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Wenn er den Schmied von Krinkhof nur ein­mal wieder sprechen könnte! Wie er hörte, sah man ihn öfter bei dem Bruttig in Bertrich ein­kehren. Ader Hans Bast lieft sich bei ihm nicht sehen. 3n vergangener Rächt freilich sah er ihn in seinen quälenden Träumen Am Morgen wühle er nicht mehr, was ihn so beunruhigt hatte. Wenn der Schmied nicht zu ihm nach Lutzerath kam, muhte er ihn m Krinkhof auffuchen.

Es dämmerte bereits. Der Friedensrichter zündete sein Lämpchen an und setzte sich an den Schreibtisch ®r hatte den Laden nicht vorgefegt: moche sein bescheidenes Licht hinausschimmern in die Dunkelheit als ein Stern für einsame Wan­derer. Er senkte den Kopf über ein Aktenheft: wie unendlich viel Papier wurde verschmiert ohne jedes Resultat! UeberaU Diebstähle oft nur ein Huhn die Beute unb deswegen Einbruch und deswegen Totschlag! Mord, Mord! schrie es aus den Akten zu ihm auf. Wo war Theodor Mangel geblieben? Btelleicht auch tvtgeschlagen, des GÄdes wegen, das er für fein Kalb erlöst hatte.

Der Wind schnob ums Haus, drauhen düsterte jetzt bleich» Schneenacht. Des einsamen Mannes Kopf im Zimmer war hell beschienen, deutlich hoben sich' ferne von vollem Haar hochumbuschte Stirn, sein ernstes Gesicht und die Schaltern, die sich ein wenig nach vorn neigten beim Lesen, hinterm Fens erglas ab. Er warf einen großen Schalten hina >s auf den Schnee. Oder war da ein anderer Schatten?

Jemand duckte sich der drauhen gespäht hatfe. Es schob sich ein Flintenlauf vorsichtig übers Fensterbrett.

Der Mann brinnen hatte das Gefühl: da drauhen, da lauert etwas. Er a>endete den Kopf, warf einen scharfen Blick durchs Fenster - nichts, niemand! Ei- sprang auf und rief nach der 'ilagd, dah sie jetzt den Laden vorfege; Aacht und Wind waren zu ungetrvst. Unb dann ging er unablässig im Zimmer auf und nieder, die Hände auf den Rücken gefegt

Wenn es ihm nur gelänge, den Hans Bast zum Sprechen zu bringen! Wenn er ihm verriet wo der berüchtigte Bückler, der Hauptmann aller Banden, sich aufhielt, dann muhte es ihm ja ge­lingen, den zu fangen. Seiner geistigen lieber» legcnheit war er sich bewahr, denn auf wessen Seite das Recht ist, der ist geistig immer der Stärkere. Und was die Körperkraft anbelangte, nun: Mann gegen Mann.-----

Der Wind hatte sich über Rächt gelegt, es war kein Stöhnen der Stämme, kein Brausen wildbewegter Wipfel mehr, nur ein seufzendes Wehen, als der Friedensrichter nach Krinkhof wanderte. Es war ein weiter Weg und fchver zu gehen bei der tauenden Glätte. Die Luft, die noch die ganze Härle des Eises hatte, schritt ins Gesicht Oh, es muhte ein Höllenleben fein, jetzt in verlassenen Köhlerhütten der Wälder Unter­schlupf zu suchen! Ob mancher von denen im Wald, der nicht gerade das Allerfchlimmstc auf dem Gewissen hatte, nun nicht gern der Räuberei Balet sagen und lieber im Zuchthaus Wolle spinnen würde? Das freie Leben, das zur Som­merszeit manchem herrlich bünfen mochte, war jetzt ein Hundeleben schlimmer, ein Hund hat eine Hütte unb Stroh. Kein Halm auf der Flur, fein trockenes Plätzchen, Stürme, die den Wald unb die Knochen durchpusten, das Brot immer

