mngSvorfchLag tm besten Einvernehmen mit PoincarS zustande gekommen fein. Der Dorschlag beilangt, kurz gesagt, das) dem Inter- alliierten Ausschuß zur Lleberwachung der deutschen Reichsbahn die TefugniS übertragen werde, über die Verkehrs technische Sicherheit der Desahungstruppen zu wachen. Das klingt sehr entgegenkommend, und die belgischen Mi- nister sollen versichert Haden, sie seien der Heber» aeagung, daß der Vorschlag PvincarSs Vorbehalte hinsichtlich der Anwendung des Dawes- planes und des Austausches der allgemeinen Sicherheiten gegen Aufgabe der Ruhrbesetzung hinfällig machen werde.
Um nicht die Absicht dieser Maklertätigkeit merken zu lassen und dadurch zu verstimmen, brachten die Velgier noch weiteren Unterhaltungs- stvfs nach Chequers mit. So den Plan eines großzügigen wirtschaftlichen Wiederaufbaus Deutschlands, ausgestattet mit Vorschlägen Theu- nis', die für England außerordentlich schmeichel- fcaft gewesen sein sollen. Man sprach auch über die vorgesehene Anleihe für Deutschland und über die Mitwirkung der Vereinigten Staaten bei dem Wiederaufbau Europas. Aber die Engländer denken bei solchen Unterhandlungen viel Ku nüchtern und sachlich, um nicht zu merken, worauf es einzig und allein anfam: auf die Ruhr- Räumung und den Wider st and Poin- carSs gegen diese unbedingte Forderung des Sachverständigen-Gutachtens. Den belgischen Ministern wurde also bedeutet, daß für die englische Regierung nur solche Konzessionen an Belgien und Frankreich in Betracht kommen, die den geschlossenen und einheitlichen Charakter des Dawesplanes nicht beeinträchtigen. Mit anderen Worten: Macdonald und seine Berater blieben fest. Der belgische Vermittlungsvor schlag, der nichts anderes war, als ein französischer Versuchsballon, ist in Chequers abgewiesen worden.
Sehr wahrscheinlich hat Sir Ramsay Mac- do'nald bei dieser Gelegenheit den Belgiern einmal gründlich die Wahrheit über Poincar^s Sa- botagepolitit gesagt. Der englische Premier hatte eine Woche vorher in Windsor mit dem amerikanischen Botschafter über die Mitwirkung der Vereinigten Staaten an der europäischen Reparation gesprochen, also über das Thema, bas auch die Belgier in Chequers anschnitten. Und was erzählte Macdonald? Der „Daily Telegraph" hat es ausgeplaudert: Bevor die amerikanische Bankwelt unter Fühlung Morgans an ihre Aktion zur Stützung des Frankenkurses im März heranging, wurden PoincarH, mehrere Mitglieder seines Kabinetts, Tarthou und tine Anzahl nicht im Kabinett vertretener Poiteiführer gefragt, ob sie bereit seien, die Beschlüsse der Sachverständigen Mizunehmen. S.e antworteten alle vorbehaltlos mit Ja! Dann erst gab Morgan das Geld und die Washingtoner Regierung ihre Zustimmung. Was sagt man am Quai d'Orsay in Paris zu dieser vortrefflichen Enthüllung? Run hat Herr Poincars wieder das Wort und er wird mit feinen wahren Absichten nicht länger Hinterm Berge halten dürfen,
Belgiens Dermittlungsakrtion.
London, 6. Mai. (WTB.) Zum Besuch der belgischen Minister in ChecquerS schreibt der „Manchester Guardian'", Belgien sei an .Frankreich durch seinen B e r t r a g, an die anderen drei Mächte durch seine Interessen gebunden. Es wünsche die letzteren zu wahren, ohne den ersteren aufzugeben. So stehe es in jedemLagermiteinem Fuß und könne nur Erfolg haben, wenn es beide Parteien zusammenbekomme. Dies sei der Zweck der augenblicklichen Bemühungen der belgischen Minister. Der Eifer, mit dem Belgien den Dawesbericht angenommen hätte, sei ein unmißverständliches Zeichen dafür, daß Frankreich nicht länger auf die bedmaungslose Unterstützung seines belgischen Alliierten rech - nen könne. Der Dawesbericht bilde einen Sammelpunkt für alle die Kräfte in Europa, die füx eine Politik der Mäßigung eintreten. Mit ihrer Unterstützung sei Belgien zum ersten Malerin der Lage, einen wirklich unabhängigen Einfluß auf den Gang der Ereignisse auszuüben.
