Ausgabe 
29.5.1923
 
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Dienstag, 29. mal 1923

173. Jahrgang

Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno. 27 mm Breite örtl. 100 Mk., auswärts 125MK.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 500 MK.Bei Platz« Vorschrift 20 °/? Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

Vrvck und Verlag: vrvhl'sche UniverfilSts-Vuch- und Steinörnderei H. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Dor der Absendung der neuen deutschen Vorschläge.

Auf dem Umtoege über die im Reichskanzler» <rmt unterrichteten Parteiführer vernahm die Öffentlichkeit endlich einiges über die Ga­rantie der Industrie. Die deutsche Großindustrie, sv heißt eS, ist bereit, einen Betrag von 2 00 5Ri.lI ionen G oldmark für die Reparation zu verzinsen. Sie stellt aber Bedingungen. Sie verlangt, daß die deutsche Wirtschaft von allen noch aus ihr lastenden Bindungen befreit und daß die deutschen Eisenbahnen nach privat- wirtschaftlichen Grundsätzen verwaltet werden. Die Forderung auf Privatisierung der Reichsbahnen war voraus zu sehen. Aber was bedeutet die Be­freiung von Bindungen? Sind die sozialen Ver­pflichtungen der Arbeitgeber gemeint, also inner­politische Bindungen oder etwa nur die Fesseln des Versailler Vertrages? In letzterem Falle hätte die Industrie alle anderen Wirtschasts- aruppen und das ganze deutsche Volk hinter sich. Der Entente aber wäre mit einem Schlage klar ge­macht, wo der springende Punkt einer wirklichen Reparation liegt: in der Beseitigung der toirt» schaftzerstörendm Bestimmungen des Versailler Vertrages.

Berlin, 28. Mai. (WTB.) Von parlamen­tarischer Seite wird uns mitgeteilt: Die Partei­führer des Zentrums, der Deutschen Dvlkspartei und der Deutschen Demo­kratischen Partei beschäftigten sich heute vormittag bei der Besprechung der politischen Lage mit dem Angebot des Reichsverbandes der deutschen Industrie an den Reichskanzler. In den von der Industrie angebotenen Leistungen sehen die Parteiführer ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die deutsche Wirtschaft in Erkenntnis der Lage bereit ist, für die 'Freiheit des Vater­landes auch die schwersten Opfer zu bringen. Die für die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gemachten Voraussetzun­gen werden bei der Bindung der angebotenen: Bereitschaft durch die notwendigen Gesetze Gegen­stand alsbaldiger parlamentarischer Verhandlun­gen werden müssen, und zwar auf der Grundlage des bereits in der Rote vom 14. Rovember 1922 niedergelegten Regierungsprogramms.

Eine Kundgebung der Reichs- regierung über die Opser- bereitschaft der Industrie.

Berlin, 28. Mar. (WTB.) Zu der Frage der Kredite für die deutschen Repa» rationslerst ungen liegt in dem Schrei­ben des Re i chs ve r ba n des der Deut­schen Industrie an den Reichskanzler ein wichtiger Beitrag vor. Das Schreiben trägt den von der Reichsregierung festgelegten Gesichts­punkten der Heranziehung der Wirtschaft zur ding­lichen Sicherung der deutschen Leistungen Rech­nung, indem es sich prinzipiell aus den Boden die­ser Auffassung stellt. Damit ist ein Schritt von großer Tragweite geschaffen, den die Reichsregie­rung als eine Kundgebung des Willens führender Wirtschaftslreise begrüßt, an der Lösung der schwierigen Garantiefragen aus allen Kräften mit-» zuarbetten und die für eine brauchbare Regelung des Geso.mtproblems erforderlichen Opfer zu brin­gen. Die Regierung wird unter eige­ner Verantwortung und involleräln- abhäirgigkertprüfen, wieweitdievon der Wirtschaft aufzubringenden Lei­stungen bei den weiteren Schritten der Reichsregierung Verwertung finden können. Denn so sehr es zu begrüßen ist, dah in Erkenntnis der Rotwendigkeit großer Opfer einzelne Stand? sich berertfinden, an dem zu losenden Problem mitzuarbei'en, so wenig ent­bindet dies dre Regierung von ber Aufgabe, von sich aus Mah u'.rd Verteilung der Leistungen unter Berücksichtigung der Interessen aller Erwerbs- stände zu bestimmen und unabhängig fefhu- legcn. Die Vorarbeiten hierfür sind von der Re­gierung aufgenommen. Mit der gleichen Selbst­verantwortung wird sie die gesetzlichen Mahnah- men vor bereiten, die für die Steigerung der deutschen Leistungsfähigkeit erforder­lich sein werden, wie sie im wesentlichen in der Rote vom 14. Rovember unter weitgehendster Zu­stimmung der Parteien von der Regierung wieder­holt zugesagt worden sind.

