkirchen.

Richtig rechnen ist eine Kunst, eine kaltnasige. Falsch rechnen ist ein Fehler, ein vergnügter.

Mit Dem Rechnen hatte es Die Glasscherben - zenzi nie gehabt. Zusammenzählen, wenn sie auf großes ®elD herausgab, Das ging noch Wer schoß Das Abziehen trieb Den Schweiß auf ihre gute alte Stirne Beim Dividieren streckte fie Die Waffen. ,

Mit Dem DiviDieren wartete sie an ißrem al­ten Obstkarren, Die KreiDe in Der HanD, bis Die Schule Drüben aus war. Dann griff sie sich Den mit Dem hellsten Gesicht aus Dem Sungenßaufen: Büaberl, magst Dir was verDicnen? .

Dös glaubst, bekannte der Schremertom und schielte nach Den Kirschen.

Eine Handvoll?

Der Schreinertvni schaute seine kleine HanD an, schaute auf Die großen Zenzlpratz'n:Die Da ober Die Da? , , ,

Bist ein Schlauer. Also, Paß auf:Funs- zehnHunDertfünfzig Mark kostet Das PfunD, was kost's halbe?

SiebenhunDertfünfunDsiebzig hat Der Schreinertoni sagen wollen. Aber Da waren nur Siebenhundertfünfzig in Der Hosentasche vom gestrigen Geburtstag her und 25 Marl waren feftgelegt für eine grüne Zuckerstange. Also hat er ftank und ftech gesagt:Macht siebenhundert- fimfundzwanzig, gebn S' mir gleich ein halbes.

Wacht fiebenßunbertfünfaig.

«Fünfundzwanzig, verbesserte Toni.

Daß beide zusammen gehören, zeigt die ein­fachste lieber legung; nur beide zusammen be­dingen den Enderfolg im Wirtschaftsprozeß, den ackstichen Ertrag Die einen leistenanordnende Tätigkeit''; die anderenausführende''. Und beide stteben nach einem Mehr. Der Unternehmer will, daß sein Unternehmen wachse, der Arbeiter will, daß der Ertrag seiner Arbeit wachse. Das ist gut so. Aber eins muß immer wieder beachtet werden und das gilt für den Unternehmer: Das Ka­pital ist verhältnismäßig in den Händen weniger, der Arbeiter sind Millionen. Diese Arbeiter haben nichts anderes als ihre Arbeitstraft, die sie Tag für Tag in den Produktionsprozeß hineinfllefren lassen. Daher muß der Arbeiter genügend Zeit Hoden, um seine Kräfte immer wieder zu erneuern; er ist mehr als ein Kraftfep>, das man abwertet nach dem Grundsätze desHier und Heute", d. h. nach dem ökonomischen Prinzip: im gegebenen Augenblick der denkbar größte Erfolg Wei ihn so betrachtet, beutet ihn aus und stellt ihn noch unter das Sier, auf eine Stufe mit toten Sachen. Und doch ist er lebendiger Mensch; und zwar nicht nurMensch oder Natur" der Magenpflege trei­ben will, sondern auchMensch als Freiheit", der Kultur schaffen will, zum mindesten Farnilienkultur; er will sehen, daß er nicht umsonst arbeitet, daß er in seinem Leben auf irgendeine Weise vorwärts tontmU er will eine gesicherte Grundlage für sich und seine Famllie haben; er will, daß feine Mittel in demselben Maße wachsen, wie die primitiven Lebenskxämrfnisse seiner Familie; er will vor den ßärteften Zufällen des Lebens geschützt feto. Und wenn er auf diese Ansprüche verzichten muß, zeigt das nicht in höchstem Grade, Daß die Ge­sellschaftsordnung irgendwo faul ist? Ober sind die Menschen, die an leitender Stelle in dem Prozeß Der Wirtschaft stehen, nicht sittliche Krüppel? Hier hat Der Arbeiter die Pflicht, um sein Menschenrecht zu kämpfen; er soll st organtfteren, denn ver­einigt werden auch die mächtig, er soll

irnb muß durch diese untereinander

nach Macht streben, um Den Arbeitsmarkt zu be­einflussen und um Anteil zu erhalten an den Wer- ten die er schafft. Wenn man den ungeheuren Aufschwung der Wirtschaft in den letzten fünfzig Jahren »erfolgt, wird man Den Glauben haben können, daß diese Wirtschaft auch in der Lage ist sich einen gesunden Boden, d. h. ein leben­diges Verhältnis zu den Arbeitern zu schäften.

