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3n den reinen Abendhimmel hinein ragen De­rnauer alter Kastelle und Festungswerke. Ruhig und klar stehen droben die Zypressen. Heber dem asiatischen Ufer geht jetzt ganz groß und feurig der Mond auf. Langsam klettert er empor und zeichnet in der Flut eine schimmernde Dahn. Wir liegen alle stumm auf dem Vorderdeck und lauschen und schauen. Denn mm wird es lebendig, nun beginnt es rings sich zu regen: Siehst du nicht drüben die goldenen Barken vvrübergleiten? Wie der Wind ihre Segel bläht. Schöne Frauen lächeln und neigen sich, leise klingt Harsenklang herüber. Hörst du nicht, wie alles zu dir redet, wie die Berge und Schlösser, wie die Wellen, die an der Bordwand murmeln, anfangen zu er­zählen: Bon stolzen Herrschern und schönen Frauen, von Kamps und Treue, von Liebe und Sehnsucht, von bitterem Leid und Sterben!Es waren zwei Königskinder," leise klingt es auf. 3rgendmner hat es angestimmt.

Höher steigt der Mond. Bald werden wir wieder auf dem Meere draußen sein. Die Leucht­feuer versinken hinter uns. Wunderbar ruhig liegt das Meer. Ein leichter Hauch nur läuft darüber hin und kräuselt leicht die Wasser. 3n breiter Bahn glänzt das Mvndlicht weit hinaus. Lange noch liegen wir auf dem Vorderdeck und können uns nicht losreihen von den Wun­dern dieser Nacht.

*

Vach zwei Tagen sieht man uns wieder in Warna. Mit der Dahn geht es sofort weiter nach R u st s ch u ck. Auch hier empfängt man uns wieder wie Könige. Aber, jetzt gilt es Ab­schied zu nehmen von Dulgarien. Abends im Militarkasino sind wir noch einmal, wie so ost, mit bulgarischen Freunden festlich vereint. Herz­liche Worte des Dankes wurden gesprochen: und bann ruft uns ein alter Abgeordneter der Sobranje noch einige Worte zu:Vergessen Sie nicht," so sagt er,bei der Deurteilung unseres kleinen Landes, daß wir erst seit einem halben Jahrhundert in die Reihe der Vationen ge- rreten sind, dah unsere Entwicklung eigentlich erst beginnt. Es ist vieles nicht so vollkommen, als bei 31)neu zu Hause, aber wir konnten in unserem Lande kaum das Alte ausbauen und wurden schon durch den Fortschritt wieder zu Veuem gedrängt: unser Strahennetz war noch un­vollkommen, da muhten wir mit dem Dau von Eisenbahnen beginnen. Vergessen Sie auch nicht, dah die Eltern unserer heutigen gebildeten Schicht zum größten Teile Analphabeten waren: auch meine Eltern. Heberlegen Sie, was es heiht: Der Vater kann nicht lesen und schreiben, der Sohn studiert in Wien oder Berlin oder ist gar hoher Staatsbeamter und Minister. Wenn Sie diese Tatsachen berücksichtigen, werden Sie unsere Ver­hältnisse richtig beurteilen können und würdigen lernen, was in dieser kurzen Zeitspanne geleistet wurde. Zn allem aber, was geleistet wurde wir bekennen es freudig und dankbar , hat uns in erster Linie die überlegene deutsche Kultur verholsen, von der wir stets von Herzen gern gelernt haben. Vehmen Sie als deutsche Studenten dafür unseren Dank entgegen. Verschliehen Sie uns auch weiterhin nicht den Weg zu 3hrer Kultur. Das ist heute mein heißester Wunsch, meine sehnlichste Ditte an Sie, als die jungen Vertreter deutscher Wis­senschaft und Dildung."

Vach Schluß der Feier begleitet uns die Musik nach unserem Quartier. Durch die nächt­lich stillen Straßen schmettern die Armeemärsche: Fenster fliegen auf, man ruft uns zu und winkt uns. Vor unserem Quartier, einer Schule, springt moch einmal ein bulgarischer Student die Stufen jtmfor und sagt in begeisterten Worten, was wir alle füllen, noch einmal schmettert das schnmi Mariha" und das Deutschlandlied über den Platz und barm, dann war bie Bul­garienreise zu Ende Wir hatten es lieb ge­wonnen in ben wenigen Wochen, bas Land mit seinen kernigen unb geraden Menschen.

Aus dem Amtsverkiindiqnngsblatt.

" Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 74, vom 31. Oktober enthält: Schonzeit für Rehwild. Lehrgang an den Landwirtschaftlichen Schulen. Kreissahung des Kreises Gießen. Zwarvgsinnung für das PHotographenbrndwerk. Schuh der Telegraphenleitungen. Gebühren der Feuervisitatoren. Schafräude in Hausen. Schweinerotlauf in Gießen. Dienstnachrichten.

Braucht Oberhessen zwei Handelskammern?

Don der Handelskammer Fried­berg wird uns geschrieben:

3n Vummer 240 3hres Blattes vom 11. Oft. 1924 werfen Sie von neuem die Frage auf, die Sie bereits vor 3ahresfrist gestellt und damals verneint haben. Sie sind der Meinung, daß nur der Vorstand der Fr iedberger Handels­kammer der Derermgung beider Handelskammern widerstrebe und sich von 3hren Darlegungen mcht überzeugen lasse, während die Deitrags- pslichllgen und Wahlberechtigten der Handels­kammer selbst anderer Meinung seien. Wir haben in der Zwischenzeit die Frage sowohl in der Voll­versammlung als auch in Versammlungen unserer Beitragspflichtigen zur Sprache gebracht, erst neuerdiiigs in Dad-Vauheim und Butzbach und sowohl im Plenum unserer Kammer wie in bei­den Versammlungen haben die Erschienenen ein­stimmig den Anschluß an Gießen abgelehnt. Diese Dertrauenserklärung für ben Vorstand ist um so bezeichnender, als infolge der erhöhten Beiträge naturgemäß eine Stimmung gegen die Handels- fammer entstanden war. Wenn in diesen beiden Versammlungen, nach eingehender Darlegung des Für und Wider, die eingetragenen Firmen, so­weit sie erschienen waren, für den Fortbestand der Handelskammer Friedberg sich aussprachen unb nicht einmal bie dadurch verursachten, 3hrer Meinung nach erheblich höheren Kosten scheuen, so beweist das mehr als alles andere, dah sich unsere Beitragspflichtigen von einer Vereinigung mit Gießen nichts versprechen. Hierbei wollen wir noch erwähnen, daß sogar 3hr Artikel vom 11. Oktober 1924 in der Butzbacher Versammlung vorlag unb die Vunde machte: die Erschienenen demgemäß sogar unmittelbar unter dem Eindruck 3hrer gewiß eindrucksvollen und beachtenswerten Ausführungen gestanden haben. Diese Ausfüh­rungen gehen aber, wie wir hierbei uns zu be­merken erlauben, von einer ganz falschen Voraus­setzung aus. Sie meinen, die Handelskammer- beiträge seien für den einzelnen um deswillen so hoch, weil die Handelskammer wesentlich höhere Ausgaben als seither hätte und Sie meinen wei­ter, die Handelskammer hätte den wirtschaft­lichen Verhältnissen insofern Rechnung getragen, als sie bie Beiträge auf die Hälfte ermäßigt habe und ihren Haushalt dadurch drosseln wollte. Die Folge davon müßte naturgemäß die sein, daß die Handelskammer demnach ihre Aufgaben aus Mangel an Mitteln nicht mehr erfüllen könne. Dies ist nicht richtig, sondern es hat sich herausgestellt, daß durch die Beiträge, die auf Grund der erhöhten gewerblichen Steuerkapitalien von 1923 angefordert wurden, trotzdem nur 1 Pf. pro 1COO Mart Gewerbesteuerkapital 1923 erhoben werden sollte, solche Beträge der Handelskammer zufließen würden, daß weit mehr eingegangen wäre, als die Handelskammer braucht. Als wir ben Voranschlag aufstellten, standen uns die Steuerkapitalien noch nicht zur Verfügung. Auf Anfrage teilte uns die Schwesterkammer Gießen mit, daß sie 4 Pf. pro 1000 Mk. Gewerbesteuer- kapital erheben toerbe. Es war ein Gebot der Vernunft, bei dieser Sachlage eine Ermäßigung allgemein eintreten zu lassen, da die Handels­kammer durchaus nicht die Absicht hat, eine Thesaurierungspolitik zu treiben unb Beträge an» zusammeln, die keine Verwendung finden sollen: aber es hat sich weiter auch herausgestellt, daß infolge der märchenhaften Gewerb.st.uerkapitalien von 1923 und der darauf fußenden Veranlagung der Handelskammerbeitragspflichttgen, die ein­zelnen Betriebe zum Teil mit unerschwinglichen Beiträgen belastet worden wären. Auch hier mußte eine Ermäßigung, und zwar in ganz beträchtlichem Maße, eintreten, denn keine Handelskammer hätte es verantworten können, Beiträge, die in dir mehrere Tausende Mark gehen, von einzelnen Beitragspflichtigen einzufordern und zu erheben. Keiner hat mehr als die Handelskammer bedauert, daß diese Heberraschungen entstanden sind, denn als der Haushaltsvoranschlag festgestellt wurde, waren die Gewerbesteuerkapitalien noch nicht be­kannt, außerdem ermäßigte die Handelskammer in ihrem eiligen Ausschüsse den bereits be­schlossenen Ausschlagskoeffizient um den vierten Teil.

