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Landwirtschaft und Gartenbau.

Die Temperatur in den Viehställen.

Sn HerSHuflr. Landw. Ztg." veröffentlicht der Snspektor Erich Scholz, Dom. Meesendorf, Kreis Reumorkt i. Schl., interessante Mitteilungen über die Temperatur in den Viehställen und ihre Bedeutung für gesunde (Aufzucht der landwirt- schaftlichen Haustiere. Dem Aufsatz entnehmen wir die nachstehenden Stellen:

Wie wichtig Neben sachgemäßer Fütterung die richtige äußere Lebenshaltung unserer Haus­tiere für eine gesunde und rentable Aufzucht ist, hat man besonders in den letzten Jahren erkannt. Welches ist die unseren Haustieren zuträglichste Stalltemperatur, und wie läht sich diese am leichtesten erreichen? Allgemein sollte der Grund­satz gelten: Die Stalltemperatur ist nach Möglich­keit der Außentemperatur anzupassen. Für die warme Jahreszeit dürfte dies von Aatur schon der Fall sein, und es sollten im Sommerhalbjahr die Fenster überhaupt nicht geschlossen werden. Leichte Zugluft ist hier immer noch weit besser als Stalldunst, der sich im Laufe der Zeit den Tieren auf die Lunge legen muh, und wenn nicht zum unmittelbaren Erreger, so doch zum eifrigen Förderer der in den letzten Jahren in unseren Rindviehbeständen so erschreckend auftretenden Lungentuberkulose wird. Jedoch nicht nur in milder Jahreszeit, sondern ^anz besonders auch im Winter sollte man der Stallentlüstung seine ganze Aufmerksamkeit schenken. Wann entstehen Erkältungen? Aie bei sich gleichblerbender Tem­peratur, meist bei krassem Temperaturwechsel. Selbst im strengsten Winter also sollte man die Temperatur so niedrig wie möglich halten. Sich gleichbleibende, auch noch so niedrige Tempe­ratur schadet nie, sondern härtet ab! Ich habe diese Beobachtung im Gebirgsklima der Graf­schaft Glatz sowohl bei Rindvieh und Schweinen, wie bei neu importierten belgischen Fohlen ge­macht, und einen ganz typischen Fall, wie gesuiü» natürliche Temperatur selbst bei strengem Winter ist, beobachtete ich in meinem augenblicklichen Wirkungskreis: Infolge Stallmangels war man gezwungen, den Stamm einer neu zu gründenden Schafherde in einer alten Scheune unterzubringen, die in allen Fugen-undicht ist und den Tieren nur Schuh gegen Anwetter bieten kann. Die Lammzeit der gedeckten 70 Muttern begann Anfang Januar, in einer Zeit, wo buchstäblich das Tränkwasser gefroren war. Das Lammen ging trotz strengster Kälte (68°) glatt vonstatten, ohne mehr Ver­luste, als sie sonst einzutreten pflegen. Sämtliche Muttertiere zeigen einen tadellos entwickelten Bau bei einem Wolle-Durchschnittsergebnis von 12 Pfd. pro Kopf, und die Lämmer versprechen nicht schlechter zu werderi.

Wie ist es nun möglich, in unseren Viehställen die richtige Temperatur zu erreichen? Wie können wir unter Vermeidung starker Schwankungen in der Temperatur eine sachgemäße Stallentlüftung schaffen? Hierzu bedarf es in der Hauptsache einer gut durchdachten, richtigen Einstellung der Fenster bzw. Lüftungsvorrichtungen. Je nach Windrichtung muh man sich angewöhnen, die Fenster zu öffnen, halb zu öffnen oder zu schließen, ein Moment, boS vielleicht selbstverständlich er­scheint, in der Praxis jedoch vieler WoHe bedarf. Anpraktisch sind Stallfenster mit Seitenschar­nieren, die bei starkem Wind festgeklemmt wer­den müssen und sich außerdem niemals beliebig weit einstellen lassen. Am praktischsten habe ich sogenannteKippfenster" gefunden. Am eine etwas unter der Mitte sich befindliche Achse drehend, öffnet man nach Lösen des Riegels durch einen Stoß an den oberen Rahmenrand, loorauf das Fenster sich etwas über die Mitte nach unten dreht und eine schiefe Ebene bildet. Das hat zur Folge, dah av den Fenstern ein Luftstrom stets von obenher entsteht, so daß die Stallung in ihrer oberen Hälfte einer steten Ventilation aus­gesetzt ist. Anterhalb der Fenster. dagegen merkt mav von Zugluft selbst bei starkem Winde nur wenig.

