(Nachdruck verboten.)
?6. Fortsetzung.
Unter dem Zreiheitsbaum
Roman von Elara Diebi^.
Eine Erklärung Prof. Dr. Ebels.
Wir erhalten folgende Zuschrift:
3n Rr. 73 des „Giestener Anzeiger" sind bie Ausführungen des Herrn Rechtsanwalts bischer im Prehprozest Lenz — Vetters diedergegeben, worin darauf verwiesen wird, dah üuch die Universitätsbibliothek am Tage der ^athenautrauecfeier nicht geflaggt habe, und das) bisse Unterlassung wegen meiner Zugehörigkeit jur Demokratischen Partei nicht beanstandet worben sei. Hierzu habe ich folgendes sestzustellen:
Ob die Richtbeflaggung der Hniversitäts- bibliothek von ber Vorgesetz en Behörde unbemerkt «blieben ist. weih ich nicht. Jedenfalls aber ist fern Landesamt für das Bildungswesen feit September 1921 durch mehrere Berichte bekannt ge- desen, dah die ätniversitätsbibliothet sich nicht rn Besitze vorschriftsmähiger, seit Juli 1922 über- feupt irgendwelcher Flaggen befindet. Das Lan° besamt hatte also selbst im Falle einer Anzeige
Das Herz stand ihr still: Ahnte er etwas? .tarnen die gleichen Gedanken auch ihm, Gedanken, tie sie verfolgten bei Tag und bei Rächt, die sie b ruhelos umtrieben, als hätte sie selber Böses tctan? ..Ich geh nii nach Krinkhof," sagte sie kcinlaut, den Blick no^ch immer niedergeschlagen, >ich geh zum Fr.edensrich'er nach Lützerath, Kack," - sie zog einen Laubtaler aus der Tasche , »den hat er mir gegeben, als er letzthin hier lvar. Lch soll bei ihm Magd sein — nur für en Weil," schle sie rasch hinzu, als Martin auffahren wollte.
Rem, das war ihm doch gar nicht recht, dann hätte er noch lieber gesehen, sie bliebe solange fei ihrem Vater: das hatte sie doch nicht nötig, elS ferne Braut noch als Magd zu gehen. Er dar unmutig. „Ich leid dat nit!“
„Rur für’n Weil, für en ganz kleine Weil, slgte sie bittend, „et is ja nit lang mehr.
.DiS zur Hoch-eit," ergänzte er. .Morgen kch ich zu unserm Pastor, bestell dat erste Auf- cebot? worauf sotten wir dann noch wartend 6r stieb einen Seufzer aus. „Weih Gott, mir dird jeder Tag zu lang. Ach, Maria —" « trat stohlich neben sie und rih sie an sich dah ihr der Atem verging — „ich hab' dich ja so lieb, so lieb! Uni) wenn ich dran denk, dah du bald mein Zrau bist, dann wird mir der Kopf ganz schwin- felig, ich hör nit, ich seh nit, ich hab nix im Sinn nchr als dich dich allein!"
Sie konnte sich nicht sträuben, sie lag ihm im Stan, eine wehrlose Deute von Glück und Schmerz.
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Die GemeindckeMta etai für des Deutsche < ?ale 24 500 M Der Siet). Anz." abgchchrt
28. Mn. Wie ta den unseres Kreises, hat Lochen die hessische lerschuh und Laug» ) in unserem Ort dank eres Orlsvvrsiandes xut m Geldmittel einen sechs« l über Pflege und esunden Säuglings trauen und Möhen sehr Dorlragende, Schwester Jen verstand es vorzüglich es Mssensverte in Meier rzusehen, und gab ein« : Verhütung von Krank, fahren durch Tuberkulose, : Behandlung und Ernüh« id warnte entsch.eden vor dabei. Als örgämung CBotgdragenen hielt sie leeimnCliitbilber* dem besprochenen Stoffe
tzesunder Dvh- iene, ansiräende Krank« eiten, erbliche Schädigun« Mkoholgenub, Tubeckulo'e verbreitete Den Schluv er Behandlung mit Höhen« !ungenheilslätten u. a. Dte d ^Hörerinnen waren von friedigt und werden der ung der gegebenen Wr tankbar sein. ,
Der alte Stein ^eres Dorfes wird werter
h Anz' weitergeleüet.
