fir. 210 Zweites Blatt
Mißernte.
War das schönes Wetter zur Zeit der Heu- ernte! Meist kräftiger Sonnenschein, zwischendurch auch einmal ein bißchen Regen, — aber eine s o zu begrüßende Witterung im ganzen, daß mancher Dauert mann sagte: »Wenn die Menschen das Detter zu machen hätten, sie könnten es nicht besser machen!" Und so bli-eb eS. bis vor Wochen das unselige Wettxr anfing, das bis zum heutigen Tage anhalt. Drunten in der Ebene treten die Flüsse aus, überschwemmen die Felder, richten unabsehbaren Schaden an: ist die Frucht, die noch draußen ist. zum großen Teil verloren, so beginnen nun auch die Sorgen um die Kartoffeln.
Droben im Vogelsberg freilich braucht man Hochwasser nicht zu fürchten: es läuft alles ob, zumal der Roden nichts mehr aufnehmen tonn. Aber es regnet und regnet, unb manchen Tag ist alle- in die tiefgehenden Wolken gehüllt, — kaum daß es richtig hell wird. 'Befiunmerten Herzens geht der Rauer, der daran gewöhnt ist, den eigenen Redarf selber zu produzie.-en, durch Feld und Wiesen: immer wieder die drückende 5mge: Was soll das werden?
2Iber nun, Sonntag afratb, läuten die Glocken Rur Kirche. Warum? Das ist doch sonst nicht? ■2lun, in solchen Tagen darf auch einmal etwas gelchrhen, was sonst nicht geschieht: Qlbenban- bachl um Erha ltung der Feldsrüchte isti Die Orgel rauscht durchs gefüllte Gotteshaus: Gesang brandet empor:
,AuS tiefer Rot schrei ich zu dir. Herr Gott, erhör mein Rufen . . .
I ober 3 Verse. Dann die Stimme des Geist- Ilchen: „Stemmet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will euch erquickenI" Dann Gebet zu dem gewaltigen, verborgenen Gott, der uns unter das Kreuz stellt, und es dennoch gut mit uns meint, — daß er uns helfe, getrost und kraftvoll unseren Kreuzeswcg za gehen und den Segen des Kreuzes zu empfangen. Rus der , Offenbarung Johannis erstehen die cchvLalhptischca Reiter vor dem geistigen Auge (Step. 6, VerS 2—10). Daran knüpft die Ansprache an:
.Dunkles Geheimnis lagert über dieser seltsamen Schrift, der Offenbarung JvhanniS Ruch über der Stelle, die wir eben Hörden, ist do,S Geheimnis gebreitet.
Wetterwolken ziehen herauf. Dämmerung bricht herein am hellichten Tag, Sturm wirbelt Staub auf, Vögel schwirren wie Tuchfetzen durch die Luft: kaum, daß man noch aus den Ragen sehen kann, kaum ein paar Schritt weit.
Da. gespenstisch rauscht es heran, üp unsicheren Licht: vier Reiter. ülnhtimlich, in rasender Eile brausen sie heran, und hin über die Lande. /
Wer ist der crfte?z Er ist der Sieger. Ist es Christus? Der. der eine neue Zeit heranf- führt in der Welt? Oder ist es — die Pest, die alles Leben erstickt? Man weih nicht recht, — man kann es nicht erfenmn, — schon ist der Reiter vorübrrl
Wer ist der zweite? Die Wolken aerf tattern; wir sehen deutlicher: das Grauen packt unsi Gr nimmt den Frieden von der Erde! 4 Vs Aahre war er der Herrscher der Welt. Sein Schwert bai gewütet, an allen Orten trauert man um Opfer, die er gefordert hat.
Wer ist der dritte? Gr halt die Wage in der Hand, — bedeutet er das Gericht? Wir alle gerichtet: für Gutes, das wir Unterlasten, für Roses, das wir anderen zugefügt? Wird mit uns abgerechnet? Entsetzlicher Augenblick I
Wer ist der vierte? Er ist--der Tod.
