Nr. 209 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen) Zrettag, d. Septemder 1924
iedes COeilfrö imb jcbeä einzeln stehenden Haases. Mutter ausgehändigt, indem sie mir mitteilte ich ,eoe» .uro^i» u j_______ »o rm .. < , w^ri fm Xz>r Anhn piiwS rmmshntzn Mamies in Daris.
darf wieder anzulassen.
Ich habe den Eindruck, daß der Gedanke, SegelflugzeugemitHilssmotorinder
breiten.
Kommt es nun zur Auslieferung des Schutz oder, wenn Tillessen noch ergriffen wird, beider Attentäter? Die beiden Mörder haben, wenn man sie als politische Verbrecher betrachtet, ein Afhlrecht nach den in der ganzen Welt, auch in Ungarn, bestehenden Auslieferungsgesehen. Die Erzbergec-Mörder werden aber eines gemei- nenVerbrechens beschuldigt, das nur in gewisser Verbindung zu politischen Beweggründen
Den längsten Vornamen der Welt hat wohl einer der pietistischen Offiziere Cromwells, Dare- bone geführt denn der Vorname dieses Mannes lautet m deutscher älebersehung: „Wenn Christus nicht gestorben wär, wärest du verdammtI Gegenüber diesen auffallend langen Harnen wirken die kurzen geographischen und Personennamen um so drastischer. Beim Maire von Gagnh im französischen Departement Seine-et°Qise erschien im Jahre 1890 ein Kaufmann, und meldete die Geburt eines Sohnes an. .Wie heißt die Mutter?' fragte der Maire. - .Rose D" antwortete der Kaufmann. - „D?" sorgte. der Maire. .Wie schreiben Sie den Hamen? MU 6. ey, ay, ar, oder aie?“ - Mit „D" allein." erwiderte der Kauf- mann und konnte den Maire erst durch Vor- Weisung der Papiere davon überzeugen, dah y?r Familienname seiner Frau tatsächlich nur mit einem Buchstaben geschrieben wurde. Dxe kürzeren geographischen Hamen bestehen ebenfalls nur aus einem Buchstaben. Das holländische V aA geographischer Begriff ist ja bekannt. B herht auch ein Dors im französischen Departement Somme, ebenso eine chinesische Stadt. A ist der Harne einer französischen Stadt und eines kleinen Dörfchens in Frankreich, eine ganze Hmestsch- Provinz begnügt sich mit dem Hamen 11. Glücklich aber der. welcher überhaupt einen Hamen besitzt, selbst wenn er nur aus einem Dachstaben besteht. Zu einem französischen Hechtsanwalt kam in den achtziger Iahren ein Mann und bat flehentlich, ihm zu Helsen. .Was fehlt Ihnen?" fiagte der Anwalt. .Ein Hamel Ich habe kernen Hamen. Ich habe meine Mutter früh verloren, und ebenso glaubte ich, dah mein Vater tot fei OfTä ich großjährig wurde, erhielt ich von meinem
Reichstag und Londoner Abkommen.
(gine Unterredung mit (Hcheimrat Kahl
Einer der Führer der Heichstagsfraktivn ter Deutschen VvlkSpartei Geheim rat Professor Dr. Kohl gewährte unserem Berliner Vertreter eine Unterredung, in der er seine Ansicht über das Londoner Abkommen und seine Annahme durch den Heichstag in freimütiger Weise zum Ausdruck brachte. Hachdem sich die hochgehenden Wogen der Erregung über die folgenschweren Entscheidungen zu beruhigen beginnen u.id man an- fängt, nüchterner und sachlicher darüber zu denken, bedient das Urteil dieses ehrwürdigen ^j)grla- Meutariers und angesehenen Berliner Hochschullehrers besondere Beachtung Geheimrat Kahl ertlärte, cS bleibe bestehen, das) die aller- schwersten Bedenken gegen die Londoner Abmachungen geltend zu machen seien Im gegenwärtigen Augenblick und für dir alernächste Zukunft würden die Lasten, die dem deutschen Volke auf erlegt würden, noch nicht ’o stark fühlbar werden Wenn aber die Beschlüsse und Vereinbarungen erst einmal anfingen, ihre volle Wirkung auszuüben, dann würden die Lasten von einer Schwere sein, von der man sich zur Zeit noch keime rechte Vorstellung mache Trotzdem sei es eine vaterländisch unbedingt gebotene Pflicht gewesen, das Londoner Abkommen an- zunehmen; denn die Lasten, die dem deutschen Volke erwachsen wären, falls die Annahme des Sachverständigengutachtens gescheitert tpäre, würben noch unglei ch höher und drückender gewesen sein. Insbesondere sei jeder wahrhaft vaterländisch Denkende unteren Brüdern und Schwestern an Hhrin und Huhr gegenüber zur Annahme verpflichtet gewesen, und gegenüber bic* ser Pflicht hatten selbst ganz schwer Bedenken zurücktreten müssen. Außerdem würde sich bei Hichtannahme das Verhältnis Deutschlands zu allen europäischen jtulturftaarten und zu Amerika tn einer Weise verschlechtert haben, welche die Aussichten aus eine endliche Wiederherstellung friedlicher Bestehungen und ruhiger Verhältnisse vollständig vernichtet Hütte.
