Ausgabe 
2.2.1924
 
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Nr. 28 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesstn)Samstag, 2. Zedruar 192^

Mit Frankreich oder England?

Qteit Fran» Haber München.

Dal «röpätsche vtantensystem. mk Taücy- ttnb.Bllmard und Dttraeli et geftaltet batten, tft atbguliia begraben An seine Stelle tft ein wtud getreten, un> leit einigen Wochen erleben Dir mU gespannter 2üifmerflamteit, wie die ewig Allen europdi|<t<n Probleme in neuen Formen Ibrt Losung suchen. Die überragende Tatfache (ft bit kontinentale Machtstellung Ä rd n tre i 4>i. die die Frage des europäischen Gleichgewichts von neuem aut rollt Gnzlanv bat fetnt politische und diplomatische Ohn.nacht, mit btt es Frankreich au »greifen lieb» leüxrr verschul- bet: zunächst die Liberalen, d b Lloyd (George, ber im Friedensverlrag diese Onltni<flun,i an* bahnte, bann die Tories, denen doch nachgesagt 6>irb, das) sie das Gefühl für Auhenpolitik. für tfrbatiung und Weiterung von Machtstellung so |tb im Mute liegen hätten; aber sie übertrieben, bodifi unenglifd). und ihr Land bat die Folgen tapon. Bei ihrer doktrinären Franioiensreund- lid>(eit mochten die Dicharthi nicht leben, wo der Fetnd eigentlich heb« Unb jetzt müllen Arbeiter, bi» keine au'tenpoli tischen Traditionen haben, in der schwiertgsten Lage das Prestige des flohen L. indes wieder herzu stellen versuche Aber die Arife verlies durchaus in der Linie der wunder­vollen Geschichte Sng'.ands. dieser Ge'chichle. die uns .in die Seele brennt (fo druckte Srich Mar cis es einmal aus) Es wäre eins der würdigsten Ka­pitel dteser Geschichte, wenn Qabour seine Ausgabe eri ulten würde

Die Aussicht auf eine Arbeiterregierung war! Ihre Schatten voraus seitdem die Wahlen be­kundet batten, wie wenig da» Volk mit der Poli­tik der Konservativen zufrieden ©ar. feit dem lässt

sich eine grobe auhenpclitische Aktivität tZnilan^ feflflellen Die Richtung war dieselbe, wie Macdonald fie angekündigt halte: schönste Opposition gegen sedc Macht- enucitenmg Frankreichs bann Wieder­herstellung des Gietä gewicht» auf dem Koni nent. Zu diesem Zweck um Hämmert England Fr an si. ich mit einem Ring vrn Bündnissen und Verträgen. Es scheint beute, als ob dieser Aing schon ge­schlossen tnäte in fester Form mit den nordi­schen Staaten durch Heirat; mit Italien and Spanien durch maritime Abkommen 2IU wei­tere Stutzpunkte find gedacht A u f) l a n d. das in den allernächsten Tagen schon feine de jure An­erkennung bekommen dürfte, und vor allem Deutschland, das ja die bedrohlichste Stel­lung Frankreich flogen aber zu halten bat. Auch Polen, in dem doch Fr.nkreich seine stärkste Position liebt, soll in dieses System der englischen Bundnispvlittk eingebaut werden Hier such: Eng- land auj dem freundlichen Weg der Durchdrin­gung mit englischem Stabital vorzugeben, wie auch in Litauen und Lettland mit englischen Krediten nicht gespart wird. Schließlich will man fogar Belgien und die kleine Entente von Frankreich zu sich her überzuziehen suchen, je­denfalls scheut die öffentliche Me.nung Englands vor solchen Aufgaben nicht zurück.

Frankreich ist währenddem nicht untätig Mwesen Ss bat seine alte Stellung ausgrdessert. tnbem es mit der Tfcheschei den Militärvev- trag gegen Deutschland abschlost. Auch mit R u st- la n d suche es wieder anzuknüpsen. Aber dort

dürste es ebensowenig Erfolg haben, toi * es den Vertrag m oichen aufRumänien und

Jugoslawien auSdehnen konnte. Der mill- fa rische Gmslust in Bolen ist noch unbestritten. D e u t s ch l a n d fest in Frankreichs Hand, im'Bai­fan die Gefolgschaft Griechenlands gesichert, die T ü rken mutten es freilich fallen lassen.

