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Nr. 76

Erscheint täglich, anher Sonn» und Ieierlags, mit derSomstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche Sezuorprelse: 2850 Mark und I50Mark Trägerlohn,durch biePost ZvcXMark.auchbeiNicht» erscheinen einzelner fllum« mem infolge höherer Gewalt - I ern sprech. Anschlüsse: sürdieSchrift. leiiung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnach. richten: Ämelger Sietzea.

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Erster Blatt

175. Jahrgang

Samstag, 5f. Mürz (923

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnttk Mtd Verlag: vrühl'sche UniverfltStr-Vllch- und Zteindruckerei K. Lange in Gietzen. Schriftteitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

Annahme von Anzeiger für die laqesnummcr bis zum Nachmittag vorher ohne jede Derblndlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 80 Mk., auswärts 100 Mb.; für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breit« 400 MK.Dei Platz- vorschrtst20"/,Aufichlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für Öen Anzeigenteil: Hans Beck, sämlllch in Glehen.

Osterfttmmungen.

MaS ton den politischen Spitzen der Welt in die Oftertage hmeinläutet, ist wahrlich nichts Göttliches und Erhebendes. Aber die Himmelstöne kommen ja eigentlich überhaupt nicht von außen; sie werden von innen er­lebt und haben nur ihre Kraft, wenn Herz und Wille sich ihnen nicht verschließen. Die erwachende Natur schafft freilich ihre dop­pelten Wunder: sie verändert das Sicht­bare und treibt auch, geheimnisvoll, den Men­schen auf aus der Enge ins Licht, in ein er» neuteS Lebensgefühl. Der tätige, erweckte, hoffende und glaubende Mensch ist,von der Himmelsliebe Kuh" getroffen, neben dieser wunderreichen Frühlingswelt der Künder neuen, auferstandenen Geistes.

Am Ostertage muh man allo, zumal in diesen Iammerjohrrn, über die dunklen Nie­derungen der politischen Ereignisse hinaufstei­gen. um von oben her die bessere und tröstende Botschaft zu empfangen. Daß die Herrscher der Welt schwach, machtlos, herzlos geworden sind ein Grund mehr, erwartungsvoll dem belebenden Licht die Stirn zu bieten, das sich siegreich ankündigt. Es liegt etwas in der Entwicklung, was, ohne von den Menschen gewußt zu sein, einen neuen Zustand der Staaten und Völker herbeiführt. Der englische Schaykanzler Baldwin ließ sich in den letz­ten Unterhausdebatten mit ähnl che t Gedan­ken vernehmen. Das britische Kaoinett ent­wickelt keine Entschlußkraft, vertraut vielmehr die günstige Wendung der Dinge dem dunklen Schoß der Zukunft an und entfernt sich wie der bis zum Sinken überladene Kahn in der Faust­dichtung, das Steuerruder so ziemlich sich selbst überlassend. Ein merkwürdiger, aber sicher nicht heiliger Znbrunst entsprungener Opti­mismus! Wenn Baldwin die Lage Europas mit einemsehr starken Streik" verglich, so legt er in bequemer Gemütsart sie so aus, als seien die damit verbunüienen Uebel unver­meidbar fo naturnotwendig. Ein Endziel sah der Redner, aber er verschleierte es mit der Wendung:Och glaube, der Augenblick wird kommen, in dem unsere Hilfe unseren Alliierten und Deutschland von unschätzbarem Nutzen sein wird." Wenn beide Teile erschöpft, entkräftet, entmutigt sind, dann kommt der englische Samariter und bietet seine unschätz­baren Dienste an. Baldwin ließ durchblicken, daß augenblicklich Frankreich, auch in der tiefen Meinungsverschiedenheit zu England, noch obenauf sei, daß jedoch eines Tages die Kräfte sich anders verteilen würden. Darin liegt kein Wohlwollen für Deutschland, und das deutsche Ostergemüt läßt sich damit nicht sättigen. Immerhin harren wir der so angekündigten Veränderung der Dinge mit einiger Genugtuung, indem wir weniger nach den Beweggründen der Engländer, als nach der Erlösung von unserem schlimmsten Gegner blicken. England wartet auf dessen Er­nüchterung und Schwächung. Es ist, wenig­stens in seiner staatsmännischen Führung, nicht betroffen von den furchtbaren Grausamkeiten und Rechtsbeugungen der Franzosen im Rhein- und Ruhrgebiet, es ist kein Kämpfer für Recht und Ordnung, sondern, mit Auf­wendung möglichst geringer Mühe, ein Mak­ler, der für die eigne Provision sorgt.