Berlin, 29. Mai. Die Konferenzen beim Reichskanzler dauerten auch am gestrigen Tage fort. DerVoss. Ztg." zufolge empfing der Reichskanzler gestern nochmals die Führer der Parteien der Arbeitsgemeinschaft, die ihm von dem Ergebnis ihrer am Vormittag abgehaltenen Beratungen unterrichteten. Rach demVerl, :?rrgebl. empfing der Reichskanzler auch Vertreter der Landwirtschaft und der Banken im Zusammenhang mit den Garantievor­schlägen des Reichsoerbandes der Industrie.

Die dieCßoff. Ztg." berichtet, ist der Vor­stand der Demokratischen Partei am Sonntag zu einer aus Berlin und dem Reich zahl­reich besuchten Sitzung im Reichstag zusammen- getreten, an der auch die Dorjihend-rn der Reichs­tagsfraktion teilnahmen. Die Beratungen waren hauptsächlich der inner- und außenpolitischen Lage gewidmet, über die die Qlbgg. Erkelenz und Fischer Referate erstatteten. In der 'Beurteilung der gegenwärtigen äufttrft schwierigen politische Sage und in der Empfehlung der zu ihrer Lieber- Windung einzusch beenden Wege ergab sich voll­ständige Uefxtrcinftimmung un er dm Vorstands­mitgliedern. Gegenüber Meldungen über an­gebliche Bestrebungen auf eine Fusion der Demokratischen Partei und der Deut­schen Volks Partei wurde einmütig fest­

gestellt, dah nicht der geringste Anlah vorliege, an eine solche Fusion zu denken und dah Verhand­lungen dieser Art weder geführt worden jeien noch geführt würden.

Aus der belgischen Neparations- denkschrist.