Mlt der Entwicklung des kapitalistischen Sy- temfc finken wir mehr und mehr die Wirt­schaft als Triebfeder des politischen Lebens. Ser Imperialismus ist der Höhepunkt dieser Lendenz

Im Friedensrx'rtrafl ist j doch die Wirtschaft nicht mehr Zweck, sondern Bkittel politischer Zwecke gotoorben. Deutschlands Flüsse werden in Intcmatirnilen Verkehrswegen erklärt, die deutsche Schulpolitik wird auf» engste beschnitten; das Saargcbict mit seiner geroaltigca Ei cnpro- duktivn für autonom erklärt. die Abtrennung Pvlnisch-Oberfchsc'ienS ein gefädelt, die uns Drei- Mertel unterer Zinkerzbalis un> die gesamte doch «nttoidcltc dortige Zinkverhüttun^ abr.obm, un- Eheu re !lrfrlcn|eltcr und mächtige Eisenwerke n Polen in die Hände spielte. Posen, das als fandwirtlchaftliches lleberfchu^rbiet im deutschen Ernahra gsbausbalt eine groste Rolle spielte. Ebenso Westvteusten den Polen g schenkt Danzig eit seinem Nützenden Handel für autonom er- Bärt Das alles doch nur zu dem Zweck, uns po- Klisch tot zu machen.

MWMWlW-Wll.

Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert

von Hans Dominik.

tl Fortsetzung (Rachdruck verboten.)

.Es ist nrtblungcn. Mr. Cameron! Bor fünf OartnLtcn ist der t.lrptzonische Bericht ehtaegan en Vie batten uns gcmHbet. dast ber Ottenngm eur Olenbranbt im fahrplanmahtgen Postschiff UbrL Dir haben da» Schiff angretfen lassen. Unter Schiff ist Don einem Kompagntekreuzer vernichtet worden Der Oberingenieur ist mcht in dem Dvftschiff gefahren. Er bat <» ©egenteU da» Kvmpagnieschiff toinmanbtert Wie erftirvn Sie Ihren unzutreffenden Bericht.

Ec-llin Uamcron fuhr sich mit der Hand ubvt die Stirn Sekunden tz »durch Der harrte er tn nachdenklichem Schweigen.

Die Meldung kam von einem unterer zu­verlässigsten Moskauer Agenten. Der Betreffende hat mit eigenen Augen gesehen, wie der Ober- Ingenieur das Postschifs bestieg, und dann tele- phwnien . . .** .

□Sic erfilren Sie bann, day er mcht tn dem Schiss war? . Wie erklären Sie da» Plötz- vche Auttaucken de» KompagniekreuzerS'?",

_6rJircn ? . . . Ss gibt nur eine Erklärung. Ich vermute ich fürchte, tzter bat ein Ber- räier sein« Hände tm Spiel."

.Ein B errät er . . dann wird es Ihre Aus­gabe lein, ihn zu finden. Ihre PläiZc hat er gestört . . .

Roch stärker als zuvor machte sich der ab- weisend« Zug in den Mienen Evllin Aemeron» benmtbar.

Seit der Aeugrup Vierung her europäischen Staatenwel! wiro nur noch nach politischer l'lati­men gebandelt, und da haben btt rem militärischen Gesichtspunkte das siebeitpwtchu Die Tlchechei ist sich tb:er wtrt'chafttlchen Xbhangigfr.t von Deutschland genau betou'J, gleichwotzt schlieht lte mit Frankreich etn M>litävabkommen. Ixi1 ihre grosten W-assci tabcaken m den Dienst Frankreichs und den t'ch<ch,!ch<m ®e:w.alfuxb unter franzosi- schen Oberbefehl stellt Polen ist tmtschasisich chne Deut<<ianh nicht lenkbar, gleichwohl seine enge mck tariiche All in n- rau Fran.'.crch Rust- land, in dem Frankreich wirllchasisich überhaupt keine Rolle 'Dielt, wird von Fr rn reich aufs bei* beste umworben Deutschland, früher Oig- land» bester Abnehmer, deute von französischer Machtgier so zugcuchtct. t.ih 12 Millionen bri­tischer Arie,ter. die für die düifubr nach Deutsch- land tätig waren, heute kein Brot mehr tzabe.i, hast die lothnngilte Ssienmdustrie monatelang ftiU liegt, weil ee ihr am deutschen Zstvk» fehlt, von wtttscl afllichen Schäden im Ruhrgebiet, von den versoffenen Drüben, den zerstörten 'JUalcrial- werten, der wirtschaftlichen Bedeutung des Pro- duttionsaussalles gar nicht zu reden . .

