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Mittwoch, 2. Juli TO

Nr. 153 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)

satzes eintritt.

gerecht wird.

Löberstr. 12

terich

(Nachdruck verboten.)

4. Fortsetzung.

Heute abend 830 Uhr

anschL Nach- richtendienst, 10-11 Uhr Spätkonzert:

Das Männer- quartett.

Loch der Netteste, kaum ein Jahr verehelicht, bei Hohensriedberg, glorreichen Gedenkens, ce= satten. Ler Zweite, Christian, in Seiner Majestät Diensten, mit Leid und Seele, versteht sich: aber man entbehrt ihn hart auf den Gütern: sollte und wollte schon vor dem Kriege bimittieren und will und kann nun doch nicht los. Selbst­verständlich. Der Christian must seine Pflicht tun gegen den König, der ihm immer gnädig ge­wesen, solange Bellona regiert. Grad so. genau so, wie die Kantonisten im Dorf folgen müssen, w.nn der König ruft. Wennschon solch geplagter Gu s- Herr es arg verspürt, dast nun schon seit Jahren alle ilcberfomplettcn zur Fahne einberufen sind und ihre Arbeit fehlt.

Ging doch alles noch an. Bisher hatte Frie­drichs Kriegsmeisterschaft ja die Aeumark vom Feinde frei gehalten. Auch die Steuern drücken nicht arg, und wenn der König immer schlechtere Groschens von seinen Münzjuden schlagen li.st. Las merkte man kaum. Aber nun hatte er die Bussen ins Land kommen lassen. Die verwünschten Moskowiter, dies hundsföttifche Raubgettnd.l, die Aäuber und Leuteschinder!

Last sich Gott erbarm -

Gestern morgen, Glocker elf, waren sie über Las arme Lopper hergefallen wie die Heuschrecken. Ein Aequisitionskcmmando unter einem Leu nant, eine Kompagnie etwa mit 'nem Dutzend Kosaken. Vorgestern hatten -sie Sternberg gebrandschatz., und es war rechtzeitig Kunde daher gekommen, so dast man wenigstens die Frauen und Kinder und einen Teil der besseren Habe in den Wald schicken konnte.

Last sich Gott erbarm! Grad fo, wie es der Grohvater selig im Grotzen Kriege vor den Schwe-

und der kalten (blauen, violetten) Farbtöne zu ergründen. Das waren die Probleme seiner wrs- senschaftlichen Forschungen auf dem Gebiete der Farbenlehre. ,

Wenn nun auch die heutige Physik wie die seiner Zeitgenossen Goethes Deutung des Zu­standekommens der Farben ablehnen must, so bleibt Loch in dem mit unergründlichem Fleiste zusam­mengetragenen Werke vieles von dauerndem Werte: nicht nur eine reiche Reihe von Einzel­beobachtungen, die zum Teil Goethe als erster gemacht hat, sondern vor allem der physiologische Teil seiner Farbenlehre. Er als erster hat ja auch erkannt, Last all die Erscheinungen der Nach­bilder. der simultanen und sukzessiven Kontraste nichts Krankhaftes sind, wie man bis dahin an­genommen habe, sondern durch den eigenartigen Bau unseres Auges bedingt wird. War auch der Goekheschen Farbenlehre im ganzen ein Mist­erfolg beschieden, so zeigt uns das Werk dach, mit welch weitem Blicke Goethescher Geist ein solches Problem anfahte. Die physiologische Grundlage der Goetheschen Farbenlehre haben sich aber immer mehr als zu recht bestehend er­wiesen und in den letzten. Jahrzehnten geradezu eine wissenschaftliche Auferstehung erfahren. Auch der ganze so grostzügig angelegte Plan dieses Werkes ist jüngst wiedererstanden in der Farben­lehre des physikalischen Chemikers Wilh. Ost­wald, in einer Form freilich, die Goethe wohl abgelehnt hätte, da diese auch der Newtvnschen Schwingungslehre und aller Experimentalphysik

So hat unsere Giehener Goethe-Woche wenn man noch einmal auf die gesamten Veran­staltungen einen kurzen Rückblick wirft einen würdevollen Verlauf genommen. Das abwechs­lungsreiche und stilvoll aufgestellte Programm, das trotz der Schwere der Zettverhättnisse einen sehr gediegenen Einschlag hatte, zeigte Goethe als Mensch, als Dichter und als Wissenschaftler, und gestaltete unsere Giehener Goethe-Kundge­bung zu einer künstlerischen Veranstaltung, die den Anspruch erhebt, den Feierlichkeiten in anderen Städten bei ähnlichen Anlässen würdig zur Seite gestellt zu werden.

