^ufrechterhalptns vte^nten. @rft in jüngster Zell sind mildernde Bestimmungen erlassen. — Wie rechtfertigt sich die Erhebung von Steuerverzugs- zinsen in der wucherischen Höhe von 15 Proz., eine Maßnahme, die in dec Inflationszeit viel früher hätte eingeführt werden müssen, jetzt aber auf Goldzahlung unerträglich ist. Und dabei werden aus den sich ansammelnden Steuereingängen z. D. von feiten großer Städte kurzfristige Darlehn gegeben zu „modernen" Zinsen. Der Bürger blutet, und die Stadt verdient. Die nächste Aufgabe des Reichstages nach Erledigung der Reparationsfrage muh die große Steuerreform sein, bei deren Beratung in alte diese Winkel hell hineinzuleuchten ist.
Und endlich, glaubt die Regierung, daß Ar- beitsfreudigkeit und höchste Leistung wiederkeh- ren können, wenn Reste der Zwangswirtschaft als Fremdkörper im neuen Schaffensgange hemmend und störend verbleiben? Zwar ist es in» serm fortwährenden Drängen endlich gelungen, aus der übertriebenen Antiwucherpvlitik einige lange bekämpfte Bestimmungen zu beseitigen (die Wuchergerichte sind aufgehoben, jedem Kaufmann und Gewerbetreibenden ist fein ordentlicher Richter wiedergegeben, die Verordnung über den Handelserlaubniszwang ist endlich gefallen, Anweisungen auf möglichste Amnestierung kleiner Vergehen aus der Inflattonszeit sind ergangen, die freilich nicht überall befolgt sind); aber der größere und bitter st e Rest bleibt in Kraft. Man beachte den Widerspruch dieser Tatsache gegenüber der Begründung, welche das Wirtschaföministerium zu der Aufhebung des Handelserlaubniszwanges gegeben hat. Gs heißt dort:
„Mit der Stabilisierung der Währing ist eine grundlegende Veränderung unserer gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse eingetrqten. Die preistreibend wirkende Flucht vn die Ware ist durch das Suchen nach dem Absatz ab- g e l ö st worden. Ein Warenmangel besteht nicht mehr. Genaueste Fachkunde, Kenntnis der besten Verbindungen für Absatz und Bezug einer Ware, sowie sorgfältigste Kalkulation sind notwendig, um den Handel gewinnbringend zu gestalten. Der Fortfall müheloser Gewinnmöglich- feit und die wiederbestehenden Vertu st gefahren in Verbindung mit den Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung verhindern selbsttätig den Zu» ström ungeeigneter und wirtschaftlich schwacher Personen zum Handel und führen darüber,hinaus auch zu einer Auslese der bereits bestehenden Unternehmungen. Der Zweck der Verordnung, den Kreis der Handelstreibenden im Interesse einer möglichsten Riedrig- hattung der Preise auf das volkswirtschaftlich gebotene Maß zurüc^uführen, wird somit auch ohne die zu seiner Erfüllung ergangenen Vorschriften erreicht. Die Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung mit den dort angeführten Lebensmitteln sind seit der eingetretenen Stabilität der Währung im wesentlichen behoben. Bei Getreide macht sich sogar ein U e heran g e b o t geltend, das dazu geführt hat, daß die Preise sich teilweise erheblich Nicht nur unter dem Friedensstande, sondern sogar unter dem Weltmarktpreise halten. An Kartoffeln aus der Ernte 1923 besteht ebenfalls kein Mangel; die Preise sind angemessen."
„Die preistreibend wirkende Flucht in die Ware ist durch das Suchen nach dem Absatz abgelöst worden. Ein Warenmangel besteht nicht mehr" sagt zutreffend die Begründung. Und doch sollen die Verordnungen gegen die Preistreiberei bestehen bleiben? Wer kann die Preise „treiben", wenn er Absatz für seine Waren suchen muh; er vmZauft vielfach unter seinem Gestehungskosten. Was nützen uns angesichts der spkk kommenden Erkenntnis der Regierung noch teuere Preisprüfungsstellen? Und doch bleiben sie als gänzlich unnötige, ja schädliche Einrichtungen b^tehen. „Ein Warenmangel besteht nicht mehr" betont die Regierung. Ja wozu dann aber noch „die Rot- standsverforgung der Gemeinden", die uns als gesetzliche Einrichtung neben anderen verbleibt. Bei De prechung der Mittelstands-Interpellation im Rcick^tage werden alle diese Fragen, die ich mit der Fraktion der Deutschen Dollspartei zum Gegenstand von Anträgen gemacht habe, erneut gründlich erörtert werden.
