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Nr. 284 Zweites Blatt

Sietzener Anzriqer (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 2. Dezember (921

Stenotypistinnen

durch Verforgungsanwär-

1er erseht werden können. Der Reichsminister Des Innern Hot eine zusagende Antwort erteilt. »Voraussetzung würde sein müssen. daß die Versorgungsanwärter mindestens das gleiche wie die weiblichen Angestellten leisten, das) eine Er­höhung der Kosten durch solchen Austausch nicht ctntritt, und das) endlich die zu ersehenden weib­lichen Kräfte weder Ernährer ihrer Familien noch als Alleinstehende unbedingt auf Erwerb ange­wiesen sind." Der Reichspostminister hat eine Antwort erteilt, die In Kreisen der Zivildienst- berechtigten nicht ganz befriedigt. In dem Schrei­ben des Ministers wird erklärt, das) im Fern­sprechdienst Beamtinnen tätig seieir. Demgegen­über wird von den Zivildienstberechttgten darauf hingewiesen, dah der Ansicht von der beson­deren Eignung weiblicher Kräfte für den Fern- sprechdierftl entgegenzuhalten sei, das) während des Kriege- unter weitaus schwierigeren Verhält­nissen der Fernsprecher von männlichen Kräften bedient worden sei. 3m Eisenbahnibfertigungs- dienst und in einer Reihe von Zentralen (Reichs- Versorgungsgericht, Reichswehrministerium usw.) seien nur männliche Kräfte tätig Außerdem sind noch von anderen Reichsbehvrden Erklärungen zu dieser Frage abgegeben worden, die teils ab­lehnend, teils ausweichend sind.

Es hat den Anschein, das) die staatspolitische Tragweite dieser Angelegenheit nicht von allen Steilen voll gewürdigt wird. Gerade dir Zivil- versorgung ist der Kernpunkt zur Gewinnung tüch­tiger Kräfte für die Reichswehr und für du Schutzpolizei sowie eines gefunden Rachwuchses für hen unteren und mittleren Beamten körper.

liche und 11 weibliche) vorhanden, so waren eS wn Stichtag (30. Rovember) nur noch 43 (35 männliche und 8 weibliche) Es ist dies allerdings immer noch eine verhältnismäßig grobe Zahl, die ohne Verdienst sind, es bestehl aber die Hofs- nung, dab die sinkende Tendenz weiter anhält und die Zahl immer neiner wird Run scheint auch die Durchführung deS Wiesen- projektes anläßlich der F.'ldber inigung eine greisbare Gestalt anzunehmen, wob i eine gröber: Anzahl der Erwerbslosen ein. wenn auch nur vorübergehendes Unterkommen finden werden. Die Zahl der Zuschlagsempsänger crni.br g*.c sich im gleichen Zeitraum von 59 aus 46 (12 Ehe­frauen und 34 Kinder). 3n der Wohl­fahrtspflege trat nur eine Heine Vertäue- bung ein. Die Ziffern betragen hier 53 Sozial­rentner und 19 Kleinrentner gegen 52 bzw. 19 im Vormonat.

Lollar, 1. Dez. Die beiden Kurzschrift­vereine unseres OrteS, .Stenographenvereini- gung Stolze-Schrey" undStenographeavereln Gabelsberger", haben srch vereinigt, um sich auf die Reichskurzschrift umzustellen. Der neue Verein, der in Zukunft den Ramen ,K u r z - schriftverein Lollar" führt, beirachtet es als seine Aufgabe, die Reichskuczschrrst in jeder Weise zu Pflegen und zu fördern. Mit einem A n - fängerkursus soll in aller Kürze begonnen werden.

ll. Lollar, 1. Dez Einen sÄltenschönen Kunst- genuh bot gestern abend der Arbeiter- gesangverein ,Vorwärts" mit seinem diesjährigen Konzert. Versprach schon der Ruf, den der Verein geniebt, nur Gutes, so wurden doch alle Erwartungen von dem Gebotenen weit übertroffen; ein schönes Zeugnis für den groben Fleiß und die völlige Hingabe zum Gesang Als Solist en des Abends wirkten Heinrich Müller (Bariton) aus Frankfurt a. M. und der frühere Etabstrvmpeter Topp (Piston) aus Greben mit. Stürmischer Beifall aus dem.übervollen Saale be­lohnte die Sänger und Solisten sowie das vor­züglich spielende Orchester. Der veranstaltende Verein ist zu seinem Erfolg nur zu beglückwünschen.

eu. Alten-Duseck, 29. Rov. Der Sohn des Ortsdieners verunglückte beim Holz­laden, so dab f-'ine äleborführung in die Klinik nach Dieben notwendig wurde.

