Einzelbild herunterladen

.258 Drittes Blatt

GiehenerAnzelger (General-Anzeiger für Dberheffen)

Am Vorabend des Krieges.

Aus den Tirpitzdokumenlen: Das Kolonialabkommen mit England. Berliner Chaos.

Don Professor Dr. Fritz Kern, Bonn.

Die Letzten Jahre vor dem Krieg haben eine fühlbare deu t sch - en g l ische Entspan­nung gebracht. Sv grausam d ese Tatsache heute für deutsche Ohren klingt, niemals war das deut­sche Doll näher am Ziel, seine gewaltigen natür­lichen Kräste frei im friedlichen Wettbewerb als ebenbürtig anerkannte Weltmacht zu betätigen. Die Kriegsgefahr schien sich nach allgemeinem Eindruck immer mehr aus dem deutsch-englischen Verhältnis zu entfernen, Heber die tieferen Gründe dieser günstigen Gestaltung in jenen glücklichsten Jahren unsrer Entwicklung sind die Ansichten noch geteilt. Tirpih ist überzeugt, daß di« mächtigen Fortschritte der deutschen Flotte in jenen Jahren England immer mehr zu der An­sicht brachten, dah der Zeitpunkt zur Äiederwer- fung des Aebenbuhlers im Weltgeschäft endgültig verpatzt und eine friedliche Derständi- gung von Gleich zu Gleich vorzuzie­hen sei. Dte Gegner von Tirpih meinen, dah die Entspannung nicht wegen, sondern trotz der deutschen Flotte zustande gekommen sei. An der Tatsache jener deuisch-englischen Annäherung aber kann niemand mehr vorbeisehen, seit die Doku­mente des Tirpitzwerkes vvrliegen, die den Glanz, die Würde und Wohlfahrt Deutschlands in jenett Jahren in ergveifender Gröhe aufweisen.

Im Februar 1912 hatte K i de rlen - W äch- ter geäußert:Ich bin ein Gegner von Tirpih, weil ich fürchte, dah seine Politik uns den Krieg mit England bringen wird." Im Dezember 1912 «ber, als diese Tirpihsche Politik durchgesetzt war, schrieb Kiderlen: .Jetzt sind die Engländer so zahm, dah sie mir aus der Hand fressen." Dazu bemerkt Tirpih:Kiderlen konnte also mit drnn

attach- in London an Tirpih, wie ihm Churchill bei einem Königsgeburtstagsessen in der Admi­ralität seinen Gedanken erllärt habe: .Teilweise etwas phantastische Betrachtungen über die Holidayjahre", wobei mir an d.-r gestraften Ta­pete des Enlpfangszimmers die fetten und Die mageren Jahre klargemachl wurden." Der Vor­schlag hätte die Ausführung des deutschen Flott eng cs chcs zu Fall gebracht, er wurde indes in England selbst und in den übrigen flotten­bauenden Ländern nicht ernst genommen, so dah cs'Deutschland erspart bl.eb, in unerfreu­liche Erörterungen darüber einzutreten. In der ermähnten Unterredung hatte Church ll üb.igers, wie der Attache schreibt, bemerft:Iberöe fern Vorschlag von uns nicht angenommen, so werde er das keineswegs übelnchmen "

Was das deutsch-englische Kolonial- abkommen betrifft, so dauer.e baS Mißtrauen zwischen Auswärtigem Amt und R ichcm lrineamt auch in dieser Zeit an. Don einem ftüten Kampf zwkschen Diplomaten und Mil'ttarS zeugt auch, was der Marineattachs aus der Londoner Bot­schaft nach Hause schrieb. Sin tiefes Mißtrauen herrschte zwischen ihm und dem strebsamen Dot- schaftsrat v. Kühlmanrr, dem späteren Staats­sekretär deS Auswärtigen.Unter den Diplo­maten verstehe ich hier Kühlmcmn", schreibt der Attache z. D. im September 1912 an Tirpih: .Denn alles andere ist Aull." Kühlmann arbeitete an dem Abschlutz dos großen deutsch-englischen Kolonialabkvmmens, das die Grund big? der end­gültigen Freundschaft zwischen den Herden Welt­mächten bilden sollte. Kühlmann, den Tirpih alS den eifrigsten Unterhändler der deutsch-eng­