Diese Wirtschaft kann Die größten Opfer bdn« gen, wenn es heißt, das Haus im Kriege nach außen zu verteidigen Sollte sie nicht auch die Opfer tragen können, dieses Haus zunächst in sei­nen Fundamenten zu sichern? Man sollte meinen, diese Opfer wären zu bringen, zumal sie nicht unter Dem unberechenbaren Druck des Kriegs­glücks, sondern nach kluger Wirtschaftsführung auf- gebracht und verteilt werden könnten. Diese Opfer wären aber keine Opfer im Sinne des Krieges, sondern Investionen, die sich verzinsen. 3eDer, Der die menschliche Natur auch nur oberflächlich rennt, weiß, baß ein lebensfreudiger Mensch ein guter Arbeiter und ein verbitterter Mensch ein un­brauchbarer Arbeiter ist. Wan stelle sich eine Wirt­schaft vor, bei der die Arbeitsarmee freudig nut- kämpft. Sie wird eine ganz andere Produktivität haben, als eine Wirtschaft, in der die Führer trei­ben und Die Arbeiter sich mißmutig treiben lassen. Bei Unternehmer unD Arbeiter ist das letzte

Sie sieht ihm ganz erschrocken nach: 'Woher Der Mensch nur weiß?"

UnD die Zenz verkaufte weiter chve halben Pfunde, bis der Karren leer war. Don benachbar­ten Obstständen wurde eine finstere Frauenkommif- jion herübergeschickt, wie es komme, Daß man feb ber nichts verkaufe, während die Zenz

Wenn Die uns unterbiet'! drohend schürz­ten sich die Aermel,wie verkauft s' das Pfund?"

Wie wir, zu Fünfzehnhundertfünfzig, aber'« halbe

Neue Kirschen, neue Kirschen!" rollten Kar­ren von der Wackthalle her.

Der Kirschen markt spitzte die Ohren. Der Kir- schenmarkt zitterte. Große Zufuhren waren ein­getroffen. __ .

Neue Kirschen", brüllten die neuen Händ­lerinnen durch die Straße,neue Kirschen, das Pfund zwölfhundert Mark, das halbe sechshun- derrfünfzig Mark! , ,

Im Nu war Die Zenz umringt:Die hat s gtoußt ... Die ist a g'wasch'ne . . . die hat uns alle ausg'schmiert! . . . Jetzt sitzen wir auf un- s're teuem Kirschen! . . . Eine Gemeinheit ist s! . . . Pfui Seift, schaam' di, alte Zenz!"

Sie begriff nicht.Spinnt's Ihr? sagte sie und schob den Karren weiter,was ist Denn lo8?

Erregte Weiberhände trommelten auf der ; Preistafel:Hineing'legt hat V uns, Taubernem- glegt!Stellt sich an, als-inf sie net bis

,.. ,,r _,_v o «ihren furv er soll wirt- gerbt, Der andere nrmoer layig, ver eine uuri^

«

nifte tefrieD?qt sein wollen --das Leben geht hältnifte ^d der VernwgM nach ettE Ausgleich x nicht nach öder Gleichmacherei, sondern nach ge-

^Äift auch Geistwesen. Des Geistes genseittger WeZZwtoLmg ^^uchtung 2Ser Äähiafeiten und Kräfte soll er entfalten. Nur so eben diese Wech^wirkung muß möglich feto, Der HnDet e^f^D^Sig im Dasein; er ist eben so Aermste darf sich m f^ W^chenrechteii nußt geschaffen Daß Der Leib Träger seines Geistes ist. zurückges^t fühlen FeS^u^^dem Aei^r«i, der Aus dieses DeEtois sott er auch Die Welt, in ' minder Begabte muß ein Feld angewie.en fefom- ? ' Ncis Materielle muß Der men, wo er sich entfalten kann; der materiell

«

SdSbtal Sntoteridten 6«rfd>en 6ie alle JSZta in s=funbe Wechselwirkung wid in

SsSSSSW WMZM-8M-SM sittliche ^sonllchkett: Jo ragt ^n Reichsitt- ^"^fte herstellt, die stärker ist

er treibt Kultur.

Da die Klärung Der landwirtschaft­lichen Zollfragen noch aus längere Zeit hinaus- geschvben ist, muß an die Festlegung Der Zölle ür InDustrieprodukte sofort ßciangegan- gen werden um nicht Die ganze Tarisrevision m )edenklichste'r Weise zu verzögern. Gewiß sind auch die Industriezotte in mancher Hinsicht abhängig von den Agrarzöllen, aber eine Nichtberücklich- tigung dieser Abhängigkeit erscheint mir weniger nachteilig als das völlige ilntcrlajfen recht- ,citiger Fesftehung der autonomen Zolle.

Nach Der Bemessung der Zolle nach Dem Wert oder dem Gewicht gebe ich Dem Ge wichts- zoll unbedingt Den Dorzug. Ganz abgesehen von der viel einfacheren Berechnung und Dem Aus- chalten von Hinterziehungen. Der Derrmgeruag des Beamtenapparates, läßt auch Der Gewichts­zoll allein eine annähernde Sicherheit in Der Festsetzung der Einnahmen aus Den Zöllen zu.

