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Meltag, 4- Zult 1924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

155 Zweites Blatt

ES Wird n

(Nachdruck Verboten.)

7. Fortsetzung.

3*n der setzt Charles rsientlichung

Französischen" eingegangen. Preisträgerin ist Dr. phil. Elisabeth Kredel aus Dad-Rauheim.

Deutschen Rundschau" L. Har.mann bi2 Der' unbekannter Geheimbe-

Der Alte aus Topper

Roman fcon Hanns Dort Zobeltih.

Hochschulnachrichten.

^Der neue Rektor der Landes-Unidersität.

Der Gefamtsenat Hat drn ordentl. Professor Geh. Kirchenrat Dr. Krüger für die Zeit vom 1. Oktober 1924 bis 30. September 1925 zum Re k° 10 r gewählt. Geh. Rat Krüger war bereits Rek­tor in der Zeit vom 1. Oktober 1902 bis 30. Sep­tember 1903.

Zur Jahresfeier der Universität Gießen.

Von den gestellten akademifchen Preisauf- gaben ist nur die der juristischen Fakultät bear­beitet worden. Die Aufgabe der Fakultät lautete: Das Kur-Mainzer Landrecht von 1755 (Ente stchung und Geltung)". Preisträger der Arbeit ist Referendar Hans F a u st aus Mainz.

Der Diezpreis wurde Frl. Dr. Phil. Anna Krautwurst aus Gießen verlieben über eine Arbeit:Die französische Literatur in G. V. Dep- pings Pariser Korrespondenznachrichten des Moigcnblalts für gebildete Stände von 1830 bis 1850.

Für die Osann-Veulwih-Stiftung rst eine Ar­beitStudien zur Geschichte des Wortspiels im

Der alte Mann rechnete. Es wurde ihm schwer, er mußte sich den Stuhl heranziehea. Das schöne Geld. Vor acht Tagen erst hatte es JuD Heinemann in Sternberg auf die Ernte ang-zahu. die noch nicht einmal in den Scheunen war. Es sollte soviel davon bezahlt werden nun war schon die Hälfte hin. Keine andere Ressource in Aussicht. Wenn man die Eichen beim Vor­werk Grünewald schlug? Wer zahlt heut das Holz? Unb wenn's dec Jüd lauste, gab er nur einen Spottpreis. Wo man doch jeden einzelnen Stamm liebte, wie der Vater selig, der immer gesagt hatte:Die Grunewaldschen Erchen find meine Väter und Kinder m einem".

Iis half alles Rechnen? Morgen holte sich eine andere Kosakenschar am Ende den Rest. Hinein in den Deutel, ihr Goldfüchse!

Es war nicht mal das Schlimmste

Das Schlimmste war das große Schreiben, das der Gestrenge nun in die Hand nahm. Wie eine kurieuse Kostbarkeit drehte er den Brief in den Fingern, las wohl zum zehnten Male de Aufschrift:An den wohledlen Erb- und Ge- richtsherrn auf Topper, Herrn Hans Ehrenreich von Zabeltitz", die da tm verschnörkelten Kurial sland betrachtete sich das mächtige, rote König­liche Sigillum auf der Rückseite: runzelte die schlohweißen Brauen, seufzte leite auf

Eine hohe Ehre! Gewi^. Der Blulsold, zu dem die Zollern, seik sie ins Land gekommen, die Herren vom Adel gradatim herangezogcn. Friedrich Wilhelm erst, der lohte Kurfürst, unter dessen Fehrbelliner Helden auch ein Zabeltitz obenan stand. Des Hochseligen Königs Maj-stät bann, der ja den JunkerS seine Souverainelo wie einen Rocher de Bronco stabilisieren gewollt.

richte aus den russischen Archiven fort. Sie beweisen auch dem Einfäl­tigsten, wie die En!en!emächte den Ki icr< vorbereiteten, als dessen allein- fd'ukige Ursache von ihnen Deutsch- land bezeichnet und gebrandmarkt wurde. Wir sind in der Loge, den nachfolgenden Aufsatz des He aus- gebers der Dokumente zu verösfent- lichen. Er enthält Wetentlichrs und wi'.d zur Stärkung des deutschen Selbstgefühls erheblich beitra'ew

Die Schriftl.

