Nr. 236
Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Dienstag, 7. Vttoder
Lwiw
Lwow
Lemberg
fer
nisse in ihre Dienste treten mussten, aber während der langen Monate der Regieverwaltung keine sonderliche Freude an ihrer französrschen Behörde hatten. So läht jetzt die Direktion der m fvanzöfi che Reg, menen Kokerei der Schach^anlage Rhernelbe der Gelsentircher Dergwcrbs-A.-G. eine Bekanntmachung anschla» gen, in der die Regte darauf aufmerksam macht, dah sie auf das Beste für die Zukunft der Regiearbeiter gesorgt, und dast die französische Regierung es in London durch- gesetzt Hai, dast kein Angestellter dec Regiezechen verfolgt werden darf. Da aber die deutsche Verwaltung der obengenannten Koterei es abgelehnt hat, sämtliche Angestellte unbesehen wieder in chre Dienste zu übernehmen, erklärt die Regie, dah fte nun nicht früher als am 21. Oktober die Kokerei räumen werde. Schliestlich erklärt ste noch, dah sie es bedauert, sich von einem so arbertssreudigen und gewissenhaften Personal trennen zu müssen. Allerdings jetzt, da die Regie in den letzten Zügen liegt, spart sie ntcht mit schönen Redensarten. Die deutschen Regiearbetter, die aus bitterster Rot in französische Dienste treten mussten, hätten es lieber gesehen, lvenn die fram zösische Direttton schon früher den Mert »ihres deutschen Personals erkannt und zu schätzen g e w u st t hätte.
dunklen Sache ermittelt hatte: „Vernichte die Zigaretten!" Das war der ganze Inhalt des Briefes.
Sechstes Kapitel.
Turngau Hessen (D. T.). Geländelauf des 5. Bezirks.
A Bad - R anheim, 5. Oft. Der 5. Bezirk im Tnrngau Hessen veranstaltete haute hier unter Leitung des Bezirkssportwarts Gries seinen H er b stg e l.ä n d ela u f. Dast sich die Wald- und Gesändelänfe, die vom Gau seit einigen Jahren eingeführt und den Bezirken zur Durchführung übertragen worden sind, in Suraerfreifert groher Beliebtheit erfreuen, zeigt einmal die mit jedem Jahre zunehmende Beteiligung, dann aber auch die Steigerung der Leistungen. Rachdem im F übjahr der hiesige Hochwald Ort der Veranstaltung war, wählte man diesmal den um den grosten Teich führenden Prvmenadrnweg für den Wettlauf. Cs wurden folgende Ergebnisse erzielt: Turner über 18 Jahre (12 Teilnehmer).
Duvall nahm ein goldenes Zwanzigsrankew stück heraus. „Ich must den Brief haben, mein Lieber. ©eben Sie ihn mir freiwillig, so bekommen Sie die zwanzig Franken. Andernfalls mühte ich ihn mit Gewalt nehmen."
Der Bursche sah den Detektiv scheu an, toti wenn er ausreihen wollte. Duvall packte ihn am Kragen. „Geben Sie mir den Biref oder ich rufe die Polizei und lasse Sie verhaften“
Der andere lieh den Brief auf das Pflastei fallen, ergriff die zwanzig Franken und gab Fersengeld.
Duvall hob den Brief auf. Wie er erwartet hatte, war er für Alphonse Valentin, Boulevard St. Michel bestimmt. Er bitt' angenommen, dah Mary Lanthan ihren vermutlichm Mitschuld gen warnen würde ohne Zeit zu verlieren
Der Brief trug seine Adresse Das war schliestlich soviel, wie mitschu'dig. Dann rih er ihr auf und las den Inhalt. Er war noch merkwürdiger, als alles, was Duvall bis jetzt in die-
Turnen, Sport und Spiel.
Vorbereitung znm Wintersport.
