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Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde«.
Gießen. Sonntag, 5. Oktbr. 16. Sonntag n. Trin. Stavtkirche. 91/,: Pfarraff. Schultheis. 11: Kinderkirche für die Matthäusgem. Pfarraff. Schultheis. 6: Pfarraff.Hertel. Johanneskirche. 97,: Pfr.Bech- tolsheimer. 11: Kinderlirche für die Lukasgem. Pfr.' Bechtolsheimer. 6: Pfr. Ausfeld. 8: Bibelbesprech. im Zohannessaal. Pfarraff. Hertel. - Kirchberg. 10; 11: Christen!, für die weibl. konf. Jugend. V/,: Lollar, r/.,: Staufenberg. — Wieseck. 9: Beichte 97,: Gottesdienst im Anschluß daran heil. Abend« mahl (Pfarrer Römheld, Gießen.
Katholische Gemeinde«.
Gießen. Samstag, 4. Oktbr. 47, und 7 Beichte. Sonntag, den 5. Oktbr. 17. Sonntag nach Pfingsten. Rosenkranzfest. 67, Deichte, 7 Messe, Kom. des Kaufmann. Vereins u. d. Jüngl., 8 Kom., 9 Hochamt m. Pr., 11 Messe m. Pr.» 57, Christen!, u- Rosenkranz' andacht m. Segen. — Dienstag und Freitag abds 8 Rosenkranzand. m. Segen. - Grünberg, Sonntax 97a Messe in. Predigt.
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preckungen sind an der Tagesordnung. Vie ältesten Geschäftshäuser klagen über hohe Außenstände und Kreditnot.
Wir haben in dieser Untersuchung der augenblicklichen Lage des Saargebietes sinngemäß nach den politischen die wirtschaftlichen Zustände gestreift, um auch auf die vorhandenen kulturellen Einrichtungen und Wertt überleiten zu können. Da dürfen wir zuerkennen: das geistige Erbtum sowie die gesunde lebendige Volksseele ist so urdeutsch wie das Blut aller Saarvorfahren bis zurück auf die ältesten Generationen. Das ist der vornehmste Stolz des ganzen deutschen Saarvolkes. Mag auch die Verwaltung und die herrschende Wirtschaftszentralr- sation zum Teil verwelscht sein, trotz der t>cr= lockenden französisievenden Bestrebungen, trotz der französischen Dergschulen, auf welchen alle Kinder kostenlos Tornister und Unterricht erhalten, ist die wichtigste Kulturstätte, die deutsche Schule, als einfluhreichste Erzieherin der Heranwachsenden Geschlechter erhalten geblieben. Die recht stattliche Anzahl derselben läßt nirgendwo eine Lücke offen an Volks-, Mädchen-Handels- Gewerbeschulen, Gymnasien, Lyzeen und Heber» lyzeen. Es ist tief zu bedauern, dah die höhere technische Lehranstalt zu Saarbrücken hier außer der Reihe springt und französisches L ehrpersonal ange stellt hat.
Ferner sind es die katholischen Kirchengemeinden, die im Saargebiet vorherrschend sind und die sich der Einrichtung eines Saarbistums vor einigen Jahren energisch widersetzten, um unverbrüchlich mit den beiden deutschen Bistümern Trier und Spei er in engster Fühlung zu bleiben. Turnerische und sportliche Vereinigungen stehen treu zum Deutschtum und eine bedeutende Kulkur- aufgabe erfüllt schließlich das Saarbrücker S tadt t hea ter.
Schließlich können wir unsere Untersuchungen über die Lag? des abgetrennten Saargebietes dahin zusammenfassen: Seine Bevölkerung besteht aus 700 000 Menschen, von welchen kaum ein Prozent Franzosen sind. Deutsch sind alle Bewohner des Landes. Deutsch ist der Charakter und die Kultur, ja selbst die u r s p r ü n g l i ch st e Geschichte der Saar ist deutsch. 3n der Epoche endlich, in der das Saargebiet augenblicklich steht, strebt es wiederum mit aller Anspannung und Kraft nach seiner endgültigen Befreiung vom fremden Wirtschaftsdruck und vom eingeimpften, welschen Westgeist. Es wird, seiner großen geschichtlichen Vergangeghüt immer gedenk, beim Völkerrat Schritt für Schritt das zu erringen suchen, was es laut Vertrag von Versailles als sein unantastbares Recht geltend machen kann: sein Deutschtum
Danach werden sich seine politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zeitverhältnisse erst wieder vollkommen klären können und das harte Gefühl des Abgetrenntseins vom deutschen Vaterlande wird wie ein vorübergehender, schwerer Alp vergessen werden können.