Hunger und Elend sind ihm verbündet. Er winkt dem Regen: wochenlang rieselt und rinnt er nieder Er winkt dem Wind: immer neue Wolken-- massen führt er heran. Er winkt dem Leben, es regt sich in der Feldfrucht, die noch auf dem Halm steht, so gut wie in der. die auf Haufen fU}t; sie beginnt zu wachsen, zu leben.
Wo er hinkommt, breitet er Verderben aus.
Die Zeil des Reiters, der „den Frieden nimmt von der Erde", der den Krieg und das Morden brachte, ist vorüber. Sind wir in der 3eit des vierten Reiters, der Hunger und Elend bringt?
Wir wisten es nicht.
Erlebt haben wir Zeiten, wo Geld zu Papier, too reich arm und arm reich wurde: erlebt haben wir Zeiten, wo man „Friede — Friede" sagte, und wo doch kein Friede war; erlebt haben wir Zeiten der Rot. wie kaum ein Volk sie erlebt hat. Und wir haben uns durchgekämpft. Run kommen neue Schläge, wie sie seit Jahrzehnten hier auf dein Lande nicht gespürt worden sind. Änd nun will es fast zu schwer werden.
Laßt uns da einmal den Geist der Zusammengehörigkeit fühlen: dcs einen Rot sei des anderen Rot!
Und laßt uns heute das tun. was das allein Richtige in solcher Lage ist: laßt uns Gott bitten, daß et uns Kraft gebe, das zu tragen, laßt uns zu ihm flehen, unsere Rot doch anzu- sehen und sie zu lindern, wenn es sein Wille ist.
Gerade jetzt aber sehen wir, wie unendlich schwer es ist, int entscheidenden Augenblick zu sprechen: „Richt mein, sondern dem Wille geschehe!" Laßt uns in aller Rot nicht verzagen oder verzweifeln, sondern auf Gott vertrauen!"
Dann wieder Gebet, das sich, fo schwer es werden will, durchringt zu dem: „Dein Wille geschehe!" Lind dann, *in tiefster Lautlosigkeit, stilles Gebet. Dem Vaterunser folgt gemeinsamer Gesang.
„O Vater, wend' in Gnaden Krieg, Seuche und den Schaden Ter Elemente ab!
'Lewahr des Landes Früchte älnd mache nicht zunichte. Was deine milde Hand uns gab. Mm. Herr, du wirst erfüllen, Was wir nach deinem Willen 3n Demut jetzt begehrt: Wir sprechen gläubig Amen 3n unsres Jesus Romen.
'-0 ist gewiß der Wunsch gewährt."
Rach dem Segen geleitet die Orgel wieder hinaus: stockfinster ist's geworden. Wolken auf Wolken jagen am Firmament dahin. — ein feires Sprühen tpmrnt unablässig herab. Doch tröstlicher sind 'die Herzen gestimmt, trotz allem. Sie 1 haben zusammengeschlagen, haben sich ge= i beugt und so sich erhoben.
k Der du dies liesest. — wenn du ein Städter hist: denk an unser Landvolk in diesen Tagen!
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Wirst du die Probe bestehto, die ins bevvr- steht: unser ganze- Volk — eine Rvtge- meinschaft? Kn. LI.
Neue Verkehrsbestimmungen für bas besetzte Gebiet.
Der im besetzten Gebiet kommandierende General D e g o u 11 e erließ am 2. September eine Verfügung, Rr. 122, welche die Verfügungen, die sich auf den Verkehr, die Einreise und den Aufenthalt von Personen im besetzten Gebiet beziehen, zusammenstellt und abändert. Die Verfügung besagt u. a.:
\ Alle über 16 Jahre alten Personen, gleichviel welcher Rationalität, die ihren gewöhnlichen Wohnsitz im besetzten Gebiet haben, müssen einen Personalausweismit Lichtbild haben, der die Worte: „Besetztes Gebiet" trägt. Dieser Ausweis darf nur an Personen ausgehändigt werden, die mindestens schon einen Monat ihren Wohnsitz im besetzten Gebiet hatten. Jede mit diesem Ausweis versehene Person kann ungehindert zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet verkehren.