Vs ist noch gar nicht allzu lange her, als Quellt l in den Sozialistisch n Monatsheften Klage führen formte über bte Idoenlosigkrit der deutschen austenpolitifchen Publizistik, bte nicht mehr fön ne, als immer toterer den einen De» danken verlieren, bah ton uns an England annt* schltesten tzattcn Er verwies kv-up-gsrüber aus btt Dielfalt rem Ideen und Dotichl <g n auftenpoliti- scher Gestaltung in der englische-' Oessentlichteit. gegen die sich die deutsche Diskussion recht küm­merlich ausnahm, durftet suchte diese Dürftigkeit etwa» zu Lehebcn, indem er statt ein.s Anschlusses an Engten > den an Frankreich, statt der Abkehr von Frankreich die v:n England propagierte.

Es brauchte beute nicht mehr mifg?toärmt zu werden, trenn man nicht den Eindruck haben könnte, d-ast die deutsche Regierung allen Ernstes tatsächlich tonilncntalc Posink im Sinne einer Alketzr von England betreibe, und toenn es nicht gelten tourte, sich grundsätzlich üb r diese Ein tel- I'jrfl Klarheit zu verschaffen, zumal Mc öss<n!liche Meinung wotzl falt ausnahmslos für ein Zusam­mengehen mit Sn.ilanb eintritt.

Die Argumente, die gct.e i die britische Orien­tierung geltend gemacht toer'vn. sind folgende: England ist der Nassilch^ Fein) des Kontinent«; es hatte Immer nur das eine Bestreben kontinen­tale Macht zu teilen und dadurch zu beherrschen. ES bat auch jetzt an Europa kein anderes Inter­esse. Aber seitdem GrvstbritaNnien ein ©realer Britain geworden ist, seitdem eS sein Antlitz nicht mehr nach dem Kontinent g-richtet biU. vielmehr frei auSschaut über die Weltmeere und mit feinem Blick die ganze Welt umsaftt bat. seitdem sieben die europäischen Interessen in her zw.it en Linie. Aus Gründen der .Weltmechan.k' möchte es für uns zwar notwendig (aber mehr taktisch alS stra­tegisch) fein, fein Schwerpunkt jedoch fei von Euro­pa über die Meere verlegt worden und tn die eurrpäIsche Schwerkraft werde es nicht mehr zu- rückfinden. Xlnb ferner, daS ist vielleicht das Hauptargument: Warum in die Ferne schweifen! Tatsache ist. dast die Inflatwn uns zwingt, an daS allernächste zu denken, urrd e i n Fehltritt kann und hier das Geben kosten. Frankreich will seinen Steg realisieren: Wenn wir uns durch eine Abmachung mit Frankreich au6 der Schlinge lösen können, so könnte es sein, dast dies die einzige Möglichkeit ist. So unlogisch das gedacht scheint bei der Stim­mung der heutigen öffentlichen Meinung Frank­reichs. vor allem aber der offiziellen Kreise, so reell sähe e« sich vom wirtschaftlichen Standpunkt aus an Aus die Dauer kann die französisch? Mi­nette ohne die Mitarbeit de* Rutzrkvkses nicht ver­hüttet werken Es scheint, als ob die -frarrzösifchen WirtschastSkreife mit den Erfahrungen nicht son­derlich zufrieden waren: und im Augenblick ist noch nicht recht abzusetzen, inwieweit bte Ab­machungen, die man mit Veit deutschen Industriel­len jetzt getroffen bat, nicht m diesem Sinne ge­meint waren Schiiestlich noch: DaS Renommee aller bisherigen britisch inspirierten Politk nimmt sich gerate nicht glänzend aus. Oberschlesien ging verloren, weil England nicht wollte, dast diese Wirtschaftskräfte deutfch bleiben Bei ter Ruhr- besctzung schaute England untätig zu. auf feine Ratschläge bin wurde alle deutsche Diplomatie, die noch etwas hätte retten fön icn, erst recht verfah­ren Ein deutfcher Misterfvlg jagte den anderen infolge der angelsächsischen Einstellung der deut- sck'en Politik.

