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Nr. 76
Erscheint täglich, anher Sonn» und Ieierlags, mit derSomstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche Sezuorprelse: 2850 Mark und I50Mark Trägerlohn,durch biePost ZvcXMark.auchbeiNicht» erscheinen einzelner fllum« mem infolge höherer Gewalt - I ern sprech. Anschlüsse: sürdieSchrift. leiiung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnach. richten: Ämelger Sietzea.
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Erster Blatt
175. Jahrgang
Samstag, 5f. Mürz (923
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Osterfttmmungen.
MaS ton den politischen Spitzen der Welt in die Oftertage hmeinläutet, ist wahrlich nichts Göttliches und Erhebendes. Aber die Himmelstöne kommen ja eigentlich überhaupt nicht von außen; sie werden von innen erlebt und haben nur ihre Kraft, wenn Herz und Wille sich ihnen nicht verschließen. Die erwachende Natur schafft freilich ihre doppelten Wunder: sie verändert das Sichtbare und treibt auch, geheimnisvoll, den Menschen auf aus der Enge ins Licht, in ein er» neuteS Lebensgefühl. Der tätige, erweckte, hoffende und glaubende Mensch ist, „von der Himmelsliebe Kuh" getroffen, neben dieser wunderreichen Frühlingswelt der Künder neuen, auferstandenen Geistes.
Am Ostertage muh man allo, zumal in diesen Iammerjohrrn, über die dunklen Niederungen der politischen Ereignisse hinaufsteigen. um von oben her die bessere und tröstende Botschaft zu empfangen. Daß die Herrscher der Welt schwach, machtlos, herzlos geworden sind — ein Grund mehr, erwartungsvoll dem belebenden Licht die Stirn zu bieten, das sich siegreich ankündigt. Es liegt etwas in der Entwicklung, was, ohne von den Menschen gewußt zu sein, einen neuen Zustand der Staaten und Völker herbeiführt. Der englische Schaykanzler Baldwin ließ sich in den letzten Unterhausdebatten mit ähnl che t Gedanken vernehmen. Das britische Kaoinett entwickelt keine Entschlußkraft, vertraut vielmehr die günstige Wendung der Dinge dem dunklen Schoß der Zukunft an und entfernt sich wie der bis zum Sinken überladene Kahn in der Faustdichtung, das Steuerruder so ziemlich sich selbst überlassend. Ein merkwürdiger, aber sicher nicht heiliger Znbrunst entsprungener Optimismus! Wenn Baldwin die Lage Europas mit einem „sehr starken Streik" verglich, so legt er in bequemer Gemütsart sie so aus, als seien die damit verbunüienen Uebel unvermeidbar fo naturnotwendig. Ein Endziel sah der Redner, aber er verschleierte es mit der Wendung: „Och glaube, der Augenblick wird kommen, in dem unsere Hilfe unseren Alliierten und Deutschland von unschätzbarem Nutzen sein wird." — Wenn beide Teile erschöpft, entkräftet, entmutigt sind, dann kommt der englische Samariter und bietet seine unschätzbaren Dienste an. Baldwin ließ durchblicken, daß augenblicklich Frankreich, auch in der tiefen Meinungsverschiedenheit zu England, noch obenauf sei, daß jedoch eines Tages die Kräfte sich anders verteilen würden. Darin liegt kein Wohlwollen für Deutschland, und das deutsche Ostergemüt läßt sich damit nicht sättigen. Immerhin harren wir der so angekündigten Veränderung der Dinge mit einiger Genugtuung, indem wir weniger nach den Beweggründen der Engländer, als nach der Erlösung von unserem schlimmsten Gegner blicken. England wartet auf dessen Ernüchterung und Schwächung. Es ist, wenigstens in seiner staatsmännischen Führung, nicht betroffen von den furchtbaren Grausamkeiten und Rechtsbeugungen der Franzosen im Rhein- und Ruhrgebiet, es ist kein Kämpfer für Recht und Ordnung, sondern, mit Aufwendung möglichst geringer Mühe, ein Makler, der für die eigne Provision sorgt.