Bg. Gr.-Dusect, 1. Dez. Allerorten im Dusecker Tal mehren sich die Klagen darüber, dab bereits um 71/» 11 b r abends der letzte Personenzug von Giehen in der Richtung nach Fulda abgelassen wird. Obwohl so nahe der Provinzhauptstadt, sind die Bewohner unseres Tales von dem geistigen Leben Giebens voll­kommen ausgeschlossen. Konnte man sich während der wärmeren 3ahreSzeit den Besuch eines Vor­trages, Konzertes oder des Theaters durch einen nächtlichen Heimmarsch erkaufen, ist dies jetzt bei der schlechten Witterung des Herbstes und Winters nicht mehr möglich. Richt einmal der Sonntagabend kommt in Frage, da man bereits um 12 Uhr mittags in Dieben eintreffen mühte, um abends das Theater usw. besuchen zu können, denn mit dem Abendzug käme man zu spät. Erne Gelegen hell zur Rückfahrt besteht auch Sonn­tags nicht. 3n gewissen Kreisen besteht die Ab­sicht, baä Hessische Landes-Wander- Theater um Besuche zu bitten, eine Mah- nahme, von der man seither mit Rücksicht auf Giehens Rähe abgesehen hat. Wir geniehen wohl die Schattenseiten der Rähe einer gröberen und teueren Stadt, von den Vorteilen fchlieht man uns aber aas. Wie lange soll das noch so sein? Mit der Errichtung des zweiten Trans- formatorenhauses wird in Kürze be­gonnen. Damit dürfen wir darauf rechnen, dah in absehbarer Zeit die Bewohner der zahl­reichen neuerbauten Häuser nicht mehr auf die Petroleumlampe angewiesen sind, und dah die Lichtstärke, die sehr viel zu wünschen übrig läht, wesentlich erhöht wird. Durch Umbau einer im Pfarrhofe stehenden alten Heinen Gebäulich­keit wird ein Raum geschaften, in dem die älebungs stunden des Posaunen- und Mädchenchores stattfinden können. Da unsre Kirche nicht heizbar ist, wird hiermit einem dringenden Bedürfnis abgeholfen. Die nötigen Mittel werden durch freiwillige Spenden bzw. Arbeitsleistungen aufgebracht.

eu. Beuern, 30. Rov. 3m Dolksbil- dungsverein sprach heute abend im gut- besctzten Saale des Holländischen Hofes Prof. Dr. Helmke-Giehen über vorgeschichtliche Siedelungen in Deutschland und besonders in Oberhessen. Seine Haren Ausführungen weckten lms Interesse bei vielen und wurden mit groben Beifall ausgenommen. Dem 2. Vortrag sieht man mit noch gröberem 3nteresse entgegen, da er sich mit den Ausgrabungen in unserer Ge­markung beschäftigen wird. Der seitherige Vorstand des Volksbildungsvereins, mit Leh­rer Rau als Vorsitzenden, wurde für das neue Dereinsjahr wiedergewählt.

f Watzenborn-Steinberg, 30. Rov. Die von der hiesigen Ortsgruppe des Evangel. Bundes veranstalteten Gemeindeabende

fanden am Samstag in Watzenborn im .Goldenen Hern ' und Lo.mtag in Stei Werg in der .Krone" statt, sie waren zugleich als Konfirmanden- abc n be gedacht und entsprechend eingerichet. Rach Bcg ü -ung durch den 1. Dor itzr -den All- ;g:rm eiltet Hirz legt: der Ortsgeill.che, Pfatret Stau dach, das Pr gramn Lc3 Bi n des und den Grundg danken d s Gemeind abends dar. Es folgten kam 6' farbenprächtige Licht­bilder, d^e unsere LutherS Werk und Leben vor Augen füh ten_ Die <i zelnen Bil er toirei be gleitet von Erläuterungen des ^?fa re es u b cn Iprechenden Gedichtvortrng n der Konsi Minden. Aus LutherS<r ften gib uns Leh er P h i l i p p Proben die unS u s.res Reform tors Glau en - stäke, kindliche son ige Art so rech z^m D.wußt- sein brachten Für den musikalischen Teil deS Abends sorgte, wie stets in gewohnt mustergülti­ger Art, unser Kirchengesangverein. Beide Säle waren dicht gestillt von einer andäch igen Gemeinde, die die alten Choräle und Weiten in tiefer Andacht sang.