Wir müssen daher an dem Glauben festhalten, den Heichsaustenminister Dr Stresemann in fetter letzten Heichs tags rede so sehr nachdrücklich zum Ausdruck gebracht habe, dah tie Londoner Konferenz nicht der Abschluh, sondern eben nur der Anfang einer Entwicklung sei, und dah unter dem Gewicht der weltgeschichtlichen Tatsachen in der praktischen Ausführung vieles hoffentlich leichter und erträglicher gestaltet werden Lonne, als eS gegenwärtig nach dem geschriebenen Buchstaben erscheine. , J
Um auch den Deutschnationalen die Möglichkeit zu bieten, an diesen grvhen Zielen verantwortlich mitzuarbeiten, sei die Deutsche Volks Partei nach wie vor bereit, in eine Umbildung des Heichskabinetts zu willigen. Wie sich dies im einzelnen ausprägen werde, lasse sich zur Zeit noch nicht übersehen.
Zu bei vor der Entscheidung viel erörterten Frage einer Heichstagsauflösung äußerte sich der erfahrene und in feinem Urteil abgeklärte Parlamentarier dahin, dah er a n s i ch eine Auslösung des Heichstages, der mtt seinem Ansehen und seiner Würde geradezu Schind luder gespielt habe, mit Freuden begrübt haben würde, um dem deutschen Volke Gelegenheit zu geben, sich neue und würdige Vertreter zu wählen. Er habe sich oft des Eindrucks nicht erwehren können, dast eine Heihe von Mitgliedern des Hau les nicht in den Heichstag gehöre. In welchem Zusammenhang Geheimrat Kahl im übrigen von dem Heichstag als einem .Irrenhaus" sprach, das zu sagen, verbietet die Höflichkeit. Auch für die Zukunft halte er ein ruhiges und gedeihliches Arbeiten des Heichstages nur für möglich, wenn alle Parteien zu den alten üblichen parlamentarischen Formen zurückkchrten und der Wille zur Verständigung und Zusammenarbeit dir Oberhand gewinne.
Vereinfachung und Verbilligung der Staatsverwaltungen.
Von Pvstrat C. De l iu s -Berlin.
