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heiterer Abend I

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Samstag, 28. April 1925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zweites Blatt

Nr. 99

OU^L©P

Im Gebrauch die billigste Bereifung

Die Weltmarke bürgt füi Qualität!

(Nachdruck verboten.)

15. Fortsetzung.

®**Zahnpastaselbst zubereiten!*va

Zahnpasten bestehen aus einer Pulvermischung, welche mit Glyzerin vermischt ist. Dieses ent behrliche Glyzerin und die Metalltube verteuern die Pasta ung mein. Wenn Sie die nasse Zahn­bürste in Dr. Bahr* ZahnpulverNo. 23 eiuiauchen, so bereiten Sie sich selbst frische aromatische Zahnpasta, welche die Zähne blen­dend weiß erhält und nur/< so teuer ist. Man verlange ausdrücklich:Nr. 23". Kreuz-Drog., Bahnhofstr. 57, Germania-Drog. Seibel, Neustadt- Drogerie H. Noll. 2495D

Kirchlich? Nachrichten.

Evangel'sche Gemeinden.

Gießen. Sonntag, 29. April (Kantate). Stadl- ttrche. 8 Uhr, zugleich Christenlehre f. d. Matthäus- gem., Pfr. Mahr, 91/.: Pfr. Becker, 11: Kinderk. f. d. Markusgem., Pfr. Becker. IohanneSkirche. 8 Uhr, zugleich Christenlehre f. d. Lukasgem., Pfr. Bechtols- Heimer, 97,: (zugl. Mil.- GotteSd.) Pfr. Ausfeld, 11: Kinderk. s. d. Hohannesgem., Psr Ausfeld. Kirchberg. 10,11: Heil. Abendmahl. Mainzlar. 17,. Wieseck. 9'/, Wimpelweihe, 17, Kinderkirche.

Katholisch« Gemeinden.

Gießen. Samstag, 28. April, 5 u. 8 Beicht. Sonntag, 29. April, 67, Beicht, 7 Meße, 8 Komm., 9 Hochamt m. Pr., 11 Messe m. Pr., 2 Christenlehre u. Andacht. Dienstag u. Freitag, abends 8 ist Maiand. Freitag 7 istSegensm.- Hungen.8 Uhr. Lich. 10 und 7,3 Uhr.

Aus dem rlmtsverkündigungsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 32 vom 27. April enthält: Preisbeschilderung von Gegenständen des not wendigcnLebcnsbedarfs. Die Ausführung des Reichsgesetzes die Fleisch­beschau betreffend: hier: Die Festsetzung der Schlacht- und Desch-iuZeiten. Revision der Bier­druckapparate. Erhöhung der ErwerbSlosen- unterstühung. Ertvcrbslosenfürs vrge. Wahl

Versicherungsvertreter als Beisitzer des Ber- sichernngSamt beim Kreisamt Gi ßen. Kirchen- und Stiftungsvoranschläge für 1923 und 1923 25. D(enstnachrichten. Polizeiliche Bekannt­machungen.

Das Moselhaus.

Roman von Luise Schulze-Brück.

Versuch, die Gesetze zum Schuhe der Republik zu beseitigen. Zur hessischen Anleihe ersuchen wir, den Zeichnungsschluhtermin noch hinauszuschieben. Vielleicht werden dann die Kreise derjenigen, die keine Vermögen haben, die z. Z. durch Holzkäufe usw. in Bedrängnis gekommen find, noch zeichnen. Vor einer Anleihewirtschaft möchten wir im Prinzip warnen, trotz der Steuerscheu gewisser Kreise. Die Kritik be£ Finanzministers an dem sog. Dotationssystem ist nicht unberechtigt. An der Reichseinkvmmensteuer wollen wir nicht rütteln lassen, es fragt sich aber, ob man nicht den Län­dern und Gemeinden das Recht, Zuschläge zu er­heben, einräumen soll. Wir bedauern, daß die Grund- und Gewerbesteuer nicht schärfer an­gespannt wurde. Das Gebot der Sparsamkeit unterstützen wir. Daß der ehemalige Großherzog in dieser Zeit der höchsten Rot gegen den Staat zu klagen sich hat beraten lassen, ist weiten Kreisen des Volkes unverständlich. Jedenfalls hat der monarchische Gedanke dadurch einen un­heilbaren Schlag erlitten. (Aa! Aa! rechts.) Das Problem des 2wbaus ernsthaft zu erörtern, sind wir bereit, aber nicht auf Kosten der Republik.