Alsfeld«
, 97 Mrz. Aus der urg. *;• hiesigen ä&äs#
Das Urteil tm Prozeh Lenz-Detters.
Dieben, 28. März 1923.
In der Privatbeleidigungsklage des Studien- rctÄ Dr. Lenz gegen den Redakteur Vetters mm der „Oberh. Volksztg", über die wir in unseren Ausgaben vom Montag und Dienstag berichteten, wurde heute vormittag von dem Schöffengericht unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Steinberger das Urteil verkündet.
Der Angeklagte Vetters wurde wegen Beleidigung durch die Presse zu einer Deld- |strafe von hunderttausend Mark, an deren Stelle im Richtbeitreibungsfalle für je Bl50 Mark em Tag Gefängnis tritt, verurteilt. Au herbem wurden dem Verurteilten die K o st e n des Verfahrens einschliehttch der notwendigen Auslagen des Privatllägers auferlezt and dem Kläger, Studienrat Dr. Lenz, das Recht .^gesprochen, das Urteil in der „Obrrhessischen Volkszeitung" an derselben Stelle, die die beleidigenden Artikel einnahmen, zum Abdruck bringen zu lassen.
Aus der Urteilsbegründung ist hervorzuheben, dab das Gericht im Hinblick auf die Aufrechterhaltung des Schweigegebots der 2tegie- rung an die als Zeugen genannten Beamten Ilion deren Ladung aus rein praktischen Erwägungen abgesehen hat. Ueber das Schweigegebot selbst zu befinden, stehe dem Gericht nicht zu. Das Gericht erachte als festgestellt, dah Dr. Lenz nccht strafversetzt, sondern tatsächlich im Interesse des Dienstes verseht wurde. Die in den infrlmi- n.erien Artikeln aufgestellten gegenteiligen Be- . Hauptungen enthielten eine Beleidigung des Privatllägers, denn ein disziplinierter Beamter werde allgemein als ein gemahregekter Beamter angesehen. Das bedeute einen Makel, der ben Privatkläger in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt hätte. In den Artikeln sei unvorsichtig,
um nicht zu sagen leichtfertig mit der Lhre des andern umgegangen worden.
Um das festzustellen habe es nicht erst noch J der Beweisaufnahme bedurft, es gehe zur Genüge schon aus den Zeitungsartikeln Hervar. die nur die Fortsetzung einer ganzen Reihe von Artikeln dieser Art seien. Zuungunsten des An- ocklagten spreche auch die Tatsache, dab die Aus- diucksweise in den Artikeln nicht als in der Er- regung des augenblicklichen politischen Kampfes geschehen anzusehen fei. Der Privatkläger werde immer in feiner Eigenschaft als Jagenderzieher unb als Privatmann angegriffen und damit
1 leine politische Gesinnung verquickt. Zu-
miaunften des Angeklagten spreche weiter,
./fein er wegen gleicher Prehvergehen
: Id/on vorbestraft sei, das letzte Mal mit ■ 1000 Mark. Das Gericht habe auf der andern Seite aber anerkannt, dab der Angeklagte als Lebakteur einer Zeitung, deren Aufgabe es sei. sich mit den öffentlichen Vorgängen zu befassen, das Recht gehabt habe, sich mit den Ereignissen in der Oberrcalfchule zu beschäftigen: er habe dabei in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Hierbei sei er jedoch in bezug auf den Privatkläger über die zulässige Form des politischen Kampfes weit hinausgegangen. Es handle sich in den Artikeln nicht um unbedachte Aeuhe- tungen, sondern um wohlbedachte Wendungen. Die Absicht der Artikel fei unverkennbar. Bei der Strafzumessung fei vom Gericht berücksichtigt worden, dab es sich hier um einen politischen Krmps handle. Von einer Gefängnisstrafe habe das Gericht abgesehen, da die frühere Freiheits- ftafe des Angeklagten schon 17 Jahre zurück- liege. In bezug auf die Höhe der Geldstrafe habe das Gericht sich vergegenwärtigt, dah die letzte Geldstrafe auf 1000 Mark lautete, und weiter Hube es die mittlerweile ein getretene Geldent- vettung berücksich.igt. Daher sei auf 100 000 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten erkannt vorder,.
