Ausgabe 
29.6.1923
 
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Stettag, 29. Juni 1923

175. )aytgtrng

Kr. 150

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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Zum Mifterfolg der Markstiitzttug.

Die Tlntersuchungrn über fcci Mißerfolg der Marfflühung hob-.i ergeben, haft sich ter Vor- Wurf gegen die Schwort dustrir, s r bab' zu'oirl Devisen angefauft, nicht aufrech erhalten laß' Vor dem Derliwor älnterfuchungsausschutz haben die Dankvertreter ?ucege6:.>. das) i.t den kritischen Wochen die Devise, nachfrace von feiten der In­dustrie keine übermähig grotze gLv-esen ist, und Hatz gerate die Schwellndustrie von der vorhan­denen Nachfrage Len relativ geringeren Anteil batte. 3m Gegenteil hat sich, wie w.r er em aus­führlichen Derhrr>.dlungsbericht terSeit ent­nehmen. in den letzten Tagen die Desvrechung derSchuld" in enter Linie nach der Seite der Danken hingezogen. Die Statistik über den Verbleib (er Devisen, die von der D^'.senbe- schassungsstelle b Forint gegeben wurde, würde be­sagen. Latz, nur 10 v. H. der gekaufter Devisen bei Handel und Industrie, über 79 v. H. bei den Danken und deren Filialen geblieben s'nd. Aller­dings machte die Devisenbeschaffungsstelle diese 2ln gaben nur unter größtem Dorbshalp.

Der Mord von Parchim.

Der ehemalige Leutnant und Freikorps- führer Aotzbach ist zwar zur Zeit ein stiller Mann, der- seit März dieses Jahves im Unter- suchungsgefängnis des Reichsgerich'.s sitzt, aber sein Aame spielt wieder in der politischen Oeffent- lichkeit eine grotzr Rolle. Von seinen Anhängern, den sogenannten Rotzbachleuten, wurde in der Rächt vom 31. Mai zum 1. .Juni in der Rähe von Parchim in Mecklenburg ein Mord began­gen. Der Ermordete, ein gewisser Walter Cadow, Der ebenfalls einer Rotzbachorganisation in Meck­lenburg, demVerein für landwirtschaftliche De- rubSausbildung" angehört hatte, war bei seinen Kameraden in den Verdacht der Spitzelet und der Feme verfallen. Die Hinrichtung wurde von den Mitgliedern einesRollkommandos" besorgt. Man machte den abtrünnigen Genossen zuerst betrunken, um ihn dann im Walde halbtot zu prügeln. Lediglich aus Furcht vor Entdeckung wollen die Täter, wie sie behaupten, dem Delin- auenten den Gnadenstotz verseht hab-en, indem sie ihm die Kehle durchschnitten und drei Kugeln aus einem Armeerevolver in den Kopf jagten.

Der Mord ist jetzt erst entdeckt worden durch Anzeige zweier junger Leute, die aus Mecklen­burg nach Berlin tarnen. Das Berliner Polizei­präsidium setzte sich mit der mecklenburgischen Landespolizei in Derb.ndung. Die Schweriner Mordkommission grub den Toten in einem Wäld­chen nahe der Ziegelei Reuhof bei Parchim aus. Sechs an der Tat Beteiligte wurden verhaftet, ein siebenter ist flüchtig. Der Prozeh, der diesenöaiibarbcitern" gemacht wird, ergäbe vielleicht das traurige, aber nicht unge­wöhnliche Bild eines Roheitsdelikts, einer be­trunkenen Geschichte mit tödlichem Ausgang, be­gangen von verwilderten Kliegsentlassemen, wenn nicht eben der politische Hintergrund teäre.