Die englische Presse zum Wahlergebnis.
London, 5. Mai. (WB.) Die Abendpresse Beurteilt das Ergebnis der deutschen Reichstagswahlen hauptsächlich vom Standpunkte ihrer Auswirkung auf die Frage der Annahme des Sachverständigenberichts durch Deutschland. Als Hauptmerkmal der Wahlen bezeichnen die Blätter den Erfolg der Deutschnationalen. Viel beachtet wird auch die große Zunahme der kommunistischen Stimmen, sowie die Tatsache, daß der Erfolg der äußersten DNpnr MWWsWib
Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von Hans Dominik.
83. Fortsetzung. (Aachdruck verboten.)
Eine allgemeine Weltkonsevenz würde über die schwierige Frage entfche den muffen, wie und wo diese so scharf in den Gang der Rotur eingreifenden Mittel arbeiten durften. Bisher war jedoch von einer Einberufung einer solchen Konferenz nichts bekannt.
Bereits regten sich Stimmen, die Europa beschuldigten, das Mittel für sich allein und zur Verfechtung imperialistischer Ideen behalten zu wollen. Rur das war bekannt geworden, dah die Analysen und die genauen Beschreibungen der Verfahren an wohlgesicheiten und versteckten Orten aufbewahrt seien. Und auch dies war nur geschehen, um der Welt das Zwecklose eines etwaigen Attentates auf den Erfinder klarzumachen.
Am Dismarckdamm in Berlin stand Wellington Fox vor dem Palast der E. S. C. und wartete auf Georg Isenbrandt. Die Herbst sonne stand schon tief und vergoldete das rote Laub der 6trabenbäume, als der Erwartete endlich aus dem Gebäude trat.
»Das hat ja lange gedauert, Georgi"
»Oh, entschuldige, Fox. Aber die Sitzung war von großer Wichtigkeit."
»Schadet auch nicht viel! Es fiel mir, während ich hier wartete, so mancherlei von bem ein. was sich ereignet hat, seitdem ich das letztemal hier stand.
Ein schicksalsveicher Sommer! Und vieles von dem, was geschah, seitdem wir uns trennten»
-Kelten ihren Erwartungen nicht entspricht. »Evening Standard" schreibt, bei der Bildung der neuen Regierung würden die Deutschnationalen der entscheidende Faktor fein. Dagegen fei die Stellungnahme des neuen Reichstags zu dem Sachverständigenplan unsicher. »Star" häll eine Kvalitionsmehrheit zugunsten des Sachverständigenplanes für gewiß. — »Manchester Guardian" schreibt, glücklicherweise könne kaum ein Zpeisel darüber herrschen, daß aufjeben Fall eineMehrheit für die Annahme des Berichtes vorhanden sein werde. Zum ersten Male seit dem Kriege würden Deuschland Bedingungen zur freien Wahl vorgelegt. Deutschland sei nicht verpflichtet, sie anzunehmen. Wenn es sie aber annehme, so müsse diese Entscheidung von der unbedingten Entschlossenheit getragen werden, feinen Anteil daran durchzuführen.
Der Eindruck in Paris.