Die englischen Pärlamentsverhandlungen, in denen die Rede des Außenministers v. Rv- fenberg bedeutsam herausgehvben wurde, etzen dem Wahnwitz Frankreichs einen Dämp- er auf. Auch Belgien und Otalien scheinen bei der Mailänder Begegnung Zaspars und Mussolinis eine Sicherung gegen die französischen Annexionsgelüste gesucht zu haben. Wenn Herr Baldwin dem Anterhause versicherte, „daß die Regierung in dauernder enger Berührung mit den Alliierten und mit Deutschland stehe", so kann man wohl annehmen, daß ber deutsche Abwehrwille geachtet und gebührend eingeschätzt wird. Der englische Anterstaatssekretär M c N e i 11, der Baldwins Ausführungen ergänzte, hat, wie vom Wolff- Bureau halbamtlich festgestellt wird, die Rede des Reichsministers v. Rosenberg, vielleicht absichtlich, in einem wichtigen Punkte entstellt. Die deutsche Regierung ist bereit, den Reparationsbetrag von einem Ausschuß internationaler Wirtschaftssachverständiger festsetzen zu lassen, aber sie stellt für Unterhandlungen zu diesem Ziele keine Bedingung, sondern sie wünscht nur die Frage aufzuwerfen, wie Deutschland Sicherheit dafür geschaffen werden könne, daß die über den Vertrag von Versailles hiraus besepen Geb ete geräumt und vertragsmäßige Zustände im Rheinland wiederhergestellt werden. Wir wollen eS dem Kabinett Bonar Law seiner liberalen Opposition gegenüber nicht zu bequem machen. Möge man sich doch grundsätzlich einmal über das Reparationsproblem einigen; dann werden auch alle Sicherungsfragen besser gelöst werden können.
Wir können die Ereignisse und Stimmungen nur dann günstig für uns deuten, wenn die deutsche Front feststeht und uns selbst keine Zweifel ankränkeln. Daß die militärischen Bedrücker im Westen zu immer schändlicheren Zugriffen sich versteigen, langjährige Zwangsarbeit über pflichttreue deutsche Beamte verhängen, ihre rohe Gewalt immer dreister und ungenierter vor aller Welt an den Tag legen, schmerzt uns zwgr, darf uns aber nicht bedenklich stimmen. Ohnmächtige Wut reicht nicht weit. Poincares Kraftgebärde wird eines Tages zusammenfallen. Aber wie steht es um das, was die inneren Verhältnisse des Reiches mit den Worten „Einigkeit und Recht und Freiheit" berührt? Gibt es für das deutsche Volk endlich ein rechtes Ostern in einem neuen Nationalbewußtsein? — Die Verhaftungen rechtsradikaler Personen, das Verbot der deutsch-völkischen Freiheitspartei, die gegensätzlichen Strömungen in Bayern, die wieder alte Streitfragen deutscher Führung aufrollen, haben den Hader wieder aufgären lassen. Wie sehr tut es not, daß wir, statt diesem leidigen Tageskampf zu viel Zeit und Kraft zu spenden, zurückgehen auf bewährte Mahner und Warner, wie Fichte, der unserer Nation die feurigsten und erhebendsten Öfter» reden gehalten hat! Er wußte noch nicht, wie die Deutschen bei dem Mangel einer großen Nationalgeschichte auch noch durch die besondere Pflege internationaler Gleichmacherei ihren Nationalstolz zu einem guten Teile preisgeben oder gefährden würden. Die unbesonnenen rechtste Ikischen Elemente aber, die durch ihre Gewaltpläne eine förderliche Entwicklung stören, verdienen heute die schärfste Zurückweisung. Wir erleben eine nationale Auferstehung nicht durch Hetzerei und Verschärfung des innerpolittschen Kampfes, sondern durch Aufhellung des großen Zieles, durch Aufklärung der zeitgeschichtlichen Erscheinungen und Notwendigkeiten. Wie treffend beleuchtet Fichte französisches und deutsches Wesen aus ihrem geschichtlichen Verhältnis heraus.' Wir staunen heute darüber; mit welchen Lügenmitteln, mit welch plumpen Kunststücken der Entstellung, die Franzosen sich speisen lassen; Fichte schreibt, es sei ein Charakterzug des französischen Despotismus, durch Lüge, durch angeregte Einbildungskraft die Natur und Bildung zu überspringen. „Die Franzosen haben gar fein eigen gebildetes Selbst, sondern nur, durch die allgemeine Uebereinftimmung, ein rein geschichtliches; dagegen hat der Deutsche ein metaphysisches. Jene lügen darum nicht, denn das Wort wird ihnen, durch die al mähliche Siele einftimmung, nach und nach zur Sache. Es fehlt ihnen die eigentlich praktische, von der Rede unabhängige Wurzel."