lischen Verständigung seit Eckardstein be­zeichnet, fühlte sich alS eigentlicher Vater des Kolonialabkommens, das im Juli 1914 zur letzten Unterschrift bereit lag, als der Krieg ausbrach. Man verfolgt in den Tirpihpaplereir das all­mähliche Entstehen des großen diplomatischen Werks, zugleich auch das Mißtrauen. das der Attache nicht los wurde, Kühlmann wolle dabei die Flotte opfern.Erfahrungsgemäß", so schreibt der Attache Erich v. Mül le r,seht, wenn die Tmtendiplomaten etwas erreichen wollen, die Konzessionsmacherei ein. 5>a England umsonst niemand etwas abzibt. wird man auf der Hut sein müssen, datz feine Bedingungen gestellt und von unfern Diplomaten vertreten werden, die die kaiserliche Marine nicht akzeptieren kann."

Bon einem Besuch in England konnte Prinz Heinrich von Preußen feinem k iserliä-en Bauder einen hoffnungsreichen Bericht schicke.*, der sich heute wie eine Legende aus dem goldnen Zeitalter lieftDie ernstlichen Frie ensbestteban- gen Deiner Regierung", so heitzt es darin,tre.öen in vollstem Matze anerkannt. Wenn Du selbst, Georgie sowie Aicky (der englische König und der russische Kaiser zusammen bestrebt wären, den Fchcden aufrechtzuerhalten, so wäre keine ernst­hafte Gefahr vorhanden."

Aber im Juni 1914, als zum erstenmal feil Bestehen der Tirpihschcm Flotte ein englisches Geschwader zur Kieler Woche erschien, wie um die neue Freundschaft zu besiegeln, h eit gleichzeitig der englische Botschafter in Pc'e.s- burg eine Aede, worin er den bevorstehenden Abschluß einer gegen Deutschland gerichteten e n g l i s ch-ru s s i sch en Marinekonven­tion feierte. Sir Edward Grey wollte, wie der Kaiser mit bezeichnendem Ausdruck schrieb, .zugleich mit den Hunden jagen und mit dem Hasen laufen." So schuf er, ohne den Krieg selbst zu wollen, jene gefährliche euro­päische Lage, mit deren Schilderung Tirpih den Band schießt.

Erfolg der von ihm vergeblich bekämpften und verdächtigten Politik anscheinend doch recht zu­frieden sein." Das allgemeine Erfühl herrschte jedenfalls in Deutschland, dah wirüber den Berg seien". ES ist im Rohmen eines kurzen Artikels natürlich nicht möglich, diese größte Frage unsrer BvrkriegSgeschichte zu lösen. Jeder­mann ist nun ja auf Grund der von Tirpih ver­öffentlichten Akten, welche die Ansichten seiner Eigner tote di« seiner Anhänger in lebendiges Wirkung unb Gegenwirkung aufweisen, in der Lage, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Hatte Lloyd George recht oder nicht, toemi er im Avvember 1914 erklärte:Als dieser Krieg ausbrach, standen wir in besseren Bezie­hungen zu Deutschland als seit 15 Jahren." Wie weit war England ehrlich, als es uns jene gewal­tigen kolonialen Rechte einräumen wollte, die im Juli 1914 als unterschristsfertige Verträge Vorlagen? Wie weit war es dem Deutschen Reich in seiner damaligen Vollkraft möglich, bei Vor­sicht iger Behandlung Rußlands ferne unabseh­baren Zuftrnstsaussichten friedlich auszubilden? Tirpih sah die Gefahr nur im mangelnden Go- schick der Reichsleitung. Er führt einen Ausspruch an, den Ha lda ne aus der Zeit seines Berliner Besuchs in Erinnerung behielt:Wenn Sie in dirstm hvchvrganisierten deutschen Doll zur Spitze aussteigen, ftnden Sie nicht nur Konfusion, sondern ChavS."Die Hnentschlossenheit des Kanzlers," so fährt Tirpih fort,bildete eine Verstärkung ber uns umgebenden Gefahren, da man auch bei künftigen Krisen ein Chaos erwarten muhte. Es war ein Verhängnis, dah der Kaiser eine Per­sönlichkeit Im Amte behielt, von der er einen fast pathologischen Eindruck erhalten hatte. Mir selbst war es am wenigsten möglich, Schritte zur Beseitigung des Kanzlers zu unternehmen, dessen Unzulänglichkeit allgemein erkannt worden war. Gerade ich muhte mich zurückhalten, um nicht Mißdeutungen ausgesetzt zu sein. Mein Ur­teil über Bethmanns Befähigung war ja bekannt. Freilich die Stärke des Reichs war in jenen Jah­ren so grob, dah sie auch ein erhebliches Matz von Unbermogen in leitender Stellung ertragen zu können schien."