Paris, 6. Mai. (WTB.) Zum Ergebnis der Reichstagswahlen schreibt der »Mattn«: Die Hoffnung, die man hatte, Deutschland werde sich in loyaler Auslegung des Versailler Vertrages zu einer Demokratie entwickeln, war durch die Wahlen von 1920 bereits stark erschüttert worden. Die vorgestrige Abstimmung hat dies vollständig bestätigt. Die Anhänger der Gewalt im Innern und der Abenteurer nach außerhalb haben triumphiert, sowohl auf der äußersten Linken wie bei den Bürgerlichen. Man wird uns vielleicht sagen, man müsse sorgsam unte^cheiden und darauf Hinweisen, dah Abgeordnete wie H e r g t sich für die Annahme des Sachverst ändigenberichts ausgesprochen hätten, während die Arier und die Altdeutschen von der äußersten Rechte davon nichts wissen wollten. Das sind nur Avancen, die im großen Ganzen keine große Bedeutung haben. Alle beiden, und man könne hinzufügen
auch ein Teil der Volk spartet, habe sich während der Wahlkampagne gegen den Versailler Friedensoertrag ausgesprochen.
Jedoch kann man nach dem ersten Eindruck bis zum Tragischen gehen. Eine Tatsache wird aber die Meinung der öffentlichen Welt in Staunen setzen, das ist, daß inhenProvinzen, die Frankreich beseht hat, die Anhänger der Revanche nicht den Erfolg gehabt haben, den sie erhofft hatten. Das »Petit Journal" schreibt: Die Sieger des Tages sind die Seutf^nationalen und die Kommun ist em Welches auch die Lösung für die Blldung eines Kabinetts sein mag, so werden die extremen Parteien den Satt angeben und besonders die Kommunistische fpartei, die je nachdem sie sich auf die eine ober andere Seite schlägt, die Rechte ober bi; Linke matt setzen kann. So ist also ber Sachverständigenplan dem Wohlwollen von Moskau ausgesetzt. Auch die »Jour- nee industrielle" weist in ihrer Betrachtung auf
die Dedeu tung des Reparations- pro blemes
hin und fragt, ob das Ergebnis der Wahl es schwieriger gemacht habe. Das Blatt der französischen Schwerindustrie schreibt: Wir glauben das nicht, weil die Annahme oder Ablehnung Deutschlands in dieser Frage nicht von politischen, juristt- schen oder sentimentalen Erwägungen abhängt, sondern von einer Ausbilanzierung der Rotwendigke i t en und der Chancen und endlich, weil in Deutschland w'.e in anderen Ländern nur die Rationalisten es siird, die ber öffentlichen Meinung gewisse Konzessionen oder Verzichte nationaler Art annehmbar machen kann. Wenn es wahr ist, daß Deutschland sich der demokratischen Etikette bedient, um seine Gläubiger milde zu stimmen, bann kann man, ohne Paradox zu fein, sagen, daß an einem Tage, an dem es diese Etikette verletzt, es ber Ansicht ist, das die Illusionen der Gläubiger verschwanden sind. — Die »Liberty" schreibt, aus den bis jetzt bekannten Ergebnissen lasse sich erkennen, baß die republikanische Idee in Deutschland keine sehr tiefen Wurzeln habe. Die Völkischen hätten nicht dik von ihnen erhoffte Stimmenzahl erhalten. Es feien die politisch klügeren Deutschnationalen, die auf der Rechten die Oberhand behalten batten. Für Europa und für Frankreich liege darin kein Vorteil. Diejenigen Deutschen, die systematisch auf die Wiedererhebung ihres Landes hinarbeiteten, und die es verstanden, wenn nötig, nachzugeben, feien bei weitem gefährlicher als die Ueberfpannten.
Rücktritt
des bayrischen Kabinetts.
München, 5. Mai. (WB.) Der bayrische Mi» ' nisterpräsident von Knilling hat an den Präsidenten des Bayrischen Landtages Königsbauer folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Präsident! Rach § 58 der bayrischen Verfassung i wird das Gesamtministerium durch den Landtag bestellt. Der Landtag, aus dessen Bestellung das gegenwärtige Ministerium hervorgegangen ist, ist aufgelöst und an seine Stelle tritt nunmehr nach Vollzug der Reuwnhlen in ganz Baiern der künftige Landtag.' Zn älebereinftimmang mit den
.übrigen RegierlmgSmttgliedern ertiare ich deshalb immens des GesamtministeriumS feinen Rücktritt. Die Mitglieder des bisherigen Kabinetts werden entsprechend der verfassungsmäßigen Verpflichtung die Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Ministeriums wekterführen. Mit der Der ich.rang <usg ze chnet.r Hvcha^.tung verbleibe ich Euer Hochwohlgeboren ergebener
gez. Knilling.