Ich will zum Schlrß nicht an der unhaltbaren Wohnungszwangswirtschaft Vorbeigehen. Energischer muß hier Wandel geschaffen werden. Man kann einen großen Zweig, der untrennbar mit dem Gesamtbaume der Wirtschaft Verb nrden ist, ohne Schaden für das Volkswohl nicht ab- Irennen. Die Reichstagsverhandlungen werden uns erneut vor diese ernste Frage stellen, nachdem mein Antrag, die Aufhebung des Reichsmietengesehes betreffend, die Sache wieder ins Rollen gebracht hat. Die Lebensmöglichkeit weiter Kreise des Handwerks z. B. bangt von der Gestaltung der Hausbesitz- und Wohnungsfrage ab.
Hoffentlich wird dieser Reichstag, tn dem eine ganze Anzahl „Volksvertreter" nur ihr Mundwerk als ihr Handwerk betrachten, und nicht die Anwendung ihres Wollens und Könnens auf positive Besserung unserer Lage, hoffentlich wird dieser Reichstag für die endliche Be- freiung unserer Wirtschaft ais unnötig drücken- den Fesseln eine Mehrheit zustande bringen.
Deutschland fordert sofortige militärische Räumung.
Berlin, 4.Qlug. Von einer maßgebenden Persönlichkeit des Berliner Auswärtigen Amtes erfahren wir folgende interessante Einzelheiten über den Standpunkt, den die Reichsregierung zu der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebietes einnimmt:
Die deutsche Regierung hat sich einmütig entschlossen, in London die sofortige militärische Räumung des Ruhrgebietes und der sog. Sank- tivnsgebiete Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort zu fordern. Die Zurückziehung der Truppen würde nach deutscher Auffassung in dem Mahstabe zu erfolgen haben, Der das Inkrafttreten des Sachver- ständigen-GutachtenS bestimmt, also zu einem Zeitpunkt zwischen dem 15. September und dem 15. Oktober 192 4. Zur Begründung t hrer Forderung macht die Reichsregierung geltend, dcchnachdenaus-
Dem lebenden Geiste unserer Toten!
Die Gedenkfeier in Berlin. — Ansprache des Reichspräsidenten. Kommunistische Störungsversuche.
Berlin, 3. Aug. (Wolff.) „Dem lebenden Geiste unserer Toten". Im Zeichen dtefes Wortes, das in Riesenlettern über dem gewaltigen Haupt- portal des Reichstagsgebäudes steh, fand heute vormittag auf dem Königsplah unter ungeheurer Beteiligung der Berliner Bevölkerung die Gedenkfeier für die deutschen Opfer des Weltkrieges statt. Soweit das Auge reichte, sah man Menschen mit entblößten Häuptern. Zu beiden Seiten der gewaltigen Freitreppe waren Maste errichtet mit der auf Halbstock gesetzten Reichs- kciegsflagge und der schwarz-rot-goldenen Flagge der Republik. Die Rampe der Freitreppe schmückten Lorbeerbäume. Den Giebel des Mittelteiles des Dolkshauses sowie die Rückwand der Säulenhalle hatte man mit dichten Vorhängen aus Tannengrün verkleidet, nur an der Mi.tellür unterbrochen durch einen von Prof. Ernst Dohm entworfenen Reichsadler.
Rach dem Aufmarsch zweier Ehrenkompag- nien der Reichswehr betrat unter Hoch- und Heilrufen der Hunderttausenden der Reichspräsident die. Freitreppe, gefolgt von den Mitgliedern der Reichsregierung und den Ehrengästen. Rachdem die Klänge des Trauermarsches aus dem Oratorium Saul verhallt waren, sprach von der am Fuße der Treppe errichteten Rednertribüne der evangelische Feldprvbst der Reichswehr Dr. Schlegel ergreifende Worte zum Gedenken an die Gefallenen des Weltkrieges. Dann fang der Erksche Männergesangverein unter Prof. Max Stange mit erschütternder Gewalt „Die Heldenfeier". Daraus hielt der stellvertretende katholische Feldprvbst der Reichswehr Dr. Schwammbvrn eine Ansprache. Es folgte wieder Chvrgesang. Das Erscheinen zweier Flugzeuge über dem Königsplah erinnerte an die Taten der deutschen Flieger im Weltkrieg. Run trat
der Reichspräsident
auf die Rednertribüne und hielt folgende Ansprache:
Deutsche Männer und Frauen! Ein Tag des Gedenkens und der Trauer ist es, den das ganze deutsche Volk heute mit uns begeht. In tiefem Schmerz trauern wir um die Söhne Deutschlands, die den Soldatentod gestorben sind, damit Deutschland lebe. In warmem Gefühl gedenken wir der Kriegsbeschädigten und des Schmerzes der Hinterhlüchenen. In Ehrfurcht neigen wir uns vor den Heldentaten unseres Volkes in Waffen und vor der duldenden Standhaftigkeit der Heimat, vor dem beispiellosen Opfermut und dem fast übermenschlichen Dulden unserer Ration im Kriege.
