Einzelbild herunterladen

Kr. (50 ZWerter Blatt

LMencron.

Don Paul Wittkv.

3n diesen Lagen wäre Detlev v. ßilienccon 80 Hahre alt geworden. Das hat das Schicksal nicht gewollt. Dein, so abgeschmackt war es nicht, den gleichsam immerunter Goldregen and Sy­ringen" mit lieben kleinen Mädels durchs Leben handelnden weißhaarig und weltmüde und knie- schlackelnd werden zu lassen Darum holte ihn knapp jenseits der Höhe des Lebens der Tod, mit dem er nicht nur im 70/71er Feldzug so manche nahe Berührung gehabt, manches ergriffene und ergreifende Gespräch geführt hat. Darum ließ er ihn leben im Gedächtnis der Dachwelt nicht als einen lleberalterten, sondern als den bis zu seinem letzten Atemzuge prachtvoll jungfrischen Vollblutdichter als den allzeit abenteuernden, junggemuten Jäger, der eine von seiner Ration lange noch nicht genügend eingeheimste Deute Hinterließ, als den herrlichenHeideprrnzen drr -Poesie", wie ihn Karl Henckell so hübsch genannt hat. Man erinnert sich seines Gedichtes an diesen auf dem jenseitigen Ufer sozialer Weltanschauung postierten Bruder im Apoll. (5hm träumt, sie beide stünden im Kampf sich gegenüber. Der ein; ficht für die Freiheit, der andere für fernen König.

Mir prallten vor und trafen uns ins Herz. Als unser Blut nun rann in eins zusammen. Verlöhten wollenhoch zwei Dichterflammen, Mr prallten vor und trafen uns ins Herz. Doch eh das letzte Leben uns zerfloß Eh wir für immer voneinander schieden, Verzweigten unsere Hände sich zum Frieden, Eh noch das letzte Leben uns zerfloß

Schafft Devisen aus deut- sch em Grund und Boden.

Don Oefrm Dmierat Dr. Franz Schiftan, M d.L. Beeid. lanötn. Sachvecst. am Kammergericht.

Die Möglichkeit, künstlichen Dünger durch Hergabe von Wechseln zu erwerben, ist im wohl­verstandenen Interesse des Einzelnen und der Allgemeinheit von der Landwirtschaft vielfach be­nutzt worden. Jetzt rerlautet ab:r aus dec Reichs- banf, daß die im Frühjahr gegebenen Wechsel im H.nbst unter al.en Umständen zurückgezahlt weiden müßten. Die rigorose Durchführung dieses Vorhabens würde die landwirtschaftlichen Er- rragsverhältnisse jn ihrem Lebensnerv treffen: denn die Ertragsmöglichleiten haben sich seit dem Frühjahr katastrophal verschlechtet: widrige Wit­ter nngsverhältniffe, Unterbewertung der länd­lichen Erzeugung, Teuerung der Bedarfsmittel der Landwirtschaft, harter Steuerdruck, K editverenge- iirng und nicht zuletzt ungeheuerlich» Kreditteue­rung wirken, die Produktion hemmend, zusammen.

Dir K r e ü i t v e r t e u e r u ng ist ja eine Folge der allgemeinen Verarmung: denn Geld ist eine Ware, die abhängig ist von Angebot und Rachftage. Die Folgen des Versailler Diktats «inö besonders des Rühreinbruchs wirken sich jetzt in der Praxis aus. Auch in dem Sachverständigen- Gutachten sehe ich für meine Person in bezug auf die Erleichterung des landwirtschaftlichen Kre­dites keine r Lichtblick.

Die Schaffung der R e n t e n m a r k wurde er­möglicht burct). die Mobilisierung von 4 Pro^nt des Goldwertes des deutschen Grund und Bodens. An diesem Vorgang ist die Landwirtschaft tn ho- Hem Maße beteiligt. Die Landwirtschaft hat also ein Recht, au fordern, daß aus den von ihr an­teilsmäßig durch Belastung ihres Grundeigentums geschaffenen Zahlungsmitteln ihr Kredit in für die Wirtschaft annähernd notwendiger Menge ämd zu einem tragbaren Zinsfuß zur Der- jfügung gestellt wird. Es ist volkswirtschaftlich klar, daiß ein Zinssatz nur dann tragbar ist, wenn er p einer Relation zum W i r t s ch a f t s p r o z e h einschließlich-, alle: auf ihm ruhenden Lasten steht, (Oft der Zinssatz zu hoch, wie es seit Monaten: «und täglich noch steigend der Fall ist, verrin­gert sich zwangsläufig die Produktion der not­wendigen Rährungsmillel im Inland. Diese Ver­ringerung der deutschen Produktion geschieht aber zum geschäftlichen Segen des konsumierenden Auslandes, von dem wir dann Rahcungs- mittel gegen ter : Devisen kaufen müssen.