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Giehener GoeLhe-Woche.

Am letzten Vortragsabend der Goethe-Woche führte Geheimrat Prof. Dr. König die Zuhören- Len ein in die Arbeits- und Denkweise des Na­turforschers Goethe in seinem Cxperi-- mentalvortrageLieber Goethes Farbenlehre". Wenn einer der Haupterfolge Goethes als Na­turwissenschaftler auf den Gebieten der Biologie, Geologie, Anatomie liegen, so ist doch seine Farbenlehre jenes Wen, auf das er selbst den größten Wert legte. Entsprechend der Tatsache, dast dieses umfangreiche Werk Goethes nur von wenigen gelesen, von den wenigsten durchgearbettet wird, muhte der Vortragende seine Hörer mit dem Inhalte des Werkes vertraut machen. Lind er tat dies mit allen Hilfsmitteln moderner Experr- mentierfunft. Goethe, der zwei Jahrzehnte seines Lebens in nicht ermüdendem Fleiste der Abfas­sung seiner Farbenlehre widmete, hat schon als Knabe sich an der Beobachtung der farbigen Schat­ten erfreut und damals wohl schon erkannt, Last die Wahrnehmung einer Farbe oft eine Gegen­farbe erfordere, die sich in der Tönung des Schat­tens bemerkbar macht. Er hat als Mann unter Italiens farbenreichem Himmel die farb­bestimmende Wirkung der Luft als trübes Medrum erkannt, die dem fernen dunkeln Walde die blauen Töne gibt, die bewirkt. Last bei untergehender Sonne die Landschaft in purpurner Pracht ge­taucht erscheint. Im Kreise befreundeter Maler suchte er die Wirkung der warmen (roten, gelben)

dem Helm zeugte noch von alter Herrlichkeit; das hatte der Grohvater selig heraushauen laufen aus den Trümmern und wieder einmauern ob der Haustür als er anno Domini 1649 im ersten Aufatmen nach der langen, schweren Zeit sich und den Seinen eine neue Heimstätte zu erbauen wagte. . _

Fast hundert Jahre war das her, und der Grohvater, der Vater und dec Sohn, der jetzige Herr aus Topper, Eichow und Spiegelberg, hat en die Zeit wacker genutzt. Zwar den alten Reich - tum, den Jonntcn sie nicht wiedergewinnen, die Wunden, die Kaiserliche und Schwidm <e chlagen, waren gar zu tief. Aber aus den Ruinen war doch ein bescheidener Wohlstand emporgebluht: die drängendsten Schulden wurden abgetragen, itic 2lcdcr wieder ertragfähig gemacht, Die Vor­werke aufgebaui. Auch für die Bauern und Hö­rigen kämen bessere Tage: in Len Ställen stand wieder reichlich Vieh, und manchmal hatte viel­leicht einer von den Hintersassen mehr blaute Taler in Mutters Strumpf als der Gutsherr. Linker des Hochseligen Königs Ma estät tparjrei» ttch schwer- wirtschaften gewesen, als er die Fron­den abzuschafsen begann. Doch man war auch darüber hinweggekommen mit Gottes Hilfe.

I Morgen abend 830 Uhr

Klassische

I Musik,

Vom Kraftpostverkehr im Vogelsberg.

Der Kraftpostbetrieb auf dem Kurse Lllrich- stein - Scho11en ist jetzt wieder ausgenommen worden. Vom l.-Iuli ab wurde die Kraftpostfahrt von Lk l r i ch st e i n n a ch L a u k e r b a ch zur Her­stellung eines Anschlusses von der Kraftpostfahrt Schotten-Lllrichstein um 45 Minuten später ge­legt. Die beiden Kraftposten verkehren wie folgt:

Lil r ich st einLauterbach: Ab Lllrich- stein (werttags) 12,15. an Lauterbach 1,45. Ab Lauterbach 6.00, an Lllrichstein 7.30.