Die im April- und Junihest derDeutschen Rundschau ' veröffentlichten Geheimdokumente ha- rxsn im gesamten Ausland einen außer ordentlichen Widerhall gefunden. Zum ersten Male wurden hier die nnwiderleglichen Beweise mittels aus­schließlich offizieller Schriftstücke der Reg ecungs- archive gebracht, wie man die in ihrer über­wiegenden Mehrheit friedlich gesinnten europäi- schc n Böller in r orbcdachtec systematischer Klein­arbeit d mt Weltkriege entgegenführte. Mit der Triebkraft eines unheimlichen Mechanismus, mit Stev haarscharfen Genauigkeit eines Uhrwerkes, Las unerbittlich zur vorausberechneten Skunde Dia Höllenmaschine auslösen soll, wird jeder ein» fielne Schritt, jede mögliche Wirkung vorausge- sohen und vorbereitet, um zum Ziele des Welt­krieges zu führen. Den Zweck erklären Jsvols- i i - P 0 incarv ohne Scheu:

um die hundertjährigen Aspira­tionen Rußlands Konstantina- pel und die Rückkehr Elsaß- Lothringens endlich zu verwirk­lichen" (Telegramme Jsrolslis 21. Juli 1913, 30. September 1914).

Es handelt sich jetzt darum, das Uhrwerk dufzuziehen, in Gang zu setzen: Den beschlossenen Weltkrieg auch militärisch und technisch vorzu- beieitcn. Georg Louis, der friedlich gesinnte fran­zösisch: Gesandte zu Petersburg, muh entfernt und durch Delcass 6 erseht werdm. Der Mi­nister Sazonov begrüßt diesen alseine.: fran­zösischen Außenminister, der nach Rußland dele­giert ist", der dvvtdas Werl, an welchem er ununterbrochen in allen seinen verschiedenen Stel­lungen gearbeitet, jetzt vollenden werde", and welches erwährend seiner letzten Amtstäkigteit als Marineminister einen entscheidenden Schritt vorwärts gebracht habe"! (19. März 1913.)

Ein Geheimtelegramm Jsvolskis an den Au­ßenminister vom 18. Dezember 1912 stellt fest, wie, nachdem die gesamte französische Presse mit russischen Geldern angelauft und derart die Kriegsstimmung in Frankreich gefördert wurde. Poincare-Millerand befürchteten, daß zuguterletzt der Plan an dem Widerstande des friedfertigen Rikolaus H. scheitern würde

Poincars hat mir den Text des Tele­gramms vorgelesen, nach welchem man dem General de la Etliche (französischer Eenerul- stabschef) erwiderte, daß Dir Rüstungen Oesterreichs nur als eine Verteidigur.gsmuß- regel betrachtet werden, und das selbst in dem unwahrscheinlichen Falle, daß Oesterreich Serbien ansällt, Rußland vorläufig nicht ein- (VvvScn würde. Diese Antwort hat Poincare illfi? alle Minister mehr als erregt . . .

Man kann jeden Tag einen entscheidenden Schritt von feiten des österreichischen Kabi­netts erwarten. Dieser Schritt, wie man h'.er hofft, sollte die Intervention Rußlands her- aussordern, was unvermeidlich and automa­tisch Deutschland zuerst hineinreißen würde und darauf Frankreich. Die französisch: Re­gierung betrachtet diese Möglichkeit mit Ruhe und Kaltblütigkeit und ist absolut entschlossen, ihre Verpflichtungen als Verbündeter zu er­füllen. Sie hat sofort alle notwendigen Maß­regeln getroffen: die Mobilisation an der Ostgrenze ist im Zuge, das gesamte Ma­terial ist bereit usw.')