Deutsche Staatsangehörige, die aus einem anderen Lande als Deutschland kommen, müssen mit einem von ihren Landcsbehörden ausgestellten visierten Paß versehen sein und haben die Bestimmungen der deutschen Gesetze zu befolgen.
Personen, die sich d a u e r n d im besetzten Gebiet niederlassen wollen, müssen bei der deutschen Behörde des Ortes, an dem sie sich niederlassen wollen, ein schriftliches Gesuch eln- reichen. Ebenso muh jede mehr als 16jährige Person, die ihren gewöhnlichen Wohnsitz im besetzten Gebiet hat, ihn aber in das unbesetzte Gebiet verlegen will, die deutsche Behörde davon benachrichtigen, damit diese den Personalausweis cin- ziehen kann, der die Worte: „Besetztes Gebiet" trägt. Personen, die nicht mehr ihren Wohnsitz im besetzten Gebiet haben, ist es verboten, den Personalausweis mit dem Vermerk: „Besetztes Gebiet" im besetzten Gebiet weiter zu benutzen.
Jede Person, deren Anwesenheit in den besetzten Gebieten nach der Meinung des kommandierenden Generals den Unterhalt, die Bedürfnisse und die Sicherheit der alliierten Besahungs- truppen oder die öffentliche Sicherheit gefährdet, kann von diesem aus dem besetzten Gebiet aus- gewiesen werden.
Diese Verordnung tritt sofortin Kraft.
Wirtschaft.
Börse und Geldmarkt.
Die Annahme des Londoner Paktes hat, tote vorauszusehen war, einen Tendenzumschwung her- vvrgerufen, der zwar nicht so gewaltig war, wie man anfänglich glaubte, der doch aber immerhin die Hoffnung auf eine Genesung der deutschen Wirtschaft wieder aufs neue belebte. Daß die Aufbesserung des Kursniveaus nicht allzu rasch von- statten ging, hing natürlich in erster Linie nvtt dem immer noch bestehenden Mangel an verfügbaren Geldern sowohl in Industrie- als auch in Dank- treifen zusammen. Zum anderen Teil aber ist die zögernde Haltung, die die Börse bereits einige Tage nach der Annahme des Londoner Vertrages annahm, damit zu erklären, daß die Umstellung der Aktiengesellschaften auf Gvldtapital bisher nur bei einem verschwindend geringen Teil der an der Börse gehandelten Aktien erfolgt ist. Rach den neuesten Schätzungen haben von ca. 1300 bis 1400 an der Berliner Börse eingeführten Aktiengesellschaften nur etwa 120 bis 130 Gesellschaften ihr Unistellungsverhältnis veröffentlicht. Das sind nur etwa 10 Proz., und es ist daher erklärlich, daß sowohl die Spekulation, als auch das Publikum recht vorsichtig und reserviert bleiben. Das Beispiel der Berliner Handelsgesellschaft. die schon stets in ihrer Geschäftsgebarung führend war, dürfte in verschiedenen Gesellschaften Nachahmung finden. So ist die Unsicherheit groß, da man sich nicht einmal auf diejenigen Aktien verlassen zu können glaubt, die man bislang als sogenannte Goldaktien zu bezeichnen pflegte. Ein drittes Moment für das Ausbleiben der eiwartcten Hausse ist der Umstand, daß dis Ankurbelung der Wirtschaft und die Hernn- holung bet Kredite nur langsam vonstatten geht.
In Kriegsanleihe bleibt das Geschäft trotz aller Dementis der Regierung sehr belebt, und so war es möglich, daß der Kurs, der noch vor ganz fur?er Zeit sich um 500 herum bewegte, in den letzten Tagen den Kurs von 1000 zu überschreiten veimochte. Günstig bat hier unzweifelhaft die Vermeidung einer Reichstagsauflösung milgewirkt. Wäre eine solche erfolgt, so wären, wie man an der Börse glaubt, gerade diejenigen Parteien geschwächt aus der Wahl zurückgekehrt, die sich bisher für eine volle Aufwertung einsehten. Was auch immer gegen die Wahrscheinlichkeit einer allgemeinen Aufwertung, ober selbst einer bloßen Aufnahme der Verzinsung gesagt werden kann, so muß man doch feststellen, daß die Spekulation in Kriegsanleihen und Kommunal-Anleihen usw. in recht weite Kreise eingedrungen ist, die jedem noch so unglaublichen Gerücht Glauben schenken und die, ähnlich wie bei der Franken- spekulation. schließlich stark enttäuscht sein werden.