Auf einen UmftanD möchte ich schließlich noch besvnDers Hinweisen. Die Umsatz steuer Darf unter gar keinen ilmftänben in die Zölle ein- berechnet werden. Ganz abgesehen von der Er- chwerung der Zollberechnung selbst, würde da­durch jede Bestrebung, die llmsahsteuer was unbedingt nötig wäre allmählich abzubauen.

beeinträchtigt.

Eile tut bei Der Erledigung Der handels­

politischen Dorarbeiten not. Das gilt nicht nur , j...- n -n x r. o, ..a

bezüglich der Geltendmachung Der Tarif Vorschläge Rechtsgemeinschaft des Staates und Die Arbeits­ort fetten Der Industrie, sondern auch bezüglich gemeinschaft Der Wirtschaft.

Der technischen Maschinerie Der Gesetzgebungs- Die Dlutsgeme in schäft Der F a m i l i e ! An arbeit. Ich bin an sich ein Gegner Der ver- Mann unD Weib erging Des Schöpfers Befehl: einfachten Gesetzgebung, wie sie in der letzten Wachset unD mehret euch, erfüllet Die ErDe unD be­reit üblich wurde insbesondere auch Deshalb, weil zwinget sie der Befehl zur Wirtschaft und Kul- Diefe Gesetzgebung außerordentlich lückenhaft und tur. ilnß beide finden ihre Beziehung und Wech- von Fehlern durchzogen war. Trotzdem wird eine selwirkung so schön und so geordnet und in nch- solche vereinfachte Gesetzgebung durch die Der» \ tiger Reihenfolge aufgebaut in Der Familie. Der hältnifte hier aufgezwungen werden. Es kann Mann muß hinaus ins feindliche Leben, muß hierfür nur dringendst empfohlen werden, daß sie schaffen, arbeiten, Geld verdienen, Brot erwerben, mit größerer Genauigkeit und Sorg- unD Darinnen waltet sie, das Weib Die Men- falt Durchgeführt wird, als es so manche schenbildnerin und Menschenerzieherin; er Wirt- Gesetze und Derordnungen der letzten Zett' waren, schäftet und sie pflegt Kultur, nicht als ob das Eine Nachprüfung Der Gesetzgebung müßte mög- eine ausschließlich des Mannes Werk sei und das sich st rasch durch einen von Kennern Der Frage andere die Aufgabe des Weibes nein, in De* zusammengesetzten Ausschuß erfolgen. Bier Mo- Familie und durch Die Familie, Deren wirtschaft- nate trennen uns noch von dem Zeitpunkt Der sichen Untergrund Der Mann legt und legen muß, Wiedergewinnung unserer vollen handelspolitt- indem er arbeitet, wird auch Kultur getrieben, schen Autonomie. Die vor der Vertagung des ja nimmt Die Kultur ihren Anfang; neue.Men- Reichstages betriebene sozialdeinolratifche Ob- schen werden, entstanden aus Dem Geheimnis Des struktion gegen Die beschleunigte Erledigung der Lebens, gebildet von Mann und Weib und toer- Agrarzvllvorlage schiebt die endgültige Formung t>cn herangezogen, an Leib und Geist als neue unseres handelspolitischen Rüstzeugs in nicht an- Bürger des Staates, als Förderer der Wirt- bedenllicher Weise hinaus. Um so mehr muß die schäft. Die neuen Menschen ernährt Der Tater, Industrie auf Dem Posten sein unD auf hegt und Pflegt Die Mutter und laßt ihres Le- Nuhung der Zwischenzeit zur Klärung über die bens und ihrer Liebe Reichtum auf sie ausstro- Reaeluna der Industriezotttarife Dringen. men. So geht von Der Familie das Leben aus;

1 fie ist Die Keimzelle des Staates, sie Die Energie­quelle der Wirtschaft.

Die Rechtsgemernschaft des S taa t e s. Fa­milien bilden Sippen, Stämme, und zuletzt ein Der Mensch ist ein Leib-Geistwefen. Er ist hin- I Doll. Jeder, der geboren wtod, ist nicht mir neues aeftellt auf diese Erde, in Den Reichtum ihrer ma- Reis der Familie, ferner Sannlre sondern auch Seriellen Werte und Güter, Die anDere vor ihm Angehöriger seines Tolfc^D. h. er ist mB^o^n- der Natur abgerungen, geschaffen und erarbeitet heft gestellt worden mcherew ^eft ^ogenhett haben- sie soll er hüten, pflegen, mehren, fördern aber ist so mannigfach ^E>ie Menschen selbst.

Seite sei- der andere schwächer; und hier ruft Die Derschie-