Zugleich ein Tag des Dankens ist der heutige Tag. Wir wollen diesen Dank abfiatten allen denen, die für Deutschland Gut und Blut hingegeben haben. Abstatten nicht in Worten, sondern den Toten in schweigendem Gedenken, den Lebenden m linderndem Tun. Mit heißem Dank für ihre Treue geht unsere Sehnsucht zu den Brüdern, die ihre Heimat oder ihre Higehörigkeit zum Reiche hingeben mußten.
Rur Mr Verteidigung der bedrohten deutschen Heimat hat Deutschland vor 10 Jahren die Waffen ergriffen.
In diesem Bewußtsein haben wir den langen Krieg geführt, und nir dieser Geist konnte uns die gewaltigen Opfer ertragen lassen, die alle Kreise unseres Dolles an Gtt und Blut bringen mußten. Das, was das deitsche Doll seit 1914 um seines Deutschtums willen gelitten und geleistet hat, kann nicht verloren sein, und deshalb ist der heutige Tag auch ein Tag der Hoffnung, der Hossning aif ein lebens» und kraftvolles Deitschland. Trotz aller Stürme der letzten Jahve ist uns das Reich erhalten geblieben. Wir geloben heute, daß an diesem Bau nicht gerüttelt werden darf, daß wir alle unsere Kraft einsetzen wollen, bannt Deutschland den Platz unter den "Völkern der Erde wieder einnehmen kann, der ihm gebührt. An diesem Ziele mit^uarbeiten, ist Pflicht eines jeden Deutschen und ist eine Ehrenpflicht gegenüber den Brüdern, die ihr Leben hingegeben haben in Verteidigung der Heimat, ist vor allem eine Ehrenpflicht der deutschen Jugend. So soll der Geist der Toten leben bleiben in uns allen, im ganzen deutschen Volle.
Es ist heute der Ruf hinausgegangen an das deutsche Volk, unseren Toten
ein würdiges Gedenkzeichen zu errichten.
Aber darüber hinaus wollen wir — das lassen Sie, deutsche Männer und Frauen, uns in dieser Stunde geloben — dem Gedächtnis unserer Toten ein Denkmal bauen dauernder denn Erz: das freie Deutschland!
Die Worte des Reichspräsidenten wurden mit lebhaften Beifallskundgebungen ausgenommen. Run formierte sich die Reichswehr zur Trauer- Parade, ausgeführt unter Glockengeläute, Trauersalut und Trauermarsch zu der Melodie „Ich halt' einen Kameraden". Um 12 Uhr brach die Musik plötzlich ab und jeder Ton und jede Bewegung setzten auf zwei Minuten aus, der ergreifendste Moment der eindrucksvollen Feier. Leider hatten sich an verschiedenen Stellen
kommunistische Ansammlungen
gebildet, die gerade diesen Moment zu stören versuchten. Dieser schamlofe Versuch wurde aber von
der großen Menge der Versammelten im Keime er- sttckt. Während des gemeinsamen Gesanges des LiÄ>es „Wir treten zum Beten" wurden die Fahnen hochgezvgen. Die Ehrenkvmpagnie marschierte dann unter den Klängen des Deutschlandliedes ab, in das die Versammelten kräftig einsttmmten. Rur langsam leerte sich der weite Platz von der Menschenmenge. — Die jüdische Gemeinde hatte auf dem Friedhof in Weihensee eine besondere Gedenkfeier veranstaltet. In allen Berliner Kirchen wurden feierliche Gottesdienste abgehalten. Während der zwei Minuten ruhte der gesamte öffentliche Verkehr, so daß der heutige Sonntag als ein Volks geben klag bezeichnet werden darf, wie er noch niemals gefeiert worden ist.