Schon hat sich der Wald in ein herbstlich Kleid geworfen. Von den Höhen der deutschen Gebirge, vom Brocken, von der Schnerkoppe, von der Zugspitze, vom Feldberg bringt der Draht die Meldung vom ersten Schnee, vom ersten Fall des Quecksilbers unter den Rullpunkt. Richt lange mehr, und der Winter tritt sein Regiment an. Gibt es einen frühen, einen langen Winter? Wer weist das. Der verflossene war ein langer, harter, für den Wintersport alfo besonders günstiger. Er überfiel uns schon im Ottober. Im Rovember und Dezember zog man bereits hinaus mit den langen Hölzern, mit Rodel und Bob. Rach sieben schlechten Wintersportjahren scheinen jetzt die sieben guten zu kommen, sehr zur Freude der Sportwelt. Da heistt es denn, rechtzeitig die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Schneeschuhe und Rodelschlitten müssen aas ihrem Sommerschal herausgeholt werben. Ihre Reinigung und Oeling ist unerläßlich notwendig, die Bindungen sind zu untersuchen, Leinen. Riemen und Eisenteile auf ihre Haltbarkeit nachzaprüfen. Es gibt sehr viel für den Wintersportler zu tun, will er feine Sportgeräte in Schust haben. Und dafür ist es jetzt hinlänglich Zeit und Muhe. Aach die Kleidung bedarf der Durchsicht and eventuellen Ausbesserung. Wo es aber an Reube- ichaffung geht, da soll man jetzt in Ruhe and mit Geschick daran gehen, das zu kaufen, was notwendig ist, denn meist sind die Preise gerade in diesen Wochen noch recht ersc^oinglich. Ist erst der Wintersport in Blüte, dann pflegt das Material rar zu werden. Auster dem ist die A rs- wahl jetzt erheblich leichter und veichhalttger. Auch hier gilt der Grundsatz: Wer zierst kommt, mahlt zuerst. Besonders sollen die Schlittenfahrer nicht zaudern, chren Bedarf zu decken: die Anfertigung von guten Bobs aus Holz oder Stahl nimmt immerhin geraume Zeit in Anspruch. Man soll schliestlich auch bedenken, dast es vom wirtschaftlichen und industriellen Standpunkte aus wichtig ist, den voraussichtlichen Bedarf an Wintersportgerätschaften und -ausrüst ung zu überblicken. Für unsere Industrie kann es nur vorteilhaft fein, statt mitten in der Saison schon vorher Beschäftigung zu haben. Riemand warte deshalb mit der Verwirklichung seiner Wünsche und Einkäufe bis zur letzten Minute, sondern, treffe die Vorbereitungen für den Winter schon jetzt. Hm so reiner wird die Freude und Genugtuung fein, wenn es an den Sport selbst geht.
M. St.
Alptzmse Valentin kam auf Grace zu und nahm sie derb beim Arm. „Kommen Sie mit mir!“ sagte er und ging auf die St raste
Erst wollte sie sich widersetzen Einen vorübergehenden Polizisten ein Zeichen — und der Mann war verhaftet! Lefevre war rorsichtig genug gewesen, sie mit den nötigen Vollmachten zu versehen, so dast sie jederzeit auf den Beistand der Polizei rechnen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
„Sie glauben also, Last sie die Hand im Spiel hat — sie und der Schurke Valentin?“
„Cs sieht so aus."
„Auf was gründen Sie Ihre Vermutung, Herr Duvall? Ich kann nicht glauben, dah Mary Lanahan lügt, so stark auch ich dielen Valentin im Verdacht habe."
„Erstens, Herr Stapleton, auf die Tatsachen selbst. Der Knabe Dann ohne ihr Mitwisser nicht entlührt toorben fein. Zweitens auf einige^ Kleinigkeiten, z. D. d'N Irrtum um eine halbe Stunde in ihrer Erzählung.“
„Es tut mir leid, Herr Duvall. ich Dann jedoch nicht glauben, dah Sie recht hab.n. Valentin ist verdächtig, gewih — aber wenn Mary Lanahan die Wahrheit nicht sagt, so ist meine zwanzig Jahre alte Menschenk.tmtnis über den Hauten geworfen."
„Sie hörten doch selbst, dah sie letzten Freitag — den Tag, an dem sie erkrankte - mit Valentin allein tour.“
„Ja, das ist richtig." Stapleton fuhr sich mit der Hand unsicher über die Stirne „Es geht über meine CBegriffe.“
„Lassen Sie mich ein Wort unter vier Augen mit der Wärterin sprechen, ehe ich gehe!" bat Diüxill.
„Gewiß," antwortete der Bankier. .„Ich schicke sie her."