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öfter Beschweiche keinen Grund gern Nn schreiten gegen die Direktion gehabt.
Giehen, den 28. März 1923.
Pros. Dr. Ebel, Direktor der Universitätsbibliothek.
...
* Sachbeschädigung am Hause des Rechtsanwalts Fischer. Von Rechtsanwalt Fischer erhalten wir folgende Mitteilung: „In der Ihrem Bericht über die Deleidigungs- fache Dr. Lenz gegen .Ober Hess. Volkszeitung" folgenden Rächt wurde mein am Eingang in das Haus befindliches grobes Anwaltsschild, das lange Jahre unbehelligt geblieben war, mit einem mitgeb rächten schweren Werkzeug völlig demoliert, insbesondere der Rame unkenntlich gemacht."
@erid)tsfaal.
Elbing, 28. März. (Wolff.) Der frühere Redakteur der „Marienburger Zeitung", Joseph Herbert Reis, der beschuldigt war, in der Rächt zum 11. Juli v. Is. seine Frau getötet zu haben, ist gestern nach fiebeatägiger Verhandlung vom Schwurgericht freigesprochen worden. ---------
Vermischtes.
Grobe Liebe rfchwemmrmgen in Mesopotamien.
London, 28. März. (Wolff.) Rach der „Times" stehen infolge einer Hebers chwem - mung am Sigrid 300 Quadratmeilen in Mesopotamien unterWasser. Bagdad sei fast ganz von Wasser umgeben.
Kirchliche Nachrichten.
Oft. Religionsgemeinde. Gottesd. t d. Synag. (Südanl.). Samstag, 31. März. Dorabd. 6.30, morg. 6.30, nachm. 4.00, abds. 7.45. — Isr. Religions- gesellschafl. Sabbats. 31. März. Jreitag abd. 6.25, Samstag Dorrn. 6.00, nachm. 3.30, Sonntag, 1. April, u. Montag, 2. April, Passah.Fest. 1. Tag: Vorabd. 7.40, vorm. 8.00 Predigt, nachm. 4.00. 2. Tag: Dorabd. 7.40, vorm. 8.00, nachm. 4.00, Festesausg. 7.45. Wochengottesdienst morgens 6.30, abends 6.00 Ubr.
handel.
B e r l i n, 28. März. Börsen st immungs- bild. Die grobe Deldflüssigkeit begünstigte am Effektenmärkte eine weitere Aufwärtsbewegung. Zu Beginn lagen seitens der Spekulation und des Privatpublikums recht erhebliche Kaufaufträge, die bei fehlendem Angebot namentlich für Industrie- werte bedeutende Kurserhöhungen bewirk.en. Bes- ferungen um 2000 bis 7000 Proz. bildeten die Regel: vereinzelt waren auch bedeutend höhere Gewinne zu verzeichnen, so Riebeck Montan um 31 000 höher. Von Maschinenfabrikaktien erzielten Auasburg-Rürnberger Maschinen und Berlin-Karlsruher Industrie Gewinne um e.toaSOOO. Stettiner Vulkan setzten ihre Aufwärtsbewegung kräftig fori und besserten sich um über 10 000. Rorddeutsche Wolle gewannen weitere 7000 Proz. Am Dankaktienmarkt hatte Berliner Handelsgesellschaft die Führung: der Kurs stieg in raschen Sprüngen auf 85 000. Die übrigen Dankenwerte waren gleichfalls gebessert. Auch Echiff- fahrtsaktien wurden um 3000 bis 4000 Prvz. höher bezahlt. Hamburg-Südamerikanische Dampfschifffahrt stellten sich um 7000 höher, Dalutapapiere gleichfalls fest. (Sanaba Pacific stiegen um etwa 19 000 Proz. Deutsche Anleihen im allgemeinen, gut behauptet. Das Geschäft wurde im Verlaufe etwas ruhiger: gelegentlich übten Gewinnreali- fierungen einen unbedeutenden Druck aus, im allgemeinen blieb bie feste zuversichtliche Stimmung unvermindert erhalten.