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Die Pfalz hat neben den Reichs"agswahlen gleichzeitig die Wahlen zum Bayerischen Landtag durchgesührt. Durch das Rebeneinander hat die Feststellung der Ergebnisse große Schwierigkeiten gemacht, so dah erst heute aus Speyer einigermaßen zute lästige Resultate vorliegen. Da-, nach haben erhalten: Vereinigte sozialdemokratische Partei 80 728, Deutscher Block 29 968, Kommunisten 42 641, Deamtengruppe Kratesiel 3536, Zentrum 31 690, Bayrische Dolkspartei 61 104, Vereinigte nationale Rechte 80 589, Häußerbunb 9, Völkischer Block 14 693.
Die würLtembergischen Landtagswahlen.
Stuttgart, 6. Mai. (Priv.-Telegr.) Zn Württemberg ist gleichzeitig mit den Reichstagswahlen auch zum württem bergischenLandtag gewählt worden. Soweit bisher entgültige Ergebnisse vorliegen, wird sich der neue Landtag folgendermaßen zusammen- setzen: Württembergischer Bauernbund 17 (bisher 18), Demokraten 9 (15), Deutsche Dolkspartei 3 (4), Kommunisten 10 (4), Vaterländisch-völkischer Rechtsblock 8 (10), Sozialdemokraten 13 (27), Völkisch- sozialer Block 3 (—), Zentrum 17 (23). Der neue Landtag zählt nur 80 Sitze, während ber alte 101 Sitze hatte.
Generalstreik im oberschlefischen Bergbau.
Breslau, 6. Mai. (Priv.-Tel.) Die Konferenz der Bergarbeiter in Oberschlesien hat wegen der neuerlichen Verhandlungen über die Arbeitszeit für heute 11 Ahr vormittag den Generalstreik proklamiert. — 0m Zwickauer Bergbau sind gestern die Belegschaften ausgesperrt worden. Zum Teil waren die Arbeiter gar nicht mehr zum Schichtwechsel angetreten, nachdem der Bergbauliche Verein bekanntgegeben hatte, daß sich die Arbeiter als fristlos entlassen zu bettachten hätten, wenn am 5. Mai nicht die Achtstundenschicht unter Tage und die Neun stundenschicht über Tage verfahren wird.
Streikende bei der Badischen Anilin.
Mannheim, 5. Mai. (Wolff.) Die Badische Anilin- und ©obafabrtr wird Ende dieser Woche den Dettieb wieder eröffnen, nachdem sich die zur ordnungsmäßigen Führung der Geschäfte erforderliche Zahl von Arbeitswilligen bereiterflärt hat, unter Anerkennung .der Ta rifverträge und der Schiedssprüche die Arbeit wieder aufzunehmcn. Somtt hat ber nunmehr seit 9 Wochen anbauembe Streik endlich feinen Abschluß gefunden.
Begnadigung deutscher Staatsangehöriger.
N e u h o r k,. 5. Mai. (WTB.) Durch Funkspruch. Präsident Coolidge hat die Strafe des Deutschen Fritz Bischoff, der 1918 wegen des Versuchs, eine Munitionsfabrik in New Jersey zu z e r st ö r e n, zu 25 Jahren G e fän g n i s verurteilt worden war, in Ausweisung nach Deutschland umgewandelt. Auch Bischoffs Schwager, Wilhelm He ine- meyer, der aus denselben Gründen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, soll freigelassen werden. Es wird berichtet, dah die deutsche Regierung wegen beider Gefangenen Vorstellung erhoben hat.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 6. Mai 1924.
Gießener Wochenmarktpreise
am 6. Mai 1924 (Händlerpreise).
