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bestrafter Gelegenheit-arbetter Schindel o eck zmn .Diktator von Dirmasens^ ernannt worden. Bet der Plünderung einer Lebens- mitlelgrohhanülung wurde der Besitzer, dec sich ,u verteidigen suchte, indem er auf die Plünderer Sfliafäure gvh und Pfeffer schüttete, von den Eindringlingen fitertoältigt und unter schweren Mißhandlungen und Messerstichen vor das Bathaus geschleppt. Der Schwerverletzte konnte schließlich von der empörten Menge aus den Händen der Separatisten befreit werden. Während sich die französische Gendar­merie wie immer bei diesem skandalösen Auf­tritt völlig passiv verhilt. nahm sie in der Wohnung KlingS eine Haussuchung vor. um fest- zustellen, mit welchen Waffen (!) er sich verteidigt habe Tretz bet in der Stadt unhaltbaren Zu­stände hat General d e M e tz dem Stadtrat von Pirmasens den Befehl erteilt (!), er möge einen Beschluß fassen, daß die von den Separatisten vertriebenen städtischen Beamten sofort zurück» zukehren und die Arbeit wieder aufzunehmen hätten, auch wenn di« ordnungsmäßige Pol^i noch nicht wieder in ^Tätigkeit sei. Die Polizei bleibt nach Anordnung deS Generals weiter ent­waffnet, so daß die städtischen Beamten

keinerlei Schuh gegen die Uebergrifse der Separat.st«

haben. Aach einer Mitteilung des französischen Delegierten will General de Mch auf die Frei­lassung der im RegierungSgebäude von Speyer feftgefraüenen Polizeibeamten von Pirmasens keinen Ginfluh haben.

Fritz Thyssen über die Reparationsfrage.

Paris. 6. Febr. (WTD.) Frih Thyssen bat dem Sonderberichtersiatter des .Journal deS DöbatS" im Ruhrgebiet, der-zlich eine Untern;bung mit Hugo StinneS verbfsent- lichte, ebenfalls ein 3ntcrtric*a> gewährt, in dem er sich über die künftigen Beziehungen zwischen Frankreich u n d D eu t s ch la nd and die Regelung der ReparativnS- frage aussprach. Thyssen erklärte, die äugen» bliclliche Politik scheine ihm nicht geeignet, um eine Regelung und Verständigung zu erzielen.

Zwischen Frankreich und Deutschland stehe die Ruhrbesehu-'g. die immer trennen werde und di« Deutschland niemals «mnehmen könne.

Ratürlich sei der Krieg verloren und Deutsch­land müsse die Folgen tragen. Deutschland wolle Reparationen zahlen,- aber es fei notwendig, daß man ihm hierzu die Mittel lasse. Stinnes habe ja bereits erttärt, daß die Verträge mit der Micum nicht bestehen könnten, da man Privatpersonen Schulden aujhalsen wolle, die durch den Staat getragen werden müßten. Im Ruhrgebiet wisse man nicht, wer regiere. Frankreich regiere, Belgien regiere, Beilin regiere und alle Welt befehle. Die Be» völkerung befinde sich nicht nur in einer sehr schwierigen materiellen, sondern auch in einer sehr schwierigen moralischen Lage. Wenn man «ine Entscheidung treffe, müsse man sich erst fragen, ob man sich nicht zu weit vom naiionalen Standpunkt entferne. In D e u ts ch la n d sei das Kapital verschwunden. Daraus erklär­ten sich die ungeheuren Schwierigkeiten, Geld zu erlangen.

Das wirtschaftliche Leben sei so beschwert, daß, wenn man morgen im Ruhrgebiet alle Pro- dntt'onSm't «l Teutschland zurückg br« würde, noch lange Zeit notwendig wäre, bis «s sein Gleichgewicht und seine Prosperität wieder- siude.

Thyssen sprach sich alsdann noch über die deutsche Kapitalflucht aus und erDärte, wem» es ein Mittel gtbc. die von Deutschen im Ausland« unt-rgebrachten Kapitalien zurück- zu führen, dann werde man sehr enttäuscht sein Der Betrag der deutschen Auslandsgut­haben werd« nach seiner Ansicht stark über­schätzt.