Als Mary Lanahan ins Z.mmer trat, ging ihr der Detektiv entgegen und sah sie streng an. War Alphonse Valentin an jenem Tag zu irgendeiner Zeit mit Ihnen im Bois?" fragte er.
„Rein,“ erwiderte das Mädchen bestimmt.
^Raucht er Zigaretten mit Goldmundstück?“ fragte Duvall unerwartet.
Der ostgalizische Wetterwinkel. — Deutscher Kulturdünger am San Don unserem Warf cha uer Sonderberichterstatter.
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Die Wirkung dieser Frage auf die Wärterin war auffallend. Sie fuhr zurück, wie wenn der Detektiv sie geschlagen hätte. „Er — er raucht überhaupt nicht,“ sagte sie nach Atem ringend. Ihr Gesicht war grau vor Schrecken.
„Lügen Sie mich nicht an!“
„Er raucht überhaupt nicht," wiederholte sie ganz mechanisch und sah ihn mihtvauisch an.
„Gut Es genügt!" Der Detektiv ging aus dein Zimmer und verlieh das Haus.
Es dunkelte rasch Er ging über die Strahe, bis er annehmen konnte, vom §aute anher Sicht zu fein, dann kam er auf der anderen Seite bis zu dorn' Punkt zurück, wo er der engen, eisernen Türe, die der Dienerschaft Stapletons als Eingang diente, gerade gegenüber stand. Hier versteckte er sich hinter einem Baum und wartete.
Rach etwa einer b'Iber S unde sah er e en junge r Mann, vermutlich einen Unier&eb.en ieten, aus dem Türchen schlüpfen. Duvall brobahte e. wie er die Strahe hinabging und folgte ihn tonn.
®er Jüngling schien es nicht sehr eilig zu haben; an der Ecke, wo die Avenue in die Chrmps Elyftes cinmündete, sprach ihn Duvall cuf französisch an.
Wollen Sie zwanzig Franken verdienen, mein Freund?" fragte er ihn freundlich.
Der junge Mann sah ihn mit spöttischem Lächeln an. „Wer würde das nicht gerne tun, Monsieur?" antwortete er.
„Lasten Sie mich den Brief sehen, den Sie in der Hand haben."
Der junge Mann wich rasch zurück und tat, als ob er den Brief in die Tasche stecken wollte; dann sagte er: „Das ist unmöglich, Monsieur."
Laufstrecke 5 Km.: 1. Sieger K May. Tv. 1860 Bad-Rauheim. 16 Win 52 Sek.; 2. K Gerth, Tv. 1860 Bod-Orauheim, 17 Win. 43 Sek» 3. H. «Hoffmann, Tv. 1860 Bad-Rauheim. 17 Min. 47 SeL: 4. H. Ludwig. Tv. 1860 Bad-Rauheim und H. Grünschlag. Tv. 1860 Dad-Rauhcim, 19 Win. 27 Set. Den Mannschaftssieg errang Tv 1860 Bad-iAauheim Aeltere Zöglings- klasse, 16 bis 18 Jahre (18 Teilnehmer), Laufstrecke 2 Vs K m . 1. Sieger G. Becker, Tv. Gambach '8 Win. 31 Sek.; 2. R. Kuhl, Tv. Eber stad t (Kr. Giesten), 8 Win. 33 Sei; 3. K. Görlach, Tv. E b e r st a d t. 8 Min. 40 Sek ; 4. R .Urf, T. u. Spv. Butzbach, 8 Min. 46 Sek.; 5. K. Jung, Tv. Holzheim, 8 Min. 51 öd; 6. H. Schneider, Tv. Cberstadt, Sieger un Mannschaftskampfe wurde Tv. E b c r - sta d t, ein noch junger Verein, der erst kürzlich dem Gau Hessen b.igetr.'ten ist. Iugend- t urncr, 14 bis 16 Jahre (18 Teilnehmer), Laufstrecke 1 V2 K m.: 1. Sieger L. Urf, T. u. Spv. Butzbach 5 Min 3 Sek.; 2. E. Schneider, Tv. Ostherm. 5 Min. 6 Sek.; 3. A. Schneider, Tv. Oftbeim, 5 Min. 13 Sei.; 4. H. Schneider, Tv. Obherm, 5 Min. 16 Sek.; 5. 21. Sommerlad, Tv. Ost heim. 6 R Greb, T. u. Spv. Butzbach. Die beste Gesamtleistung in dieser- Gruppe hatte Tv O st h e i m aufzuweisen. Ihm wurde daher der Mannschaftssieg zuerkannt.
