Ausgabe 
29.6.1923
 
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Sitzung der Stadtverordneten.

Giehen, 28. Juni 1923.

Die heutigen Beratungen brachten nur wenige besonders bemerkenswerte Entschei­dungen. An der hervorragendsten Stelle stand die Hundesteuer, die diesmal keinen Widerspruch fand, sondern einstimmig nach den Vorschlägen der Verwaltung und des Finanzausschusses angenommen wurde. Die Veränderung der neuen Steuer­sätze gegenüber den in der vorigen Sit­zung vorgeschlagenen ist nur geringfügig-, wäh- rcnb man nach der vorigen Vorlage für die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 13 500 Mark hätte nachzah.en müssen, sind es jetzt nur noch 12 000 Mk. Mil dieser Festsetzung steht unsere Stadt hinter den Steuersätzen anderer Städte in unserer Drohe erheblich zurück. 3m übrigen wurden die Marktgebühren einer Neuordnung unterzogen und dem MarktauS- schuh die Vollmacht gegeben, künftig bei der Debührenbemessung entsprechend der Geld­entwertung der Kürze halber ohne die Stadt- verordneten-Versammlung zu bestimmen. Eine lange Reihe von Kreditbewilligun­gen, aus der ein Kredit von rund zwei Milliarden Mark für Arbeiter- lohne bis zum 31. März 1924 als Merk­mal des städtischen Geldumsatzes besonders Interessant ist, bildete den Hauptbestandteil der Lagesordnung.

Sitzungsbericht.

Anwesend Bürgermeister Krenzien, die Beigeordneten Dr. Selb, Dr. Frey, Kommer­zienrat Kltngspor und 36 Stadtverordnete.

Besoldungsregelung.

Aus Antrag des Finanzausschusses beschließt LaS HauS einfttmmig, die Besoldung der städtr- schon Beamten und Angestellten, Ruhegehalts-, Witwen- und Waisengcltempfänger jeweilig den für die Reichs- und Staatsbeamten geltenden Be­stimmungen anzupassen.

Erhöhung der Gemeindehundesteuer.

Dec Finanzausschuß beantragt die Zustim­mung zu folge idem Antrag:

An Zuschlag zur Gerneindehuntesteuer in der S!adt Diesen für dir Zeit vom 1. Juli 1923 b i s Ende Dezember 1 92 3 sind folgende Beträge nachzuerheben:

1. sofern der Huntebesih am 1. Juli 1923 bestanden hat, für drn Rest des Kalen­derjahres 1 923 12 000 Mk. für jeden Hund, 2. brr mehrfachem Hundrbefih unter den­selben Boraussehungen wie unter 1. für den zweiten Hund 24 000 Mk., für den dritten Hund 48 000 Mk. usw.. fo daß für jeden weiteren, Hund die Rachzahlung sich verdoppelt.

Frü den älebrrgang wird bestimmt, daß, wer die Abschaffung eines Hundes bis spätestens 15. Huli 1923 bei der Stadtverwaltung schriftlich oder mündlich angezeigt hat, von der nachträg­lichen Erhebung für 1923 befreit bleibt.

Beigeordneter Dr. Selb bemerkt erläuternd, daß der heutige Vorschlag zahlenmäßig niedriger sei als der vorige, das) aber der finanzielle Effekt für den einzelnen ungefähr der gleiche geblieben sei. Man müsse die Geldentwertung b-rrücksich- ligen und werde dabei finden, daß die geforder1<m Eteuerbeträge wirklich sehr gering seien und Be­denken hiergegen nicht geltend gemacht werden könnten. Das finanzielle Interesse der Stadt erfordere, daß dre Steuer baldigst und mindestens mit den hier vorgeschlagenen Sahen angenommen werde. 3m Jahre 1922 habe der Gesamtertrag aus der Hundesteuer sich auf rund 83 000 Mk. belaufen, für 1923 würde er bei einem Steuersatz von 3000 Mk. rund 3.7 Millionen Mark ausge­macht haben, bei Annahme der heutigen Vor­schläge werde man auf etwa 30 Millionen Mark kommen. 3m Jahre 1921 seien 639 Hunde zur Steuer angemeldet ge'axfen, im Jahre 1922 schon 981 und im Zahre 1923 seien es 1197. Also trotz erhöhter Hundesteuer sei der Hundebesitz stark gewachsen. Auch bei der neuen Steuer­erhöhung werde die Zahl der Hunde sicher nicht kleiner, sondern eher n>xh gröber werden. 3m 3nteresse der städtischen Finanzen bitte er drin­gend, die heutige Vorlage au verabschieden.