Ts kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1.80 bis 1.90 Mk., Käse 65 Pf., Gier Stck. 10 Pf., Wirsing Pfd. 60 Pf., Weißkraut Pfd. 40 Pf.,.Gelbe Rüben Pfd. 20 bis 25 Pf., Rote Rüben Pfd. 30 Pf., Spinat Pfd. 70 Pf., Spargel Pfd. 1.50 Mk., Blumenkohl Stck. 2 bis 4 Mk.» Salat Stck. 60 Pf., Salatgurken Stck. 2.50 Mt.» Unter-Äoblrabi Pfd 5 Pf., Feldsalat Pfd 2.50 Mark, Tomaten Pfd 1.80 Mk., Zwiebeln Pfd 25 Pf., Lauch Stck. 10 bis 20 Pf., Meerettich Pfd. 0.70 bis 1.50 Mk., Sellerie Stck. 50 bis 80 Pf.,
Schwarzwurzeln Pfd. 1 Mk., Radieschen Bd. 30 Pst, Rhabarber Pfd 40 Pf., Aepfel Pfd 15 biL 20 Pf., Dörrobst Pfd 30 Pf.
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" Dir Teuerungszahlen der Hess. Eildienstgemeinden lauten in Mark am 31. März, 9. und 16. April 1924 wie folgt: Darmstadt 13267, 125,27, 129,14; Gießen 12629, 122,49, 121,56: Worms 124,39, 119,98, 119'94. Die Zählen gelten für Ernährung, Heizung ünb Beleuchtung, Wohnung und Bek.ei)nng. Rach der letzten, soeben ausgegebenen reichsam'lichen Der- öfsentlichung mit dem Stichtag vom 19. März hat Darmstadt wieder die höchste T e u c - rungszahl im ganzen Deutschen Reiche auf- z uweifen.
*’ Für täglich fällige (Selber vergüten sechs hiesige Dankfirmen mit Wirkung ab, 1. Mai 12 Prozent p. a. Räheres ist aus dem gestrigen Anzeigenteil ersichtlich
J—[ Professor Muckermann begann gestern in der Reuen Aula der Uniberfität feinen Vortragszyklus „Das Kommende Geschlecht". Am ersten Abend sprach er über die Familie der Gegenwart. Die Familie ist der Urquell des Volkes. Ohne gesunde Familie kein gesundes Volk. Aus ber gesunden Familie entspringt freudige Arbeitskraft, die allein positive Werte zu schaffen vermag.. Gesund ist aber das Volk mit seiner Lebenszelle, der Familie, nur bann, wenn es die Gesetze der natürlichen Ethik aufzufinden und seine Pflicht zu tun weih. Ehebruch und Raub" schaffen nimmer gesunde Zustände. Die tiefe Bedeutung von Familie und Ehe liegt im Kinde und seiner Heranbildung bis zum Jahre der Reise. Sinkt die Anzahl der Reugeburten in normalen Zeiten, so ist das ein Beweis dafür, daß im Volke etwas morsch geworden ist. Seit 1901 hat. in Deutschland ein rapider Geburtenrückgang eingesetzt, der 1918 seinen größten Tiefstand erreichte. Seitdem nahmen die Geburten wieder zu; das ist aber nur Scheinblüte, da in derselben Zeit auch die Eheschlüsse in starkem Maße zu nahmen und es sich meist um Erstgeburten handelte. Allerdings war vor demKriege auch die Sterblichkeit stark zurückgegangen; dies ist auf eine geringere Kindersterblichkeit zurück- $ufüljren. Während der normalen Verhältnisse des Krieges wuchs die Anzahl der Todesfälle gewaltig über die der Geburten in derselben Zeit. Das hat sich wenigstens vorläufig wieder geändert. Steigen in normalen Zeiten die Todesfälle über die Geburten, so ist das ein deutliches Zeichen für den Riedergang eines Dolles. In Frankreich trat eine solche Untcrbilanj zum ersten Male 1889 ein. Qualitativ sind auch heute die Geburten in Deutschland noch gut — nur ist die Quantität guter Qualitäten stark zurückgegangen Tuberkulose, SypHills' und Rerve zusammenbrüche nf lge les Krie e t. i e.i ihr lllnwesen im brutschen Volk. Hauptursache des Geburtenrückganges ist aber in erster Linie nicht die -ersehende Lebensauffassung weiter Kreise, sondern die grauenhaften Zustände sozialen Elends, wie sie schon vor dem Kriege herrschten, schon damals vor allein auf dem Gebiet des Wohnungswesens. Hier muß Abhilfe geschaffen und Wege gefunden werden. Rur so ist eine Go» funbung des gesamten Volkskörpers aus dem Innern, aus der Famllie, heraus möglich — Der glänzende Redner fand mit seinen tiefschürfenden Darlegungen Hen lebhaften Beifall der Hörer. Der Reinertrag der Veranstaltungen soll ber Gießener Winternothilfe und ber Stubentenhilfe zugeführt werden.