teurer! Jetzt war die beste Zeit, am hmgrige» Wild zur Strecke zu bringen

3n dem Richter brannte es wie Zagdeifer, und doch tarn ihm eine grobe Trauen Diese graue feuchtkalle Last, die sich schwer auf die Brust legte, machte trostlos. MenschenjagdI Er fühlte die ganze Schwere seines Berufes, eines Berufes, der- in dieser Zeit doppelt schwer war. Wenn er die Stützen des Himmels fassen würde und daran rütteln, nichts würde die Sonne heller glänzen machen auf diese verruchte Erde. Was war aus dem Mosellanb geworden, diesem lachen­den Land der Schöihrit?! Die Göttin der Ver- nunfi hatte nicht Vernunft gelehrt nur Unver­nunft Die Republik, die bei Freiheitsbaum aaf- aepflanzt, hatte Altes urnaerisfen, aber das Reue das sie dafür hingesfellt, hatte nur lose Wurzeln. Herr Gott Adami fühlte, wie es ihm Heist zu Kopf schotz käme nur ein Sturmwind und bliese den wurzellockeren Freiheitsbaum um! Auch hier- zuland hatten sie ihn umtanzt Freiheits bäume au allen Märkten, junge schlanke Eichen von Ei!elhöhen. Freiheit, Gleichheit. Brüderlichkeitl Ium Älchen. Rie waren Menschen unfreier ge­wesen. Aber noch in Jahrhunderten würde das Volk ja das große WortFreiheit" nicht ver­stehen. Unb Gleichheit? Einer wie der andere trieb dahin in der Gier nach Genießen nur darin war Gleichheit Und Brüderlichkeit? Kaia schlug den Abel tot der Besitzlose griff ^brüder­lich" nach dem, was der Besitzende sich durch fleißige Arbeit erworben hatte.

(Fortsetzung folgt)

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Nr. 48 Zweites vlan Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag, 2b. Februar (923

Die neue Landesbank.

Don dem Presfsamt der hessischen Regierung wird uns geschrieben:

Der Fmanzausschutz des Landtags hat dem Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung einer Dankanstalt öffentlichen Rechts, ohne zunächst in die Sinzelberatung einzutreten, vorbehaltlich der Stellungnahme der Fiktionen grundsätzlich zug stimmt E 2 i t an unejmen, dah der Landtag in «einer nächsten Tagung das Gesetz verabschieden wird. Rach dem Entwurf soll die Regierung ermächtigt werden, eine H e s s i sche Landesbank zu errichten oder sich an der Gründung einer solchen Bank in Gemeinschaft mit hessischen Gerne nden und Gem inbeveriä.ide.i ober mit hessischen öffentlichen Sparkassen zu be­teiligen. Die Bank soll dazu bienen, die Kredit­beschaffung für Staat, Provinzen, Kreise und Gemeinden zu erleichtern. Diese Ausgabe kann bei dem derzeitigen starken Kreditbedürfnis dieser Körperschaften die Im Jahre 1903 unter Beteili­gung des Staates gegründete Hessische Landes- Hypothekenbank nicht mehr in ausreichendem Matze erfüllen, weil sie durch die einschränken­de i To schri ten des Reichshypot e?en an gef tzes in ihrem Geschäftsgebaren zu stark eingeengt ist Die unter Mitwirkung der hessischen <3 partaffen gegründete Hessische Girozentrale und die von einer Anzahl von Gemeinden unb Gemeindener- bänden ins Leben gerufene Kommunale Landes­bank haben in der Beschaffung von Geldern für den Staat und die Kommunen wertvolle Dienste geleistet. Diese Tätigkeit wird aber auch ihnen durch den Kredit einschränkenden Maßnahmen der zentralen Geldinstitute (Reichsbank und Reichsdarlehnskassen) immer erschwert. Es soll deshalb et te neue kapitalkräftige Danlanstalt mit eigenem Grundvermögen von mindestens 500 Millionen Mark unb einer weit darüber hinaus- gehenden wertbeständigen Haftung gegründet wer­den, die für Staat und Kommunen mit Aussicht auf ausreichenden Erfolg die Kreditbeschaffung übernehmen kann. ,

