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Erste; Blatt

175. Jahrgang

Samstag, 27. Zanuar 1925

GietzenerAnzeiger

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Geldsucht. Durch das deutsche Volk geht ein neuer Sinn der Opferwilligkeit. Jeder gibt

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Berlin, 26. Ian. (WTB.) 3m Hauptzoll- cmtt Prüm haben der Oberzollrat Rseker svtoie sein Vertreter, der Oberzollsekretär Sommer, und

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sein Scherflein für die geschädigten und drohten Volksgenossen trotz Entbehrung Teuerung. Diese Volksbewegung, auf die stolz sein können, wird nicht von Reichen Reichgewordenen repräsentiert. Sie ist

5. Mai 192 1 wieder in Kraft zu sei. Die Reparatrvnskommission Habe übri- Deutschland m seinen Zahlunce^ bereits

Delegierten) beschossen, dah Veranlassung be­steht? die allgemeine Verfehlung Deutschlands hin­sichtlich seiner- Lieferungen an Frankreich und D'laien auf Grund des § 17 feltzustellen. Dieser Beschluß werde Deutschland alsbald notifiziert werden. Die Kommission hat sich sofort ent­schlossen, im qegenseiti'-en Einvernehmen ein Schreiben an die deutsche R^rmevung zu richten, in dem sie diese von dem Beschluß der Able'b. nurtg des Momtoriums und der Feststellung der allgemeinen Verfehlung in Kenntnis seht. An­ders als bei dem gelegentlich der früheren Ent­scheidungen befolgten Ve ^ab-en habe die Kom­mission sich darauf beschränkt. Deutschland dies of'i'i'll mihuMten, ohne irgendwelche offiziöse Zusätze zu machen.

Die Beschlutzsassung des Reparalionsausschusses

____ Aufschub bis zum 31. d. M. bewilligt. Die Reparationskommisfion hat mit drei Stimmen bei einer Stimmenthaltung (die des englischen

Ausnahmezustand in Bayern.

München, 26. Ian. (WTV.) Den Führern der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei war von der Staatsregierung eröffnet worden, dah unter den gegenwärtigen Umständen Veran­staltungen und Festlichkeiten unter freiem Himmel anläßlich ihres Parteikaaes nicht zu­gelassen werden könnten. Die Führer lehn­ten jedoch die Beachtung dieser Verordnung ab, und drohten der Staatsgewalt Gewalt entgegen- z u s e tz e n. Daraufhin hat die bayerische Staatsregierung die Verhängung des Ausnahmezustandes beschlossen.

DemLokalanz." zufolge hat die Lage an Spannung verloren. Die vaterländischen Ver­bände haben sich hinter die Regierung gestellt, ebenso die Studentenschaft. Hitler selbst scheint einlenken zu wollen. Man arbeitet zur Zeit an einer Einigungsformel.

Paris, 26. Jan. (WTV.) Havis teilt mit: Die Reparationskommisfion ist heule nachmittag 3 ilijr zusammengetreten. Die Sitzung war um 41/2 -Ufyr beendet. Rach Vorschlag der Delegierten Darthou und Delacroix hat die Kommission Kenntnis von der deutscher Rote Dem 13 Januar genommen, in der die deutsche Regierung mitteilt, dah sie die Sachliefe­rungen an Frankreich und Belgien e i n st e l l t. Die Reparationskommission fyai ent­schieden, dah das Verlangen eines Moratoriums, das am 14. Rovember 1922 gestellt wurde, hin- und infolgedessen der Zahlungsplan

Hniiaqme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit Srtis für 1 mm höhe jüt nzeigen v 27 mm Breite örtlich 30 Mk, auswärts 40 Mk.; für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite l 50 Mk.Bei Platz. Vorschrift 20"/, Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Vlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in Bietzen.

Die Nationalspende.