Pari-, 29. Mai. (WB.) DerMatin" will in der Lage fein, genaue Berichte über das von der belgischen Regierung überreichte Memorandum zur Lösung der Repara­tionsfrage mitteilen zu können. Die belgische Regierung ging von dem Gedanken aus, dah man mindestens 2,4 Milliarden Goldmark aus Deutschland selbst ziehen könne, ohne sich der Pfänder zu entledigen und ohne sich der Chimäre groher internationaler Anleihen hinzugeben. Die Vorschläge gingen von der Schaf­fung von Monopolen aus, man fasse aber ferner auch eine Deteiligungvon25 Proz. an der deutschen Industrie ins Auge, was eine Zusatzeinnahme ergebe, die man nicht genau alschätzen könne. Die Flüssigmachung von Reparationsgeld durch internationale Anleihen solle £«uf später verschoben werden. Die erste der unerläßlichen Bedingungen sei, da-ß Deutsch­land seine Finanzen saniere. Rach Ansicht der Belgier könne Deutschland den Mark­kurs durch künstliche Mittel ftabili- fieren. Erst jüngst habe Deutschland während zweier Monr-te dank vernünftiger Verwendung uec Reichsbantdevisen die Mark gestützt, und diese Operation habe die Deutsche Reichsbank absolut nicht ruiniert, weil ihr nach dieser Operation neue Devisen in Höhe von 50 Millionen Dollar zugeflossen seien. Deutschland könne auch fein_ Budget aasgleichen. Theunis erinnert daran, dah in dem Vierteljahr April bis 3uni 1922 das deutsche Budget im Gleichgewicht gewesen sei und sogar einen monat­lichen Tlederschuh von 90 Millionen erbrachte. Man könne auch nicht sagen, dah durch die Schaf­fung von Monopolen dem deutschen Staate Ein­nahmequellen entgehen, denn die belgischen Sach­verständigen hätten bewiesen, dah in der Periode des Dudgetcmsgleichs die Monopole nur mit 20 Millionen Mark in den Einnahmen figurierten. Wohlverstanden müßten die gegmtoärtigen Gesetze für die Schaffung der Monopole und die Sackte- rung der Finanzen nicht nur votiert, sondern durch neue Gesetze vervollkommnet werden, ähnlich wie sie in Wien eingerichtet seien und durch die dem Reichstag verboten werde, seine Entscheidung zu­rückzuziehen. Das Ruhrgebiet werde natür­lich teilnehmen an den Gebieten, die die Einnah­mequellen liefern könnten. Die Besetzung dieses Gebiets werde so einen doppelten Charakter haben, nämlich die Kontrolle der Lieferungen und die unmittelbare Durchführbarkeit der Drohungen im Falle einer Verfehlung. Die Blockade werde dann aufgehoben und die Einnahmequellen kämen aufs neue an das Deutsche Reich. Tatsächlich ver­träten die Belgier die Ansicht, die Ruhrbesetzung bedeute nicht eine wirkungsvolle Maßnahme und sie sei auf die Dauer mörderisch für das wirt­schaftliche Gleichgewicht des Deutschen Reiches. Sie glaubten nicht, daß man sich aus dem Ruhrgebiet bezahlt machen konnte, d. h., daß man alle Zahlungen in dem Ruhrgebiet für die Reparatio.ren finden könne. Man könne dem Ruhr gebiet nicht alle Lasten aufhalsen, die nur die Gesamtheit des Deutschen Reiches tragen könne. Diese im einzelnen entwickelten Betrach­tungen sollten aber nicht verhindern, die Bl o k- kade solange aufrechtzuerhalten, ja sogar noch zu verschärfen, bis zu dem Augenblick, bis der von Theunrs entwickelte produktive Repa- rationsplan zur Anwendung gelangt fet. Drese Pfandnahrne entspreche in rhrem Innersten der von Frankreich im Januar der Reparatronskom- rnission übermittelten Rote, als die allgemeine Verfehlung Deutschlands festgestellt wurde.

Eine deutsche Protestnote wegen der Erschießung Schlogeters.

Berlin, 28. Mai. (WTB.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris wurde beauftragt, der französische MR egierun g folgende Rote zu überreichen:

Die französische Regierung lieh den Kauf­mann Schlageter, gegen den das französische Kriegsgericht in Düsseldorf auf Todesstrafe er­kannte, am 26. Mai erschießen. Der Tatbe­stand, der dem Urteil zugrunde liegt, ist der deut­schen Regierung nur aus Pressemeldungen bekannt und kann von ihr nicht nachgeprüft tte.cen. Gl. ch- viel, wie es sich damit vergalten mag, muh fest- gestellt werden, dah das Verfahre r gegen Schlag­eter ebensowenig wie das Verfahren französischer Kriegsgerichte gegen anbere Deutsche, Anspruch er­heben fairn, als Rechtsverfahren angesehen zu werden. Die französischen Kriegsge­richte haben kein Recht, auf deutschem Boden, den sie widerrechtlich betreten Haven, über die Freiheit oder gar über Le­ben und Tod der Deutschen zu befin­den. Die deutsche Regierung hoffte, dah sich die französische Regierung, wenn nicht aus Rechts­gründen, so doch aus Gründen der Menschlichfett und um eme weitere Verschärfung der Lage zu vermeiden, bewegen lassen würde, von der Voll- streckimg des älrteils Abstand zu nehmen. In die­sem Sinne sind sofort nach dem Detanntwerden der .Urteile dringende Vorstellungen bei ihr erhoben worden. Die französische Regierung gab ihnen fein Gehör, entschloß sich mdane&r, den

