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Nr. 28? Erstes Blatt

Mettag, s. Vezemder 192$

Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Drurf und Verlag: vrühl'sche Unlversitätr-Vnch: und 51eindruckerel K Lange in Gietzen. 5chriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

Aah»e von sLr die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedrVerdindlicykriL.

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poSschecklsnto: granttnrt a. Dl. 11686.

Das Ziel.

Don Rechtsanwalt Eduard S in gelbet), M.d.L.

DaS bauliche Volk hat lange keinen Wahl­kampf mehr von solcher Heftigkeit und Leidens schaftltchleit erlebt tote ben diesmaligen. Die Zahl derBebntr, Flugblätter und Plakate ist Legion. Sin ganzer liebel von Schlagworten senkt sich über die Äöbfe der Wähler herab.

Soll eine freiheitliche demokratische Versas- fung, ble den Staatsbürger zum absoluten Herrn der politischen Entwicklung macht, einen Sinn haben, dann setzt sie eine politische Reife des Wähler« voraus, welche ihn in den Stand fetzt, einen weifen und besonnenen Gebrauch von seinen Rechten zu machen. Dann muh er verstehen, hinter der Oberfläche deS TageS und der Schlagworte die tyfen politischen Probleme zu erfassen, die im Grunde die bewegenden Kräfte der Politik sind.

Für unS Deutsche steht fest, daß wir als machtlose Ration Inmitten eines Ringes toaffen- ftarrender Völker auswärtige Politik mit kluger, nüchterner, auf jede Illusion verzichtender Er­fassung deS Augenblicks treiben müssen.Ra­tionale Realpolitik", das Schlagwort, mit dem bk Deutsche Dolkspartei in den Kampf geht, bedeutet zweierlei: Einmal die Ab- grenzuna gegen eine nationalistische Gefühlspoli­tik, welche die Realitäten der unbestreitbar fest­stehenden Tatsachen verpißt, sodann aber ebenso die Abgrenzung gegen eine pazifistisch internatio­nal schwärmende Politik, welche die schwachen Kräfte deS deutschen Volkes im Rachjagen hinter Ideen und Hoffnungen von Menschheitsverbrüde- rung sich verzehren läßt.

Hätte die deutschnationale Partei es rechtzeitig verstanden, ihre Anhänger aus der Atmosphäre des berauschenden Schlagwortes her­aus in die kühle Luft besonnener verantwortungs- bereiter Erwägung zu führen, daim wären bent Volle manche schweren Kämpfe und der deutsch- nationalen Partei verhängnisvolle innere Krisen erspart geblieben. Hätten unsere Demokraten und Sozialdemokraten endlich einmal etwas auS der Geschichte gelernt, dann hätten sie hinter dem Rücken unserer Vertreter in London eine geschlossene nationak Tat gebildet, um die unverzichtbaren Ehrenforderungen durchzusehen, nicht aber aus Angst vor dem Stirnrunzeln aus­wärtiger Vertreter lieber zunächst einmal auf die Geltendmachung unserer Forderungen verzichtet. Verantwortungsloser, oberflächlicher, pazifistischer Sinn, dem entweder sein Schwärmen alles oder aber bk Rücksicht auf parteipolitische Vorteile mehr alS nationale Interessen bedeutet, will das deutsche Voll besinnungslos und in übereiltem Tempo in den Völkerbund führen.

DaS ist derselbe Geist, der die Ersül- lungspolitik' der <Vi? Iahre von 1918 ab geleitet hat. Man versprach il n erfüllbares, man beugte sich jedem Diktat, immer In der Hoffnung, damit den Sinn der andern ändern zu können. Die Defreiungspolitik" des ReichZauhen- ministers Dr. Stresemann hingegen verspricht nur, was deutsche Sachverständige glauben zu­sichern zu können, und unterschreibt nur, wenn be­stimmte politische Gegenleistungen dafür zu- gesichert werden.