Lllrich steln Schotten: Ab Lllrichstein (Werktags) 6.35, an Schotten 7.23. Ab Schotten 11.30, an Lllrichstein 12.22.

gemacht worden, Last auch diese Summe nur Ex­portfirmen zur Verfügung gestellt. W.wden dürfen. Lind das liegt, wie immer w.eder betont werden muh, auch im Interesse der deutschen Wirschaft. Denn nur solche Ausl.'adttedite sind für die deutsche Wirtschaft förderlich und unbedenklich, die ihre Exportfählgleit nachhaltig ftc.g.rn. Aus­landkredite aber, die mittelbar oder unmittelbar nur dem innerdeutschen Konsum zugute kämen, I würden die Passiv.eite der Handelsai.aaz weiter | belasten und damit die deutsche Vollswirttchaft schwer schädigen.

Die übrige Wirtschaft ist durch den erschrecken­den Mangel an Betriebskapital und die Ver­knappung des Kredits in eine sehr prekäre Lage gekommen. Eine bedeutsame Folge die,er Lage ist die Herabsetzung der Warenpreise, die insbesondere sow.-it iin Inlande bisher Lieber- Weltmarktpreise gefordert wurden, durchaus zu begrüßen ist. Llnverkennbar ist aber, dah die Kreditnot in der Geschäftswelt zu immer stärker anwachsendeii Verlusten geführt hat. Las geht schon zur Genüge aus der großen Zahl der Kon­kurse und Liquidationen hervor. Lie Konkurs­ziffer betrug im Reich im November vor. Is. 8, im Lezember 17 und sie stieg im Februar ds. Is. auf 46, im März auf 58, im April auf 139, im Mai gar auf 322. Lind sie wäre zweifellos noch weiter gestiegen, wenn nicht in jüngster Ter- I gangenheit felbft tonkursreife Betriebe unter Ge- schäftsaufsicht gestellt worden wären. So erklärt sich auch die kürzlich durchgeführ.e Abänderung der Geschäftsaufsichtsverordnung. die zahlungsun­fähige Firmen nunmehr zur beschleunigten Ofsen- barung ihrer Lage zwingt und zu einer Wirt­schaftsbereinigung führt. Wie stark der Mißbrauch der Geschäftsaufsichtsverordnung gewesen ist, zeigt die Tatsache, dah sich beispielsweise im Jahre 1923 beim Amtsgericht Berlin-Mitte insgesamt nur 14 Firmen unter Geschäftsauf.icht gestellt ha­ben, während in den Monaten 2lprilMai ds. Is. dort allein 143 Anträge auf Stellung unter | Geschäftsaufsicht eingereicht wurden.

Wir müssen, loste es was es wolle, durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise hinduch. Lind wenn hierbei eine Anzahl von unrationell arbei­tenden und daher für die Gesundung der Wirt­schaft nicht förderlichen Betrieben aus dem Pro- duktions- und Verteilungsprozeh ausgeschattet werden, so kann dieser Reinigungsprozeh nur von wohltätiger Wirkung sein, nicht zuletzt auch im Hinblick auf das Ausland. Es meh.en sich die Anzeichen, dah das Ausland zur deutschen Wirt­schaft wieder Vertrauen saht. Lie Zahl und die Höhe der Auslandkredite, auf die wir dringender als je angewiesen sind, werden bei einer Kon'o- lidierung der deutschen Wirrschaft in einem Mähe wachsen, das uns ermöglicht, unser? Wirtschaft fo lange über Wasser zu hatten, bis die Repara­tionsfrage geklärt und damit freie Bahn für die endgültige Gesundung unserer Wirtschaft gefchaf­fen worden ist. Cs ist sehr beachtlich, dah auch \ der Deutsche Industrie- und Handelstag. als die Spitzenorganisation der deutschen Handttskammern ! aus diesen Erwägungen die Kreditpolitik der Reichsbank, so hart ihre Wirkungen auf die un­mittelbar betroffenen Kreise auch unzweifelhaft sind, im Prinzip gebilligt hat. Alles wettere wird davon abhängen, in welchem Geist der Venuch gemacht werden wird, den Plan der Sachverstän­digen in die Wirklichkeit umzusehen.

Oer Alle aus Topper

Roman von Hauns bon Zobeltih.

Wirtschaft.

Herabsetzung der Rnhrkohlenpreise.