Während man in gewöhnlichen Ställen mit einer Entlüftung durch Fenster auskvmmen dürfte, wird man inTiefställen", die neuerdings immer mehr Eingang finden, ohne regelrechte Entlüf- tungsanlagen kaum die geeignete Stalltemperatur erreichen. Jedenfalls wird der Landwirt, der diesem oft so vernachlässigten Punkte größere Aufmerksamkeit zuwendet, an seinem Vieh sehr bald die Erfahrung machen, daß es nicht allein das Futter ist, das das Aussehen der Tiere hebt, sondern eine in allen Teilen der Statur angepahte und abgelauschte Lebenshaltung die Haustiers ihm mit gesteigertem Ertrage danken.

Das Okulieren.

Im August und September ist die rechte Zett zum Okulieren von Rosen, Ziergehölzen und Obfl­bäu men, besonders Kirschen. Man kann zwar schon früher damit beginnen, wenn man Edelreiser mit festem Holz und gut ausgebildeten Augen an diesjährigen Zweigen hat. Da diese frühzeitig vorgenommenen Veredelungen noch in demselben Sommer austreiben, nennt man diese Methode das Okulieren auf dastreibende", die spätere Vornahme der Veredlung aber auf dasschla­fende" Auge. Es macht dem Liebhaber Freude, wenn er schon nach etlichen Wochen junge Triebe und Knospen an seinen okulierten Wildstämmen entdeckt, aber diese Triebe verholzen bis zum Eintritt des Winters oft nicht genügend und leiden dann durch Frost und Rässe, so daß sie ein gehen und die Mühe vergebens war. Man bevorzugt daher das Okulieren auf das schlafende Auge allgemein.

Das Okulieren ist von jedem, der etwas Ge­duld und Geschicklichkeit besitzt, leicht auszufüh­ren. An dem Edelreife, das man sich an einer gesunden Pflanze aus wählt, werden alle Blätter vis auf die Hälfte des Blattstieles, der stehen- bleiben muß, entfernt. Hierauf schneidet man mit einem scharfen Ofuftermeffer ein Auge mitsamt

der Rinde auf' Stahlfederlänge oder darüber so aus, dah das Auge in der Mitte und auf der Schnittfläche hinter dem Auge eine Spur von Holz an der Rinde bleibt. Das Ganze nennt man das Schildchen. Hierauf führt man mit dem Messer an der vorher ausgesuchten, möglichst glatten und ebnen Fläche des Wildlings, an welcher okuliert werden soll, einen Querschnitt bis auf das Holz und von diesem einen solchen senkrecht nach unten etwa drei Zentimeter lang in Form eines T. Mit dem Rindenlöser, der sich an jedem Okulier­messer befindet, löst man die Ränder des Längs­schnittes und schiebt dann das bereitgehaltene Schildchen mit dem Edelauge ein, daß es festsitzt und oben nicht übersteht, sondern genau mit dem Querschnitt abschneidet. Hierauf verbindet man möglichst anliegend mit Raphiabast, wobei zu beachten ist, dah das Auge frei bleiben muh. Wollfäden zum Verbinden zu'verwenden ist des­halb nicht ratsam, weil man sie später nach dem Anwachsen der Veredlung lockern oder durch­schneiden muh, damit sie nicht einwachsen. Diese Arbeit ist bei Verbinden mit Bast nicht notwendig, weil dieser mit der Zett verwittert und dann von selbst sich löst.

