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Cr. 288 Muster glatt Gtegener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Das Bündnis von Björkoe.

Wilhelm II. an den Reichskanzler von Bülow über die gweikaiserzusammenkunft.-)

Die politische Lage toäfjrenb des Russisch- Iapanischen Kriege- hatte zu einer weitgehenden Annäherung -wischen Ruhland und Deutschland geführt, während die Beziehungen deS Zaren» reiche« zu England, dem Verbündeten Ja» Pan-, auf« äusterste gespannt wurden, so das) wiederholt der völlige Bruch unvermeid­lich schien. Die Deutsche Regierung, die sich so­eben unter dein Eindruck der entschiedenen, durch den Abschluh der Entente cordiale vom 8. April 1904 bekundeten Kundmachung Englands zu Frankreich zum erstenmal der Deutschland drohenden Isolierung ernstlich bcwustt geworden war, suchte begreiflicherweise die Ge­legenheit zu benutzen, den drohenden Ring zu durchbrechen. Da der Weg nach England durch mannigfache Verstimmungen und nicht zu­letzt durch die bereits beginnende Auswirkung des deutschen Flottenbaus zur Zeit wenig gang­bar erschien, kam man in der Wilhelmstratze auf den alten Gedanken einer Kontinental- liga zurück, der bereit- im Jahre 1895 Herrn von Holstein, dem mastgebenden austenpoliti­schen Berater deS Kanzlers, vorgeschwebt und den Hintergrund der ganzen deutschen Ostasien- Politik gebildet hatte. GS traf sich gut, dast Kaiser Wilhelm- Verstimmungen gegen seinen englischen Dnfd und feine allmählich fast zur fiten Idee gewordene Feindschaft gegen die gelbe Rasse mit diesen politischen Plänen ganz konform gingen. So begann bereits im Rovember 1904 teils durch Vermittlung des russischen Botschafter- in Berlin, vor allem aber durch direkte Korrespondenz der beiden Herrscher idie in Wahrheit hier nur die Agenten ihrer aus­wärtigen Minister darellten) der Versuch, ein feste- Dündni- zustande zu bringen, dem dann auch Frankreich beitreten sollte. Diese Bemühungen scheiterten zunächst, weil der russische Auhenminister Graf Lamsdorff, der in dem deutschen Vorschlag eine Intrige gegen den russisch-französischen Zweibund wit­terte, eine vorherige Benachrichtigung Frankreichs forderte, was man in Berlin au- leicht begreiflichen Gründen a b l e h n t e.

Erst Im Hochsommer 1905, al- Rustlands Spiel im Fernen Osten gänzlich verloren und da- Zarenreich in eine beispiellose innere und äuhere Zerrüttung geraten war, schien der Ge­danke eines russisch-deutschen Bundes als Grund­stock eine- gewaltigen Kontinentalblocks doch noch Gestalt zu gewinnen Auf der kleinen Insel Björkoe in den finnischen Schären kam cs Ende Juli zu einer denkwürdigen Begegnung der beiden Kaiser, die nur von einigen Getreuen begleitet waren. Unter dem starken Eindruck der impulsiven Persönlichkeit des deut­schen Kaiser- wurde der Zar ohne Wissen seiner Minister veranlastt, einen Vertrag zu unterzeichnen, dessen wesentlicher Artikel in deutscher Uebersetzung lautet:

Wird eine- der beiden Kaiserreiche durch eine europäische Macht angegriffen,

*)Die Groste Politik der Europäischen Kabi­nette 18211914". Sammlung der Diplomatischen Akten be8_ Auswärtigen Amtes. Im Auftrage de- Auswärtigen Amtes herau-gegeden von Jo­hanne- LepsiuS, Albrecht Mendelssohn Bar­tholdy. Friedrich Thimme. 4. Reihe.Die Isolie­rung der Mittelmächte". Erste Abteilung: Dd. 19 bis 21. Im Verlage der Deutschen Derlagsgesell- schaft für Politik und Geschichte in Berlin W 8.

so hilft ihm fein Bundesgenosse in Europa mit allen seinen Streitkräften zu Lande und zur See."

Der Vertrag sollte beim Abschluh des Frie­dens zwischen Rustland und Japan in Kraft treten, und der Zar sollte Frankreich zum D e i t r i tt einladen.