Die hierauf folgende Abstimmung ergab die glatte und einstimmige Annahme der Vorlage.

Erhöhung der Standgelder auf den Vieh - und Krämermärkten.

Den Zeitverhältnissen wenigstens einiger­maßen Rechnung tragend, wird das Standgeld auf den Vieh- und Krämermäckten wie folgt neu festgesetzt:

a) auf den Krämermärkten: für einen Stand bis zu 3 Olleter Länge 2000 Mk., über 3 Meter Länge 4000 Ml., für einen überbauten Stand bis zu 3 Meter Länge 3000 Mk., über 3 Meter Länge 5000 Mk., für einen Sack Zwie­beln usw. 1000 Mk., für Karussells, Pa noramen und dergl. für den lauerten Meter 5000 Mk.:

b) a u f den V i e h m ä r k t e n: für ein Pferd 10000 Mk, für ein Fohlen 5000 ML, für einen Ochsen 6000 MI., für ehre Kuh oder ein Rind 6000 Mk., für ein Schwein 5000 Mk., für ein Kalb 2000 Mk., für ein Ferkel 1000 Mk.

Der Marktausschuß wird ferner ermächtigt, jeweilig di? zum Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben für den Viehmarktbett ieb erforderlichen Gebühcerrerhöhungen enlsprechmd der Geldent­wertung selbständig vorzunehmen.

Erhöhung der Wochenmarkt­gebühren.

Ebenfalls im Hinblick auf die Geldentwertung werden die WocheninarktzebührLN wie folgt neu geregelt:

A. Für das Verwiegen von Butter: für jedes halbe Kilo 50 ML.

B. Für das Verwiegen von Kartoffeln, Obst U'i» fc-Tt figen Marktg:g n.ständm: a) für Kar­toffeln in Mengen bis zu 10 Kilo 50 Mk., für j^de weitere angefangene 5 Kilo 50 Mk., b) für Obst und sonstige Marktgegenständr in Mengen bis zu 25 Kilo 203 M!., für jede weitere an- gefangene 10 Kilo 103 Ml.

Das Standgeld beträgt: a) für jeden Tag und jeden in Benutzung genommenen laufen­den Meter Platz 500 Mk b) für den Verkauf von Markgegenständen vvm Wagen aus: für jeden Handwagen und jeden bespannten Wagen von weniger als 2 Meter Länge 2030 Mk., für jeden bespannten Wagen von mehr als 2 Meter Länge 5000 ML

Der Marltausschuh wird auch hier ermaah- tigt, jeweilig die zum Ausgleich der Einnahmen und Ausgabe?, für den Wochenmarktbetrieb er­forderlichen Geoührenlestsetzungen entsprechend der Geldentwertung selbständig vorzunehmcn

Allerlei Kredikbewilligungen.

Zur Fertigstellung des GckbaaeS Gnauthstraße-Stephanstraße Werren die erforderlichen Mittel in Höhe von etwa 200 Millionen Mark bewilligt. Lin sozialdemokrati­scher Antrag, erforderlichenfalls auch noch über die heutige Bewilligung hinaus Gelder zur Ver­fügung zu stellen, damit der Bau unter allen Umständen fertiggeftellt werden kann, wird dem Finanzausschuß Übergaben. 3n einer längeren Erörterung werden Vorwürfe, die von einer Seite austerhalb des Hauses gegen einen Stadtverord­neten wegen dessen Betätigung in verschiedenen Dansachen erhoben worden sind, als durchaus un­begründet zurückgewiffen, da die fragliche Tätig­keit dieses Stadtverordneten keinerlei Vachteile für die Stadt hatte, sondern ihr sogar noch Geld ersparte.

Für die 3nstandsehung des städtischen Hauses Schützen st raste 24 wird der Kredit um 200 000 Mark erweitert.