Darum drang die offenkundige Wahrheit, die doch auch im französischen Parlament ihren Einspruch vorbringt, bisher nicht durch. Kein Deutscher wünscht durch Lüge zu siegen. Wir halten noch fest an dem Postulat von einer Reichseinheit, wie es Fichte vorschwebte, tp^-> mit er die Tiefe der deutschen Bildung verschmolz. Wird es einmal verwirklicht werden, dieses doch wohl auch sozialistische Wünsche einschließende „Reich des Rechts, wie es noch nie in der Welt erschienen ist, in aller der Begeisterung für Freiheit des Bürgers, ohne Aufopferung der Mehrheit der Menschen als Sklaven"?! Wenn die Deutschen diesem Zweck, der Aufwärtsentwicklung der Menschheit, langsam entgegenreifen wollen, so müssen sie dieses unerhört bedrohte Reich mit Kampfes- eifer schützen und erhalten. Das ist O st e r Jt i m in u n g, die das Eis von Strom und Bächen löst und den alten Winter in seine rauhen Berge zurückweist. . . .
Ein Ostervorschlag des Papstes.
Paris, 30. März. (WTD.) Nach einer Meldung des „Neuyork Herald" herrscht in französischen Kreisen starkes Interesse für ein- Nachricht. derzuso'g? der Papst beabsichtige eine 3nter» ventivn in der Reparationsfrage in Gestalt einer Osterbvtschaft zu unternehmen und die einen Plan hinsichtlich der Wiederherstellung freundschaftlicher politischer Beziehungen in Europa, namentlich zwischen Frankreich und Deutschland, auseinandersehen soll. 9s verlautet nach dem Blatte, daß dieser Entschluß in Paris auf Grund einer Zusicherung des deutschen Vertreters gefaßt worden sei, daß Deutschland bereit sei, im voraus jeder Regelung der wirtschaftlichen Seite der Reparationsfrage zuzustimmen. Die Regelung lasse sich vielleicht durch eine internationale Konferenz erzielen, wie sie die internationale Handelskammer auf ihrem Kongreß in Rom vor- aeschlagen habe. Allerdings soll der Vatikan sich dafür entschieden haben, daß die wirtschaftliche Seile nicht in d-n Bereich einer Intervention der katholischen Kirche hineingLzogen werden solle, und alle Vorschläge in der päpstlichen Botschaft würden ausschließlich auf die für die Aufrechterhaltung des Friedens in Betracht kommenden Pakte beschränkt bleiben. Auf feinen einfachen Ausdruck zurückgeführt, sehe der Plan vor, daß
Eine erregte Nachtsitzung der französischen Kammer.
Paris, 30. März. (WTD.) Die fran- zösische Kammer faßte aestern nachmittag unerwartet den Besch uß, zu einer Na ch t sihun g zusammenzutreten, um verschiedene Vorlagen zu erledigen, die der Senat im Laufe drs Tages angenommen hatte. Um 9 Uhr 10 Min. abends begann die Sitzung. Zuerst wurde ein Gesetzentwurf angenommen, wodurch die Schaffung eines Unterstaatssekretariats im F.nan;ministerium ermöglicht wird. Zn der Generaldebatte ergreift der sozialistische Abg. Lebas das Wort und erklärte^ seine Freunde wollten nicht auf das Manöver hineinfallen, das nach drr Abstimmung über das Dudgetzwölftel geplant sei; deshalb hielten sie daran fest, daß vor den Ferien dieRuhr- frage diskutiert werde. Die Repara- t i o n s f r a g e trage den Keim eines neuen Krieges in sich. Der Abgeordnete, der wiederholt von der Rechten unterbrochen wird, wirft seinen Widersachern vor, daß sie nicht ihre Gedanken ausdrücken, die nach seiner Ansicht darin gipfelten,
bis nach Berlin zu marschieren.
Es kommt wieder zu lärmenden Unterbrechungen, als Lebas erklärte, daß seine Freunde immer noch auf internationale Abkommen hofften, um die Konflikte zu lösen. Es sei zu befürchten, daß eine zu lange Besetzung Deutschlands das Nativnalgefühl des deutschen Proletariats verschärfen werde, derartige Symptome erkenne man ein wenig überall.
Man beantragt Schluß der Generaldebatte, der mit 382 gegen 162 Stimmen angenommen wird. Alle Artikel der Kreditvorlage werden genehmigt.
hierauf ergreift Abg. H e r r i o t das Wort, um über die Gesamtvorlage zu sprechen, am Poincare, wie er sagt, im Znteresse des Landes zwei Fragen dorzulegen: Erstens, man behauptet in der ganzen Welt, da, wo man Frankreich verkennt, daß wir aufgehört hätten, im Ruhrgebiete wirtschaftliche Ziele zu verfolgen, daß wir nunmehr politische Zwecke zu erreichen suchen, ja, daß wir selbst auf A n ne x i on abzielen. -Zweitens fordere ich die Regierung auf, zu erklären, daß Frankreich mit Gerechtigkeit jeden ernsten Vorschlag prüfen wird, den Deutschland Frankreich oder der Gesamtheit der Alliierten machen wird.