Der Redner äußert dann verschiedene Wünsche bezügl. Revision von Gesetzen, Reform des Der- waltungskörpers, Vorlage von neuen Gesehen u. a. m. Auf dem Gebiete des Schulwesens fordert er die Aufbauschule und bekämpft die staatliche Unterstützung der Privatschulen. Zur Frage der Markstühung ist die Tatsache außerordentlich zu bedauern, daß der Demobilmacheungskommissar glaubte. Entscheidungen dahin zu treffen, daß die Gehälter der Angestellten für März nicht erhöht werden dürften. Das hat zu berechtigten schweren Erbitterungen in den Kreisen der Angestellten ge­führt, zumal die Lebenshaltung dauernd verteuert wurde.

Präsident Adelung teilt mit, daß der Abg. Ebner sich beschwerdeführend an ihn ge­wandt habe darüber, daß der Abg. Anthes ihm im Laufe einer Auseinandersetzung den Ausdruck Lausbub" zugerufen habe. Er, der Präsident', habe diesen Ausdruck nicht gehört, sonst würde er ihn gerügt haben. Auch in den privaten Unter- Haltungen, soweit solche notwendig sind, sollten die Herren Abgeordneten die parlamentarische Verkehrsform wahren. Dem Abg. Ebner, der sich jetzt unter den Schah des Präsidenten stellt, muß er aber den Rat geben, auch seinerseits nicht ständig die parlamentarische Ordnung zu stören. (Sehr richtigI)

Aach der Pause erfolgt zunächst die Abstim­mung über den Einspruch des Abg. Ebner gegen den ihm gestern erteilten Ordnungsruf in der An­gelegenheit des Dr. Schneider von der Landes- Heil- und Pflegeanstalt. Präsident Adelung teilt hierzu mit. daß der Vorstand und Aeltesten- sich dazu entschieden Hobe, daß der Artikel 54 der Geschäftsordnung auch außerchalb des Hauses stehende Personen vor Beleidigungen schützt und daß der Ordnungsruf zu Recht besteht. Die einzige noch anwesende Sozialdemokratin, Frau Steinhäuser, verläßt hier ebenfalls den Saal. (Große Heiterkeit.) Die Abstimmung ergibt Zustimmung des Aeltestenrates gegen die zwei KPD.-Stimmen. (Bravo I)

Präsident Adelung teilt dann mit, daß ein weiteres Mitglied des Hauses heute früh aus dem Bett heraus von den Franzosen ausgewiesen worden ist, nämlich der Abg. Schreiber- Aieder-Ingelheim. Er spricht namens des Hauses auch diesem Ausgewiesenen die Teilnahme aus. (Beifall.)

In Fortsetzung der Generaldebatte zum Etat spricht

Jahre zur Steuer eingeschähten Steuerpflichtigen. Dies« Differenz wird auch duoch das neueste Reichsgesetz über die Geldentwertung nicht aus- geglick^n.

Das finanzielle Verhältnis zwischen Reich. Ländern und Gemeinden ist un­erträglich geworden. Die Einordnung rst kaum noch zu überbieten. Viele Gemeinden stehen im Zusam­menbruch. Die Vorlage, die Abhckfe schaffen soll, liegt schon seit Jahr und Tag beim Reichstag, der nicht über die Steuererhöhung einig werden kann. Wenn der Reichstag stch nicht helfen kann, dann soll man wenigstens den Ländern und Gemeinden das Recht geben, sich selbst zu helfen. Die allzu- st raffe Zentralisation des Finanz­wesens im Reiche hat sich als recht bedenk- l i ch erwiesen. Verhängnisvoll ist es, daß neben den Steueranteilen das Reich noch bestimmte Auf­wendungen der Länder und Gemeinden bezahlt (so trägt dcä Reich allein heute mindestens 70 Prozent aller Beamtengeholter des Landes und der Ge­meinden). Wo bleiben da Selbstverantwortung und Anreiz zum Sparen, wenn alle, die vom Reich fordern, in erster Linie darauf bedacht sind, nicht zu kurz zu kommen.

