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Chamberlain in Paris.

Die Besprechungen mit Herriot.

Paris. 5. Dez. (WTB Funkspruch.) Der britiiche Etaatssetretär des Aeußem Austen Chamberlain tij.| Keslern in Paris eingetrosfen. Sein erster Besuch wird nach dem »Petit Parisien" Heute vorm.ttag dem Präsidenten derRe - ch u b l i k gelten. 3m Anschluß, daran fmdel um 11 Uhr die Begegnung mit Herriot statt, zu der kein -Zeuge zugezogen toirb. Es wird nicht einmal der Dolmetscher der -Unterhaltung bei­wohnen. da Chamberlain französisch beherrscht. 3n der Hauptsache werden nur wichtige Pro­bleme und Fragen des nahen Ostens zur Sprache gebracht. Um 1 Uhr wrrd Hernot am Quai d'Orsay zu Ehren Chamberlains ein Essen geben, zu dem u. a. auch die beiden Direktoren am Quai d'Orsay. Laroche und Seydoux, ferner Vertreter der Kammer und des Senatsausschusses für auswärt ge Angelegenheiten geladen sind.

3m Laufe des Rachmittags dürfte eine neue Aussprache stattfinden, an der sich wahr­scheinlich beide Botschafter sowie die Direktoren Larrvche und Seydox beteiligen würden. Cham­berlain wird um 5 Uhr nachmittags n ach R o m Weiterreisen. 3n Wochenfrist wird nach derMornrng Post" eine neue Begeg nun g mit Herriot erfolgen. Chamberlain erklärte gestern abend Vertretern der Presse u. a.:Ich glaube, dah die gegenwärtige Gelegenheit, mit dem Ministerpräsidenten Herriot zu sprechen, dazu beitragen wird, die ausgezeichneten Beziehungen zu bestätigen, die zwi­schen den beiden Nationen bestehen und die beiden Regierungen aufrechtzuerhalten sich bemühen

Deutsche Stahlwerke in Süd­afrika.

London. 5. Dez. (WB. Funkspruch.) Daily Mail" berichtet aus Kapstadt, es verlautet, dre Regierung verhandle mit deutschen Stahl- erzeugern über die Errichtung von Stahlwerken in Südafrika in ziemlich großem Umfange. Die Hauptschwier-ykeiten einer Verwirklichung dieses Planes feien, wie angenom­men wird, in den deutschen Verbuchen zu sehen, sehr weitgehend Konzessionen vvn der Re­gierung zu erhalten. Die britisches Stahlsabri­kanten seien zu dem Schlüsse gekommen, daß die Zeit für die Schaffung einer Industrie, die sich leibst erhalten könnte, noch nicht reif sei.

Japan gegen eine weitere Abrüstung zur See.

Reuhori, 5. Dez. (Kabeldienst der TU) 3n Washingtoner politischen Kreisen finden die aus Japan kommenden Rachrichten stacke Be­achtung, nach denen 3apan auf keinen Fall gewillt ist, sich an einer weiteren Beschränkung der Flottenstätte durch eine neue Abrüstun^- konferenz zu be^-ligen. Die scheinbar von nrah- gebender japanischer Seite stammenden Rach­richten gegen eine neue Abrüstung werden von der japanischen Presse eingehend erörtert. Es wird behauptet, die geographische und strategische Lage 3apans gestatteten keine weitere Flottenab- rüstung.

Abbau der interalliierten

werden.

England und der Völkerbund. Chamberlains verbittet sich jede Ein­mischung in die aegyptische Frage.