Die deutsch-englische Entspannung drückte sich aus einerseits in dem Abschluß von Ablommen über die Einflußsphären und Anwartschaften beider Länder in Afrika und im Gebiet dey Bagdadbahn, anderseits in der beiderseitigen An­nahme des Flottenverhältnisses 10: 16, unb damit im Erlöschen der Flottcnpaniken und aufrege.rdea Vergleiche. Der Erste Lord der Admiralität, Winston Churchill, brachte 1913 allerdings einen neuen Vorschlag auf, den des fogenannten Rüstungsfeierjahres (Aaval Holiday), d. h. für bestimmte Zeitperioden sollten die sämt­lichen Seemächte ihre F.ottenbauten unterbrechen. Am 4. Juni 1913 berichtet der deutsche Marine-

Eine Balkanreise.

Am Goldenen Horn. Der Ausstieg Bulgariens.

Eigener Drahtbericht des .Siebener Anzeiger." Aachdruck verboten.

III.

AbendS um 11 Uhr lichtet unser Schifflein die Anker und sticht in See. Das Blinkfeuer von Warna bleibt allmählich hinter uns. Aus Deck haben wir es uns gemütlich gemacht. Stroh­säcke wurden herbeigeschleift und nun legen wir uns hier oben in diesem wundermilden Hauche zur Ruhe. Ganz leicht schaukelt das Schiff, die Bugwellen fingen ihre alte Weise und lullen uns allmählich ein.

Am anderen Morgen erwachen wir in Bur­gas. Erst abends fahren wir weiter. In der Zwischenzeit wird eifrig gebadet und allerhand Unsinn getrieben. Als wir abends dann zur Ducht von BurgaS hinausfahren, da bläst ein netteS Lüftchen und unser Schifflein schaukelt ganz anständig. Immer toller wird es.Aber Mensch, wie schaust du beim aus?" fragt plötz­lich ein Kollege einen anderen.Mir, mir ist gar nicht gut antwortet der, und schon ist er mit einem Satz an der Bordwand undschaut umflorten Auges in die Flut". Die anderen lachen. Aber einen nach dem an­dern ereilt das Geschick.

Erst am frühen Morgen des anderen Tages, da wir in den Bosporus einfahren, wird die Sache etwas besser. Grvhe Lust, die Schön­heit der Umgebung zu bewundern, hat aller­dings keiner, zumal uns der Regen unter Deck treibt. Erft als Konstantinopel näher­kommt, Rettern wir wieder hinauf. Dillen und Paläste stehen zu beiden Seiten am Strand oder ziehen sich die Hänge hinauf, umrahmt von Duschwald und Zypressengruppen. Dichter rücken allmählich zu beiden Seiten die Häuser zusammen, zahlreicher werden die Moscheen mit ihren schlanken Minaretts, Straßenzeilen bilden sich: Wir fahren in Konstanttnvpel ein. Droben grüht der stolze Dau der deutschen Ge­sandtschaft. Dor uns taucht jetzt die Se- railspihe auf mit dem Serrail, der fast ganz im Grünen verborgen ist. Dahinter grüßen die Minaretts der Sophien- und Achmed- mos ch e e. Herunter zumGoldenen Horn" zeigt sich S t a in b u I. Jenseits das Hafenviertel G a I a t a und ansteigend die Europäerstadt Pera. Drüben, jenseits des Dosporus liegt langgestreckt S tut art Zahlreicher werden die Schiffe und 'Boote, die an uns vorübergleiten. Jetzt fahren wir zum Goldenen Hom hinein, das von unzähligen Motorbooten, Darken und Dampfern belebt ist.