Der seit Iahren erhobene Huf nach Verbilligung und Vereinfachung in den staatlichen Verwaltungen, der dann durch die Holen der Heparationskommission stark unterstützt wurde, ist schließlich nicht unbeachtet geblieben. Seit reichlich einem Iahre hat man bei allen Verwaltungen mehr oder weniger die erforderlichen Maßnah- men eingeleitet und teilweise zur Durchführung gebracht. Ietzt ist ein gewisser Abschluß erzielt
sei der Sohn eines vornehmen Mannes in Paris, dessen Hamen ich auch führte. Ich soll mich bei diesem CQlann, mit dem meine Mutter heimlich verheiratet gewesen sei, nach meiner Großjährig- feit melden, um Anspruch auf das Vermögen zr erheben. Als ich mich bei meinem angeblichen Vater meldete, wurde ich hart angelassen und schliehlich hinausgeworfen. Der Mann hat einen Prozeß, gegen mich angestrengt, den er gewonnen hat und durch den ich meinen Hamen verloren habe. Ich darf den Hamen, den ich bisher führte, auf den alle meine Ausweispapiere lauten, nicht weiter benutzen. Den Mädchennamen meiner früh verstorbenen Mutter kenne ich nicht. Ich bin Kellner farm aber keine Stellung bekommen, noeil ich keine gültigen Ausweis Papiere habe." Auch der Hechtsanwatt wußte nicht, wie er dem namenlosen Manne helfen sollte. Schließlich gab er ihm den Hat, in dem nächsten größeren Geschäft eine Spiegelscheibe einzuschlagen Man würde ihn wegen Sachbeschädigung verhaften und ihm den Pr^eß machen: da man aber gegen einen namenlosen Menschen nicht prozessieren könne toürbe aus diese Weise die Behörde gezwungen werden, dem Unglücklichen einen anderen Hamen zu geben. Das Kurioseste, was uns im praktischmi Leben bei Hamen immer wieder auf- ftößt ist das zufällige Zusammentressen von Hamen. Thüringische Blätter berichteten vor ewigen Iahren, daß in einem Dors des Merseburger Kreises der Pfarrer Petersilie, der erste Lehrer Zwiebel und der laxite Lehrer Knoblauch heiße. Das Dors wurde deshalb in der Hachbar- schaft mit dem Beinamen „Zu den drei Suppen- fräutern“ belegt. Generalfeldmarschall Gras von Blumenthal kam seinerzeit als Armee Inspektor nach Württemberg und besichtigte das Tübinger
Namen.
„David Kaphokohoakiniokewenoah ist zum Post- meister von Hawaii ernannt worden," so meldeten vor einer Heihe von Iahren die Zeitungen, und manchen Leser Überlies ein Gruseln, wenn er diesen Hamen gedruckt vor sich sah. In Wirklichkeit war das aber doch ein sehr harmloser Harne. Er zählte nur 23 Buchstaben und wir infolgedessen noch nicht halb so lang wie der längste Harne der Wett, der allerdings keine Person sondern ein Dvrf bezeichnet. Llanfair- pwllgwyngollgogerychwyrndrobwll - Liandisiliogo- gogoch Das Dorf, das dielen Hamen fuhrt liegt inber englischen Vrovmz Wales und her Han« bedeutet- ..Die Kirche der Heiligen Mana ui einer Vertiefung der weißen Haselnuß in der Hähe des reißenden Wirbelstroms und
des heiligen Disilio in der ‘Habe der roten Höhle." Wie dieser Harne aus
gesprochen wird, das wissen die Gotter und die Walliser allein. Für gewöhnlich und besonders im Postveriehr schreibt man von diesem Hamen nur die ersten Silben: Llaafair. Was will Dieses Dors mit dem langen ‘Hamen die Bezeichnung Drttntardhyrickbillichatan besagen. Es ist der Harne eines Dörfchens auf der Insel Mult tn der Landschaft Argtzleshire in Schottland. Die längsten Harnen, besonders von Persone-i, ftnbet man in Spanien, und uralt ist die Anekdote von dem Spanier, der nachts an das -e-or einer Herberge klopft. „Wer ist da?" fragt der Wirt, und der stolze Spanier nennt feinen Hamen, der aus 60 Silben besteht, woraus idm der Wirt erschreckt erwidert: „'Bebaute, für so viel Menschen habe ich keinen Platz!" Der spanische Grande führt in seinem Hamen die genaue Bezeichnung «jcht nur jedes Dorfes, das er besitzt, sondern auch
Bataillon. Der Harne Mayer ist in Süddeutsch- land besonders in Württemberg, sehr häufig. Glas' Blumenthal trat vor das erste Glied und fragte den Flügelmann: „Wie heißen SieT