Thyssen wandte sich von neuem gegen die französische Auffassung in der R e p a r a t i v n S- frage. Daß man in der heutigen Zeit, so er- Carte er, ein Volk noch mit Mitteln regieren könne, die einer vergangenen Epoche an- gehörten, das bedeut« nicht, daß derartige Re­gierungen im Einklang mit den Anforderungen Der Gegenwart ständ n oder daß sie eine gute Politik nu.chten. Frankreich fd eine siegreiche Ra­

tion. Es habe die Macht Der xcaffei für sich. Ab« es stelle sich heraus, daß seine Nahrung an Wert verliere. In Frankreich müsse man sich fragen, ob das nicht zum Teil von der franzö­sischen Politik heroühre. Thyssen tritt ent­schieden für die Regelung der interalliierten Schul­den durch Warenlieferungen em. Die Forderung, in bar zu bezahlen, erfahrne im höchsten Grabe widerspruchsvoll. Aus teDartigen Widersprüchen erklärten sich auch alle Schwier-gkeiten Der Repa- uxticn«frage. Zum Bezahlen sei >Seld notwendig: um es zu verdienen, müTie prv>uzi >rt werden, und f ie Pivduttion setze Kred.t und Sicherh.it voraus. Diese seien in Deutschland nicht vc ^nden Dar­über hinaus aber müsse das deutsche Doll, um seine Derpilichtungcn abzutragen, mehr arbeiten denn je. Es sei emer der schwersten Fehler des republikanischen Regimes gewesen, das den Ver­sailler Vertrag unterzeichne: habe, die Arbeiter nicht Darüber aufzullärcn. daß

Arbeiten eine nationale Pfticht sei, die sich gebieterischer denn je aufdränge.

Thyssen nimmt offen gegen die Demokratie in Deutschland Stellung. Rach feiner Ansicht wäre es im Interesse der Reparationen bester gewesen, wenn Deutschland eine Rechts regierung ge­habt hätte. Es sei Unsinn, zu behaupten, daß sie an Krieg gedacht haben wurde. Sie allein wäre imstande gewesen, die auf allen Seiten notwendi­gen Opfer durchzusehen.

Aus Hessen.

RMK. Darmstadt, 6 gebt. Der Sonder» auSschuß deS Landtags begann heute z machst mit Der Beratung der seinerzeit zurückgestellten Tarifverträge mit Dem Personal der Kliniken und Heilanstalten.

Der Antrag der Koalittonsparieieii, im allgemei­nen den Grundsatz des Achtstundentags festzuhalten und nur in besonderen Fällen, wenn die Dienstverhältnisse es benötigen und Dienst» bereitschaft vorliegt, die 54flünbige Arbeitszeit in Betracht zu ziehen, wurde angenommen. Auch der Wunsch der Regierung, grundsätzlich die Personalverträge zu kündigen, damit auf neuer Grundlage die Verträge aufgebaut werden können, wurde genehmigt. Die von der Regierung vor­gelegten Vorschläge über die Reureglung der

Dienstze't der Beamten

wurde erneut beraten, aber Dann doch bis zur Schaffung festerer Unterlagen nochmals zurückge­stellt. Es bleibt danach zunächst bei den staatlichen und Gemeindebehörden in Hessen bei der bisheri­gen 48ftünbigcn Arbeitszeit für die Beamten, bis der Ausschuß eine bestimmte Aenderunz geneh­migt hat. Der Ausschuß fuhr dann in der Be­ratung über die Grundsätze des

Abbaues der Beamten und Anwärter fort und erledigte diese bis auf ine hierzu vor- lieqcndcn verschiedenen Vorstellungen. Die Vor­schläge der Regierung, dir Zahl der entlassenen Angestellten auf die Zahl der auszuscheidenden Beamten anzuvechncn, fand Annahme, doch soll dieser Grundsatz nicht dahin führen, daß Beamte überhaupt nicht abgebaut bzw. nicht ausscheiden. Sin weiterer Antrag der Koalittonsparleien, wo­nach Beamt« einer höheren Gruppe nicht in eine Dienststelle einer niedereren Gruppe eingereiht werden sollen, fand mit dem Zusatz Annahme, daß Ausnahmen gelten müssen, wenn sich dies aus der Praxis «gibt