Dald sind wir ausgebootet. Don einem ßega-

tionsrat der österreichischen Gesandtschaft und einem türkischen Gymnasialdirektor werden wir empfangen und in unser Quartier geführt, ein wundervoll eingerichtetes türkisches Internat. Hoch oben in Pera liegt es, und wir haben von hier aus einen herrlichen Rundblick über die Stadt und den Bosporus, bis zum Marmara­meer hinaus. Vorher schon hatten sich einige Pressephotographen über uns hergemacht und unsere Bilder erschienen dann in den' nächsten Tagen in verschiedenen Zeitungen. Wir waren ja auch die ersten deutschen Studen­ten, die nach dem Kriege zum Zwecke des freundschaftlichen Besuches hierherkamen.

Am anderen Tage fhreifen wir durch die Stadt. Unfer erster Besuch gilt natürlich S t a m- b u L Heber die große Galatabrücke geht es hin­über. Drunten schaukeln die Boote und Bar­ken, langsam ziehen die größeren Schifte ihre Bahn, fortwährend tutend und pfeifend, auf anderen raffeln die Winden beim Umtoben. Im .Zipfel besGolbenen Homs", ber burch bte Drücke abgeschnitten wirb, liegt eine ganze Anzahl Scgefbarfen untätig unb ganz hinten einige fieine Kriegsschiffe.

Stambul, das uralte, sagenumwobene, nimmt uns auf. Gassen und Gäßchen mit lebendigstem Leben erfüllt, durchwanbeln wir. Das ist ein Hin- unb Herwogen von roten Fezen, ein Durch- einanberrufen und Schreien. Ochsenwagen schie­ben sich zwischendurch, beladene Esel traben einher. Händler, deren Gaben halb ober ganz auf ber Straße ist, preisen uns ihre Waren an. Tiefverschleierte Frauen gehen vorüber. Man sieht ihrer allerdings nur noch wenige. Bei den meisten ist ber Schleier verschwunben. Den letzten Rest bavon windet man um das Haar. Boshafte Zungen unter uns behaupten, nur die Häßlichen gingen noch tiefverschleiert. An ber (Serail- mauer kommen wir jetzt vorüber. Leiber können wir den Serail nicht besichtigen. Dazu ist Ge­nehmigung von Angora notwendig. Jenes Ge­bäude dort ist dieHohe Pfort e, das Mini­sterium des Aeuhern. Heute ist hier alles tot. Man fühlt es in diesem Teile von Stambul auf Schritt unb Tritt: Es fehlt etwas. Man hat hier etwas weggenommen, bie alten Gebäude, sie sind stehen geblieben, aber sie sind leer wie For­men, des Inhaltes beraubt.

Wir treten ein in bie Svphienmoschee. Durch die Dorhalle, die noch sehr alte Mosaiks trägt, gelangen wir in den Hauptraum. Ge­waltig ist ber Eindruck. Heber bem weiten Raume

Technische Rundschau.

Don Dr. Franz Mittler.