Der Redner bespricht noch kurz einige wichtige Aufgaben des Landes, deren Lösung bevorsteht. Die Aeuordnung des ftnanztellen Verhältnisses zwischen Land und Gemeinden hängt von dem erwähnten und erwarteten Reichsgeseh ab. Hiervon ist wiederum abhängig die geforderte Aen- derung des Gesetzes über die Kosten der hö­heren Schulen. Der Entwurf des neuen G e- werbesteuergesehes ist fer'.iggesteilt und dürfte nach Anhörung der Interessenten in aller Kürze dem Landtage zugehen. Die Aeuordnung der Grundsteuer bedarf noch längerer Vorberet- tunfl. Zum Ausgleich des Aach teils, der dem Lande und den Gemeinden dadurch erwächst, daß die Steuern viel zu spät zur Kasse gehen, soll ein Gesetz geschaffen werden, das diesen Körperschaften die unverzügliche Erhebung von vorläufigen Steu­ern ermöglicht. Die Vorlage ist inzwischen dem ßanbtage zugegangen. Auch die Kreise und Pro­vinzen sollen finanziell selbständig gestellt werden. Damit ist die Reform der Derwaltungsgesetze stück­weise in Angriff genommen. Im Zusammenhänge damit steht dieAeuordnungdesStrahen- bauwesens und die Reform der Dau- verwaltung. Die Aufgaben auf dem Gebiete der Wohiiungsbeschaffung und die Vorlage wegen der Riedentwässerung sind bereits im Zusammen­hang mit den finanziellen Schwierigkeiten erwähnt. Gleiches gilt für das Fvrstverwaltungsgeseh. Die Ergänzung der Besoldungsordnung wird dem Landtage tn Bälde zugehen. -lieber tixitere Einzel­heiten wird die Aussprache Gelegenheit geben, Er­wünschtes nachzuholen.

Run hat die Kritik der Volksvertreter das Wort. Die Regierung verlangt für sich keine Scho­nung. Aur sollte nicht vergessen werden, daß der Volksstaat kein Werk und keine Laune der jewei­ligen Regierung ist. Die Verantwortung für den Staat und seine Erhaltung trägt das Volk selbst. Es wird vieles besser werden, wenn die Erkennt­nis Gemeingut geworden ist, daß der Staat kein fremdes Lebewesen, sondern die organisierte Volks­gemeinschaft darstellt.

Abg. Kaul (Svz.):

Aoch nie ist ein Etat in so ernster Lags beraten worden, wie der heutige. Das muß das Verantwortungsgefühl für uns alle steigern. Auch für uns Sozialdemokraten. Wir waren bereit, einer Erweiterung der Regie­rungskoalition in Hessen zuzustimmen, aber auch das hätte von unseren Grundsätzen und Aeberzeugungen nichts geändert. Heute erkennen wir die derzeitige Koalition als politische Not­wendigkeit an und werden daran festhaltrn, auch wenn sie uns vielfach Enttäuschungen berzitet hat. Notwendig ist, daß auch die hessische Regierung in sich fester und geschlossener dasteht, als es bisher der Fall gewesen ist. Das, was uns im Westen angetan wird von fremdem Im­perialismus und Materialismus, richtig zu kennzeichnen, dazu ist kein Wort scharf genug. Doch dürfen wir nicht die Besonnenheit verlieren, es handelt sich nicht um das Schicksal einzelner, sondern des ganzen Volkes. Kein Glied­staat des Reiches ist durch die Besetzung so in seiner Existenz bedroht, wie Hessen. Darum ist es unser Recht und unsere Pflicht, hier Stellung zu nehmen. Zur Frage eines VeiHandlungsangebots stehen wir auf dem Boden der soz. Reichstags­fraktion, nicht aus Gründen der Schwäche, son­dern aus Besonnenheit. Es ist zwecklos, das be­drohte Land vollständig vernichten zu lassen. Wir fordern darum von der Reichsregierung, ein Angebot herauszugeben. Wird es abgelehnt, dann bleibt allerdings nichts übrig, als den Kampf fortzusehen. Auch im Innern ist der Kampf noch nicht erloschen, ülm die Republik zu schützen, ist es notwendig, daß der De- amtenkörper in Staat und Gemeinde fest auf dem Boden der Republik steht. Wir find gegen jeden