Ich vertrc.e den Standpunkt:Schafft Devi­sen aus deutsche Erde!" und zwar durch Pro- duktionsge Haltung, was natürlich mit Planwirtschaft und Zwangswirtschaft nicht das geringste zu tun hat.

Rach den Mitteilungen, die die Rentenbank durch Geheimrat Kistler auf der Bremer Tagung gemacht hat, sind der Landwirtschaft 840 Millionen Rentenmari Kredit zur Verfügung gestellt worden. Davon hat die P reußenkasse 340 Millionen erhalten, 300 Millionen sind als Einzel- und Kollektiv--Kredite ge­geben worden . ad 200 Millionen haben land- wirtschaftliche Industrie und der landwirt­schaftliche Handel erhalten. Eingefchlofsen in diesen Kredit ist auch der an die Retchsge° treibe st elle. deren Leben hoffentlich bald ab­gelaufen ist, zumal auch überdies die Verwahrung des von ihr übernommenen Korngutes zu Bean­standungen Anlaß gibt.

Ter Kredit von 840 Millionen an die Land­wirtschaft ist viel zu gering, um die Betriebe überhaupt aufrechtzuerhalten.

Der private Kredit bedingt heute soviel Zin­sen. daß das dargeliehene Kapital sich in einem Hahr fast verdoppelt.

Heutzutage wird natürlich jeder vernünftige Wirtschaftler nur Kredit in Anspruch, nMnen, um seinen Betrieb notdürftig in Gang zu halten. Wer Kredit zu Luxuszwecken in Anspruch nimmt, tst ein Schädling an der Allgemeinheit.

An der Schaffung des notwendlgen Kredites für die Landwirtschaft zu einem erträglichen Zins­fuß 'fjat dir Dolksgesamtheit ein Lebens- interesse: denn es ist heute schon mit an Gewiß- hert grenzender Wahrscheinlichkeit festzustellen daß die E r n t e m i n d e r u n g im 3apre 1924 erheblich fern wird, nicht nur wegen der ungünsti­gen Witterung, sondern weil die Landwirtschaft in diesem Hahre schon nicht mehr in der Lage war, dem Boden zu geben, was er brauchte. Den Aus­fall dieser landwirtschaftlichen Produktion bezahlt die Allgemeinheit.

Aus Währungsgründen kann der Staat die Kreditdecke nicht verlängern. Gr muß aber mit den einzelnen Kreditsuchenden unmittelbar in Ver­bindung treten, wenn es auch für seine Zwischen­instanzen unbequem ist. Der Kreditzwischen- handel, vielfach die modernste Art von Wucher, muß nach Möglichkeit ausgeschaltet werden. Es muh aber auch als selbstverständlich angesehen

werden, daß die Reichsbank und die Rentenbank die einmal hergegebenen Kredite in den Wirt­schaften beläßt und daß eine Prolongation von Fall zu Fall stattfindet.

Wie kommen wir aber' weiter?

Mit Roggenrentenkrediten, ein Hilfsmittel der Inflationszeit, geht es heute bekanntlich nicht mehr. Dec vom Reichsernährungsminister Graf K a n i h empfvhlene Warrant-Verkehr, das ist Lombardierung von Lagerscheinen, wird von den Warengenossenschaften und Idem Handel immer schon geübt. Die Verpfändung dec an und für sich sehr schwer zu schätzenden Ernte auf dem Halm birgt Höchste Gefahr.

Ich sehe ein Abhilfemittel in der Schaffung einer privatwirtschaftlichen Reichs -

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) NMWsch, 4. Ant 1924

Neue Stätte für Körperkultur in Gießen.