Vornolizen.
— Tageskalenber für Dienstag. Dortragsfolge von Pros. Dr. Muckermann: 8 Hoc in der Reuen Ausg, 2. Dorttag „Vererbung und Menschenlos". — Rundfunkhaus Löbersttaße: 81/» älhc Altitalienische Arien und Harmomum-Kvn- zcrt. — Lichtspielhaus Bahnhofsttaße: »Ihr Fei)l- tritt"'. — Palast-Lichtspiele: »Judith Trachten- berg“. i
— Aus bem Stadttheaterbure an wirb uns geschrieben: Es sei auch an dieser; Stelle darauf hingewiesen, bah die Aufführung der Oper „Qli ignon“ am kommenden Donnerstag am 6 Vz lllhr beginnt und gegen 9Vs ilbr ihr Ende erreicht. Ferner sei erwähnt, dah das mitwirkenbe Frankfurter Orchester gegen die bisherigen Operngastspiele berftärft worben ist. Die vorbestellten Karten muffen bis Mittwoch mittag 1 lllhr abgeholt werden.
Landkreis Gießen.
* Heuchelheim, 5. Mai. Die Einweihung des Denkmals ber Gemeind« Heuchelheim für die im Weltkriege Gefallenen findet am nächsten Sonntag, nachmittags 2 Ahr auf dem neuen Friedhof statt. Die Gedächtnisrede halt Pfarrer Dörr, die Weiherede Lehrer Reibt. Der Kirchenchor, die Gesangvereine Liederkranz, Germania und
der Schwarzen die Frage in diesem Sinne gelöst werden wird."
»Hoffen wir, bah bu recht behältst I Ich bin etwas skeptisch und möchte nicht bie Rotwenbig- keit von ber Hanb weisen, ber Sache mit etvxrs Druck nachzuhelfen. Blieben also schließlich noch bie Halfcasts?"
»Die wirb wahrscheinlich keine von beiden Parteien haben wollen," sagte 3fenbranbt lachend.
»Also ein Schiedsgericht!"
„Jawohl, ein Schiedsgericht."
»Das wird wohl tagen, bis der Jüngste Sag anbricht," sagte Wellington Fox. „Die Frage ist buchstäblich eine weitverzwe'gte. Oft ist kaum zu entscheiden, wo bas Halfccrst aufhört ober anfängt. Denke zum Beispiel an Hohn Deweh und seine Tochter Florence."
»Allerdings. Dein Beispiel ist typisch. Hier wird die Schwierigkeit ber Frage evident. Das Schicksal der Florence Dewey und des jungen Viscount Lowdale ist tragisch. Die Rachricht von bem Tobe Averil Lowbales hat mich tief berührt Ach schätzte ihn sehr. Auch ber General Bülow betrauert in chm einen guten Kameraden und tüchtigen Ofsizier. Du warst bei feinem Tode zugegen?"
»Ich kam leider zu spat. Ich konnte dem Mörder, dem Schuft, bem Cameron nur noch ein paar Kugeln nachschicken, von benen eine auch Gott fei Dank getroffen hat."