Gens 4. Dez. (WB.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat vom britischen Außenministe- 'rtumrium eine Rote erhalten, in der die britische Regierung hinsichtlich der Völkerbundsresolution vom 2. Oktober 1924, wonach das Protokoll über die friedliche Beilegung internationaler Streit- Ä für die Mitgliedsstaaten, die nicht unter- rt hatten, sowie für alle übrigen Staaten zur Unterzeichnung aufgelegt werden soll:e, be­merkt, dah nach dem Wortlaut dieser Resolution die Möglichkeit gegeben sei, das Protokoll auch der ägyptischen Regierung vorzule- gen. Die britische Regierung erinnere daran, daß das britische Protektorat über Aegypten auf Grund der am 28. Februar 1922 abgegebenen Erklärung auf gehört habe, in der sich u. a. folgende Worte sünoen:Die Wohlfahrt und 3ntegrität Aegyp­tens find f ü r das Leben und die Sicher­heit des britischen Reiches unerläß­liche Bedingungen. Großbritannien wird daher die zwisch^l dem britischen Reich undAegyp- ten bestehende nDeziehungen aufrecht zu erhalten suchen.

Die britische Regierung wird nicht dulden, dah eine andere Macht sie in Frage zieht oder zum Gegenstand von Erörterungen macht.

Geleitet von diesem Grundsatz, würde die britische Regierung jeglichen von einer anderen Macht un­ternommenen Versuch, sich in die ägyptischen An- celegenbeiten einzumischen, als eine unfreundliche Handlungsweise betrachten müssen. Die britische Regierung würde daher nicht dulden können, daß das Protokoll, wenn es von Aegypten unterzeich­net werde, der ägyptischen Regierung die Mög­lichkeit gebe, eine Intervention des Völ­kerbundes nachzusuchen, die durch die obener­wähnte Erklärung ausschließlich dem Gutdünken der' britischen Regierung anheimgestellt ist." der britischen Regierung anheimgestellt ist."

Auf Wunsch der britischen Regierung ist diese vom 19. Rovember datierte Rote den Staaten, die das Protokoll unterzeichnet haben, zugestellt worden.

Aegyptische Verschwörung gegen das englischeKabinett?

London. 5. Dez. (TU.) LautDaily Mail" 'hat der britische Oberkommandierende für Aegyp­ten, Lord Allenby, dem britischen Kabin-tt davon Mitteilung gemacht, daß ägyptisch Rationalisten den Entschluß faßten, her* vorragende Mitglieder des Kabi­netts zu erytvrden. Die Verschwörer ge­hören anscheinend den Wast an und halten sich unter den ägyptischen Studenten in London auf. Der 3nnenminister Sir 3ohn Hicks hat daraufhin sofort veranlaßt, daß seine Kollegen Dag unb Rächt von bewaffneten Ge­heimpolizisten umgeben sind.

Dor der Auflösung des aegypti chen Parlaments.

Paris, 5. Dez. ($11.) DerMatin" meldet aus Kairo, daß das ägyptische Parlament am 9. Dezember aufgelöst werden wird. Die Reu­wahlen würden in 2 Monaten stattsinden. Wenn daS neue Parlament dem Kabinett sein Cßertvauen Vorbehalten sollte, sv würde es sich gleichfalls auslolen Unter den ägypli chen Eisenbahnern ist eine Streikbewegung im Gange.

Die englische Regierunq gegen die lästigen Ausländer.

London, «*. R-v. (TU.) Der Staats­sekretär des 3nnern Str William 3ohnson H i ck s will in der nächsten Zeit einen Feldzug gegen die lästigen Ausländer beginnen. Die sozialistische Regierung habe, sagtGvening Rews", die schwarze Liste der lästigen Ausländer stack au- sammengestrichen. Diele Hunderte von Agenten und Revolutionären seien in­folgedessen gelandet, die sich die grundsätzlich zugestandene zweimonatige Aufenthaltsbewilli- mmg zunutze machten. Man erwartet eine durchgreifende R e i n igu n gSa kt i vn und große Deportation der ungeladenen Gäste. Glei«üeittg verlautet, daß sich der Staatssekretär des 3rmern mit der Gröhe des Stabes der russischen Delegation beschäftigen wird. Richt weniger als 7Z0 Personen lind bei der irussischen Delegation und ihren UnterabtciUin- aen beschäftigt, die sich alle b e s o n d e r e r D o c rechte erfreuen. Schließlich soll auch die Be­satzung der russischen Schiffe näher in Augenschein genommen werden, da es sich hierbei, toteGvening RewS" sagt, ausnahmslos um Kommunisten handle.