Kundgebung der Regierung.
Dec ReichspräsidentunddieReichs- reglerung haben folgende Kundgebung erlassen:
In tiefem Ernst gedenkt Deutschland heute des großen Krieges und seiner unendlichen Opfer. Es gedenkt vor allem der gefallenen Brüder und ihrer Hinterbliebenen, es gedenkt der großen Zahl der Kriegsbeschädigten, die noch immer unter den Folgen des Krieges leiden. Beispiellos haben die Kämpfer an der Front gelitten, un- vergefsen sind die Opfer und harten Entbehrungen, die in der ausgehungerten Heimat zu ertragen waren. 1
Das deutsche Volk hat in diesem Kriege kein anderes Ziel erstrebt, als die deutsche Freiheit
und Unversehrtheit des Vaterlandes.
So trat es vor 10 Jahren in unvergeßlicher Einigkeit und Stärke unter die Waffen; dafür gaben die Gefallenen ihr Leben. Aber sie liehen uns, den Lebenden, ein Vermächtnis: die Forderung, in ihrem Geiste, dem Geiste der Einigkeit und Vaterlandsliebe, den Willen zur Freiheit Deutsch!ands als oberstes Gesetz zu bewahren. Wenn totr heute auf die Gräber unserer Helden einen ehrenden Schmuck von Blumen legen, urtb wenn heute für eine kurze Spanne Zeit des Tages Lärm verstummt, und jede Bewegung ruht, so verbindet sich ein großes, unerschüttertes Volk mit dem Geiste seiner Gefallenen. Aus der Trauer heraus soll uns neue Kraft und ernster Zukunft s w i l l e entstehen, und so sollen die Fahnen, die wir am Morgen zum Zeichen der Trauer auf Halbmast setzten, als ein Zeichen des Glaubens an unser Vaterland, am Mittag wieder zur Höhe emporsteigen. Die im gewaltigen Ringen unseres Volkes Gebliebenen sind nicht vergessen. Ueberall im deutschen Lande hat der pietätvolle Sinn Iber Bevölkerung zahlreiche Ehrenstätten und Ehrenzeichen den Gefallenen errichtet, die ihr durch die Gemeinschaft i der Heimat, durch Berus und Kameradschaft besonders nahe standen.
Noch aber fehlt das Ehrenmal, welches das ganze deutsche Volk gemeinsam allen Gebliebenen schuldet.
Deshalb rufen wir am heutigen Tage unsere Volksgenossen zur Sammlung für ein solches Denkmal auf, das in schlichter, würdiger Form aus freiwilligen Beiträgen geschaffen werden soll. Dieses Ehrenzeichen der Trauer um das Vergangene soll zugleich die Lebenskraft und den Freiheitswillen des deutschen Volkes verkörpern. Der Reichspräsident. Die Reichsregierung.
gez. Ebert. gez. Marx.
Kommunistische Gassenjungenpolitik.
Parole: Skandal als Gefallenenehrung
Berlin, 3. Aug. (WTB.) Die Kommunisten veranstalteten heute vormittag um 11 Uhr Versammlungen in Groß-Berlin, in denen die Parole ausgegeben wurde, die Gedenkfeier auf dem Königsplah zu stören. Diejenigen, die versuchten, die Ruhe zu stören, wurden von der Schutzpolizei überall sofort dingfest gemacht. 40 Personen wurden dem Polizeipräsidium zugeführt.
Schlägereien in Dresden.
Dresden, 3. Aug. Während im Vereinshaus eine große Gedächtnisfeier des Bürgcrblvcks ftattfanb, an der auch die Kriegervereine und die gesamte Studentenschaft tn Trauerwichs teil- nahm, sammelten sich im Innern der Stadt auf dem Altmarkt gegen 12 Uhr Tausende von Menschen an. .In dem Augenblick der allgemeinen Gedächtnis stille bewegte sich ein nach Hunderten zählender Kommunistenzug, der Schilder mit der Inschrift „Rie wieder Krieg!" mit sich führte, unter Absingung der Internats onale rings um den Marktplatz. Von der Menge wurde daraufhin das Deutschland- lied angestimmt. Die Schilder der Kommunisten wurden niedergerissen. Hierbei kam es an verschiedenen Stellen zu Schlägereien. Schließlich räumte ein starkes Aufgebot der Schutzpolizei die Straße. Eine Reihe Verhaftungen wurde vvrgenommen.