Abg. Brauer (Bbd.):

Er stellt zunächst (auf der Tribüne schwer verständlich) fest, daß die Landwirtschaft tn dem Abwehrkampf an der Ruhr nicht nur mit Worten, sondern mit kraftvollen Taten beteiligt ist. Den Kämpfern und Duldern drüben gilt auch unser Dank. Was die Lage in Hessen betrifft, so hätten auch wir nichts dagegen gehabt, wenn die Koalition durch Hinzutreten der Deut- sck-en Volksfxrrtei erweitert worden wäre. Meine Fraktion wird nach wie vor ernst mitaibeiten an der Gestaltung der Fortschritte unseres Landes. Wir wären für die Einziehung des besonderen Staatsministeriums zu haben, da die Arbeitslast für den Staatspräsidenten zu groß wird. Wenn gespart werden soll, so sind wir auch dafür. Wir hätten z. B. gegen die Beseitigung der Stellung des Abg. Bornemann nichts einzuwenden, der an Autorität bisher nichts gewonnen hat. (Zwi­schenrufe.) Auf die Klage des Grohherzogs hier näher einzugehen, lehnen wir ab, weil wir nicht in ein schwebendes Gerichtsverfahren ein­greifen wollen. Die Frage des Tarifholzes für Beamte bedarf dringend der Regelung. Am besten schafft man dieses Tarif hol; ganz ab. Für eine Vergrößerung der Oberförstereien sind wir nicht zu haben, darunter würde unsere Forstverwaltung und -bewirtschastung leiden. Zur Frage der Grundsteuer verlangen wir Gleichstellung mit

Dat Lischen, daat gleicht von außewendig seiner Mutter, awer innewendig do is et wie sein Dadder, dat hat eso die Art. dat däät auch alles durchmachen, wann et fein müßt. Ich hoffen, unfen Herrgott fchickt ihm en guben Mann, und wat sein Dadder dazu Helsen kann, dat wird hään wohl dhun. Hään weiß, wat daat auf sich hat, haän kennt die Sach'." ,

Sie schwieg eine Weile, sie muß-te sich nach der langen Erzählung verschnaufen.

Darrn sagte die 2Hte halb Viachdenllich mit einem schlauen Blick:Hään soll nochemol bet­raten, daat hään vom Lewen eppes hat, hään hat sich eso lang mantenört, nu könnt hään noch eppes für sich feltoer Haan. Et Leewen is jo freilich et meist darvor, datt nrer denen Annern daat leicht macht, awer alles muß doch en Art Haan, hään is och noch viel zu jung und viel zu reisig für eso einspännig zu atesteeren (existieren)."

Dom Dorfe her schlug die Turmuhr eins. Die Speisestunde im Rebstock. Frau Eva sprang auf. Sie hatte so versunken gesessen, die Erzählung des Schicksals, das sich da so unvermutet vor ihr entrollte, hatte sie gepackt und erschüttert. Ach. Überall war es dasselbe, üliuulänglichleit alles Irdischen, der Kampf des Geschöpfes gegen das Schicksal, das so Übermächtig war. Nein, nicht übermächtig, 'Bürgermeister Arnolds hatte es be­zwungen, er hatte sein zerstörtes Haus wieder aufgerichtet, daß es stolz und fest stand, und fein

Hessischer Landtag.

43. Sitzung.

St. Da rmstadt, 26. April.

