Nr. 76 Zweiter Blatt
Streiflichter auf die städtische Finanzpolitik.
II. (Seil I in Olr. 69.)
Rach dem Rechnungsstonb vom 1. Dezember V. 38. erwartete die Stadtverwaltung aus der (Bewirtschaftung der Waldungen für das lau- fenbe Rechnungsjahr einen äleberschuh von rund /7 800 000 Mart. Allzu grobe Pläne wird man [mit diesem Ertrag nicht verknüpfen können, denn !man muh bedenken, daß mittlerweile auch alle Ausgaben in raschem Tempo gewachsen sind, die Einnahmen der Stadt aus den ihr zustehenden Steueranteilen aber nur in sehr weitem Abstand folgen und obendrein auch noch sehr langsam eingehen. Das Bild der gesamten städtischen Finanz- Wirtschaft hat sich dadurch natürlich verdüstert, und angesichts dieser Sachlage wird auch der Ertrag des Waldes schließlich nur ,ein .Tropfen auf einen Heiden Stein" bleiben.
, Ein recht ansehnlicher Zuschuh ist für das Bolksdab zu leisten. Dieses ist am 1. Januar d 38. in den Besitz der Stadt übergegangen, man hat seine Unterstützung aus städtischen Mitteln für das letzte Viertel des Rechnungsjahres (die drei ersten Monate dieses Kalenderjahres) auf 2 484 540 Mark berechnet. Wenn man den bei dieser Berechnung angewandten Mahstab des Geldwertes für die Ermittlung der jährlichen Zubuße zugrunde legt, wird man auf ein städtisches Opfer in Höhe von rund 10 Millionen Mark kommen. Diesen Betrieb darf man aber nicht tn erster Linie nach seinem finanziellen Resultat bewerten, maßgebend muh vielmehr fein, welchen Ruhen die Volksgesundheit in unserer Stadt aus diesem Unternehmen ziehen kann. Dieser ist aber zweifellos sehr hoch zu veranschlagen, und unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, erscheint auch ein Opfer von 10 Millionen Mark nicht zu groß, älebrigens bieten sich Möglichkeiten, dieses Opfer der städtischen Finanzen zu verringern. Die Bürgerschaft möge das Vvlksbad nur fleißiger als bisher In Anspruch nehmen, damit die Einnahmequelle des Bades ergiebiger fließt. Das Volksbad bietet auch im Sommer eine sehr angenehme Badegelegenheit, die noch dazu billiger ist als ein Bad im Hause. Vielleicht könnte auch die Derwaltung zum Anreiz eines vermehrten Besuchs noch mancherlei tun. Wir denken z. B. an die Einführung von Familien-Abonnementskarten zu etwas ermäßigtem Preise, wodurch ganzen Familien ein Vorteil geboten würde, der sicherlich, weim man diese Einrichtung gehörig propagiert, auch für die Kasse des Bades ganz ansehnliche Mehreinnahmen zur Folge hatte.