Vom Verein für Bewegungsspiele wird uns geschrieben:

Heder Mensch hat die Pflicht, so schön zu sein, wie er tannl Schön­heit ist Gesundheit, Kraft und Ge­wandtheit. A:.re El gam ist nur eine Hülle, nicht die wahre Schönheit. Schön sind die Hellen uno Schlanken, voll von fröhlichem Lebenstrotz, d e Glieder und Brust von Kraft ge­spannt, von Weller und Evnne die glatte Haut gebräuntI Diesem Licht- freund wesensfremd ist der schwat­zende Chor dec Halben, der Dicken und Satten. Herrliche Leuchtkraft der Gesundheit ist mehr wert, als die Kaufkraft des Geldes.

Surdn (Gymnastik).

Durch Kündigung seines bisherige n Sport­platzes auf dem Trieb ist der V e r e i n fürBe -- wegungsspiele vor die Rotwendigkit ge­stellt, sich eine neue Anlage zu schaff.n Die Stadt Gießen hat ihm zu diesem Zweck in ent-

Fegenkommender Weise ein Stück Waldge - ände hinter dem Schützen haus zur Verfügung gestellt. In Erkenntnis der Bedeu­tung deS Sports für Volk und Vaterland und in der Liebe zur Sache hat der Verein es unter­nommen, an den Auf- und Ausbau dieses Ge­ländes zu einer Sportplatzanlage zu gehen, die allein schon ihrer ßage wegen als ideal be­zeichnet weiden kann. Hier sei die Gelegenheit zu dem Versuch ergriffen, das Interesse der All­gemeinheit auch auf den Sport und sein Ziel zu lenken.

Daß die organisatorisch zusammengefahte Be­treibung der Leibcsübung einen der wichtigsten Faktoren des Wiederaufstiegs Deutschlands be­deutet, ist außer' von ihren Anhängern selbst nur von wenigen erkannt. Der Spvrtgedanke ist, be­sonders auch in Gießen, zu wenig beachtet, und seine fruchtbare Arbeit sehr wenig oder gar nicht gewürdigt worden. Sv viele suchen das persön­liche oder vaterländische Heil Deutschlands in der Erreichung ihres politischen Ziels. In all den unzählig vielen Reden all der unzählig vielen Parteien hat man aber bis heute noch kaum ein Wort davon vernommen, daß die eine oder die andere Partei die Interessen des Sports zu den ihrigen machen und den Gedanken des Sports und seine berechtigten Wünsche an maßgebender Stelle vertreten will. Alle haben sie bis heute scheinbar nicht erkannt, daß das physische Mo­ment in diesem Gesundungsprvzeh unseres Volkes die größte Rolle spielt. Wollen wir aus der

politischen S.llnkatmvsphäce, aus dem moralischen Sumpf und dem physischen Mas enelend» h.raus, dann muß dem Körper des einzcln.n Ind.v diums das zugesährt werden, was ihm durch verk hrte Erziehung, Wohnungselend und Uebecarbütunq vorenthallen wird Wir haben allen Grund jedes erreichbare und geeignete Mittel zu ergrei­sen. um die Folgen der engllichen Hungerblockade und des Versailler Vertrags im Keime zu e - sticken. Man schreibt und redet so viel über das Sinken des geistigen Riveaus dec Schulkinder über sittlichen Zerfall der Jugend und über mora­lische Korruption unter den Erwachsenen. Hier ist ein praktischer Wegweiser zur Teseung. Wir brauchen m e h r S 0 n n e für die gcbleichte Haut mehr sauerstoffreiche Luft für die gedrückte Lung^' mehr Licht für die matten Augen und mchr Be­wegung für die erschlafften, blutleeren Muskcln- kurzum, wir brauchen mehr Ratur für die der Ratur entfremdeten Körper Der Gesundung des Geistes muß die Gesundung des Körpers Vvrangehm. Eine Disharm nie zwischen die en beiden wird immer von Schaden sein.Rur in einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist."