Man erinnert sich wohl noch, dah Mitte April «ruS Magdeburg allerhand Material über eine neue Rotzbachorganisation veröffentlicht wurde. Die Veröffentlichung geschah im sozialdemokrati­schenVorwärts", war aber offenbar veranlaßt vom Oberpräsidenten Hörsing, dem verantwort­lichen obersten Beamten der preutzischen Provinz Sachsen. DerVorwärts" behauptete damals, datz Leute der Reichswehr in das Treiben der Rvtzbachorganisation verwickelt seien. Die Untcr- suchung der Magdeburger Geheimnisse wurde dem Staatsgerichtshof übertragen und gegen die de­nunzierten Reichswehrangehörigen ein Verfahren wegen politischen Tlngehorfams eingeleitet. Rotz­bach selbst gab eine recht harmlos klingende Er­klärung ab, und die öffentliche Meinung beruhigte sich. Der jetzt aufgedeckte Mord aber zwingt da­zu, sich noch einmal gründlich mit den Absichten des angeblichenReichswehrblocks Rotzbach" zu beschäftigen. Die Organisation Rotzbach sollte den Kern einer völkisch-nationalsozia'-irischen Bewe­gung bilden und das ganze Reichsheer außer Wehrkreis 7, das ist Bayern, umfassen. Der Chef der Organisation wollte der verhaftete Oberleut­nant Rotzbach selbst bleiben. Rächster Zweck der Organisation (das ging aus anderen Enthül­lungen hervor): Anwerbung von Freiwilligen für eine ..Aktion" im Ruhrgebiet. Aus einem Vorgefundenen Befehl .,3m Auftrage des Chefs (Rotzbach)" vom Mai 1923 ging hervor, datz an­gesichts des überhandnebmenden Sviheltums eine Feme aus denzuverlässigsten und im Waffen- gebrauch perfekt ausgebildeten Leuten" gebildet wurde mit dem Auftrag. Verräter und politisch mißliebige Personen -u beseitigen. 3n dem Sckllutz- satz des Befehls hietz es:Die Femeangehörigen erhalten durch Leute der R. W. (Reichswehr) Ausbildung und Tlntcrricht. Für die gerne wird Geld und alles andere zur Verfügung g-eftetlt."

Das erste Opfer der Feme sollte Oberprä­sident Hörsing fein. Allerdings sollte er nicht gleich ermordet, sondern gewissermafnn als Probestück verprügelt werden Aber im Lichte des nun aufgedeckten Parchimer Mordes gewinnt doch der game Faszistensvatz ein recht ernstes Aus­sehen. Rimmt man die Enthüllungen hinzu, die vorige Woche im preutzischen Landtage vom 3n° nenminister Severing voraebracht wurden, so kann man es verstehen, datz au* die rechts ste­henden politischen Kreise in Deutschland, vor allem die Deutschnationalen entschlossen sind, einen scharfen Trennungsstrich zwischen sich und dem rechtsradilalen Verschwörertum au ziehen, das mit nationaler Politik nichts mehr zu tun hat Das Rowdytum wächst sich zu eiter Gefahr aus, die rücksichtslos unterdrückt werden sollte.

Der Reichskanzler über die Lage.

E l b e r f e l d, 28. Juni. (WTD.) Der bedeut­samen politischen Kundgebung des Rheini­schen Provinziallandtags folgte heute nachmittag eine eindrucksvolle Kundgebung Von Vertretern der Wirtschaft, die zur Mitgliederv-ersammlu ig des Cr'e.r- und Stahl- warenindustricbundes in ©Ibcrfelö zusammen- gekommen waren. Der Sitzung wohnten als Ehren­gäste der Reichskanzler Cuno, Reichs- wirtschrst sminister Decker, Vertreter zahlreicher Handelskammern und industrieller Verbände so­wie die Reichstagsobgeord.reten Dr. Cremer, Koch und Erkelenz bei. Rach Degrützungsworten des Vorsitzenden nahm

bet Reichskanzler

noch einmal das Wort zu einer Ansprache, worin <£ erklärte, er wisse, datz die Wirtschaft bereit sei, im Abwrhrkampf fest zusamniLizustehen hüt der Reichsregierung.

3m einzelnen führte der Reichskanzler fol­gendes aus:

Wenn aus Anlatz von Aeutzerungen, die ich vor wenigen Tagen in Königsberg machte, die Rede davon war, dah in dieser besonderen aber festen Politik irgendeine Schwankung eingetreten sei. so trifft dies In feiner Weiss zu. 3ch glaube, wir brauchen keine Sorge zu haben in der Rheinlandfrage, weil das rheinische Volk, Männer und Frauen, die seit den vier Jahren nach der Tlnterzeichnung des F.-iedens- vertrages die Besetzung als treu Deutsch: er­trugen. ohne datz je an ihrem Deutschtum ge­rüttelt werden konnte, auch jetzt die schwersten sechs Monate über sich ergehen liehen, ohne datz jemand an ihrem Deutschtum oder ihrem beit- schen Herzen zweifeln konnte. Wik wissen 3hnen Dank, datz es so ist und das gibt uns die Hoff­nung, datz die einzige Waffe, die wir in der Hand haben, die Waffe des passiven Wider­standes, uns auch bei einer besonnenen festen Haltung zu einer Lösung der autzenpolitrschm Wirren bringen wird. 3n jener Frage ist die Reichsregierung mit der preutzischen Regierung und den Regierungen der Länder einig. Son­dermeinungen, wie sie der Leiter eines Landes in den letzten Tagen geäutzert hat, wer­den zum Ausgleich gebracht werden. Aber eines ist notwendig, wenn Sie im Kampf gegen bat hereingebrochenen Feind täglich Schweres und Schwerstes erdulden müssen, wenn es 3hnen manchmal zu schwer wird, wenn Sie aus 3fyrcm deutschen Empfinden heraus sich sagen: Es kann nicht mehr in Ruhe ertragen werden! dann be­denken Sie. datz Tlnbesonnenheiten irgend­welcher Art eine Lösung des Konflikts nstcht bringen werden. Wir müssen besonnen im Rah­men des passiven Widerstandes bleiben. Wir müssen die Waffe des Geistes, die einzige Waffe, die wir gegenüber der Waffe der Gewalt haben, anwenden, bis es zu einem guten Ende kommt.

Aber noch ein weiteres: So wenig es zu llndesonnenhüten kommen darf, ebensowenig ist ein Ar.lah zu Kleinmut und Schwäche vor­handen. Es würde schwerer sein, das zu ertragen, was eintreten würde, wenn Sie die Waffe des passiven Widerstandes aus der yanb gäben. (Sehr richtig!) Auf dem Weg, Len wir beschritten haben, ist Loch wenigstens ein kleiner Schütt vrrwärts getan. Durch die Schritte, welche die Reichsregierung getan hat, sind der Welt doch die Augen eticaS geöffnet worden. C s sind ieht Bemühungen im Gange, die gro- hen Fragen vor aller Welt zu klä­ren: Der Heilige Vater hat in den letzten Tagen, wie ich aus der Presse ersehe, eine M a h- nung an Sie Welt gernch et, Frieden zu machen und den Wi I n zur Derhand.'u igsbereit- scha.t und zur Erfüllung unse.ee Verpflich.'un-.rn, die wir bereits zum Ausdruck gebracht haben, zur Grundlage für den Ausgleich Les Konflikts zu machen. Wir danken, datz dieser Schritt geschehen i st, und wir hoffen, datz auf der anderen Seite das Wort dec so neutralen und so hohen Stelle ein williges Ohr findet. Die Welt braucht Frieden; darum wird auch in Deutschland .jedermann den Ruf zum Frieden und zur Versöhnung, der jetzt von der hohen neu­tralen Warte Les Heiligen Stuhles in die Welt gegangen ist, mit dankbarer Zustimmung begrü­ben. 3ch bin überzeugt, Latz Sie alle diesen Ruf mit tiefer Bewegung gelesen haben. Dor Len Augen des Heiligen Vaters, dessen Raum und Zeit unüVanncnuer Blick die Qualen und Leiden Les auf uns lastenden Zustandes erkannte, liegt und daran, offen zu sagen, datz eine schnelle, endgültige Befreiung vom fremden Druck sittliche Pflicht ist. Wie es der Ruf L es Heiligen Vaters zum Ausdruck bringt, sind die wichtigsten Ziele unserer Politik gerichtet r ur auf Gerechtigkeit und Billigkeit. Eine Lösung les Reparationsproblems und die Befreiung der L-rutschen Erde wird möglich fein, wenn Sie alle so weiter den Kampf führen, der aus 3hren Krei­sen von selbst herausgewachsen ist und nur von Obren selbst getragen und weitergeführt werden kann. Dann mutz hinter 3hncn das ganze deutsche Volk stehen, sonst können Si-e den Kampf nicht gewinnen und nicht bis zu Ende führen; und da spreche ich die gleiche Mahnung für Sie im be­setzten Gebiet und auch an das deutsche Volk uu unbesetzten Gebiet aus: Das deutsche Volk in der Heimat undim unbesetzten Ge­biet muh besonnen und fest bleiben! Tlnbesonnenheit von deutscher Seite, möge sie nun von rechts oder von links kommen, verurteile ich, in gleichem Matze alle Dinge, di: die Staats­autorität gefährden. Alles, was Partei- Hader undZwiespaltindasVolkhin- eintragen kann, mutz zurücktreten hin­