Der amerikanische Automobillönig F o r b äußert sich in seinen Lcbenserinnerungen dahin, daß es vorteilhaft sei, wenn es dem Menschen zu- toeilcn schlecht gehe. So lange es ihm nämlich gut ergeht, hat er es nicht nötig, sich darüber zu be­sinnen, wie er seine wirtschaftliche Lage verbessern kann. Befindet er sich jedoch in schlechten Derhält- niffen, so strengt er seinen Geist aufs höchste an, um aus ihnen herauszukommen. Dann wird er zum Erfinder, zum Pionier des Fortschritts. So erklärt es sich, daß die bedeutendsten Erfin­dungen von Menschen herrühren, denen es nicht geradeglänzend ging. Was von dem einzelnen Menschen gilt, trifft auch auf die Menschheit zu. So lange sie in Heberfluß lebt, treibt sie Derschwendung, sobald sic beginnt, Man­gel zu verspüren, besinnt sie sich: sie fängt an, nach neuen Hilfsquellen Hmschau zu Aus dieser psychologischen Eigenart heraus erklärt es sich auch, warum bie Raturkräfte bisher in verhältnismäßig nur geringem Hm= fang ausgenutzt wurden. Die Grundlage unserer gesamten Tcchnll bildet einzig und allein die Kohle. Erst in neuerer Zeit hat die Derwer- tung ber Wasserkräfte eingesetzt, von ber Kraft der Luftströmungen unb der Energie der Sonnenwärme, von ber Hitze des r b in n e r n machen wir so gut wie »überhaupt leinen Gebrauch, obschon man längst den gewal­tigen Ruhen berechnet hat, den sie uns bringen könnten. Aber cs ging uns bisher gut, wir hatten sie nicht nötig.

Run ist die Kohle teurer geworden, man kühlt bereits die erften Anzeichen, daß sich die

Kohlenschätze der Erde dereinst erschöpfen werden. Da erwacht nun, wie Ford ganz richtig beobachtete, der erfinderische Geist. Alles mög­liche wird versucht, Licht, Sonne, Erdwärme und noch mancherlei sonstige Dinge auszunutzen, an denen man bisher achtlos vorüberging. Zu die­sen Dingen gehört der D a m p f, der a u s den Kratern der Dulkane entströmt. Er hat angesichts unserer Lage eine früher unbekannte Bedeutung erlangt. In Italien hat man eine besondere technische Studienkommission eingesetzt, deren Aufgabe es ist, die Ausnutzung des vulkanischen Dampfes in die Wege zu leiten. Es wurden ihr seitens der Regierung zwei Arbeitsgebiete zur Verfügung gestellt: Das eine liegt südlich von Do11erra unb hat einen Um­fang von 4,5 Quadratkilometer. Das andere, be­trächtlich größere, südwestlich von Florenz ge­legen, erstreckt sich über eine Oberfläche von 81 Quadratkilometer. Hier wurden Anlagen zur E r- zeugung elektrischer Kraft aus vul­kanischen Dämpfen errichtet. Dabei ergaben sich zunächst verschiedene Schwierigkeiten. Freilich ge­lang es leicht, Wasser mit Hilfe der aus pul- konischen Kratern entströmenden Erdwärme zum Kochen zu bringen, so baß man den gewonnenen Wasserdampf hätte ausnutzen können. Das war jedoch nicht ber Weg, ben man zu gehen beab­sichtigte, handelte es sich doch vielmehr darum, die vullanischen Aussttömungen ohne weiteres unb ohne den Hmweg über besondere Dampfkessel zu verwerten.

Man stellte zunächst einen Tu rbogene- ra t o r , d. h. eine Maschine auf, bie aus Turbine unb Elektcizitä tSerzeuger besteht, wobei beide auf ber gleichen Welle sitzen. Dteser Turbogenerator, dessen Leistung sich auf 250 Watt belief, wurde

durch ben vulkanischen Dampf in Betrieb gesetzt, ben man gegen die Schaufeln der Turbine strömen ließ. Der Versuch mißglückte. Die Rteschine ar­beitete zwar eine zeit lang vorzüglich, bald aber war bie Turbine vollkommen zerstört. Die in ben vullanischen Dämpfen enthaltenen Ekife, ins- befonbere bie schwell ge Säure, hatten nach kurzer Zeit das Eisen zerftessen.