Am Regierungsttsch: Staatspräsident M t rtch, Finanzminister Henrich, Minister des Innern v. Brentano und Regierungskom­missare.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9*/< Uhr. Dor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort Frau Roth (KPD.) zu einer Richtigstellung einer Bemerkung des Abg. Anthes. Im Anschluß daran kommt es zu einer inoffi­ziellen erregten Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Anthes und Ebner, in deren Verkauf u. a. das Wort Lausbub auf der Tribüne hörbar wird, ehe die Glocke des Präsidenten Ruhe schaffen kann für den Herrn

Fmcmzminffter Henrich, der zum Voranschlag in üblicher Weise all­gemeine orientierende Bemerkungen macht, nach­dem er nochmals die Gründe dargelegt, die dazu führten, daß er ohne feinen ursprünglichen Willen noch von dieser Stelle aus zum Hause spreche. Die Zurücknahme seines Rücktrittsgesuchs sei letzten Endes eine Frage dxr persönlichen Ehre ?ewesen und dadurch aus der politischen D'S- ussivn ausgeschieden. Er bespricht dann die all­gemeine politische Lage auf Grund der durch die Ruhrbesetzung eingetretenen neuen Situation, in der das Bedauerlichste ist, daß das Gewissen der Welt angesichts der Brutalität der Franzosen und der Leiden des Volkes so ganz unberührt bleibt. Die Bevölkerung verdient höchste Bewun­derung für die Ausdauer in ihren Leiden, noch mehr aber für die Ruhe und Würde, mit der sie diese trägt. Jedenfalls dürfen wir annebm n. daß die Reichsregierung für eine aktive Po­litik gerüstet ist, und das kann genügen, wenn Vertrauen in sie vorhanden ist. Es ist kein Grund etnzusehen, warum dieses Vertrauen nicht vorhanden fein sollte. Besser wäre es freilich, wenn bei KreisderVertrauensmänner in der Regierung breiter fei. Der Red­ner steht auch nicht an, trotz aller bisherigen Er­fahrungen zu erklären, daß es auch für Hessen heilsam wäre, wenn alle politischen Kreise die Zeit verstanden und Gemeinsamkeit des verantwortlichen Handelns an Stelle der Vertiefung der Gegensätze gesetzt hätten. Jedenfalls wäre das für die Bevölkerung kein schlechtes Vorbild.

Wir im unbesetzten Gebiet können von unseren Brüdern im besetzten Gebiete nur lernen, vor allen Dingen die innere Zerrissenheit zu überwinden und Opferbereitschast hier Im Lande zu betätigen. Der Redner verweist in diesem Zusammenhang auf das beschämende Ergebnis der Devisenanleihe des Reiches und teilt mit. daß auch die neu aufgelegte Hess. Anleihe bis jetzt ein für das Vertrauen der Bevölkerung zum Staate nicht gerade erfreuliches Ergebnis habe. Woher soll da das Vertrauen des Äuslandes kommen? Die Folgen dieses ängstlichen Zurück- Haltens werden nicht gering fein. Man wird nicht mehr den Mut zu größeren Aufwendungen für wirtschaftliche oder soziale Zwecke haben können. 5üc Förderung der Wohnungsbeschafsung waren 21/2 Milliarden vorgesehen. Die Herstellung von weiteren 100 Beamt en Wohnungen würde 4 Mil­liarden kosten. Das Riedentwäsferungsprojekt ver­ursacht 45 Milliarden Kosten. Dazu kommt ein größerer ungedeckter Fehlbetrag nach der Be­richtigung aller Ziffern des Voranschlags, wie sie In dem Expose der Regierung zu Kap. 10 des Ausschußberichts enthalten sind Der Gesamt- be da i s ftviat hiernach von 21 auf 88 QUit- I i p r b e ti . Die hiernach fehlenden 67 Milliarden können bis auf 5 Milliarden aus anderen Quellen gedeckt werden. Ungedeckt bleiben fünf Milliarden. Davon soll zunächst nur eine Milliarde auf neue Steuern genommen werden, ttnd der Rest mit 4 Milliarden a if Anleihe. Alle diese Projekte und Finanzmaßnahmen sind nicht möglich, tixmn dem Staate der Kredit versagt wird. Wovon soll die eingeklagte Forde­rung des früheren Grohherzogs be- stritten werden, wenn dieser in dem Rechtsstreit obsiegt und jährlich über 1 Milliarde ober als Abfindungssumme 2530 Milliarden zu bean­spruchen hatte? Versagt das Land, bann barf man es nicht mehr wagen, Fehlbeträge ungedeckt zu lassen, dann muß eben der Gesamtfehlbetrag aus Steuern gedeckt werden. Daß die Tendenz zur Sparsamkeit noch schärfer hervortreten muß, daß vor allen Dingen neue Ausgaben für den Staat abzulehnen sind, bedarf keiner Begründung.