Sofort erhebt sich
Poincare
und erklärt: Ich glaube wirklich, daß meine Antwort überflüssig ist. Zch gab sie im voraus und wiederhole sie auch vor dem Finanzausschuß der Kammer. Zch erklärte in erster Linie, daß wir keinerlei Versuche zu offiziösen oder indirekten Verhandlungen annehmen werden. An dem Tage, an dem die deutsche Regierung zur Wirklichkeit zarückgrkehrt ist und erkennen wird, daß eine Verlängerung des Widerstandes Deutschland selbst nur schädlich sein kann, an dem Dag, an dem die deutsche Regierung uns, also Frankreich direkt, oder der Gesamtheit der Alliierten, präzise ernsthafte Vorschläge überbringen wird, werden wir sie im Geiste der Gerechtigkeit und Loyalität prüfen, ich fügte hinzu, daß es gefährlich und verabscheuungswürdig wäre, Frankreich annexionistische Pläne oder Hintergedanken zuzuschreiben. Wir erklärten immer, daß wir in das Ruhrgebiet gegangen sind, um dort wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Wir beabsichtigen keineswegs, uns eine einzige Parzelle deutschen Bodens anzueignen; aber wir wollen uns nicht mehr durch neues Manöver täuschen lassen.
Deshalb werden wir die Pfänder nur gegen Realitäten aufgeben.
Wir werden uns aus dem Ruhrgebiet nur im Verhältnis der erlangten Zahlungen zurückziehen, diese müssen sich der Gesamtheit der Schäden anpassen. Deutschland hat keine äußere Schuld, Deutschland ist im Augenblick weniger belastet als Frankreich; es hat wegen des Marksturzes kaum noch eine innere Schuld. Deshalb glaube id}s daß es gerecht und notwendig ist, daß das gesamte Uebel repariert werde.
Der sozialdemokratische Abg. Blum verlangt hierauf von dem Ministerpräsidenten, daß er seine Gedanken etwas präziser ausdrücke! Es genügt nicht, zu erklären, daß Frankreich keinerlei Annexivnsgedanken habe; das wissen mir. Was man Frankreich vorwirft, ist, daß es auf die Zerstückelung der deutschen Einheit abzielt. Man muh die Artikel einer gewissen Presse desavouieren, die einmal von der Neutralisierung des linken Rheinusers, dann wieder von der Schaffung eines Pufferstaates spricht. Man muß erllären, daß wir nur im Ruhrgebiet stehen, um die Reparationszahlungen dort zu erlangen.
Blum wird in der heftigsten Weise von den Abgeordneten der Rechten und der Mitte unterbrochen, so daß seine Worte unverständlich mer= den. Da er sich nicht Gehör verschaffen kann und deshalb zur Rednertribüne emporstcigt, verdoppelt sich der Lärm. Als er lveitersprechen rvill, ruft ihm der Abg. Mag ne zu: „G>en ig. genug I“ Blum schlägt mit der Faust auf den Pult und schreit seinerseits: »Zch habe genug davon," cvas roiederum eine große Lärmszene hervvrrufü Nur mit Mühe kann der Kammerpräsident die Rahe lviederherstellen. Als er aber erklärt, die Unterbrechung, die der Mißmut Blums hervor- gerusen habe, sei berechtigt gewesen, verläßt Blum unter heftigen Vorwürfen gegen den Kammerpräsidenten die Rednertribüne und versucht, mit sämtlichen Sozialisten und Kommunisten den Sitzungssaal zu verlassen.
Da erhebt sich der Kammerpräsident P e r e t und erklärt: ,3m Laufe dieser Debatte kreuzten sich die Unterbrechungen. Leidenschaften wurden aufgestachelt. Sin Abgeordneter der Rechten nef Blum zu: »die Deutschen mögen unS be ahlen!" Darauf antwortete Blum: .Genug!" Deshalb habe er sich erlaubt, zu er llären, em derartiges Wort aus dem Munde eines Franzosen könne die Unterbrechung als berechtigt erscheinen lassen. Gr habe sich aber getäuscht, denn Leon Blum wollte an» deuten, daß er genug von Unterbrechungen habe; er bebaute erklärt zu haben, der Abgeordnete hätte aus Mißmut gehandelt; er ziehe seine Worte zurück, die den Abgeordneten Blum hätten verletzen können, und fordere Um auf, in seiner Rede fortzufahren.