»Wie? Du erschossest ihn?"
»Richt direkt. Ich verwundete ihn nur. Er lief mir fort Ungefähr eine Woche später gab es eine Razzia tm Chinesenviertel, wo sich viele ber Kompromittierten versteckt hatten. Dort fand man auch Collin Eameron. Er lag in den letzten
Zügen. Die an sich nicht tödliche, aber schlecht behandelte Wunde führte sein Ende herbei."
»Maria wird darüber nicht trauern. Ich glaube, sie hat auch jetzt noch manchmal dieses Halunken wegen Beklemmungen gehabt In seiner Rachgier war er reiner Asiate. Was wurde aus den Teweys?"
Wellington Fox zuckte bie Achseln.
»Sie verzogen alsbald aus Frsisko unb be- befinden sich seitbem ständig auf Reisen. Die arme Florence ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Rach bem tragischen Ende Averil Low- dales lag sie wochenlang auf den Tod danieder. Für den Vater war diese Krankheit in einer Be> Ziehung sogar ein Vorteil. Man ließ deswegen davon ab, ihm wegen gewisser Konspirall-onen den Prozeß zu machen. Ich habe mich auf Helens Bitten in diesem Sinne sehr bemüht . . ."
»Lind da du, alter Freund," vollendete Georg Isenbrandt lachend, »neuerdings einiges in den Staaten zu bedeuten hast, ist dir das natürlich glänzend gelungen.“
»Spotte nur, alter Junge!" lachte Fox. »An ber Wiege von August Wilhelm Fuchs in Berlin an der Panke wurde allerdings nicht gelungen, was aus Archibald Wellington mal werden könnte. Mein teuerer Schwiegerpapa bedauert täglich, daß ich nicht in den Staaten geboren bin. Sonst wäre mir nach feiner Meinung bei Präsidentenfluhl sicher.
Heber meine Absichten für bie Zukunft wußte er bisher noch nichts Gewisses. Erst jetzt, nachdem ich mit mir klar bin, will ich ihm damit kommen. Erst mußte, ich sicher fein, baß meine Pläne deine Unterstützung finden."
»Die hast bu, Foz." (Fortsetzung folgt.)
bleibt noch zu erzählen . . . Wird, wenn ich es an meinem Stoff messe, lange Abende am Kamin der Frau Maria füllen. Ich denke, wir gehen den Weg zu deiner Wohnung an diesem schönen Herbsttag zu Fuß."
Sie bogen von bem hohen Damm zu bem tiefergelegenen Havrlufer ab. das mit einem Kranze stattlicher Landhäuser besäumt war. Wellington Fox begann, während sie langsam der sinkenden Sonne nachschritten:
»Denk btt nur, vorhin erhielt ich die Rach- richt aus Amerika, daß es dort immer noch unter der Asche glimmt In den Südstaaten gibt es immer wieder Zusammenstöße zwischen Schwarzen unb Weißen. Der Widerstreit scheint nicht zur Ruhe kommen zu wollen."
»Wttb nie zur Ruhe kommen!" warf Isen- branbt ein. »Die Kluft zwischen den Rassen ist zu tief. Keine Drucke führt darüber. Es handelt sich um ein kategorisches Entweder — Oder. Einer muß weichen!"
»Du hast recht, Georg. Aber das ist leichter gesagt als getan. Man kann doch nicht die sämtlichen schwarzen Bürger ber Union auf Schiffe verfrachten und nach ihrer Heimctt Afrika zurück- schicken."
„Ratürlich nicht! Aber man muh die Bestrebungen unterstützen, bie schon lang? unter den Schwarzen der Union im Schwange sind. Was man vor 150 Jahren im kleinen in Ciberiz» machte, muß man im großen Stil wiederholen. Die schwarze Intelligenz muh dabei den Anfang machen. Sie findet in der neuen alten Heimat ein unendlich viel reicheres Betätigungsfeld. Ich bin auch fest überzeugt, daß bet bem immer stärker werdenden Rassenbewußtsein und Sttlz