Dorsihendentagung des Turngaues Hessen.
i Am 19. Oktober versammeln sich in Gsehen die Vorsitzenden der Vereine des Gaues Hessen, um wichtige Fragen der Vereinsleitung und der Gauverwaltung zu beraten. Die Vorsitzen- dentagungen, die vor einigen Jahren eingeführt wurden, haben sich als äuherft wertvoll erwiesen, indem sie für den jeweils im Februar stattfinden- den (Sauturntag wichtige Vorarbeit leisten.
Der Kampf um den Weidig-Schild.
4 Butzbach 6. Oft. Gelegentlich der 600- Iahrfeier unserer Stadt wurde in Erinnerung an einen der grössten Söhne unserer Stadt, den Rektor und Freiheitskämpfer Fr. L. W e i d i g, der mit Recht der „hessische Turnvater" genannt wird, vom hiesigen Qrtsgewerbeverein ein Weidig- Schild gestiftet, der alljährlich unter den Turnvereinen des 5. Bezirks im Turn ga u H es- f c n im Staffellauf zum Austrag kommen soll. Der Wanderpreis wurde 1921 erstmalig vom Turnverein 1860 Bad°Rauheim errungen, 1922 wurde Turn» und Sportverein Butzbach Inhaber, der ihn dann 1923 wieder an den Turnverein 1860 Bad-Rauheim verlor. Bestimmungsgemäss muh der Schild dreimal hintereinander von einem Verein errungen werden, bis er in dessen endgültigen Besitz übergehen kann. In diesem Jahre findet her Kampf um den Weidig-Sch ilo am 19. Oktober statt. Die Beteiligung der Bezirks vereine wird wieder sehr rege fein, so dah ein interessanter Mannschaftskampf zu erwarten ist.
Derbandsoffenes Schwimmfest in Darmstadt.
Darmstadt, 6. Oft. (Sil.) Gestern abend begannen hier die Wettkämpfe anlählich des verbandsoffenen Schwimmfestes des Darmstädter Schwimmllubs Jung-Deutschland. Sie bedeuten die Eröffnung der deuffchen Verbands- Hallen-Schwimmsaison. Die Wettkämpfe bewiesen durch die zahlreichen Teilnehmer, dah sie zugleich die bedeutendsten in ganz Deutschland darstellen, obgleich hervorragende Vereine, wie Rhenus - Köln, Hellas ° Magd^urg. Poseidon- Köln, den Kämpfen fernblieben. Anwesend war auch der Schwimm wart deS Deutschen Schwimm- verbandes Binnen. Der gebotene Sport war gut. Als hervorragendste Leistung ist vorwegzu- nehmen, dah Berges- Darmstadt den bisherigen Rekord über 400 Meter von 5:26,6 auf 5:17,4 drückte, womit er einen deutschen Rekord aufftellte. Seine Zwischenzeiten sind 100 Meter — 1:0.6. 200 Meter — 2:28,6, 300 Meter 3:53,4. Die Beliebig-Staffel über 3mal 50 Meter gewann Jung-Deutschland-Darmstadt mit 1: 32,6. Zweiter wurde Düsseldorf 09 mit 1: 34,2. Ein Seitenschwimmen über 100 Meter sah Kin- z ius-Essen überlegen mit 1:17,2 in Front. Im Brustschwimmen über 400 Meter trat der bekannte Schwimmer F a»u st - Göppingen gegen Pascoe-Giehen an. Faust schwamm mit 6:55,2 sehr verhalten. Pascoe gab infolge Erkrankung auf. Das Damenbrustschwimmen über 100 Meter gewann Frl. Ar n d t-G ie he n mit 1:38,7. Eine Lagenstaffel über viermal 50 Meter brachte Iung-Deutschland-Darmstadt an sich mit 2 :21,5 gegen Düsseldorf 09 undiMoe- nus-Offenbach. Das Iugendbeliebig über 100 Qlterer gewann Bühler- Frankfurter Schwimmverein mit 1:14, zweiter war Woltersorf-Frankfurt, dritter Vatrin-Mainz. Im Damenbeliebig über 100 Meter siegte Frl. Teller-Darmstadt mit 1.55,3 gegen Frl. A rn d t-G ieh e n. Berges trat dann noch einmal, obgleich er vorher die 400 Meter und darnach noch in einer Staffel
’ Seltsame Mittwochen.
