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Trinkaus rbröeübeüitoT orfstreu »b Mull m blülalt ad r und oagaon- ! ab D«l Tüder Kahl NitbtN. WD Elsah- ithringer. liat-versamm nm 6. Az-, ii Hirtil KIHtr. ei Emgeaeii e der von den iedrrn gehifif eaenNnde i. b. nQdjiBötxlofot rech. üb. d.Nv b. Weihnacht . Vortrag de? mlbkiiden?^ r llffi ML 6. Ttj-, W ?¥< ttbr.

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nr. 287 Swettes Blatt

Wahlpflicht - grauenpflicht.

ES ist nur zu verständlich, daß die Fr-auen nach der ReichsllrgsauflösUTrg seufzten: Ach schon Lieder wählen! Sie stehen der Parteipolitik, die diese- 6re.gnt8 nötig mahle, verständnislos gegenüber. S.e sehen und spüve.i nur die De« unruh gung, die der Wahlkampf übrrall verur­sacht. und können «richt begreifen, daß die angeb­lich so klugen und im Gegensatz zu ihnen so "politisch" denkenden Männer die en Zustand, der Wichtige staatsbürgerliche Arbeit zum Stillstand verurteilt, die Köpfe und Gemüter erhitzt und letzten Ende» auch wieder große materielle Opfer fordert, nicht haben tx*miet':en können. Eine nähe- liegende Schlußfolgerung läßt darum viele Frauen erklären: Ich wähle nicht es ist ja immer dasselbe . Da gibt man seine Stimme ab und glaubt mit seiner Emschei u g etwas zum W h des DaderbmdeS beigetragen zu haben. Hof t. iah daS Parlament zu fruchtbarer Arb it kommt und auf einmal ist alles wie vorher Zank und Streit auf der ganzen Linie, Neuwahlen und dasselbe Spiel. Ich bin eS müde . .

GineS nun muh man diesen Frauen auch jetzt wieder sagen, daS ihnen die außer ordentliche Tragweite ihrer staatsbürgerlichen Pflicht klar macht, ein Argument. daS sie auS aller Mh- stimmung und Wahlmüdigkeit heoausrrißen m h: In den Händen de r Frauen liegt auch dieSmal die Entscheidung über d i e nächste Zukunft des Daierlan des, da sie d ie überwiegende Mehrheit der deut sch«n Devö lkeru ng au Smachenl Ih e y^wnäbiflc isteberlegenheit g bl ihnen eine gviaxz besondere Verantwortung der sie sih u der kernen llnrständen entziehen dürfen. Hut die un­selige timene Zerrissenheit des dculschm Dolkr^ auch dieSmal die. man möchte sogen. KalostrothT der Neuwahlen heran fbeschwvren. io ist eS gerade die Pflicht Ler Fvaum, ihr durch eine eindeutige Wahl en t s cheidung für lange Zeit ein Ende zu machen.

Die bürgerlichen Frauen sind eS. die letzten EndeS diese Ents<l;eidung herbeizuführen haben, und gerade die bürgerlichen Streik darin sind Mann und Frau beide gleichgeartet neigen dazu, sich vvm politischen Entschluß fernzuhallen und die Gestaltung der Innen« und Außen­politik dem lieben Gott und den anderen zu überlassen. Jeder nicht ab­gegebene Stimmzettel auS gerlichen Streifen aber erhöht indirekt die Stimmenzahl der poli­tischen Gegner. Da nun, wie gesagt, auch in den bürgerlichen Reihen die Zahl ^e^ wähl -ercch- tigten Frauen hoher ist als die der Männer, trifft s i e in erster Linie die Verantwortung am Aus­gang der Wahl.

Wahlpflicht ist Frauen pfl icht. Nicht Wille. Wunsch oder Freude. Pflicht schlechthin, von der sie nichts lvSsprechen kann.

Der Wahlkampf.

Die Nationalsozialisten.

Die Nationalsozialistische Frei­heitsbewegung trat am DienStag abend ht der Turnhalle vor die Wählerschaft. Der An­drang zu dieser Versammlung war so stark, daß kurz vor Beginn der Zutritt wegen Ueberfüllung deS SaaleS polizeilich gesperrt werden mußte. Die Versammlung nahm zum Schlüsse bei der Aussprache mehrfach stürmische Formen an, ver­lief jedoch ohne ernste Zwischenfälle. ES zeigte sich leider auch hier wieder, daß viele im politi­schen Gegner einen persönlichen Feind erblicken, den zu bekämpfen jcbcS Mittel recht ist, wobei aber Sachlichkeit überhaupt nicht mehr gilt.