Mayer." — „Zweiter Mann, wie heißen 0te™ — „Mayer!" — „Das ist zum Lachen!" sagte Blumenthal. „Vierter Mann, wie heißen Sie?" — Machenmayer. Exzellenz!" — Wohl übertrieben und zum besonderen Zweck zurechtgemacht ist die Anekdote die behauptet, daß im Staat Idaho in Nordamerika vor Gericht ein Fall abgeurteilt wurde bei dem der Angeklagte Hacker hieß. Er war beschuldigt, seine Frau mit der Axt in Stucke gehackt zu haben. Die Gesangenwärter, die den zum Tode Verurteilten bewachten, hießen Lock (Schloß) und Key (Schlüssel), der Sheriff, bex ben Verurteilten henkte, führte den Hamen Cord (ötrid). In England konnte es Vorkommen, daß alle bei einer Geiichtsverhaicklung beteiligten Leute der Hichter, der Schreiber, der Angeklagte, der Äesangenwärter und der Polizeibeamte den Hamen Harrison führen, denn dieser 2lame. ist eben in England sehr häufig, wenn auch nicht so häufig wie die Hamen Smith, Iones, Williams und Taylor. Die skandinavischen Hamen bieten eine ebenfo geringe Abwechslung zwischen Hansen und Petersen und der Verbindung der Hamen Hans und Peters, so dah man sich nicht zu wundern braucht, wenn man in einer tma derselben Gesellschaft Leute findet, die heißen: Hans Petersen. Peter Petersen, Peter Hans Petersen Hans Hansen, Hans Peter Hansen und Peter Hans Hans Petersen. Wir verfugen auch in Deutschland über solche Sainmelnmnen, und im Berliner Einwohnermeldeamt gab es früher ein eigenes „Schulzenzimmer" m dem einzig und allein die Bearbeitung der Vvw-m Schulz Schultz, Schulze und Schultze starttaw.
worden. Da kann die Frage aiifgettrorfcn werden, ob die bisher aus diesem Gebieie geleistete Arbeit als zweckmäßig betoachiet werden tarn und ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.
Daß die ganze Verwaltung zu umständlich arbeitete und infolgedes'en zu viel Kräfte unproduktiv beschäftigte, war eine allgemein bekannte Tatsache. Lind weniger, um zu sparen, als die drückende Bureaukratie von unserem wirtschaftlichen Leben fevizuhatten, forderte man schon vor dem Kriege Heformen. Was bis jetzt geschehen ist, bleibt hinter den Erwartungen zurück. Eilte Unmenge Erbitterung, sozialen Elends und daraus entspringender Staartsf-eindschaft sind erzeugt worden. Das finanzielle Ergebnis ist vielfach sehr mager.
Eine zielbewuht durchgeführte Hcfvrm der Verwaltungen hätte ganz von selbst 'jjerfonab' erspamisse in großem 2lusmaß mit sich gebracht. Die erstere Aufgabe wurde nur mangelba-ft in Angriff genommen, nachdem vorher ein v.elfach völlig systemloser und häufig jedes soziale» Empfindens mangelnder Personalabbau stattfand. Dieser scheint wenigstens bei den Heichsverwaltungen im allgemeinen als cckgeschlvssen zu gelten, während Länder und Gemeinden teilweise noch stark dabei sind Das Ergebnis für das Heich soll nicht unterschätzt werden. Hach dem Material, was kürzlich ton der Heichsfinanzverwattung dem Heichstage unterbreitet wurde, find von den 886 702 Beamten und Hngcftcilten, die am 1 Oktober 1923 im Heichsdienst l-echä-t gt waren, bis Ende Marz dieses Iahres 164 724 Personen abgebaut worden. Das entspricht einem Satze von rund 25 Prozent. Dabei ist selbstverständlich ter Abbau bei den Angestellten bedeutend heher als bei den eigentlichen Beamten. Bei diesen beträgt er 16,3, bei jenen 49,7 Prozent. Bon den zum gleichen Zeitpunkt vvrhcridenen 705 512 Arbeitern wurden 232 134, gleich 32,9 Prozent, abgebaut. Die geldlichen Ersparnisse fallen bei solchen Zahlen stark ins Gewicht. Sie betragen für die Beamten 105. für die Angestellten 50 und für die Arbeiter 278 Mill.onen jährlich. Insgesamt sollen 15,3 Proz. aller Persona l Ausgaben er Haart werden.
Auf die Unzweckmäßigkeit und älngerech- tigkeit mancher Bestinrmungen der Abbauverordnung und ihrer Durchführung soll in diesem Zusammenhänge nicht eingegangen werden. Fest- zustellen ist aber, daß schon jetzt, namentlich bei den Berkehrsverwal tungen wieder Heueinstcllun- gert erfolgen müssen.
