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Erstes Blatt Jahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Die Tschechen auf dem Vormarsch?
Von Dardowiek.
GS ist bekannt, wie man tfchechischerseits am Werke ist, dem Deutschtum in der Tschechoslowakei den Garaus au machen. Genau so wie die französischen Freunde in Elsah-Lothringen, ist man auch in der Tscheche! bestrebt, der deutschen Kultur die Wurzeln abzuschlagen, indem man sich besonders — auf seine Weise natürlich — der deutschen Schulen „annimmt". Ein neuerliches Beispiel dafür, wie man mit deutschen Schulen in der Tschechei umgeht und wie die Deutschen dort um die elementarsten Volksrechte gebracht werden, ist eine Mitteilung, die uns aus dem Bezirk Schüttenhofen zugeht, wo 1920 in Unter- Teschau eine einklassige tschechische Minderheits- Schule errichtet wurde, die man zwangsweise im deutschen Schulgebäude „einmietete". Drei Jahre später wurde ein eigenes modernes Schulgebäude für die tschechische Schule gebaut, mit einem großen Schulgarten — indem man einfach zwangsweise das nötige Areal aus einem deutschen Gutsbestande enteignete. Wenn man nun meinen sollte, daß danach den Deutschen das seinerzeit beschlagnahmte deutsche Schulgebäude wieder freigegeben worden wäre, so wäre das ein großer Irrtum. Vielmehr beliebte man, einen ledigen tschechischen Lehrer im deutschen Schulhaus einzuquartieren und ihm den größten Teil des deutschen Schulgartens zuzuweifen — während deutsche Lehrer zur Hausung einen Dachboden erhielten; dabei wurde dem deutschen Ortsschulrat m Unter-Teschau kein Heller Zins gezahlt — trotz der fünfjährigen Benutzung des deutschen Schulhauses. Aber das ist noch nicht alles. Die für den tschechischen Lehrer im neuerbauten tschechischen Schulgebäude eingerichtete Wohnung steht vollständig leer, bleibt unbenutzt; denn, wre gesagt, der tschechische Lehrer wurde im deutschen Schulhaus „einquartiert . . .
Wie nicht anders zu erwarten ist, sind alle Eingaben des deutschen Ortsschulrates an die maßgebenden tschechischen Schulbehörden, so oft ,fie kamen, so oft unbeantwortet geblieben. Welches Geschrei würde es wohl geben, wenn «irrer tschechischen Minderheitsschule hn Reichsdeutschland etwas Aehnliches passierte? Welche Stellung würde dann die tschechische Regierung einnehmen, welche das ganze tschechische Volk? ilnö wir Deutsche müssen ruhig Blut bewahren. Müssen es hinnehmen, wenn auch noch so stark von Tschechen an unserem Volkstum genagt wird. Denken wir daran, daß in der Lausch mit Hilfe französischen Geldes eine wendische, sorbische „Bewegung" ins Leben ^gerufen wurde. Hier soll ein Pfahl mitten ins Herz des deutschen Volkes gestoßen werden. Wir nehmen an, daß die tschechische Regierung als solche nichts mit derartigen Machenschaften im Reichsgebiet zu tun hat. Sicher sitzen die Drahtzieher dieser Bewegung in Paris, wo schematisch alle jenen Stellen des Deutschen Reiches unterwühlt werden, wo es nur irgendwelche Ansahmöglichkeiten dafür gibt. Was ober an Vernichtung des Deutschtums auf dem Boden des tschechischen Staates geschieht, dafür gibt ein Artikel: „Von Weih- kirchen bis Troppau" in dem Amtsblatt des nordmährischen Tschrchisierunqsvereins „Straz Movavh" genügend Auskunft. Es heißt darin u. a.:
„Wenn wir auf die Sprachenkarte Mährens und Schlesiens schauen, sehen wir uns gewiß als sonderbares Gebilde den tschechischen Rüssel an, der sich von Mährisch-Weißkirchen gegen Rorden zieht, tief einschneidend in die vom deutschen Element bewohnten Sudeten, und endend mit der tschechischen Gemeinde Spondau. Vom Rorden beobachten wir gleichfalls einen tiefen Einschnitt des tschechischen Elements in das deutsche Gebiet, der mit der Gemeinde Waltersdorf endet. Diese Gemeinde war fast völlig verloren und wurde dem tschechischen Volke durch die unermüdliche Arbeit des Herrn Bulva, der hier Leiter der tschechischen Schule (s. oben!) war, wieder zurückgegeben. Seine Tätigkeit in dieser weltentlegenen Ge- birgsgemeinde war troh des Einflusses des deutschen Großgrundbesitzes und der deutschen Staatsmacht (? D. Red.) so tatkräftig, daß heute Waltersdorf als fest und als auf immer gesichert anzusehen ist. Die mit Waltersdorf benachbarte Gemeinde Hantsch wird auch in kurzer Zeit fest in tschechische Hände übergehen. Schade, daß nicht auch das benachbarte Ratkau seinen Bulva, seinen Volksarbeiter fand, dessen Arbeit erst die Zukunft voll werten wird. Ratkau war vor 40 Jahren tschechisch, heute ist dort die wütendste deutsche Irredenta. Achnlich ist es auch in Maltsch und Philippsdorf. Wir sehen also auf der Sprachenkarte, daß es so aussieht, als wenn das tschechische Spondauer Gebiet dem tschechischen Waltersdorf die Hände reichen wollte, -Hnb was hindert dies? Bloh die Kataster der zwei deutschen Gemeinden Groß-Glockersdorf und Klein- Glockersdorf, die zwischen Spondau und Waltersdorf liegen, eine kleine Entfernung von einigere Kilometer. Uno wie wichtig ist tle'e Verbindung! Deswegen müssen wir auch diesem Teil die größte Aufmerksamkeit widmen, denn hier ist die schwächste Seite der Deutschen in Schlesien und Mähren. Bemächtigen wir uns dieser deutschenAchse, so ist dasSchicksaldes deutschen Kuhländchens besiegelt. Das tschechische Element durchsetzt ja ohnedies stark die Kuhländer Halbinsel und ist auf ständigem Vormarsch. Schneiden wir diese deutsche Halbinsel vom deutschen »Körper ab, machen wir aus ihr eine Insel, ein Inselchen, und tixfr vollbringen eine der wichtigsten Taten für Staat und Volk. Wir werden dann der
Das Ausland und die Wahlen.
Der neue Reichstag und die Beurteilung einer
V a r i s, 7. Mai. (WTB.) Der „Temps" widmet den Auslassungen Les Abgeordneten Hergt im „Lotalanzriger" einen Leitartikel. Wir stellen gerne fest, schreibt er, daß die Rationalisten, wenn sie Regierungskandidaten sind den Sachverftändigenbericht mit mehr Rücksicht behandeln, als wenn sie für den Reichstag kandidieren. Im übrigen werden wir uns hüten, einen Mann wie Hergt mit einem Mann wie Westarp zu verwechseln. Aber schließlich möchten wir doch gerne toiifen, welches die unwiderruflichen Vorbehalte sind, die die Deutsch- natronalen machen. Es genügt nicht, diese Vorbehalte anzukündlgen. sie müssen auch auseinandergesetzt werden; besonders dann, wenn man sie für unabänderlich erklärt. Könnte in diesem Punkte der Abgeordnete Hergt seins Erklärungen nicht vervollständigen? Er wird vielleicht erwidern, daß das Kabinett Marx-Strese- mann auch Vorbehalte machte. Wir geben das zu. Diese Vorbehalte erschienen wenig befriedigend, denn sie bezogen sich sämtlich auf die Organrsatton der Eisenbahnen. Aber
nach den Erklärungen der Deutschnationalen in der vorigen Woche uvüsfeu die jetzt von Hergt angeküudigten Dorlehalte schlimmer sein als diejenigen des Kabinetts Marx-Strese- manu.