2lls erster Redner sprach Hauptmann a. D. Fleck. Gr führte auS, die Nationalsozialistische Freiheitsbewegung sei. wie der Name schon sage, keine Partei. Sie gingen nur notgedrungen ins Parlament, weil sie der Ansicht seien, daß sich augenblicklich nur von der Tribüne des Reichs­tages auS Maßgebendes sagen lasse. Das Ziel sei die Lösung der sozialen Frage in nationalem Sinne. Der Redner ging dann kurz auf die Ge­schichte und Entwicklung der Bewegung ein. Er führte weiter auS. es müsse ein Parlament der Berufsstände inS Leben gerufen werden, da er der Auffassung sei, daß hierdurch der Klassen« kämpf überbrückt werden könnte. Es müsse alles andere zurückgnslellt toerben. um das große Ziel der Volksgemeinschaft zu erreichen. Die national­sozialistische Bewegung wende sich auch ganz entschieden gegen die Verquickung von Religion und Politik, wie dies von dem Zentrum und der bayerischen Dollspartei geschähe. 3n Bezug auf die Staats form seien die Nationalsozialisten der Ansicht, daß diese Frag? heute absolut nicht zur Erörterung stehe, sie setzten sich aber für ein Dolkskaifertum bzw. -Königtum ein. Es fei frag­lich ob die jetzige Generation das Dolkskaifertum noch erleben werde. Der Redner ging dann auf die wirtschaftlichen Fragen ein. Auch h^r mußten neue Wege gegangen werden. Jetzt bestände

Gießener Stadttheater.

Friedrich Hebbel: Gyges und sein Ring.

Das .Hohelied der Keuschheit" hat man Hebbels Tragödie genannt, man könnte hinzu- ttigenunb der Sitte". Rho dope, die indische Königstöchter, verteidigt im fernen Darbaren­land nicht allein das Recht der Frau auf eigenes, dem Weibe eigentümliches Seelenleben, sondern auch die althergebrachte Sitte gegen den pietät­losen, gegen b.e Tradition an stürmenden Kan- daules. Wenn Kandaules einen Zeugen für b.e Schönheit ßineS. noch von keinem andern Manne erschauten Weibes braucht, wenn er nach einem Neider seines Glückes sucht, um wahrhaft glücklich zu fein, so ist das nicht eitle Prahlsucht, auch nicht ein absichtliches Hinwegschreiten über die non Rhodope treu bewahrte Sitte ihres Landes, cs ist das bohrende Gefühl der Llnsicherheit, leinen Wertmesser zu haben für den kostbarsten Schatz seines Palastes, keinen Zeugen, daß ernicht ein eitler Tor, der sich selbst belügt, wenn er sich rühmt, bas schönste Weib zu küssen". Es soll jemand wissen, wie reich er ist und es ihm sagen können. Gyges mit feinem Zauberring, der feinen Träger uns.chtbar macht, soll fein Wriv schauen, mit ihm Rhobvpes Schönheit Preisen. Daß dies Durchbrechen der Sitte die Königin in ihrem innersten Wesen treffen muß, die in ihrer ge« wollten Abgeschiedenheit die Keuschheit als ihr eigentliches Sein und jeden Dlick eiibes fremden Mannes als eine Beleidigung empfindet, die

SiehenerMzeiger(General-AnzeigerfürDberheflen)Zrettag,5, vezemver st)2s

auch bei der Abstimmung über die DaweSgesehe bis zum letzten Augenblick Opposition getrieben worden. Daß die Partei ein gutes Werk Damit getan hätte, sei anerkannt worden. Dr. Strese- mann habe zu Hergt wörtlich gesagt: .Ich danke Ihnen für Ihre Opposition. Sie haben es mir ermöglicht, die Erfolge in London mit Hilfe dieser Opposition zu erringen." Der Redner führte wei­ter aus: Es müsse nationale Politik versolgt wer­den. Keine Sozialdemokratie sei derart internatio­nal und pazifistisch wie die deutsche. In diesem Wahlkampf hätten es die Linksparteien sehr leicht, sie brauchten nur zu sagen: .Seht unsere Republik an I" Dem Redner wurde durch langanhaltenden Beifall gedankt.