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".) Frankfurt a. M.. 5. Sept. Tendenz:
Erholt. — Der im gestrigen Schluhrerlauf der Börse infolge der Erklärung des Aeichsfinanz- amtes daß vvrläuftg an eine Aufwertung der Anleihen nicht gedacht to:rdcn könne, cin’etretene Kursbruck für heimische Anleihen kann heute bereits als überwunden bezeichnet werden. Ein lebhaftes Treiben fübrte.zur teilweisen Erholung auf dein Gebiete ber Anleihen, auf bai^ sich mieder bas Hauptinteresse konzentrierte, trotzdem der Zulauf auf diesen Markt andauernd wächst, erreichten die Umsätze nicht be i -ümfang der gestrigen, was ein etwas vorsichtigeres Disponieren der Spekulation vermuten läßt. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß auch bas Pnvat- Publikum mit Kaufaufträgen für Rnlet^n etaxiS zurückhält. Ausländische Renten und Stadtanleihen hatten ruhiges Geschäft bei tainn veränderten Kursen. Am Aktienmarkt sit ein Umschwung ber Stimmung erfolgt Die liebe Auffassung spiegelte sich m SterS-
bilbung wider, die mäßig nach oben neigte. Sie Umsatztätigkeit für Aktien war zwar etwas leb
Hafter, führte aber zu größeren Kursveränderungen nicht. Immerhin tonnte die an der gc'trigcn Rachbörse eingetretene Erholung teiltoci c weitere kleine Fortschritte machen Die Kursgewinne gingen aber über y* bis 1 . Dill. Prozent nicht hinaus. Der Chemische Markt, neigte weiter zum Rachgeben: leicht ermäßigt waren Radi che Anilin. minus 0.2, gebessert waren Ehern. Griesheim, plus 0,25. Elektrowerte waren zumeist erholt: R E. G. plus 0.4, niedriger notierten Bergmann, minus 0,25. Der Bankaktienmarkt hatte bei stillem Geschäft nennenswerte Veränderungen nicht aufzuweüen. Schis fahr tsaktten erholt, S^apag plus 0,2. Der Maschinenmarkt eröffnete auf gestrigem Stand. Don Autvaktien geuxumen Reckarsulmer 0.25. Zellstoffaktien preishaltend. Zuckeraktien leicht gebessert. Der Kassa marft ber 3nbuftrie- papicre hatte keine einheitliche Haltung. 3m freien Verkehr war die Strömung gleichfalls etwas freundlicher. Man hörte Api 4ti, Ufa 101 ,, Krügers hall 11,37, Brown Roveri 1,4. Der Gelb- marft zeigte eine neue Versteifung. Rionatsgeld P/e bU l8/e Proz., Tagesgeld V« pro Mille. Am Devisenmarkt hält die Schwäche der europäischen Devisen an. ES wurden genannt bas englische Pfund mit einem Gegenwert von 4,46 Dollar, der Pariser Fr«rk mit einer Pfundparität von 84,15, die Mark mit 4,21 in Dollar- Parität. Im weiteren Verlaus wurde die Haftung unsicher und schwankend Qkuc Realisationen, die sich einstellten, veranlaßten auf allen Gebieten teilweise Abschwächungen
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Berlin
Unionen Prozent
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Börsenkurse.
(Ohne Gewähr.)
•) Dom Rückzahlungswert.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
(Fn Billionen Mark auSgedrückt. ®neno4-atre«. London, Situ, hort. Japan. Rio de Sandro für «ine Einheit Wien und Budapest für 100000 ®nbeiten, alles übrige für 100 (tinbetten.) Telegraphische Auszahlung.
(Ohne Gewähr.)
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Deutsche Svarprautienanleihe ♦°/0 Preußische flonfoli ...