Man ging bann zu einem anderen Ver­fahren über, helfen Ergebnisse nunmehr vorliegen. Dieses Verfahren besteht barin, baß ber vulka­nische Dampf zunächst in einen Raum strömt, in bem ihm bte eben erwähnten schädlichen Gase entzogen werden. Man erhäll so reinen Wasser» dampf vullanischen Hrsprungs, ber durch eine andereStenge des gleichen Dampfes überhitzt und auf einen Druck von 1,2 Atmosphären ge­bracht wird. Dieser gereinigte unb überhitzte Dampf wirb bann gegen bte Turbinen strömen lassen. Rach biefem Verfahren kst es tatsächlich gelungen, zwei Turbogeneratoren von je 3000 Kilowatt Leistung in Betrieb zu erhalten unb ben erzeugten elektrischen Strom in ber ver­schiedensten Weise auszunützen. Die Ergebnisse dieses eigenartigen Versuchs sind bem Berichte zufolge derart günstige, baß nunmehr in ber Land­schaft Tos kana eine noch größere vulkanische Kraststation errichtet werben soll, unb baß man dazu über geht, die Möglichkeit des Daus weiterer derartiger Stationen am Vesuv, am Aetna unb an einigen sonstigen Stellen ber italienischen Halbinsel zu stubieren. Man hofft, auf diese Weise unter unmittelbarer Ausnutzung des der Erde entströmeirden Dampfes derartige Mengen elektrischer Energie zu erzeugen, baß dem an Kohlen armen Lande erhebliche wirtschaftliche Vorteile erwachsen.

Samstag, h llovemver 1924

wölbt sich tn ihren riesigen Abmessungen die Kuppel empor. Durch ihre Beinen Fenster fallen schräg herab Bündel von Sonnenstrahlen unb zeichnen auf den Teppichen des Bodens helle Konturen. Mächtige Pfeiler und Säulen tragen eine Galerie, die sich in mäßiger Höhe rundum zieht. Wundervoll sind die reichen überfeinen Ornamente. Eine Menge Sagen und Legenden umranfen die Kirche. Eine davon aus ber Zeit der Eroberung ist mir im Sinne geblieben:

An einer Säule ist in einiger Höhe der Abdruck einer blutigen Hand zu sehen. Damit trug eS sich also zu: Als die Türken in die Stadl cingcbrungcn waren, wurde um jeden Fleck Erbe erbittert weiter gerungen. Bis in die Kirche setzte sich der Kamps fort und gerade hier tobit er am heftigsten. Fußhoch türmten sich die Leichen. Als der Sultan endlich an der Spitze ber Seinen der Feinde Herr geworden war, schritt er über die Leichen, schlug mit blutbefleckt? Hand gegen eine Säule und ries habe ich dich genommen und nur mit Blut werde ich dich wieder lassen."

Vor der Sophienmoschee, die übrigens von außen mit ihren mächtigen Sttebepsellern keinen besonderen Eindruck macht, erstreckt sich daS alte Hippodrom. Auf historischem Boden stehe» wir hier, dem die Jahrhunderte ihre Weihe gaben. Das war das Herz des alten By­zanz. Frag nur den Obelisken, der fett der Zeit Justinians hier steht, er kann dir er­zählen vom glänzenden Prunk des griechischen Kaiserhofes, er kann dir auch erzählen von Ver­fall, von Riedergang und Untertoerfung Er kann dir erzählen von der neuen Herrlichkeit des aus­gehenden Halbmondes der Sultane, er kann dir auch ihren Untergang schildern. Frage auch sie, die anderen Zeugen einer großen Ver­gangenheit, die Achmedmoschee mit ihren sechs Minaretts, die alten Gemäuer: es wird dir entgegenflingen die große Symphonie von Werden und Vergehen, von Leben und Tod.

Sinnend schreiten wir weiter. Bald sind wir wieder mitten im Trubel einer engen Gasse. Rcbendächer überwölben sie. Man hat gar nicht recht den Eindruck, als ginge man auf der Straße. So fällt es uns auch nrchl besonders auf, daß wir plötzlich im Bazar stehen. Lang er ft reden sich Im Halbdunkel seine Gewölbe hin­unter. Zu beiden Seiten offnen sich Oeitcngängc weit hinein. Hie und da blitzt elektrisches Licht auf. Man kann hier alles kaufen, nur han­deln und feilschen muß man können. Laut preisen die Händler ihre Waren an. Tritt man zu dem einen, zupft ein anderer schon am Rockzipfel und ruft zu seinem Laden. Der Chesrcdcststur einer türkischen Zeitung handelt siir uns Man bietet ungefähr den vierten Teil des 'Geforder­ten. Mit einem Armenier gerät er so hinterein­ander, daß wir fürchten, sie fangen an zu raufen. Aber er beruhigt uns: das sei hier so Sitte Das Halbdunkel des Spätnachmittags kriech! immer mehr in die engen Gewölbe Herrlich sehen jetzt die farbenprächtigen Teppiche aus. Allmählich wenden wir uns zum Gehen, hemt für den Abend sind wir zum deutschösirr- reichftchen Gesandten zum Tee cingclaöen, nach­dem am Mittag bereits der Rektor der Uni- versität jeden einzelnen von uns begrüßt hatte. Beim Gesandten verlebten wir einige schöne Stunden. Im Mondschein gingen wir im Gar­ten spazieren und fangen einige unserer schönen VollÄieder hinaus in die Sommernacht Drum en glänzen am Bosporus die Lichter der Stadt.