Ein sozrnDemokratischer Antrag, wonach ab­gebaute Kanzleigehllfen wieder für frei werdende Kanzleigehilferstellen in erster Linie vorzusehen sind, fand Zustimmung, wenn auch der Regierung hierin freie Hand gelassen werden soll. Sin wei­terer Regierungsvorschlag, wonach ausgeschiedene Beamte vei freiwerdenden Stellen in erster Linie wieder Verwendung finden sollen, fand den Bei­fall des Ausschusses, ebenso der Antrag der Sozialdemokratie, daß bei der Verminderung ter Lehrerstellen auf daS besonder« geartete Bedürf­nis der Schule besondere Rücksicht genommen werden soll.

Anzeigen

für die Samstagsnummer bitten wir bis spätesiens Freitag mittag aufzugeben.

Derloq des (Siebener Anzeigers.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 7. Februar 1924.

Die hessischen Dollnrschnsanweisungrn, Tollaraulcthe nttdLandesbauk'Äotgeld sind gültig!

Vom Presseamt des Staatsministeriums werd un« mitgeteilt.

Durch Bekanntmachung des Reichsministers der Finanzen vom I. Febmar 1924 ist das wert­beständig« (auf Gvldmark lautende) Rotgeld, dessen Aussteller in der Provinz Hessen-Rassau und in den Ländern Baden. Hessen und Schaumburg-Lippe ihren Sitz haben, zum 10 Fe­bruar 1924 aufgerufen. Die GinlöfungSfrist läuft bis 10. März 1924

Dicht aufgerufen ttnd hi-nmach und demgemäß wie seither im Verkehr als Zahlungs­mittel anzunehmen die vom Volksstaate H«slen ausgegebenen Dollarschatzanwei­sung e n und Stücke der Dollaranleihe, sowie das auf Papiermark lautende Rotgeld der Hessischen Landesbank, das auf Drund eines Beschlusses des Hessischen Gefamt- ministeriums nach emgeholter Zustimmung des Reichsfinanzministcriums ausgegeben worden ist.

Die Reichs'Denerungsziffer.

Die Reichsinderzifserfür Lebens­haltungskosten (Eimährung, Wohnung, Hei­zung, Beleuchtung und Bekleidung)' beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichs- amlS für Den 4. Februar auf da- 1.04-billiv- nenfach « Der Vorkriegszeit. Gegenüber der Vorwoche (1,06 Billionen) ist demnach eine Ab­nahme von 1,9 Proz. zu verzeichnen.

** Der Höchstpreis für Vollmilch ist auf 29 Pf. für daS Liter festgesetzt worden.

** Tine Mahnung zur Beitrags- bezahlung veröffentlicht die Allg. Ortskran­kenkasse Dießen-Dladt in unserem heutigen An- aeigentcil.

Bornotizen.

Ta geSkalen der für Donners­tag. Für die Winternothilfe und Stubcntenbilfe: 8 llbr in der geheizten Reuen Aula Lichtbilder» Vortrag über das Thema ,Jenseits Der großen Mauer" (Ehina). Gase Ernst Ludwig: 8 tthr großes Konzert. Ast)ria-Lichtsp ele: .Der rote' Handschuh". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Die Tragödie ter Liebe". Palast-Lichtspiele. Der Borerkönig von Reutz)r5'.

Vereinigung ehemaliger 118er. Man schreibt uns: Rach längerer Pause, welche durch Die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt war, soll heute abend im ,P o st - feiler" wieder eine Versammlung, z igseich satzungsmäßige Hauptversammlung, stattfinden. Rach Erledigung des gefchäfllichen Teiles wird Dcmkdiiektvr Gr ießbauer auf Grund eigener Erfahrungen und an Hand eines reichen Ma­terials einen Vortrag über .Feindliche Propa­ganda vor und tn dem Kriege" hallen. (Siehe Anzeige.)

Alldeutscher Verband. Am Frei­tag abend spricht Herr Earl Grube auS Berlin über das Thema: .Von Ludwig XIV. bi« Pvin- car£u. Grube ist hier als guter Redner bekannt.