Das Volk der' Denier ist zum Volk der Labo­ranten geworden. Wir laborieren schon 6 Hahre an unserm Llnglück und kommen nicht zur erlösen­den Tat. Weniger die Odyssee mit bebrlllten Augen gelesen, aber mehr spartanische Leibes­übung mit deutschen Muskeln getrieben. Weniger in muffiger Wvhnungshöhle gesessen und trübe Betrachtungen angestellt, aber auf den Sport­platz und sich in der Allmacht Ratur die Lunge geweitet und das Gemüt erleichtert. Weniger in rauchigem Lokal bei Karte oder Billard, Po­litik ober Fachsimpelei den innern Menschen ver­blöden lassen, aber in friedlichen Wettkämpfen und Spielen die Herzklappen gekräftigt und die Muskeln gestrafft, dann wird auch der Horizont größer. Die äußere Erscheinung darf noch so chick und smart sein, das Mart in den Knochen und der Soft im Rerv, gepaart mit klarer Denk- traft, sind es, die ausschlaggebend sind im gegen­wärtigen und bevorstehenden Daseinskampf Deutschlands, ganz gleich, ob dieser Kampf sich auf wirtschaftlichem oder militärischem Gebiet abwickelt.

Lind deshalb nochmals, wir brauchen Luft, Licht, Sonne und Dewegungs- Möglichkeit. Der Verein für Bewegungs­spiele bittet alle, je nach Möglichkeit und Mittel, bei der Errichtung der erwähnten Stätte für Körperkultur, die nach vorstehender Skizze im Dau begriffen ist, mitzuhelfen. Sie wird für jeden, der sich ernsthaft um die Erreichung des gemeinsamen Zieles bemüht, zugängig sein!

agrar bank. Sie ist organisatorisch und wirt- schaftlich durch Zusammenfassung aller landwirt­schaftlich interefsierten Organisationen des wirt­schaftlichen Lebens möglich: Aufgabe dieser Bank würde werden, Hypotheken-, Inventar-, Waren-, Meliorationskredite heranzuziehen und zu vertei­len. Ein solches Unternehmen ist nach, meiner Meinung durchaus geeignet, das Vertrauen der ausländischen Kreditgeber denn auf diese kommt es ja heute leider vor allem an zu schaffen. Ausländischer Hhpothekarkrodit würde zu erreichen fein, wenn das Reich auf die Eintragung von Vorhypotheken verzichtet. Es macht den Eindruck, als ob die Privatwirtschaft dem Aus­land ein besserer Garant erscheint als die Staatswirtschaft.

Ein weiterer Weg, um der dringenden Kce- oitnot zu steuern, geh! über die große Zahl voa Versicherungsgesellschaften: Feuer- Lebens-, Haftpflicht-, llnfallre.sicherungen und selbstverständlich auch der Reichsversicherungsan' stall für Angestellte. Rachdem jetzt wieder Gold markversicherungen abgeschlossen werden, die deut­sche Währung stabilisiert ist, werdeir diese Ver­sicherungen für Hypothetenhergabe Gelder sreibe- ko mm en. Die Gelder müssen g'eichmäßin -"en länd­lichen und städtischen Grundbesitz in Hypotheken» form zugeführt werven. Es i|t zu wun^e.i, oaß das Acichsaufsichtsamt für Prioatversicherungen sich dieser Llmlage besonders zuwendet. Hedrr Duloaukcatismus bei der Begebung dieser Hy- pothcken ist zu vernreiden: denn es handelt sich hier um Hilfe in höchste Rot

Auch den landwilllschafllichen Pächtern ist ihre schwere Lage zu erleichtern. Ihr gesamtes Inventar ist überwiegend dem Verpächter ver­haftet. Es ist nach meiner Meinung an der Zeit, em M 0 b i l i a r - P f a n d r e ch't zu schassen, wie es heute schon tn der Schweiz besteht. Dieses Pfandrecht müßte den gesetzlichen Pfandrecht des Verpächters vocangehen, aber zum Schuhe bei Verpächters mit der Maßgabe, daß eine Höchst­grenze der Belastung vorgeschrieben wird.

Die Grundlage der Existenzmöglichkeit jedes Deutschen £ann aber nur gewährleistet werden in der Schaffung von Devisen aus deutschem Grund und Boden.

Wirtschaft.

Zur Laqe des Kapitalmarktes.