Gegenüber dieser- mit viel Schneidigleit und oft brutaler Hücksichtskvsigkeit durchgeführten Ab- bauDerorbmmg, nehmen sich die übrigen Maßnahmen recht dürftig aus. Der große, belebende Zug fehlt. Wohl sind hie und da Vereinfachungen durchgeführt, aber das Liebel an der Wurzel zu packen, dazu fehlte es an Mut. Eine groh- ,-ügige Heform kann letzten Endes nur in dem weiteren Ausbau unseres Heiches zum Einheitsstaat und damit in der Vereinfachung der Gesetzgebung und Verwaltung liegen. Hier hat es aber den Anschein, als wenn nur Hückschrttte eintreten sollen. Bayern fordert seine Verkehrsund Finanzhoheit zurück, lind da der Appetit beim Essen kommt, will man sogar diplomatische Vertretungen einrichten und em eigenes bayrisches Heer aufstellen. Dah ein Volk, was so tief in Schulden steckt, überhaupt solche Ideen behandelt, zeugt, daß es kein Verständnis für die wirtschaftlichen und nationalen Gelange aufbringt. Aber auch in den eigentlichen Heichs- und Landesstellen ist noch viel zu vereinfachen. CS gibt in Heich und Ländern z. D. noch viel zu viel Minr- flerten. Grundsätzlich muß es mit der Politik der Konzessionen den Ländern gegenüber endlich einmal aufhören. Es läßt sich nicht finanziell und wirtschaftlich verantworten, daß beispielsweise aus rein partikularistischen Gründen so und so viele Direktionen von Eisenbahn und Post aufrechterhalten werden, die längst aus ersparnis- und betriebstechnischen Gründen hätten aufgelöst werden müssen Dasselbe ist bei der Finanzverwaltung der Fall. Einige Laichesfinai^ämter und eine große Anzahl Finanzämter könne n^hne weiteres aufgehoben werden. Bei den Staatsverwaltungen liegt es ebenso. Hoch immer ist der Streit nicht entschieden, ob die Oberpräsidien oder die Hegierungen aufgehoben werden sotten. Hier konnte schon längst etwas geschehen. Ebenso können die Organisationen der Iustiz zweckcnt- sp rechend gestattet und die Häufung der Instanzen abgcbaut werden. Eine Ausdehnung der Selbstverwaltung wird die staatlichen Stellen entlasten und auch bei den Gemeinden Ersparnisse zeitigen. Wenn man sich endlich entschlichen könnte, weniger Gesetze zu verabschi den. würden ebenfalls Verbilligungen und Vereinbarungen eintreten. Dor allem aber muh innerhalb der einzelnen Verwaltungen selbst durch eine einfache Gestaltung des Geschäftsganges und der (SinMmmung des Schreibwerkes dem lahmenden Burcaukratismus
eiligen. Aus diesen Erwägungen hat man ia in diesem Iahre auch Segelflugzeuge mit Hilfsmotor zugelassen. Dabei mag folgender Gedankengang maßgebend gewesen sein: Mit Motor läßt sich überall starten, unabhängig vom Winde. Einmal in der Luft, und bei günstigem Winde segelt man ohne Motor. Kommt Windstille, hilft der Motor darüber weg. Dah diese Gedanken vorläufig nicht zu verwirklichen sind, hat der Wettbewerb erwiesen. Geflogen sind die Segelflugzeuge mit Leichtmotor. Gesegelt hat kein einziges von ihnen. Selbst wenn sie genau wie ein Segelflugzeug gebaut waren und alle Eigenschaften eines guten Segelflugzeugs besahen, da« Gewicht des eingebauten Motors mit Betriebsstoff läßt sich nicht eliminieren. Dieser Zuwachs an Flächenbelastung verringert die Segelfähigkeit derart, dah kein praftischer Versuch damit gemacht wurde. Dazu die Schwierigkeit, den während der Fahrt abgestellten Motor je nach De-
steht. Eine solche 2lu8Lieferung«frage kann nur auf Grund der Gegenseitigkeit gelöst werden. Die ungarische Hcgierung hat im Iahre 1922 bei der deutschen Hcgierung um Auslieferung der Mörder des Grafen Tisza. Chermak und Lckai- Leitner ersucht. Die deutsche Hcgierung weigerte sich, weil die Ermordung des Grafen Tisza in engem Zusammenhang mit dem Dcisuch stand, die bestehende Staatsordnung umzustvßen, weil es sich also um einen rein politischen Mord bandelte.