Es würde zu weit führen, die Bedeutung diese- Abkommens ausführlich zu analysieren: nur kurz fei daran erinnert, dast schon dio seltsame Form seines Abschlusses die russi­schen Ministei wulsten gar nicht, die deutschen nur halb Bescheid sich bald als historisch mit den Tendenzen des 20. Jahrhunderts kaum vereinbar Herausstellen sollte. D efer wenn der Ausdruck erlaubt ist letzte Alt eines dahin- gegangenen Absoluttsmus wirkt wie eine ana­chronistische Episode, wenn man den grosten Gang der weltgeschichtlichen Entwicklung betrach­tet. Die Staatsmänner an der Spree und an der Rewc> wussten mit dem Vertrag nichts an­zufangen. In Petersburg wollte man begreiflicherweise die bewährte französische Freundschaft nicht für eine ungewisse Kom­bination aufs Spiel sehen, und autzerdem lenfte bald der neue Austenminister Alexander 3 8- wv ls k i die russische Politik ganz ins eng­lische Fahrwasser. In Berlin kehrte Fürst Bülow nach einigem Schwanken zu seiner tastenden und zweifelnden Politik der Freien Hand zurück, die bald in Algeciras zum erstenmal zur offensichtlichen Isolierung des Bismarckschen Reiches führen sollte.

Wir bringen im Folgenden aus dem dem­nächst erscheinenden 19. Bande der Grosten Akten- publikation des Auswärtigen Amtes einen eigen­händigen Bericht Wilhelms II. zum Vorabdruck.

Wisby, 25. Juli 1905. Mein lieber Bülow!

Durch meine Telegramme haben Sie schon erfahren, dast das Werk der Annäherung ge­krönt und der Wurf gelungen ist!

Und jetzt, da es so gekommen ist, wundert man sich und sagt, wie tft so etwas möglich? Die Antwort ist für mich sehr klar! Gott hat es also gefügt und gewollt: allem Menschenwih zum Trotz, allem Menschentreiben zum Hohn hat er zusammengeführt, was zusammenge­hörte! Run, Seine Wege sind andere als unsere Wege und Seine Gedanken sind böher denn unsere! Was im vorigen Winter Ruhland im Hochmut ausschlug und in Inttiguensucht zu unserem Rachthstl ausz'.gestaltcn versuchte, hat es jetzt, durch des Herren furchtbare, harte, demüthigendc Hand herabgedrückt, mit Dank freu­digst als eine schöne Gabe akzeptirt. Ich habe die letzten Tage soviel nachgedacht, dast mir der Kopf brummte, um sicher zu sein, dast ich es richtig anfange, stets die Interessen meines Lan­de- vor Augen, aber nicht minder di'j'nigen des Monarchischen Gedankens im Allgemeinen. Schliestlich habe ich meine Hände zum Herrn üer uns alle erhoben, und ihm Alles anheim- gestellt und gebeten, Er wolle doch mich leiten, und führen, tote Er wolle, ich sei nur ein ein­fach Werkzeug in seinen Händen, und werde thun, was Er mir eingeben werde, möge die Aufgabe noch so schwer sein. Und zum Dchlust habe ich auch den Wunsch des Alten Dessauers bei Kesselsdorf ausgesprochen, wenn Er mir nicht helfen wolle, dann auch dem anderen Sein« Hülfe nicht zu geben. Run fühle ich mich wunder­bar gestärkt, und der Wille und die Absicht