Frankfurt a. M., 28. März. Börsen- st i m m u n g s b i l b. D ottamoten unverändert 20 900. Der letzte offizielle Dorsentag vor dem Osterfest zeigte eine feste Tendenz bei lebhafterem Geschäft. Für einzelne Werte machte sich rege Kauflust bemerkbar, fo namentlich in Industrie- papieren, in denen auf erheblich erhöhter Basis namhafte Umsätze zustande tarnen. Verschiedentlich nahm man Käufe von feiten des Publikums wahr, fo dah die ersten Kurse eine stärkere Befestigung erfuhren. Im freien Efsellmverke-r war das Geschäft bei festem Grundton äußerst lebhaft. Von Montanpapieren bewegten sich bei groben Umsätzen Mannesmann, Dcutsch-Lurem'urg und Caro nach oben. Zuckeraktien traten fest in den Verkehr. Banken lagen vorwiegend ruhig, aber fest. Auslandsrenten lagen ruhiger. Dec Devisenmarkt zeigte keine Veränderung. Devise Paris stärker schwankend.
Frankfurt a. M., 28. März. Der Dörsen- vorstand teilt mit: In der Woche von Montag den 2. April bis Samstag den 7. April findet d e Wertpapierbörse am Mittwoch, 4. und Freitag, 6. April, statt. Von Montag, 9. April, bis Monatsende findet die Wertpapierbörse jeweils Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags statt.
Dörfen'turfe.
.yranksurt tu M- Berlin
Schlub- Schluß- Schlich. Schlutz.
fcurs Kur» Kurs Kur»
Datum: 26.3. 28-3. 26.3. 28. 3.
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Dlsch-Spcir-8rani..Anl. 320.— 305.— 30).— 310 — 4°/, VreuKische Konsol» 20>. — —205 — 200,— 4°/o Hessen 12«.- 123,- 120,-
31///» Hessen 110- 119.- —
3*/o Hessen 126- 125.- 121- 130 - 4,/0 Zolliürken 32500.-32875,-32501-33500,- ^Goldincxikaner -.-292000, -29250). -2925U0. -
Berliner HandelSaes. . 50000.- 84000.- 550)0,- 8450).- GommetA: u. Privnibk. 6900.— 850o — ZiOO — 8751.— Dlirnni.u.Naiionalbank 8201.— 1 4)0,-821)0.— 10250.- De„lsche Bank 22500 - 2)950.-2220),- 24500,- Demsche BereinSbank. 32m) — 3500— —.— —— DiSeonio Gonimanbit . 9nül— 112)0 -11600 -13006,- MeiaUbank 39000,- 397.)0.-
Tbiitelbeiif. Credltbank 5100.- 6200,- 5250,- 6600,- Ceüerr. Crediianstalt. 8700,— —8701— 9751— Bochumer Guh .... ——,—61001,—667^0.—
Buderus 31201—34500,—325 »1—349'1- t£nro 41)01- 42450,-40u00,-417".0,— Deuisch-Lnremburn 66500,-08001—68501-71001— GelsenkirchenerBergw64000,—6^751—62001—67 X)0.— Hnrvener Bcrabau. 143'100,-146001-1:18001-149001- jr all werk 2l schersleben35700, -410 )0,—380)0. -45000,— 51 alimerk Westeregeln Bsooi—4C>oO,— —,— —
VauraDiilte . ... 3100).—36750,-34010.-36600,-
Cberbcbnrf 45251—45001—45001—4i;000,— 1'bönir Bergbau.. .. 55001—59500,-53500.-59751— Nheiustahl 5071)0-53K)1),-52101 - 56>K).— »iicberf Hiontnn . . . 1350>1-1500)0,-1290)1-170 00,- TelluS Bergbau .. . 120to,—neOO,— —,— vambiitn:24mer. Pake 44000,- 41000,— 434u0,- 46000,- Norddcuischer Vloöb . 26100,- 28110,— 25400,- 28750,- ZementwerkHeidelbert 151)01-16601- —,— -.- Philtov Hvlzmann .. —10500,- —13501-