Das Grundvermögen soll dadurch be­schafft werden, datz der Staat den Erlös von 20 000 Fstm. Rutzholz, mindestens aber 520 003 000 Mark zur Verfügung stellt. Bei den derzeitigen Hvlzprcisen würde das gesamte Grundvermögen mehr als eine Milliarde Mark betragen können, zumal wenn sich die Gemeinden unb Gemeindever­bände sowie die Spm-trssen in dem erwarteten Umfange beteiligen. Die Kreditwürdig'eit der An­stalt foll aber noch dadurch we'entlich erhöht wer­den, datz der Staat für die Berbindlichkriten der Bank als Gesamtschuldner bis zur Höhe eines Be­trages häftet, der dem Werte von 50 000 Fstm. Rutzholz unb 50 000 Fstm. Brennholz entspricht Der Mert dieser Haftung ist heute aus mehrere Milliarden Mark zu veranschlagen Gin! betonterer Vorzug dieser Art der Haftung besteht aber darin, datz ihr Wert mit fortschreitender Geldentwertung steigen würde.

Für den Fall der Beteiligung vrn Gemeinden und Gemeindeverbänden würden auch diese eine soweit möglich wert­beständige Haftung übernehmen müssen. Für diesen Fall ist in Aussicht genommen, datz für die aus dieser Haftung sich ergebenden Verpflich­tungen dieser Körperschaften der Staat gesamt- schttdnerisch mit feinem ganzen Vermögen und seiner ganzen Steuerkraft einzustehen hat. Eine Beteiligung vieler Cemeinden wird nur dann zu erreichen fein, weim die bestehende Kommu­nale Landesbank mit der neu zu errichtenden Anstalt verschmolzen wird. Für diesen Fall soll in der Satzung die Bildung von Ausschüssen vor­gesehen werden, denen auch Vertreter der be­teiligten Gemeinden usw. als Mitglieder ange­boren sollen. Diese Vertreter sollen auch bei der Bestellung des Mitglieds des Direktoriums mit- wi Km, dem die Bearbeitung des Kommunal­kredits übertragen wird. Auf diese Weise soll das Tert rau en der Kommunen in die Leitung der Dank gestärkt werben. Auch ein ~ Zu­sammenarbeiten der Bank mit ten öffentlichen Sparkassen des Lairdes wird angestrebt. Das wird in vollem Umfange nur möglich sein, wenn die Anstalt auch die Tätigkeit dec Hessischen Girozentrale übernimmt. Auch hier ist bann den Sparkassen ein Mitw:rkungsrechi einzuräumen.

Einer Derschm [;ung der Hessischen Landes-Hypothekenbank mit dec neuen Dank stehen zunächst noch r-echlliche Schwierigkeiten entgegen. Olcan hofft, auch diese demnächst über- winderr zu können. Die Verschmelzung würde er­leichtert, wenn der Staat, der bereits jetzt über 90 Prozent der Attien ter Laufes-Hypothe^enbank besitzt, auch noch den Rest der Aktien erwerben würde. Der Gesetzentwurf enthält eine entspre­chende Ermächtigung für die Regierung. Die Satzung dec Bank soll vom Gesamtministerium er­lassen unb vom Finanzausichutz des Landtags be­stätigt werden. Sie kann erst ausgestellt werden,

wenn seh steht, in welchem Umfang sich Gemeinden Gemeinbeverbänbe, sowie Sparkassen beteiligen. Von bem letzteren llmflanb wird auch der Um­fang des Aufgabenkreises der neuen Landesbank abhängen.

Aus Stabt und Land.

(Sieben, den 26. Februar 1923.

Die Deuerunstsznhlen in Hessen.