wurden bei mir immer fester und bestimmter, Du seht es durch, koste es was wolle!" So sah ich vertrauensvoll der entrcvue entgegen. Und was fand ich nun vor? Einen warmen, liebevollen, begeisterten Empfang, wie er nur einem von Herzen aufrichtig geliebten Freunde zu Theil werden konnte Der Zar hat mich umarmt und an sich gedrückt, als sei ich sein leib­licher Bruder, und mit dankerfüllten, freude­strahlenden Augen blickte er mich immer wieder an. Die Russlisches Umgebung war von einer Herzlichkeit wie ich es noch nie erlebt Dencken- ö o r ff liest sogar fein Monocle aus dem Auge fallen, als ich ihm die Handhab!! Der Drost- fürst Thronfolger war eigens mitgebracht worden und war auch eitel Freude! Bald nahm irich der Zar bei Seite und sagte, er brenne auf eine eingehende Converfation Wir steckten die Cigaretten an und waren bald in medias res. Er war ungemein erfreut über unser Marocco- Abkommen, was den Weg zu guten dauern­den Beziehungen zu Frankreich eröffne, und spendete meiner Hoffnung, dast daraus eine dau­ernde Verständigung, vielleicht sogar einagrec- ment" mit Gallien hervorblühen möge, lebhaften Beifall Als ich Darauf aufmenfam machte, dast trotz der Englischen) Hetzereien Frankreich glatt refüsiert habe, mit uns auf die Mensur zu gehen, und sich also um die Reichslande nicht mehr schlagen wolle, sagte er scharf:Vcs, that 3 faw, it is quite clear; the Alsace-Lor- rainc queftion is closed donce for all thank God. "Run kam das Gespräch auf England, und es zeigte sich sehr bald, dast der Zar eine schwere persönliche Wuth a>s England und den König hat. Er bezeichnet Edwsards VII. als den grösstenmischief maker" und unaufrichtigsten sowie auch gefährlichsten 3ntrtguantcn in der Welt. 3ch konnte ihm nur beipflichten mit dem Bemerken, dast ich ganz besonders unter seinen 3ntrigucn in den letzten 3ahren g-Iitten hätte. Er habe Passion, überall mit jeder Macht Etwas anzuzetteln,,a little agreement zu machen, da unterbrach mich der Zar, indem er mit der Faust auf den Tisch schlug:Well, 3 can only say, he shall not get one from mc, and netter in my life againfl Germanh or you, mH Word of honour on it." ...

Am nächsten Morgen schlug ich meine Losungen*) auf und fand folgenden Text:Ein jeglicher wird seinen Lohn empfa igen nach feiner Arbeit." Und hoffnungsfreudig ftieg ich ins Boot, das mich zur Vacht des Zaren führte, den Vertrag in der Tasche. Der Zar emp­fing mich unten auf dem Fallreep mit herzlicher Umarmung, und dann gingS mit Micha**) zu­sammen zu dreien zu einem vo-trefflichen breaf» fast hinunter. Hierbei kam daS Gespräch auf ziem­lich die nämlichen Themata wie die oben geschil- berten. Dabei konnte ich ba'b wahrnehmen, wie schwer verlehi der Zar war über das Verhalten Frankreichs in der Doggerbankaffaire . . . 3m übrigen habe sich Regierung und Presse Galliens noch leidlich korrekt benommen, und die Pa­riser wären lalt geblieben. Ob sie Wohl was miteinander abgemacht hätten? Ich meinte, so was wie ein kleinesagteement Edward VII. habe ja ein faible dafür ohne Mitwirkung des Dutzdesge nossen könne wohl dabei heraus­gekommen sein. Tief traurig lieb er den Kopf Höngen:that is tno bad!"Wat shall i do In this diiagreeable fituation?" Jetzt, fühlte ich, war der Moment gekommen! Da der A liä ohne Mittheilung und Anfrage beim Zaren sich die Politik der freien Hand und Rückversicher rungen gewahrt habe, fei es ihm ja unbenom­men, ohne Unrecht zu begehen, ein Gleiches zu

*) Die Losungen der B.üd-rgemeind«

*) Der Grobfürst-Thron olger.