Aus das HuldigungStelegramm der Demo­kraten an den Präsidenten Wilson antwortete dieser mit der Unterschrift unter den Friedens- Vertrag von Versailles. Der Unterzeichnung des Londoner Ultimatums durch Reichskanzler D r. Wirtb folgte die Vergewaltigung der Deutschen in Obeischresien. Der Rame hingegen des ReickS- aukenministers Dr. Stresemann findet sich unter einem Dokument, das neben den Verpflich­tungen Deutschlands die Freilassung der Gefange­nen, die Rückkehr der Ausgewiesenen, die Rückgabe der Eisendahiien, die Aufhebung der Zollschranke, die Räiimung wichllgstcr Gebiete und die festen Däumungsfristen für das Ruhrgebiet brachte.

Dieser Geist der auswärt gen Politik, der Schritt für Schritt nur tut, w:nn es wirklich ein Schritt zur Freiheit ist, nicht aber in das Tiefland tnteniaticnalev Versackung ist, dieser Geist der deutschen Außenpolitik must dem deutschen Volke erhalten bleiben! Er !ann eS nur. trenn im Parla­ment eine genügend starke Mehrheit zur dauern­den Sicherung eine solch mP l.t. nach innen und aufjen geschaffen wird Das fetzt aber voraus den M u t der Verantwortung der an der Re­gierung beteiligten Parteien nid' nur für d e Ver­tretung der auswärtigen Politik, sondern auch für Hebei nähme der innenpolitischen und wirtschafts­politischen Folgen.

Leisten kann das niedergcbroche.te deutsche Wirtscha kleben, was ihm au fei legt ist, nur, wenn mit rastloser Energie durch Verbesserung seiner Methoden, durch Verdoppelung aller Kräfte die Produktion m raschem Tempo vermehrt und so die Kaufkraft gestärkt, der Warenabsatz erleichtert wird. Das bebingt Mehrleistung für alle im Wirtschaftsprozeh tätigen Teile, um durch Mehrleistung mchr zu verdienen. Staat, Reich und die Gemeinden werden nicht zahlen kön­nen. werden nicht imstande sein, das Unrecht am deutschen Mittelstand wieder gut zu ma­chen, nein nicht durch eine verrünstigeWirtschafts- politik mit eiserner Energie das Blut wieder in die ausgepumpten Adern unseres Wirtschaftslebens hineingeleitet wird.

Die Sozialdemokratie. austenpolitisch inter­national gerichtet, innenpolitisch mit der Furcht vor der Verantwortung für unpopuläre, ihre ein­seitigen Parteiinteressen schädigende Politik be­lastet, schadet nach ihren Erklärungen und Er­fahrungen des Iahves 1923 im Reiche für eine Politik der geschilderten Art aus. Wie also kann bie Mehrheit rm Parlament geschaffen werden?

Rur durch Heranziehung der bisher ftärffkn Partei des Reichstages, derDeutfchnativna-

Frankreich und der Bolschewismus.

Die Verhaftung eines kommunistischen Abgeordneten. Die Haltung Herriors. - Einzug Krassins in Paris.

Paris, 5. Dez. (TA.) Der kommunistische Agitator Sadoul ist gestern bormittag gegen 12 Uhr verhaftet worden. Am Schluß de« Kammersihung erklärte der Vizepräsident Da­renne, er habe von dem kommunisti _)en Abg. Dorton eine Interpellation über die Verhaftung Eadouls und über die Absicht der Regierung hinsichtlich einer Amnestie erhal­ten. Herriot forderte dir Zurückstellung der Beratung, bis di; Interpellation i ach der zeitlichen Einreichung auf die Tagesordnung ge­setzt werden könne. Der kommunistische Abgeord­nete Borton benangte die sofortige Bera­tung und erklärte, es sei nicht möglich, dast die Regierung nicht ihre Verpflichtungen hinsichtlich der Amnestie halte. Durch ein Gesetz t*;r Kam­mer seiSadoul formellamnestiert wor­den .doch habe der Senat diesen Text gestrichen. Der Kammer aber stehe däs Recht ;u, ihn wie» der herzustellen. Trotz dieser Argumente bestand Herriot auf seinem Antrag, der mit 544 gegen 29 Stimmen angenommen wurde.