Das Schulwesen nimmt die städtische Fi- nanzkraft ebenfalls in sehr hohem Maße in Anspruch. Rach dem Stande vom 1. Dezember berechnet, sind folgende Zuschüsse erforderlich: Volksschule und Fortbild mgsschale rund 4 380 000 Mk., Höhere und eroeiterte Mädchenschule rand 2 082 000 Mk, Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule rund 8 054 000 Mk., Gewerbe-, Maschinenbau- und Ka rfmännische Fachschale rand 1 045 000 Mk., Aliceschule Mit Fröbelseminar rund 809 000 Mk Das sind zusammen runb 16 370 000 Mark. Dabei ist aber zu beachten, dah diese Ziffer bis zum Ende des Rechnungsjahres (31. März ds. 3S.) infolge der mittlerweile erneut eingetretenen Geldentwertung noch anschwellen wird. Daß das Schulwesen aus Mitteln der Allgemeinheit gestützt werden muß, ist natürlich selbstverständlich. 3eht stehen die Dinge so, daß die Stadt für die Volksschule die gesamten Sachausgaben zu Aablen hat, während die persönlichen Kosten (Gehälter) vom Staate gezahlt werden, und daß die sächlichen Ausgaben für die höheren Schulen gleichfalls aus kommunalen Mitteln za decken sind, wozu aber hier noch ein Teil der Personalkosten zu Lasten der Stadt hinzutritt. Dabei ist nicht zu übersehen, daß die höheren Schulen unserer Stadt zum größeren Teil von Schülern aus der Umgegend besucht werden. Allerdings wird für die auswärtigen Kinder ein Zuschlag zum Schulgeld erhoben, aber diese Beträge stehen in keinem Verhältnis zu den erhöhten Sachaufwendungen, die die Stadt für die auswärtigen Kinder zu machen hat. Wir gönnen diesen Kindern selbstrednrd von ganzem Herzen die Möglichkeit, die höheren Schulen in unserer Stadt besuchen zu können, und möchten unsere Betrachtung nicht etwa so aufgefaßt wissen, als ob wir ©egner des Schulbesuchs von außerhalb wären. Hier dreht es sich für uns nur um die Frage, wer für die Deckung der Ausgaben aaf- zukvmmen hat. Auf der einen Seite sehen wir, daß die Steuerhoheit der Gemeinden verschwunden ist, wodurch die kommunale ftnanzittle Selbständigkeit in ein finanzielles Kostgänger tum der Gemeinden beim Reiche und beim Staate umge- wandelt wurde Dieses Kostgängertum ist für die Gemeinden so „ergiebig“, daß bei ihnen Schmalhans ständig Küchenmeister ist. Auf der
Unter dem Hreiheitrbcmm.
Roman von Clara Biebi^.
77. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Sie neigte langsam den Kops: 3a, und schüttelte doch gleich darauf: Rein. Was sollte sie sagen, die Antwort war „ja" und auch „nein". Der Mann da wußte ja auch schon alles; er hatte Hans Bast gefangen genommen, Hans Bast lag in Ketten. Und den Ueßmüller sollte Hans Bast auch ersckwsfen haben? Und wie war's mit dem Mangel? Sie hörte Ramen und dachte nicht nach, sie konnte nicht denken, sie fühlte nichts als Entsetzen. Die Zähne in die Lippe verbissen, stand sie bewegungslos. 3n ihrem Kopf ward es mit einemmal ganz leer, sie hatte gar nichts mehr darin. Sie hörte ein ungeheures Getöse, vor ihren Blicken ward's schwarz. Aber sie fiel nicht um.
Ein seltsames Mädchen! So stumpf. Keine einzige Träne. Adami wunderte sich: Stand der Vater ihr so fern, daß fein schreckliches Schicksal sie nicht einmal bewegte?
Es war still im Zimmer, eine ganze Weile. *22 tnterf liegen, vom Sonnenschein geweckt, surrten am Fensterglas auf und nieder; Kinder kamen von der Schule draußen vorbei, man hörte das Trappeln ihrer Rägelschuhe und ihr fröhliches Schwatzen.
„Werden sie ihn totmachen?"' fragte plötzlich Maria.
„Wer Blut vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden," sagte ernst der Rich.ex. „Wie wir ihn aburteilen, das deutsche Gericht, kann man noch nicht w.ssen. Die Franzosen werden ihn zum Tode verurteilen, er hat den französischen
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Samstag, 3s. März (923
Der Gießener Arbeitsmarkt im Februar. (Eigene Information des Gießener Anzeiger-.)
Die Lage des Gießener Arbeitsmarktes hat sich im Laufe des Monats Februar im Vergleich zum Vormonat wesentlich verschlechtert. Arbeits- einschrankungen wurden in verstärktem Maße vorgenommen. und dadurch hat sich die Erwerbslosigkeit erhöht.
In der Landwirtschaft wurden im De- richtsmonat hauptsächlich Dauerarbeiter verlangt. 7 offenen Stellen standen 8 Arbeitsuchende gegenüber. 6 Stellen wurden beseht.