Es schloß sich hieran eine lebhafte Diskussion. Auch in dieser Versammlung wurde wieder ein Störungsversuch unternommen, der jedoch an dem Verhalten des Versammlungsleiters und der anwesenden Anhänger der Partei scheiterte.

Die Sozialdemokratische Partei hielt gestern abend auf der Liebigshöhe eine Ver­sammlung ab, tie auße ordentlich stark besucht war. Der erste Redtier, General Körner- Wien, führte aus, daß er gerne nach Deutschland gekom­men sei, um zu sagen, was die Deutschen jenseits un'crcr Grenzen in diesen Tagen empfinden. Er als Oesterreicher könne auch ganz gut über unsere Verhältnisse urteilen, denn sie hätten dasselbe wie wir durchgemacht Die Grundursache des gegen­wärtigen Elends sei der Krieg, dreier Konkurrenz­kampf im Großen. Wir haben ihn verloren. Jetzt heihts. die notwendigen Folgerungen hieraus ziehen, ilnb da sei die Politik, die die deutsche Sozialdemokratie seither verfolgt habe, der einzig richtige Weg Eine weitere Folge des Krieges fei die Krebitnot. Kredit sei gleichbedeutend mit Vertrauen. Unb dieses Vertrauen fehlte, solange Reventlov, Ludendoifs usw. mit ihren Revanche- gebanken die Siegerstaaten mißtrauisch machten. Die Selbsterkenntnis bei den Siegerstanten sch-if die gegenwärtige Situation, um Deutschland als not­wendigen Ab:ehrner a f tic Deine zu Helsen. Wolle Deutschland sich nicht wieder gegen die ganze Welt stellen, müsse es sich auf den Boden des Dawes- abkommens stellen, das der erste Abbau des Ver­sailler Vertrages sei. Die Last würde für Deuischlano jedenfalls zu schwer, dies sei aber mit friedlichen Mitteln zu beweisen, mit einem bloßenNein" sei da nichts getan. Die deut ch- nationale P litt! des Ja und Nein bei der Ab­stimmung über die Dawesgesetze fei vom Aus­land alsRoßtäuscherpolilik" empfunden worden. Die von der Deutschen Volkspartei angestrebte Regierungsumbild u g solle lediglich den Zweck verfolgen die 2aftenoerU?iIung im Sinne der Schwerindustrie und der Großagrarier vorzuneh- men. Drei Ged-a «km seien aus dem Sht;eg8toirr- Warr herausgeschält worben, die nun in der ganzen Welt zum Durchbruch kommen: Dolksherr- schast, Völkerbund (aber nicht die gegenwärt g? Farce) unb der Rationalg^danke. Dies seien die brei Eckpfeiler, auf denen jebe£ moderne Staats­wesen ruhe. Aus reicher Kenntnis heraus geißelte der Redner die Zersplitterung in 25 Parteien. Dies sei in Oesterreich überwunden. Die Zwerg­parteien würden zermalmt. Das alles sei das Ringen um die politt che Erkenntnis, die kommen toeroe. Die radikalen Parteien von rechts und links leiden an einer reizbaren Schwäche, an Krankheiten eines Dolles nach 4jährigem Krieg. Diese Flügel seien erledigt, wenn Rahe und Frieden einkehre. Die ruhigen und sachlichen Aus- sührungen des Redners Rangen aus in einem Bekenntnis zu Schwarz-Rot-Gold und zur De­mokratie.