Die „Deutsche Tageszeitung" will in der Sage fein, über die deutschnationalen Vorbehalte die ersten Angaben zu machen. An Hand dieses Blattes könnte man ziemlich leicht nachweisen, daß die deutschnationale Politik den Sachverständigenbe- richt sabotiert. Wir wollen uns heute auf diese Polemik nicht einlafsen; wir wollen dem parlamentarischen Führer der Deutfchnationalen kein Schriftstück entgegenhalten, das weder von ihm noch von seiner Partei unterzeichnet ist. Aber wir dürfen eine authentische offizielleDar- stellung der Vorbehalte erwarten, auf die zu verzichten der Abgeordnete Hergt sich außerstande erklärt. Rach unserer Ansicht müßte diese Darstellung sogar unverzüglich und noch vor Bildung der „Rechtsregierung" gegeben werden, in die Hergt einzutoeten wünscht. Alle Rationen, die Gläubiger Deutschlands sind oder die auch nur Handel mit ihm treiben, müssen sobald wie möglich wissen ob das Programm der Sachverständigen Aussicht auf Verwirklichung und vor allem, ob die Ausländsanleihe von 800 Millionen Goldmark Aussicht hat Zeichner au finden. Das deutsche Volk selbst muß es eilig hoben, klar zu blicket, wäre es auch nur, um den künftigen Wert der Rentenmark beurteilen zu können.
Italien und der neue Reichstag.
Mailand, 7. Mai. (WTB.) Zum Ausfall der Reichstagswahlen schreibt der „Popolo d'Ita- lia", das deutsche Wahlergebnis erfordere aufmerksame Beachtung. Die politischen Pläne der mit russischem Geld mächtig gewordenen Kommunisten müßten abgewartet werden. Eine Regierung der Rechten werde die Beziehungen zu Frankreich verschärfen. — Der „Secolo" führt aus, die Italiener wüßten aus eigener Erfahrung, welche Folgen eine Parteizersplitte- r_u n g, wie sie jetzt in Deutschland eingetreten, für ein Land habe. Für die Sachverständigengutachten sei nicht nur die Zustimmung, sondern auch die aufrichtige Mitarbeit des deutschen Volkes nötig. Man müsse wünschen, daß der neue Reichstag dem Bericht keine unüber- sieialichen Hindernisse bereite und daß die Extremen sich von dem Instinkt nationaler Selbsterholtung leiten ließen. — Di? „Sera" schreibt, vielleicht freue man sich jenseits des Rheins über' die Verschärfung des Germanismus,
Sachverständigengutachten. - Die
aber die Rationell, welche den europäischen Frieden wollten, vor ollem Italien und England, hätten es lieber gesehen, wenn der neue Reichstag im Sinne einer inner» und außenpolitischen Verständigung arbeiten könnte. — Die Agenzia Volta erklärt,, daß Italien über den Ausgrmg der Reichs ta^swahlen, besonders über die Vermehrung des nationalen Flügels, keineswegs überrascht sei und daß man die Folgerung^ Deutschland» werde jetzt den Expertenbericht bekämpfen, als gewagt undwillkür- l i ch betrachte, weil im dieser Beziehung zwischen den nationalen und den Mittelparteien kein wesentlicher älnt erschied bestehe, so daß das Reparationsprobl'tm durch die Wahlen nicht stark beeinflußt werde.