Die englischen Pärlamentsverhandlungen, in denen die Rede des Außenministers v. Rv- fenberg bedeutsam herausgehvben wurde, etzen dem Wahnwitz Frankreichs einen Dämp- er auf. Auch Belgien und Otalien scheinen bei der Mailänder Begegnung Zaspars und Mussolinis eine Sicherung gegen die fran­zösischen Annexionsgelüste gesucht zu haben. Wenn Herr Baldwin dem Anterhause ver­sicherte,daß die Regierung in dauernder enger Berührung mit den Alliierten und mit Deutschland stehe", so kann man wohl anneh­men, daß ber deutsche Abwehrwille geachtet und gebührend eingeschätzt wird. Der englische Anterstaatssekretär M c N e i 11, der Baldwins Ausführungen ergänzte, hat, wie vom Wolff- Bureau halbamtlich festgestellt wird, die Rede des Reichsministers v. Rosenberg, vielleicht absichtlich, in einem wichtigen Punkte entstellt. Die deutsche Regierung ist bereit, den Repara­tionsbetrag von einem Ausschuß internatio­naler Wirtschaftssachverständiger festsetzen zu lassen, aber sie stellt für Unterhandlungen zu diesem Ziele keine Bedingung, sondern sie wünscht nur die Frage aufzuwerfen, wie Deutschland Sicherheit dafür geschaffen werden könne, daß die über den Vertrag von Versailles hiraus besepen Geb ete geräumt und vertragsmäßige Zustände im Rheinland wiederhergestellt werden. Wir wollen eS dem Kabinett Bonar Law seiner liberalen Oppo­sition gegenüber nicht zu bequem machen. Möge man sich doch grundsätzlich einmal über das Reparationsproblem einigen; dann wer­den auch alle Sicherungsfragen besser gelöst werden können.