Man okuliert meist in vorjährige Triebe des Wildstammes, und wenn diese zu schwach sind, in zweijährige Triebe. In ältere Aesle Augen ein­zusetzen, ist wegen der harten Rinde oft nicht mög­lich. Im Rheingau, wo man alle Kirschbäume, auch solche mit grohen, alten Kronen durch Oku­lieren umveredelt, schneidet man im Jahr vorher die Krone in pyramidaler Form zurück und okuliert dann im nächsten Sommer in die aus- getriebenen Schosse soviel Augen ein, als zur Bildung der neuen Krone nötig sind.

Je schneller und sicherer die Arbeit des Oku­lierens vonstatten geht, zu der man sich am besten einen warmen Dag nach durchweichenden Regen wählt, da bann die Rinde sich leicht löst, um so sicherer ist das Anwachsen.

Schrebergärtners Arbeiten im August.

Der Hochsommer ist da, womit die Ernte des Sommerobstes ihren Anfang nimmt. Wer sich mit Wildlingsanzucht besaht, sammle jetzt die (Samenfeme, sowohl voü Kem- als auch von Steinobst. Zur Samengewinnung nehme man nur die am schönsten ausgebildeten Früchte. Alles Fallobst ist sorgfältig zu sammeln und entweder im Haushalt zu verwerten, oder an das Vieh zu verfüttern. Fruchtbeladene Zweige sind zu stützen Am die schädlichen Obstmccken abzufangen, lege man um die (Stämme Madenfallen. Das Okulie­ren auf das schlafende Auge ist fortzusehen. An den vorjährigen Okulanten entferne man die Zapfen und verstreiche die Wunde mit Baum­wachs. Zur Vermehrung der Stachel- und Jo­hannisbeeren werden jetzt Stecklinge geschnitten, und eingesetzt. Himbeeren und Brombeeren rei­fen jetzt. Rach der Ernte derselben sind die alten Fruchtruten zu entfernen. Von den jungen Ruten läht man 3 bis 5 der kräftigsten stehen. Die Erd- beeremte ist im grohen und ganzen beendet. Alte vierjährige Pflanzungen werden ausgehoben, der Boden gut gedüngt und gegraben und mit Gemüse bepflanzt. Reue Beete werden angelegt. Man wähle dazu einen Platz, auf dem mehrere Jahre keine Erdbeeren gestanden haben. Sämtliche Obst­bäume und Beerensträucher sind nach der Ernte ausgiebig zu düngen, bei Regenwetter vorteilhaft zu jauchen; denn jetzt gilt es die für die Ausbil­dung ber Früchte verbrauchten Kräfte zu ersehen und die kommende Ernte wieder vorzubereiten.

Im Gemüsegarten ist auch manches zu erledi­gen. Kohlgewächse verlangen öftere Dünggüsse und viel Feuchtigkeit. Wo der Kohlweihling sein Wesen getrieben hat, sind die Raupen sorgfältig von den Blättern zu lesen und zu töten. Am Dohnen rechtzeitig zur Reise zu bringen, ist es ratsam, bei Stangenbohnen die einzelnen Pflanzen mit der Wurzel aus der Erde zu ziehen, sie reifen dann schnell aus. Buschbohnen zieht man aus der Erde, bindet sie zu Büscheln zusammen und hängt diese zum Rachreifen und Trocknen auf. Leerge­wordene Beete sind wieder neu zu besäen mit Spinat, Radies, Wintersalat, Winterretttch, Ka­rotten oder Petersilie; auSzupslanzen ist noch Grünkohl, frühe Kohlrabi und Indivien. Die zur Samengewmnung ausgewählten Gurken lege man

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