Als zweiter Redner sprach Reichs tagskandi- dat Beckmann- Gießen, der ausfühne. daß der am 4. Mai gewählte Reichstag arbeitsun­fähig war, weil er von einem fiebernden Volke gewählt war. Er enthielt 200 Abgeordnete, die nicht auf dem Boden der Verfassung ständen. Die jetzt wieder hervorgeholte Dolchstoßlegende sei eine böswillige Erfindung. Die Sanierung des Ruhrkampfes erfolgte durch das Dawesguwchten, das von denen, die es ehrlich mit dem Volke meinen, eingehalten werden müsse. Ablehnen hieß, auf das Ruhrgebiet verzichten, den Der,all des Reiches zu vollen, die militärische Desttzuig, die E« ähren deS S.paratismus u d den Dährungs- .verfall zu vergrößern. Statt dessen hätten wir 'die Rückkehr der Ausgcwie'enen, Defre ung der Gefangenen. Aushebung der inneren Zollgrenze unb der Pahschikanen. eine 800 Millionen-Anleihe unb Auslandskr^>ite, die die Wirtschaft neu beleben. Des weiteren beschäftigte sich der Redner mit dem beantrag len Zolltarif. dem ein Industriezoll zum Nachteil breiter Volksschichten gefolgt wäre. Die Lage dec Kriegshinterbliebenen müste verbessert werden. Die erforderlichen Mittel mußten durch eine progressive Einkommen- und Erbschafts­steuer. also durch tz^sihsteuern aufgebracht werden. Neben der Reichstags Wahl müsse in Hellen zum Landtag gewählt tt-erben. Die Behauptung, die gegenwärtige Regierung fei teurer als die frühere, beantwortete der Redner mit dem Hinweis darauf,

daß die frühere Regierung 1 75 000 Mark, bk gegenwärtige 253 OCK) Mark kostete. Die Behaup­tung, in den einzelnen Ministerien seien mv(x Beamte als früher, treffe zum Teil zu. dafür sei aber auch die Arbeit eine größere geworden. Er erinnerte daran, daß die persönlichen Schul­lasten und die Polizeilasten jetzt vom Staate ge­tragen würden Dies bedinge natürlich mehl' Arbeit. Die staatlichen Grundsteuern seien nach dem Besitz gestaffelt, dies auch für die Gemeinden durchzuführen, sei an dem Widerstand der bür­gerlichen Parteien gescheitert Seine Partei flehe auf dem Boden der Republik als der einzig möglichen Staatsform. Durch jahrelange Ent­wicklung hindurch müsse die soziale Republik ge­schaffen werden.

Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen der beiden Redner Sine eiaentliche Diskussion fand nicht statt: ein junger Mann, der sich eben­falls als Oesterreicher auSgab. stellte einige An­fragen an General Äötner, die Antwort siel wenig angenehm für ben Fragesteller aus. Mit einem auf die Republik schloß der Vor­sitzende Ottilie die ruhig verlaufene Ver­sammlung.

Wirtschaft.

Englische Kredite für die deutsche Wirtschaft.

Eine englische Gruppe hat, wie die .TlmeS" berichten, eine Anleihe für d i e oberschle­sischen KokSwerke übernommen Im Betrage von 400 000 Pfund für die Dauer von 20 Jahren zu 7,5 Proz. lieber den Diskontsatz bei der Aus­gabe der Anleihe wird nicht- berichtet. Die An­leihegeber haben eine Gewinnbeteiligung erhal­ten. Nach zehn Jahren ist die Anleihe rückzahl­bar unter Bedingungen, die die Interessen der Anleihebegeber berücksichtigen. Ein Privattele- gtamm aus den Vereinigten Staaten berichtet, daß im Verlaufe der letzten Wochen Anleihen oder Vorschüsse von feiten der amerikani­schen Finanzwelt so wohl an die Städte Berlin und Köln als auch an daS Kali- syndikat und die Badische Anilin- und Sodafabrik, den Ruhrkohlenbergbau und eine Baumwollspinnereigruppc gegeben worden sind. Die Belebung der deutschen Kohlenproduktion wird in England lebhaft be­sprochen, weil die englische Kohlenindustrie nach wie vor unter der allgemeinen Geschäftsstille lei­det. Insbesondere liegt der englische Koh - lenausfuhrhanbel darnieder. Gerade des­halb ist der Verlust des deutschen Marktes von großer Bedeutung. Deutschland hat vor dem Kriege große Mengen englischer Kohle eingeführt, während Deutschland gegenwärtig nur wenig eng­lische Kohle braucht und sogar in größerem Um­fange eigene Kohle exportiert. Die Ausfuhr von Reparationskohle nach Italien ist sehr erheblich, aber gleichzeitig richtet sich der deutsche Unternehmergeist auf andere Gebiete, unb zwar hauptsächlich auf Südamerika Sogar tn Port Said ist deutsche Kohle anzutreffen, und man spricht von deutschen Kohlenverschifsun- gen bis nach Colombo (Ceylon).