Roman von Arnold Fredericks
13. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Zehn Tage waren feit der Entführung des Knaben verflossen. Es lchi«' nutzes, den Ort nach Beweisstücken für das Verbrechen »bzwuchen. Dennoch begann Duvall den Platz, w: ne Wir- ter in ihrer Aussage nach gefe fen ha.te, mit dw grössten Sorgfalt zu unter! uchcn. Er prüft, den Grasplatz Zoll um Zoll und unters fa? j.ben Grashalm genauer Unter) vdyung. Es b?u«k über eine halbe Stunde und Slapltt», und terin standen sich müde und schlenderten zwecklos ^^So sahen sie auch nicht, wie er einen kleinen Gegenstand aus dem Grase auflas. Es wai e ne halbgerauchte Zigarette, die durchwucht und schmutzig war und beinahe zerfiel, 1-doch v n einem schmalen Goldmundstück n?ch zusammen gehalten war. r r.i.
Sorgfältig legte er sie m ^neBmestasch^ und erhob sich. „W gibt es nichts.mehrzu tim," lief er Stapleton zu, und alle drei ve^aoe i sich'zum Wagen zurück.
Rach ihrer Rückkehr fuhrtt S.ap.e:):i den Detektiv in die Bibliothek „Haben oie irgenö etwas entdeckt, Herr Duvall? fragte er, bemüht, ferne Unruhe zu verbergen. .
„Vielleicht - doch. Ich mag vielleicht eine Spur haben, doch bin ich meuter Sache nicht sicher." _ ..,, s „
„Was halten Sie von der Erzählung des Fvauenzimmers?“ < - «
.^Imnöglich, sie zu glauben.
Lemberg, Ende September
Dom Flugzeug sieht man im Süden einen dunstigen Streifen sich hinziehen: Die Waldkarpathen. Vor ihnen eine Fläche: Das breite Dnjestr-Tal. llnd parallel dem Fluhtal wi: dem Gebirge, im Vordergründe von Süd oft nach Rordwesten streichend: Ein Landrücken. Roz - locze genanht Aus diesen steuert man zu Denn zwischen mehreren seiner Hügel, in einem Talkessel cing;btttel liegt Lern berg.
Aus meine.i Schälerjahre,i in ein.-m russffchm Gymnasium erinnere ich mich, ,m Ilowa.ski. d.m unvermeidlichen Schullehrouch ter Gech ch e, g = lernt zu haben: Restor, der Kiewer Viönch u.id berühmte Chronist, berichtet: „Im Jahre soundso nach Christi Geburt zog Wladimir der Fürst gegen die Ljachen (Polen! und vertrieb si. aus den Städten Przemysl. Czercren und anderen Burgen, die er unter die Herrschaft Reust:ns brachte" Wladimir hatte feine Residenz in Kiew. Er heiht in der Geschichte der Heilige, weil er von byzantinischen Missionaren das griechische Christentum annahm. Ei selber war als Rach- komme Ruriks Waräger, Qiürmanne; aber das Gebiet seiner Herrschaft, die „Rus", Reuhen, rundum Kiew, ..die Mutter der reuhischen Städte", war, wie wir beute sagen würden, ukrainisch Die Geschichte, die Restor erzählt, ist eine polnisch-ukrainische Jrenzl erichtigung in den Formen des zehnten Jahrhunderts.
Wladimir (ukrainisch Wolrdymyr) drang bis Przemysl vor, also bis zum San. So wiederholt sich bei allem 'Wechsel das alte Lied. Roch heute heiht die Losung der Ukrainer Ostgaliziens, die sich von der polnischen Oberhoheit losmachen wollen: Hin ter m San pol nisch, bis zum San unser. „Za San Lafze, pe San nasze."