2lnglo-Cont.»lAuano. . 8900u,—87000,—89501—97,001— Badische Anilin .... 27501—3 '001—27800^-3211- (4k ldschmidt 26!KlO^340Jl—277.0»,—32900,- Grle--bcinier (Electron .23001—28400,—240 0,-26501— höchster r>arbwerke . 23501—27001-2)3001-280.0,— Holzverkoblung 22.0 >,—2700).— —,— —,— !)i iilgerswerre 34000,-37250,-33001—38000.— ; cheideanitalt 33001—:1401>,— —,— —.—
«On. Elekiri»itäts«Gef 1->75^18900,—162nn^-wo,'r- Bergiuann....... 39751—41501—10000,—>27)01—
Schlickert 3800',—12t»),—3 00 .—41751— Siemens & Halske. . .57501—7^001—56000,—57751— Diainkraftiverke. . . —,— 6360,— ——,—
Sldleriverke Ml euer. . -,- 10000,- 9100,-11000,-
Dalniler Diototen. . . . 9500.— 1070),— 9511—10.00.- Heultgenstaedt..... 2401—:8v>0,— —,— —.—
iliemihi 23! 00.-26001-22500,-27000,-
MetaNgei. Frankfurt. . 42001-46510.- -,-
Schnbfabrik Herz.... 79)0.—9c>00 — —
Sichel 12200,-13950,- -.-
Zelluoff Waldhol .... 240» -2 >500,-259u0,-30300,-
Ziickerf^hr.Fra »kenibal 12101-15010.— ——,—
ZuckerfabrikWaa äufel 13)00,-15000.— —,— —
Frankfurter Devisenmarkt.
(Telegraphische Auszahlung.)
Datum
27. März Amll. No lern.
28. März
Amtl.
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Bries
Anttv.'BrÜssek .
1177,25
1182-75
1169,55
1177145
.^oflnnb......
8228 40
R2*:9,60
823185
8273,15
Vonbon .....
977«,-
98245, -
97994.60
98395,40
Paris.......
1366.55
1373.45
1366,55
1373,45
Sdtmch.....
384b. 35
3865.85
385,35
3875.65
Spanien ....
3201.97)
3218.05
3*211.95
322 ,05
Italien......
10-22,45
1027,55
103240
1037,60
Vlfinbon-Dvorto
—- —
-----
Dänemark. . .
3970 05
3989.95
3990,-
4O;o,-
Norrvenen....
3765.55
3784,45
37'15,55
3784.15
Schweden . . .
5515,10
5563,90
5548,60
5576,40
^elsinchorS. . .
5'13,60
566.10
566,10
568.90
Neunork......
20847,75
20>7,L25
20885,15
20089,85
Denlsch-Oestern
29,18
29,32
29,33
29,47
Ludaveit. . ..
448,85
451,15
486.30
488.70
Prag......
61.8.70
621,80
620,-
623, -
Agram ....
21050
2'1,50
2)Ü5O
210,50
Danknotea.
Frankfurt o.TL 28. März. Bries Geld
Eckiwei^er Nmen........ 3895,— 3825 —
ftrninöfHdic Oborcn....... 13<i8 50 1356 50
Dänische Noten 4010 — 3940 —
Schwedische Mo'en 5550 - 5450 —
Holländische Nolen 8310 — 8190.—
Deuisch-Deierreich ä 100 Kronen 29 52 29 02
Awerikinische Roten 21125 — 20875.— Englische Noten 98550 — 9757-0—
Italienische Noten 1021— 1014 —
Belgische Noten 1176— 1164.—
llnaarische No en 475 — 425,—
T schechoslowakifchs Noten . . 628 — 608 —
dioriveglsche Noten 3735 — 3665.—
Nnmänische bloten 96,50 93 50
Spanische Noten —,— —
Berliner Produkteumarkt.