* Holzheim, 27. Rov. Gestern abend fand hier eine sehr stark besuchte Wählerver­sammlung der Deutschnationalen D o l k s p a r t e i statt, in der der Landtagskandi- turt Dr. Lenz, Giehen. über Fragen der natio­nalen Politik einen zweistündigen Dortrag hielt. Die Dersammlung gestaltete sich zu einer ein­drucksvollen Kundgebung für den nationalen Ge­danken unb schlob mit dem Gesang des Deutsch­landliedes.

ri. Lich, 1. Dez Ein besonderes Ereignis für bie Frauen und Mädchen unterer Stadt waren zwei Dorträge, die Frl. Hardt vom Der- liner Zentialausschub für Dolksmisston h eit. Der Gemeindesaal vermochte kaum b;e vielen Besuche­rinnen aus allen Ständen und Altersklassen zu fasten, die mit gespannter Aufmerksamkeit den Dorträgen zuhörten. Die Rednerin sprach über Wir Frauen und bie Rot unseres Dolkes", wobei sie im ersten Dortrag Bilder von der äuheren, im zweiten Dortrag Bilder von der inneren Rot des Dolles zeigte und die ent­sprechenden ernsten Folgerungen daran knüpfte. ES besteht Aussicht, dah auch in unserer Stadt Dorträge der (Siebener Hochschul­gesellschaft stattsinden. Die Kiichcngemeinde will baür den Gemeindesaal in der Kirchgasse zur Verfügung stellen.

~ Rodheim ad. Hvrloff, 1. Dez. Am SamStag fand hier eine von der Rational- sozialistischen Freiheitspartei einbe­rufene Wählerversammlung statt. Sie war von Rodheim unb Steinheim stark besucht. Der Redner, Lehrer RingShausen -Offen­bach, verbreitete sich in etwa 2V,stündiger Rede eingehend über Wesen und Ziele der Rationcrl- sozialisten und über bie politische Haltung der anderen Parteien. Die Versammlung hörte.ihm mit grober Spannung zu. Eine Diskussion fand wegen der vorgerückten Stunde nicht mehr stall.

Kreis Schotten.

Schotten, 1. Dez. Die von Pfarrer Weidner,Oberlais, gegründete .Evan­gelische Dolksgemeinschaf t", bie den politischer Notwendigkeiten mit evangelischen Grundsätzen begegnen will, konnte bei der kom­menden Lairdtagswahl keine Derücksichti- gung finden, da der Wahlvorschlag nicht rechtzeitig eingereicht war.

-k- Schotten, 1. .Dez. 3n der Vorkriegs­zeit entfalteten die zahlreichen Metzgereien unseres Städtchens eine lebhafte Tätigkeit auf dem Gebiete des Wurst Versands, und bie Schotteuer Dauerwurst'' wurde weithin gern getauft Die Kriegs- und 3nflationszeit unter­grub jeglichen Versand, bie Geschäftsverbindun­gen wurden durchschnitten. Rach zehnjähriger Pause macht sich nun in diesem Herbste eine langsame W iederbelebung des Der- sandgeschäftes bemerkbar. D.ie alte Kund­schaft meldet sich wieder, neue kann hier und da gehörten werden, so dah die Hoffnung be­steht, /in einigen Jahren den vorkriegszeitlichen Geschäftsumfang wieder erreichen zu können.

Kreis Büdingen.