Wie aus Essen gedrahtet wird, hat die Mitgliederversammlung der Ruhr kohle A- G beschlossen, die Koh len preise um durch­schnittlich 20 Prozent herabzusehen. Dre in dieser A-G. vereinigten Zechenbesiher aus Rheinland und Westsalen wollen die beabsichtig- tert umfangreichen Betriebsstillegungen fallen lassen. Man müsse jetzt abwarten, ob nicht infolge der Kohlenpreisherabsehung eine Hebung des Ab-

Aber nun schienen die ärgsten Tage des Drei- higjährigen Krieges wleder;u ommen. Allen Re­spekt vor Seiner Majestät, dem regierenden Herrn, den sie nun schon den Drohen Friedrich bann en. Muhte ihn ja bewundern den g;to.iLigm Kriegs­meister wennschon es manchmal contre eoeur ging. Muhte ja stolz auf ihn fein, auf den ganz Europa schaute, wennschon Der Verstand manchmal mit dem Herzen im Widerstreit lag. Muhte auch sein Devoir tuji

Vermischtes.

Der Grammophon spielende Geist.

Die amerikanische ZeitschriftScientifte Ame­rican" hat einen Preis von 2000 Dollar für das­jenige Medium ausgesetzt, das seinen Verkehr mit den Geistern vor einer ausgewählten Zahl von Beobachtern ausführt, ohne auf einem Schwindel ertappt zu werden. Cs scheint nun fast, als ob dieser Preis, um den sich viele vergebens bemüh­ten jetzt wirklich verliehen werden wird. Wenig­stens weih die sehr ernsthafte Zeitschrift erstaun­liche Mitteilungen über ein Bostoner werbliches Medium zu machen, eine reiche Lame der besten Gesellschaft, deren Name nicht genannt werden darf. Las 'Medium trat in Verbindung mit dem Geist ihres verstorbenen Bruders, der sich Chester nennt und augenscheinlich über erstaunliche Mittel in der Geister wett verfügt. So brachteEhester" ein Grammophon zum Spielen, indem die Nadel ohne jedes sichtbare Hilfsmittel plötzlich aufge­setzt wurde. Der Geist hält auch Lkhren nach belieben an und seht sie zu einer bestimmten Stunde wieder in Gang. Tische, Stühle und andere Möbelstücke werden durch ihn in Bewegung gesetzt, Gardincnstangen verschwinden auf unbegreifliche Weife oder werden in der Luft herumgewirbelt: ohne dah man das Geringste wahrnehmen kann, werden Rosen aus Vasen genommen and den erstaunten Teilnehmern überreicht. In einem Fall, in dem rote Rosen auf dem Tisch standen, er­klärteChester" er werde ein» gelbe Rose über­reichen und tat es wirklich Der Geist wirft die Cinrichtungsgegenstände mit übermenschlicher Kraft tour durcheinander, verseht den Anwesen­den Püffe und Ohrfeigen, streichelt sie, packt sie an die Fußknöchel usw. Irgend ein Anhattepankt für einen Betrug konnte nicht festgeslellt werden.

den getan. Lind just wie die Schweden hatten gestern die Russen gehaust. Am 11. August das Latum wird man sobald nicht vergessen!

Der Gestrenge, Hans Ehrenreich von Zabel­titz. stand, während er also meditierte, am Garten- kor und sah nach dem Schloß hinüber. Neben ihm sein Obervogt, der Lebrecht Marzanke, mit Papier und Crayon in der Hand. Konnte schrei­ben, der alte Marzanke, kurioserweise, hatte es als Korprral im Regiment Kronprinz gelernt: gairz ordentlich lernten sie das in der Regiments- schule War überhaupt nicht dumm, der Mar­zanke, hatte den Graukopf auf dem rechten Fleck, ersetzte reichlich einen teuren Administrator. Wo man doch sparen und zusammenhalten muhte jetzt mehr denn je.

Schlecht bei Humore war der Gestrenge. Stand - breitbeinig da in den groben Schuhm und den braunen Gamaschen: schob dann und wann die Müh auf dem Kopf herum, balde nach vorn, balde nach hinten, wo der kleine, eisgraue Schopf zum kargen Zopfversuch gedreht war: fuchtelte mit dem spanischen Rohr in der Luft, als ob er einen Moskowiter verprügeln wollte. Dunkelrot war das greife Gesicht bis zur Stirn hinauf. Der Marzanke wußte: das hatte noch feinen besonderen Grund. Der Gestrenge hatte mit dem russischen. Leutnant gestern, um den einig ermaßen bei gnä­diger Laune zu erhalten, drin in der Herrenstube schwer gezecht, bis der Moskowiter unter den Tisch gerollt war.