Berlin, 26. Ian. (WTB.) Bei dem Reichspräsidenten sind weierhit für das Ruhrhilfswerk viele reiche Spenden <u3 allen Kreisen der Bevölkerung eingegangen. An größeren Beträgen hat die Commerz- und Privat­bank 200 Millionen, die Hütten-G. m. b. Sy drei Millionen (außer den direkt nach dem Ruhrgebiet überwiesenen großen Gaben), Hans Fischer in Firma Fischer u. Wolff als erste Rate 1 500 000 Mark gestiftet. Die Deutschen in N 0 r » wegen haben 3,4 Millionen, ein Norweger und ein Deutschamerikaner je eine Million gesandt. Die Iunkerswerke in Dessau haben 5 Millionen, der Anhal.ichr Arb:itgeberverband 25 Millionen zur Verfügung gestellt. Die Arbeiter der Junkers- Werke und vieler anderer staatlicher und industriel­ler Betriebe sowie Gruppen von Beamten haben Prozentsätze ihres Einkommens zur Verfügung gestellt.

Die Hilfe der Deutschen im Auslande.

Hamburg, 26. Ian. (WTB.) Das Central Relief Committee in Neuyork, das erst am 24. Ja­nuar eine Spende im Werte von 75 Millionen Mark für die Rotleidenden ie8 Ruhrgebiets durch Den Hamburgischen Landesve e n vom Ro­ten Kreuz überweisen lieh, hat soeben dem Ober­bürgermeister Essens durch das Rote Kreuz weitere 600 Kisten mit Nah­rungsmitteln im Werte von 150 Mil­lionen überweisen lassen. Aus dec von den

Die goßime ums Ruhrgebiet.

Essen. 26. Ian. (WTB.) Die Zollinie um das Ruhr gebiet bzw. die Abschnürung desselben von dem übrigen Reich, wird aller Wahrscheinlichkeit nach heute nacht 12 11 br voll­zogen sein. In nördlicher Richtung haben die Franzosen folgende Linie mit starken Truppen- mas en beseht: Düs efdorf über Grohenbaum bei Duttburg, Qb.rhausen Bottrop, Gladbeck-West II, Recklinghausen. Von hier aus geht die Linie nach Südwesten weiter. Südlich verläuft sie: Düssel­dorf, Kettwig, Kupferdreh nach Steele und In nördlicher Richtung weiter. In Verbindwrg mit diesen Operationen tourten im weiteren Verlauf die Bahnhöfe Gladbeck-West, Recklinghausen-Ost, Aplerbeck und Aplerbeck-Süd, ferner im Süden Werden, Heisingen und Kupferdreh von ftan- zösischen Truppen beseht. Die Beamten und Ar­beiter wurden teils nach Hause geschickt, teils haben sie wegen der Liebergriffe der Franzosen in den inneren Betrieb die Arbeit nteüecgelegt Auf der Strecke DüsseldorfOberhausen fahren bei gewaltsamer Umlegung der Weichen die Trup­pentransporte mit französischer Bedienung, da bekanntlich die deutschen Eisenbahner die Arbeit in den Stellwerken verweigert haben und die französischen Eisenbahner mit den deutschen Ein­richtungen nicht vertraut sind. Die Zollinie ist weiter gezogen im Süden über WaldtropDünen nach Dortmund-Hörde bei Hagen-Vorhalle. Den ganzen Tag bewegen sich ungeheure Truppen- massen mit Tanks und Geschützen an die Grenze des Ruhrgebiets.

Neue Gewattmatznahmen.

f. p. Mainz, 26. Ian. Wie wir erfahren, ist nunmehr auch der Mainzer Ober­bürgermeister Dr. Külb mit seiner Fa­milie aus dem besetzten Gebiet ausge­wiesenworden.

Mainz, 26. Ian. (WB) Polizeidtrektor Frohmann und Polizeikommissar Enders sind ausgewiesen und schon heute über die Grenze gebracht worden.