Ridda, 30. Rov. Anläßlich des Aus­scheidens des Oberamtsrichters R ö m h e l d aus dem Staatsdienst fanden sich gestern die Be­amten des Amtsgerichts, die Standesbeamten des Amtsgerichtsbezirks und Freunde und Bekannte des Scheidenden im Gastbaus zur .Krone" zu schlichter AbschieoSseier zusammen. Heber der ganzen Dersammlung lag der feierliche Ernst einer Schcidestunde, Wunsch unb IBilte, einen Tempel der Liebe unb Dankbarkeit dem zu bauen, mit dem man in langjähriger, treuer Ar­beitsgemeinschaft verbunden war. Ramens der Beamtenschaft des Amtsgerichts dankte Amts­gerichtsrat Muhl dem stets wohlwollenden, vor- o üblichen Vorgesetzten, dessen Derdienste um den Staat er warm feierte 3n warmen Worten ge­dachte im Ramen der Ortsgerichtsvorsteher Bür­germeister Dirken st ock von Ranstadt des Scheidenden und seines verdienstvollen Wirkens,

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

£ Wiescck, 2. Dez. Die ftn Herbst dieses 3ahreS einsetzende Besserung auf dem Ar­beitsmarkt hält weiter an und hat auch rm vergangenen Monat ein weiteres Sinken der Ziffer der von der Gemeinde zu unterstützenden Arbeitslosen veranlagt. Waren im Oktober noch Insgesamt 59 llnterstutzungsberechtigte (48 männ-

Die Iivilversorgung.

(Don unserer Darmstädter Redaktion.) Die Frage, ob dem Militäranwärter die An- stellungSgrundsähe einen Rechtsanspruch auf An­stellung verleihen unb den Staats- und Stadkver- waltungen bie Pflicht zur Anstellung dadurch auf- erlegt wirb, ist erst jüngst wieder durch ein Rechts- gutachten des Professors Dr. KaZkel von der Universität Berlin in bejahendem Si.rne entschie­den worden. ES heiht darin: .Der Inhalt dieses persönluhen Rechtes auf Anstellung nach Maß­gabe bet besonderen Bestimmungen der Anstel­lungsgrundsätze ist daS Recht auf Einberufung in eine Stelle bet betreffenden Stellengattung, sobald der Anwärter bei Besetzung der Stellen, gemäh den Grundsätzen an bie Reihe kommt" Die Wirksamkeit des Dollrechts hängt also ledig­lich von dem Eintritt dieser Bedingung ab. Dieses Recht gehört zu den .wohlerworbenen Rechten", deren Unverletzlichkeit unter Aufrechterhaltung des Rechtsweges durch 2lrtikel 129. Abs 4 der Reichs­verfassung besonders gewährleistet ist.

Die Rechte der Zivildienstberechtigten werden zur Zeit völlig illusorisch gemacht durch Aussichts­losigkeit überhaupt eine Stellung zu erlangen. Die Anstellungsgrundsähe werden in den Län­dern darunter auch in Hessen so lässig ge­handhabt, dah manche Stelle bei einer Behörde, woraus ein Zivildienstberechtigter Anspruch bat, durch andere Anwärter besetzt wird. 3m hessischen Landtag war von Abgeordneten der Deutschen Volks Partei an die Regierung das Ersuchen ge­richtet worden, bei der Durchführung der Abbau- mabnahmen auf die wohlerworbenen Rechte der MUitärdienstanwärter dadurch besonders Rück­sicht zu nehmen, dah diese erst nach anderen Kate- Stien von Angestellten entlassen werden. Der ntoag ist im Landtag zur Sprache gebracht worden, von feiner Seite des Hauses erhob man Widerspruch, aber die Regierung hat sich in Schweigen gehüllt. Sie hat keinerlei Erklärung dazu abgegeben, wie sie gedenkt, das Unrecht an den Zivildienstberechtigten wieder gut zu machen, daS dadurch geschehen ist, dah man sie Persönlich­keiten, die irgendwie und sei es auch seit kurzer Zeit, in den Staatsdienst eingetreten sind, gleich­stellte.

Auch die Reichsbehörden verfahren bei der Anwendung bet Anstellungsgrundsähe nicht so wie sie sollten: daher ist die Zahl der Stellen­suchenden auherordentlich grob. Mm bie Dersor- gungsanwärter unterzubringen, bie bereits eine Militärdienst zeit von 12 unb noch mehr Jahren hinter sich haben, hat der Reichsbund der Zivil­dienstberechtigten an eine Reihe von Reichs­behörden Eingaben gerichtet, in denen im Hinblick auf die nützliche Lage der Versorgungsanwärter gebeten wird, zu prüfen, ob weibliche Kräfte im Fernsprechdienst und im Schreibdienst