kriegsgerichtlichen Zwang gegen die Bevölkerung bis -um äuhersten zu treiben und mit der Er­schießung Schlageters einen Schritt zu tun, der nicht wieder gut gemacht werden kann. Die deut­sche Reglern,rg protestiert feierlich gegen diesen Mißbrauch der Gewalt, für den die französische Regierung die Verantwortung trägt.

Ein neuer französischer Mord.

Kratz, 29. Mai. (WTB.) In der vorletzten Rächt wurde in der Rähe der Zeche Bonifatius eine Zivilperson von einem französi­schen Posten erschossen. Soweit bisher er­mittelt wurde .handelt es sich um den Bergarbeiter C z i ch v w s k i aus Kratz. Einzelheiten fehlen.

Die französischen GewattsLreiche.

Düsseldorf, 28. Mai. (WTB.) Der Vertreter des RegierungSpräsidenien, Oder- regierungSrat Dr. Lutterbeck, ist gestern abend von den Franzosen in seiner Wohnung in Düsseldorf verhaftet und in das Ge­fängnis nach Derendorf gebracht worden.

Auch die Besetzung der Badischen Anilinfabrik aufgehoben?

Mannheim, 23. Mai. (WTB.) Rachdem die Besetzung der Höchster Farbwerke auf­gehoben worden ist, rechnet man damit, dah in Den nächsten Tagen auch die Besetzung der Da di- s ch e n A n i l i n f a b r i f aufgehoben werden wird. Tatsächlich sind die französischrn und elsässi­schen Arbeiter, die die Franzosen zur Abbeförde­rung der Farben angestellt haben, bereits ab­gelohnt u.db die Poster« vor den Farblagerhäusern zurückgezogen worden.

Mannheim, 29. Mai. (WTB) Das Obbauer Werk der Badischen Anilin- und Sodafabrik ist heute früh 6,25 plhr von den Fran­zosen besetzt worden. Der Betrieb ist still- gelegt.

Die Unruhen im Ruhrgebiet.

Hörde, 28. Mai. (WTB.) Die heutige Nacht verlief ruhig. Die Arbeiter der Phö­nix-Werke haben heute früh zum Teil die Arbeit wieder ausgenommen; es waren je­doch Streikposten aufgestellt. Zu Reibereien ist es nicht gekommen.

Düsseldorf, 28. Mai. (WTB.) Die Erwerbslosen und Kommuni st en hielten heute vormittag eine Versammlung auf dem Hamburger Wall ab, die von den Fran­zosen erlaubt war. D-abei kam es gegen Mit­tag in Oberbilk zu Z u s a m m e n st ö h e n mit Streikenden bzw. Erwerbslosen und Polizei. Die Streikenden versuchten, die Arbeiter aus der Maschinenfabrik herauszuhvlen. Die Poli­zei schützte die Arbeitswilligen und ging mit der Waffe gegen die Demonstranten vor. Da­bei wurde einer durch einen Kopfschuß ge­tötet. Der Polizei gelang es, die Menge zu zerstreuen und die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Der Nachmittag verlief ohne Störungen. Die Polizei hat die Anweisung er­halten, gegen jedes Auftreten von Hundert­schaften in geschlossenen Zügen und gegen De­monstranten vorzugehen.

Dortmund, 28. Mai. (WTB) Dir Lage ist seit Samstagabend unverändert. Auf der Zeche T r e m o n i a sind 350 Mann van der etwa 2000 dllaim betragenden Belegschaft eingefahren.