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Die Verhaftung Sadouls wird heule von sämtlichen Blättern besprech n. Die oppv' tiorelle Presse greift Herriot ungewch.llllh ich?/., an. ßiberte * behauptet, Herriot habe während der ganzen Rächt mit der russischen Bot­schaft verhandelt, um Ea>ul ,-;um Ver­lassen des Botschaftsgebäudes zu bewegen. V n mastgebender Seite wird diese Darsllllu g be­stritten und entschieden in Abrede gestellt. Der Motin" will wis en, dah Mi glieder der Pariser Freimaurerloge Sadoul Obdach g währt hätten. Die Regierung wird, wenn iie den An­griffen der Oppo ition die Spitze o5brei>en will, den Rach weis erbringen müllen, dast zwischen Herriot und der i-uttischen Botschaft wegen der Verhaftung Sadruls keineVer Handlung, en gepflogen tourben. Herriots Kabinett ist gefähr­det, weil es den Schein gegen sich hat.

Die kommunistischen Manifestatioimn am Tage der Ueberführung Iaures, die von einem kommunistischen Abgeordneten gestern herauf- beschwvrenen Zwischenfälle vor der Kammer- kommission und schliestttch der Full Sadoul wer­den auch von den gemäßigten Blättern als ein Anzeichen der fortschreitenden Verbrei­tung des Bolschewismus in Frank­reich ausgelegt.Journal des Debüts" meint, das Kabinett Herriot müsse entschieden f ü r oder gegen d i e Revolutionäre Stel­lung nehmen, und da Herriot nicht der Mann sei, dec sich zu einem Entschluß in der einen oder anderen Richtung aufraffen kann, würde er am besten tun, sich einen ehrenvollen Aück - tritt zu sichern.

KrassinsAnkunftinParis

Der Empfang durch die Äomiunniftfn.

Paris, 5. Dez. (TU.) Der russische Bot­schafter Krassin ist gestern vormittag um

11 Uhr auf dem Pariser Rordbahn- hof angel o turnen. Zu feinem Empfang auf dem Daynhos waren ein Beamter des Quai d'Orsay und der Vorsitzende des Komitees für russische Angelegenheiten, d e Monzie, er- sch.enen. Vor dem Bahnhöfe hatten sich über taufend Kommunisten eingefunden, die Krassin mit den Rufen:Es lebe Rußland! Hoch Sadoul!" begrüßten. Zwei Mädchen, die rote Häubchen trugm, boten dem Dolschafter einen roten Dlumcnstraust. Der Botfchafter wandte sichtlich verlogen das Ge'icht zur Seite. Die De­monstranten fang.-n die Internationale. Das Auto Krassins wurde von einer grasten Menschen­menge umringt und konnte sich nur langsam fort- bewegen. Vor dem Bureau der komm mystischen Partei hielt der Zug. Am Fenster erschien der junge Abgeordnete Doriot und richtete Dr- grüstungsworte an den Botschas^r, in denen er Frankre.ch eine äh.lliche Revolution vvraussag'e, wie die, die die Gröste Rutzlands geschaffen habe. Auch auf die Verhaftung des Abg. Sadoul sp.elte der Redner an. Plötzlich griff die Polizei ein. Die Kommunisten stieben auseinander und Krassin erreichte in schneller Fahrt das Bot­schaftsgebäude.

Krassins Iiele.

Poris, 4. Dez. (WB.) Kratt in hat einem HovaSvortreter gegenüber f Ige -be Erklärun­gen abg.geben: Ich bin glücklich, als erster B:t- schofter der Sowjetrepublik nach Paris zu kom­men und darüber, dast d.e franv^i che Regierung eS für opportun gehalten bat. uic normalen Beziehungen mit RustIand wieder auf- zunehmen, die ich für die einzige ©ainblage halle, auf der man in nützlicher Weise beide Länder trennende Fragen und wechselseitige Forderungen besprechen kann. Unser erstes Ziel ist die Wieder- oufnahme normaler Beziehungen zwischen den beiden Ländern und die Vorbereitung von Be­sprechungen über alle interessierenden Fragen. Ein weiteres Ziel ist die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Beziehungen und der kommerziellen und finanziellen Transaktion zwischen Fro-ndreich und Ruhland beizutreten. Man kann natürlich nicht ernstlich an eine Reoo- gamifation des Handeln zwilchen dm beiden Län­dent vor Wiederaufnahme normaler Beziehungen zwischen den beiden Regierurrgen denken. U der Vct ler öotojetregkrung untergeschobene Absicht, in.Frankreich eine Anleihe aufzuneh nen, er­klärt Krassin, davon töime im Augenblick nicht die Rede sein.