Für die bauliche Instandsetzung des Harles Wetzsternstraße 43 (Säuglingsheim) wird vorlagsweise ein Kredit von 2 Millionen Mark bewilligt. Die Kosten werden von der Stadt und vom Staate je zur Hälfte getragen.

Der für die Bers-Hilu ng der Austenwände der früheren Küchenbaracke deS Land­sturmlagers erforöerfide Kredit m Höhe von 3,5 Millionen Mark wird bewilligt)

Für die Zuführung von Wasser >nd den Einbau eines Hydranten zu dem a if dem La­gerplatz Steinstraste errichteten Gebäude wird ein Kredit von 1 100 000 Mark gewährt.

Zur Beschaffung von Ersatzrädern für den Krankentransportwagen wird ein Kre­dit von 7 Millionen Mark bewilligt.

Für die Unterhaltung der öffentlichen II 6 r e n im Rechnungsjahre 1922 wird der Kredit von 7000 Mark auf 194 367 Mark heraufgesetzt.

Zur Beschaffung von Gartenmöbeln für die LiebigShöhe w.rden 3 630 000 Mk. zur Ver­fügung gestellt.

Die freihändige Vergebung der Lieferung von Zement für die S t e i n f a b r i k wird nach- träglich genehmigt. Es handelt sich um rund 11,9 Millionen Mark.

Für die ab 10. Juni 1923 cinge treten» Er­höhung der Löhne der städtischen Ar­beiter wird ein Kredit von 16 6 M r l l i o n e n 500 000 Mark für die Zeit vvm 10. Juni 1923 bis 31. März 1924, au Herdern noch ein wnterer, durch die Geldentwertung bedingter Kredit von 1 Milliarde 805 Millionen 738 000 Mark für den gleichen Zweck zur Verfügung gestellt.

Auf die DeitragSleistung für den D e 11 - sche n Stabte tag wird ein weiterer Vorschuß von 300 000 Mark bewilligt.

AlS Deitragsleistung für den Bezirks- ardertgeberverband, dem die Stadt an- gehört, werden 500 000 Mark bereitgestellt.

Für die Instandsetzung des Daches der UnterkunftShalle im Hortgarten auf dem RahrungSberg werden 60 000 Mark aus- geworfen. e

Für die Beschaffung zweier neuer Batterien für die Schwcrchstromltttung im Stadttheater wird ein Kredit von 120 000 Marck bewrllrgt.

Der Voranschlag für 192324.

sich die Fertigstellung des Voranschlags für 1923/24 infolge der überaus schwierigen und unübersichtlichen Wirtschaftsverhältnisse stark ver­zögert, wird die .Stadtverwaltung auf Grand des § 1Z1_ der Städtevrdnung zur Fxrtführmg der Geschäfte aus Grund des Voranschlags für 1922 ermächtigt.

Baufächern

(Sin Gesuch bett, die Teilung der Hofreite Rvvnstraste6 wird nach wiederholter Prüfung durch die Bnudeputativn erneut abgelehnt.

Die DispenS-Erteilnng für den Um- und Erweiterungsbau des R.brngebäudcS Licbigstr. 19 wird genehmigt.

Für die Errichtung einer Autohalle auf dem Grundstück Leisingstraste 18 wird gleichfalls Dis­pens erteilt unter folgender Bedingung: Die Autohalle ist mit einem Walmdach zu versehen, und darf nur zur Unterstellung eines» Kraft­wagens benutzt werden. Die Halle ist zu beseitigen, sobald diese einem anderen Zweck dienstbar ge­macht wird.

Erhöhung der Wiegegebühren.

Die Wiegegebühren werden mit sofortiger Wirkung von 10 auf 30 Mk. für den Zentner festgesetzt. Die Mindest Wi egegebühr soll 300 Mk. betragen.

Der Baugenossenschaft 1894 wird zur Bezahlung der von der Stadt erhaltenen Baumaterialien, wie Sand, Holz usw. ein Dar­lehen in Höhe von 5 056 740 Mk. gewährt.

Kleinere Vorlagen.

Die Gebühren für Dien st männer werden gemäß dem Antrag des Polizeiamts Diesten erhöht.