In der Tonindustrie konnte von einer Detriebseinschränkung noch abgesehen werden. D.r Stand der Beschäftigung blieb auf der Höhe des Ianuarstandes. Die gleiche Entwicklung ist von dem hiesigen Braun st einbergwerk zu berichten.
Die Metallindustrie verzeichnete im BerichtSmonat eine ziemlich starke Arbeitslosigkeit, von der hauptsächlich Schlosser betroffen wurden. Die Arbeitslosigkeit entstand namentlich durch Betriebseinschränkungen, die ein größeres Werk in einem benachbarten Kreise vornahm. Die dort beschäftigten, aber in Gießen wohnenden Arbeitskräfte wurden hierdurch stark in Mitleidenschaft gezogen. In den größeren Werken der Branche im hiesigen Kreise konnten im Febrirar Arbeiterentlasjungen vermieden werden. Die Aussichten der Branche waren indessen gegen Ende Februar infolge Absatzschwierigkeiten trüber geworden. 19 offenen Stellen standen 91 Arbeitsuchende gegenüber. 6 Stellen wurden besetzt.
In der H o l-z i n d u st r i e standen 3 offenen Stellen 15 Stellensuchende gegenüber. Die geringere Tätigkeit ist mit dem Darniederliegen des Baugewerbes zu erklären.
Rahrungs- und Genuhmittel- gewerbe: In der Tabakindustrie sind in der Berichtszeit weitere wesentliche Detriebseinschrän- kungen vorgenvmmen worden. Die Höhe des Goldzolles und der Danderolensteuer drückt zur Zeit noch sehr schwer auf diese Industrie. Wenn hinsichtlich des Goldzolles und der Steuer eine Erleichterung gewährt wird, dürften sich vielleicht auch die Arbeitsverhällnisse wieder etwas günstiger gestalten. Zur Zeit sind über 3000 Tabakarbeiter und -arbeiterinnen in Gießen und Umgegend arbeitslos, zahlreiche Fabriken arbeiten mit verkürzter Arbeitszeit. Die Arbeitslosen werden zum größten Teil auf Grund der Bestimmungen des Tabaksteuergesehes unterstützt. — 3m Qöäcfereigetoer&e suchten 13 Leute Beschäftigung, eine Stelle war vorhanden, die auch beseht wurde.
3m Bekleidungsgewerbe haben sich die Derhältnisse fühlbar verschlechtert. 22 Schneider und Schuhmacher suchten Arbeit, 2 offene Stellen waren vorhanden, von denen eine beseht wurde.
Das Baugewerbe zeigte im DerichtS- monat dasselbe Bild wie im Vormonat. Mil dem Eintritt günstigerer Witterring hofft man auf den Wiederbeginn der Bautätigkeit. Am Ende deS Monats Februar hatten sich 81 Arbeitsuchende gemeldet, eine offene Stelle wurde befeyt
3m Duchbruckereigewerbe hält die Unzulänglichkett der Deschäftigungslage unvermindert an. 14 Stellensuchende wurden gezählt, offene Stellen waren aber nicht vorhanden.
Das Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe hat gegenüber dem Vormonat eine geringfügige Besserung erfahren. 10 offenen Stellen standen 18 Arbeitsuchende gegenüber, die offenen Stellen wurden besetzt.
Technische Berufe: Die Gage zeigte für die Techniker ein sehr wenig freundliches Aussehen. 10 Stellensuchende, keine offenen Stellen.
Kaufmännische Berufe: 29 Stellen- suchende, 7 offene Stellen; eine Stelle wurde beseht. Auch hier sind die Verhältnisse des Aroeits- marcktes wenig erfreulich.
Freie Berufe und ungelernte Arbeiter: 205 offenen Stellen standen 313 Arbeitsuchende gegenüber. 200 Stellen wurden beseht.
Zur möglichst umfassenden Bekämpfung der Arbeitslosigkeit begann die Stadt im Berichtsmonat mit Rot st andsar beiten, die aber zum Teil bald wieder eingestellt werden muhten, weil plötzlich eine Frostperiode angebrochen war und der Stadt beim Durchhalten der Vorstands- arbeit in der Frostzeit großer Schaden entstanden wäre.