Essen, 27. Ian. (WTB.) Der ftan- zösische Platzkommandant er lärte dem Poli­zeipräsidenten, die französischen Trup­pen würden in Zukunft bei Angriffen auf ihre Posten von der Schußwaffe Ge­brauch machen. Er bitte deshalb, daß die Polizeibeamten, wenn sie die Menge nicht mehr zurückhalten könnten, hinter die französi­schen Posten gingen. Der Polizeipräsident er­widerte, daß die deutsche Polizei sich niemals hinter französische Truppen zurück iehen werde, um ihnen das Schußfeld auf deutsche Lands­leute fteizumachen. Die Polize beamten wür­den 'bis zum letzten Augenblick auf ihrem Posten bleiben, um im Interesse der Be­völkerung einen Zusammenstoß mit den ftan- zösischen Truppen zu verhindern.

Düsseldorf, 27. Ian. (WTB.) Der Düsseldorfer Polizeipräsident Reg'.erüngSrat O e x l e ist von der Besatzungsbehörde ver­haftet worden. Weiter wurden drei Ober­zollinspektoren und Oberzollinspekwr DerichS- Reuß verhaftet.

Duisburg, 27. Ian. (WTB.) Im Zu­sammenhang mit der Verhaftung eines städtischen Beamten kam es zu einer Kundgebung vor dem Landgerichts- gebäude. Rach einer kurzen Ansprache zog die Menge unter dem Gesang vaterländi­scher Lieder vor das Haus der belgischen Kommandantur. Dort griffen belgische Be­amte und Offiziere willkürlich etwa 20 Per­sonen aus der Menge heraus und verhaf­teten sie. Dann rückte belgische Kavallerie vor und säuberte den Platz.

Speyer, 26. Jan (WB.) Sämtliche Beamte der Regierungsforstratskammer der Rheinpfalz sind von der Besatzungsbehörde wegen Verweigerung des Vollzuges der Rhein­land-Ordonanzen 134 und 135 ihres Dienstes entsetzt worden. Bier höhere Beamte wurden in Militäraewahrsam genommen. Bier weitere Leiter Der Forstverwaltung sind angewie­sen worden, sich zur vorläufigen Verfügung der Desahungsbehörden zu halten.

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Wochenrückblick.

Die Machtprobe im Ruhrgebiet und der Verlauf der letzten Tage stellen uns jede Stunde vor die Erkenntnis, dah niemals in der Geschichte größeres für uns auf dem Spiele gestanden hat als heute.The hun is at the gate so war im Jahre 1914 dem Durch- schnittSengländer diedeutsche Gefahr verkün­det worden. Es war ein böses und leichtfer- tigeS Schlagwort. Was uns heute im Inner­sten schreckt und durchwühlt, ist etwas ganz anderes. Wir wollen die französischen Sol­daten, die jetzt Westdeutschland terrorisieren, sieren, n i ch t als Hunnen bezeichnen, nicht ein­mal die besinnungslosen Spahis, die in Trier mit gezogenen Säbeln die Straßen durchrasen, um deutsche Kundgebungen zu Hintertreiben. Wir spüren vielmehr den verderblichen und teuflichen Geist einer Politik des Wahnsinns und Verbrechens, entsprungen den unedel­sten Motiven, die in der modernen Kultur ein Volk überhaupt erfassen können. DieGrande Nation" spielt eine wahrhaft erbärmliche Rolle, und wenn man die Zeiten Ludwigs XIV. und RapoleonS dazu in Vergleich stellt, so darf man doch nicht vergessen, daß das parlamen­tarisch-demokratische Frankreich heute eine er­weiterte Verantwortung zu tragen hat. Heute soll, wie Londoner Blätter mitteilen, eine Sitzung des englischen Kabinetts stattfinden, um die Bedrohung der britischen Interessen durch die Aktion Pvincares, die weit bar» hüber hinausgegangen sei, was ur­sprünglich angegeben wurde, zu erwägen. ES war doch eine gar $u dreiste Spiegelfechterei, von einerfriedltchenAktion" französi­scher Ingenieure zu reden, während der Mili­tarismus den Terror ausbreitete, älnd welche Komödie, diese Mainzer Kriegsgerichtssitzung, in der einige Subalternofiziere darüber zu be­finden hatten, ob der französische Minister­präsident recht gehandelt hatte, als er den Ein­marsch befahl. Man bedenke: Ein Oberst, ein Kapitän und ein Leutnant fällten über die Paragraphen des Versailler VerttageS ihr salomonisches Urteil 1 Die Hauptschuldfrage gegen die Zechenvertteter wurde verneint; waS die vom Gericht bejahte R e ben­sch u l d f r a g e auf Verstoß gegen einen Re- quisitionSbesehl für eine juristische Inkonse­quenz und Ungeheuerlichkeit ist, muß in der ganzen Well belächelt werden. Die W i r - | f ung auf das deutsche Volk toar He­lfet. Und das war es, was die schweren Er­lebnisse der letzten Tage mit jener Zuversicht durchdrang, die wir seit Jahren nicht mehr kannten, die alle Volksklassen gleichsam elektti- sierte und wohl auch ihre günstige Wirkung nach außen üben wird.