Im Falle der Erzbcrgec-Attentäter hat die ungarische Hcgierung sich bisher der Ansicht der deutschen Hcgierung, daß ein gemeiner Mord im Sinne des Auslielerungsrechts vorliege, nicht angeschlofsen und die Auslieserung von dem gegenseitigen Abkommen abhängig gemacht.~bafl künftig in jedem Falle, also auch im Falle politischer Straftaten, auszu liefern sei. Darauf ging man in Berlin nicht ein. Hierauf schlug Budapest vor, daß „die außerhalb eines offenen Kampfes bewirkte vorsätzliche Tötung unter allen Umständen dem Asylrecht entzogen werden sollte" ... Die Heichsoegierung zögerte bisher, auf diesen Vorschlag einzugehen, well sie bem kommenden deutschen AuslieferuagSgeseh nicht vorgreifen möchte. ('Der Entwurf diese- Gesetzes liegt unseres Wissens noch in Vorbereitung in den Ministerien.) Aber die Auffindung der Erzberger-Mörder macht es notwendig, daß die Entscheidung fällt und ein Abkommen mit
bedingungen erfüllt.
Große He-totb leistungen sind nach keiner Hichtung hm erzielt worden. Das mag verschiedene Gründe haben. Einmal ist ehre gewisse Stufe der Entwicklung des SegelslugS erreicht worden, über die es vorläufig nicht hlnausgeht. Es hat
zu Leibe grgangen werden. Diese Arbeit ist der Sparkommissar mit seinem großen Stabe nicht befriedigend zu leisten hnftanbe Wenn auch zugegeben werden soll, dah vom Sparkommissar manche wertvolle Anregungen gekommen sind, so ist doch jetzt die Frage aufzuwerfen, ob dieser immerhin recht kostspielige Apparat nicht bc.Ib.gft verschwindet. Heformen müssen von den Verwaltungen selbst duvchgeführ! werden. Die Pvst- ixriDaltung ha' hier, unterstützt von ihrem Ber- einsachungsausschuß, anerkennenswerte Leistungen aufzuw.-iseir die selbstverständlich nicht als abgeschlossen betrachtet werden dürfen. Wie in ebem neuzeitlichen Privatbetriebe allen Errungen- chasten t>er Technik ständig Rechnung getragen wird, sv darf auch im öffentlichen 'betrieb; der Wille, zu vervollkommnen, nicht erlahmen Freilich ist dazu ein hochwertiges, zeitgemäß einge- telltes Beamtentum notwendig Bei aller Tüchtigkeit der deutschen Beamtenschaft, fehlt in gewissen leitenden Schichten das Verständnis für die Bedürfnisse der Wirtschaft und das Erkennen der Volksseele, deren Streben nicht nach Autokratie. sondern nach weitestgeheiDer wirtscha-ftlicher und persönlicher Freiheit geht. Hier bleibt ein gut Stück Erziehungsarbeit zu leisten.
Die Erzberger-Mörder.
Asylrccht ober Ausli-fcruug? . -geW5n- wkd.
Man schreibt uns von unterrichteter Seite — ■
aus Kreisen der politischen Polizei: Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß an dem Tage, da die •Ollllllf)
fäf)rte, nämlich anv* 2^$Huguft, die beiden des Rhön-Wettbewerbs.
Schulz and Tillessen hatten sich be- Der Hhon - Segelflug -Wettbe- kannttich nach dem Attentat in München auf- werb 1924 liegt hinter uns. 3m allgemeinen hat gehalten und beqaemten sich schließlich dazu, nach er nicht gehalten, was man sich von chm berät ngarn zu flüchten. Der deutsche Gesandte in sprachen. lv . n-'"' , .t
Budapest Graf Welczel bekam Hnfang dieses In erster Linie tragt daran einen großen Teil Jahres Wind von dem Aufenthaltsort der beiden der Schuld das schlechte, ja meist mehr als schlechte und meldete es den deutschen 'Behörden. Sofort Wetter, das fast überall in Deutschland ganz richtete der Oberreichsanwatt auf Grund des außergewöhnlich war und sich auf der 950 Meter bestehenden Haftbefehls an das Berliner Aus- hohen Wasserkuppe erst recht von setner übelsten toärtige Amt das Ersuchen, bei der ungarischen Seite zeigte. Berüchtigt war das Hhonklima schon Polizei die Festnahme der Mörder zu beantragen, immer, dieses Iahr hat es sich selbst übertroffen.