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Berliner Handelsgesellschaft Commerz- und Privat.Bant Darmst. und Nationaldcmk . Deutsche Bank Deutsche BerrinSbank .... DiSconlo Eouunandit .... Mcialldank Mitteldeutsche Creditbank . . Ocsterreichische ttrebüanftaU. Westbank............
Bochumer <Iuß ......
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Hamburg-Amerika Paktt. . . Norddeutscher Llovd.....
Theramische Werke Albin . .
Heidelberg . . . pp Holzmatm......
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Tbcniische Mayer Alanin . . (Goldschmidt (MricSt eiuter Electron .... Höchster Farbwerke Holzverkoylung..... . .
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Banknoten.
(Ohne Gewähr.)
Berlin. 5. tzept.
Amerikanische Noten ....
Belgische Noten
Dänische Noten .....
Englische Noten........
Französische Noten......
Holländische Noten Italienische Noten ..... Nortvegische Noten...... Deutsch festere >100 Aroueo Rumänische Noten......
Schwedische Noten
Schweizer Noten Spanische Noten...... •
Tschechoslowakische Roten .. Unuarische Noten
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voll
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voll
18,37
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voll
67,11
57,39
voll
5,91
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voll
2,13
2,15
voll
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111,68
voll
73,58
78,96
voll
54,56
55,84
voll
12,53
12,59
voll
5,38
5,41
voll
Samstag, 6. September (924
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des .Gießener Anzeiger" )
Berlin, 5 Sept, Das Dementi das Reichsfinanz Ministers in der Aufwertung-! rage hat eine nachhaltige Wirkung auf den 2lnleihemarkt aus- geübt. 'Die Sturfc, die bei Beginn der Börse genannt wurden, lagen schon kxtträchtlich unter den gestrigen Schlußkursen Allerdings ist zu berücksichtigen. haß an dieser Spekulation gerade die breiten Schichten des Publikum- stark beteiligt sind und daß infolgedessen bei 'Beginn der Börse noch zähl reiche SteuforbreS oorliegcn, die vor der Deröffenttichung des Dementis au-gegeben waren. Diese Kausorbres wirkten zunächst einer starken Abwärtsbewegung entgegen, die Spekulation nahm aber klugerweise bedeutende Abgaben vor. Kriegsanleihe 1,060, Schutzgebiet 7l/t» Zwangsanleihe 29. Im gleichen Maße anc das Interesse für den Anleihemarkt merfii chnachge- lassen hat, machte sich am 2ötiaunarti erne lebhaftere Anteilnahme der Spekulation bemerkbar. Außerdem machten natürlich die neuerdrngS etwas günftiger lautenden Berichte über die Lage am
Eisenmartt und über die Belieferung der Textil- industrie einen günstigen Eindruck und verstärkten die Hoffnung aif einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufstieg. Diel« Montanpapiere waren eifrig gesucht. Im Gelb- und Devisenverkehr ist die Lage unverändert.
5ranffurttr Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des .Gießener Anzeigei".)
Frankfurt a. 1, 5. Sept. ES wurden notiert: Weizen 23 biS 24, Roggen, tirländ. 19,50 bis 20,50, Sommergerste für Drauzwecke 23,25 bis 24,25, Hafer, inländ. 21 biS 22. MaiS, gelb 19,50 bis 19,75. Weizenmehl, inländ., Spezial 0, 35 bis 35.50. Rvggenmehl 28,75 bis 29.25, Wei zen- und Rogge icklcie 12 bis 12,25, Erbsen 11,75 bis 12. Tendenz: Fest.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 5. Dept. Am Produktenmarkt hielt die Steufbtioegung an. Die ist zum erheblichen Teil im Handel bereit» spekulativ geworden. Futtermittel fanden bei den Landwirten schwer Absatz. Es notierten pro 1000 Kilo: Wetzen, märk. 212 bis 220, Roggen, thärf. 180 bis 186, Gerste, märk. 210 biS 235, neue 190 bis 197, Hafer, märk. 165 bi« 174, Raps 330 bis 340, Leinsaat 415 biS 425; pro 100 Klio: Weizenmehl' 30,50 bis 32,75, Roggenmehl 25,25 bis 28.50, Weizenkleie 13, Rvggenkleie 12. Diktortaerbsen 31 bis 35 kleine Erbsen 21 bis 25, Futtererbsen 17 bis 18, Peluschken 17 bis 18. Ackerbohnen 17 bis 18, Wicken 16 bis 18, Lupinen, blau 11,50 bis 12, gelb 18 bis 20, Seradella, alt 12 bis 13’ Rapsluchen 14 bis 14,20, Leinkuchen 23 bis 24, Trockenschnihel 12,80, Torfmelasse 8.40 biS 8,70, Äartoffclfloden 19,50 biS 20 Mk.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde».