Jeder Tag bringt neue Kunde von der Aufbäumung deutschen Gefühls in den besetz­ten Gebieten. Die Führer der Industrie und die deutschen Beamten sind mit gutem Bei­spiel vorangegangen, und die breite Masse steht nicht zurück. Die Welt muh aufhorchen, wenn sie den Widerhall der französischen Ge­walttaten auch in den Städten der besetzten Rheinlande vernimmt. Wir freuen uns ganz besonders darüber, daß die Mainzer Be­völkerung an jenem Tage des Gerichts die Posaune des nationalen Widerstandes ange­setzt hat, und so pflanzt sich die Bewegung weiter nach Westen fort, nach Kreuznach, der alten Römerstadt Trier, wo, wie wir wissen, schon von Anfang an die deutschen Einwohner alles welsche Liebeswerben derb ablehnten. Die deutschen Lieder werden in den besetzten Gebieten wieder gesungen. Die Tyrannen stehen betroffen zur Seite; französische Offi­ziere wagen sich nur unter starker Bedeckung auf die dichtbesetzten Straßen. Dann peitschen sie die nationale Leidenschaft durch neue Ver­bote und Gewaltmaßnahmen. Belagerungs­zustand, Zensur, Ausweisungen und Verhaf­tungen. Die interalliierte Rheinlandkvmmis- sion, der unbedenkliche Scherge Frankreichs, leiht nicht nur ihre Hilfe bei der Durchführung der Zollgrenze, sie verbietet in Koblenz auch die Anführung desTell", des deutschen Hoheliedes gegen Tyrannenmacht für Volks- einigfeit. Was uns die aus dem besetzten Ge­biet verbannten Herren Raiffeisen und Schlu- tiits von ihrer Drangsalierung im Mainzer Gefängnis, von impertinenten Bedrückern und von iAer abenteuerlichen Fahrt nach Darm- st<ldt erzählten, das gibt der Betrachtung über armselige Siegerallüren neuen Stoff. Die Be­geisterung über die Haltung uneingeschüchter­ter deutscher Männer pflanzt sich überall fort, und seit gestern sind es die Männer der deutschen Eisenbahn, die uns mit ihrem tapferen Widerstand gegen die Ein­dringlinge, mit ihrer wirksamen Geschlossenheit gegenüber fremder Anmaßung, das Herz er* 6)5 v .nen.

So soll die Gefolgschaft PoincarSS in der Sdchratmosphäre ersticken an ihrer Macht- und

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Ein englischer Kabinettsrat.