Die Teuerungszahlen find berechnet auf Grand der Preise vom 24. Oanuar 1923, für den Vor­monat (in Klammern beigefügt) vom 20. Dezember 1922: Mainz 126 596 (60 450), Darmstadt 122 338 (59 784), einschliehlich Belleidung 156 530 (83 626); Offenbach 122 644 (58 737). Worms 125 868 (61 745). einschliehlich Bekleidung 164 701 (84 956); Gietzen 110 745 (56 353). einschliehlich Bekleidung 157 530 (81 307); Reu-Isenburg 125 4S6 (57 993). Fried­berg 127 033 (57 950), Lampertheim 121 257 (59 274), Bad-Rau heim 130 987 (61 565), Viernheim 124 306 (64 931), Bensheim 131251 (64 235), Dingen 116 843 (60 662), Alzey 113 019 (51 684), Rüsselsheim 126 071 (55 993), Heppenheim 120 961 (60 357), Dieburg 107 078 (53 262), Groh- Gerau 116 940 (56 972). A l s f e l d 93 286 (56 264), Butzbach 125 923 (58 995), L a u t e r b a ch!12 719 (51 419), Oppenheim 116 450 (59 327),Bübingen 103 073 (52 304), Erbach 114 450 (53 143), Schot­ten 113 841 (53 310); Durchschnitt der 24 Gemein­den ausschliehlich Beeidung 118 715 (58196) unb einschliehlich der Bekleidung 154 607 (80 089).

Die Teuerung ausschliehlich Bekleidung ist vom Dezember auf Januar um 1 04 Prozent und einschliehlich CBeffeibung um 93 Prozent ge­stiegen.

Krediterhöhung für den Ankauf von Domanialerzeugnifsen.

Infolge der weiter gestiegenen Holz- unb GraSpceise hat das Finanzministerium, Abteilung für Forst- und Komecalverwaltung, unterm 2. Fe­bruar d. 3. beschlossen, die nachstehenden Kredite wie folgt zu erhöhen:

1. (feder Familie und jeder selbständigen ein­zelnen Person, die im Volksstaate Hessen wohnt, wird gegen Stellung sicherer Bürgschaft für den Ankauf von Domaniaferzeugnissen aller Act (Holz, Gras, Obst, Waldstreu, Holz" unb Grassamen usw.) ein Kredit von zusammen 300 000 Mark be­willigt.

2. Im Volksstaat Hessen wohnenden Gewerbe­treibenden (auch Holzhändfern unb Holzschneibe- telen) unb solchen Käufern, bis Reübauten und bauliche Herstellungen beabsichtigen, wird neben dem Kredit unter 1. für Ankauf brs zu ihrem Gewerbe bzw. ihren Bauten erforderlichen Holzes ein weiterer Kedit von 900 000 2ka-rk gegen Stel­lung sicherer Dürgschaft bewilligt. Darüber, dah diese Steigerer das Holz zum Betriebe ihres Ge­werbes bzw. zu Bauzwecken nötig haben, muh Bescheinigung der Bürgermeisterei bei den ein­schlägigen Kassestellen hinterlegt werden.

Unfall, Unfallverhütung unb Unfallentschäbigung. Der letzte Vortrag im Semester brachte Vergleiche über die Zeit der Entstehung von Unfällen in Beziehung zur Ermüdung der Arbeiter. Kurven zeigten, dah mit Hrnahme der experimentell fest- gestellten (Srmübung die Zahl der Unfälle wächst. Rach dec Schilderung verschiebe riet Einflüsse welche die Ermüdung und Unfälle zu vermehren cber vermindern vermögen und nach Ablehnung des sogenannten Taylorsystems, durch welches beide gesteigert werden, gab der Vortragende tabellarischen Ueberblick über Unfall unb Unfall- rodesfälle unter 1003 Versicherten einer Metall- berufsgenossenschaft und besprach dann die reichs­gesetzliche Unfallentschädigung. Mrtz- gebend für letztere ist nicht die nach dem Unfall verbliebene Erwerbsfähigkeit, sondern der Verlust an solcher. Eine Tabelle zeigte die Entschädigungs­summe in Prozenten des Jahreseinkommens für alle durch Unfälle in gewerblichen Betrieben her­vorgerufenen Beschädigungen oder Verluste von Körperteilen sowie für Funktionsbeeinträchtigung innerer Organe.

Landkreis Gießen.

Münster, 23. Febr. Geradezu unge­heuerliche Holzpreise wurden auf der ge­strigen Versteigerung im hiesigen Domanialwald, DistriktIudeneiche", erzielt. Eichenknüppel ta­fferen im Durchschnitt per Raummeter 42 000 Mk.; Kies em knüppel per Am. 25 000 Mk.; Dichmreittg per Rm. 2500 Mk; Kiefernstöcke per Rm. 30 030 Mark; Dachenstöcke per Rm. 30 000 Mk.