Der Abschlutz von allgemeineren Ab- fomnicn zwischen den beiden Ländern und die Frage von Kredit und Anleihen dürfe erst nach einer Prüstmg dieses Problems ins Auge gefastt werden. Krassin schloß, .er bleibe weiter Volks­kommissar für den Auhenhcmdel, und habe in dieser Eigenschaft sich drei Tage lang in Derlin aufgehalten, um die verschiedenen sowjetistischen Handelsvertreter in Deutschland und Mnteleuropa zu empfangen.

len, zur Dorantwvrtung. Gewitz darf und soll die deutsche Arbeiterschaft niemals dauernd von der QKitleitung im 6aate ausgeschaltet, sein, ge­nau so wenig aber irgend eine andere starke und wichtige Schicht unseres deutschen Dolles. Un- demokratisch im äußersten Sinn aber ist es, sich mit allen Mitteln einer geriebenen Parteitaktik dagegen zu sträuben, aus dem Wahlergebnis auch dann die Folgerungen zu ziehen, wenn es einem einmal nicht pastt. Es ist unwahr und beschämend zugleich, wenn sich d.e demokratisch-sozialistischen Parteien für die Degrstad ing der Ablehnung der deutschnationalen Mitarbeit auf französische Gefühls Vorlegungen berufen Unwahr ist es. weil genau dieselben törichten Behaup nagen in Deutsch­land aufgestellt wurden, als es sich um die Mit­arbeit der Deutschen Dolkspartei und d e Führung der auswärtigen Politik durch Stresemann han­delte. der übrigcms als Außenminister besser als demokratische Parteiagitatoren zu übergehen ver­mag, auf welche Weise er seine auswärtige Politik am besten stützen kann. Beschämend um deswillen, well es also immer noch deutsche Parteien gibt, die sich im inner politis chen Kampfe ihre Bundesgenos e n r n de m se Iben F r a n k- rerch suchen, dessen mihhandeltes Opfer das nredergebrochene deutsche Volk ist.

Es gibt keinen anderen Weg zur Durch­setzung jener nationalen Realpolitik nach innen und nutzen, als die Heranziehung der Deutsch nationalen zur Verantwortung, nachdem jene bereit sind, sich vorbehaltlos der Führung der auswärtigen Politik durch den Außenminister Stresemann und auch der Fchrung durch den Reichskanzler Dr. Marx unterz o dnen.

Der Linksblock, den das Reichsbanner Schwnrz°Rot°Gold erkämpfen will, bedeutet un­weigerlich Zurücksinken in die Seiten einer autzmpolitisch absolut ertraglosen .'e.st'r enden Tat gleit und einer innenpolillsch von sozialisti­schem Dellte einseitig bestimmten Win chafts- pol tik. Der Mittelstand würde endgültig das Opfer einer solchen Entwicklung, das Dirt- sch-.ftsleben würde weiter vecckümmern. statt sich zu beleben, die Gefahren der Auflösung und des Auseinanderfallens der Kräfte würden wieder ins Riesengrohe wachsen.