Berlin, 28. März. Am Produktenmarkt bewirkte das Bevorslehen der Feiertage ein RachLassen der Geschäftigkeit und infolgedessen erfuhren bie Preise auch nur geringfügige Aende- rungen. Weizen lag eher etwas feil er, wozu die amerikanischen Marktnachrichten beitrugen. Roggen war zu den gestrigen Preisen gut verkäuflich. Weizen, märkischen 41 000 bis 42 000 Mk., schlesischen 41 000 Mk. (behauptet). Roggen, märkischen 39 000 bis 39 500 Mk.. schlesischen 39 500 Mk.
Beide Hände schlang sie ihm um den Hals und faltete sie ihm im Racken. So nah mit ihrem Ä vvr bem feinen, sahen ihre Augen tief nkel in seine blauen: Wie waren doch des Martins Augen fo treuherzig offen, die brauchten ja auch keinen Blick zu fchruen. Es übermannte sie schier. ^Das hatte sie denn verschuldet, dah sie zum Martin nicht sprechm durfte: „Ich will gern dem sein — ?!" Sie kühte ihn, wie jemand küstt. der für immer Abschied nimmt
Er spürte nicht die Verzweiflung in diesen Küssen, er fühlte nur die Liebe heraus and ein großes Verlangen. Sie seufzten beide im irnge- wschten Brand einer großen Sehnsucht.
„Ich bin deiner pit wert" Sie nahm sich zusammen und schob ihn von sich
Da lachte er hell: „Du meiner nit wert? Ich bin deiner nit wert — o Maria k" Er wollte sie wieder an sich ziehen.
Aber sie stieb ihn fast wild zurück: „Oafc mich!" ilnb dann lief sie zur Tür-. „Die Sonn geht schon unter, laß mich ich muh vor Dunkel in Lutzerath sein." Sie lieb sich nicht hatten. Er bat. er beschwor sie. Rur bis übermorgen, bis morgen wenigstens sollte sie bleiben, er brachte sie dann selber herauf: warum denn so eilig? Er schlang den Arm um sie. trotzdem sie widerstrebte, er hielt sie am Kleid fest. Sie rib sich los. Er gab ihr tausend gute Worte, es nitjte alles nichts.
„Du gehst, und ich bleib ewril ganz allein," sagte er zuletzt traurig. Da gab sie es wenigstens zu. dab er sie noch ein Stück Weges begleitete; auch das hatte sie zuerst nicht gewollt
Run war Maria Rikolai schon Tage oben in Lutzerath. Sie war schweigsam, sprach nur das Rotwendigste. Gegen die Redseligkeit seiner allzeit geschwätzigen Alten stach diese Schweigsamkeit doppelt ab, Adami empfand sie als Wohltat und doch als eine Stille vor bem Sturm. Fragte dieses Mädchm beim gar nicht nach seinem Vater? Ahnte ihr Schlimmes und hielt ihr die Angst deswegen den Mund zu? Vielleicht hatte er es sich nur eingebildet, dah sie ahnungsvoll sei. D«n widersprach aber dies blaffe Gesicht mit den Augen, in denen er oft glaubte, Verzweiflung dämmern zu sehen, widersprach das ganze gedrückte und schaue Wesen. Wie das Mädchen ba° stand: Gesenkten Kopfes, die Arme schlaff hängend — wie sie ging: müde, gebeugt unter Lasten, die das Auge nicht sah — wie sie arbeitete: fleihig und doch ohne Lust am Schaffen — wie sie sprach: mit einer Stimme, die in ihrem tiefen Klang ferne Jugend mehr hatte, nur Klage — das alles sagte ihm mehr als genug. Die hier ahnte nicht nur, die wuhte. Aber ob Hans Basts Tochter auch wubte, dah ihr Vater jetzt gefangen sah zu Koblenz? Adami überlegte: Rein, das nicht. Maria formte es nicht wissen, sie hatte noch mit keinem Menschen im Ort gesprochen, sie hatte das Haus feit ihrem Hiersein noch nicht verlassen. Dcr Müllerssohn war auch noch nicht eben gewesen. Vielleicht, dah der gar nicht mehr kam — ehrlicher Leute Sohn unb die Tochter eines Mörders, nein, das ging nicht an! Das Mädchen tat Adami sehr leid. Es war das beste, sie erfuhr bald unb schonend von ihm, was sie wissen muhte, ehe rohe Mäuler es ihr fanbtaten.