Kontrollkommission.

Be r l i n, 5 De;. (TU.) Aul G-und der bis­herigen Ergebnisse d r Genevalinspckt.vn hak«n, wie dieReue Tägliche Rundschau" hort, die alliierten Regierungen beschlossen, die Zahl der Offiziere der Ueberwachungs ommis'ion um fast die Hälfte zu vermindern. Die Kom- m ff atm, die derzeit noch einen Stand von rund 180 Offizieren ausweist, soll bis Ende d. Mts. auf 100 Offiziere hevuntevgesetzt werden. Eine weitere Ve^m nd.mng ist >üc 3anuar in Aus­sicht genommen, die wohl als Vorläufer des gänzlichen Abbaus anMs.hen ist.

Am Mittwoch trafen zwei englische Offi­ziere der int walliierten Kontrollkommisnon hier ein und begaben sich nach einem Gehöft im Kreise Neidenbürg. Auf eine Anzeige hin suchte die Kommission in einer alten Scheune mehrere Stunden lang nach Waffen, fand aber nichts weiter als eine verrostete Konserven­büchse und meh.-ere Draht stücke. Die Scheune wurde darauf von der Kommission ver­siegelt. Am Donners ag erfolgte ein Besuch der Al len st einer Schutzpolizei.

Diele find berufen . , .

Berlin. 4. Dez. (Derl. Tagebl.) Die Reichs­tagswahlliste verzeichnet in ihrer Gesamtheit nicht weniger als 4638 Kandidaten, und zwar 4249 in ben Kreiswahlvorschlägen und 389 Kandidaten in den Reichswahlvorschlägen. Die Kandidaten­liste für die preußischen Landlagswahlen enhält die Rainen von 2631 bzw. 256 Kandidaten. Dre Wahl- Vorschläge für die Reichstagswahlen enthal.en nicht weniger als 5 1 Verschiedene Partei- bezeichnungen unb bietet das alte Bild vvn Deutschlands innerer Zerrissenheit.

auf

Krie

) Steuerub rwetsung an die

Zusammen

ten für

Ausgak 15.8 Pc bezöge

1925 ein Mehr von 156 640 855 Rm.

Dabei ist zu berücksichtigen, daß im Hinblick

ehmer 1206 420 226

Der Neichshaushalt1925.

Ein Ucbrrbkick über den Entwurf des

Reichshaushaitplanes 1925

geht uns im folgenden Bericht vvn bestunterrich­teter Seite zu:

Der ordentliche Haushalt schließt in Einnahme unb Ausgabe mit 5514662699 Rm. ob.

Die Einnahmen setzen sich zusammen: a) aus den Etträgnssen der Besitz- und Berk hrssteuern mit 4 144 000 000 Rm.. b) Zölle und Verbrauchs­abgaben 1 099 700 000 Rm.. c) Derwaltungsein- nahmen bei den verschiedenen Reichsbehorden 125 129 366 Rm.. zusammen 5 368 829 366 Rm.

0 000 Rm. ---- 3 n. 100 Proz.

die im Gange befindliche Steuerreform eine Schätzung der Steuern und Ver­brauchsabgaben, die den Hauptteil der Reichseinnahmen ausmachen und dem Reichs­haushalt erst das Gepräge geben, zur Zeit der Haushaltsaufstellung nicht möglich war. Ebenso mußte von einer Veranschlagung der Steuerüberweisungen an die Länder, d e im Haus-

Versorgung Rm = 23,

Länder 1 86 5 175 331 009

2 Prvz. c) Allgemeine Ausgaben und für Sachzwecke 815 754 557 Rm. = d) Ruhegehälter und Hinter bl iebenew- Verwallung und H^r emschl. der

hast den hauptsächlichsten Ausgabeposten dar­stellen. abgesehen werden. Aus d efen Gründen sind sowohl für die Eimrahmen an Steuern wie für die Steuerüberweisungen die Ansätze des Haushalts für 1924 mit 5243,7 Millionen Reichs­mark an Ausgaben (s. unten) angesetzt.