Wir können die Ereignisse und Stimmun­gen nur dann günstig für uns deuten, wenn die deutsche Front feststeht und uns selbst keine Zweifel ankränkeln. Daß die militärischen Be­drücker im Westen zu immer schändlicheren Zu­griffen sich versteigen, langjährige Zwangs­arbeit über pflichttreue deutsche Beamte ver­hängen, ihre rohe Gewalt immer dreister und ungenierter vor aller Welt an den Tag legen, schmerzt uns zwgr, darf uns aber nicht be­denklich stimmen. Ohnmächtige Wut reicht nicht weit. Poincares Kraftgebärde wird eines Ta­ges zusammenfallen. Aber wie steht es um das, was die inneren Verhältnisse des Rei­ches mit den WortenEinigkeit und Recht und Freiheit" berührt? Gibt es für das deutsche Volk endlich ein rechtes Ostern in einem neuen Nationalbewußtsein? Die Verhaftungen rechtsradikaler Personen, das Verbot der deutsch-völkischen Freiheitspartei, die gegen­sätzlichen Strömungen in Bayern, die wieder alte Streitfragen deutscher Führung aufrollen, haben den Hader wieder aufgären lassen. Wie sehr tut es not, daß wir, statt diesem lei­digen Tageskampf zu viel Zeit und Kraft zu spenden, zurückgehen auf bewährte Mah­ner und Warner, wie Fichte, der unserer Nation die feurigsten und erhebendsten Öfter» reden gehalten hat! Er wußte noch nicht, wie die Deutschen bei dem Mangel einer großen Nationalgeschichte auch noch durch die beson­dere Pflege internationaler Gleichmacherei ihren Nationalstolz zu einem guten Teile preisgeben oder gefährden würden. Die un­besonnenen rechtste Ikischen Elemente aber, die durch ihre Gewaltpläne eine förderliche Ent­wicklung stören, verdienen heute die schärfste Zurückweisung. Wir erleben eine nationale Auferstehung nicht durch Hetzerei und Ver­schärfung des innerpolittschen Kampfes, son­dern durch Aufhellung des großen Zieles, durch Aufklärung der zeitgeschichtlichen Er­scheinungen und Notwendigkeiten. Wie treffend beleuchtet Fichte französisches und deutsches Wesen aus ihrem geschichtlichen Ver­hältnis heraus.' Wir staunen heute darüber; mit welchen Lügenmitteln, mit welch plumpen Kunststücken der Entstellung, die Franzosen sich speisen lassen; Fichte schreibt, es sei ein Charakterzug des französischen Despotismus, durch Lüge, durch angeregte Einbildungs­kraft die Natur und Bildung zu überspringen. Die Franzosen haben gar fein eigen gebil­detes Selbst, sondern nur, durch die allgemeine Uebereinftimmung, ein rein geschichtliches; da­gegen hat der Deutsche ein metaphysisches. Jene lügen darum nicht, denn das Wort wird ihnen, durch die al mähliche Siele einftimmung, nach und nach zur Sache. Es fehlt ihnen die eigentlich praktische, von der Rede unabhän­gige Wurzel."

Darum drang die offenkundige Wahrheit, die doch auch im französischen Parlament ihren Einspruch vorbringt, bisher nicht durch. Kein Deutscher wünscht durch Lüge zu siegen. Wir halten noch fest an dem Postulat von einer Reichseinheit, wie es Fichte vorschwebte, tp^-> mit er die Tiefe der deutschen Bildung ver­schmolz. Wird es einmal verwirklicht werden, dieses doch wohl auch sozialistische Wünsche einschließendeReich des Rechts, wie es noch nie in der Welt erschienen ist, in aller der Be­geisterung für Freiheit des Bürgers, ohne Aufopferung der Mehrheit der Menschen als Sklaven"?! Wenn die Deutschen diesem Zweck, der Aufwärtsentwicklung der Menschheit, langsam entgegenreifen wollen, so müssen sie dieses unerhört bedrohte Reich mit Kampfes- eifer schützen und erhalten. Das ist O st e r Jt i m in u n g, die das Eis von Strom und Bächen löst und den alten Winter in seine rauhen Berge zurückweist. . . .

Ein Ostervorschlag des Papstes.

Paris, 30. März. (WTD.) Nach einer Meldung desNeuyork Herald" herrscht in fran­zösischen Kreisen starkes Interesse für ein- Nach­richt. derzuso'g? der Papst beabsichtige eine 3nter» ventivn in der Reparationsfrage in Gestalt einer Osterbvtschaft zu unternehmen und die einen Plan hinsichtlich der Wiederherstellung freund­schaftlicher politischer Beziehungen in Europa, namentlich zwischen Frankreich und Deutschland, auseinandersehen soll. 9s verlautet nach dem Blatte, daß dieser Entschluß in Paris auf Grund einer Zusicherung des deutschen Vertreters gefaßt worden sei, daß Deutschland bereit sei, im voraus jeder Regelung der wirtschaftlichen Seite der Reparationsfrage zuzustimmen. Die Regelung lasse sich vielleicht durch eine internationale Konferenz erzielen, wie sie die internationale Handelskammer auf ihrem Kongreß in Rom vor- aeschlagen habe. Allerdings soll der Vatikan sich dafür entschieden haben, daß die wirtschaftliche Seile nicht in d-n Bereich einer Intervention der katholischen Kirche hineingLzogen werden solle, und alle Vorschläge in der päpstlichen Botschaft würden ausschließlich auf die für die Aufrecht­erhaltung des Friedens in Betracht kommenden Pakte beschränkt bleiben. Auf feinen einfachen Ausdruck zurückgeführt, sehe der Plan vor, daß

Eine erregte Nachtsitzung der französischen Kammer.