ter die grobe Frage: Wie rette ich mein Vater­land, wie gebe ich mein alles hin für mein Va­terland. (Bravo!) Wenn jemand von 3hnen den Eindruck haben sollte, als ob die Regierung sich in außenpolitischer Hinsicht passiv und un­tätig verhielte, so denken Sie daran, datz die Autzenpolitik nicht auf derStratze gemacht werden kann. Richt einen Tag ruhen unsere Bemühungen. Das werden dereinst die Akten erweksen, die während dieser Regie- rmrgszeit entstanden sind. Die Aussüh- riutg ter wirtschaftlichen Matznah­me n *ann nicht von der Polizei und den Ge ich en allein gesichert werden. 3n dieser Lebensfrage unseres Vaterlandes muh der Sinn für die Allgemeinheit Lern Egoismus voran- gcfteHt werden. Seien Si: versichert und das find nicht Worte, das sind Empfindungen, die auS me.nem Herzen kommen. dah von mir aus alles geschehLN w rd, ohne jeden Unterschied der Klassen, ohne jeden Tlnterschied der Par­teien, ohne jeden Tlnterschied der Derufsschichten. was vom deutschen Standpunkte aus geschehen kann, was dem deutschen Volle, was der deut­schen Einheit, w.rs der deutschen Freiheit unb Tlnabhängigkeit nütz ich sein kann. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen )

*

Der Vorsitzende Les Eisen- und Stahlwaron- industriebundes Funke sprach Lern Reichskanz­ler Len Dank der Versammlung für feine Worte aus. Das Wort, datz die Regierung die Wirck- fcfrift nicht verlassen wolle, sei gern und mit Vertrauen gehört worden. Auch die Wirschaft wolle und werde die Regieruna nicht verlassen. Die Wirtschaft sei bereit, Opfer 7,u bringen. Bald darauf verabschiedete sich der Reichskanzler, dessen Zeit, wie er bemerkte, gemessen fei, mit einem Hoch auf Rheinband-Westfalen von der Ver­sammlung und verlieh Elberfeld.

Rach Ansprachen der Reichstagsabgeordneten Erkelenz und Cremrx sowie des Landtagsabgeord­neten Stuhrmann , ergriff Oberregierungärat Sr eine von der Generalbetriebsleitung West das Wort. Er ging ausführlich auf die Bemühun­gen der Eisenbahn ein, den Verkehr nach Mög­lichkeit aufrechtzuerhalten, und schild:rte dann die Leiden und Lasten der Eisenbahn im besetzten Gebiet. Dis zum 16. 3uni_ seien folgende Strafen über die Eisenbahnen verhängt worden: 223 Zähre 8 Monate und 10 Tage Freiheitsstrafe und 148 558 200 Mk. und 250 Fr. Geldstrafe. 5>ie Zahl der Verurteilten betrug 125, von denen 70 auf das altbesetzte Gebiet entfallen. 3n dem gleichen Zeitraum si«d ausgewiesen worden 6379 Beamte und Arbeiter, davon 4392 aus dem altbeiehten und 2431! aus dem neubesehten Ge­biet. Von Familienangehörigen sind aus dem altl-esetzten Gebiet TI 691 und aus dem neu- besetzten 5914 vertrieben worden.