Als Beisitzer des Pachteinigungs­amtes werden gewählt: für die Verpächter Amtsgerichtrat Jockel (Stellvertreter Rentner August Schwan) für die Bächwr Lehrer Hch. Becker, Vorsitzender de 3 Obe- und Gartenbau- veecins (Stellvertreter Post-Betr ie Rassist en' A. 3. Mohr. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, nach dem die Verwaltung den Stadt­verordneten eine Vorlage machen soll, die eine Abänderung der zur Zeitdestehend en Pachtpreise für städtische Grund- stücke im Sinn: einer Ermäßigung der Pachten bringt, wird an die land- u tb forstwttd- schaftliche Deputation verwiesen Man geht von her außergewöhnlich hoben Entwicklung der Ra- turalienpreise aus, nach denen die Pachten be­messen sind, die zu zahlen aber den Heinen Leuten sehr schwer fallen werde.

Schanke rlaubnisgesuche.

Gesuche des Karl Eyer für Gegärten 55 (Philrsophenwald), des Peter Dill für Linden- gaffe 2 (Frankfurter Hof) und des Ludwig Her­bert für Mäusburg 1 werden bewilligt.

Mitteilungen

Bürgermeister Krenzien teill u a. mit, baß der Lesehalle-Verein, der sich in sehr großer Rot befindet, einen Hilferuf an die Stadt gerichtet hat. Die Eingabe totrb zur Sr- >igung an den F'manzausschuß gegeben.

Gictzencr Strafkammer.

Dieven, 28. Zrmi 1923.

Ein Zkegelmeister in Friedberg war vom Schöffengericht daselbst zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden, Werl er seinem Dien st Herrn, einem Bauunternehmer, große Mengen Geteerte gestohlen hatte. Die wegen Hehlerer angeklagten Abnehmer, drei Dewe^betrerbende und ein Bäcker­geselle, waren vom Schöffengericht mangels aus­reichenden Beweises sreigcsprochen worden. Das Schöffengericht hatte angenommen, sie hätten we­der gewußt noch den Umftänten nach annehmen müssen, daß die Frucht gestohlen war. Gegen das Urteil verfolgte die Staatsanwallschaft Berufung. Es wurde festgestellt, daß die Angeklagten das Getreide dem Dieb zu Preisen ahgeiauft hatten, aus denen sich ohne weiteres die Herkunft auS einer strafbaren Handlung ergab. So hatte der angeklagte Bäckergeselle statt Dem Ivahren Wert von etwa 75 000 Mk. 20 000 Mk. bezahlt und noch am gleichen Tag durch Weiterverkauf 12 000 Mk. Ruhen erzielt. Auch aus einer Reihe von ver­dächtigen Begleitumständen mußten die Angellag^ ten die Ueberzeugung gewinnen, daß es sich um Diebsgut handelte Die Strafkammer hob bad erste I Urteil auf und bestrafte drei der Angellagten we­gen Hehlerei mit drei Wochen Gefäng­nis: der wogen Hehlerei bereits bestrafte trätte erhielt sechs Wochen. 3n einer Zeit wie der heutigen, in der Treu und Glauben stark inZ Wan­ken geraten feien müsse gegen. Hehler, d e Den Die­ben ihre verbrecherische Tätigkeit erleichterten und vielfach erst ermöglichten, mir em. fiudlichen Stra­fen eingeschritten werden.

Die Berufung einer vom Schöffengericht we­gen Diebstahls Denirteilten 3ngeflagieit wurde verworfen, weil sie trotz, ordnungsmäßiger La­dung zur HauptverHandlur^ nicht erschienen war.

Ein wegen Jagdvergehens Verurteilter nahm vor Eintritt in die Verhandlung die Berufung zurück.

3n einer Derufungssaiche wegen umerlassener Straßenreinigung soll die Entscheidung in einer Woche verkündet werden.

IBermifcbtes.

Verhaftete Frä<rdhofsrLuber.