An fortdauernden Ausgaben des ordent-- tichen Haushalts sind angesetzt 5 337 Ml 699 Rm. Darunter sind 161 760 690 Rm. Zuschuß zur Deckung der Ausgaben des ordentl. Haushalts der Kriegsrasten (^genannte innere Kriegslasten) enthalten, so daß die reinen fortdauernden Aus­gaben betragen 5 175 331 009 Rm. Gegenüber den für 1924 in Betracht kommenden 4 931 463 169 Rm. ergibt sich ein Mehr von 243 867 840 Rm.

Die Ausgabeseite des Haushalts steht unter der Einwirkung des Sachverständigengut­achtens. Sie Lasten, die dieses Gutachten dem Reiche für die nächsten 3ahre auferlegt, sind für 1925 mit 1 095 416 666 Rm. angesetzt.

Der Gesamtbetrag der reinen fortdauernden Ausgaben mit 5 175 331 009 Rm. verteilt sich auf die persönlichen und sachlichen Zwecke wie folgt: a) Persons chc Bezüge dec Beamten, Angestellten und Arbeiter 862 274 593 Rm 16,6 Prozent, b) Sachliche Verwaltungsausgaben 429 231 633

Dazu tritt als Folge der Durchführung des Sachverständigen - Gutachtens ein Posten (herrührend aus der Verwertung von Vorzugsatt, en der Deutschen Reich Sb chngesell- schaft) von 145833333 Rm., zus. 5 514 6j2 199 Rm.

Gegenüber der für das Vorjahr veranschlag- Einnahme von 5 358 021 844 Rm. ergibt sich

2068,7 MMvnen = 39.97 Prvz. entfallen somit auf die BesoldungS- usw. Bezüge, Ruhe- gehätter usw. und die Dersorgungsnebuhrnisse der Kriegsteilnehmer und ihrer Hinterbstedenen.

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Der Prozeh gegen den Massenmörder Haarmann. Die Vernehmung des Angeklagten.

Hannover, 4. Dez. (SU.) Dor dem Schwurgericht Hannover begann h?ut« vormittag der Prozeß gegen den Maisteamorder Haarmann unb dessen Helfershelfer Grans, über besten Vor­geschichte wir an anderer Stelle des heutigen Blattes berichten. Den Vorsitz führt Landgerichts- birettor Deck mann. Die Anklage wird durch den Staatsanwalt Dr. Wilde und Staatsan- waltschaftsrat Dr. Wagenschljtter ver.re- ten. 3n einem Qlebenraum des Sitzungssaales be­finden sich außer den Kleidungsstücken der 27 Opfer das Feldbett aus der Wohnung Haar­manns, fein Tot.chläger, eine Fleisch-Hackmaschine und eine blutbefleckte Diele. Don der Polizei waren umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen. De onders während der Ueberführung der beiden Angeklagten vom Gerichtsgesängnis nach dem Schwurgerichtssaal ii d die zu passie­renden Straßenzüge geräumt und vollständig ab­gesperrt. 3n |einer Vernehmung gab Haar- mann zunächst

Aufschlüsse über seine Familienverhültnisse und Schulzeit.

Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er tm Militärlazarett im Zusammenhang mit einem Un­fall beim Turnen wegen epileptischen 3er« seins b. handelt worden sei, sagte Haarmann: Ach, das ist ja Unsinnl Ich bin ganz vernünftig. Kopfschmerz kam von dem Unfall Wester wurde festgststelst, daß Haarmann wegen S.ttlichteitsv.rgehens an Kindern aus der Unter» Offiziersschule ausgeschlossen wurde. Auch 1897 wurde Haarmann in H ldeäheim wegen des glei­chen Verve hens gerichtlich belangt und auf feinen Geisteszustand untersucht, wobei die Geistes­krankheit aus angeborenem Schwach­sinn festgestellt wurde. Der Angeklagte, bec sich später wieder als Soldat gut bewahrt hatte, wurde drnnn wiederholt und zuletzt 1922 auf seinen G.^eszustand untersucht.