Weibliche Arbeitskräfte: 163 offene Stellen, 162 Arbeitsuchende. 40 Stellen wurden besetzt. Die arbeitsuchenden weiblichen Kräfte entstammen zum großen Teil der Tabakindustrie.
Stellenvermittlungstätigkeit des Arbeitsamtes: männliche Personen: ofic.ie Stellen 285, Arbeitsuchende 689, besetzte Stellen 235». Die entsprechenden Ziffern der w e i b l i ch e n Personen sind aus dem vorstehenden Absatz ersichtlich.
Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen belief sich Ende Februar auf 70 (im 3anuar 41).
andern Seite muß man beobachten, dah Reich und Staat eine Sache nach der andern, die an und für sich _oft sehr schön sind, beschließen, die Kosten dafür aber meist den Gemeinden auferlegen, ohne diesen auch die entsprechenden Einnahmen ungesäumt za gewähren b;w. b'e Möglichkeit zu deren Erschließung zu bieten. 32ht besteht ein Zustand, der unhaltbar ist, der die Gemeinden im Laufe der Zeit in immer hoffnungslosere finanzielle Zerfahrenheit bringt. Einen wesentlichen Teil dieses Zustandes stellen die Schul- laften dar. Wir meinen, die Gemeinden, ob groß oder klein, sollten im 3nteresse ihrer Finanz- Wirtschaft doch mal gemeinschaftlich nach der Ria)- tung hin vorstellig werden, daß der Staat die gesamten, also auch die sachlichen Schullasten übernimmt. Eine solche Regelung erscheint uns aus mancherlei Gründen recht und billig. Die finanziell schwer ringenden Gemeinden bekämen dadurch eine fühlbare wirtschaftliche Erleichterung. Die großen Brüder Reich und Staat, die den größten Teil bet öffentlichen Einnahmen für sich in Anspruch nehmen, bekämen auch den annähernd entsprechenden Teil der Lasten zugewiesen, das breite Land, das doch an einer gebiegenen Bildung unseres Rachwuchses auch sehr erheblich interessiert ist, könnte durch eine über das ganze Staatsgebiet gleichmäßig ausgeschlagene Schul- umlage den Erfordernissen entsprechend mit heran- gezogen werden, kurzum man käme ohne weiteres zu einem nach einheitlicher Grundlage geregelten Zustande, der dem heutigen in vielen Stücken vorzuziehen wäre. Hoheitsrechte über die Schule würden dabei nicht aufzugeben sein, weil ja jetzt schon die maßgebende Bestimmung über das Schulwesen (Anstellung der Lehrpersonen) beim Staate liegt. Wir würden es begrüßen, wenn unsere Stadtverwaltung nach dieser Richtung hin mal den Anstoß geben und wenn die übrigen oberhessischen Gemeinden sich einem solchen Vorgehen der Stadt Gießen anschließen würden, damit die kommunalen Finanzen auf diese Weise vielleicht einer Erleichterung entgegengeführt werden können.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 2i. März 1923.
** Wvrtzählung in Telegrammen. In Telegrammen in deutscher Sprache werden mehrstellige Zahlen auch dann als Wörter der offenen Sprache berechnet, wenn die dazu gebrauchten Ziffern einzeln oder gruppenweise nebeneinandergesetzt sind, z. B. zweivier für 24, elfzehn für 1110. Die Telegraphenverwaltung macht jetzt barauf aufmerksam, daß diese Freiheit in der englischen Sprache beschränkt und in der französischen überhaupt nicht zugelassen ist. 3m Englischen kann man einzelne Zahlwörter in Buchstaben nebeneinander setzen, z. B. twofour für 24, fivezerofive für 505, aber nicht gruppenweise zusammenfassen, also nicht etwa eleven- ter für 1110, was für zwei Wörter gezählt wird.