Berlin, 28. Juni. Die Polizei ertappte bei einem Friedhofsraub i>:n Kaufrna in Rel- s i n g auf frischer Tat. Man fand bei ihm irn Dell noch ein Relief ted Turnvaters Zahn, den Grabstein bei Panop^tilum--Begründers East an und kostbare Marmc-rhieine, die auS Diebstählen herrühren. Gleich Darauf wurde der 20jährige Kaufmann Krause alrä Kirchhofsplündc- r c r verhaftet. 3n seinem Warenlager wurden neben anderen Beutestücken das gestohlene Ge­weih der Hirschgrupp« am großen Stern im Tiergarten entdeckt.

®ecen die fremden Diehaufkäufer.

Stuttgart, 28. Juni. Auf dem hiesigen Viehmarkt tarn es batte zu einer Schlägerei zwischen Fleischern und fremden Vieh­aufkäufern. Die Fleischer fühlten sich in ihrer Existenz bedroht, da die fremden Drehaufkäufer, die Vieh ins besetzte Gebiet verschie­ben, den Landwirten jeden geforderten Preis zahlen.

Achtzig Personen an Fleischvergiftung erkrankt.

Leipzig, 28. Zürn. 3n Miltitz erkrank­ten achtzig Personen mehr oder weniger ernst an Fleischvergiftung. Die (Mranftcn I hatten Rindfleisch gegessen, das sie bei dem Ortsflcischer Laderaann gelaust hatten. Die noch unverkaufte Hälfte deS Rindes wurde auf i>en Antrag des Staatsanwalts beschlagnahmt und dem Leipziger Hstgienischau Institut zur Unter­suchung übergeben.

Die Eröffnung deS Hafens von Casablanca. Der Hafen von Casablanca ist nach 16jähriger, vielfach durch Stürme unter­brochener Arbeit. mit.großen Feierlichkeiten cr= öffnet worden u»d wird eine neu? Epoche in der Geschichte Marokkos einleitm. Bevor alle Ar­beiten vollendet find, werden zwar noch drei Jahre vergehen, aber schon jetzt sind einige große französische Schifte als die ersten in dem Hasen gelandet. Es ift der einzige wirkliche Hasen, den Marokko besitzt, und Passagiere sowie Waren können erst je£4 direkt an Land gebracht werden. Früher mußten alle Schiffe, die nach Marokko bestimmt teareet, mehrere Kilometer von der Küß' entfernt vor Anker gehen, und dann stand den Reisenden ncni) eine sehr unangenehme Fahrt im offenen Doot bis zur Küste bevor.

* Kinder verbrechen in Rußland. Der Resto det Carlino veröffentlicht einige russische Statistiken über die Verbrechen Jugendlicher in Rußland, dre ihm von feinem Berich'erst aller in Welsing,ors zugegangen sind. Danach hat der ^usttzlomm-fssar der Sow'et-Regierung et icn Ge- setzesantrag cl-gebracht, durch den der Zunahme der Kinder verbrechen gesteuert werden soll. 3m Jahre 1922 wurden von den vrffischen Gerichten wobei tfce Ukraine nicht mitgezählt ist nicht tr-eniger a(6 3 600 0 Fälle abgeurteilt, in denen 3ugendlich»e wegen schwerer Verbrechen angeklagt waren. 60^ Prozen t dieser Verbrech?n bestanden in Totschlag im Zusammenhang mit Diebstählen, 15 Prozent in Diebstählen und 16 Prozent in Mor­den Vo:r diesen Verbrechen wurden 7203 von Kindern im Alteroon8 bis 1 2 3a 0 re n verübt: 35 Prozent waren Knaben und Mädchen von 12 big 15 Oafiren und 45 Prozent Jugend­liche von. 15 bis 18 Jahren.

Kirchliche Nachrichten.

Isr.AeligionSgefeLschaft. Sabbotfeier 30 Zuni Freitag abend 7.50, Samstag vorm 8, nachm. 4 30, Sabba^mvsgang 9.40, Wochengottesd.: morg. 6.30, | aböd. 7130. 3fr. Religionsgemeinde. Eottesd. i. I ö. ©nnag. lSudanl.l SamStag, 30. Juni. Vorabd. | 7.45, ncorg. 8.30, aböd. 9.00 u 9.40.