3m westeren Verlauf der Vernehmung schil­derte Haarmann sein schlechtes Verhält­nis zu seinem Vater und schloß mit fol­genden Worten:3ch will geköpft werden, bann bin ich die Qual los. Aber das letzte Wort toirb ein Fluch auf meinen Vater sein." Haarmann gab Aufschlüsse über seine Beschäftigung. R.ichiem sein Konfervengeschäst zugrunde gegangen toar, wurde er in eine Bäckerei eingestellt, wo er Diebstähle beging.

Charakteristisch ist, daß Haarmann gegen jede Vermutung, feinen Geisteszustand für irgendeine seiner Taten verantwortlich zu machen, wieder­holt energisch protestiert.

1918 war Haarmann wegen Unsittlichkeit gegen­über einem 13jährigen Knaben ins Zuchthaus ge­kommen. Rach seiner Entlassung befaßte er sich mit Hamsterei. Der Angeklagte bestreitet, Menschenfleisch verkauft zu haben: er bleibt dabei, daß er alles Fleisch von dem noch nicht aufge- fundenen Schlächter Karl bezogen hat. Den Mord an Friedel Rothe im Jahre 1918 gibt er zu. (Str fdgt auch, daß bei der Haussuchung damals dessen Kopf, der hinter dem Ofen eingewickelt versteckt war, nicht gefunden wurde, und er dann wieder freigelassen wurde, weil ihm nichts Strafbares- nachgewiesen werden konnte. Für die weitere Ver­nehmung über den Fall Rothe wurde die Seffent- lichkeit ausgeschlossen.

Rach der Wiederaufnahme der öffentlichen Verhandlung erzählte Haarmann, wie er Grans kennen lernte. Danach habe Grans sich ihm aufgedrängt. Gr habe ihn, weil er über Hunger klagte, in seiner Wohnung auf­genommen. Grans aber, der weiter mit Haar­mann zusammenlebte, wußte letzteren stets für sichauszunühen. So muhte auch Haarmann betteln, während Grans das Gelb verjubelte. Haarmann mußte sogar wegen Bettelei einmal sitzen. Auch Wäschedieb stähle führten sie gemeinsam aus. Inzwischen hatte Grans in Haarmanns Wohnung De kchr mit einem Mäd­chen gehabt und zur Beschaffung von Geld die Möbel seines Freundes verkauft. Schließlich habe aber Grans wieder 20 000 Mark gebracht, mit denen er sich wieder neu einrichten konnte.

Haarmann gibt vier bis fünf Morde in dieser Wohnung zu, verneint aber die Frage des Vor­sitzenden, ob Grans von den Morden gewußt habe. GranS habe ihm nur jung« Leute, besonders in guten Kleidern, zugeführt.

Dann erzählte er, wie er von Kriminalbeamten aufgefvrdert wurde, wegen seiner Beziehungen zur Verbrecherwelt der Polizei Winke zu geben, und wie er dann das Detektivinstitut Lasso gegründet habe.

Haarmann gibt weiter an, das Grans einmal eine in dem Derschlag seiner Wohnung versteckte Leiche gesehen und ihn ein andermal dabei betroffen habe, wie er die Leiche Hannappels ge­rade zerteilte. Haarmann gibt die Zahl feiner Opfer mit 14 an, meint jedoch, es konntenauch mehr gewesen sein. Er bestreitet aber ent­schieden den Verkauf oder den Genuß des Fleisches seiner Opfer. Er beschreibt genau, wie er die Lei­chen zerteilte, wozu er zwei Tage gebraucht habe. Er bestreitet, daß die in der Leine gefundenen Schädel von seinen Opfern stammen. Haarmann erklärt, daß er niemals einen Amtlichen P okizeiauSweis beseffen habe.

Hierauf beginnt die Vernehmung des An­geklagten Grans. Er hat die Realschule besucht, hakte verschiedene Stellungen inne, die er wie­derhol wechf l e. Einmal wurde er wegen Portv- lassenbiebstahL enllass.n. G ans b st eilet ge­wußt zu haben, daß Haarmann junge Leute um» gebracht und dah er jemals eine Leiche bei Haarmann gesehen habe. Er bestreitet sogar, Haarmann die jungen Leute zugeführt zu haben. Um 4 Uhr wurde die Verhandlung auf Freitag vertagt.