Frankreich und die interalliierte Konferenz. Paris, 8. (WTD.) Aus sicherer Quelle wird berichttjt: Macdonald habe einen neuen Brief am Poincare abgehen lassen. Das „Echo Ue Paris" erklärt, es habe noch nicht nachprüfen können, ob dieser Brief bereits am Quai d'^jrsay elngetroffen sei. Das Blatt legt aber offe nbor dieser englischen Initiative eine besondere Bedeutung bei. Es schreibt, die belgfischen Minister hatten sich immer verterdi-It, sie wollten k e i n e Vermittler sein. Si'S könnten aber doch nicht leugnen, daß sie lties versucht hätten und daß sie immer noch die Rolle der Quaris tiermacher ei.ner eventuellen interalliierte« Konferenz spielten. Sie hätten erklärt, sie würden unmittelbar nach den französischen Wahlen nach Paris kommen, um Poineare das Ergebnis ihrer Unterredung in Etzequebekannt zu geben. Heute erkläre man, baß sie nicht kommen würde ehe sie am 18. Mai m einen Meinungsaustausch mit Macdonald getreten feien. Das „Echo de Paris" ist deshaM der Ansicht, daß das Pariser Kabinett ans seiner zurückhaltenden Stellung heraustueten müsse. Müssen wir, so fragt das Blatt, das Ende des Monats Mai und bas Ende der Rundfrage unserer belgischen Freunde abwarten, um uns in eine Verhandlung elkrzulassrn, die ohne unsere Teilnahme viel!,richt eine sehr klare Haltung gegen uns einnehmen kann? Oder müssen wir im Gegenteil, ohne zu warten, in diese Anterhatttrng miteintreten? Wer diese Frage stellt, beantwortet sie schon. Die Zeit ist gekommen, wo ftoir unsere Thesen in London sowohl wie in ^Brüssel und in Rom Vorträgen müssen. Denn ttoernt wir noch lange warten, werden wir mrsirre Position nich,t verstärken.
Poiuc,iv« und Mussolini.
Paris, 7s. Mai. (WTD.) Dem „Temps" wird aus Rom 'gemeldet, die Rachricht von einer bevorstehenden Besprechung zwischen Poin» carö und Mussolini finde dort keine Bestätigung. Es sej vielmehr möglich, daß Mussolini nach Annal-me der Antwortadresfe auf die Thronrede die Parlamentsferien dazu benutzen werde, mit de.cn König nachSpanien za reifen, um den Besuch des Generals Primo de Rivera mit König Alfons in Rom zu erwidern.
Künftigen
Rechtsrechierung
deutschen Irredenta in Reutitschein und im Kuh- ländchen den Todesstoß geben, die bann im tschechischen Meer untergehen muß. llnb gerade in diesem Teile liegt der Großgrundbesitz der Firma Weibhuhn, auf welchen das Staatsbodenamt Heuer die Hand gelegt hat. Dieser Großgrundbesitz wird Heuer im Herbst enteignet. Er besteht aus den Höfen Groß ° Glockersdorf, Klein-Glockersdvrf und Mittelhof. Es ist nötig, daß hier die Bodenreform (! D. Red.) in nationaler Hinsicht wohl durchgeführt wird. Schon heute raten wir offen: Den Deutschen gebt überhaupt keinen Boden! Gebt nicht unserem Feinde eine Waffe gegen uns selbst in die Hand! Diese ganzen Höfe übergebt t sch e ch lsch e n b ewu h t e n Le u t e n Schafft die deutschen Angestellten fort und ihr werdet sehen, welchen Einfluß dies auf die dortigen nationalen Verhältnisse haben wird. Hier wird der kürzeste Weg von Weihkirchen nach Troppau geöffnet und diese Tat wird uns in Bälde weitere nationale Erfolge bringen. Hier sind die Termopylen des Kuhländchens, die zu erobern nötig sind . . . .“
Das also darf ganz offen geschrieben und getan werden. Richts regt sich zum Schuhe der deutschen Minderheiten. Richts in Deutschland, nichts im Schoße des Völkerbund s, deS QIreo- Pcms der internationalen Moral. Aber es handelt sich ja am deutsche Minderheiten, die auszurotten in jedermanns Belieben steht, solange das deutsche Voll sich nicht selbst zu ihrem Schutze entschließt.
D e Gittve rnfuttg des Reichstags.