*♦ Gegen Diebstähle und .lieber» fälleauf der Eisenbahn. Halbamt ich wird mitgeteilt: Die Diebstähle von Hanbgepäck aus den zur Abfahrt bereiten oder bereits fahrenden Zügen wollen nicht nachlassen; sie werden stets aufs neue begünstigt durch eine gewisse Leichtfertigkeit der Reisenden, die ihre Koffer entweder ganz unbeaufsichtigt im Abteil liegen lassen, oder ganz unbekannte Mitreisende bitten, auf ihr Gepäck aufzupassen. Hetzt sotten die Reisenden durch besondere Aushänge auf den Bahnhöfen und in den Zügen auf die Diebstahlsgefahr nachdrücklich hingewiejen werden. Auch i i fahrenden Zuge wird häufig, wenn die Reisenden in den Speisewagen gehen u.rd ihr Gepäck ohne Aufsicht zurücklassen, dieses Gepäck entwendet. Um die Reisenden vor derartigen Diebstählen möglichst zu schützen, sind die O-Zag-Schasfner angewiesen worden, auf Wunsch der Reisenden, die ihr Abteil ro -übergehend verlassen wollen, das Abteil <llzu- schliehen. Dieser SHuh wird sich auch auf nächtlichen Reisen empfehlen, so daß Reisende, die allein in einem Abteil fahren und schlafen möchten, den Schaffner um Abschsießung des Abteils ersuchen können, um so vor Diebstahl, Beraubung oder Uebersall geschützt zu fein. Rur wenn die Reisenden selbst den Kampf gegen • die Eisenbahndiebstähle unterstützen, darf man ho fen, daß ihre Zahl allmählich zurückgehea wird. Eine Haftung für das in den Anteilen zurückgelassene Handgepäck übernimmt die Reichseisenbahnverwaltung in keinem Fall, und es wird sich stets empfehlen, sich gegen wirtschaftliche Schädigungen durch den Abschluß einer Gepäckversicherung zu schützen.
Hauptmann ermordet. Dafür allein gebührt ihm schon Tod."
„Dafür nit — o nein, dafür nit!" Laut auf- schreiend, streckte plötzlich das Mädchen beide Arme abwehrend aus. „Ihr wißt ja nit, warum er den totgemacht hat!"
Der Aufschrei war so gewallig, die Miene so verstört, die bis dahin Stumme so laut and voller Leidenschaft, daß Adami stutzte.
Maria war verwandelt, alle scheinbare Gleichgültigkeit verschwunden; die Hände ringend, schrie sie überlaut: „Dat hat mein Vatter für mich getan, für mich! Der hatt' mich ja angefallen, als ich allein Ling auf dem Weg von Trier, — en’t Gebüsch halt’ er mich geschleppt, wehren könnt ich mich da nit mehr. Herr, Herr!" Sie fiel vor dem Friedensrichter nieder und hob bittend die gerungenen Hände: „Dafür darf meinem Vatter nix geschehen!"
Des Richters Augen wurden groß and starr. Was — was sagte sie? Angefallen worden auf dem Weg von Trier, ins Gebüsch geschleppt — vergewaltigt, das meinte sie doch ohne Zweifell und b'Aubry, der Ermordete am Retter Hals, der, der war jener Schurke?! Hans Bast hatte ihn ermordet — der Vater hatte die Tochter gerächt! Alles war so seltsam, so verworren und doch so folgerichtig, unleugbar Rar. Und dieses Mädchen log nicht.