Der ukrainische geschichtliche Hintergrund le t in dem Ramen des Landes und seiner Hauptstadt fort. Galizien kommt ton S)a lies, gegenwärtig nichts mehr als ein lleines Solbad hn Dnjestr al, aber Burgtrümmerüb.nweste erinnern bsrt auch noch beute an den Sitz des i'euhischen Fürsten Roman und der Romanowitsche, di? im drei eh i- ten und vierzehnten Jahrhundert über die Fürstentümer Hallez und Wolodymyr Wolynski — Galizien und Lodomerien — herrschten. Einer der Romarowitsche war Leo, slawiich Lew Sein Vater Danylo schenkte ihm im Roztocze-Dergwold einen zur Befestigung geeigneten Platz. Man legte hier eine Burg an (um 1250) und nannte sie Lwi Grod, Burg des Lew, hernach kürzer ukrainisch Lwiw, russisch Lwow, polnisch Lwow (sprich Lwuw). Auch die deutsche Ramenssorm Lemberg bedeutet nichts anderes. Rämlich Löwenberg.
* * *
Ich weih nicht, ob es gerade sieben Hügel sind, zwischen denen Lemberg liegt. Aber die Bewegung des Geländes ist jedenfalls auch h'er Siädtebaukünstler und Landschoistsmaler gerne en. Der E-tadkkern liegt im Tal; als formender Rahmen schlieht sich darum, auf und ab schwingend, das Grün der Hügelkette mit ihnen Anlagen und Auhenquartieren, mit der btregartigen ülmaten- Kathedrale Sankc Jur und gegenüber dem Friedhof aller christlichen Bekenntnffse in Lhczakow, mit dem lebhaften Treiben der Oftmef^e über dem Stryj-Parl und gegenüber dem kahlen, win um- blasenen Luginsland aus dem Hohen Schlvhberg, wo einst Fürst Lew seine erste Holzbnrg erbaute. Steht man auf einem dieser Hügel, lundert und einige Bieter über der Talsohle, so meint man wie über die räumliche, so auch die zeitliche Gegenwart der brunten liegenden Stadt hi ausza'chiuen.
Zwölfhundert soundso viel Re'te'schwärme von Osten, Lanzenträg-r auf sttupp gen Pf.rdchen. Lartaren Horden, ch udernd erzählen die Fortsetzer des alten Restor van ihnen Die Tartaren drangen selbst hier ins wälderbedeckte Hügelland und zerschlugen die Palis-odea des Fürsten Lew. Er baut: sie neu. Die Tartaren, bei Liegnitz geschlagen, Netzen sich nach Südruh- land -uiiick. Rcuer friedlichei' Zuzug kommt nun nach Lwiw; westliche Laute werden hörbar: Deutsch Schon zu reahischer Zeit lassen sich Handwerker und Kaufleute aus Oberdeutschland in Lemberg ni der. Gleichfalls in diese Frühperiode geh' aber auch der Anfang eines östlichen Einwohnerelemtnts zurück dni armenische Glaubensflüchtli >ge, gleichzeitig wffto'tl ch:- Han del anknüpfend, kommen hierher. Selbst Rach- zügler der Tartaren, armseliges Volk, sind zu^ mckgeblieben. Juden Halen llch eingcfunb:n. Das waren die Ansärg: Lember:s zu reuhücher Zeit, die rund etwa hundert Jahre gebauert hat.
Vierhundert Jahre währte bann die Zugehörigkeit zum polnischen Staat, zum Polen der Plasten, der Iagelloaen, der Wahllonige bis ;um Untergang des Reiches. Der S.amm der Lemberger Stadtbürger bleibt zunächst noch lange deutsch. Man gründete ja damals Sladtan- lagen sozusage i als konz:fsianierle Kolonialunter- nehmcn. So geschah es auch hier. Unternehmer und Bürgeriolonisten waren Deutsche. Die Stad, erhielt vom Polenkönig Kasimir Rlagdeburger Recht, wählte ihren deutschen. QSagt und ihre deutschen Schöffen. Roch Hute erinnern an die mittelalterlichen deutsche i Rarmannen Lembergs, an die Sommerstein, Klopper und Gok^berg einige Ortschaften, die si: vor den Mauern als ihre Landhrse .einrichteten: Zamarstynvw So.nmer- sieinhof i, Kleparow -Klopperhof) und Kulparkow (Goldberghos).