L 0 n d 0 n, 26. Ian. (WTB.) Heute nach­mittag fand in der Dotoning-Street eine Kabi - n e t t s i h u n g statt, bei dec, wie verlautet, die Frage der französischen BesehungdesRuhr- g e b i e t s erörtert wurde. Unter anderen nahmen Vonar Lato. Lord Cave, Lord Derby, der Herzog von Devonfhire. Sir Philipp, Lloyd Greame uno der Sollicitor-General teil. DemStar" zufolge wurde unter anderem die Frage der Legalität der französischen Besetzung und die Frage des weiteren Verbleibens der britischen Truppen am Rhein erörtert Vor der Zu­sammenkunft des Kabinetts hat wie gemeldet wird, Kriegsminister Lord Derby eine längere Unterredung mit dem Premierminister gehabt. LautPall Mall and Globe" verlautet, dah gegenwärtig seitens der britischen Regierung [ei­nerlei Absichten bestehen, in irgend einer Weise zu intervenieren. Es werde jedoch anerkannt, dah die Ereignisse Großbritannien jederzeit zwin­gen könnten, zu handeln.

der Oberzollsekretär Struhe durch einen sranzö« fischen Delegierten Stubenarrest erhalten. Der Delegierte hat daraufhin die anderen Ve» amten des Amtes zusammenberufen und ihnen eine Frist gestellt, innerhalb deren sie zu er- klräen hätten, ob sie nach seinen Weisungen ar­beiten wollten. Oberzollsekretär K 0 t y r b a hat daraufhin erwidert, ein deutscher 'Beamter brauche keine Fristfest seh ung, er erkläre sofort, dah er den fremden Verordnungen nicht Folge leisten werde. Der Beamte ist sodann wegen Beleidi­gung verhaftet worden.

Die Lage in Essen.

Essen, 27. 3an. Die Vertreter der Kaufmannschaft, des Handwerks, der Gast­wirte und der Gewerkschaften Essens geben der Oefentlichkeit bekannt, dah von heute ab die Verabfolgung von Waren, Speisen und Getränken an franzö­sisches und belgisches Militär und Zivi Ipersonen verweigert wird, weil der Wareneinkauf des Besatzungsheeres die Warenbestände in erheblichem Umfange ver­ringert und die Preise in die Höhe getrieben hat.

Der Dollarkurs kein Matzstab für Preisgestaltung!

Berlin, 25. Ian (WB.) Die Zentral» arbeitsg emeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeit­nehmer veröffentlicht folgenden Aufruf: Die Folge des Rechtsbruches an der Ruhr hat sich in einer weiteren starken Markverschlechterung des Geldes ausgedrückt. Diese Entwertung entspricht nicht der tatsächlichen WirtschaftslageDeutschlanbs. Infolgedessen besteht kein Anlaß, der Entwick­lung des Dollarkurses in der Preisent­wicklung von Landwirtschaft, Handel und Gewerbe überhastet nach- oder gar voranzueilen. Diese Zurückhaltung verlangen wir von allen be­teiligten Kreisen mit größtem Hochdruck. Anzu- streden ist vielmehr, die Preisentwicklung trotz der ungünstigen Gestaltung der Währungskurse mit al­len Mitteln auch unter Opfern in erträglichen Grenzen zu halten. Insoweit den Preissteigerun­gen eine entsprechende Fortsetzung der Lohne und Gehälter erfolgen muh, sollen die Verhandlungen darüber von der Arbeitgeberschaft mit dem Willen zum Entgegenkommen bis zur äußersten Grenze des Möglichen, von den Arbeitnehmern in An­erkennung der Schwierigkeiten geführt werden, tue sich aus der Gesamtlage Deutschlands auch für dessen Wirtschaft ergeben haben oder noch ergeben werden. Don beiden Seiten wird verlangt, dah mit Rücksicht auf die Gesamtlage alle Verhandlun­gen vom Geiste der Verantwortung und vollen vorbehaltlosen Willens zur schnellen Derstän«- digung getragen werden.