Er faßte sich an die Stirn, die Stube drehte sich plötzlich — er war auf der Straße von Tier — er sah ein einsam wanderndes Mädchen — Trier, Trier! — er sah die Simeonstraße, das Patrizierhaus, die schöne Susanne hinter dem Blumenfenster. „Men Gott, mein Gott," stöhnte er auf. Maria, Susanne, d'Aubry, Hans Bast
"DomDeutschenRotenKre.uz wird uns geschrteben: Unsere deutschen Freunde tnb Stammesverwandten un Auslande, insbesondere in Rord-- und Südamerika, sehen in hochherziger Weise ihre uneigennützige Hilfstätigkeit fort. Das Central Relief Comittee zur Linderung der Rot in Deutschland und andere amerikanische und sonstige Wohlfahrtsinftitutivnen haben wiederum viel Elend gelindert und unzählige Herzen zu Dunk verpflichtet Seit Zahresbeginn sind durch Vermittlung des Deutschen Roten Kreuzes nach den Wünschen der Spender sämtliche Wohlfahrts-, Kranken- und Fürsorgevrganisationen bedacht worden. Allein in dem Bereiche der ProvinzH essen- R a s s a u und dem Freistaat Hessen sind seit dem 1. 3anuar 1923 zur Verteilung gelangt: 20 Kisten Liebesgaben, 10 Kisten kondensierte Milch, 1 Sack Zucker, 30 Sack Mehll 3 Sack Haferflocken, 27 Kolli Kleidung, Wäsche und Schuhe, 8 Sack Reis, 58 Kisten diverse Lebensmittel, 4 Kisten Fischkonserven, 7 Faß Lebertran, 1 Ballen wollene Decken, 20 Tonnen Heringe.
Kreis Alsfeld.
* Alsfeld, 29. März. Der Stadtvorstand genehmigte in feiner jüngsten Sitzung eine Erhöhung des Wassergeldes für 1923 u m da s 1 5 0 f a ehe des Preisstandes von Ende 1920. Der neue Preis beziffert sich danach auf 60 Mark pro Kubikmeter. Man erwartet von der Erhöhung eine Einnahme von ca. 6 Millionen Mark. — Die Errichtung unseres Kriegerdenkmals soll jetzt, nachdem der Denkmal- Platz durch die 2ll»sttmmutg der Wrrgerschast bestimmt ist, beschleunigt werden. Zur Gewm- mmg eines Denkmalentwurfes wird ein engerer Wettbewerb ausgeschrieben, die Entwürfe sollen bis 1. Mai eingelaufen sein. Für die Auswahl eines Entwurfes sind bereits namhafte auswärtige Künstler und Sachverständige gewonnen. Man hofft, das Denkmal noch im Herbst einweihen zu können.
'Ruppertenrod, 29. März. Bei der hiesigen Drennholzdersteigerung, zu der
— die Gesichter jagten sich Er faßte um sich, als suche er einen Halt, und seine Hand sank auf den Scheitel der Knienden.
„Steh auf!“ Er zog sie empor. „Erzähle mir alles."
S'e faßte sich, ferne Miene flöhte ihr Mut em: 3a, der verstand sie, dec wußte, warum Hans Basis Tochter jetzt auf einmal wieder zum Vater hielt Das gab ihr Worte. Die jagten sich; mit glühenden Wangen sprach sie. Aller Schreck der ileberfallenen, alle Verzweiflung der Beraubten, alles Entsetzen der den Schänder Wiedererkennenden, der die Rache Wünschenden und doch vor der Rache 3iitemben, spielte sich vor Adami ab.
Er atmete gleich rasch mit ihr, er fühlte das Dlltt ebenso heiß in seinen Adern: Rache für die Entehrten — Susanne, Maria! Hnb es hallte ihm mit Dröhnen In den Ohren, was er einst hier in stiller Stunde gelesen hatte: „Denn alle Schuld rächt sich auf Erden."
Hans Bast! Groh und finster, und doch ganz so schrecklich nicht mehr, stand er vor ihm. Der Schmied von Krinkhof ein Verbrecher! Aber war der Mord an d'Aubry auch ein Verbrechen? Dor dem Gesetz ja. Aber vor der Menschlichkeit? Er wußte sich keine Antwort, feine Seele war bedrückt. Auf seiner Stirn perlte der Schweiß, als Maria aufgehört hatte zu sprechen. Er empfand nicht nur ihre Qual nach, er hatte auch eigene Qual. Susanne! Lange hatte er ihrer nicht gedacht, hatte nicht an sie benlen wollen, und der Beruf, sein Pflichteifer, sein Ehrgeiz hatten ihm geholfen habet 3n dieser Stunde dachte er noch einmal an sie, und so, als ob er sie noch immer liebte. —
nur einheimische Kaufliebhaber zugelassen waren, kosteten zwei Rm. Duchenprügel vis zu 120 000 Mk., Duchenscheiter 140 000 Mk., Buchenstöcke 100 bis 120 000 Mk., sechs Rm. Duchenreisig 35—40 000 Mark.