3m Laufe meiner UnterreBung mit Poin- oate und den anderen Ministern versuchte ich, ihnen klarzumachen, daß unsere anschei­nende Gleichgültigkeit in Wirklichkeit nur un­sere feste Absicht beweist, jedem Vorwurf be­gegnen zu können, als ob wir selbst in einer Weile handeln, die den Krieg herbeiführt. Die französische Regierung, sagte ich Poincarä,

*) Bedenken wir, dies wurde bereits 1912 ge- schric b en!

Neue russische Geheimdokumente über die Kriegsschuld.

Don Konsul Dr. Charles L. Hartmann.

Ehcenpüttner seine Meinung zu sagen. Dachte dann doch: der sanfte Mann da ist Studiosus zu Halle gewesen, bei dem frommen Francke, und sein eigner frommer Sinn wurzelt tief im Herzen. Man muß Respekt haben, wenn unfereinem solch eine Gottesergebung auch gegen den Strich gehl Begnügte sich:Hat die Frau Maaister gut Über­standen? Die Hunde die Hunde!"

Submissesten Dank, gnädiger Herr. Meine Eheliebste muß im Bette liegen. Wo- spreche ich vom Bette . .. die Uebermütiaen haben uns die Betten ausgeschlitzt und die Federn in den Wind fliegen lassen."

Und Eure Bücher verbrannt'

Es ist also, wie der Herr Patron sagen. Gottes Wort selber haben die Heiden nicht Der» schont."

Rotiert das akkurat, Pastor. Alles - Stück für Stück jeden Schaden. Der König muß alles bezahlen, sobald der Krieg vorbei ist. Majestät haben schon vor einem Jahr resolviert, daß Sie Ihren Untertanen und Vasallen allen Verluit, so sie vom Feinde leideir, im Frieden ersetzen wollen."

Ach, gnädiger Herr. Wann wird es jemals Frieden geben?"

Sie horchten beide plötzlich auf. Es war ein rollendes Geräusch in der Luft, tarn von weit her, ebbete ab, wuchs wieder an. Der Ge­strenge hob den Kopf, suchte den Horizont ab. Blau und wolkenlos dehnte sich der Himmel.

Man sollte meinen, es gewittere," Jagte er nachdenklich.3st aber fein Zeichen dafür . . Pastor, waS ich noch fragen wollte war Kirchengeld gut geborgen und der Abendmahls- kelch?" (Fortsetzung folgt }

Lieseiungsgeschäft für Getreide wieder in Gang kommt. Der Schluhschein, der früher über eine Menge von 50 Tonnen galt, wird aus 30 Tan­nen herabgesetzt. Man hofft in den Berliner Börsenkieiscn, Anfang August mit dem Termin­geschäft beginnen zu können. Voraussetzung ist aedoch gerade hier die Solidität des Gegenkou tiahentcn. Man nimmt an, daß sich auch die Genossenschaften stärker am handelsrechtlichen Sie ferungsgefchäft beteiligen werden, als vor dem Kriege, da sie vielfach gegenüber ihrer landwirl schafllichen Kundschaft die Verpflichtung haben, ihr jederzeit zu den jeweiligen Marktpreisen das ongcbotcnc Getreide abzunehmen.

Die ErnteauSsichten Deutschlands werden zwar nicht gleichmäßig, aber doch im Durchschnitt für Wintergeireide befriedigend und für Sommergetreide für gut gehalten Wiewen sie sich verwirklichen, bleibt natürlich abzuwarten.

sollte uns dankbar fein, daß wir die ganze Frage derart klug umgestellt haben. Es ist dies um so notwendiger, da nur unter diesen Bedingungen wir darauf zählen können, daß England in den Krieg eintritt.

Dank den geschickten Maßregeln, die ich er­griffen, haben wir nunmehr sehr betcutenic Resultate erzielt. Wie Ihnen bekannt, besasse ich mich nicht direkt mit der Verteilung der Subsidien. Diese Zahlungen an die Presse, welche von den französiichen Ministern (dem Außenminister und dein Finanzmiaister) be­sorgt werden, sind von allergrößter Wirk­samkeit, und unser Ziel, wie ich mich bereits überzeugen konnte, wird dadurch sicher erreicht."