Aus aller Welt.

Bootsunglttck auf der Ostsee.

Königsberg, 4. Dez. (TU.) 3n der Rächt zum Donnerstag überraschte ein böiger Rordwest- sturm a ch t Fischerboote vor Starlau auf See. Dier Boote konnten das Land glücklich er­reichen. Zwei Boote schlugen kurz vor der Küste um. Die aus sieben Monn bestehen­

den Besatzungen konnten nicht mehr geret* t e t werden. Ein anderes Doot konnte aus der Kurischen Rehrung in der Rahe von Rositten ge­borgen werden, jedoch nur mit zwei Mann der Bejahung. Zwei andere Leute sind von der schwe­ren See über Bord gespült worden. Gin Doot wird noch vermißt. Rur die Segel dieses! Dootes wurden an Land gespült. Dom Doote cLbjt und den vier Insassen ist bis heute keine Spur zu finden gewesen, so daß mit einer ®e- amtzahl von 13 Toten gerechnet werden muh- Alle Ertrunkenen sind verheiratet.

Eine Gesundbeterin bor Gericht.

Dte Leiterin der Lübecker Gemeinde der chnst- lichen W.ssenschakt, F.au Koch-Gedecke, stand vor einem Lübecker Gericht unter der Anttage, den Tod eines 14jährigen Knaben verursacht zu haben. Dem Knaben waren beim Ueberllettern eines Zaunes Holzsplitter in de fr-U nIer- leib gedrungen. Die Eltern des verunglückten Kindes schickten daraus zu Frau Koch, welche er­klärte, daß sie den Knaben gesund beten werde. Da sich dessen Zustand aber immer mehr verschlimmerte, lieh-m die Leute 12 Stunden nach dem Unfall endlich einen Arzt holen, der eine be - ginnende Dauchfellentzündung fest­stellte, die zum Tode des Knaben führte. 5>ic Aerzte erklärten, daß bei einer sofortigen Opera­tion der Junge hätte gerettet werden können. Die Angekl^rgte wurde zu einem Jahre Gefäng­nis und 50 Ml. Geldstrafe verurteilt.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 5. Dezember 1924.

Zur Wahl.

In den beiden neuesten Amtsverkündigungs- 6lottern werden dre Wahlvorschläae zur hessischen Landtagswahl u n o zur Retchstagswahl zur össentlichen Kenntnis gebracht.

Für die Landtagswahl haben die Wahl­berechtigten folgende Dorfchlagslisten zur Ent­scheidung: 1. Sozialdemokratische Partei,2.Deutich- nationale (Hessische) Dolkspartei, 3. Zentrum, 4. Kommlmisten, 5. Deutsche Dolkspartei, 6. Ra­tionalsozial, stische Freiheitsbewegung, 7. Deutsche Demokrattsche Partei, 9. Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes, 10. Hessischer Bauernbund und rheinheffische Landliste, 11. Bereinigte schaf­fende hessische Landwirte. Ein Wahloorschlag 8 besteht nicht.

Für die Re i chs t aas wa hl werden den Wählern folgende Wahttwrschläge präsenttert: 1. Sozialdemokratische Partei, 2. Deutschnattvnale Dolkspattei, 3 Deutsche Zentrumspartei, 4. Kom­munisten, 5. Deutsche Dolkspartei, 6. Rational- sozialistische 5ieifze.tvb to.gung, 7. Deutsche Demo­kratische Partei, 9. Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes, 10. Hessischer Bauernbund und rheinhessische Landliste, 13. Haeuherbund, 14. Frei- wiltschaftsbund (FreilandFreigeld). 15.U.S.P.D