Das geschah auf diplomatischem Wege. Aber Aber trotzdem gab es während der vier Wochen nun wurde man in Budapest sehr schweigsam. Tage, an denen das Wetter durchaus annefjm- Monate vergingen. Erst Mitte des Monats bar, mitunter sogar wunderbar schon war, ohne August brachte das von dem ungarischen Ab- daß es in entsprechendem Maße ausgenutzt wor- qeerbneten Karl Hassay herausgegebene radikal- den wäre. Das ist Schuld der 8^ e g er. Von bürgerliche Budapester Blatt die Meldung, daß wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen hatten die Erzbei-ger-Mörder Schulz und Tillessen sich auf die Fliegergruppen bedeutend mehr Tätigkeit cuttern Gute des rechtsradikalen Abgeord- wickeln können. Zu den fleißigsten gehören, wie neben Iulius Göm b ö s in Hagy Ttteny bei ich bereits mehrfach betonen konnte, unstreitig die Budapest befinden. Die Budapester Polizei s^ll D a r m st ä d t e r. Sie waren wirklich u n e r m u d- dies wohl gewußt haben macht; aber keine An- l i ch. In dieser Fliegergruppe wirkt aber auch emo Halten zur Verhaftung. Ein Ioumalist, der Be- etwa 12jährige Tradition. Immerhin haben ge- richterstatter des obengenannten Blattes, brachte räde unsere Iüngsten noch verhällnismäßig mehr die Sache ins Hollen. Er begab sich nach Hagy geflogen als die großen „Kanonen der letzten Teteny und stellte an Hand alter Photographien Iahre. Man hat sich mitunter nicht ganz des fest daß die beiden Schwaben" (Deutschen) die Eindrucks erwehren können, als ob diese nur dan» «juchten Attentäter sind. starteten, wenn sie einen der ausgeschriebenen
Alles wettere ist aus den Telegrammen der Preise so gut wie in der Tasche zu haben alaub- letzten Woche der OeffentlichVeit bekanntgogeben | ten. Dann wurden fo gerade noch die Minoeft- worden. Tillessen, ber sich Schneider nannte, floh, Heinrich Schulz, der den Hamen Heinrich Förster angenommen hätte, wurde von der ungarischen Polizei festgenommen und von den schleunigst nach Budapest entsandten deutschen Kriminalbeamten im Helfern des Budapester Unter* ---—----- ,
suchunäsrichters entlarvt. Gras Welczek. der Ge- auch nicht den Anschein, als ub in absehbarer sandte verlangt« beim ungarischen Außen- Zett hierin eine Henbemmg zu erwarten wäre. Vor mnriftCT sogleich die Auslieferung des Hch. Schutt allem ist die Gebuiidenheit des Segelflugs an sowie die Inhaftnahme des flüchttgen „Heinrich Stellen mit Aufwind, wie die Wasserkuppe oder Schneider" alias Heinrich Tillessen und begab die Dünen an der Ostsee es sind, vorerst nicht zu sich sodann zur Bericksterstattung an die deutsche beseitigen. Aus diesmi Erwägungen bat man ja Hcgierung (übrigens auch in anderen diplomatt- 1 -- ........* nut AiTfa*
sch^n Angelegenheiten) nach Berlin, wo er bereits ein getroffen ist. Der Stellvertreter des Ober- staätsanwatts in Budapest, Polanyi wurde von den Anträgen der deutschen Gesandtschaft verständigt und hat daraufhin^ was für das wettere Verfahren sehr wichttg ist, über Schutt die Aas- lieserungshaft verhängt and die Akten an den zuständigen Senat der Karie (des höchsten Gerichts) abgegeben. Der Senat hat innerhalb sechs Wochen über die Auslleserang zu beschließen und den Beschluß dem Iustizminister zu unter-