2n den letzten Tagen hat sich auf dem Ra* in der Hauptsache allerdings nur für Dörsengeld eine gewisse Erleichterung her- ausgestellt. Diese ist daraus zurück uführen, daß viele Devisen, Dollarschatzanwll.ungen, Gvldan- leihen usw. zum Verkauf gelangten und daß in­folgedessen dem Geldmarkt nicht unerhebl che Ka­pitalien zuströmten. Auch d.e Erh.chmg der Re­partierungssätze am Devisenmarkt hat zur Erleich­terung beigetragen, da bisher die 'Levi enanmel- dungen in vollem Umfange gedeckt fein mußten: das dafür benötigte Kapital ist aber jetzt frei geworden, weil die Zuteilung jetzt schnell in vollem ilmfange erfolgt. Ferner hat die Ausdehnung der Steuereingänge durch Kommunal- un) Re chs- stellung zur Entspannung geführt. Dec Streik im Ruhrbergbau, dec die Auszahlung der recht beträchtlichen Lvhngelder in Wegfall kommen ließ, hat auch erleichternd gewirkt. Schließlich hat dazu noch beigetragen die Herabsetzung der Mindest­beträge auf Reichsbankgirokonto von 1C00 Mk. auf 100 Mk., die allein schätzungsweise 3540 Goldmillionen frei gemacht hat. Bei Prüfung aller dieser Momente findet man jedoch daß sie hauptsächlich mir börsentechnischer Art sind, die zum guten Teil schon bald in Wegfall kommen werden.

Im Grunde genommen hat sich an der deut­schen Kapitalnot nichts geändert. Sie wird zum mindesten nicht leichter werden, da die Reichsbank mit ihrer Politik der Kreüitverkürzung unbedingt fortfahren muß. Auch an einekleine Inflation" zur Behebung der Kapitalnot ist nach bestimmten amtlichen Erklärungen nicht zu denken; außerdem ist in beinahe alle Kreise die Erkenntnis ge- drungen, daß eine neue Inflation zur Bekämpfung der Rachwirkungen der alten Inflation das un­geeignetste Mittel dirstellt. Schon 'V ist bet Geldmittelumlauf mit 3,7 G-oldmilkiarden gegen- über 5,6 Goldmilliarden in der Vorkriegszeit reich­lich hvch, da außer den deutschen Zahlungsmitteln noch diele Devisen im Inland umlaufen und da der Rückgang der Produktion und die Verringe­rung des deutschen Reichsgebietes eine Einschrän­kung gegenüber, dem Vorkriegsstand um rund 40 Prozent als gerechtfertigt erscheinen läßt. Wenn trotz dieser hohen Ziffer die Geld- und Kapitalnvt in Deutschland so hoch ist, dann rührt diese Erscheinung nur daher, daß der Handel einen viel zu großen llmfang angenommen hat und dadurch viel Geld festhält, und daß viele Bargeld besitzen um nicht in Verlegenheit im Falle der Richtrückzahlung ausgeliehener Telräge zu kommen ihre Kapitalien festlegen lassen. Die hauptsächlichste Eicklärungsursache für die Kapitalnot liegt aber darin, daß bis vor kurzem noch das Bestreben vorherrschte, verkaufte Sub- ianz möglichst sofort wieder in neuen Waren oder in sonstigenSachwerten" anzulegen. Durch diese Geldanlagepolitik muhte ein Mangel an Kapital, namentlich an Betriebskapital, entstehen Wir haben jetzt einen lleberfluß an immobilen Prvduktionsanlagen, die vielfach infolge ihrer gro­ßen Ausdehnung niemals produktiv werden ar­beiten können, aber einen bedenklichen Mangel an flüssigem Kapital.

Prozeß der Bildung von Betriebskapital wird sich in der nächsten Zukunft so abspielen müssen, daß neue Sachwerte sz. B. Waren» und Fabrikneuanlagen nur noch in dem geringftnötigen

-ScftcfÄee/tQB

t

Da haben wir den ganzen Drauf- und Dran- Detlev und zugleich den ritterlichen Foeiherrn ohne Furcht und Tadel, der in einer Zeit der De­mokratie seinem König die Treue bis zum Tode 'fwlt. aber im politischen Gegner den Menschen achtet, den Gharakter und den Eigenwert. In einem Briefe schreibt er einmal:Ob Katholik, ob Protestant, ob Jude wenn man nur so lebt' wie das Gewissen vorfchreibt! Was soll demx dieser entsetzliche Religionsstreit--1 Schon daß