Bedenklich ist auch die vielfach mangelnde Steuerfreudigkeit. Das gesamte Volk seufzt unter der Steuerlast, aber von einer gleichmäßigen und gerechten Verteilung der Steuern kann man nicht immer reden. Man vergleiche nur die Wir­kung der Einkommensteuer bei den Lohn- und Ge- hallsempfängem gegenüber den erst im folgenden

Elisabeth Arnolds nickte ernsthaft und sah in das graue zusammengeballte Gewölk. Aber dann lachte sie:Ach, Tantchen, unsere Winzer, die könnens schließ.ich noch verschmerzen. Weißt du, was mir heut der Pitter Lenzen ganz stolz gesagt hat:Fräulein Arnolds, unfen Herrgott oään leid schonst nit, datt uns ebbes gar zu Arges passiert." Siehst du, so muß man denken ilnb noch ist ja nichts zerstört."

Im großen Eßzimmer war der Kaffeettsch gedeckt. Aber es lastete em leiser Druck auf der Gemen Gesellschaft, obwohl die Sahnewaffeln goldbraun und duftend erschienen und die Gäste, nachdem sie die Zusammenstellung des Grbäcks mit dem berühmten gewellten Rahm und dem Fruchtmus gekostet hatten, ihm begeistertes Lob spendeten.

Das drohende Unljeil warf seinen Schatten voraus. Freilich, Bürgermeister Arnolds schien äußerlich ruhig. Aber Tante Röschen konnte das Hammern nicht lassen. Gerade in den bevor­zugtesten Lagen stand die Blüte unmittelbar be­vor, und genau so drohend weiß hatten die Wolken damals am Himmel gehangen. Wie schlimm hatt« im vorigen Hahr auf demselben Tag der Hagel gehaust! ,

Zuletzt wurde Arnolds argerllch:Roschen, dein Klagen bessert doch nichts. Wenn s das täte, bann könntest du memetiregen noch arger jammern und lamentieren. Aber so hat s doch kaum Sinw Wir haben das älnferige getan und müssen uns nun einer höheren Macht unterwerfen.

Kann es sehr schlimm werden?" fragte Frau Eva beklommen. ,

(Fortsetzung folgt)

den übrigen Ländern. Wenn von ©tcuerbrücferet gesprochen wurde, so kann dieser Dorwurs die Landwirtschaft nicht treffen. Es ist heute soweit gekommen, daß den Landwirten sogar das Be­triebskapital weggesteuert wird. Die Woh­nungsbauabgabe muß auf eine gerechtere Grund­lage gestellt werden. Die Erweiterung des Wöl­fersheimer Werkes ist zu begrüßen. Was für die Beamten und Angestellten des Staates aufgewendet wird, ist, so groß die Summe auch scheint, nur das Allemotweudigste. Das un­gerechte Ortsklassensh st cm muß besei­tigt, mindestens vemrindert werden. Sonst ist die Landflucht nicht zu hindern. Die Gesundung des Volkes kann nur vom Lande kommen. Was die Schulfrage betrifft, so müssen wir bie Er­haltung der höheren Schulen auf dem Lande fördern. Die Aufbauschule scheint uns nicht bas Richtige. Für Streichung ber höheren Schulen werden wir niemals zu haben fein. Die Aus­gaben für Technische Hochschule und ilnlocrfität müssen bewilligt werden. Zu bedauern ist der Widerstand der Stadt Gießen gegen die äleber- lassung eines Teils des Schis fenbergs zur Errichtung eines Tierseucheninstitutes. Die neu errichteten Fortbildungsschulen auf dem Lande haben vielfach Mißstände hervorgerufen. Dar­unter leidet die landwirtschaftliche Erzeugung, die wir doch mit allen Mitteln heben solltm. Diese Fortblldungsschulen sollten nur im Winter stattfinden. Die Landwirtschaft bedarf noch drin­gend der Förderung, besonders des wirtschaft­lichen Studiums, wenn sie ihre große Ausgabe, vom Ausland unabhängig zu werden und das deutsche Volk selbst zu ernähren, erfüllen soll. Dazu gehört aber Befreiung von jedem Zwang. (Sehr gut! Hört, hört!)