Die Hunde! ^ie Hunde!" fliest der Alte immer wieder zwischen den Zähnen hervor, die ihm trotz seiner hohen Jahre groß, weist und fest in den Kinnbacken sahen.Die HalunkenI Die Llir- menschenl" (§?rkscgung folgt j

Ausgaben der Kreditpolitik.

Don besonderer Sette wird uns geschrieben: Nach Stabilisierung der Mark ste Ite sich in 'der privaten Wirtschaft ein sehr erh.bischer Man­gel an flüssigem Kapital heraus, deir die In­flation mit ihren Schein gewinnen bisher verschleiert hatte. In Produktion und Handel war man daher daraus bedacht, das fehlende Kapital durch Kredite zu ersehen. Die Privat­banken, die ebenfalls in der Inflationszeit erheb­liche Substanzverluste erlitten hatten, kannten die große Kreditnachfrage keinesfalls befriedigen, so dah sich die Kreditsuchenden an die Reichs- ba nf, die letzte Kredit quelle der Wirtschaft, wen­den muhten. Die Reichsbank hat sich in der Er­kenntnis, dast Betriebskapital zur Inganghaltung bzw. Ingangsetzung der schwergeschädigten deut­schen Wirtschaft unbedingt notwendig sei, b:müht, den an sie herantretenden Ansprüchen gerecht zu werden. Ihre Kapitalanlage in diskontierten Wechseln und Lombards ist dadurch von 452 Mil­lionen am 30. November 1923 auf 2070 Millionen am 6. Juni 1924, also um 1,6 Milliarden Gold- mart gestiegen.

Zur Beschaffung weiterer Kredi'.mittel stehen der Reichsbank theoretisch zwei Wege offen:

Sie kann Rentenmarkkredite im stär­keren Maste von der Rentenbank absordern. Die Reichsbank hat aber schon 1232 Millionen Ren en - marffrebitc ausgegeben, und wenn ihr nun noch bei der Rentenbank 300 Millionen ihres Kon­tinents zur Verfügung stehen, so must berücksich­tigt werden, dah diese als Reserve vor allem für den Giroverkehr gebraucht werden, in dem am 6. Ium Guthaben von 468 Millionen vor­handen waren. Neben dieser Reserve verfügt die Reichsbank über einen Kafsenbestand von 334 Millionen, der aber deshalb nicht verringert wer­den darf, weil er für die durch mehr als 400 Zweiganstalten der Reichsbank erfolgende Ver­sorgung des Zahlungsverkehrs nötig ist.

Die zweite Möglichkeit liegt theoretisch in der Erhöhung des Llinlaufs von Reichsbanknoten. Einem Umlauf Reichs- banknvten im Werte von 954 Millionen Gold­mark am 6. Juni stand ein verfügbarer Goldbe- stand bon 442 Millionen gegenüber. Mit Rück­sicht auf die von der Reichsbank garantierten Dvllarschahanweisungen und noch ans der Kriegs­zeit stammenden Kreditsicherung''! kann aber Die Reichsbank nur mit einem Oefam!b?trag von etwa 250 Millionen Gold rechnen. Der umlaufende Papiermarkbetrag ist daher nur etwa zu 25 Proz. mit Gold gedeckt. Die Politik der Reichsbank muß aber daraus gerichtet fein, eine besondere Deckung zu erreichen und den Goldbestand für die grohe Währungsaufgabe zu sichern.

Die Reichsbank hat also so gut wie keine Mittel mehr, um weitere Kredite an die Wirt­schaft zu geben. Sie fah sich vor die Wahl ge­stellt, entweder durch Neudruck von angedeckten Noten eine neue Inflation heraufzubeschwören ober durch Sperrung des Kredits eine schwere Kapital- und Kreditnot und damit eine Wirt­schaftskrise zu verursachen. Sie wählte den letzten Veg, a!8 sie am 7. April die Kreditsperre ver- hängte, weil eine neue Inflation in ihren Aus­wirkungen nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch den Staat und die Reichseinheit völlig zu­grunde gerichtet haben würde.