unsere kleine Erde, dieses Pünktchen im Weltall, der bevorzugte Stern fern soll ach, es ist alles anders!" Alle Spaltung, alle Abtrünmgkeit in­nerhalb des Volksganzen war ihm Irrweg, Irr­glaube. Die Hauptsache war ihm: wahres Men­schentum Edelmenschentum, innerer Adel. Den alten Kaiser verehrte er mit Inbrunst und immer war er geneigt, Großes zu bewundern. Edelmann, Eigen'herr, Mäzen hätte er fein mögen and fühlte sich doch umengt, nicht nur weil er fein Lebtagfa Göld" hatte, sondern auch, weil rings sich spießige Tugendsäure breitete und weil man ju seiner Zeit hohle lächerliche Göhenanbetung, trieb, bombastischem Schein huldigte unö mit un­begründetem Hubel umtanzte. Aus dieser Enge, diesen protzig aufgeputzten Alltäglichkeiten freien ihn seine Hymnen auf die llngebunden- heiten des Lebens fälschte er für die Offfentlich-- keit sein Konterfei um zu einem seinen Trieben! untertanen, oberflächlichenBruder Lüderlich". llnd war doch im Grunde wie die schönsten Ge­dichte seiner gequälten Seele und dir Briefe, die sie erböh.en, zeigen von schamhafter Zartheit des Gefühls. In einem feiner Briese häßt es: Glückliche Gesichter, glückliche Menschen macken:

und nicht immer fragen: ist er auch meiner Hilfe würdig? Wäre ich denn einer Hilfe würdig im umgekehrten Falle?" Lind in einem anderen: Rützen soll eigentlich unser Ziel fein und man kann das glaube ich, auch, im Soldatenstande aber je mehr ich darüber nachdenke, desto düste­rer und verwirrter werden meine Gedanken".

Soldat. Offensivmensch ist er bis zu seinem letzten Atemzuge geblieben. Wie Kleist sank auch diesem Sänger tränend die Leier aus den Hän­den, ehe dec große Krieg kam, dem er Hahczehnte lang seine Arane entgegengestreckt (jat.Meinem Vater lande, wenn es unter tausend Wunden stöh­nen würde wie ein gebunden Tier, durch kühne Wagnisse Stützen zu geben, der Wunsch hat mich nie verlassen!", schreibt er einmal. Da er einmal, unter einer Buche" ruhend, über Gott und Welt Und Leben und Tvd sinnt, kommt er zu dev Einsicht:

Haß aber, Reid und Mißgunst Sind unausrottbare Raubtiere!

Und bis ans Ende der Dinge

Wird unter uns Menschen auf Erden Das Kriegsbeil

Richt vergraben werden.

Das humane Getue aller Freunde eines ewi­gen Friedens findet er absurd. Im Kriegshand­werk sieht er en.e notwendige Tugend des wahren Bürgers und DvUsgenvssen. Keineswegs ist er indes blind für die Sch ecken und Abicheulich- feitert des Krieges, für Brutalitäten, Verwilde­rungen und Zerstörungen in dessen Gefolge. Im Gegenteil! SchmerKcrstickten Herzerrs und fruchten »4Ls malt er in Gedichten wie in denKriegs- {

Novellen" den Krieg in seiner ganzen verderben­bringenden Widera-ärtigkeit, die uns in rasende Verzweiflung wirft.

Doch nichts weniger war Liliencron als sich zergrübelnder Trübsalbläser. Seit im Hahre 1884 des 40jährigen erstes schmales Lyrikbändchen un­ter dem wunderlichen TitelAdjutantencittc und andere Gedichte" erschienen waren, dichtete es in ihm aus dem Leben aus der Ratur heraus, v e r - dichteten sich in ihm Leben unö Ratur zu Ge­dichten. die noch heute taufrisch, sonnig und blut­voll sind wie an ihrem ersten Tag.

llnd es war ihm, dem noch heute zu llnrecht viel Derlästecten,

Das edelste Wort.

Selbstzucht:

-Und um das gewaltige Wort

Stick' ich den Stachelll:anz: Tod aller Weichlichkeit.

Ueber mich aber komme die Kraft GotteS

, Den ich suche, Seit ich denken kann.

Die Kraft Gottes, die der Mensch Liliencron vergeblich suchte ward toirlfam in seiner Dichtung, lodert leuchtend aus feinen Liedern.

»Daß du gesegnet seist, mein Vaterland! Wie bin ich stolz, ein Deutscher zu sein!" So nef ec einst. O txrh die Zeit bald komme, da wir Dat­schen wieder allesamt den gleichen inbrünstigen Ausruf auf den Lippen und in den Herzen haben könneni