Prüfen wir. waS tem entgegenzutzalten wäre. Die deutsche Prelle steht durchweg auf anderem Standpunkt, sie ist angellä^ilch orien­tiert und eS lallen sich dafür gewichtigere Grunde ins Feld füb c-i. will es scheinen Es sei nicht ein­mal unterstellt, dast die Arbeiterregierung in England eine neue Periode der Weltgeschichte eingeleitet habe. Ader, dast der Druck, den zuletzt

Herr General, ich lehne jede Tferanttoorhmg für das MiNingen meiner Pläne ab Den Ver­räter zu suchen, ist Itzre Aufgabe. Für mich ist die Sache erledigt . - . Zu etwas anderem . . . Bitte, lesen Sie . ,

Cameron griff in die Brusttasche. entfaltete schweigend ein Papier und überreichte es hem General

Wang Ho hatte seine Mienen m der Gewalt. Kaum merklich war das Zucken seiner Züge, als er die Schriftzüge überflvg. llnw likürlich netgte er das H.rupt. als er die ctzentzand.ge Unter- schirst des Schanti erblickte Mit unbewegter Miene gab er das Papier zuru^

.Sic haben recht, Mr. Samcron. Es geht um gröhere Dinge.

Sorgfältig barg Eolltn vameron daS Taster wieder in der Briettafche. Ruhig sprach er weiter. Aber die Rollen tchtentm jetzt vertauscht zu s.n«. Jetzt war es nicht mehr der General, der re­quiriert e, sondern Collin Cameron.

.Sic haben die Pläne des Illdreiecks er­hallen. Herr Dcncral?

.Vie sind in meiner Hand Die Dorriam bat fic durch einen zuverlässigen Boten von Andttchan an mich gcichtekt."

.Die Wichtigkeit wird von Ihnen richtig gewürdigt? v _

.Die Wichtigkeit liegt auf der Hand. Mr. Cameron. Die Kompagnie zeichnet Dönnne und Schmelzanlagen auf chitre'i'chts Gebet e» Bor» ausletzung dafür ist. dast sie Dai Gebiet in ihre Gewalt nimmt

.Sic wird eS tun, Herr General! Sie wird es in kürzester Zeit versuchen. Dann ist der Kon­flikt da. Der europäische Staatenbund trottet nur

bte Konservativen noch auf den französischen Im- penaktmut ausgeubt haben, da', biete endlich ein- fenen,< All.vität nicht nur aus der Aussicht aus die Arbeiterlegierung erklärt we.den Lmn. son­dern eine S nsicht der Konte^Daliven - Ihre ver- lehUe Pollltk voraus setzt, das wird memanb leugnen wollen Selbst wenn ixe DicbarM wieder zur Xeg erong tmnrnen. sie konnten ttzee alle Po- Unk nicht fortfroen. Die Deiembenvak>l<n. die nichts anberr# clt> die Gritetgtbe t des Bottes für d i e Wtrilchaftspol ttf konstatieren trollten, die im Falle £kt Abkehr vo, Europa zt bett eiben tDüic. I achte eine klare Adl diung a «ch t«s Po­ll t i s ch e n Berzug.-e gegemiber Frankieich ?!lan kann bte Dmge fo setzen, bad bislang ein kriege­rischer Zusammenstoß txeter beiden Mächte n ir durch tte Schlappe der Konservativen verbinden würbe Bvn ihrer ganz anderen DrJnhetmteilung aus kann die Arbeiterpartei gani anders an all biete Fragen he ränge den und das dtplomatische Prestige i>nglairds. das feit Zahrdunderien nicht meb 1 so flditien batte tote tm vergingen en Jahr, erscheint heute wieder völlig tzergestellt, vor allem knrch Inangris n^bme der dringendsten Aufgabe. Deutschland nicht obn? Hilfe za lallen Laooar weist, dast eine Wiedercntwicklung Deutschlands In Englands allerergenstem In e.es e liegt und wird zu feinem Teil dazu beitragen, dast wir eine intcmalirn le Anleihe bekommen, dast Frankreich einen Zahlungsaufschub nicht mehr illusorisch macht. Labour weist vor allem, dast der Plan Lord Birkenheads und feiner konfervaiiven Freunde, fich non Europa.adzuwenden, Aufgeden der Drostmachtstellung bedeuten wurde, auf das später doch eine Reaktion folgen muhte. Um für die europäischen Probleme lre.cn Rucken zu haben, hat QBacbonal? fich in Japan. Indien und Aegvp- ten bereits Lust gelcha'lt. Denn auch Frankieich mit seiner ßujt- und Ucbdlccflotte zahllninäsrig zu nächst überlegen ist, so braucht da- Ic ne über­triebene Befürchtung l-ervorzurusin Einesteils wird England aulbolcn. andererseits steuert die franzötitch. Diplrmatte in solch doktrinäre Fan- Liftil hinein, dast fie sich an Ihrer Ueberkvntefluenz übet schlagen wird Daneben schafft fich Frank­reich wieder mutwillig Feinde: d.e Schweiz. Ita­lien. Spanien Portugal. Holland. Schweden, allen flöht es vor den Kopf, ob mit oder ohne Urfache Aus Seiten Englands die klare Erkenntnis, dast der historische Gegensatz zwilchen Frankreich und England wieder zum Aust nag kommen must: dar­aus resultiert ein Bündeiisstzstem Aus Gelten Frankreichs bleiben heg gen bst über Hebung und direktes.Zusteuern au) den Abgrund.