Berlin, 6. Mai. (Prib.-Tel.) Der Reichskanzler Marx hat sich gestern mittag zu dem end Bad Mergentheim nach Berlin zurückgeke!^rteu Reichspräsidenten begeben. — T>er für die Einberufung des Reichstags in der Presse genannte Termin (22. Mai) stehst noch nicht bestimmt fest. Der Termin ho ngt davon ab, wann der Reichs- wahllritrr di p amtliche Liste der gewählten Abgeordneten endgültig abschließen kann. In parlamentaris chen Kreisen wird angenommen, daß die Einkierufung deS neuen Reichstags zwischen dem 23. und 26. Mai erfolgt.
Die kolnrmnnistifchcn Umtriebe in Siiddentscl»land.
München, 7. Mai. (WTD.) Das Dolks- gericht beschäftigte sich mit der Ende Februar erfolgten Oluffinimng eines kommunistischen Waffen- lagers im Au bingermoos bei München, wo in dem Anwesten des Schneiders Steininger außer Waffen, auch ein halber Zentner Sprengst o'/s von Kommunisten verborgen werden war. Den Sprengstoff hatten die kommunistischen Kuriere W i 11 m a n n und Däuml aus Stuttgart bei der dortigen Kampfleitung geholt. Er sollte da^u dienen, das damalige Vorgehen gegen Sachsen zu verhindern. Das Volks- gericht verurteilte Steininger, der taubstumm und offenbar zu kommunistischen Zwecken mißbraucht tourbe, zu 2 Mo naten, Dauml au sechs Monaten und» Wittmann zu 8 Monaten Gesänanis.
Der Kampf um die Arbeitszeit. Düsseldorf, 7. Mar. (WTD.) Der ganze Ruhrbergbau mit Ausnahme von wenigen ^chen ruht nunmehr. Von der Belegschaft sind h^ite mindestens 90 Prozent nicht eingefahren; kleine arbeitswillige Gruppen haben sich nicht halten können. Die gestern in Bochum von der k o ra - munistrschen Union für Hand- und Kops- arbeiter abgehaltene Betriebsratssitzung hat bereits eine Kampfleitung von 15 'Bergarbeitern eingesetzt, die sich zwar aus verschiedenen Unionen zusammensehen soll, in Wirklichkeit aber von Kommunist en, Anion ist en und Syndikalisten maßgebend beeinflußt wird. Die Folgen des Streiks machten sich bereits auf an* beren Gebieten des Wirtschaftslebens bemerkbar, so wurde infolge des Streiks auf der Zeche Rad- bod die Gaszufuhr für die Stadt Münster unterbunden. — Am 5. Mai abends hat der Reichsarbetts Minister folgendes Tele- gramm an den Zechenverband gerichtet: Ich habe die Dergarbeiterverbände gebeten, die Mitglieder möglichst schnell über die R e ch t s l a g e bezüglich der Verbi n dlichkeitser klä rung des Ar- beltszeitschiedsfpruchs zu unterrichten; ich bitte dringend, darauf einzuwirken, daß
Kampfmaßnahmen unterbleiben, falls einzelne Belegschaften aus falscher Beurteilung der Lage noch Widerstand gegen den Ar- beitszeitschiedslpruch leisten sollten. Die Bergarbeiterverbände legen Wert auf die vertrauliche Behandlung ihrer Zustimmung za dem Ver- handlungsergebnis vom 3. Mai vor der Stellung nähme zur Revierkonferenz.
Dec Zechenderband sandte darauf am 6. Mai morgens an den Reichsarbeitsminister folgendes Telegramm: Fast alle Belegschaften sind trotz eingehender älnterrichtang über die neue Rechtslage durch die Zechenverwaltung am Montag vorzeitig abgefahren und tamit seit heute fristlos entlassen. Die Acbeiter- verbände haben bezüglich der Unterrichtung der Arbeitnehmer nicht nur völlig versagt, sondern nach unseren Feststellungen sogar die Betriebsräte angeto-iefen, vorläufig die Verbindlichkeit des Schiedsspruches nicht anzuerkennen und die Durchführung der verkürzten Schichten einstweilen durchzusetzen. Die Rechtslage ist unserer Auffassung nach durch die Derbindlichkeitserkla- rung völlig klargestellt.