Es ist deshalb grundfalsch, wenn man aus den durchaus erklärlichen und verständigen Maß­nahmen der Handelskammer in der Richtung der

Deitragspfllchngen den Verzicht auf die Tätig­keit der Handelskammer erblicken will, im Gegen­teil, bie Handelskammer wird erst recht ihre Da­seinsberechtigung erweisen unb gedenkt auch in der nächsten Zeit in den übrigen Teilen ihres Be­zirkes die Frage aufzurollen, ob die Deitrags- pslichttgen der Handelskammer Friedberg treu bleiben oder es für besser finden, sich einer an­deren Handelskammer anzuschließen. 3n einem Punkt möchten wir Sie noch aufzullären versuchen. Sie nehmen an, daß durch eine Verschmelzung der Handelskammern die Position der oberhcssi- schen 3ndustrie- und Handelsvertretung ganz außerordentlich gestärkt würde und meinen dabei wohl, daß das Votum der Handelskammern an Gewicht gewönne, wenn die gesamte Indust ne- und Handelswelt Oberhessens dahinter stände. Hierzu ist zu sagen: Gemeinsame Kundgebungen der oberhessischon 3ndustrie und des oberhessischen Handels erfolgen durch den Hessischen Han­delskammertag, der, wenn man schon einmal abwiegen will, entschieden mehr in die Wagschale fällt, als nur etwa die Vertretung der ober­hessischen Wirtschaft. Wer die Verhältnise kennt, wird bestätigen, daß die Kundgebungen des Hessischen Handelskammertages und die Ar­beit der Vertretertage der gesamten hessischen Handelskammern Beachtung gefunden haben, wie wir sie uns bei einer Stellungnahme der ober- hessischen Wirtschaft nicht denken können. Wir behalten uns vor, wenn wir demnächst unsere Derfammlung auch in ben übrigen Hauptorten unseres Bezirkes abgehalten haben, auf 3brep Artikel bes Näheren einzugehen.

* * *

Anmerkung der Redaktion: Die Friedberger Handelskamnrer irrt sich, wenn sie meint, daß ihre Mi glieber gleich dem Vor­stand durchweg auch Gegner einer Ver­schmelzung ter beite.i Handelskammern seien. Wir haben z. B. in unserer Vr. 247 vom 20. Oktober eine Meldung aus Lau bach abgs.'ruckt, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß man im Kreise Schot ten die Zusammenlegung der bei­den Handelslammern ebenfalls für das zweck­mäßigste hält. Diese Nachricht steht im Ein­klang mit Zuschriften, die uns schon früher aus unserer Leserschaft in ben Kreisen Friedberg, Bü­dingen unb Schotten zugegangen waren. Wenn der Friedberger Karnmervorstand auf die Be­schlüsse von Bad-Nauheim unb Butzbach hin- weist, so möchten wir doch daran erinnern, daß dieBad-Nauheimer Zeitung" von der Nauheimer Versammlung berichtete, infolge der borge ückten Stunde habe eine Anzahl der Veuammlungsleil- nehmer den Saal vorzeitig verlassen: die Em- stimmigkeit scheint demnach etwas eng begrenzt gewesen zu fein; und über den Verlaus der Butzbacher Versammlung hat man überhaupt gar nichts gehört. Wenn bie Vereinigung bisher abgelehnt wurde, so ist dazu nur zu sagen, daß große Hnternehnmngen eben immer eine g ?raume Zeit brauchen, .bis sie sich durchgesetzt Haven. Was unsere Bemerkungen über bie Kammer­beiträge anbetrifft, so ist darauf hinzuweisen, dah wir von dem ausgingen, was sich dem Außenstehenden als logische Schluhfolge- rung der Berichte über die Nauheimer Versamm­lung ohne weiteres aufdrängte. Die internen Richtlinien für die Aufstellung des Handels- Lammeretats waren uns natürlich unbekannt. Hebrrgens möchten wir nebenbei bemerken, daß dec Beitragssatz der Gießener Kamnter, wie wir auf Anfrage hörten, auf der Grund­lage von 1922 beruht, während die Fried­berger Kammer ihre Beiträge auf der Grundlage von 1923 berechnet. Aber die materielle Seite der Frage, so bedeutsam sie auch sein mag, ist doch nur von sekundärer Bedeu­tung. Das Schwergewicht liegt vor allem auf der ideellen Seite. Hnd nach dieser Richtung hin sagt bie Friedberger Kammer nichts, was gegen unsere Argumentation spricht. Entgegen der Friedberger Erklärung betonen wir, dah die gemeinsamen Belange der oberhes­sischen Kammermitglieder nicht vorn Hes­sischen Handelskammertag in spe­ziellen Kundgebungen vertreten werden. Der Hessische Hanbelskammertag wibmet sich nur ben gesamthessischen Angelegenheiten, bie Vertretung der Bezirks« und Lokalinteressen da­gegen ist es Sache ber Bezirksinstanzen, also dec einzelnen Handelskammern. Die Stoß­kraft zur Durchsetzung dieser 3nteressen wird desto leichter, sicherer unb größer sein, je st ä r-