Trotz vielfach erneuten und eigentlich nie ganz versiegten Zuzugs aus der Heimat. Der intt dann aber langsam, wie in den west polnischen Städten, auch hier im Offen das deutsche Bürgertum in der polnischen Umgebung. Dis um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts werden die Stadt- alten Lembergs deutsch geführt, dann lateinisch. schließlich polnisch. Es ist ein Bericht erhalten, vom Jahre 1510. der aus dem kirchlichen Leben folgende die veränderte Zeit bezeichnende Szeni' erzählt. Man stellte damals im Kirchenschiff der Kath.'dralkiich: zwei L<anz.ln auf; von der einen wurde beut ch gepredigt, rwn der anderen polnisch, und zwar mit echte.- mönchischer Streitsucht jener Zeit: gleichzeitig, denn jeder der frommen Brüder wollte feine Beredsamkeit dann entwickeln, wenn die Kirche am gefülltesten war. Als der Lärm zu grost wurde, legte sich der Kronkanzler Laski ins Mittel. Er sprach der polnischen Predigt die günftrere Stunde nach dem Hochamt zu. w:h.end der deutsche Prediger sich um die spärlicheren Frühaufsteher der Morgenmesse b:mührn durste. Ein Zeichen der Zeit: Das vorwiegend deutsche Lemberg des Mittelalters neigte sich fernem Ende zu. Ein vernichtender Stadtbrand im Iohre 1527 zerstörte auch seine Baudenkmäler. Rur einige w:nige erhalten gebliebene gotische Spitzbogen am ältesten Teil der Kathedvallirch: sind noch eine letzte Erinnerung an jene Zeit.
.Unter den lohten Jag Honen und unter den Wah'königen nimmt Cemb.ri bann innert.ch und äußerlich vollends polnische Gestatt an. Di.' Breslauer Familie Scholz begründet die Ba'sdh-astie der Scholz-Wolsowicz, die A l n p e ck e aus Freiburg im Breisgau nennen sich Alembek, d.e Scharfenberge werden zu Oftrogorstts. Daneben treten nun gebürtig polnische Patrizier wie die Iosefowicz, Zimorowicz und andere. Für Lemberg kennzeichnend aber bleibt immerhin, fortdauernd und nie verschwindend, ein buntes Döl- kergemisch. Als 1672 bei einer Türkenbelagerung die Stadt 10 Geiseln stellen must, bestimmt man hierzu vier Polen, zwei Armenier, zwei Reuhen und zwei Juden. Das einst vorherrschende deutsche Element war im nunmehr herrschenden pol nischen untergegangen.
Heute gibt es unter den rund 250 000 Einwohnern von Lemberg wieder ein Zehntel deutsche Bevölkerung. Sie stammt aus neuer Zuwanderung, aus der österreichischen Zett. (1772—1918). von den Bauemkolonisten. die feit Josef II. ins Land tarnen. Sie sind teils ka'höfisch. teils evangelisch Die evangelischen Deutschen teilen ihre Kirche mit evangelischen Polen.
Für die — vielfach feit Me.nschmaltern — polnisch g:to -.rbenen einst deutschen Familie.'. Lembergs, die noch immer eine führende Stellung behaupten. aber ist eine Art nationaler Doppel st alz bezeichnend. „Wir llnd die bfften Polen“, tagt Wehl io ein alteingesessener Lemberger. Lind er fiat Recht. ..Aber wir sind tüchtiger, denn wir haben d:uffch?s Blut,“ fügt er hinzu Vielleicht hat er auch damit Recht.
Die fürsorgliche Regie.
Am 21. Oktober muh die wirtschaftliche Räumung des Rrhrgebietes durch- geführt sein. Es trennen uns also nur noch wen'ge Tage von dem endgültigen Verschwinden der französischen Regie Diese kurze Zeit wrrd aber von der französischen Regie dazu benutzt, srch bei allen jenen Leuten des Ruhrgebiete?, dre mit ihr zusammen arbeiten musttm, zaguterletzt noch in das beste Licht zu sehen. Vor allem haben es die Franzosen auf die Regrearber - t e r abgesehen, die unter dem Druck der Ve hätt-
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