Samstag, v. Dezember V?21

thunfuum cuiqu^*! Wie wäre es denn, wenn wir auch so einllttfc agreement machten? Wir hätten ja im Winter schon mal eine- berathei^ daS sei aber nicht gegangen wegen Delcass 6 und Spannung mit Frankreich. Jetzt sei da- ja alles vorbei, wir würden gute Freunde der Gallier werden, also nun falle jede- Hindernih fort?!Ob Yes. to bc fure, 3 remem- 6er well, but 3 forgot the content- of It, what a plty, 3 haven't got It Here." .Ich besitze eine Abschrift, die ich so xgaiy zufällig in der Tasche bei mir habe." Der Zar fafitc mich beim 21 nnc und zog mich aus dem Saale In setne- Batcrs Cajüte und schlost sofort alle Tbüren selbstShow it mc, floate": dabei funkelten die träumerischen Augen in Hellem Glanze. Ich zog das Couvert aus der Tasche, entfaltete da- Blatt auf dem Schreibtisch Alexander III. vor dem Bilde der Kaiserin-Mutter, zwischen lautet Photos aus FredenSborg und Copenhagen, und legte eS vor den Zaren hin. Er laS einmal, zweimal, brrimal den Ihnen bereit- mltgetcllten Text. Ich betete ein Stostgebet zum Heben Gott. Er möge jetzt bet uns fein und den jungen Hetwscher lenken. GS war tobtenftitl; nur da- Meer rauschte unb die Sonne schien fröhlich und heiter in die trauliche (Sabine, und gerade vor mir lag leuchtend weist dieHohenzollern", unb hoch in den Lüften flatterte im Morgenwind die Kaiserstandarte auf ihr: ich las gerade auf deren schwarzem Kreuz die BuchstabenGott mit llns", da sagte des Zaren Stimme neben mirthat iS quite excellent I qultc agrec! Mein Herz schlägt so laut, dast ich eS höre: ich raffe mich zusammen und sagte so ganz nebenhin: Should you life to sign tt? It would be a vcry nicc souvenir of our entrevue" ? Er über­flog noch einmal daS Blatt: Dann sagte erVeS, 3 will". Ich klappte das Tintenfast auf, reichte ihm die Feder und er schrieb mit fester Hand Ricolas", dann reichte er mir die Feder, ich unterschrieb, und al- ich aufstand, schlost er mich gerührt in seine Arme und sagte .3 tbanf God & 3 thank you, it will be of most beneficial consequences for my country & yourS: you arc Russia's only real frlend in the whole World, I Hove feit that through the whole war L 3 know it." Mir stand das Helle Wasser der Freude in den Augen, allerdings rieselte es mit auch von Stirn und Rücken herab und ich dachte, Friedrich Wilhelm III, Königin Luise, Grostpapa und Ricolai I., die sind In dem Augenblicke wohl nahe gewesen? Herabgv- schaut haben sie jedenfalls, und gefreut werden sie sich Alle haben! Als ich den Zaren daraus aufmerksam machte, es werde sich empfehlen, vielleicht noch zwei Gegenzeichnungen zu haben, das fei fo Sitte bei dergleichen Instru^ menten, stimmte er zu und befahl sofort Tschirfchky herüber und Admiral B Irl lew herab. 3hm und Birilew tbellten wir Beide das Faktum des Vertrages mit und der alte Seemann fastte stumm meine Hand mit feinen beiden Händen und tobte sie ehrerbietig.

So ist der Morgen des 24. 3uli 1905 bei Björkoe ein Wendepunkt In der Ge­schichte Europa- geworden, dank der Gnade Gottes: und eine grobe Erleichterung der Lage für mein theureS Vaterland, das endlich auS der scheublichen Greifzange Gallien-Rustland be­freit werden wird. Der Zar besichtigte noch die Berlin" und gab ein grobes Abschieds lunch bei sich für alle meine Herren, bet dem er in aufgeräumtester Stimmung war . . . 3n Dopen» Hagen werde ich Schoen ausfragen und etwas horchen, was mau sich dort denkt unter Reu- tralität. Das Wetter ist prachtvoll, die Fahrt toundcrfchön Ihr treuer Freund

. Wilhelm I. R.

Die rote Kaschgar.

Roman von gehör von Zobeltih.

II. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Das war in einem Tone gesprochen, wie er in gesellschaftlicher Hebung lag. Der Mi f.onar hatte auch äuherlich nichts von einem hageren Asketentum an sich. Man hätte ihn ohne den üblichen einreihigen schwarzen Rock, den der Stehkragen am Halse schlost, für einen Offizier ln Zivil halten können. Das brünette Gesicht trug dre kenntlich feinen Züge einer guten Herkunft, um den glattrasierten Mund lag Freuiä>lichleit, in den dunklen Augen mehr als die Schwärrneret einer von ekstatischen Vorstellungen getragenen Alaubensfreude, eine fast herausfordernde Wil­lenskraft.

Sie schritten links ab von der groben Dorf- ftraste, zwilchen den sauberen Häusern der Ge­meinde, in denen die ftrafte innere Zucht und die religiöse Einfalt der Kolonie sich zu versinn­bildlichen schien, auf schmaler werdendem Pfade zwischen Wcistdornhecken hangan.

Sie haben da unten in Afrika Erfolge er­zielt. wie ich 3hren Schilderungen entnahm, Bru- der Dorctheus," sagte Freyc.Aber unter wel­chen Mühen, Gefahren unb Entbehrungen!