* Eberstadt, 24. Febr. Die hiesige Ortsgruppe des Hessischen Bauernbundes hat für die Ruhrhilfe 210 Zentner Kartof-

Der Gregener Arbettsmarkt im Januar.

(Eigene Information b<

3m Januar hat der Arbeitsmark, gegenüber den Dvrmona.en eine weitere Decschlechterung er­fahren, die sich in Betriebseinschräntu.igen, na­mentlich In der Tabaklndustrie, äufterte.

Die Landwirtschaft suchte, ebenfo wie hn Dezember, auch in diesem Derichtsmonat nur Arbeiter und Knechte für dauernde Beschäftigung. Gelegenheitsarbeiter wurden nicht begehrt. 23 of­fenen Stellen standen 26 Arbeitsuchende gegen­über, 15 Stellen wurden beseht.

Bergbau: Das Giehener Braunsteinberg­werk hat durch Uebemahme von Arbeitern der Firma Krupp, die ih.e Bergwerke b?i Bieber zum Teil stillgelegt hat. seine Arbeiterzahl von 100 im Dezember auf 140 im 3anuar erhöht. Wie sich die Detriebsverhältnille weiter gestallen werden, ist natürlich fraglich. Ein grober Teil der Arbeiter­schaft wird an den Kalköfen beschäftig,. Als Ab­satzgebiet für Kall kommt hauptsächlich das be­setzte Gebiet in Betracht, unb ba dort die Gestal­tung der Lage ganz ungewih ist, mutz unter Um­ständen mit einer Absatzstockung gerechnet werden, die natürlich auch die Arbeitstage beeinflußen würde.

Industrie der Steine und Erde: In der Tonindustrie tonnte im Januar noch in derselben Detriebsloge wie im Dezember gear­beitet werden. Ob die beschränkte Arbeit in der­selben Weise weiter beibehalten werken lärm, ist eine Frage. Die Fabrikation der feuerfesten S feine hat Im Januar voll gearbeitet, aber auch hier ist neuerdings mit gew f;cn Schwierigkeiten zu rechnen.

In der Metallindustrie wurde im De- richtsmonat gleichfalls noch voll gearbeitet. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach den Ereig­nissen der jüngsten Zeit werden voraussichtlich auch diese Industrie nicht ganz unberührt lassen. 20 offenen Stellen standen im Januar 74 Arbeit­suchende gegenüber, besetzt wurden 6 Stellen.

Die Holzindustrie hatte im ersten Monat dieses Jahres eine weitere Verschlechte­rung zu verzeichnen. 8 offene Stellen, 19 Arbeit­suchende, 4 Stellen wurden beseht. Der Rückgang m der Holzindustrie ist hauptsächlich mit dem Darniederliegen der Bautätigkeit zu erklären.

Im Baugewerbe sind offene Stellen nicht vorhanden, aber 44 Leute suchen Arbeit.

Rahtungs- und Genuhmittel- gewerbe: In der Tabakbranche hat sich die Situation im Vergleich zum Dezember noch mehr verschlechtert. Weitere _ Betriebsbeschränkunaen kennzeichneten die Deschäftigungslage. Von der

s Giehener Anzeiger-.)

Erwerbslosensürsorge werden aber nur verhält» nismähig wenig Tabakarbeiter unterstützt, da die meisten auf Grund des Tabaksteuergefehes ihr» Unterstützung beim Hauptsteueramt ausge>ahst er­halten. In Beratungen sind Mittel und Wege erörtert worden, die vielleicht zu einer Besserung führen könnten, zum mindesten aber wohl eine weitere Verschlechterung vermeiden liehen. Mit den mahgebenden Stellen in Berlin sollte in dieser Angelegenheit Fühlung genommen werden. Im Bäckereigewerbe waren 10 stellenlose Bäcker gemeldet, offene Stellen aber nicht vvrhanoen. Im Drauereigewerbe ist die Lage durch die Steueimahnahmen des Reiches schwieriger ge­worden.

Die Lage im Bekleidungsgewerbe hat sich gleichfalls verschlechtert. 4 offene Stel­len, 29 Arbeitsuchend*, eine Stelle besetzt.