Bei der Fortsetzung seiner Rede führte Blum nud: »Angesichts der Verluste, die Frankreich während des Krieges erlitt, bestehe die einzige Garantie, die Frankreich gegen emen deutschen Angriff finden fönne, daß man in Deutschland den Eindruck Hervorrufe, daß, wenn es einen Krieg provoziere, es auf eigenem Gebiet zusammenbreche.
Hierauf wird der Gesehentmurf über die beiden Dudgetzwölftel angenommen, und anschließend daran auch das provisorische Dudgetzwölftel über den Wiederaufbau. Der Vorschlag, die parlam>n- tar-ischen Arbeiten am 15. Mai wieder zu beginnen, wird mit 423 gegen 81 Stimmen abgelehnt. Unter großem Widerspruch wird hierauf der 8. Mai als Tag des Wiederzusammentritts bestimmt. Dre Sitzung war 2 Uhr nachts beendet. Auch der Senat tritt wieder am 8. Mai zusammen.
Deutschland und Frankreich einen gegenseitigen Sicherheitspakt unterzeichnen. Dieser würde von allen übrigen europäischen Staaten gebilligt werden und eine Abmachung enthalten, nach der alle übrigen Nationen sich sofort gegen den Angreifer zusammenschließen würden, sei es nun Frankreich oder Deutschland, der den Pakt breche. Der Vatikan soll, nach dem gleichen Dlatte, bei den amerikanischen Katholiken lediglich die Haltung der amerikanischen Katholiken gegenüber einem solchen Plan sondiert haben.
Die Mitteilungen der Reichsregierung an die Mächte.
Berlin, 29. März. (Wolff.) Das Wolff- bureau bemerkt zu der Erklärung M c. N e i 11 s im englischen Unter Haus: Wenn der englische Unterstaatssekretär Mc. Neill sich so wie gemeldet ausgesprochen haben sollte, so ist ihm entgangen, was die Deichsregierung bei rhrer Mitteilung an die fremden Regierungen und Reichsminister Dr. Rosenberg im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages zum Vorschlag des Staatssekretärs Hughes tatsächlich sagten. Bei beiden Gelegenheiten ist keine Bedingung gestellt worden, sondern unter Hinweis auf die Wichtigkeit und Schwierigkett des Räumungsproblems die Frage aufgeworfen werden, wie Deutschland eine Sicherheit dafür geschaffen werden könne, daß die über den Vertrag von Versallles hinaus besetzten Gebiete geräumt und die vertragsmäßigen Zu stände im Rheinlande wiederhergestellt werden.
Ein französischer Dorstotz nach Mannheim.
Mannheim, 31. März. Heute vormittag 5 Uhr zogen etwa drei Kompagnien französischer 3 n f an t er ie mit Maschinengewehren über die Rheinbrücke, durch den Parkri n a und den Sulfen ring zur Fried- richsorücke, auf der sie den Neckar überschritten und sodann über die Waldhofstraße zum alten Bergwerk einbogen, dessen Eingänge mit einem Zug Fuhtruppen besetzt wurden. Ein anderer Teil marschierte bis zur Humbvldtstrahe, wo er Halt machte. Von dort aus rückte ein Zug um 3/<7 Uhr nach dem Hessischen Bahnhof vor, der beseht wurde.
Das französische Schreckens- regiment in Offenburg.
Nach einer Meldung des »Derl. Tagebl." aus Offenburg ist die Ausweisung der deutschen Polizistenfamilien aus Offenburg als Vergeltung für die Zurückziehung der deutschen Schutzpolizei erfolgt An die Polizisten» f rau en elsässischer Herkunft wurde von den Franzosen das Ansinnen gestellt, sich scheiden zu lassen. Das Verbleiben in der Stadt toürbe ihnen bann gestattet werden. Am letzten Zahltag für die Eisenbahner machten die Franzosen Zago auf die zahlbaren Lohngelder. Sogar Autoreifen wurden nach Geld durchsucht. Den Danken wurde verboten, für ‘Beamte Konten zu führen.
Godesberg im Belagerungszustand,
Godesberg, 29. März. (WD.) Hebet Godesberg ist aus bisher unbekannten Gründen der Delagerungszustand verhängt worden. Zeder Verkehr auf den Straßen ist von 8.30 ll^r abends bis 6 Uhr morgens verboten.