Paris, 30. März. (WTD.) Die fran- zösische Kammer faßte aestern nachmittag unerwartet den Besch, zu einer Na ch t sihun g zusammenzutreten, um verschiedene Vorlagen zu erledigen, die der Senat im Laufe drs Tages an­genommen hatte. Um 9 Uhr 10 Min. abends begann die Sitzung. Zuerst wurde ein Gesetzent­wurf angenommen, wodurch die Schaffung eines Unterstaatssekretariats im F.nan;ministerium er­möglicht wird. Zn der Generaldebatte ergreift der sozialistische Abg. Lebas das Wort und erklärte^ seine Freunde wollten nicht auf das Manöver hineinfallen, das nach drr Abstimmung über das Dudgetzwölftel geplant sei; deshalb hielten sie daran fest, daß vor den Ferien dieRuhr- frage diskutiert werde. Die Repara- t i o n s f r a g e trage den Keim eines neuen Krieges in sich. Der Abgeordnete, der wieder­holt von der Rechten unterbrochen wird, wirft seinen Widersachern vor, daß sie nicht ihre Ge­danken ausdrücken, die nach seiner Ansicht darin gipfelten,

bis nach Berlin zu marschieren.

Es kommt wieder zu lärmenden Unterbrechungen, als Lebas erklärte, daß seine Freunde immer noch auf internationale Abkommen hofften, um die Konflikte zu lösen. Es sei zu befürchten, daß eine zu lange Besetzung Deutschlands das Nativnalgefühl des deutschen Proletariats ver­schärfen werde, derartige Symptome erkenne man ein wenig überall.

Man beantragt Schluß der Generaldebatte, der mit 382 gegen 162 Stimmen angenommen wird. Alle Artikel der Kreditvorlage werden genehmigt.

hierauf ergreift Abg. H e r r i o t das Wort, um über die Gesamtvorlage zu sprechen, am Poincare, wie er sagt, im Znteresse des Landes zwei Fragen dorzulegen: Erstens, man behauptet in der ganzen Welt, da, wo man Frankreich verkennt, daß wir aufgehört hätten, im Ruhrgebiete wirtschaftliche Ziele zu verfolgen, daß wir nunmehr politische Zwecke zu er­reichen suchen, ja, daß wir selbst auf A n ne x i on abzielen. -Zweitens fordere ich die Regierung auf, zu erklären, daß Frankreich mit Gerechtigkeit jeden ernsten Vorschlag prüfen wird, den Deutschland Frankreich oder der Gesamtheit der Alliierten machen wird.

Sofort erhebt sich

Poincare

und erklärt: Ich glaube wirklich, daß meine Ant­wort überflüssig ist. Zch gab sie im voraus und wiederhole sie auch vor dem Finanzausschuß der Kammer. Zch erklärte in erster Linie, daß wir keinerlei Versuche zu offiziösen oder indirekten Verhandlungen anneh­men werden. An dem Tage, an dem die deutsche Regierung zur Wirklichkeit zarückgrkehrt ist und erkennen wird, daß eine Verlängerung des Widerstandes Deutschland selbst nur schädlich sein kann, an dem Dag, an dem die deutsche Regie­rung uns, also Frankreich direkt, oder der Ge­samtheit der Alliierten, präzise ernsthafte Vorschläge überbringen wird, werden wir sie im Geiste der Gerechtigkeit und Loyalität prüfen, ich fügte hinzu, daß es gefährlich und verab­scheuungswürdig wäre, Frankreich annexionistische Pläne oder Hintergedanken zuzuschreiben. Wir erklärten immer, daß wir in das Ruhrgebiet gegangen sind, um dort wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Wir beabsichtigen keineswegs, uns eine einzige Parzelle deutschen Bodens anzueignen; aber wir wollen uns nicht mehr durch neues Manöver täuschen lassen.