Aber auch Dcsü bis Momente haben die deut­sche Anglomanie mitbednsi Die mit Besonnen­heit gepaarte Krast. daS Selbstgefühl und die Bi- talltat englische ' Genies sind uns aus innerem G unbe sympathischer alS die vollendete Form­kultur der Franzosen. Mom^mle. vielleicht nur in den dumpfen Strömungen des UntcrbewasttfeinS. aber doch von ihrer eigenen Tragweite, und dabei der Instinkt, dast es mit Frankreich nicht länger bergauf geben kann Ein Abkommen zwischen Rust- lant> und Deutschland vermag namentlich franzö­sische Arrangement- in unterem Rücken untauglich zu machen. Dann stände Frankreich schon so gut wie isoliert da. und diese Chance sollten wir aus- geben? Gewist, auch die Kontinentalpvlitiker wer­den tparten wollen, bi« Frankreich soweit ge­schwächt ist, dast wir ihm gegenüber einigermaßen auf gleicher Basis verhandeln können. Aber es wäre durchaus möglich, dast unS hiS datzin der Appetit nach einem Zufammenschlust mit Frank­reich vergangen wäre Gegen eine kontinentale Po­litik spricht heute jede Realität. In der en­gen Lage, in der wir seit langem mir Objekt waren, müllen wir gerade aus austenpolitischem Gebiet die Dinge vielfach nehmen wie sie kommen Ader seit alterSher ist unS der Ausblick In die Zukunft nicht fo frei gewesen tote gerade jetzt. Rach der anderen Seite m$ Dunkel tappen zu wollen, wäre mehr als Torheit.

Die ßanbesunioerfität im Wintersemester 1923/24.

Rach her Gesamtühersicht über den Besuch unserer Landesuniversität im Win­tersemester 1 923/2 4 beziffert sich die Ge­samtzahl der Studierenden auf 2092 Die Zahl der immatrifull rrten Studierenden beträgt 1783. ein­schließlich 129 Studentinnen AlS Hörer sind 121, alS Hörerinnen 178. als Hofpitansinnen 10 regi­striert Gtebürrige Hellen sind 856. die genau dem Stande deS vorigen Semesters entsprechen, Richt- befsen sind 917, während es im vorigen Semester 965 waren

Die Hebersicht nach Staaten und Fa­kultäten gibt rech« interessante Aufschlüsie über die Inanspruchnahme der einzelnen Fakultäten durch die verschiedenen Staatsangehörigen. SS

auf die entscheidende Meldung aus Pesing, um vc-rzu gehen.

Der Bund wirb uns nicht unvorbereitet finden. Mr. Dameron. Diese Pläne b er geben uns einen guten Grund, untere Borderet!ungsn in grobem Mahstabe zu treffen. Wir werden uns jetzt vor jeder ikberrumhdung zu schüren wissen.

.Was werden Sie mit den Ausländern in ben Grenzgebieten machen? 3n Aksu, in QJar- land, in Khvtan. auch hier in Kaschgar sitzen zahl­reich« europäische Famllten.

.Wir tr-erben sie von heute an überwachen. Sowie es losgeht, schieben wir s« tn Konzen­trationslager nach dem Innern des Landes ab.

- .Ich habe es nicht anders vermutet. 3m bedrohten Gamzgebtet ist die Mahregll beroch- tiat Rur in einem besonderen Falle möchte ich selbst den Schuh ober, toenn Sie so toolten, bte Aussicht übernehmen. Meine Firma unterhält freunkliche Detziehungen zu dem hieswen Haufe Witthusen. Ich bitte Sie um bte nötigen Boll- machten . . .