Um die Einkreisung Deutschlands zu vollen­den, hat der König Georg V. den Außenminister Sazonov nach Schloß Balmoral, zu einer Unter­redung geladen, worüber dieser direkt an den Zaren Bericht erstattet:

Am 5. September 1912, mit der Bewil­ligung Cw. Majestät und auf Einladung des Königs von England, begab ich mich nach Schloß Balmoral, wohin Sir Edward Grey, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, zu gleicher Zeit befohlen war. Sofort am ersten Tage meiner Ankunft besprach Seine Majestät mit mir in einer Unterredung, die über eine Stunde währte, alle Fragen, welche die politischen Interessen Englands und Rußlands berühren. Diese Fragen bildeten alsdann den Stoff meiner Besprechungen mit Sir Edward Grey. Um diese günstige Ge­legenheit auszunützen, stellte ich in einer mei­ner Unterredungen mit Sir Edward die Dir.t.c Frage: Was dürfen wir von England er­warten im Falle eines Krieges mit Deutsch­land? Grey erklärte ohne jedes Zögern, daß, sobald der Kriegsfall eintrete, England die größtmöglichen Anstrengungen machen würde, um gegen die Marinekräfte Deutschlands den vernichtenden Schlag zu führen. Die Frage einer solchen Intervention wäre schon von verantwortlichen Persönlichkeiten besprochen worden."

3n dem Uhrwerte, das die Höllenmaschine auslösen sollte, fehlte bisher ein Zahnrädchen die Haltung Belgiens im geplanten Welt­kriege. Dies wird uns in denr Bündel der Be­richte des Grafen Denckendorfs. russischer Bot­schafter am Hofe von St. Hames, vom 10. Fe­bruar 1911, geliefert.^

. . . Sir Edward Grey besitzt aus ab- scsut vertrauensvoller Quelle die Informa- lion, daß der deutsche Generalstab seit langem darüber vollständig einig fei, sofort bet Aus­bruch des Krieges in Belgien einzufallen und den ersten Kriegsschauplatz dorthin za ver­sehen.

Sir Edward sieht diesem Eintreten mit Ruhe and Kaltblütigkeit entgegen:Das etwas schwerfällige, aber zäh: belgische Volk wird feine Unabhängigkeit tapfer zu verteidigen wis- fen, bis ihm die französische Armee zu Hilsr eilt, um den Kriegsschauplatz nach der an­deren Seite der belgischen Grenze zu verlegen." Dieser Plan hätte, zufolge Sir Edward, den altes überwiegenden Vorteil, daß durch die Verletzung der belgischen Reukralität das eng­lische Parlament und die gesamte öffentliche Meinung aufgerüttelt und in den Krieg mite gerissen werden, wahrend es andernfalls sehr schwierig wäre, diese den Kriegsplänen günstig zu stimmen . . . Benckendorff."

Wie flössen die Krokodiltränen aller die­ser Wichte über die verletzte Reukralität Bel­giens! Welches Gejammer und Augrnverdretzen über den Fetzen Papier, die Heiligkeit der Ver­träge, die Vergewaltigung kleiner Staaten!

Und dabei war diese Kriegshckndlung nicht nur vorausgesehen. auf alle ihre Wirkungen oor- ausgerechnet, sondern sehnlichst herbeigewünscht, um in EnglandParlament und öffentliche Mei­nung in den Weltkrieg hineinzureißen"!

Inzwischen hatte sich zu Paris ein Regie­rungswechsel vollzogen. P 0 i n c a r e wurde Präsident der Republik. Isvolski be­richtet am 29. Januar 1913:

Poincare hält es von der allergrößten Wichtigteit für die sra.ozösische Regierung, int voraus die öffentliche Meinung Frankreichs aus den ei nt r e tenioen Weltkrieg vorzubereiten und auf die Teilnahme Frankreichs an diesem Kriege, sobald er durch die Ballanverhältnisse ausbrechen wird. Er er­suchte mich stets direkt an ihn zu wenden. Em I solcher Verstoß gegen alle bisherigen prast-

Schöffengericht.