BillemttiH
Mittwoch, den 8. Oktober lfd. Isvormittags 11 Uhr in Lauterbach i. H.
Jur Versteigerung kommen zirka 30 Bullen des hessischen Fleckvieh, schlages (Simmentaler).
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Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
** Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 6 6 vom 3. Oktober enthält: Verordnung über Erstattung der von der englischen Regierung erhobenen Reparationsabgstbe. — Festsetzung der Oktobermiete. — Maul- und Klauenseuche in
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'BetlerÄyeun. — Straßensperre. — Feldvereinigungen Londorf und Wieseck. — Dienstnachrichten (. — — - Turnen, Sport und Spiel.
* Vom Turnverein von 1846. Bei zahlreicher Beteiligung fand am Donnerstagab md das Vereinswcttschwimmen der Schwimmriege des Vereins im Dolksvad statt. Die Leistungen sowohl im Springen, als auch im Schwimmen standm durchaus auf der Höhe. — Am morgigen Sonn- tagvvrmittag findet das Wetturnen statt, am Rachmittag pünktlich um 3 Uhr beginnt dis Schauturnen in der Turnhalle. Alle Abteilungen Weichen ihr Bestes zeigen. Diese Veranstaltungen sind öffentlich. Die Famikenserer und Siegerverkündung am Sonntagabend ist nur für Mitglieder und deren Angehörigen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Schlechte Abendzugverbindung.
Auf der Strecke G ieße n-Geln hausen fährt abends 8.43 Uhr der letzte Zug in Gießen ab. Das heißt also, jeder, der durch irgendwelche Umstände gezwungen ist, länger in Gießen zu bleiben, mutz sich nach einem Rachtquartier Umsehen und sein sauer verdientes Geld dafür ausgeben, oder wer den Vorzug hat, in einem Rach- barvrt zu wohnen, sieht sich genötigt, nachts nach Hause zu pilgern, was auch kein Vergnügen ist, und wenn beides nicht möglich ist, kann er zu Hause bleiben. Was bedeutet das? Ich lese in einein Artikel des „Gießener Anzeigers" vom 29. Sept., datz ein fleißiger Besuch des Theaters im kommenden Winter dringend erforderlich ist, um diese Bildungsstätte der Bevölkerung zu erhalten. Wie mancher aus der näheren und weiteren Umgegend der Stadt besuchte gern das Theater, aber das Geld für Rachtquartier kann er nicht erschwingen und er wohnt zu weit weg, um noch nach Hause gehen zu können. Also muß er diesem Genuh entsagen. Erstens'trägt das nicht zu seiner eigenen Bildung bei und zweitens fällt manche Einnahme für die Theaterkasse weg. Richt nur mit dem Theater ist das eine bittere Sache, sondern Konzerte, Vorträge, Unterhaltungsabende und auch das Kino können von auswärts nicht besucht werden. Man sitzt vor den Toren der Universitätsstadt und hat keinen Ruhen davon. Auch der Reisende, der nach 8.43 Uhr in Giehen ankommt, kann nicht mehr weiter. Diese und noch so viele Rachteile sind nicht zu unterschätzen. Uebrigens habe ich festgestellt, daß der Zug 8.43 Uhr sehr schlecht besetzt ist, während der Zug, der früher an Stelle dieses um 10.47 Uhr fuhr, weit besser besetzt war. Ich weiß ja nicht, aus welchem Grunde die Eisenbahndirektion den so schön gelegenen Zug 10.47 Uhr verlegt hat. Sie wird ja ihre Gründe dabei gehabt haben: aber nun es sich gezeigt hat, daß ein Zug um 10 Uhr noch zweckmäßiger ist, möchte, ich die Gießener zuständige Stelle an der Eisenbahnverwaltung bitten, bei der Direktion in Frankfurt a. M. in diesem Sinne zu wirken, damit den weitesten Kreisen in der Gießener Umgegend einmal Rech- getragen wird und auch ein Zug um etwa 11 Uhr in Richtung Gießen—Gelnhausen abdampft.