Wang Ho beugte sich über den Tisch und schrieb. Eollm ö-ameron nahm das beschriebene Blatt, trocknete eS sorgfältig ab und steckte es zu den übrigen Dokumenten tu feine Breeftasche. Eine Order deS Gcneralstabschefs. Das u.'schein­bare Blatt legte das Schicksal zweier Menschen bedingungslos in dte Hände (Sollen CameronS

t

Der Sergeant, der bte Meldung deS 'Daryxl von Löwen an Georg Itembrandt überbrachte, vergast, bet feinem Fortgehen die Tür harter sich zu fchliehen. So blieb fte halb offen stehen und

studieren Theologie 25 Hellen. 9 Prausten.

1 Baden'er. 1 Thü.anger. yif 36. Iura 250 Hellen. 84 Prousten, 2 Bape:n. 4 Sachsen. 1 Würt­temberger 3 Badenser. 2 Thüringer. 1 Olden­burger. 1 Anhalter. 1 vettlander. I Holländer. 1 Pole zusammen 351. darunter 5 Stube nr tim en; Medizin: 71 Hellen, M Preuhen. 2 Vavrrn 4 Sachten, 2 Württemberger. 1 Thüringer. S Bul­garen. 1 Sdfaete. 4 Gt tech^ n. 13 Lettländer. 3 VI- tauer. 1 Oesterreicher. 2 Polen. 5 Rumänen, 4 Türken. 1 Ukrainer, 9 Ungarn zusammen 226. ta u sier 12 St^tzesiin um Beterlnärmedt- z l n 9 Hellen. 42 Preu' en. 5 Bapern. I Sachse. 1 Würi cmberger, 4 Badenser. 2 Thüringer 1 Braunschweiger, 1 Anhalter. 1 Hambuiger. Ifl Bulgaren 4 Finnländer. 1 Roriveger 8 Rumänen, 1 Tscheche st ?tv.k.'. 1 Ungar, zusammen 98. Philo- forbte dllHeisen. 382 Pveutzen. 15 Kinern. !4S.ichsen. . Württemberger. 31 Badenser. I Thü­ringer. 1 Olderburger. 5 Braunschuxlger, 4 Ham­burger, 2 Bremer. 1 Lübecker. 9 Bulgaren, 1 Dan­ziger. 1 Ll'ast-Lothringer. 3 Engländer, 1 Sinn* lander. 1 Inder. I Italiener. 1 Japaner, 2 Iugo llatoen, 13 Lrisiänder, IS Litauer. 1 Vuiemburgcr.

1 Holländer, 1 Holländ -Inder, 4 Oesterreicher 5 Polen, v Rumänen. 4 Russen. 1 Schwede 7 Schweizer, 7 Tschechoslowaken. 4 Türken, 2 Un­garn. 2 Amerikaner, zusammen 1072, darunter 112 Studentinnen

Bon den 129 Studentinnen gebären 86 zu Hellen. 21 zu Prousren, 1 zu Sachten. 2 zu Württemberg. 1 zu Baden, 1 zu Oldenburg. 1 zu Hamburg. 1 zu Bremen, 3 zu Lettland, 8 zn Ui tau en. 2 zu Polen, 1 zu Rust land. 1 zu Schweden

Bücktet tisch.