Arn anderen Morgen in der Frühe fahren wir hinüber nach Skutari. Zunächst gilt unser Besuch dem deutschen Heldenfriedhof. Hierauf betreten wir einen türkischen Friedhof, wo irgendein Bußfest gefeiert wird. PcrGche Pilger geißeln sich. In zwei langen Reihen treten sie einander gegenüber, in den Händen krcuzweis verschlungenen Ketten. Zu einem selt­samen Gesang mit ganz eigenartigem, schwerem Rhythmus gehen sie einen Schritt hin und h-r, vor und zurück und lassen dabei im Tafte die Ketten über die Schultern auf den entblößten Rücken klatschen.

Abends bereits müssen wir scheiden denn unser Hchifflein, derKyrill", will abfehren und mit ihm müssen wir zurück. Eine ofjar türkischer Studenten begleitet uns zum Hasen und bereitet uns eine schone Abschiei stunde.

Kurz nach 7 Hhr lichtete derÄijriH ' die Anker. Langsam gleiten wir zumGoldenen Horn" hinaus in den Bosporus. Hinter uns bleibt Stambul mit der Serailspihe. Links gl-'itet ©alata und Pera an uns vorüber und drüben Skutari. Hnverwandt schauen wir: wann werden toir dich Wiedersehen, Konstantinopel? Die Sonne sendet die letzten Sttahlen über die -ch h ur Linken. Am jenseitigen Hange erglänzen die Fenster der Dillen und Paläste in goldenem Feuer. Bald ist die Sonne ganz untergegangen.

Andere, insbesondere die tropischen, gleichfalls an Kohlen armen und an Vulkanen reichen Länder, dürften dann über kurz oder lang folgen. Man regt sich hier aber auch in anderer Weise, um sich von der durch den weiteren Beförderungsweg ganz besonders teuren Kohle zu befreien. So hat man jetzt in Aegypten sowohl wie in Indien mit dem Dau riesi - ger, Staudämme begonnen, die nicht nur dazu bestimmt sind, die Dewässerung groß r Land­striche sicherzustellen, sondern die vor allem auch der Versorgung weiter Gebietsteile mit elek­trischem Strom dienen sollen. Beide Dämme übertreffen den einst so viel bewunderen 3:au- dämm von Assuan in bezug auf ihre Abmessun­gen ganz beträchtlich. Der indische Damm, ber in der Rähe von Povna erstehen wird toll sogar der größte der Welt werden Seine Fertigstellung ist für das Jahr 1927 in Aussicht genommen. Er wird quer über deit Indus hi wg- gebaut und wird eine Länge von über za- 'Kilo­meter haben. 66 Durchlüfte werden zu Re.e- lang des Wasserftandes und dazu denen ben Turbinen der am Fuß des Dammes zu er­richtenden Elektrizitätswerke die nötigem Wasser­mengen zuzuführen. Der Damm wird bi? ge- toaltige Höhe von 62 Meter haben. Hinte ihm wird sich ein Stausee erstrecken, aus dem all^s in allem über 500 Kanäle gespeist werden, die das Land nach allen Richtungen durchzielien und den Wiesen und Feldern das zum (? _m nötige Wasser zuführen So wird die /. chnil dazu beitvagen, daß in einer heu'? unfru' deren Gegend Ackerbau unb Industrie die w-st estgeh. ir­den Entwicklungsmöglichkeiten finden