Anabhängig von der etwaigen Stellungnahv^ der Parteien ist demnach die Verschärfung der Lage lediglich auf die bewußte Verschleppung durch die Arbeiterverbäude zurückzuführen.
Wie der „Lokalanz." mitteilt, befindet sich Reichsarbeitsminister Brauns auf dem Wege zum Ruhrgebiet, um dort durch eine Dermittlungsaktion den Kampf im Bergbau beizulegen. Die Vertreter der vier Derg- arbeiterverbLnde haben in Essen in einer Sitzung die Lage besprochen. Donnerstag nachmittag soll in Gelsenkirchen eine große Dergarb eiter» Versammlung aus Vertretern sämtlicher Gewerkschaften eine Kommission ernennen, die sich nach Düsseldorf begeben soll, um dort die Stellungnahme der Micum zu dem Arbeitszeit» kanrpf im Bergbau kennenzulernen. Vorläufig verhalten sich die Desahungsbehörden vollkommen Passiv. — Von Arbeitgeberseite wird noch mit» geteilt: Die gestern verbreitete Meldung, daß die Zechenbesitzer des Ruhrbergbaus seit gestern abend 6 älhr die gesamte Belegschaft a u s g e - sperrt hatten, ist in dieser Form nicht ganz zutreffend.
Die Zechenverwalttmgeu haben lediglich diejenigen Bergarbeiter, die sich weigerten, länger als sieben Stunden zu arbeiten, nicht zur
Arbeit zugelassen.
Sobald es technisch irgendwie möglich ist, werden Arbeitswillige beschäftigt. — Die technischen Verbände der Angestellten des Ruhr» bergbaus (Afa, Gewerkschaftsbund der QInge» stellten, Gesamtverband deutscher Angestellten- Gewerkschaften, Reichsverband d'utscher Bergbau- angestellter) geben folgende Erklärung besannt: Das arbeitsrechtliche Verhällnis der technischen Angestellten wird durch die getroffenen Maßnahmen im Ruhrbergbaa nicht berührt. Hieraus ergibt sich für die Mitglieder der obengenannten Verbände, daß sie etwaigen Aufforderungen zur Verrichtung von Rotstandsarbeiten nachkommen. Die Streifclafle in Oberschlesien.
Beu then, 7.Mai. (Wolfs.) Rach Mitteilung des Berg- und Hüttenmännifchen Vereins ist die Streiklage auf den deutsch-oberschlesischen Gruben unverändert. Von den Eisenhütten schloß sich die Belegschaft des Hüttenamtes in Gleiwitz und der Deich^elfabrik in Hindenburg dem Streik an. Don gewerkschaftlicher Seite wird mit» geteilt, daß eine Konferenz der Betriebsräte der Metallindustrie gestern in geh.imer Abstimmung beschlossen hat, ebenfalls in den Streik zu treten. Ihre Streikforderungen bederf sich mit denen der (Bergarbeiter. Für Streik stimmten 51, dagegen 20 Betriebsräte.
Auf der Deuthener und der Frisdensgrube wird voll gearbeitet. Die Hedwigwunschgrube arbeitet mit 80, bet Gräfin Johanna-Schacht mit 20, die Eastellengogrube mit 24. Derginfpektion mit 4 Hindenburg mit 25 und die Abwährgrube mit 38 Prozent, aber sämtlich nur über Tage. Die übrigen Gruben liegen still. Von den Hüttenbetrieben traten außer den bereits gestern streikenden Rütgerswerken noch öle vberschlesischen Kokswerke und die staatliche Hütte in Streik; öu übrigen Hüttenbetrrebe arbeiten noch voll.