Das Ehrenbuch beS deutschen Volkes nennt sich ein stattlicher Crtnenbanb. den her bekannte Historiker Hans F. Hel­ms 11 bei Wilhelm Andermann in König­stein i. T. herausgebracht bat In siebzig Einzel­bildern hervorragender Deutschen aus alter und junger Vergangenheit oder ganzer Gruppen und Bellegangeu (z B Die Wikinger. Die Hanse. Die deutsche Bursche.ilchaltl will der Mrfaller die Höhepunkte der deutschen Geschichte umreisten und damit der Ration einen Spiegel ihrer eigenen LMftung vorhalten. Man hätte fich dieses Buch wesentlich anders d.mlen können, manche Gestalt (Rovalis, Höfdersin, Rietzsche. Hebbel. Brahms, Moltkc). mxtnches Bilv würde man sich noch wünschen, manches Gebotene hätte man dagegen gerne vermissen können. Auch die Darstellungen sind naturgemäß durchaus verschiedenweriig. <\u manchen Persönlichkeiten, die seinem Raturall nicht lagen, hat der Verfasser nicht das warme Ilterhältnis finden können, aus dem heraus er Im gleichen Buch Sllavs von meisterhafter Dik­tion schuf lz. B. Liselotte von der Pfalz, Friedrich der Groste. Maria Theresias. Aber es wäre ungerecht, noch länger bei diesen Ausständen, die ohnehin ja in der Art des Buches bcgrünbel liegen, zu verweilen und daS Buch nicht nrtl des ganzen Liebe zur Sache zu nehmen, wie es von Iteilafl und Verfasser bargeboten wird Und diese tiefe Liebe «allem, was Deutsch heiht. sprichs auS jeder Zeile, mit der hier die Geschichte be# deutschen Volkes in der Geschichte ihrer grofh-rr Menschen gcschilderi wird Austerordentllch reich und sorgfältig auSgewählt ist das ndtaegebene Bildermaterial, besonders dankenswert bte vielen Reproduktionen zeitgenössischer Meister der Re­formation. .Wer in der vaterländischen Geschichte Bescheid well), dem reichen rings Geschlechter um Geschlechter die Hand und künden, waS deutsch ist. gut und recht" . . . aber.die Masse macht es nickt. Sie habt daS Hohe und beneidet die Selb- ständigseit. beugt die Gipfel und ebnet fte etn Empor aus verflachender Gleichmacherei unb öder ®ngc führt doch nur die Persönlichkeit Unb ein rechtes Erzichungsbuch zur Persönlichkeit ist dieses Ehrenbuch, für die deutsche Ration ein Spiegel deS Trostes, der Erhebung und des Ansporns.

A MostkowSki: Der Venuspark. (5. Fontane <& (So., Berlin.) Diese Fantasten Übefl Liebe und Philosophie geben In zeitloser Daritete lung tiefe Sinbsickc in daS Mysterium der Liebe von seiner gesühlsmähigen. künstlerischen und wissens chastltchen Seite Stet» geist reiche stets spannend werden Probleme erörtert, die zu allen /-eiten ahn waren und heute auf Unser leib­haftestes Interesse rechnen dürfen.

F 2. Gras zu Stolberg: Oben unb Lieber. (Brenner Verlag. 'Irmsbruck.) Mit viel Geschick hat hier Theodor Haecker auS den lyrischen Werken deS säst tn Vergessenheit geratenen romnntllchen Grasen Stolberg das Schönste auSgewählt, aus dem auch heute noch durch manch unverständlichen Wortschwall hin­durch viel Tteses und Feinempfundenes zu uns spricht.

gestattete den Freunden, zu sehen und zu hören, was in dem anstohenden Hotelsaal t»r sich ging

AuS dem Stimmengewirr, das herübevOang, hoben sich deutsche Worte heraus Ei« Frauen­stimme war es Ein junges Mädchen, das mit einem Platzschasiner, einem deutschen Wolgakol)- nisten, sprach Wellington F)» sah etn fernes Gesicht von rein deutschem Typ. Lichtbildes Haar umrahmte die schmate Stirn, unter her lichtblaue Augen erglänzten.

Sie bellagtc sich über den Ausfall des Schisses nach Andllchan In diesem Augenblick sprach sie mehr zu sich selbst als zu dem Schaffner.

.Mein Vater erwartet mich Was wird er sagen, wenn ich ausbleibe? . . . Gr wird er Angst um mich fein . . Was soll ich nur tun?

Der gutmütige Schaffoer suchte sie zu trösten Wie ein Kvl)h stand lew* netenbafte Figur vor ihrer zarten Gestalt.

.Wir tonnen ja tel^phvnieven. Wohin wollen Sie denn nach Kalmar . . ein bibdhee weit . . telephonieren wir doch . . .

Wellington Fvss wtederh-lte Mechanisch bte letzten Worte.

.Rach Kaschgar will sie . . . wer mag sie fein?

.Wer mag fte fein . . ."

Schwer unb langsam waren bte Worte dtp den Lippen Georg Isenbrandts gefallen. W* traumoetforen unb geistesabwrienb sah er auf fernem Stuhl. Welltngtcm F?, Uxmbte ihm halb den Rücken zu. so dah er bte pfötzltche Ver­änderung nicht bemerken tonnte, bte tm Wrire feines Freundes oorgmg. 3a feiner terchtra Weise plauderte er werter.

(5oti1e)una Mat)