drücklichen Erklärungen der sran- zösischenRegierung zur Zeit der Ruhr- aftion die militärische Besetzung nlu'r als Schutz für die eingesetzten wirt- schaftlichenKontrollvrgane bestimmt war. In demselben Augenblick, wo diese Wirtschaftsorgane ihre Tättgkeit beendet haben und ihre Mission als erledigt gilt, fällt auch die Voraussetzung für ihren mllitärischen Schutz und damit auch die Auftechterhaltung der militärischen Besetzung fort. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß die Kosten der Desatzungstruppen nach deutscher Auffassung nicht in den Bereich der deutschen Zahlungen eingestellt werden können. Das ungehemmte wirtschaftliche und fiskalische Leben der besetzten Gebiete würde sich nur dann in vollem Umfange wieder Herstellen lassen, wenn die militärische Besatzung rückgängig gemacht wird.
WaS den f anzösisch-belgischen
RäumungSplan anbetrifft, so enthält er nach Auffassung der deutschen Regierung solche Bedingungen, die ausschließlich finanzieller Natur sind und den Gegenstand eines gegenseitigen Uebereinkommens bllden können. Die an sich verständlichen Forderungen Frankreichs und Belgiens auf möglichst rasche Flüssigmachung der deutschen Obligationen können jedoch nicht mit der Frage der mili- tärischenRäumungverbunden werden. Die deutsche Regierung muß daher darauf bestehen, daß ihrem Standpunkt in vollem Umfange Rechnung getragen wird. Wenn die Frage der militärischen Räumung nicht in einem für Deutschland annehmbaren Sinne geregelt wird, so würde dadurch eine ernste Gefahr entstehen, weil dann die deutsche Delegation nicht in der Lage sein | würde, das Londoner Protokoll zu I unterzeichnen.
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Bornotizen.
— Ta geskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Peter der Große".
— Aus dem Stadttheaterbureau toirb uns geschrieben: Wir möchten nicht verfehlen, noch einmal darauf aufmerksam zu machen, daß die Vorstellung „Der Ehestreik" am Mittwoch, 6. August, erst um 8 Uhr beginnt. Es ist also jedermann möglich, dieses mit so köstlichem Humor erfüllte Dolksstück zu sehen.
Wettervoraussage
Wechselnd bewölkt, Winde aus westlicher Richtung, etwas kühler, langsam nachlassende Regenfälle.
Das gestern westlich von Irland erkennbare Tiefdruckgebiet ist rasch nach der mittleren Nordsee vorgedrungen. Morgen werden wir allmählich auf seine Rückseite kommen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 4. 2Iug. 1924.
* Der nationale Trauer tag um unsere Opfer des Weltkrieges wurde gestern in unserer Stabt in schlichter, würdiger Weise begangen. In den Kirchen, die bis auf bas allerletzte Plätzchen beseht waren, fanben Gedächtnisfeiern statt, bei denen die Geistlichen in packenden Worten zu ihren Gemeinden sprachen. Die Straßen der Stadt zeigten viele Flaggen, die nach Ablauf der vorgesehenen Trauerzeit von Halbmast hochgezogen wurden; entsprechend der Anordnung der Regierung hatten die staatlichen und sonstigen öffentlichen Gebäude in den neuen Reichsfarben Sch warz-Rot-G old geflaggt, die man außerdem nur noch an wenigen Privo! Häusern bemerkte; die alten Reichsfarben Schwarz-Weiß- Rot und die hessischen Landesfarben waren allenthalben sehr stark zu sehen. Die der Trauer um die deutschen Kriegsopfer geweihten zwei Minuten des Schweigens und der Verkehrsruhe, die durch Glockengeläute eingeleitet wurden, fanden nach unseren Beobachtungen im großen und ganzen Beachtung. bedauerlicherweise war aber auch verschiedentlich das Gegenteil zu bemerken, sogar bei der Straßenbahn, von der ein Wagen gerade um 12 Uhr und die folgenden Minuten durch die Reuen Baue und die Schul- strahe gefahren wurde, anstatt ihn die zwei Minuten lang einfach da anzuhalten, wo er sich gerade befand; inmitten der Ruhe wirkte diese Oberflächlichkeit besonders unangenehm. Zu den Friedhöfen sah man am Rachmittag viele Mitbürger wandern, die dort einen stillen Gruß den schlafenden Helden und hen vielen Opfern der englischen Hungerblockade widmen wollten.