Handel«

5fr a n F f u r t a. M., 28. 3unt. Börsen- stimniungsbild. 3m Effektenverkehr von Bureau zu Bureau wickelte sich das Geschäft weser-llich ruhiger ab. Dir gestrige Haussebe­wegung schien zum Stillstand gekommen zu sein. Es l agen allerdings verlchieden? Kauforders vor, die jstch in der Mehrzahl auf Ei ihritswerte be- zvger», die gestern starken Rationierungen unter» lageo, oder mangels Material überhaupt nicht zur Rotiz gelangten. Dollar-schatzanweisungen zeigten einen schwankenden Stand und wurden

anfänglich 145 000 bis 150 000. späterhin 152 000 bis 153 000 genannt Entsprechend dieser Be­wegung waren die Kurse der Valutapapiere kaum behauptet. 3ndustriepapier-e bewahrten ihre feste Tendenz, trotzdem nur wenige Aktien die höhere Bewertung brachten. Es wurden folgende Kurse genannt: Höchster 345 000, Badische Anilin 560 000 bis 570 000. Rütgerswerke 530 000. Demeis Wessel 80 000. Daimler etwa 140 000, Gebr. Hunghans 305 000, Theodor Goldschmidt 460 030, Scheide- anstatt 500 000 bis 520 000. Für Deutsche Dank wurde ein Kurs von 310 000 bis 315 003 geboten, Barmer Bankverein 93 000 bis 95 000, Darm­städter Bank hörte inan 200 000. Hapag hörte man 900 000, Rorddeutscher Lloyd 245 000. 3n den amtlich nicht notierten Werten war die Ten­denz nicht einheitlich. Geluch'er tixiven Rastatter Waggon 90 000 bis 95 000, Krügers hall 340 000. Man nannte ferner Tiag 135 000, Meyer Textil 26 000. Ufa 125 000 bis 130 000, Emelka 53 000 bis 56 000, Growag 12 000, Hansa Lloyd 63 000 bi» 65 000 bis 66 000, Becker Stahl 260 000.

Berlin, 28. Juni. D ö r s e n st i m m u n g s- bild. 3nsolgc der vom BöLsenvorstaad getroffe­nen Maßnahmen, durch die der Zutritt zum De­visenzimmer sehr erschwert wird, vollzog sich die Feststellung ter amtlichen Devisenkurse unter weit­aus ruhigeren Formen als bisher. Seitens der Banken kam etwas Ware heraus und die Rach­frage war überhaupt nicht mehr so dringlich. Die Rotizen stellten sich im allgemeinen etwas niedriger als gestern. Ein fre'er Effektenverkehr fand i i den Börsenräumen nicht statt, sonst ver­lautete. baß ter gestrige Kursstand u rgefähr be­hauptet war. Einer gewissen, bei der Speku­lation vorhaitdenen Realisationsneigung scheint durch den erheblichen Teil der gestern unerledigten Kaufaufträge ein Gegengewicht geboten zu werden.

Frankfurter Devisenmarkt.

(Telegraphische Auszahluag.)

Taium 27. Juni 28. Juni RmtL No ieri. Aintl. Stottern. Geld Briek (Mel) Brtek

Antw.-Brüssel. . 8608- 8652,- 7855.- 7&03,- Oollaud......59*30, GOL'A- 581553, 58949,-

Vonbon 708.5.1,- 711750, 688275.- 691725 - Parts 1197'),- 10025.- 922(5 50 927350 Sdnucti......28!r27.5« 29)72,50 2>56>3,- 26870,-

©pnnten 22)42.50 23057^0 21'H5.- 2297). Italien 730'3 7y) 7343/50 (>:ns,- (742.-

VifinUon-Cporto. 6)84 50 6215.50

Dänemark .... 27-131. - 27569, - 246b,50 24661,50 9iiUiUi'ncn .... 28927,50 29072,50 26133,50 26566,50 Swrnedeu.....4:38'10,- 44110,- 39'3.n),- 81)79'.'>0

Mfinnftn-6. .. . 4239, 42(5L- 4114,59 413V>0 Nennork^ . . . .152617,153383, 149625 - 150375.- Teuti 3 Oesterr.. 217.45 218,55 2'1,96 213 01

Buda veil 18.95 19,05 18.45 1R65

Prag 458.8,50 4611,50 453.8,50 450150 Wnrnm 1'145- 16)5,- 139650 1103.50

Banknoten.