" G i e ß e n, 2. Juli. Sn einer den ganzen. Tag währenden Verhandlung kamen eine Reihe von Schafdiebstählen und Einbrüchen in Schäferhutten und Bauerngehöften zur Aburteilung, die dic Umgegend von Gießen und andere Kreise Ober« Hessens lange Zeit in Aufregung versetzten. Aw geklagt waren der vielfach vorbestrafte, erst 1902 geborene Schäfer Wilhelm Müller aus Allein ladt, der ebenfalls oft bestrafte Bäcker Ludwix Sauerwald, dessen Schwester, die Ehefrau des Fuhrunternehmers Dürr, Die mehrfach wegen Hehlerei bestraft ist, und die Ehefrau Sauer- Wald, sämtlich in Gießen. Müller wurde toeger Diebstahls in 5 Fällen zu 61/2 Zähren Zucht­haus und 10 Jahren Ehrverlust, die beiden Ehe- rauen zu kleineren Gesängnisstrafen wegen Hehlerei und Begünstigung verurteilt, Sauer- Wald muhte mangels ausreichenden Beweise« frei- gesprochen werden.

Wirtschaft.

*

* Ostasiatische Riefenobjekte an die deutsche Industrie vergeben. Wie wir erfahren wurden der Bamag-Meguin, A-G. in Butzbach in scharfer Konkurrenz gegen englische und amerikanische Firmen zwei Riesenobjekte, nämlich eine Kohlenaufbereitung^ anlage für 1000 Tonnen Stundenleistung, wie fie bis jetzt für solche Leistung nirgends gebaut wurde und eine Schiffsbekohlungsanlage für dr: gewaltige Leistung von 900 Tonnen pro Stunde übertragen.

"Herabsetzung de rDrennspiritus' preise Die Reichsmonopolverwaltung füi Branntwein teilt mit: Der Kleinverkausspreis für Drennspiritus in Literflaschen ist mit Wirkung ah 3. (Mi aus Goldmark 0.45 je Literraum ohne Glas, bisheriger Preis 0.60, herabgesetzt worden. Es wird ckuch Brennspiritus ohne gleichzeilige Rück­gabe leerer Flaschen aus gegeben.

dentiellen Gepflogenheiten kann uns in den Schwierigkeiten der großen Stunde von be­sonderem Vorteil und Erleichterung sein.

Die französische Regierung ist fest ent­schlossen, ihre vollen Verpflichtungen als unser Bundesgenosse in jedweder Richtung zu er­füllen. Sie ermißt mit vollem Bewußtsein die Tragweite und erkennt mit der gan­zen nötigen Kaltblütigkeit, daß das Ergebnis der heutigen Schwie­rigkeiten die Rotwendigkeit des Eintritts Frankreichs in den We l t- krieg sein könne. Der Augenblick für Frankreich, um den Degen zu ziehen, ist mit aller Präzision durch die Franco-Russische Mi- liiärkonvention bestimmt, und von diesem Ge­sichtspunkte aus werden die französischen Mi­nister nicht den geringsten Zweifel, nicht die geringste Zögerung aufkommen lassen."

Während man derart in Paris und Pe­tersburg keines, auch nicht das allerwinzigsts Mittel vernachlässigt, um das Uhrwerk der Höl­lenmaschine zu vervollkommnen und in Gang zu etzen wahrend derim höchsten Grade irank- 'bafte Ehrgeiz" des Herrn PoincarS dieöffent­liche Meinung Frankreichs auf den eintretenden Weltkrieg und zur Teilnahme vorbereitet" was tut Berlin? Welche Vorbereitungen trifft es für den Weltkrieg? Hören wir einen sicher unverdächtigen Zeugen, den russischen Ge­sandten zu Berlin, Sverbsev, der am 30. Januar 1913 berichtet:

Je gewissenhafter ich die Lage zu be­urteilen suche, je mehr ich zuhöre und in Er­fahrung bringe, desto fester muß sich mir die Ueberzeugung aufdrängen daß man hier m Berlin um jedweden Preiseinen Krieg vermeiden will, und daßman diese friedlichen Absichten auch Wien mit geteilt hat. Aus geheimer Quelle habe ich erfahren, daß während des Berliner Aufenthaltes des Thronfolgeis, Erz­herzog Franz Ferdinand die Frage eines mög­lichen Konfliktes mit Rußland und Frankreich in Erwägung gezogen tourbe. Die deutsche Re­gierung hat ihm beteuert, daß in einem sol­chen Falle ein günstiger Ausgang sehe zrrei- felhast erscheine ... Die Regierung gibt sich keinen Selbsttäuschungen hin Sie bedenkt, daß selbst im Falle eines vollständigen Sieges Der deutsche Handel auf Jahre hinaus völlig rui­niert werde, wenn England sich am Krieg be­teiligt . . ."

Man sollte glauben, daß alle nur erdenk­lichen Dorbereitilngen für Den Weltkrieg jetzt getroffen, daß alle Faktoren berechnet, allen Zu­fällen vorgebrugt, die Einkreisung Deutsch­land-Oesterreichs vollendet sei, daß nichts mehr den Ausbruch des Krieges verzögern könnte.

Doch noch eins. Man überlegte, wie an Der Ostgrenze das französische Heer schon in Der FriLSenszeit auf Kriegs höhe zu bringen und Da­durch in Dem ersten Vorstoß bei Kriegsbeginu kostbar: Zeit zu gewinnen sei. Porncarö und I's- vokski fassen Den Plan, Die französische Militär» Dienstzeit von zwei auf Drei Jahre zu erhöhen und dadurch Das Heer um 630 000 Mann zu verstärken. ,

3m März 1913 wird mit schwacher Ma,ontat das Gesetz angenommen. Der Schlußstein des Ge­bäudes. Jetzt steht Dem AuSbruch des Krieges nichts mehr im Wege. Es handelt sich nur Darum, einen Vorwand zu finden, umParla­ment und öffentliche Meinung in Den Weltkrieg hineinzureißen", wie dies im vierten und letzten Aufsatz in derDeutschen Rundschau" ausgesührt wird welcher zugleich ein verblüffendes Doku­ment über den Mord von Jaurös bringt.

Produktenverkchr und Termingeschäft.

Die Wiederaufnahme deS handelsrecht­lichen Lieferungsgeschäftes an der Berliner Produktenbörse bildete das wichtigste Ereignis Der Woche. Seit dem Kriege war das Termingeschäft ausgefchaltet worden. Es hatte sich aber immer mehr herausgestellk ür die rationelle Handhabung des Muhlenb^ kriebes ein geordnetes Zeitgeschäft unumgänglich ist. Jedes Ueberwiegen des Angebotes und jeDc Rachfrage, die nicht sofort gedeckt wurde, veran­laßte erhebliche Preisveränderungen, Die durchaus nicht mit den wirklichen Verhältnissen überein- stimmten. Besonders fühlbar machte sich dies auch für Die LanDwirtschaU, da fie ihre monatlichen Geldbedürfnisfe nicht, wie früher, durch Liefe- runqsverkäufe ficherstellen konnte, sondern durch sofortige Verkäufe von Lokoware decken muBte Diese zwangsmäßigen Verkäufe drückten die Preise oft ruckweise herab. Gerade für Die neue Ernte ist deshalb das Lieferungsgeschäft unentbehrlich Dasselbe ist beim Kaufmann Der Fall, dem es nur so möglich ist, das Risiko unvorhersehbarer Preislonjunkturen auf die tragfähigere Gesamt­heit der Interessenten abzuwälzen. Bisher Hatten sich alte und solide Getreidefirmen fett Einstel­lung des Zeitgeschäftes vom Getreidehandel zu­rückgehalten- und dadurch große Kapitelien gerade dem Getreideverkehr entzogen. Durch Die Mög­lichkeit, eingelagerte Ware auf spätere Lieferung zu einem Preise zu verlaufen, der die Spesen der Lagerung, Die Zinsen des Kapitals deckt, wird ter Handel nach Cinsüh.ung des Lieferungsgeschaftos wieder besähigt, jedes beliebige Quantum aufzu­nehmen und somit einem größeren Druck bei Er scheinen von unvorhrrgesehenen Verkauf-mengen entgegenzuwirken. ,