' Die Gesellschaft« st euer bei der Aufstellung von Goldbilanzen. Der Reichssinanzininister hat unter dem 1 Dezember eine Verordnung erlassen, die die De'eUschafts- fteuer bei der Aufstellung der Goldbilanzen be­handelt. Der Erlaß ist auf Grund deS 8 20 der Verordnung über Goldbilanzen vom 28. De­zember 1923 herausgegeben worden unb tritt in dem ersten Teil mit Wirkung vorn 1. Januar 1924, im andern Teil mit dem auf ihre Ver- öfsentl chung im Reichsgesetzblatt felgenden Tage in Straft. Eine Erstattung von Steuern, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Verordnung bereits erhoben sind, findet auf Grund dec rück- willenden Vorschriften dieser Verordnung nur statt, wenn der Antrag biS zum 1. Februar 1925 gestellt wirb.

Q Rhein-Main-Donau A. G Die vor wenig n Tagm stattgehabte General erfamm(i.ng der Rh.'in-Main-Donau A. G. hat sich wie wir hören, m.t der Erhöhung des Stamm:tt enkap talS um 12 Millionen Gm. einverstanden erklärt Die Kapitalserhohung soll bis zum 31. März 1925 durchgeführt und auf Reich und Länder wie folgt verteilt werden: Reich 6.211 Millionen Mk., Bayern 3,589 Mlll. Mk., Preuß.m 2- M.ll. Mk, Baden 80 000 Mk.» Thüringen 60 000 Mk , Hessen 60 000 Mk.

Schaafhausenscher Bankverein A.-G Köln Die Generalversammlung de chi ß am 2. Dezember, das Attienkavital von bisher 100 000 000 Mk. auf 25 000 000 Gm. festzufetzen und einen Reservefonds von 8 000 000 Gm. zu bilden.

Disconto-Gesellschaft in Ber­lin. Kapitalumstellung im Derhä lt- n i s von 6*/8:l. Unter Berücksichtigung der .Kapitalerhöhungen während der Kr.egr- und In­

ein System der Prvfitwirtschaft oder der Wirt­schaft der Rentabilität, eS solle aber an ihre Stelle die Bedarfswirtschaft gesetzt werden Danz besonders scharf sei der Kamps gegen daS inter­nationale Börsenkapital zu fuhren. Der Redner streifte dann die Aufwertungssroge. Vom Reichs­finanzminister müßten solche W ge eingeschlagen werden, die unter allen Umständen eine an­gemessene Aufwertung möglich machen. Die klei­nen Sparer und Rentner, die ihr ganze- Ver­mögen verloren haben, müßten bis zu 100 Pro­zent aufgetoertcl werden, die größeren Zeichner mit entsprechenden Abstrichen. Nachdem der Redner sich zur Iudenfrage geäußert hatte, be­tonte er, eines der höchsten Ziele des völkischen Staates sei die Altersversorgung. Jeder, der den Nachweis erbringe, daß er sein Leben lang seine Pflicht im Dienste der Vollsgemeinschatt getan, ganz gleich, welchen Standes er auch sei, müsse ausreichend versorgt werden. Wenn man alle versorgen wollte, die bas 60. Lebensjahr überschritten haben, so würde dieser Bettag noch nicht einmal soviel auSmachen, wie die Auf­wertung der Kriegsanleihen. Zu der Flaggen­frage äußerte der Redner, seine Freunde seien der Auffassung, daß das deutsche Doll zur Zeit unter den Farben Schwarz-Weiß-Rot nicht zu einigen sei, das solle ganz offen ausgesprochen werden: aber denjenigen Dollsgcnossen. die sich zu Schwarz-Rot-Gold bekennen, solle gesagt sein, daß das deutsche Voll in seiner Gesamtheit auch hierauf nicht zu einigen sei. Die Nativnalsoziali- Jtische Bewegung nehme den Standpunkt ein, baß ie Schwarz-Weiß-Rot wähle, da unter diesen Farben die Truppen in ben Kampf gezogen seien und gekämpft haben Diesen Farben sei noch bas Hakenkreuz, als das Zeichen altgermanischen Volkstums und altgermanifcher Weisheit, hinzu­gefügt worden. Der Redner berührte dann die Frauenfrage. Die politische Hoffnung auf die Frau bedeute immer die Dankervtterklärung des Mannes. Sie sei außerdem auch ein Zeichen des Volksverfalls, wie die Geschichte immer bewiesen habe. Die deutsche Frau solle gewiß an dem Aufstieg des Vaterlandes mitarbeitcn, aber dar­über dürfe das nickt vergessen werden, was uns die Frau lieb und wert macht: als Hausfrau und Mutter der Kinder. Weiter äußerte sich der Redner über die Ablehnung des Dawes- gutachtenS. Es dürfe nicht dahin kommen, daß die Völker mit Verachtung auf Deutschlaich sehen. Wohl seien wir wehrloS, aber noch nicht in allen Teilen ehrlos. Dem Redner wurde mit stürmi­schem Beifall gedankt.