Roch hatte sie nichts gewuht. Denn als er von einem Ritt heimkam unb sie das Pferd beim
(ruhig), Sommergerste 31000 viS 32 000 ML (still), Hafer, märkischen 30 000 bis 31000 Mk. (ruhig), Pommerschen 28 500 bis 30 000 Mk, Ma iS. La Plata, loco 'Berlin 41500 bis 43 000 Ult (ruhig), toaggonfrei Hamburg 38 000 bis 39 000 Mark, Weizenmehl (100 Kilo) 115 000 bis 125 000 Mark (fester). Roggenmehl (100 Kilo) 103 000 bis 115 000 Mk. (fester), Weizenkleie 19 000 RN. (stetig). Roggenlleic 21000 Mk. (stetig). RapS 80 000 Mk. (still). Leinsaat 80 000 Mk. (still), Viktoriaerbsen 60 000 bis 65 000 Mk. kleine Erbsen 50000 bis 52000 Mk.. Peluschken 55 000 bi# 60 000 Mk.. Ackerbohnen 30 (XX) bis 35 000 Mk.» Wicken 55 000 bis 65 000 Mk, Lupinen, blau 45 000 bis 50 000 Mk.. gelb 60 000 bis 80 000 ORL. Sera della, alt 70 000 bis 90 000 Mk. Rapskuchen 25 000 bis 26 000 Mk., Trockenschnitzel 115 000 bis 120 000 Mark. Rauhfutter: Weizen- unb Roggenstroh, drahtgeb 13 000 bis 15 000 Mk.. Hafer st roh, drahtgeprebt 10 000 bis 12 000 Mk., Stroh, strvh'eilgebündett 13 500 bis 14 500 Mk., Wiesenheu, gut. gesund and trocken, Vvrmahft 15 000 bis 17 000 Mk.. Rachmahd 13 000 bis 15 000 Mk (Soweit ein Gewicht nicht genannt, verstehen sich die Preise pro 50 Kilo.)
Frankfurter Getreidebörse.
* Frankfurt a M., 28. Marz. Weizen, alsbaldige Lieferung, 85 000 bis 90 000 Mk., Roggen 84 000 bis 87 000 Mk.. Gerste für Brau- zwecke 68 000 bis 75 000 Mk.. Hafer, inländischer. 42000 bis 45000 Mk.. Mais (La Plata) 90000 bis 95 000 Mk.. Mais (Mixed) 90 000 bis 95 000 Mk., Weizenmehl, fübb. Spezial 0, 145 000 bis 170 000 Mark, bei Waggonladung ab Mühlenstativn Roggenmehl 10 500 bis 11 000 Mk., Weizen- unb Roggenkleie 39 000 bis 42 000 Mk. Tendenz: stetig. — Die nächste Getreidebörse finbet am Mittwoch, 4. April, statt.
(In einem Teil der Auslage wiederholt.) Beratungen der Reparationskommission übet deutsche Finanzpläne.
Paris, 28. März. (WTD.) Der „QHattn* berichtet über das Ergebnis der Beratungen deS Iustizausschu ses der Reparationskommission hinsichtlich der französischen Einwendungen gegen die deutsche Gvldanleihe, die Reparationskommission habe sich gestern mit dem von dem Ausschuh vvrgelegten Bericht beschäftigt. Die Diskussion sei besonders schwierig unb delikat gewesen. Der Ausschust habe auf die erste Frage, ob das Reich das Recht habe, ohne Genehmigung der Reparationskommisfion Anleihen auszunehmen, einstimmig mit nein geantwortet. Auf die zweite Frage, ob bie Reparatlonskommissiou das Recht habe, auf Grund des Artikels 248 den Ertrag der deutschen Wirtschaft als eine hypothekarische Einnahme zugunsten der Reparationen anzusehen unb ihre völlige ober teilweise ileber- mittlung zu verlangen, hatten ber französische unb italienische Delegierte mit ja, ihre drei Kollegen, darunter auch der belgische Delegierte, mit nein geantwortet. Auf die dritte Frage, ob die von dem Reich geleisteten Garantien gültig seien, habe die Reparationskommission mit Ausnahme des französischen Delegierten geantwortet, da die Reichsbant eine private Bank sei unb ba sie somit dem Privileg ber Alliierten entgehe, so hätte sie bie Garantien anbieten können. Sir Hohn Doabbury und anbere Delegierte sind beauftragt worden, eine Rote in diesem Sinne an die Kriegslastenkommission abzusenden.