Die Stimmzettel unterfcheiden sich auffallend voneinander, um Verwechslungen bei dem Wähler zu vermeiden und um das Zahlgeschüft bei der Ermittlung des Wahlergebnisses zu eckeichtern. Die Stimmzettel werden nur im Wahllokal am Dorstandstisch ausgegeben. Der Wähler hat in der Wahlzelle oder an dem mit einer Vorrichtung gegen Sicht geschützten Aeberttisch tn dem vor­gedruckten Kreis auf dem Stimmzettel durch ein Kreuz zu kennzeichnen, welchem Kveiswahlvoo» schlag er feit« Stimme geben will. Hat er am Vorstandstifch zwei Zettel erhalten, ist er also Reichs tagSwähler und Landtagswähler, so muß er beide Stimmzettel mit einem Kreuz in dem Kreis des von ihm gewählten Wahlvvrfchlags versehen. Ein Sttrnmzettel ohne solche Kennzeich­nung bedeutet keine Stimmabgabe, z ä h l t a I f o nicht. Beide Sttrnmzettel steckt der Wähler in den amtlichen Wahlumschlag, der ihm gleichzettig am Dorstandstisch übergeben worden ist, und über­reicht alLdann den Wahlumschlag dem Wahlvor­steher, der ihn in die Wahlurne legt.

Die Wahl beginnt um 9 Uhr vormittags und endet um 6 Uhr nachmittags.

In A.ibeträcht der ganz besonderen Bedeu­tung dieser Walken muß jeder Wähler und jede Wählerin vom Stimmrecht Gebrauch machen. Wahlrecht bedeutet diesmal mehr denn je Wahlpflicht!

Bornotizen.

TageSkalender für Freitag. Stadttheater: 7l/s UhrDer Meisterborer". Deutsche Demokratische Partei: 81/* Uhr Turn­halle Wählerversammlung. Deutscher Frauew- bunb für alkoholfreie Kultur: 8 Uhr Gewerbe­schule Dersammlung. Lichtspielhaus Bahnhof« straße:Das schone Mädel".

Wettervoraussage.

Meist bedeckt, Temperaturen wenig verändert, geringe Riede^chlage.

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GrgänzungSwahlen zur Han- delskammer Gießen. Bei den am 2 und 3. d. Mts. stattgehabten Haiidelslammerwahlen wurden im Wahlbezirk Gießen-Stadt Dank- birettor Ludwig Grießbauer, F ibrUbireftor Friedrich May und Kaufmann Rudolf R o - w a ck, im Wahlbezirk Gießen-Laird Kaufmann Wilhelm L. Rühl in Grvßen-Buseck wieder­gewählt. Im Wahlbezirk Alsfeld wurde der Kaufmann Otto L e i d n e r - Alsfeld neu- gewählt. im Wahlbezirk Lauterbach der Fibrikrnt Wilhelm Wenzel- Lauterbach wiedergewählt.

** Veränderungen im Gießener Polizeidienst. Auf Grund des GeletzeS über die Altersgrenze der Staatsbeamten tritt der Polizeilommissar Ludwig Kimmel zu Gießen am 1. Januar 1925 in Öen Ruhestand. Mit Wir­kung vom gleichen Tage ab wurde der Polizei-- oberwachtmeistec WUHelm Schmidt zu Gießen zum Pol^eikommissar ernannt Ernannt wurde der Polizeiwachtmeister auf Probe Wilhelm H o h-> meier aus Gießen zum Polizeiwachtmeister mit Wirkung vom 1. Dezember ab.

Falsche Rentenbankscheine. Seit einiger Zeit werden in der Rheinprovinz und in Süddeutschland, insbesondere auch in Baden, Rachbildungen von Rentenbankscheinen zu zehn Rentenmark in den Verkehr gebracht, bei denen das Wasserzeichen durch Aufdruck nachgeahmt worden ist. An Stelle des Stoffauflaufs ist der rechte Teil der Vorderseite mit einem hellgrüsy gefärbten Klebemittel übertüncht, worauf die Fa­sern eingestreut sind. Bei den echten Scheinen sind die Fasern im Papier eingebettet. Der Untergrund der Falschscheine zeigt ein verschwom­menes, unflateS Bild, die Beschriftung weicht an