** Ein Kuratorium für die öffentliche höhere Handelsschule ist, wie uns mitgeteilt wird, jetzt gegründet morben. Es setzt sich in erster Linie aus Vertretern der die Schule unterstützenden Behörden und Verbände zusammen. Dadurch ist neben der staatlichen Aufsicht, die durch die direkte Unterstellung der Schule unter das Landesamt für das Bildungswesen ohne weiteres stattfindet, auch genügender Einfluß der kaufmännischen Verbände und Verwaltungsbehörden am Orte auf Verwaltung und Organisation der Schule auf satzungsmäßiger Grundlage gesichert. Dem Kuratorium gehören an der Vorstand der Handelskammer, deren Präsident Kommerzienrat Schirmer den Vorsitz führt, und die Herren Erle und Säubert für den Kaufmännischen Verein, letzterer zugleich als Vertreter der Elternschaft, Kuhl für die Angestelltenschaft, Karl Rohr fen. für den Detall- listenverein, Prof. Dr. Alles für das Stadtschulamt, Beigeordneter Dr. Seid für die Stadtverwaltung und Dr. Feld als Letter der Schule. Bei der Lösung der den Ausbau des hiesigen kaufmännischen Dildungswesens betreffenden Fragen wird das neue Kuratorium entscheidend mitzuwirken haben.
** Warnung vor Steuerzuwiderhandlungen. Zu wiederholten Malen ist es bongeEommcn, daß in Grundstückskaufver- trägen ein geringerer als der tatsächlich vereinbarte Kaufpreis angegeben war. Es kann dahingestellt bleiben, ob in solchen Fällen das ganze Kaufgeschäft nichtig ist ober die Parteien gezwungen finb, den wahren Kaufpreis zu versteuern. Jedenfalls haben, worauf es hier allein ankommt, die Parteien sich einer Steuerzuwiderhandlung schuldig gemacht. Wenn Behörden und Beamten von foldjen Steuerzuwiderhandlungen dienstlich Kenntnis erhalten, so sind sie nach § 192 der Reichsabgabenverordnung verpflichtet, den Finanzämtern Mitteilung zu machen. Dies gilt auch für andere Steuerzuwiderhandlungen. Da diese Anzeige in den obigen Fällen zu wellen unterblieben ist, so weist der Iustizminister in einer Verfügung vom 11. Juli 1924 die Justizbehörden auf sorgfältige Beachtung der Vorschrift hin. Die Kaus- kontrahenten tun daher gut, wenn sie sich vor groben Rechtsnachteilen und schweren Unannehmlichkeiten schützen wollen, sowohl den Behörden wie den Rotaren stets den tatsächlich vereinbarten Kaufpreis bei Grundstücksverträgen wahrheitsgemäß anzugeben.
** Falsche Rentenmarkskheine. In der letzten Zeit sind in der Rheinprovinä,
Hessen-Nassau, Hessen-Darmstadt, Bayern, Baden und der Pfalz Nachbildungen von. s Rentenbankscheinen zu 10 Rentenmark aufgetaucht. Das Wasserzeichen ist durch Aufdruck auf der Rückseite, bei einigen Scheinen auch auf der Vorderseite, nachgeqhmt. Anstelle bed StvffauflaufS ist der rechte Teil der Vorderseite mit einem hellgrau gefärbten Klebemittel übertüncht worden, worauf die Fasern eingestreut sind. Bei den echten Scheinen sind die Fasern im Papier eingebettet. Der Untergrund zeigt ein verschwommenes, unklares Bild. Die Beschriftung weicht an verschiedenen Stellen von dem der echten Scheine ab.
** KriegsbeschädlgteaufberGisen- bahn können auf Grund eines Ausweises der Kriegsbeschäbigtenfürsorgestellen (weißes Papier mit rotem Rand) in Eil- und Schnellzügen (bei letzteren gegen tarifmäßigen Zuschlag) mit gewöhnlichen Fahrkarten 4. Klasse in der 3. Klasse befördert werden. Die Art der Verletzung ober des Gesundheitszustandes des Kriegsbeschädigten muß jedoch ein Sitzen während 1 der Reise bedingen. Bei Personenzügen kann auf , alle Fahrtausweise 4. Klasse die 3. Klasse benutzt werden.