R eck ling Hausen, 28. Mai. (WTB) Hier streiken die Zechen Emscher-Lippe, Reckling­hausen I und II König Ludwig und General Blu­menthal I und II. Laut Def^l des Generals De- g o u 11 e toerben am 29. Mai öffentliche Ansamm­lungen nicht mehr gestattet.

Köln, 29. Mai. (WB.) -Rach Meldungen der Köln. Ztg." aus Gelsenkirchen ist seit gestern nachmittag dort die Arbeitsnieder­legung allgemein. Alle Bergleute feiern. Die Arbeitswilligen H.Bcn nicht mehr den Mut, zur Zeche zu gehen, weil sie Gewalttätigkeiten der Terroristen befürchten. Mit Gewalt wurden von starken Stoßtrupps die Schachtanlagm füll- gelegt, die arbeitswilligen Bergleute zutage be­fördert und dann in demselben Zustand, wie sie aus der Zeche kamen, in geschlossenem Zuge durch die Stadt geführt und mit Verhöhnungen, Be­leidigungen, Mißhandlungen usw. überschüttet. Wie in Gelsenkirchen, ist es auch in Rotthausen, Kray, W-anne, Eikel und Wattenscheid zugegan- gen. Wie auch aus der Umgebung gemeldet wird, sind hort ebenfalls alle Bergleute geschloffen in den Ausstand getreten.

Erhöhung der Bergarbeiterlöhne.

Berlin, 28. Mai. (WD.) Zur L o h n - regclung im Stein- und Braunkoh­len bergbau für Juni traten die Verbände der Arb.it Fester und Arbeitnehmer am 28. Mai im Reichsarbeitsministerium zu Verhandlungen zusammen. Zunächst kam für den Ruhrberg- bou eine Vereinbarung zustande, wonach die Löhne einschließlich Soziallvhn um durch­schnittlich 10000 Mk, das sind etwa 5 0 Pro­zent je Schicht, erhöht werden. Bei dieser Lohnerhöhung ist die in der gtoeiten Hälfte des Mai eingetretene außergewöhnliche Teuerung, die bei der Lohnregelung für andere Berufe bereits ausgeglichen wurde, sowie die bevorstehende Er­höhung te3 Brotpreifes und der Eisenbahntarife mit berücksichtigt. Für die anderen Bergbau-Be­triebe find Verhandlungen noch ün Gange.

Schaffung eines Sicherheitsdienstes in Esse».

Essen, 28. Mai. (WTB) Die Kassen der hiesigen Danken wurden heute geschlossen, da in­folge der Wegnahme des Goldbestands der Reichsbank flüssiges Geld nicht vorhanden ist. In der Stadt bereiten sich wieder Plün­derungen vor. In der Rähe des Schlachthofes sammeln .sich große Menschenmengen an. Die Franzosen sind damit beschäftigt, das bei der Reichsbank weggenvmmene Geld, dessen Höhe auf 95 Milliarden angegeben wird, auf Last­kraftwagen, die durch Panzerautos gedeckt sind, fcrtzuschasfen. Auch heute stehe t wieder zahlreiche Lastkraftwagen vor der Reichs bwrk, um die Säcke mit dem beschlagnahmten Gelbe fvrizuschaffen.

Die Preisfragen.

Essen, 28. Mai. (WTB.) Die Kon- t r o 11 a u S s ch ü s s e, die in den letzten Tagen ein Herabsetzen von Waren um 3 bis 4000 Mark unter den Einkaufs­preis der Grohisten erzwungen hatten, haben nunmehr eingesehen, daß dies höchst irrig war. Bon allen Seiten kamen Aufkäu­fer, die zu billigen Preisen kauften, während die notleidende Bevölkerung die Ware nicht zu sehen bekam. Infolgedessen beginnen die Kvnttollausschüsse wieder damit, die Preise bedeutend zu erhöhen.