Gießen. Sonntag, 7. Septbr. 12. Sonntag n. Trin. StadMrche. 8: Zugl. Ehristenl. für die Reukvnf. a. der Matthäusgem. Pfarraff. Schultheis. 9*/,: Pft. Becker. 11: Kinderkirche f. d. Markusgem. Pft. Becker. IohanneSkirche. 8: Zugleich Ehristenl. für die Reukvnf. aus d. JohamieSgem. Pft. AuSfeld. 9‘/t: Pfr. BechwlSheimer. Beichte u. heil. Abendmahl für öle LukaS- u. JohanneSgem. 11: StinDerf. f. d. LukaSgem Pft. Bechtols Heimer- Die Stenftrmanden-Aufnahmi bei den Gemeinbepfarrern findet statt Dienstag, den 9. und Mittwoch, den 10. September, jedeSmal von 11 — 1 Uhr und von 4—6 Ahr. Formulare sind bei den Schuldienem zu haben. — Mrchberg. 10. IV,: Lollar. — Wieseck. Jugendsonntag. 9'/,: Besonders f. d. konf. Jugend u. ihre Freunde. 11'/.: Kinderkirche. Opfer f. d. kirchl. Jugendarbeit.
Kathollsche Gemeinde».
Blutarme
Schaumpon, | mir dem schuarzen Kopf ;Das altbewährte Kopfwaschpuiyei
Gießen. SamStag, 6. Septbr. 4'/, u. 7 Beichte. Sonntag, d. 7. Septbr. 13. Sonntag n.Pstngsten. 6'/, Deichte. 7 Meste, 8 Stern., 9 Hochamt m. Pr., 11 Messe m. Pr., 21/, Andacht.
(In einem Teil der Auflage wiederhott.) Die Arbeitgeberverbände und das Washingtoner Abkommen.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 5. Sept. (Drahtmeldung.) Die Er» Üärungen des ReichSarbeitsministers Dr. Braun- über die Ratifizierung des Washingtoner Ab- lommens haben in Arbeitgeberkreifni großes Aufsehen hervorgerufen. Man hatte zwar in diesen Kreisen mit einem gewissen Entgegenkommen des Reichsarbeitsministers gegenüber dem Standpunkte ber Gewerkschaften gerechnet, hatte jebtxf) nicht geglaubt, daß sich der Reichsarbeitsminister so bedingungslos zur Ratifizierung deS Washingtoner Abkomme ns entschließen würde. Man ist in Arbeitgeberkreisen der Meinung, daß der Dor- behaft, den der ReichSarbeitsminister hinsichtlich des 8 14 des Washingtoner Abkommens gemacht hat, bei ber gegenwärtigen Lage Deutschlands ziemlich wertlos ist, weil selbst durch die geschicktesten AuSlegungSkünste nicht bewiesen werden könne, baß biefer Paragraph, ber eine Lieber- schreitung deS Achtstundentages nur während eines Krieges und ber bringenden Gefahr Vorsicht, auf die gegenwärtige Lage Deutschlands angewendet werden könne. Es finden zur Zeit innerhalb deS Reichs Verbandes der deutschen Industrie und des Deutschen Arbeit- geberverbaTibeS Besprechungen über eine öffentliche Kundgebung dieser Organisationen statt Die Besprechungen find jedoch noch nicht abgeschlossen und werden sich auch darauf erstrecken wie weit im Reichstag ber ilmschwung in bei Haltung des ReichsarbeickSministers zum Gegenstand einer Interpellation gemacht wer- den soll.
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