Deshalb werden wir die Pfänder nur gegen Realitäten aufgeben.

Wir werden uns aus dem Ruhrgebiet nur im Verhältnis der erlangten Zah­lungen zurückziehen, diese müssen sich der Ge­samtheit der Schäden anpassen. Deutschland hat keine äußere Schuld, Deutschland ist im Augen­blick weniger belastet als Frankreich; es hat wegen des Marksturzes kaum noch eine innere Schuld. Deshalb glaube id}s daß es gerecht und notwendig ist, daß das gesamte Uebel repariert werde.

Der sozialdemokratische Abg. Blum verlangt hierauf von dem Ministerpräsidenten, daß er seine Gedanken etwas präziser ausdrücke! Es ge­nügt nicht, zu erklären, daß Frankreich keinerlei Annexivnsgedanken habe; das wissen mir. Was man Frankreich vorwirft, ist, daß es auf die Zer­stückelung der deutschen Einheit ab­zielt. Man muh die Artikel einer gewissen Presse desavouieren, die einmal von der Neutralisierung des linken Rheinusers, dann wieder von der Schaffung eines Pufferstaates spricht. Man muß erllären, daß wir nur im Ruhrgebiet stehen, um die Reparationszahlungen dort zu erlangen.

Blum wird in der heftigsten Weise von den Abgeordneten der Rechten und der Mitte unter­brochen, so daß seine Worte unverständlich mer= den. Da er sich nicht Gehör verschaffen kann und deshalb zur Rednertribüne emporstcigt, verdop­pelt sich der Lärm. Als er lveitersprechen rvill, ruft ihm der Abg. Mag ne zu:G>en ig. genug I Blum schlägt mit der Faust auf den Pult und schreit seinerseits: »Zch habe genug davon," cvas roiederum eine große Lärmszene hervvrrufü Nur mit Mühe kann der Kammerpräsident die Rahe lviederherstellen. Als er aber erklärt, die Unterbrechung, die der Mißmut Blums hervor- gerusen habe, sei berechtigt gewesen, verläßt Blum unter heftigen Vorwürfen gegen den Kammer­präsidenten die Rednertribüne und versucht, mit sämtlichen Sozialisten und Kommu­nisten den Sitzungssaal zu verlassen.

Da erhebt sich der Kammerpräsident P e r e t und erklärt: ,3m Laufe dieser Debatte kreuzten sich die Unterbrechungen. Leidenschaften wurden aufgestachelt. Sin Abgeordneter der Rechten nef Blum zu: »die Deutschen mögen unS be ahlen!" Da­rauf antwortete Blum: .Genug!" Deshalb habe er sich erlaubt, zu er llären, em derartiges Wort aus dem Munde eines Franzosen könne die Unter­brechung als berechtigt erscheinen lassen. Gr habe sich aber getäuscht, denn Leon Blum wollte an» deuten, daß er genug von Unterbrechun­gen habe; er bebaute erklärt zu haben, der Abgeordnete hätte aus Mißmut gehandelt; er ziehe seine Worte zurück, die den Abgeordneten Blum hätten verletzen können, und fordere Um auf, in seiner Rede fortzufahren.

Bei der Fortsetzung seiner Rede führte Blum nud: »Angesichts der Verluste, die Frankreich während des Krieges erlitt, bestehe die einzige Garantie, die Frankreich gegen emen deutschen Angriff finden fönne, daß man in Deutschland den Eindruck Hervorrufe, daß, wenn es einen Krieg provoziere, es auf eigenem Gebiet zusammenbreche.