-" ' ' och einige Zeit dauern, ehe das

ist für Getreide wieder in Gang

Wahrhaftig der hatte auch den Renitentesten mit seiner bigneur klein gekriegt!

Was Eleonore Beate zu dem Schreiben sagen würde? Die Qlrrne traf« am schwersten.

Mit schnellem Entschluß schob er Den großen Bries in die Brusttafche, rückte die Mütze ganz nach vorn auf die Stirn, griff zum spanischen Rohr und stapfte hinaus.. Der Egid faß noch immer in der Sonne.

Ich geh' in den Wald, Vetter.'

Holst wohl Frau Base?" 3a den trüben Augen des Riesen schimmerte es auf. .Und den Ounfer ?

Will's Gott ja bring' ich fie gesund heim.'

Und er stapfte weiter über Den Hof, die Dorfstraße hinunter, zwischen den Kalen entlang. Kein Mensch weit und breit. Kein sröhlichrS Hundegebell. Als ob sich Mensch und T'er ver­krochen hätten. Rur der Pfarrherr stand mit bekümmertem Angesicht im Vorgärtlein, rücke, als er Den gestrengen Patron erspäh e, hastig die ungepuderte fuchsige Peimcke zurecht, lüftete die schwarzfammetne Kalotte rom Scheitel.

Morgen auch, Lieber. Hat mir herzlich leid getan, was mir der Marzanke von Eurem Un­gemach gemeldet."

Ehiwiirden hatte Die Hände gefaltet.Was unser allmächtiger Herr Gott über uns v:rhäng't, müssen wir mit christlicher Geduld auf uns neh­men,' sprach er mit leiser Stimme.Der Herr allein weih, was uns das Leid frommt. Ein Pfarrhaus aber muß wohl sein Kreuz »d tragen haben."

Breitbeinig stand Der Patron stemmte die Fäuste fest auf das Rohr. Hatte nicht übel Lust,

Der Hund zog ja die Beine immer unter den Allerwertesten, wie s Die Türken tun sollen beim Sitzen; war vielleicht selber ein Muselmann, trotzdem er soff wie ein Loch. Es muffte im Zimmer nach Den Pfeifen, die unor­dentlich umherlagen. Die Dielen, die Beate sonst sv sauber hielt und immer in hübschen Kringeln mit weißem Sand bestreute, waren dreckig, als ob sich Schweine daraus gewälzt hätten. Die Wei- behänd fehlte. Ein Glück aber, daß Die Frauens­leute rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Den Gestiengen ekelte es, daß er Die Fenster weit aufstieß. Luft und Sonne brauchte Der Egid nicht allein zu haben. Eine Weile stand er sin­nend. sah auf das Dors hinunter, das heut so friedlich Dalag, als ob niemals ein Unheil üb r ihm gewesen wäre Rur Drüben, jens.its des Leichs, schwelte es noch aus Dem niedergebrannten Brücknerschen Stall. Du lieber Goll! Dem armen Kerl muhte man auch aufbauen Helsen, wen'gitens das Hol; dazu geben.

Dann trat er an den gewaltigen fichtenen Sekretär, den Beate pläsierlich die Kossäteafcheun^ zu nennen pflegte. Mit einem starten Ruck zoz er die mittelste Schublade aus und dahinter das Geheimfach. Rahm den Leinenbeutel heraus, zählte die Dukaten Darin. Gestern war's um Die Hälfte mehr getvesen. Die andern hatte der Mos­kowiter bekomme!', Der Hund, für die Dauvcgar^c, bie er gnädigst Dem Guts Hof gewährt. Eine arge Sauvegardel