Frankfurt n. M.. 28. Junl. A-td Br-el

ffditvelACt Noten 2(4315.- 26885.- 7trnn)öfifd)e Noten 9100. 9200.-

Täuifdie Noten.......... 26:370,- 266.30.-

Cclnvedische Noten 3iK)00 .99400, Ooltänbiläie Noten . 5790) 58503. Tcinlri^Ceiietretrb 1103 Stroncn 20650 2>i730

Umerit.uufrfje Noten........ 149250 150750.

Gnnlifdie Noten........... 686500 69:35.00,

Italienische Noten 6690 6760

Belgische Noten 7700 - 7840.

Ilnaarlfche Noten 9.50 10

Tschrchoflowakischr Note« .... 41!5 4495.

Nonveglsche Nvien ........

9iumäulsche 'Noten......... 797, 803

Conuiiche '.'toten........ .__

Stand des Dollars: (amtliche Dotierung Vvm 28. Juni) Frankfurt a. M. 149625 150 375.

(3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Em angeblick'er Redolverangriff auf fr<m» zösffche ilnfcroffixere.

Paris, 28. Juni. (WTB.) HavaS be­richtet aus Düsseldorf: Zwei Sergean- ten und zwei Unteroffiziere des 150. Inf.-AegtS. sind am 26.*3unl in Klu­se n b e r g von drei Deuts chenundeiner Frau, denen sie begegneten, durch R e v o l - verschüsse angegriffen, worden. (Sin Sergeant und zwei Unteroffiziere find leicht verwundet. Die Untersuchung ist eingelettet.

Gefängnisstrafen gegen Redakteure.

Landau. 28. Juni. iWTB.) Von dem Milttürpolizeigeiicht in Landau wurde ein Re­dakteur vornRheinpfälzer" tcegtri Veröffent­lichung ei-er angc-bttch unrichllgrn Meldung über eine Kesselervlosion b:i einem von ten Franzosen gefahrenen Personenzuge zu sechs Monaten Gefängnis und zwei Millionen Mark Geld'lrase verurteilt. Der Schriftleiter Steffen derPiäl'.ischen Post" in Ludwigs- Hafen wurde wegen Verbreitung derselben Mel­dung ?.u einem Jahr Gefängnis und zwei Millionen Mark G'ld^'afe trerui-tcilt. (Wegen Abdrucks derselben Meldung wurden vor etwa acht Tagen verachtete e Redakteure in Kaisers­lautern zu je einem Monat Gefängnis trevurteilt)

Derhaftungen m der Parchimer TITotbr anoelegeuheit.

(Berlin, 28. Iui i. Wie die Blätter melden, ist auf Veranlassung tes meckle-nburgischen Ml- nistcrvräsitenten und Ministers de; Innern Stelling in ter ParchimerMordange- legenheit die Verhaftung von drei Perfonen erfolgt. Es Hand.!' sich um den Oberleutnant a D. Fricke, Oberleutnant von Lewis. Dezirksleiter ter Rol »chorganisation in Parchim, und um ten Rittergutsbesitzer Schnüttgens in Reuhof b:l Parchim. Die 'BeiMfletcn sind ter Degünstizung des Mordes verdächtig.

Die Lausanner FrietenLkonferenz.

P a r i s, 28. Juni. (WTB.) Der ,Petit Pan- sien" kündigt an, daß der Sekretär der Frie­denskonferenz von Lausanne gestern in Paris angekommen ist, um den l e h t e n E n t- w u r f vorzulegen, ten die alliierten De­legierten in einer gemeinsamen Erklärung ter türkischen Delegation übermitteln sollen. Diese Erklärung soll nach dem Blatte der Obftruhirm ein Ende bereiten, di: die Türken in ter Frage ter Zinszahlungen und ter Konzessio­nen machen. Die Alliierten würden auch ihren Standpuntt hinsichtlich ter Frage von Kon- st a n t i n o p e l präzisieren. Sobald die drei Al­liierten sich verständigt hatten, werte eine ge­meinsame Demarche in Lausanne erfofaen