Hierauf wird der Gesehentmurf über die bei­den Dudgetzwölftel angenommen, und anschließend daran auch das provisorische Dudgetzwölftel über den Wiederaufbau. Der Vorschlag, die parlam>n- tar-ischen Arbeiten am 15. Mai wieder zu begin­nen, wird mit 423 gegen 81 Stimmen abgelehnt. Unter großem Widerspruch wird hierauf der 8. Mai als Tag des Wiederzusammentritts be­stimmt. Dre Sitzung war 2 Uhr nachts beendet. Auch der Senat tritt wieder am 8. Mai zusammen.

Deutschland und Frankreich einen gegenseiti­gen Sicherheitspakt unterzeichnen. Dieser würde von allen übrigen europäischen Staaten gebilligt werden und eine Ab­machung enthalten, nach der alle übrigen Nationen sich sofort gegen den Angreifer zusammenschließen würden, sei es nun Frankreich oder Deutschland, der den Pakt breche. Der Vatikan soll, nach dem gleichen Dlatte, bei den amerikanischen Katho­liken lediglich die Haltung der amerikanischen Katholiken gegenüber einem solchen Plan sondiert haben.

Die Mitteilungen der Reichs­regierung an die Mächte.

Berlin, 29. März. (Wolff.) Das Wolff- bureau bemerkt zu der Erklärung M c. N e i 11 s im englischen Unter Haus: Wenn der englische Unterstaatssekretär Mc. Neill sich so wie gemeldet ausgesprochen haben sollte, so ist ihm entgangen, was die Deichsregierung bei rhrer Mitteilung an die fremden Regierungen und Reichsminister Dr. Rosenberg im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages zum Vorschlag des Staatssekretärs Hughes tatsächlich sagten. Bei beiden Gelegen­heiten ist keine Bedingung gestellt worden, sondern unter Hinweis auf die Wichtigkeit und Schwierigkett des Räumungsproblems die Frage aufgeworfen werden, wie Deutschland eine Sicherheit dafür geschaffen werden könne, daß die über den Vertrag von Versallles hinaus be­setzten Gebiete geräumt und die vertragsmäßigen Zu stände im Rheinlande wiederhergestellt werden.

Ein französischer Dorstotz nach Mannheim.

Mannheim, 31. März. Heute vormittag 5 Uhr zogen etwa drei Kompagnien französi­scher 3 n f an t er ie mit Maschinengewehren über die Rheinbrücke, durch den Park­ri n a und den Sulfen ring zur Fried- richsorücke, auf der sie den Neckar über­schritten und sodann über die Waldhofstraße zum alten Bergwerk einbogen, dessen Eingänge mit einem Zug Fuhtruppen besetzt wurden. Ein an­derer Teil marschierte bis zur Humbvldtstrahe, wo er Halt machte. Von dort aus rückte ein Zug um 3/<7 Uhr nach dem Hessischen Bahnhof vor, der beseht wurde.

Das französische Schreckens- regiment in Offenburg.

Nach einer Meldung des »Derl. Tagebl." aus Offenburg ist die Ausweisung der deutschen Polizistenfamilien aus Offenburg als Vergeltung für die Zurückziehung der deutschen Schutzpolizei erfolgt An die Polizisten» f rau en elsässischer Herkunft wurde von den Franzosen das Ansinnen gestellt, sich scheiden zu lassen. Das Verbleiben in der Stadt toürbe ihnen bann gestattet werden. Am letzten Zahltag für die Eisenbahner machten die Franzosen Zago auf die zahlbaren Lohngelder. Sogar Autoreifen wurden nach Geld durchsucht. Den Danken wurde verboten, fürBeamte Konten zu führen.

Godesberg im Belagerungszustand,

Godesberg, 29. März. (WD.) Hebet Godesberg ist aus bisher unbekannten Grün­den der Delagerungszustand verhängt worden. Zeder Verkehr auf den Straßen ist von 8.30 ll^r abends bis 6 Uhr morgens verboten.