Sie waren erträglich," erwiderte Fiedler, es ist alles erträglich, wenn man mit seinem Vertrauen zur Sache <inc unverlegene Furchtlosig­keit zu einen versteht. So lange ich un.er bri­tischem Schutz stand, stampfte ich übrigens ohne Schwierigkeit vorwärts und fand übercL in den Kraals willkommene Auf:ahme, c.bcr Schwester Freye, ich gestehe ehrlich, das 3ntereifc wuchs doch erst, als ich die letzte, schon mangelhafte Kulturzone hinter mir te. Im Du ch und in Cer Wildnis begann auch so recht eigentlich meine Mission. Unb da sah ich wieder, wie eine robuste, unempfindliche Furchtlosigkeit auf die Wilden cintoirtt. Es ist eine dampfende Erdkraft, ein Geheimnis der Ratur, vor dein biete Menschen Respekt haben. Ratürlich schwebte ich oft genug in Gefahren Herrgott ja. sie umlauerten mich auf Schritt und Tritt, aber es war ein Schatz für mich, da") ich ihrer nicht achtete."

Sie h ckten Gefährten auf Ihrer Rei c?" fragte Freye.

.Richt viele und keinen Europäer, nur ein halb Dutzend Ei.tg: b ^rener, die i<h zur Bedienung meines Pferdes und meines Obfentra e s brauchte. ilcbrigenS auch unter ihner schufti e Dur ch?n, die mir gcl ge tlich davonli sei. Aber im allgemeinen hatte ich Glück und am meisten als Gefangener, weit ich da am be tert Zeit fand, mLinen teilten Mi menschen zu lehren, was ihnen noch fehlte. Ja Schwerter Freye auch das'ist, fast möchte ich sagen eine Kunst: die Art, wie man die Heiden lehr m soll. Ich unt r- fchätze die fonftigen Missionen nicht, am wenigsten die k.ttholi chen, ab:r bei uns Herrnhuter i f^hrt gewöhnlich die Schlichth it der Auf a 'u g, das von allem Zauber des MyWchen ab gelöste Um umstöstliche am fchncllsten zum Zi le."

Ich verstehe," sagte Freyebraufje.i beda f es nur der Kraft des Wortes, h.er engt das Formalisttsche uns zuweilen ein."

Er nickte.Degr islich. dast Sie, die Sie aus einer aiideren Dildungswelt komm ei, di n und wann Anstob nehmen an dem ersichtlich K c> nen m.mcher Vorschrift Aber li: mei len un re Drüber und Dchwestten sind in geistigem Sin e doch primitivere Ratur n u d glauben Sie mir, für sie bleib m alle die e Formalien ein Bund des Zusamm nhaltcns, richt allein in der Seelen- pflege, auch im praktischen Lebet der Gern i de. Kappietsch steht über h ndert Jahre, ein Schüler Zinzendorfs hat es begründet

.Mein Urgtwstvoter," warf Freye ein.

.Herr Otmar von Elstern, ich vergab es Verzeihung. Unb wie blüh:id hat bi: e Lei te Republik sich ent to cf eit! Ete iestt unsere Er­ziehungsanstalt nicht einen Ruf toeit über die Grenzen Deut'chlaids hinaus?"

Er war ftcbengc-bhcben und wies von der Hohe aus zurück dis zum Scrfenbe, wo i mitten eines weitläufigen Parts die Daulichleilen des weltberühmten Mädche"Pädagogiums in ro en Ziegelstein glänzten. Von he aus war die gt. ze Kolonie zu übersehen, ein fr.uirdlich a imutenbea Di Id voll regsamen Lebens bei fast feierlicher Stille.

Freye hatte die Gartenpfort» vor dem Hau'e ihrer Mutter geöffnet, verwellte aber noch einen

Augenblick, da sie den Postbeten kommen sah. Er brachte für die Mutter ein frommes Diät - chen, denHeilsboten", und für sie die hter in ter Weltebgeschiedenheit doppelt unentbehrliche Tageszeitung und einen (Brief A s i: i Hand», schrift auf lern Llmschlag mit ras !>cm D icke mu­sterte. flog ein jähes Staunen über ihre mädchen- h.'. ten. doch unter innerem Zwa g gehärteten Ze g\ Einen Augenblick. Brüter Fiedler" da: sie. Ee trat einige Schritte zurück, uib |iz ritz den Brief auf.