Die Militär-Kontrolle.

London, 28. Mai. (Wolff.) Dem diploma­tischen Berichterstatter desDaily Telegraph" zufolge hat die französische Regierung bei der englischen die Frage der Anweisimg an General Rollet und die alitierte M i - litärkontrollkommissionen, ihre Tätig­keit in ganz Deutschland wieder aufzuneh­men, aufgeworfen. Die englische 'nsicht scheine weiterhin die zu sein, daß unter den augenblick­lichen älmständen eine derartige Maßnahme ge­fährliche Zwischenfälle zur Folge haben könnte, die besser vermieden würden.

Das Kabinett Baldwin.

London, 28. Mai. (WTB.) Das iln» terhaus trat heute nach der Pfingstpause wieder zusammen, doch wurde von der neuen Regierung keine Erklärung abge­geben. Nachdem die Parteiführer dem zu- rückgettetenen Ministerpräsidenten B o n a r Law anerkennende Worte gezollt und den neuen Ministerpräsidenten beglückwünscht hat­ten, ging das Haus zur Tagesordnung über. In seiner Erwiderung auf die Glückwünsche sagte Stanley Baldwin, jetzt, wo er Führer der Konservativen Partei sei, werde er niemals vergessen, daß der Führer einer Par­tei auch der Führer des Landes sei. Er werde sich bemüHen, die großen Traditio­nen, die von ihm übernommen wurden, fvrt- zusetzen. Austin Chamberlain beüglück- wünschte den Premierminister zum Budget und zur Regelung der Schulden an Amerika und wünschte ihm jeden Erfolg.

Großes Aufsehen erregt in der Presse ein Schreiben Chamberlains an den Vor­sitzenden der Konservativ.n-Verrinigung von Bir­mingham, in dem er erklärt, der Premier­minister sei mit ihm erst nach der Bildung des Kabinetts bi Verbindung getreten. Wenn feine Unterstützung erbeten worden wäre, so würde er sie gern gewährt haben; andere Kräfte seien je­doch zwischen den Premierminister und feinen Wunsch nach vollständiger Vereinigung der Kon- sertoativen getreten.

Wie die Blätter melden, hat Baldwin Cham- berlam den Dotschafterposten in Was - hington angeboten, den Chamberlain jedoch ablefrnte.

DerDaily Chronicle" schreibt, die Spal­tung in der konservativen Partei sei erneut vertieft worden.

London, 28. Mai. (WTB.) Sir W o r- thington Evans tyat das Amt des Gene- ralpvstmeisterS im neuen Kabinett angenom­men. Er ist der erste unionistische Minister, der in die neue Regierung Eintritt.

London, 28. Mai. (WTB.) Bald- w i n wurde heute einstimmig zum Führer der Konservativen Partei auf der unter dem Borsitz von Lord Curzon abge­haltenen Zusammenkunft der Partei im Ho­tel Cecil gew-ählt. Es waren 250 Mitglieder des Unterhauses und 80 Mitglieder des Ober­hauses anwesend. Lord Birkenhead und Cham­berlain waren, wie erwartet, nicht zuge­gen, aber vier unionistische vormalige Mini­ster, darunter Hvrne und der neue General- pvstmeister Evans.

Die Lausanner Konferenz.

Lausanne, 28. Mai. (WTB) Angesichts der noch bestehenden Schwierigkeiten beschlossen die drei alliierten Bevollmächtigten, von nun an mit Ismet Pascha neben den offiziellen Komiteesihungen regelmäßig gemein­same Privatsitzungen adzuhalten. Man hofft, auf diese Weise noch am Ende der Woche eine Ver­ständigungsbasis für die wichtigsten türkisch-al­liierten Streitfragen zu finden. Ein Llbschluß der Krnferenzarbeiten wird aber trotzdem nicht vor Ende Öurei erwarten sein.