Zeugnis für das Zusammenwachsen der natio­nalen Kräfte, eine bessere Garantie als un­besonnenes Draufgängertum. Ein solches Draufgängertum ist in unseren mitteldeutschen Landen wie im Norden des Reiches kaum wahrnehmbar. Dem Süden wohnt ein leb­hafteres Temperament inne, und was uns heute aus Bayern berichtet wird, flößt uns einige Besorgnis ein. Die bayerische Regie­rung hat den Nationalsozialisten zu ihrem Parteitage die öffentlichen Kundgebungen unter freiem Himmel wohl nicht ohne triftigen Grund untersagt. Bisher hatte sie bekanntlich der Bewegung viel Duldung und Nachsicht entgegengebracht. Aber in diesen Tagen sind alle Unbesonnenheiten höchst gefährlich. Der Strom darf anschwellen, aber nicht über­schäumen. Er darf sich vor allem nicht teilen! Noch ist die Saat nicht reif für die Schnitter, und wir brauchen über der Glut der Volks­empfindung eine kluge Politik, nicht Gewalt­tat. Hoffentlich wird der über Bayern ver­hängte Ausnahmezustand schädliches Tun unterbinden! Noch müssen, wie aus ter Reichs­tagsrede des Sozialdemokraten Wels hervor­ging, weitere Brücken der Volkseinheit ge­schlagen werden. Wir wünschten der Regie­rung Cuno Mut und Entschiedenheit, beson­ders rasch einige jener Maßnahmen einzu­letten, die all jenem Wucher und jener Be­reicherungssucht entgegenwirken, wie sie in den Jahren der Verwirrung nur zu üppig in die Halme schossen.

Manches, was die Reichsregierung jetzt unternimmt, wird verschwiegen b le ben müssen wie ehemals im Kriegszustände. Das Kabi­nett Cuno darf nicht von der Hand in den Mund leben. Den ftanzösischen Plänen im Reparativnsausschuß gegenüber hat es bereits wirksame Erklärungen abgegeben. Wir werden nicht erfüllen unter ftanzösischen Bajonetten, aber wir sind bereit zu Verhandlungen, wenn die Franzosen aus dem Ruhrgebiet sich zurück­ziehen. Jener in dunkeln Umrissen an die Oeffentiichkett gelangteMoratoriumsplan" Poincares, der auf den Ruhrpfändern sich aufbaute und von Deutschland innere An­leihen und die Schaffung von Monopolen verlangte, ist wohl schnell in der Versenkung verschwunden, nachdem die Engländer und danach auch wohl die Italiener ihn verworfen hatten. Der Reparativnsausschuß hilft sich wieder einmal mit Vertagungen und Ver­legenheitsformeln. Die Pariser Stellen sind noch auf die alten Methoden eingeschworen, aber die englische Politik, die heute wie eine Sphinx erscheint, kann morgen in ein neues Fahrwasser kommen. Die Deutschen selber ha­ben einen Hebel der Weltgeschichte in der Hand, mit dem sie zwar nicht dreinschlagen sollen, der aber die Tore für einen wirklichen Frieden öffnen muß. Mögen da die Engländer in einem anderen Sinne als beim chinesi­schen Feldzuge wieder in den Ruf einftimmen: Germans to the front!

fanntmad)ui!(], rfjebung einer ZuMgsaelH emchling bei städtischen Kanäle efchlllh der Stabtoerorbnete- g Dom 8. Dezember 1922 oirt igung bes Tlinifltriums te l IfLb. 3.37766 dotr 18. > jirhung vom 1. Iannar M itjung bei stäbtrschen fianil: ine ZiMagsgebühr erhoben 800 o. h. bet in §2 be$On> pl tnb bte GedührenorbM.: ubung bet städtstchen Kanäle »m 25.3anuor 1908 bestimm

ben 25. Januar 1923. jerbürgermeifter. Belle r. tauiitiimd)img.

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Nr. 25

Erscheint täglich, anher Sonn, und Feiertags, mit berSamstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche Btjugspreife: 760 Mark und 40 Mark Träoerlohn,durch diePost 800Mark,auch bei Nicht- erscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrist- leitung 112, für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Liehen.

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General-Anzeiger für Oberhessen

Drnd und Verlag: Vrühl'sche Univerfitälz-vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

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