Der Zirkus Malve eröffnet morgen abend in der Turnhalle am Oswald «garten fein hiesige« Gastspiel. (Siehe Anzeige.)

Wettervoraussage

Zeitweise auf klärend, Temperaturen nahe Rull, geringe Diederschlage.

KreiS Schotten.

wg. Gedern, 7. Febr. In welch rigoroser Weise man in der Gegenwart den schönsten Ratur- denkmäleen zu Leibe geht, sieht man an dem Plan der Siedlungskvmmission des hessischen Staate«, welche den in nächster Räte gelegenen sogen. Großen See, Eigentum des Fürsten zu StoDerg-Wernig.rode-Gcdern trockenlegen und als Ackerland urbar machen will. Allein- halben regt sich schon der schärfste Protest gegen diese Absicht, die allen Heimatfreunden und den zahllosen Wanderern, die alljährlich diese« wun­dervolle Raturdenkmal zum Ziel ihrer Ausslüge machen und darum von nah und fern herbeieilen, völlig unverständlich und zwecklos erscheint. Bei Verwirilichung dieses Planes würde ein« der

prächtigsten LandschaftsbUder des Engels berget erbarmungslos zerstört und auch unserem 5täot» chen großer wirtschaftlicher Schaden erwachsen, da bann der Fremden;ustrom erheblich Nachlassen würde. Da der 6cc auch als vielbesuchter Bade­platz in volkshygienischer Hinsicht einen au betörten lich werwvl.en Faktor darstellt, muh mit aller Entschiedenheit gegen die Absicht ter Sredlungskemmis ion Stel.ung genommen werten Die erforderlichen Schritte sind bereit« von vielen Sriren eingeleitet worden. Möge ihnen ein guter Erfolg beschieden sein?

Hcsscn-Nasiau.

fpd. Frankfurt a. M. 6 Febr. Die Drei großen Bauplätze auf Den Gelände deS St^u- rnanirtheat:rs au) Dem DahnhosSplatz sollen im Lause dieses Somm rs bebaut tocr?<n. Die In­dustriebaus- A-G. läßt zwei grob« Ge­schäftshäuser und ein Auto garagen- 6 ebä u De au) Den Plätzen errichten. Damit ver­schwindet auch ter letzte unschöne . Fleck" tm Dahn h ^-gebiet. Aus stromp>ltzrilichen Grün­den muh die eingestürzte Rotbrücke so rasch als möglich abgebrochen werden. DaS ge­schieht, intern zuerst die eisernen Brückenteile von besonders dazu eingerichteten Schilfen abm.-mhert and abgefahren werten. Die Arten^n geben rafch und ohne bisher nennenswerte Unfälle bRa­batten.

Hönisch überbas geistige Deutschland und Die Republik".

Heber dieses Thema sprach am Dienstag abend in einer stark besuchten, von dem Re­publikanischen Reichsbund einberusenen öffentlichen Versammlung in ter Turnhalle am Oswaldsgarien ter frühere preuhische Kultus» Minister und jetzige Regierung svräHdenl von Wiesbaden Konrad Hänisch Rach den kurzen Begrüßungsworien des Versammlungsleiter- Rektor Loo - führte ter Redner u. a. auS:

-2ch hab« von vornherein gewußt. daß ich mit diesem Thema den Finger lege in eine der schmerz- llchft brennenden Wunden am Körper ter deut­schen Republik. Die breite Masse de« Volkes steht ohne Zweifel mit Herz und Hirn treu zuo Republik, und die Spitze d«S Reiche«, vertreten durch den Reichspräsidenten, ist gleichfalls echt republikanisch, aber am die Stellung ter Zwischenschicht des sog geifrigen Deutschland zur Republik ist es einigermaßen zweifelhaft be­stellt. Was ich damit meine, sind im wesent­lichen die großen Dcbich'en der akademisch Ge­bildeten, die großen Massen unserer Oberlehrer, Rechtsanwälte, weite Kreise unseres hohen Be- anUentums und di« akademisch« 3ua?nS. Zwar gibt es auch zahlreich« geiftiae Männer, die sich zur Republik bekennen, eoenso wie repu­blikanische Studentenblocks auf Hochschulen, aber im Verhältnis zur Gesamtheit des aetfriqen Deutschland machen diese wenigen Schwalben immer noch keinen Sommer. Bei den studentischen Wahlen bat die völkische Liste immer noch die überragende Mehrheit, und die republlkaniscch- demokratische Studentenschift ist in ter hoffnungs­losen Minderheit. Das ist (ein Wunder, denn wie die Alten sungen, so zwitschern die CVungen So Tiegen die Ding«. Für diesen Zustand gibt e« zwei Erklärungen. Zu-rst die Grittide materieller Art. die am besten umritten tnerbit durch das Wort .Rot ter geiftigni Arbeit" und .Rot ter geistigen Arbeiter". Diese Rot ist in der Tat in den letten Jahren so furchtbar gew-tm. test man ihre vsychofvgttcte Wii-*u"g hoPfemmm verstehen kann." Der Redner fd>,tber*e in die'em Zusammenbang kurz die attaemrin beknnn'e sehr ungünstige Lane .mfeier säm'ttcten Bildung- anftalten nnd -Einiich'ung^n .Die Rot d^ser In ftttute und bei geizigen Männer M- an ihnen wirken, s-nner die bc1- freien S^-^il ßelle' bei Privatg-l^hrten. der Anwälte uHr ist fo fcblimm, dah Darüber ta*>m <*in zu Harfe* Wart g-aat werten kann." Bei birier G'se-eobeit mm1-!? 'ich ter Röterer u. a mit Rach druck gegen ch'n sche- matifchen Schulabbau. vor tem er ctnbrinq'uf warnte. .WaS man Da ietzt schonte- an Leßr fräften spart, die bann auch ter furVbiren Rv antehnfafien. wild auf der antem Sri e taufente fach schädigend wirken durch die schlech en Unter- licktSresultnte. S^enlo ist da^r zu warnen, ietzt duick, unser Drl'stech'ch'.ilw^sen hincri-aib ef-cn Stiich zu matften. Wis wir freute in unsere Bil­dung al« Kapital hineinfre^en. tH weibentes Ka- Vital, da« einst vieltausendfach Früchte tragen wird Angesich'S ter vielen Bedrängnisse der gelpiger

Menschikow und Katharina.

Schauspiel In 5 Allen vonHellmuthUnger.

Wir sind e« in Deutschland sv nach und nach gewohnt, dah man aus unteren Bühnen Werke fremder, ausländischer Dichter spielt, die weder ter Form noch dem Inhalt nach Kunstwerke find: die sittlich nicht nur Anstößiges, sondern geradezu Verderbliches bieten, während unsere deutschen Dichter ausgeschlossen bleiben. Die Folge davon ist, dah nur wenige Deutsche tn die heutige deutsche dramatische Dichtkunst einen Einblick haben und die Mehrheit selbst ter Gebildeten von tem Schassen und dem Ringen des jungen deutschen Dichtergeschlechts wenig weih. Um so mehr ist es zu begrüßen, dah unsere Tbeatei> leitung einen dieser jungen Dichter, Hellmuth Unger, hat zu Worte kommen lassen.

Sein Schauspiel .Menschikow und Katharina" zeugt von ernstem künstlerischem Wollen und reifem Können. Freilich, ein Drama tm altherge­brachten Sinn ist es nicht. Dazu fehlt ihm Die einheitliche Handlung.

Der Dichter fühlt sich von der Gestalt Katha­rinas angezogen, btt, als Leibeigene geboren, zur Kaiserin von Rußland aufstieg, und er sucht ihre PersönltcVeit zu begrünten In vier Bildern stellt « die Hauptpunkte ihres LebenS dar. Reben sie treten die großen Persönlichkeiten Peter der Grvhe und sein Günstling Menschikow, die w»e ferne Urzetlmenschen rinherschretten. Alle drei sind WMcnSmcnschen, Mach mcnichen, von Lcidtn- schaften beherrscht, aber Katharina ist Me grvhte unter ihnen.