würdigte ihn als Mensch und Beamten und be­dachte ibn mit herzlichen Wünschen für bte Zu­kunft. AIS Vertreter der Stadt Ridda riäfete Bei­geordneter RingShausen herzliche Worte an den verdienten Beamten Geb Rat R ö in h e 1 d dankte in bewegten Worten für die ihm ertrtefene Ehre und sprach den Wunsch aus, daß eS ibm auch in seinem Ruhestand vergönnt sein möge, weiter­hin im Dienste deS Guten und Groben wirken zu können. Den rnusikaltschen Teil hat.en Bürger­meister M e n a e l - Schotten und Iustizinspektor Da pper-Ridda übernommen. Ihre Darbie­tungen trugen mit dazu bei. bie Feier zu beleben unb würdig zu gestalten

nd. Ridda, 28. Rov Gestern abend bieh hier im GamdrinuSsaale Dc-nvalttingsinspektor a. D. Heinrich Wagner einen Vortrag mit Lich.b Idern über leine Erlebnisse in China, wozu die hiesige Ortsgruppe der Liga zum Schuh der d.u.schen Kultur eingeladen ha.te Die Veranstaltung hatte sich eines starken "Mud)* zu erfreuen. Die sehr interessanten Ausführun- gen wurden daich vorzüglich.- Lichtbilder wesent­lich ergänzt unb fanden bei allen Zuhörern groben Beifall.

Ridda, 1. Dez. Die Deutsche De­mokratische Partei hielt am Freitagabend hier ihre erste Wäblerversarnmlung ab, die sehr gut besucht war. Rachdem Studienrat Lauch- bart> von hier die Versammlung eröffnet batte, sprach Amtsger chtSrat T hu r n au Lauterbach über die politischen Verhältnisse Deu.slt'.ands vor, während und nach dem Weltkrtege und die Mit­wirkung der einzelnen Parteien bei diesen Ereig­nissen. Seine Worte fanden bei der Mehrzahl der Anwesenden groben Beifall. Hieraus hielt Ministerialdirektor Mrftabt aus Darmstadt einen zweistündigen Vortrag über die Auswer­tung, den Ruhrkampf, die 3nflation, die Er füllungspolftik und schließlich über die hessische RegierungSpolitik und die Steuerfragen. Heute, Montag, wird Prof. Dr. Werner auS Butz­bach hier in einer Wählerverfammlung der Deutschnationalen Dolksparlci spre­chen. Dann ist nur noch daS Zentrum die einzige gröbere Partei, die hier noch keine Wähler- versannnlung abgehoben hat.

* Dauernhcim (Wetterau), 29. Rov. Ge­stern abend sand hier eine Wahlversamm­lung der Deutschnationalen Volks- partei statt, die autzerordentlich stark besucht war. 3n zweistündiger Rede legte der LandtagS- kandidat der Deutschnationalen Dolksvai-tei, Dr. Lenz, Gießen, die Grundlinien nat onalcv Po­litik dar. ötarfer "Beifall belohnte den Redner für seine Ausführungen. Eine Diskussion fand, da keine Diskussionsredner eingetroffen waren, nicht statt.

KrciS Friedberg.