In Hessen handelt sich eben gerade darum, den überwiegenden sozialistischen und demokratischen Einfluß, dep das hessische

Volk 6 Iahre zum Rachteil seiner Staatsfinanzen hat spüren müssen, zu schwächen. Ramentlich darf es nicht länger angehen, dah in der Finanz­politik, in der Personalpolitik, in der Erziehungspolitik, also fast in allen wich­tigsten und entscheidenden Fragen der Landes­pol tik überhaupt, die parteipolillschen Interessen der von den hessischen Wählern auf das deutlichste abgell htten kleinsten Partei, der demo­kratischen Partei, sich einseitig zum Scha­den aller auf dem Boden einer positiven bewuht nationalen und bewußt christlich er­zieherischen Weltanschauung st henden Kräf e aus­wirken können. Der Linksblock im Reiche und der Linksblock in Hessen, b.'ibei b deutet eine weitere Zerklüftung und Verschärfung der le denschafk- lichen Gegensätze in unserem Volke. Wer die Einheit unseres deutschen Dolles in einer wirklichen Staatsgesinnung, die nicht m nutzeren Formen, sondern im Geiste der Hin­gabe an den Ctaatsgadanken als solchen besteht, wirklich will, wer unserem Volke sein einziges moral.sches Machtmittel, die Einheit nationalen Empfindens, scharfen will, der kann sich am 7. Dezember wed?r im Reich noch im Land anders entscheiden als für den Oe&anten der nationalen Realpolitik.

Am 7. Januar wahrscheinlich erste Neichstagssitzung.

Berlin, 4. DJ. ITU.) Der am 7. Dezember zu wählende neue Reichstag wird vor Weih­nachten nicht mehr zusammentreten. Die enbgütiigen amtlichen Wahlresultate aus den einzelnen Wahlkreisen müssen bis zum 13. Dez. vorliegen. An die Feststellung der in den WaHi­ll- "rm und in den Wahlkreis verbänden gewähl­ten 2/ 3 r-öncten fchlieht sich die Ausrech­nung ber Reichsliste. Da zahlreiche Abge­ordnete, die auf der Reichsliste stehen, auch in Wahlkreisen oder in Wahllreisverbänden gewählt werden, aaruh erst ihre Entscheiduarg eingeholt werd.", welches Mandat sie annehmen wollen. Der Reichstag könnte also frühestens am 22. oder 23 Dezember zusammentreten. Da dieser Zeitpuntt praktisch nicht in Frage kommt, ebenso nicht die Zeit zwischen Weihnachten und Reujahr, wird der neue Reichstag voraussicht­lich zur konstituierenden Sitzung erst am Mitt­woch, dem 7. Januar, aukuranentreten-

Die deutsch-italienische Wirtschaftskonferenz. Die (Eröffnungsrede Vrnssolinis.

Rom, 4. ®ca. (Wolff) Heute morgen sand im Palazzo Ehigi in Oegenmart Musso­linis, des deutschen Botschafters Baron Reu- rath und sämtlicher Mi glieder beider Delega­tionen die Eröffnung sfi Yung der l ali - ni ch-deut.chcn Vir sch f skonkrenz statt. Dius o lini hielt eine Rede, in der er u. a. auSsüi-rle: Die Konferenz hat hinsichtlich der Bezieh.ingen zwischen Italien und Deullchand eine grotK "Be­deutung. Da.ik dem guten Wlllen beider Regi - rungen, durch den einige der grofjten Hinderni V' bereits beiseite geräumt wurden, weist der Handelsverkehr zwischen den b.iden Län­dern schon eine beträchtliche Wiederbe­lebung auf und liefert dadurch von n uem den Beweis, dast den Interessen beider Länd.r c.tge Handelsbeziehungen entsprecl-en. Trrtzd.m würde der italien^ich-deutsche Ha d.lsverleh be­sonders nach dem 10. 3anuar 1925 ir.cht die Ent­wicklung e'reichen können. Deixm er fähig ist. trenn nicht in gemeinsamer Arbeit di e u ne r 1 ä h - lichen Bedingungen dcull.ch fefig-.ftclU werden, die zur Regelung ferner Entfaltung nötig sind.