ter uno umfass enoer der vroyrv ist. Namentlich von dieser Erwägung | gehend, selbstredend aber auch unter D tung der finanziellen Gesichtspunkte, halten nach wie vor eine Vereinigung der H delskammern Friedberg und G h e n für ratsam unb notwenbig im wohlt, standenen 3nteresse unserer oberhessichen Wb schäft. Man sollte sich hier doch das Beisp von Thüringen, wo man aus sieben Handel» kammern drei machte, unb die Zusammenlegun von Duisburg-Ruhrort zum Vorbild nehmen

Turnen, Sport und Spiel.

Deutschlands beste Schwimmer disqualifiziert.

Der Vorstand des Schwimm-Sport-CIubö Hellas"-Magdeburg hat auf Vorschlag bes Sportausschusses die Mitglieder seiner ersten Mannschaft Rademacher, Benecke, Rie­del, W. Görnemann, Haueisen, Rohr. Cordes, Hilmar, Giesecke und Amann wegen Rauchens und Heberschreiten der Hrlaubszeit mit Verweis und Start ver- bot von 14 Monaten bestraft. Desgleichen wurde der bekannte, noch sehr jugendliche Schwimmer E i ck e r vom Kölner Schwimmver­ein Rhenus v. 1897 wegen zu großer Disziplin­losigkeit mit einem Startverbot auf ein 3 a 6 r bestraft.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

ReformalionSfest.

Gießen. Sonntag, 2. Novbr. 20. Sonntag n. Trin. Stabtkirche. 9'/,: Pfr. Mahr. 11: Kinberkirche für die Matthäusgem. Pfr. Mahr. 5: Psarrass. Hertel. Beichte u. heiliges Abendmahl für die Matthäus- u. Markusgem. IohannLskirche. 9V,:Pfr.Dechtols. Heimer. 11: Kinberkirche für bie Lulasgem. Pfr Bechtolsheimer. 5: Pfr. Ausfeld Beichte u. heilig. Abendmahl für die Lukas- und Iohannesgem. 8: Bibelbesprechung i. Iohannessaal. Pfr. Becker. - Kirchberg. Resormationssest. 10; 11: Heilg. Abend­mahl für Staufenberg. l1,: Lollar. l/3: Stau­fenberg. - Watzenborn-Earbentelch. Watzen­born-Steinberg. 9: Beichte. 9/?: Gottesdienst (Heil. Abendm. der Jungverheirateten). Garbenteich. 1. (Koll. für b. Gustav-Adolfverein). - Wieseck. 9l/,. Kandibat Trapp, Gießen. (Opfer für bie Gustav- Adolf-Stiftung.)

Katholische Gemeinden.

Gießen. Samstag, den 1. November. 4'/, und 7 Beichte. Von 4'/2 6/., unb von 7-8 wird ein fremder Priester Beichte hören. Sonntag, 2. Novbr. 61/» Beichte, 7 Messe, Kom. b. Männer., 8 Kom.» 9 Hochamt m. Pr., 11 Meße m. Pr., 5'/, Rosen- kranzanbacht m. Segen. 6 Predigt. Andacht für die Abgestorbenen. 4*/2 u. 7 Beichte. - ©tüjiberg, Sonntag 9/2 Messe m. Predigt. Montag, ben 3. Novbr. Allerseelentag. 6 Beichte, 6, 6l/2, 7, 7l/i Messe, 8 Seelenamt für alle Verstorbenen ber Pfarrei, abenbs 8 Andacht m. Segen.

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