Dem Buchdruckereigewerbe hat der Berichtsmonat eine Besserung der schwieriaen Detriebslage nicht gebracht. Offene Stellen sind nicht vor^mden, dagegen jpurben 10 Stellen- suchende gezählt.

Im Gast- und SchankwirtschaftS- gewerbe standen 3 offenen Stellen 12 Stellen suchende gegenüber. Zwei Stellen wurden besetzt

Für ungelernte Arbeiter und freie Berufe hat sich die Lage gegenüber dem De­zember fühlbar verschlechtert. Es wurden im Ja­nuar gemeldet: 418 offene Stellen, 572 Arbeit­suchende. 404 Stellen wurden beseht. Ende Ja­nuar wurden von der Stadtverwaltung Hilfs- mahnahmen in Gestalt von Rotstandsarbeiten in Aussicht genommen.

Kaufmännische Angestellte: 7 of­fene Stellen, 16 Stellenfuchende. Zwei Stellen wurden besetzt.

W e i b l i ch e A r b e i t s k r ä s t e: 103 offene Stellen, 153 Arbeitsuchende, 59 Stellen besetzt. In der Hauptsache wurden gesucht: Putzfrauen, Waschfrauen, Tabakarbeiterinnen. Schneiderinnen und kaufmännisches Personal.

Stellenvermittlungstätlgkeit des Arbeitsamtes: Männliche Personen Offene Stetten einschl. der Reste des Vormonats 490, Arbeitsuchende einschl. Vormvnatsresfe 820 besetzte Stetten 440. Die entsprechenden Ziffern für weibliche Arbeitskräfte sind im vorstehenden Absatz genannt.

Die Zahl der unterstützten Erwerbs ­losen bezifferte sich Ende Januar auf 41, gegen 10 am Ende des Monats Dezember.

fein, 34 Zentner Brotgetreide und 23 000 Mk. gespendet.

Kreis Schotten.

ßr- u ba<f>, 13 Felfe. G fte n re aufte Mer, ein Schwein «Händler aus Friedberg eine g:öftere Anzahl Ferkel. Solche von 1012 Wochen tasteten 140145 000 Mk., solche von 89 Wochm 120135 000 Mk.. solche von 67 Wochen 110115 000 Mk. Anstelle von Glld wurde auch Holz angenommen (so z. B. 1,5 Rm. Buchenscheit für ein Ferkel von 1012 W-vchen). Auch die La­denware eines hiesigen Spenglermeisters wurde an Zahlungsstatt angenommen.

Laubach, 25. Febr. Der Stenogra­phen-Verein und der Gesangverein Harmonie haben zum Besten der Ruhr- Hilfe mus k l sch? und thcatral sche Dorsiellungen gegeben. Rach Abzug aller Kosten konnte der StenographM-Verein 15 000 Mk., die Harmonie 18 000 Mk. überweisen.

51 Oberseibertenrvd, 24. Febr. ' Mit ussührung der Ehrentafel zur Erinne­rung an den Heldentod unserer Im Weltkriege gefallenen Ävieger ist Bildhauer Leonhard in Grünberg betraut worden. Man hofft, noch in diesem Sommer das Denkmal, das auf den Fried­hof kommt, weihen zu können.

We11erfeld, 25. Febr, In unserem Dorfe tritt gegenwärtig die Grippe sehr häufig auf. Jedoch nimmt die Krankheit eine leichte Form an.

Kreis Friedberg.

sf. F r i e d b e r g, 23. Febr. In der geftrtaen Stadtverordnetensihung wurde den Schuldienem eine entsprechende Erhöhung ihrer' Bezüge bewilligt; für den Schuldiener Baumann an der Gewerbeschule übernimmt die Stadt 80 Proz. der Mehrkosten, die übrigen 20 Proz. übernimmt der Gewerbeverein Die städrscheu Beamten treten der Hessischen Beamten Kranken­kasse bei, und zwar zu denselben Bedingungen wie die Staatsbeamten. Heber den Punkt » Festsetzung des Preises für Kleingartenland" ent- fpinnt sich eine lange Debatte, da die Sozial­demokraten beantragen, daft die Pachtpreise un­