R. H.
tzend wtrltlcy un D wahrhaft a t s Vertreter des Saarvolkes unermüdlich arbeitet für das Ziel der Unzertrennlichkeit vom Reich. Ausgenommen ist nur eine Partei, die als solche bezeichnenderweise keinen Sitz in der Volksvertretung bekam, die sogen. Saarbündler. Sie spielen eine klägliche Rolle. Ihre Anhänger sammeln sich aus korrupten Elementen und eingewanderten Franzosen unter der Losung: DasSaar- land den Saarländern. Die nächst verdienstvolle Arbeit für die Erhaltung des Deutschtums an der Saar leistet die gesamte Saar- presse, gleich welcher Partei, doch wieder mit Ausnahme zweier Blätter, die das Sprachrohr für alle französischen und saarbündlerischen Machenschaften sind. 2n Saarbrücken der „S a a r- kurier", in Saarlouis das „Saarlouiser Journal" ; beide haben eine so kleine Auflage, daß sie laufende Unter ft Übungen von französischen Hintermännern beziehen müssen, um nicht zu verschwinden.
In diesen vorherrschenden politischen Verhältnissen verzettelt sich die Saarwirtschaft durch die eng umgrenzte Ausdehnung des Saargebietes fast zu einem unübersehbaren Chaos, da ihm seine Gruben genommen wurden, die ja seit Versailles Eigentum des französischen Staates sind. Ferner arbeiten aus der Zeit der zersetzenden Doppelwährung einige Hüttenbetriebe, u. a. die Mannesmann-Röhrenwerke (Beus), mit französischem Kapital. Das größte, das Edel- st a h l w c r k, dessen Besitzer Dr. H. Röchl i n g in Völklingen ist, macht darin noch eine rühmliche Ausnahme. Dieses Unternehmen steht aber heute in einer verhängnisvollen K r i s e , es hat seinen Belegschaften zum 15. September kündigen müssen, da es in den letzten Monaten Millionen Verluste gemacht hat. Die Hauptschuld an diesen sehr akuten Zuständen müssen wir der französischen Grubenverwaltung beimessen, die durch einen zu hohen Ruhen für die an der Saar geförderten Kohlen die Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit der Edelstahlwerke Röchling untergraben hat. Die kleineren Industrien der Saar sind großenteils jetzt auf den Westen angewiesen. Diese lediglich geschäftliche Orientierung ist aufgezwungen, weil der Saarhandel teils mit dem Reichs- handel nicht mehr m Wettbewerb treten kann, teils weil einschneidende Zollbestimmungen die Ausfuhr unmöglich machen, auch weil der Warenverkehr mit Frankreich und dem benachbarten El- saß-Lothringen sich erheblich einfacher bewerk- stäligen läßt. Erst allmählich scheint sich wieder die Aus- und Einfuhr infolge der Londoner Konferenz zwischen Deutschland und dem abgetrennten Saargebiet zu verbessern, da bisherige, ungerechtfertigte Zollgebühren in Fortfall und allgemeine Zollerleichterungen kommen sollen. Richt unerwähnt dürfen wir die Saararbeiterschaft lassen, die heute noch ebenso wie früher in wirtschaftlicher Hinsicht gleichfalls dem Dualismus ausgesetzt «ist. Die Bergleute sind selbstverständlich vom französischen, die meisten anderen Arbeiter dennoch vom deutschen Kapital bezahlt und abhängig. Der Lohnsatz bewegt sich am Existenz-Minimum. Die Währung ist bekanntlich seit dem diesbezüglichen diktatorischen Erlaß der Saarregierung der französische Franken, dessen tiefer Stand im Weltkurs nicht zuletzt auch seine Einflüsse im Saargebiet ausübt. Die D a r < geldknappheit ist beispiellos. Zwangsvoll
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