sf. Friedberg, 28. Rov. 3n seinem zwei­ten dies Winter liehen Vortragsabend war es dem Volksbildungsverein wiederum ver­gönnt, in Prof, der Geologie Dr. Harassowitz einen bedeutenden Gelehrten der Gießener Hochschule gewonnen zu haben. DaS Thema W le der Rhein entstand" war gewiß ge­rade in der Gegenwart so rocht geeignet, das 3nteresse zu wecken, und dah dies auch der Fall war, das bewies die zahlreiche Zuhörerschaft und die Spannung, mit welcher man dem zwei­stündigen vortrefflichen Dortrage folgte.Wie entsteht ein Muh?" Hm diese Frage zu beant­worten, mutz man daS Flubgebiet als ein GanzeS betrachten: nicht die Quelle allein ist es, die die Hauptsache bildet, da diese ja oft nur sehr un­bedeutend ist, fonbern auch die Rebenflüsse, die ost bedeutender sind, wie der Flutz selbst. Der Lauf eines FlusseS ist oft sehr veränderlich, durch Ausräumen und Aufschütten treten allmähliche "Veränderungen ein An der Hand einer Reihe prachtvoller Lichtbilder zeigte der Redner, wie sich der Rhein in nranchcm Gegenden tief in das Ge­birge einschneidet, in anderen wieder flach dahin- läust. Aber auch die Veränderung der Landschaft selbst wirft oft verändernd auf den Flußlaus, da es oft vorkommt dab .sich das Gelände selbst senkt, wie hebt. Durch das Heben des Geländes mub sich der Fluh immer tiefer eingraben unb bildet bann im Laufe der Zeiten sogenannte Ter­rassen, wie man diese z. D. in der Gegend von Dingen und an der Loreley deutlich beobachten kann. Auch das (Einbringen eineS Flusses durch rückwärtiges Einfthnerden in ein anderes Flutz- gebiet bringt oft eine vollständige Veränderung er Wasserläufe mit sich, wie das an zahlreichen Kartenbildern Har bargestellt wurde Auch unser Rhein hat sein Bett im Laufe der Zeiten geändert: so ist nachweisbar, dab er früher in der Gegend von Al^y nach Dingen zu floh, wenn auch nicht festzustellen ist, wie der weitere rückwärtige Ver­lauf war. Grotzbritarmien hing früher mit dem Kontinent zusammen, bie englisch n Flüsse waren Rebenflüsse des Rheins. Das Delta des Rheins lag weithin drautzen in bet Rordsee. Holland ist heute ein Senkungsgebiet und durch Deiche künst­lich gegen das Eindringen der MeereSfluten ge­schützt, die Mündung des Flusses bildet ein Häg-

rein rein

Hreis bet schlichen Mbänbe,

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frankfurter Schauspielhaus.

AuS einer Hnreife und absoluten Verkehrtheit be: Anschauungswe.se von Weltanschauung #1 reden, wäre h er deplaziert, die nur erklärlich ist aus der Hemmungslosigkeit der Gegenwart, (ft das Schauspiel von Arnolt Dronnen hervorgegangen: »Die katalaunische

Schlacht". Eine gewisse Strömung hat versucht, Dronnen als eine dichterische Persönlichkeit aus- zugeben. Mit dieser 3llusion hat die Katalau­nische Schlacht gründlich aufgeräumt, ohne datz es dessen eigentlich bedurft hätte, beim schon Dron- nenS .Daterinord", bie Tragödie anormaler Pubertätskrisen und noch mehrAnarchie in Cillian", beides dichterrsche und theatralische Mis-- erfolge nach jeder Richtung hätten die Situation hinreichend geftärt, wenn wir in Zetten fiarer, gefertigter Ilrteilsrnöglichkeit lebten. Aber wir leben in einer Zeit, der es anscheinend schwer fällt, Kitsch von Kunst zu unterscheiden, die alles als Philisterei niebcrbrüllt. was sich den ethi­schen Grundgesetzei' unterstellt und d'.e bis zur Perversität gesteigerte Zügellosig eit verurteilt, □üir aus diesen Gntwicklungskrisen, bie niemals sittliches Reuland erreichen, ist es erllärttch datz in schwerer Zrrtnmeb fangenhett ober im Banne einfettiger 2luffaffungen baä Schaffen Arnolt Bronnens so verkannt werden konnte, dab man immer noch dichterisch? Hoffnungen auf ihr softe. Das ist nach dem absoluten F.asko d:rKata- launischen Schlacht" in F.ank uel. wo sich bie Ur­aufführung be.nahe zu einem heaterlrandal ge=

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stallet hätte, endgültig vorbei. Dieses Stück ist nicht nur übelster Kinokitsch, es ist auch technisch mißlungen. Es hat feinen stttlichen Gehalt, seine Tendenz jedoch ist derart, datz die entrüsteeui Proteste des grötzten Tests des Publikums durch­aus verständlich sind. Es handelt sich um bie Deziehungen von Mann unb Frau, für die es bei Dronnen nichts anderes als die triebhaft- geschlechtliche Einstellung gibt, unb ist das schon grundsätzlich falsch, so ist die Erbärmlichkeit, mit der die Männer Deutsche im Schützengraben, bei von den F.anzosen gestürmt wird gezeichnet sind ein Druder schuft den andern in den Tod, um dessen verkleidet im Schützengraben wei­lende Frau zu besitzen (!), abstvtzend im höchsten Grade, denn wo ist bie ,dichterische" Rotwenbigkeit einer solchen Zeichnung. Sie Stimme des Toten tönt bann von einer Grammophonplatte. 3n e nun Pariser Kmo wird der Drudermörder von der F.au erschossen, im dritten 2öt nimmt das zarte W.tzb endlich Gift. Don einer Handlung im Sinne psychologischer ober intelHma'.er Gestaltung von einem fünft- Icr.schen Formwillen oder Ausbau, von emer sittlichen Tendenz kann nicht die Rede sein unb unter normalen Drohällnis en würde Lin Theater daran denken, en solches Stück a fz süh en. Hier aber kämpften die Künstler des F.arksrrter Schau- sp.elhanses unb bas sei mit rückhaltloser An­erkennung ihres hohm künstlerischen P'llichtgesühls betont mit dem Einsatz ihres besten Könnens um ein Machwerk, über das man rasch zur Tages­ordnung überginge, wenn es nicht als hyper­