Hierauf sprach der bisherige Landtagsabg. Landwirt Hauck. Er ging sehr ausfühlich auf die ,.verderblichen Machenschaften des internatio­nalen Bank- und Dörsen-Kapitals" ein und wandte sich vor allem gegen die Anleihe-Politik im Reich und in den Ländern. Das schaffende Volk habe sein gesamtes Vermögen zu Gunsten der internationalen Ausbeuter verloren. Der Redner erntete ebenfalls reichen Beifall.

Die sich anschließende Diskussion war oft sehr stürmisch und lieh die Sachlichkeit entschieden zu kurz kommen.

DeulschnaHonale Dolksparlei.

Am Mittwoch fand tn der Turnhalle eine gut besuchte Wählerversanrmllrvg der Deutsch- nationalen DolksPa rtei statt. Als erste Rednerin sprach F au Stadtv. He raeus - Offenbach über die tiefen sittlichen Schäden, die am Mark unseres Volkes zehren. Her fei brin- gcnbft Abh fie nötig Die Ehescheidungen dürften nicht erleichtert we den, eher fc.cn sie zu er­schweren. Die uneheliche Mutterschaft bei Be­amtinnen fei Grund, sie aus ihrem Amte zu ent­fernen. Das gelte besonders für Lehrerinnen, die als Vorbild zu wirken hätten. Weiter sprach sich die Rednerin ganz entschieden gegen eine Er­leichterung der 88 218 unb 219 StGB. aus. Gine Aufh bung würde die ganze Zukunft unseres Volles untergraben. Es muffe ganz besonders auch Kampf gegen die verderblichen, die Sittlichkeit stark gefährdenden Auswüchse in Theater, Kino, Tanz und Mode geführt werden, ebenso gegen die Schundliteratur. Die Rednerin hob hervor, daß gegen alle d.ese Schäden die Fcauen ein­mütig ohne Rücksicht auf die Parteien Vorgehen müßten. Re.cher Beifall belohnte diese Ausführungen.

Da der Parteivorfihende Dr. Winkler (Ber­lin) durch einen Autounfall Verletzungen erlitten hatte und deshalb nicht erscheinen konnte, sprach an seiner Stelle Schriftsteller Tauber (Berlin). Der Redner sprach zunächst über die Zlaggen- frage. Echwarzrotgold werde jetzt als das Ideal bezeichnet, das könne niemals eine Fahne sein^ sondern immer nur ein Symbol. Die Demokraten, die sich heute so sehr für Schwarzrotgold ein- setzten, hätten bei der entscheidenden Abstimmung eine recht merkwürdige Rolle gespielt, nämlich ein Drittel hätte für Schwarzrotgold, ein Drittel für Schwarzweihrot gestimmt, und ein Drittel hätte den Saal verlassen. Der Redner sprach weiter über die Haltung seiner Partei. Eine gute Oppo­sition fei unbedingt notwendig, und deshalb fei

nur der Tod sühnen kann, das gehl Kanbaules erst nach der folgenschweren Tat in furchtbarer Deutlichkeit ein. Rur der Gatte darf sein Weib von Angesicha zu Angesicht schauen, so muß Kanbaules sterben, damit Rhodvpe, die Witwe, dem Manne, der sie schaute, die Hand zum neuen Shebunde reichen kann. Nur dieser Weg öffnet sich für die entwrihte Königin. Mit erschüttern­der Folgerichtigkeit beschreitet sie ihn, die Ent­sühnung zu gewinnen. Das Zepter der Sitte wird in ihrer Hand zum blutigen Schwert. Ader neben dem Mörder ihres Gatten zu leben vermag sie nicht, sie gibt sich den TrH am Altar der Hestia, der strengen Hüterin fraulicher Ehre, dem zweiten ©emabl Krone und Reich als Morgengabe zu- rücllastend.