verändert bleiben sollen; mit 13 gegen 11 Stim­men wird schließlich der Preis auf das Hundert­fache erhöht, so dah er. 8000 Mk. für den Morgen beträgt Die Errichtung eines 'De- dürfnishäuschMs auf dem ftäbt Sportplätze, der Seewiese, wird genehmigt; da dieses einen Kosten­aufwand von 1200 000 Mk. verursacht, sott für die Folge keinem Verein mehr der Sportplatz überlassen werden, der nicht ein entsprechendes Pachtgeld befahlt Für die Oberrealschule werden die angeforberten Mittel für den Unter­richt in der Chemie genehmigt; wegen der Her­richtung der benötigten Räumlichkeiten soll noch einmal ein Augenschein genommen werden. Dem Bürgermeister wird aber die Genehmigung erteilt, die Sache ohne nochmalige Anhörung der Ver­sammlung abzuschliehen. Das Gesuch dec städti­schen Arbeiter um Austritt der Stadt aus dem Hettisch-21assauischen Wirtschaftsverbxrnd wird mit 15 gegen 7 Stimmen abgelehnt De Anschaffung von Mobiliar für die Fortbildungsfchufe wird genehmigt, ebenfo die Erhöhung des Markt­geldes; das Auftriebgeld für Ferkel wird auf 300 Mk. festgesetzt.

Kreis Wetzlar.

'Wetzlar, 24. Febr. Die Sammlung für die R u h'r h i l s e unter den Eisenbahn­beamten und Arbeitern im Bezirke des D e » triebsamts Wetzlar hat 1 875 138 Ml. ergeben.

Schlichtungsartsschuh der Provinz Oberhesscn,

Sitzung vom 22 Februar.

Dem Deutschen Derkehrsbund and dem Ar- bvitgcberoerbanb für Handel und Gewerbe schlug d^r Schsichtungsaasschatz durch Schiedsspruch Er­höhung des Wochmlohnes des Fuhrmanns über 21 Jahre von bisher, seit dein 21. Januar 1923. 23 460 auf 50 000 Mk. ab 16. Februar 1923 vor und Erhöhung der übrigen T ansportarbeiter- löhne Hi demselben Verhältnis, ferner Erhöhung des Zehrgeldes bei Ueberlandfahrten bis über 2 Uhr nachmittags von bisher 300 auf 600 Mk

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Unter dem Zrelheitrbcrum.

Roman von Clara Biebi^.

Fortsetzung. (Rachdruck owboten.)

Von seinem Festster aus sah Adami die lange Reihe der Ebereschen, die daö Band der Land­strafte säumten. Sie standen heute geduckt rnd alle nach einer Seite geweht, demütige Däumchen, die froh waren, nicht entwurzelt äu werden. Der -Wind nahm gan^e Hände voll Schnee und schleu­derte sie gegen das Fenster; der Schnee war nicht trocken mehr, er löste sich in wässerige Eis­kristalle, die wie Tränen am GlaS hinunterflofsen.

Heute würde man nicht, reiten können. Adami empfand es peinlich, beim gerade heute wäre es nötig gewesen an Kanton Manderscheid bei dem Kollegen vorzusprechm. Die alte Lies hatte seinen Manlelsack schon gepackt. Adami mutzte über Rächt foitbleiben. Theodor Mangel, ein Händler ans Mandersch.nd, wurde vermiftt. und zwar war der zuletzt gesehen worden auf dem Weg hinter Doist Bertrich Bei dem Metzger Bruttig in Bertrich hatte er ein Kalb verkauft. Die näheren Umstande waren noch sestzustelfen. Es war zu ärgerlich, daft das Wetter heute doch stärker war als der menschliche Wille!

Hetzt hätte es einer Hand bedurft, die glättend über die Stirn des Mani.'es strich, der am Fenster stand und unmutig in das wilde Wetter hinans- sah. Adami war unruhig und unzufrieden: in den fetzten Monaten so ausfallend viele De"''fechen und noch kein Täter entdeckt! Er hatte die Emp­findung, datz das moralische Elend der Zeit jetzt vtchl mehr zu übertrumpfen war.