Liebste Freye," las sie.dies Zeichen, denke ich, wird dich pünktlich treffen, obschon ich cs nicht durch ten Reitk.eecht sende, un in Euerm Paradiese durch den Zutritt wettlicher Subjekte kein Aufsehen zu erregen. Du wirst schon rer» nommtn habm. dab ich vor t>?rfSiebenen dy a- mischeei Geschch-iss-'n stehe, als da finb erfte. Hochzeit, zwei eiis Reite zu den Manrarinen, und das alles macht den Wunsch in mit rege, dich noch einmal zu sehen, sei's auch nur, um dir Lebewohl zu sagen. Du findest mich am morgigen Freitag nachmittags um fünf auf der Wrlld- wiese am Reckentee. Kär.nteft du kommen, so würde sich herzlichst freuen dein höchst mi eoabler

Gert."

Sie steckte den Brief hastig ein und schritt dem Mi'si)iiar voran d. rch den kleinen Garten nach einem cftenrn, von wildem je t feuerfarbig leuchtendem Wein u nlu chten Pav llvn.

Setzen Sie sich," tat sie und deutete auf einen der aus Birtenhvlz gezimmerten Stühe. Hier sind wir wie im Freien und doch un.e- ftört. Haden die Kolonie zu unfern Fühea und drüben das Gotteshaus. Die Hermhu er wachen über uns."

»Ich ve steh? lv An^pielu g erwiderte ohne Pst») zu nehmen.2Ib:r ich möch e Ih-.en versichern, Fräulein Fr.Ye," er vermied un Augenblick wohl gefli e rtlich die geschwisterliche Anrede,dah ich Ihren Widerstand ge,ea d e Heiratslvtterie begreife. Es ist eine alle, wenn ojd) durch die Ueberlieferung keineswegs gehei­ligte Sitte, dast Brüder im fernen Ausland dre einen festen Sitz gefunden hoben, sich dieZuen- dung einer der ledigen Schwestern als chre künf­tige Frau erbitten. Eine Art Lotto, also der Zufall bestimmt die Wahl. Diesmal fiel er auf

Sie, und Sie hoben von dem Recht der Adteh- nung Gebrauch gemacht nur hatte ich, ver­geben Sie, gewünscht, dast Sie Ihrem Üntolen in etwas weniger stark betonter Weife Ausdruck gegeben hätten. Sie h-dm damit unnötig Mc Stimmung gegen sich ver charft "

LieberHerr Fi dl r dos bühri mich aricht sonderlich," entgegnete Freye ach el;r ckendIch habe Schätzung für die groben Gedanken im Hemhuterlum, aber ge en den Kleinkram seiner Verfassung wehre ich mich. Die Sille der Mrd chenverl fung ist für mich einfach eine Barbarei.'

Seine Krpfneiguna toar zustimmend, sein Lächeln voll tluger Abwehr

Cs denken nicht alle so," sagte er.Sie sahen ja, wie glücklich Schwester Jakobi ne war, als sie die Ersatzwahl traf. 3ak>bine ist nicht älter als Sie, sie kennt den Bruder Laurenz kaum, und Grönland ist kein verlockender D. den. Was treibt sie hinaus? Bi lleichi rur Gehor­samspflicht oder ein arger gelt es religi fei Emv- finten oder lediglich die Que'gier wir h den lein Recht und feinen Gru id, danach zu forschen."

Lind in herzlicherem Tone fuhr er fortAber ich gestehe unumwuiiden, dast auch ich Ihre Ab­lehnung als ein Glück betrachte. R.chl nur als ein Glück für Sie selbst, sondern in gleichem W he für mich . . . Ich bitte Eie, gnädiges gräul in, Iatfen Sie mich in Ruhe nussprechen Es kann Ihnen nicht entgangen fein, dast ich Sie sehr lieb habe. Als ich das letztemal hier war hatten Sie mit Ihrer Frau Mutter eben Ausnahme bei uns gefu"den. Damals waren Sie noch ein halbes Kind, aber unter duldendem Schicksal üb-r sich hinousgewachfen. Lind schon damals gechertc Ihren mein Herz. Wenn ich nun heute tun Sie werben wollte, nicht nach der Sitte der Gemeinde, sondern mit dem 'Recht des freien Menschen, ich weist, Eie würden nein Taget tote bei dem Brudet Laurenz. Rein, toeil Sie meine ßie;e niH ermi- dem können, und wäre das selbst dec Fall Ihr Heimatsgefühl ist viel zu stark, um dem Mann« in eine unbekannte Well zu folgen, unb Ihr Glaube ist zu schwach, um mit ihm Rot und Gefahr zu teilen"

(Fortsetzung folgt)

STUCK

LIKÖRE

STUCK

LI KORE