Reichswirtschaftsnflinister Dr. Decker legte dann in längeren Ausführungen dar, was die Wiickschaft a.i Lasten u nd Le.dm durch dieDesthung zu tragen habe. Wenn auch nicht alle Wünsche, die aus 3ndustriekreisrn an das Ministerium ge­richtet worden seien, erfüllt werden könnten, könne die Wirtschaft doch überzeugt sein, dah die Regierung nach bester Kräften bestrebt sei, diese Griten zu lindern und der bedrohten Wirt­schaft zu Helsen. Der Minister wandte sich dann der Au henhandelskon trolle und dem A u s f u h r s h st e m zu. Er führte aus, datz er das System durchaus nicht verteidige, urd dah er an seiner- ^Entstehung ebenfo wie die jetzige Re­gierung unbeteiligt f<£. A i einen Abbau könne man nur ganz allmählich den- k e n. Hi. sichtlich ter Markst ühungsaktion sagte ter Minister, sie sei notwendig gewesen, um die Mark nicht auf einen Rullgunkt herabsinken zu lasen. Die Regierung sei sich darüber flar gewesen. Latz dadurch schwere Sorgen für die Wirtschaft entstehen wibrden. Richt leichten Her- z-e.rs?/ib: sie die Devisenordnung erlassen. Die Reeierung habe sich aber trotz der schweren Del-enkwi, die ihr aus Wirtschaftskreisen entgegen- gehalten wurden., auf Eirund von mahgebenden Sachrerständigs urtcsten zu ihren Matznahmen entschlief en müssen. Es sei selbstverständlich, Latz diese Mast nahm en. nur von über gehend stein sollten.

Därmen, 28. Juni. (WTD.) Rheinischer Provinziallandtag Der der Erklärung, die na­mens der Fraktionen des Zentrums, der Arbeits­gemeinschaft und der Sozialdemokratie abgegeben wurde, gab ein Mitglied der kommunisti­schen Fraktion ejne Erklärung cb, in der die Entschlossenheit auch seiner Partei zur Abwehr der Pläne ifred französischen 3mpe- rialismus Ausdruck fanit

Rach den wirkungssvollrn Worten Les Reichskanzlers erguiff nochmals der Vor­sitzende Dr. Jarres das Wort zu einer Rede, in irr er folgendes ausführte: Wir betonen hier nochmals als Ergeb,ris t>er Verhandlungen, dah wir den Widerstands so wie wir ihn auf- genommen haben, besonnen und fest fort­führ en werden. Das Nüssen wir wohl, dah in den zukünftigen, vielleicht entscheidenden Wochen uns noch Schwereres b e v v r st e h t. als wir bisher erlebt haben. 3m voller Bewuhtsein dieser von uns zu erwartenden Opfer erklären wir: Der Widerstand muh aufrecht erhalten werden ftnb wird aufrecht erhalten werden. Rach der Fühlungnahme mit den Parteien darf ich sagen, dah. wenn wir diese Erklärung abgeben, wir sie nicht als eine vaterländische Phrase, fondern in dem vollen Dewutztsein abgeben,. datz wir die Meinung der Rheinländer ausdrücken. Die wenigen Erbärm­lichen, die sich Rheinlän!»er nennen und sich nicht

gescheut haben, mit dem Feinde in Verbindung zu treten, scheiden aus unserem Kreise aus. Sie haben sich selbst ausgeschieden. Sie sind der Ver­achtung der blmwelt und der Verachtung derer überlassen, für die sie Dienste tun. Wir sind da­mit am Schluh der Verhandlungen. Wir gehen auseinander; das darf ich wohl sagen gestärkt mit dem Willen, unsere Volksgenossen am Rhein zu stärken.

Der Bries des Papstes.

P a r i«, 28. Zunb (WTD.) Sie r a b 11 a l» sozialistische Kammersrakt Ion hat eine 3nterpellation über den Dries Les Papstes in der Reparationsfrage eingereicht. Sie verlangt Auskunft über die Haltung des franzö­sischen Dotschafters beim Vatikan und Ler franzö- fischen Regierung angesichts dieses ernsten diplo­matischen Ereignisses.

Paris, 28. Hund (WTD.) Zum Driefe des Papstes schreibt derTemps": Der päpstliche Drief fugeriere z we i Gedanken: einen finanziellen, der darin bestehe, die Rcparationskommission auszuschalten und die deutsche Schuld von Schiedsrichtern seststellen zu lassen, und einen politischen, der darin be­stehe, dir Räumung der besetzten ©ebiete vor der vollkommenen ReparaIivnszahlung zu erlangen. Das seien gerate die beiden Gedanken, die die französische Regierung zurückgewie'en habe. Schliehlich will terTemps" und Las ist das be­zeichnendste an seinen Ausführungen, hervorhe- bzn, Latz der päpstliche Brief Lei 3ntereffen Frankreichs noch viel unvorteilhafter hätte sein können, wenn man keine Botschaft beim heiligen Stuhl unterhielte; aber man werde vielleicht sa­gen, Latz Ler päpstliche Brief nicht die Rützlichkeit der französischen Botschaft beim Heiligen Stuhl beweise.