Aufgabe der italienischen Delegation ist es, die Abänderung der Zollbest i in mu n- g e n von 1904 zu fordern, die sich infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs Itallens als un­haltbar erweisen, und auf das aufmerksamste die Forderungen zu prüfen, die dll> deutsche Dele­gation als den wirtschaftlichen Dedürfniffen des Reichs entsprechend unterb.eiten wird Der gute Wille und die erprobte Sachkenntnis der beiden Delegationen werden es auch dieSmal ermög­lichen, einen Ausgleich der Interessen zu finden und alle Bedingungen zu sichern, mittels deren die deutsche und die italienische Ausfuhr ihren früheren Umfang erreichen föronen. Ich gebe dem Wunsch Ausdruck, dah ihre Arbeiten bald zu einem günstigen A^chluh gelangen mö­gen, denn die alte Wahrheit, dah gute poli­tische Beziehungen gute wirtschaf11 i che Beziehungen vorauSsehen, gilt besonders von un­teren beiden Ländern, die durch zahlreiche toirt- schaflliche Rot Wendigkeiten zu einer Steigerung der gegenseitigen Handelsbeziehungen gedrängt werden. Ihr Werk ist also dazu bestimmt, einen beträchtlichen Einflutz auf bk gesamten Be­ziehungen zwischen ben beiden Ländern auszuüben.

Minister Hamm zu den Verhandlungen mit Italien.

Berlin, 4. Dez. (Wolfs.) In einer Unter­redung mit dem Berliner Berichterstatter des ..Corriere della Sera" kennzeichnete der R e ich s- wirtschaftsminister die Aufgabe, welche die deutsche und die italienische Regierung bei den bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen zu lösen haben werden, folgendermahen: Schaf­fung einer vertraglichen Grund­lage für die Regelung der gegenseitigen toirtN schaftlichen Beziehungen, die es beiden Völkern ermöglicht, unter Wahrung der beiderseitigen wirtschaftlichen Interessen den Austausch der Güter zu steigern und dadurch die seit Kriegsende in erfreulicher Weise wieder ange- knüpften zahlreichen Fäden und Verbindungen zu stärken und fester zu gestalten. Der Minister er­klärte:

Die deutsche Regierung ist bereit, die Einfuhr­verbote, die sie bereits in letzter Zeit erheblich verringert hat, im wechselseitigen Verkehr ganz abzubauen, borausgeseht, dah die italienische Re­gierung sich zu dem gleichen Schritt entschließt und auch sonst von jeder verschiedenen Behand­lung der deutschen Waren Abstand nimmt, der Er­zeugnisse anderer Lander nickt unterworfen sind.

Der Minister betonte, datz das Schreckgespenst des angeblichen deutschen wirtschaftlichen Imperialismus in Wahrheit gar nicht besteht und datz niemand in Deutschland jemals an eine wirtschaftliche Unterdrückung der italienischen Industrie dachte. Die deutsche Aus­fuhr nach Italien ist nicht nur durch die Höhe der deutschen Produktionskosten, sondern auch durch die hohen Zollschranken ge­hemmt, die Italien mit seinem Zolltarif vom 1. Iuli 1921 errichtet hat. Wenn Deutschland erst im Besitz des neuen Zolltarifs ist, werden abermalige Verhandlungen nicht zu umgehen sein Ich glaube aber, dah wir schon jetzt ein sehr erhebliches Stück Vorarbeit für die endgültige Gestaltung unserer Handels­beziehungen werden leisten können.

Der europäische Stahltrust.

P a r i S, 4. Dez. (D. D.-K^) Ueber die Ver­handlungen. die zwischen den beutschsn und den französischen Sachverständigen der Schwerindu­strie geführt, und die gestern bis zum 16. Dezem­ber vertagt wurden, berichtet Havas, es scheine gewiß, datz die Besprechungen zwischen den deut­schen und den französischen Vertr-t m der schwe­ren Eisenindustrie eine neue Richtung ge­nommen haben, und datz eine Aufteilung der Märkte unter die Produzenten England, Belgien, die Tschechoslowakll unb Prien ins Auge gesaht werde. Diese Frage gehe aber über den Rahmen der wirtschaf lichen Verhandlurg.n zwi­schen den beiden Ländern hinaus und es sei wahrscheinlich, dah, sobald ein endgültiges Er­gebnis erreicht sei, die verschiedenen eis-nprvdu- zierenden Länder über ben Gang der Verhand­lungen unterrichtet unö befragt werden sollen, ob sie sich an einer Zollorganisation evtll beteiligen würden.