Diese Kreditsperre wurde im Einverständnis mit der Reichsregierung vorwiegend für diejenigen Betriebe verhängt, die keine Exportaufträge nach­weisen können. Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der außerordentlich gefahrdrohenden Ent­wicklung des deutschen Austenhandels. Seit Ende porigen Jahres ist eine erhebliche Verminde- ,«ung der Ausfuhr und demgegenüber eine starke Erhöhung der Einfuhr festzustellen: insbesondere ist die Einfuhr von Fertigwaren und von Lebensmitteln und Getränken sehr gestiegen. So haben wir also einen besorgniserregenden Äassivsaldo in der Handelsbilanz, der nicht durch Nnkunste anderer Art, die der deutschen Dvlks- tmrtfdjaft z. D. vor dem Kriege zuströmten, z. D. durch Einnahmen aus dem Frachtengeschäft (See­schiffahrt), Schiffsreparaturen, Einnahmen des Reiseverkehrs usw.» ausgeglichen werden kann. Hierdurch wiederum hat sich auch die Abwande­rung deutscher Devisenbestände ins Ausland stark vermehrt, so daß bei einer Fortdauer dieses Zu­standes mit einer Gefährdung der mühsam stabi­lisierten Währung gerechnet werden mühte.

Eine gewisse Erleichterung in derkre- ditpvli tischen L age ist allerdings in den letzten Tagen eingetreten. Die Golddiskontbank fiat von England 5 Millionen Pfund und von den Vereinigten Staaten 25 Mittionen Dollar Rediskontkredite erhalten, die der Wirtschaft zu- aeführt werden sollen. Der Golddiskontbank ist jedoch von den Anleihegebern zur Bedingung

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Bauxitwerke-Akti enges ell schäft Giehen. Die am 30. Juni in Berlin abgehaltm« vierte ordentliche Generalversammlung der Bauxit- Werke A. G., (Sieben genehmigte mit großen Mehrheit die vorgelegte Papiermarkbilanz füp das Geschäftsjahr 1923, die mit einem Gewinn von rd. 160 Billionen Mark abschlieht. Anttag- geiNäh wurde dieser Betrag auf neue Rechnung vorgetragen. Vorstand und Aufsichtsrat tourpat entlastet. Das Geschäftsjahr wird im Beicht des Vorstandes als durch die polttrsch-wrrtschaft- lichen Verhältnisse ungünstig beeinfluht be­zeichnet. Daher muhte die Gesellschaft gegen MMe des Jahres zu Betriebseinschränkungen und StiU- legungcn schreiten, obwohl zu Beginn grbhere Lieferungsverträge Vorlagen. Im Nov«no«r wurde eine Kapitalserhöhung um 3,7 Million« durch Ausgabe von 2700 Stammaktien und 1000 Vorzugsaktien beschlossen. Mit 1500 Stammaktien wurden die gesamten Geschäft- anteile der Dauxitbergbau treibenden Oberh«st», schen Grubengesellschaft m.b. H-. Frankfurt a.22. erworben. Nachdem im Aktienbesitz eine Wesens liebe Aenderung stattgefunden und daher famt-' liebe Mitglieder des Aufsichtsrats ihre Amnter niedergelegt hatten, wurden als neue Mitglieder des Aufsichtsrats gewählt: Gehermrat Dr. Wangemann, Vorsitzender, Ingenieur Otto Wegener, stellvertretender Vorsitzender, Di­rektor Reinhold Matthes, Direktor Karl Dedow, Dr. Albert Diederichs, Kaufmann Hans Klotz, sämtlich in Berlin. |

* 1 0 Proz. ost preußische landschaft*^ 1 i ch e G e l d P f a n d b r i e f e. Die preußische De-, nerallandschaftsdirettivn veröffentlicht eine Be­kanntmachung über die Ausgabe von mtt 10 v. H verzinslichen ostpreußischen landschaftlichen Gold­pfandbriefen, die zum Handel an den Börsen tn Berlin und Königsberg zugelassen sind. Die ost­preußischen landschaftlichen Goldpfandbriese law- ten über den Goldwert einer bestimmten Menge, Feingold.