modernes unb -mondänes Kullurdvkument symp­tomatische Bedeutung gewönne. L. W.

III. Rcger-Acst der

Max-Reger-(Ycscllschaft in Dresden.

Unter dem Zwang bet wirtschaftlichen Ver­hältnisse muhte das Reger-Fest auf drei Konzerte zusammengedrängt werben. Dennoch trug bie Ver­anstaltung einen überaus festlichen Charakter und hinterlieh bei allen Teilnehmern tief­gehende Eindrücke. Das Orchesterkonzert brachte unter der Leitung von Fritz Busch zu­nächst als Präludium des Ganzen die überaus virtuos gespielte .Lustspiel-Ouvertüre", von wo bas Violinkonzert in Adolf Buschs unvergleich­licher Wiedergabe unmittelbar auf bie Höhe reif­ster Kunst führte, während bie »Romantische Suite" den Qlbenb in herrlicher, beglückender Weife abschloh. Diesen Orchesterklang mag sich Reger geträumt haben, als er dies letztere pro­blemfreie Werk niederfchrieb, und ein Zusammen- musizieren, wie es die beiden Drüber Dusch zu Ehren Regers gaben, gehört zu den ganz seltenen Erlebnissen nn Bereich nachschaffender Kunst. Das Kirchenkonzert in der Kreuzkirche Der» mitteüe die Bekanntschaft mit dem ausgezeichneten Bremer Domchor, der unter seinem hervor­ragenden Dirigenten Eduard Röhler die viel zu wenig bekannten A-capclla-(Sböre auS op. 39 und op. 138 fang. Zwischen den Ehören spielte Adolf Dusch Präludium und Fuge aus op. 117. Das Ganze wurde umrahmt durch die Choralfan- taste für Orgel^Wachet auf, ruft uns die Stimme"

und bie Fantasie und Fuge über den Ramen B-A-C-H. Für den im letzten Moment verh'nder- ten Professor Karl Straube war Fr. H e 11 m a n n von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Ber­lin eingesprungen: obwohl die Wirkung unter der Heberafuftif der nur mäßig gefüllten Kirche litt, hatte man dennoch von dem technisch überlegenen, wundervoll rhythmischen unb plastischen Spiel des jungen Orgelmeisters einen ganz großen Eindruck. Den Deschluh des Festes machte ein Kam - mermusik-Morgenkonzert des Adolf- Dusch-Quartetts (Aböls Dusch, Gösta An- dreasson, Ernst Doktor, Paul Grümmer), in dem bie Quartette A-Dur op. 54 und Es-5)ur op. 109 eine überwältigende Wiedergabe erfuhren. Zwi­schen den beiden Quartetten spielte Rud. Serkin die Dach-Variationen op. 81 für Klavier. Die großartige monumentale Steigerung der Varia­tionen und der Fuge gelang ihm in einer Weife, bah man sich von bem jungen Künstler noch ganz Großes versprechen bars.

Anschließenb fanb die Mitgliederversamm­lung der Max-Reger-Ge'ellschaft le. D.) unter dem Ehrenvorfitz von Frau Dr. Max Reger statt. Ge- neralmusckbirektor Fritz Dusch erstattete Bericht über die günstige Entwicklung der Gesellschaft im letzten 3ahre. Die Mitgltederzahl beträgt gegen 1900. Es bestehen 18 Ortsgruppen, bie in eigenen Veranstaltungen ber Kunst Regers dienen. Unter mehreren Angeboten für bie Veranstaltung des nächsten Reger-Festes wurde Essen als Feftort bestimmt.