Nächste Sitzung Freitag 9 älhr. Schluß l/2 Mr.

Ach Gott, wenn's nur nichts Schlimmes wird. Im vorigen Hahr auf diesen Tag hatten wir einen argen Hagelschlag, ber den Gescheinen bösen Schaben tat. Mein Bruder ist nach der Kellerei, damit alles ordentlich versorgt ist. Voriges Hahr kam das Wasser vom Berg her­unter, hatte den Schiefer mitgerissen und rich'ete viel Schaden an, well wir uns nicht vorgesehen hatten."

Frau Mercedes Wellsheim kam mit Elisabeth Arnolds vom Hause her. Die Keine brünette Frau mit dem nervösen Großstadt typ bildete einen feit- famen Gegensatz zu der großen blonden Mose­lanerin. Sie begrüßte Frau Eva mit ber be­sonderen Zärtlichkeit, die kokette Frauen so oft in Gegenwart von Männern für ihre Freundinnen und Bekannten bekunden. Dann wandte sie sich lachend Hmrs Dietrich zu, während Elisabeth Arnolds mit ihrer gelassenen Höflichkeit, die bei einem so jungen Mädchen fast befremdlich wirkte, Frau Eva willkommen hieß. Sie hatte doch etwas von ihrem Vater, fand Eva, wenn auch nicht im Aeußeren, so doch im Wesen.

Als Tante Röschen aufgeregt weitersprach, versuchte sie, sie ju beruhigen.

Aengstige dtch nicht, Tantchen, Papa sorgt für alles.

Ha, aber er Barni die Weinberge nicht schützen vor Hagel und Unwetter."

Nein, das kann er freilich nicht. Aber du auch nicht, und wenn du dich aufregst, bekommst du deine Kopfschmerzen."

Aber muß man sich nicht aufregen, Kind, wenn man denkt, welch ein Schaden entstehen kann für die ganze ©emeinbe? Denke doch nur an voriges Hahr!"

eigenes Geschick überwunden und gemeistert. Er trat kein stiller und gebrochener Mann darüber geworden, und kein zerfahrener. Fest und kräftig stand er aufrecht, fein eigenes Glücks begehren hatte er losgelöst, hatte es wohl versperrt tief unten irgendwo im geheimsten Grunde der Seele und des Herzens. Er freute sich dessen, was er erreicht hatte, er gab den Toten, was ihnen gebührte, und lebte mit den Lebenden gelassen tt>:ier.

Ein ganz leises fernes Murren kam stromauf. Frau Hausmann erhob 'den Kopf lauschend.O jeh," tagte sie,bo fänkt et an zu murksen, dao Bütt eppes. Ich Haan et schon ben ganzen Morgen gespürt, ich Haan ben Barometer in meine Glie­dern. Wenn et en Gewierer (Gewitter) gibt, dann spüren ich et schaust en paar Stunden vorher. Daat grt en amtliches, wenn se dv au5 dein Loch kommen, bann stoßen se gegen die Latz und kommen net roff, dann gilt et schlimm. Marjusepp, und bie Dlüt', bie sänkt gerab an, wann et nuten net alles zerschlahn dhut."

Sie faltete die Hände und sah ängstlich zum Himmel auf, dessen Blau in der Hitze flimmerte. Et ist eso dunstig, et is eso schwül, axinn et nuten kein Stein (Hagel) gitt.

4.

Das Gewitter stand noch schwer und drohend am Himmesials bie drei ein paar Stunden später nach bem Moselhaus gingen. Zuweilen grollte es bumpf und weit, bie Wolken kamen langsam heraus, um bann wieder nach der Eifel zu ziehen. Frau Hausmann hatte recht gehabt, dieLah" hielt die Wolken zurück.

In ber Gartentür stand Tante Röschen, sie begrüßte herzlich ihre Gäste, aber sie spähte zu­gleich besorgt zum Himmel.