* Ludwig Loewe & Co. A.-G-, Ber­lin. Die G.-B., in der 20 890 600 Mk. und 34 812 Stimmen Oertreten waren, genehmigte die Regula­rien und beschloß, den Lleberschuß von 500 421 Bill Mk. vvrzutragen. Auf Anfrage wurde vom Vorsitzenden erklärt, daß sich die Verwaltung die größte Mühe gegeben habe, im Berichtsjahre die Substanz zu erhalten, daß eine ziffernmäßige Fest­stellung und eine Aufstellung der Goldmarkbilanz überhaupt erst erfolgen könnte, wenn Klarheit Über die Lasten des Dawes-Planes und Liebersicht über die kleineren Gesellschaften zu erzielen fei. ®w Frage über die Höhe des Beteiligungskontos wurde abgelehnt, da eine Beantwortung nicht tm Interesse der Gesellschaft läge. Entgegen den an der Börse um laufenden Gerüchten wurde erklärt, daß die Gesellschaft keine Mtien der Berlin-Karls­ruher Industrie A.-G. gekauft habe. Sür den Auf- sichtsrat wurden 31000 Goldmark als Tantieme zu- rückgestellt. , , _ ,

Gesellschaft für elektrrsche Hoch- und Llntergrundbahnen in Berlin. In der H.-V. wurde vom Vorstand auf die schwierige Geschäftsführung während des abgelaufenen Jahres hingewiesen, in dem der Fahrpreis durcb 39 Tariferhöhungen von 60 Papiermark auf 150 Milliarden Papiermark gestiegen ist. Infolgedessen konnte kein Ergebnis erzielt werden, das eine Di­videndenausschüttung ermöglicht. Die vorhandenen! Mittel wurden in eine dringend notwendige Er­gänzung und Verbesserung des Betriebes gesteckt, zumal infolge des Anwachsens des Verkehrs den technischen Fortschritten seit dem Kriege nicht mehr in erwünschtem Maße Genüge geleistet wer­den konnte. Die Gesellschaft habe jetzt eine um­fangreiche Anschaffung neuer Wagen vor, die bis zum Winter eingestellt werden sollen. Im übrigen wurde die vorgelegte Iahresrechnung genehmigt.

Gesellschaft für elektrische Unternehmungen. Zur Bilairz stellte in der G.--D. ein Aktionär die Anfrage, was mit den Dr- videnden der spanischen Gesellschaft geschehen sei, ferner was mit den 100 Millionen Mark Aktien­kapital, die von der letzten Erhöhung noch zur Verfügung stehen, geschehen solle. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Verwendung den gesetzlichen Vorschriften entsprechen würde. Die genannten Di­videnden feien durch die Inflation wertlos gewor-

rZu Befehl, Euer Majestät."

,,©l gehet heim. Euch auszukirieren. Ihr leid "beurlaubt. Meine Empfehlung dem Herrn Dater und es würden schon mal wieder bessere Zeiten kommen." Faßte an den Hut.Adieu, mein Lieber!" und ging zu den Gäulen. Ist am selben Lage über die Oder nach Reitwein ge­ritten, wo er Quartier im Schlosse nahn. Hatte NUN wieder an dreizehntaasend Nrann im Lager, kurz darauf fünsundzwanzigtausend. Lind es g> schah dasMirakel des Hauses Brandenburg , tote er selber schrieb: der Feind verfo^te n.cht. Der Russe Saltykow fürchtete auch den Besreaten, also Laß er seiner Zarin berichtet:Der König von Preußen pflegt seine Niederlagen so teuer Ku verkaufen, daß ich, wenn ich noch einen solche Stea erfechten sollte, die Nachricht davon Euer Majestät allein mit dem Stabe in der Hand werd Überbringen müssen."

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Wüst hat es ausgesehen im Her-rengartrn vor fism Schlosse zu Topper. Natavene: Schloß! Das Kße Schloß hatten die Schweden im Lreißigiah- rtgen Kriege nieder gebrannt bis auf die Grund­mauer und was die Bauern und Kossäten letzo Schloß nannten im gebührenden Respekt, das war eto breites, einstöckiges Haus mtt ein paar Mau ferbemimmer unter dem Strohdach. Nur da«i in Stein gemeißelte Wappen nut dem Doppeladler lipib dem Dalken im Schild und dem Zobel auf