Kreis Büdingen.
)( Ortenberg, 28. März. Zur Zeit beschäftigt die Siedlungsfrage hier lebhaft die Gemüter. Von der Fürstlichen Standes Herrschaft wurden für diese Zwecke in Ortenberg etwa 50 Morgen zur Verfügung gestellt, doch scheinen damit noch nicht alle Ansprüche befriedigt werden zu können. An dem auf dem Rathcurs statt/» gehabten Plantag wurden deshalb eint Reihe von Beschwerden und neuen Anträgen vorgebracht. 3 ns besondere hätte die Orten beiger Bevölkerung gern gesehen, wenn der zur Gemarkung gefoörenbe Windfang ganz oder teilweise Ortenberg zur Verfügung gestellt worden wäre. Das Siedlungsamt sprach jedoch den Windfang Wippenbach zu. Ob hier, wie behauptet wird, Rücksichten auf die staatliche Domäne Kon- r a d s d v r f maßgebend waren, entzieht sich un- ferer Beurteilung. Hoffentlich gelingt es, die sich widerstreitenden 3nteressen noch einigermaßen auszugleichen.
Kreis Friedberg.
* Dad-Rauheim, 29. März. Für den Anschluß an die städtische Müllabfuhr gelten vom 1. April ab neue Desiinnnungen. Konnte seither nur eine Anmeldung durch den Hausbesitzer erfolgen, so ist es jetzt zulässig, daß sich auch Mieter unmittelbar anschließen. Aus diesem Grunde erfolgt die Berechnung der Gebühren nicht mehr nach dem DrandversicherungS- kapitall sondern nach der Zahl und Größe der Eimer, die der Anmeldende wünscht. Die Eimer werden wie seither von der Stadt zur Verfügung gestellt. Mit Rücksicht auf die Berechnung der Gebühren nach der Zahl und Große der von der Stadt zur Cßerfügung gestellten Eimer kann der Inhalt ariderer Gefäße nicht abgeholl werden. Die Zahlung der Gebühren erfolgt nicht mehr
Es war ein verstörter Tag. Die Sonne, die am Morgen freundlich geschienen, hatte sich am Mittag verkrochen, nun zog noch einmal Schneegewölk herauf — oder brachte es erlösenden, auch die winterliche Eisei befreienden Regen? 2ldami sah von seinem Fenster das Band der Straße mit den demütigen Bäumchen, und a ach er war demütig. Erbärmlich wie diese windgezausten, geduckten Ebereschen standen die Menschen, sie grünten im Frühling und versuchten das Blühen, und dann kam das Schicksall der unbarmherzige Wind, und duckte ihnen die Krone.
Der Mann fühlte sich ohnmächtig. Alle Erfolge, die er erreicht hatte, erschienen ihm heute zwecklos. Zwei schuldige Häupter würden fallen: Johannes Bückler — Hans Bast Rikolai — und noch andere vielleicht ihnen folgen, aber was wurde damit erreicht? Ein abschreckendes Beispiel wurde gegeben, und doch Warden die Menschen nicht besser dadurch. Geschlechter würden kommen. Geschlechter gehen, Zeiten über die Länder hinrasen, die aus ihrem Bauch wiederam Kriege gebaren, und diese Kinder zeugten wiederam Sühne, die Räuber waren, Diebe und Mörder. Er fühlte sich ganz verzagt und ganz machtlos.
Gott sei Dank, daß es an seine Tür klopfte! Er wurde abgelenkt. Der jüngste Heßmüller war es, der bet ihm eintrat. „Run, was führt Ihn denn her?" Er sah es, der junge Mann halte etwas Besonderes auf dem Herzen.
Verlegen stand Martin und nahm seinen Hut bald in die rechte Hand, bald in die linke „Ich möcht die Maria sprechen. Sie will ja nit, bat ich bei sie komm. Aber ich muß sie sprechen."
(Fortsetzung folgt)