Diese Grundzügc deS Dramas hatte Adolf Teleky in der Mit twvchaufführung klar heraus- gcpellt. Die vornehme, innerlich feine Art, wie Earl Juhnke den Kandaules interpretierte, war ein wesentliches Moment für das Gelingen eines großen Gesamteindruckes. Der Gyges Kurt Joachim Baums litt unter gewissen Heber- fteigetungen, die durch momentane Mängel 6er Atemtechnik noch unterstrichen wurden. Ge­rade ein so feuriges Temperament, wie wir es bei Herrn Daum schätzen, bedarf eines festen Zügels, soll es nicht überschäumend verpuffen. Die einzig schönen lyrischen Stimmungen kamen in der Szene mit Lesbia gut heraus und wären aud) später tm vierten Akt mit ein ganz wenig mehr Mäßigung zu erreichen gewesen. Frau Eturmsels bringt zur idealen Verkörperung

Hebbclscher Frauengestalten die Fähigkeit zur starken Verinnerlichung mit Schon ihre Klara war das Weib schlechthin, kein sozialer Typ. und ihre Rhodope war auch ganz auf das schlicht weibliche eingestellt, als Hüterin höchsten Frauen- gutes, nicht als dräuende Königin, durchzittert von dem bleichen Hauch mythisch-mystischen Zau­bers. Die Damen Bachfeld und Rohr und die Herren Schubert unb Hoffmann glie­derten sich dem Ganzen gut ein. Karl Löff­lers Bühnenbilder betonten in ihren schlichten strengen Linien wirkungsvoll das Lieberzeitliche des Stückes. -e

Die Trauerfeier für Pueeini.

Tie Totenfeier für Puccini imMarländcc Dom wurde vom Eczb schof Kardinal Tosi selbst geleitet Seit der Leichenfeier für Manzoni ge chah das zum erstenmal. Der Dom war m.t den Ornaten geschmückt, die der Kurie anläßlich dec Beerdigung des Königs Viktor Emanuel li. ge­schenkt wurden. Nach der Trauermusck der Dom­kapelle wurde bas Scala-Orchester unter Le.tung Toscaninis und unter Mitwirkung hervorragender Sänger dch Trauersinfonie aus PuccinisElgar" gespielt. An der Totenwache haben sich in der letzten Nacht hervorragende Künstler unb Schriftsteller abgelöst, während un­ausgesetzt Leute aller Klassen nach der Kirche pilgerten, wo der Sarg auf gebahrt war. Dri dec De.s.tzungsfrier ließ sich die Regierung durch den ilrdevrkbt&miniftcr vertreten. Auch

der Senat entsandte einen Vertreter Puccini wurden die einem Senatoren gebüh e tben mili­tärischen Ehren erwiesen. Die Scala und fast alle Mailänder Theater bleiben -um Zeichen der Trauer geschlossen. Aus der ganzen Weli erhall die F m'lie ununterbrochen i&eiicib^be e gangen.

Die Florentiner Professoren, die bi her Puc­cini behandelten, äußern ihren Unwillen über die Behandlung in Brüssel. So erttärt der bekannte Professor Pellizzari, daß er vor Monatsfrist Puccini eine äußerliche Radium- tur anriet, da er bei der hoch,rodigen Diabetes des Maestro die UnrnöglichLeit des auch nur geringsten operativen Engrifts erkannte Ebenso äußern sich die übrigen Aerche, welche meinen lei lediglich äußerer Bestrahlung hatte das Leben PuccmiS wenigstens um einige Jahre verlängert werden können.

Puccini war sich seines gefährlichen Zustandes wohl bewußt. Er sagte zu der Sch westec emes Abends:Ich weiß, daß mein Krebs leiden unerbittlich ist." Auf die beschwichtigenden Einwände der Schwerer antwortete er.GlauUi Sie, ich wäre nicht überzeugt? Ich ziehe den Tod diesem Höllen leben vor. Sie können sich nicht verstellen, wie furchtbar es für einen Künstler ist. wenn er nicht genügend gesund ist, um ar­beiten zu können. Ein Künstler leibet mehr als andere Menschen. Ich habe noch so v ele Din^e zu vollenden, und bin trostlos, daß ich es nidjt tun kann. Ich hadr meine Manuskripte mitgenom­men. kann mich aber nicht mit ihnen beschäftigen. Dies ist eine große für mich".