Im ersten Bild, da« die beiden ersten Aufzüge umfaßt, sehen wir zunächst Katharina als Geliebte Menschikows. Sie ist. wie getagt, die Tochter eine# leibeigenen Dauern, die an emen schwedischen Dra- armer verheiratet worden war. Der General Schmeretew hat diesen Dragoner erichiehen lallen und die unglückliche Wi'we gegen thron Willen

zu cig~n gemacht. Später Hal sie den Für» ft en Menschikow kennengelernt, und sie liebt ibn mit der ganzen Leidemchrst ihrer so leitenschast- lidjen Seele. AuS politischer Berechnung aber ver­schenkt er sie an den 3ircn Peter tert Großen, der sie um ihrer Schönheit willen begehrt. Und

Menschikow fügt der ehrlosen Handlungsweise noch den Hohn hinzu. Katharina ist tn ihrem Inner­sten getroffen und damit beginnt das Ringen der beiden, die sich heben und nicht mehr zuein­ander können. DaS Leben ist ihr nichts mehr und so wagt sie das Aussichtslos:. Sie tritt dem gewalttätigen Zaren als PeZönlich'eit gegenüber und zwingt ihn eben dadurch, als Weib und als Mensch, sie zu feiner Frau zu machen. Ihre erste Rache an Menschikow ist die: Aus ihre Verwen­dung hin wird er zum Befehlshaber ter Garte ernannt, wonach er strebt Sie hat ihren seit- berigen Herrn und Meister in fernem Streben nach Macht im Augenblick überflügelt und weiß, tote sehr sie ihn demütigt, daß er aus ihrer Hand an- nehmen muh, was er auS eigener Kraft nicht er­reicht hätte. Reben diesem Persönlichen läuft daS Geschichtliche, der Gegensatz zwischen West- und Osteuropa, vertreten durch Peter und Menschi­kow. Mit festem Griff g-etft der Dichter in das Leben und stellt eS greifbar vor unsere Augen und unsere Herzen.

Das zweite Bild zeigt Katharina auf der gebe ihrer Macht. Im Türkenkriege hat sich die Lage gegen Peter gewandt: Er ist am Prutd mit feinem Heer eingeschlotten Mit großer Klugheit greift Katharina in da« Weltgescheten ein. Sie fdiift Boten an ten Großwesir und ersucht um akifrmbhnflCTi. Richt für sich selbst sorgt He, fon- ärn.^lr großes russisches Reich und feinen Herrscher. Menschikow, ter so Großes will mb fo sinkt tief und tiefer. Er trämdt Da« Cntt ter Verleumdung in Peter« Ohr: Gcgcn Prei«gade ihrer Person an Den Großwesir, tem seine hundert Weiber nicht genügten, wolle die Zarin ten Frieden erkaufen Peter hHt sich groß, er kann'« nicht glauben; aber ein Zweifel bleibt dv<b in seinem Herzen zurück! So ist es ihm un- nröglich, ten Grvßwesir zu empfangen, und er früi^t sich in den Kampf, um verzweifelt Den Durchbruch zu erkämpfen oder zu fierben. Hierauf treffen Katharina und Menschikow vir Ärtunft des Grvhwesirs nxfc einmal zusammen; und mit tem Tote vor Augen bricht b.n beiden ihre Liebe durch Doch Katharina findet sich r<-»sch tötetet: .Um zu herrsche so hat mich Men- schikvw gelehrt, mufi man fdn Herz wegwetse« tu

ten Staub, nicht mehr nach Wünschen fragen, hart fein, klug." Und Dann tritt der Groh- Wesir zur Verhandlung ein! Seme Forderungen Werten alle bis auf eine bewilligt? .Die Waffen abHefcm?" ruft Katharina, .ne n! Dean das ist Schmach! Vergeht nicht, was Verzweiflung tut!" Die bietet Gold, das sie selbst im Lager ge­sammelt hat: ihre Krone legt sie ab. ihr kost­bares Geschneite; alles, um den Wesir zu te­st echm. Ader nicht daS Gold ist es. was ihn be­sticht' Es ist ihre große, reine Persönlichkeit, Die Den Sieg über ihn erringt: Die Russen erhalten treten Abzug und einen ehrenvollen Frieden. Doch hat Menschikow ihr die Freude an ihrem Werk« geraubt, denn er hat ihr eriählt, ter Zar glaube, sie habe sich als Siegespreis dem Sieger an geboten.