Französische Enttäuschung über die deutfche Festigkeit.
Paris, 28. März. (WTD.) Ueber die gestrige Rede des deutschen Außenministers Dr. Rosenberg schreibt das „Oeuvre", da Minister Rosenberg sehr gut wisse, dah die Alliierten sich nicht mit einem Patt der von ihm vorgeschlagenen Art als Garantie für ihre Sicherheit begnügen könnten, und da ferner die französische unb die belgische Regierung entschlossen seien, das Ruhrgebiet nur nach Mahgabe der Erfüllung der Reparationsverpflichtungen durch Deutschland zu räumen, könne man feiner Rede nur eine Erklärung geben, bie Regierung Cuno fei entschlossen, denKarnpfbis zurnAeustersten zu führen, ohne Rücksicht auf bie Leiden ber Bevölkerung im Ruhrgebiet unb im übrigen Reiche. Zweifelhaft fei, ob bie deutschen Demokraten unb Sozialisten bies billigten. Sie hätten manchmal ertlärt, bah es Wahnsinn wäre, die Räumung des Ruhrgebietes als Vorbedingung zu verlangen, unb ber „Vorwärts" habe neulich die Idee der Reutralisierung des Ruhrgebietes und der Rheinlande unter internationaler Kontrolle akzeptiert. Aber was können sie gegen ihre Regierung ausrichten?
Professor Ntoinach, dessen Name in der se- I samten Welt populär ist, hat die Erueb- BR nisse seiner Forschungen in einem Film DJ zu-ammenirefaßt, um jedem die Möglich- WD ke.it zu geben, sich mit den Grundzügen seiner Arbeiten vertraut zu machen. Wt Dieser Film wird demnächst auch im Lichtspielhaus zur Vorführung gelangen. IW
Kopf hielt, während er es abzäumte, sagte sie: „Wart Ihr drüben in Krinkhof? Is mein —" sie verbesserte sich — „is der Hans Bast zu Haus?-
Er war in Gedanken gewesen, jetzt sah er sie plötzlich betroffen an: Wie kam sie darauf? Er war gerade 'm Krinkhof gewesen. Da stand die Hütte hn Winde, kein Mensch hatte sie wieder betreten, eine verlassene Katze sah auf der Schwelle unb miaute kläglich Er hatte alles verschlossen unb mit bem Amtssiegel versehen.
„Was willst du von deinem Vater, Maria?* „Richts. Aber ich muh heut an ihn denken* Run war die Gelegenheit ba, nun muhte er die ergreifen, ihr die Wahrheit beibringen. Aber feige, spie er sonst niemals war, fühlte sich der Mann, vor diesen Mädchmaugen.
Er hätte sich nicht zu fürchten gebraucht: fie hatte kein Weinen, kein Jammern bei dem, was er ihr erzäUte, keine Verwunderung, keine Anklage, aber auch keine Entschuldigung. Stumm, mit einem Gesicht, aus dem alles Blut entwichen war und auch alle Jugend, hörte sie alles wider den Vater an. Adami hatte sie mit sich ins Amtszimmer genommen. Seinen Settetäv hatte er fort- geschickt, er hatte das Gefühl, ihr das letzte bihchen armseligen Stolz erhalten zu müssen.
Da, wo der Krinkhofer einst vor dem Schreib« tisch gestanden hatte, stand jetzt feine Tochter. Das Licht des Tages lag voll auf ihr. Unb wiederum fiel es Adami auf, wie sehr fie dem Vater ähnlich war. Dasselbe schöne, stolze Gesicht. „Wußtest du, was dein Vater war?" fragte er sie.
(Fortsetzung folgt)