DasJournal des D 6 b a t S" schreibt Wie sollte es möglich sein, die Grenze der beui= schen Leistungsfähigkeit durch ein unparteiisches Urteil sestzusehen, nachdem die führenden Män­ner Deutschlands das Reich vorsätzlich in den Bankrott getrieben hätten? Wenn Pius XL Aus­sicht haben sollte. Gehör zu finden, hätte sein Appell von einigen starken Sähen begleitet sein müssen über die strikte Reparationspslicht und über die Unzulässigkeit einer Revolutionierung (des Völkerlebens zu dem Zwecke, sich dieser Reparationspslicht zu. entziehen. Bedauerlicher­weise fei In dem Schreiben Pius XL an den Kardinal Caspari nichts zu finden, was das Ge­wissen Deutschlands wachriefe.

Die französische Ierstörungs- arbeit.

Berlin, 28. Juni. (WTD.) Die Verorb- nung des Generals Deg outte über den Han­del mit Devisen ist ein neuer Willkürakt der Drsahungsorgane und Lazu bestimmt, die Mahnahmen der Reichsregierung zur Stützung des Markkurses zum Scheitern zu bringen Die Verordnung ist vornehmlich ein französisches Kampfmittel und mutz a's solches g wertet werden. D e Franzosen erhoffen Lu ch die Störung b t deutschen Markaktion Schwierig­keiten im Einbruchsgebiet unb die Förderung ihrer politischen Ziele. Die 'Begründung De- 'GDuttcd, datz durch die deutschen Verordnungen Liber dm Deviscnhandel die Verprovi.in:ierung ( er Des hungstruppen gefährdet werden könne, ist zu lächerlich, um einer ernsthaften Entgeg­nung zu bedürfen. Cs muh aber festgestellt wer­den. dah von denjrnigeni, die sonst >stets der deutschen Regierung den Vorwurf der Mark- entwertung gemacht haben, jetzt ver'ucht wird, die Matznahmen gegen die Markentzwertung zu sabotieren. 3m übr gen ist es selbstverständlich, Latz auch im Hinblick auf diese Verordnung! für die Dewobner LeS Einbruchsgebiets nur die deutschen G.sehe Gültigkeit haben.

Französische Justiz.

Der!in, 29. Juni. DieVoss. Ztg" gibt unter der HeberfdjriftW-erde.rer älrteile" fol­gende Meldungen: Gestern wurde vor dem Kriegsgericht in Werden d'e Anllage gegen den französischen Soldaten ver­handelt, der seinen Kameraden Schmidt seinerzeit im Gebäude des Essener Haupt­bahnhofs erschossen hat. Wegen bieder Sät hatten die Franzosen der Stadt Essen eine hohe Geldbutze auferlegt, weil zunächst b.hauptet worden war, der Täter sei ein Deutscher., Der französische Soldat wurde toeg-ei fahrlässiger Tö­tung z u pinern Hahr Gefängnis ver- urteilt

Der Bochumer Oberarzt Pros. S>r. Schlötz- mann, der sich geweigert hatte, aus dem Do- chumer Krankenhaus die von den Franzosen an= geforderten Betten zu liefern, wurde zu fünf Millionen Mark Geldstrafe rerurteilt Gestern stand ferner vor dem fra.izösisch.n Kriegsgericht der Direktor der Essener <5i<i rkohle.chergwerke 21.-®.. Dreucker, wegen Beihilfe zur Abgabe von Kohle-i ohne Passierschein. Er wurde zu einem Zahr Gefängnis und 100 Mill'onen Mark Geldstrafe verurteilt. Weiter wurde Professor Dn. Herbst, Direktor der Drr.gschule in Essen, unter der Beschuldigung, die Verteilung von nationalistischen Flugblättern in der Schule ge­duldet zu haben, zu fünf 3-nhren Gefängnis unb zehn Millionen Maz;k Geldslrase verurteilt. Schliehlich wurde in Abwelenhe t gegen Direktor Feller von der Zeche Prosper in Ahrenberg verhandelt Feller wurde liegen Vecstotzes gegen die Verordnung über die Kohle isteuer zu fünf Jahren Gefängnis unb zehn Millionen Mark Geldstrafe verurteilt