Diese b iden Bilder sind voller Leben, von großer Kraft und Schönheit. Dagegen fällt daS 3. Bild (Der 4. Aufzug), das etwa 20 Jahre später spielt, zum großen Telle aus dem Rahmen. Richt mehr Menschikow und Katharina, der Zcv steht hier im Mittelpunkte, er stirbt und stirbt sehr lange. Erst der Schluß deS Bildes zeigt wieder das Ringen ter betten, di« sich lieben. Katharine, nun frei, wirbt um ihn, den sie heißer liebt als je. Wiederum weist er sie ab. Er selbst will Herrscher werden und mit niemand seine Herrschaft teilen. Die Garte steht bereit, dazu ter Adel, ihn als Zaren auSzurufen. Sie ater, Katharina, wird wieder Meister: fk zwingt ihn durch eine List, sie selbst als Kaiserin auszu­rufen.

Im letzten Bilde kommt ter Kampf zum AuStrag Eins von beiden ist zu viel! K ttharina kommt zum Schluß, ihn, den sie licht, nach Sibirien zu verbannen. Er aber wird hieraus -um Herrichermörter. wovor er sein ganzes Leben zurückges^reckc ist. Unb als er sie grölet bat, da erst erkennt er ferne Liebe: Dk Krone, nach ter er fein Leben lang gestrebt, bat mm jeden Retz verloren, er läßt sie tem Enkel Peters. Mit ihr. die er gemordet, hat er sich selbst vernichtet.

Mit großer Kunst hat der Dichter die drei führen ten Persönlichkeiten gezeichnet. Daneben verschwfiiden die anderen Personen.

Die Aufsührung. dir unter ter sorgfältig« Spielleitung von Adolf T e l e k y stand, war wohlgelungen. Rose Rubner »eigte ihr reiches Können und stellte eine Katharina auf die Bühne, so lebenswahr und echt in ihrem zwiespältigen Wesen als Weib und Herrscherin, friß sie das Hau« hinrih. Karl Cambertin als ihr Gegenspieler Menschikow hatte eine ebenso schwere Ausgabe, nämlich den Ränkeschmied und hinter- listigen Menschen, ter furnier Große- will und doch nicht handelt, der Zarin gegenüber zu be­haupten; diese Ausgabe hat er sehr gut gelöst. Troß und natürlich war der Zar Peter Kort Juhnkes; besonders die Sterbeszen« war eine Meisterlcistung. Paul Schubert als Dolgv- ruky, Peter Paul Schmitz al« Avrarin. Oskar Feigel alS Schneretew. Karl V o lck als Droßwesir wurden ihren nicht immer dink- baren Ro.len sehr gut gerecht. Hred Marleh als Trvjurew hätte im letzten Aukzug etwas weniger stark auftraqen Dürfen Merkwü big war. daß Die Zett (23 Jahre!) an einigen fast spurlos forübergegangen zu sein schien!

Die Bühnenbildei waren aus den vorhan­denen Mitteln mit großem Geschmack zusammen­gestellt und außervrtenttich frimmungsreich, be­sonders ater tm 3 Auszug

Der Beifall war für Gießener Verhältnisse außerordentlich stark, besonder- nach dem 3 Auf­zug und am Schluß Wir danken der Leitung und ten Künstlern für diesen schönen Abend.

Zum Schlüsse möchte ich mir noch eine Be­merkung gestalten: Einige Künstler sind in ihrer Aussprache etwas lässig geworden Die Bühnen­aussprache ist doch mm einmal da und zum guten Zweck! Siltenverichleißmg. Derichlucken. mundartliche Färbung, kaS sollte doch vermieten werten! Es wird hn Hause manches nicht ver­standen (und nicht bloß zu Anfang!), nicht weil zu lriS gesprochen, sondern weil nicht richtig gc- lprochen wird Selbst tn unserem Hause mit seiner schlechten Akustik wird auch die Flüfrersprache überall verstanden (das zeigt sich ja bei jeder Aufführung!), wenn nur Ansatz und Lautdildung richtig sind £