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175. Jahrgang

Donnerstag, 25. Januar 1925

MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck vnd Verlag: Vrühl'sche Univerfität§-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftrstelle: Schulstraße 7.

Nr. 2t

Erschrmi idglid), außer Sonn, und feiertags, mit berSamstagsbeilage: GießenerFamilienb lotter Monatlich« Sezuarprelse: 760 Mark und 40 Mark Trägerlohn.durchdiePost 800Äiark,auch bei Nicht» erscheinen einzelner Num. mern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrist- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten; Anzeiger Liehen.

poflschecltonto: 8ron!furt o. M. 11686.

Annaqme von Unjeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verdindllchkeit. Preis für 1 mm tzöhe für Anzeigeno 27 mm Breite örtlich 30 Mk, auswärts 40 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 150MK.BeiPlah> Dorfd)rift 20u/o Aufschlag. Hauplfchriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aug. ®oeg; für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Blehen.

Was geht in Frankreich vor?

Einer unserer Mitarbeiter erhält aus Paris über Basel folgende Ausführungen:

Mögen sich die offiziösen Hornbläser Poin- lares noch soviel Mühe geben, es zu ver­aschen oder umzulügen, die Tatsache besteht doch: 3n Paris ist eine Art Bürgerkrieg ausgebrochen! Er spielt sich in der Arena des Zeitungswesens ab. Aber ist die Presse nicht der deutlichste und eigentliche Ausdruck der politischen Konflikte? Unb nun das wichtigste für deutsche Ohren: Der französische Bürgerkrieg ist ausgebrochen über bem Hasardspiel Poincarss an der Ruhr! Er ist der erste Erfolg des deutschen Widerstands. Für das tödliche Attentat, das die junge Anar - chistin Germaine Derthou an dem Ge­neralsekretär derAktion Francaise", Marius Plateau, verübte, läßt sich zwar ein mehr persön­licher Anlaß finden: Vergeltung für den Tod des Kabarettsängers Laufs, der kürzlich von den 'Royalisten erschlagen wurde, aber Grund und Triebfeder ist der Hab gegen den nationalen Block und seinen Henkersknecht Poincarß. Die 5 Schüsse derAnarchistin" waren eigentlich für den be­kannten chauvinistischen Hetzer Löon Daudet be­stimmt. Aber Daudet lebt (wie Poincare) in siche­rer Zurückgezogenheit. Er läßt sich in seiner Zei- tungsfestung von fremden Besuchern nicht sprechen, auch wenn es hübsche junge Damen sind. So muhte ein anderer Vertreter des royalistischen Blattes dran glauben. Deranarchistischen" Tat folgte die Rache der Eamelots du Roy auf dem Fuße. Sie besetzten d i e Zeitungsgebäude des Oeuvre und der Ere Rouvelle und liehen ihr.n Zorn an den armen 2Raschinen aus. Der Einbruch in das Haus der Humanitv mißlang, weil dort schon die Polizei aufgezogen war.

Hm diesen Zeitungskrieg zu verstehen, muh man sich vergewärtigen: Gegner des Ruhrfeld­zuges sind die sozialistisch - radikalen Organe Oeuvre",Ere Reuvelle",Rappel",Don Soir", Lauterne" ebenso die Blätter der Kommunisten und Sozialisten:Humanits",Populaire" und Peuple". Die Zeitungen der Rechtsparteien, denen die Raubpolitck Poincarös immer noch viel zu zahm erscheint, sind:Aktion Francaise",Fi­garo"Gaulois",Echo de Paris",Siberte", Eclair". 3m Fahrwasser der Poincaroschen Po­litik segelt die Presse der Entente Democratique. also derTemps" dasJournal des Debats", dieRepublique Francaise" undBictvire". Im­mer mit der Regierung halten es (wegen der In­formationen) die groben Rachrichtenblätter:Ma­lin",Inhansigeant", aber auchPetit Parisieu" undPetit Journal". Endlich gehen jetzt die früher sogenannten clemencistischen Organe "Echo National'^ undHomme Libre" Poincarö durch dick und dünn. Aus dieser Schlachtauf­stellung ergeben sich die Kämpfe. Schüsse und ?er- ftorung jtaten des Presse-Bürgerkriegs. Den Auf­takt gab die Verhaftung des Kommunisten Eachin als eines Landesverräters (weil er vor den Fol- aen des Ruhreinbruchs warnte). Es ist möglich, daß die Ermordung des Zeitungsmannes Plateau zugleich auch die Rachetat für die Verfolgung Lach ins war. Aber es ist falsch, die Attentäterin Tetthou einfach als Anarchistin auszurufen. Die sie sind heute Hunderttausende geschwo­rene Feinde der imperialistischen Regierungs- Politik, und der Hah ist nicht etwa auf die so­zialistischen Gruppen beschränkt, die dem Anar­chismus nahestehen, sondern er erstreckt sich auf verschiedene Parteien. Im Rovember 1917 also noch mitten im Kriege, nannte dasJournal du Peuple" Cleme rceau ein in unfä igen Han wursten, unter dessen Fuchtel das Land zugrunde gehen Verde. Am 19. Januar 1919 vier Wochen vor dem erwähnten Attentat auf Clemenceau, schrieb Jean Hennessy imOeuvre" unter dem TitelRieder- gar.g:Clcm nceau repräsentiert mit seinem auto­kratischen Charakter öite ausgesprochene Form des absoluten Absolutismus."

Don Poincare denkt man heute in weiten Kreisen des französischen Volkes ganz dasselbe. Man spricht es nur nicht so deutlich aus, weil die Spitzel der Regierung überall ihre Ohren haben, und weil mehr als je Zensur und Terror cusgerichtet sind. Aber der Bürgerkrieg der Zei­tungen sagt genug, und es wird noch mehr Blut fliehen müssen, bis für die Regierungspolitik die Stunde der Umkehr gekommen ist.

Die Beantwortung der deutschen Noten durch PoincarS.

Berlin, 24. Jan. (WTB.) Die französische Regierung Hal die Beschwerde der deutschen Re­gierung über die Verordnungen der Rheinland- fommiffion mit folgender Rote an den deutschen Geschäftsträger in Paris beantwortet:

Soeben erhalte ich das gestrige Schreiben, dadurch Sie namens ihrer Regierung gegen die Verordnungen der Interalliierten Rheinlandkom- mllfion protestieren, die unter Verletzung des Rechtes und der Verträge erlassen worden seien. Sie französische Regierung kann derart.ige Proteste, die offensichtlich auf Vertauschung der Rollen hinauslaufen, nicht zalassen. Sie vird dem Vertrage von Versailles, den die deut­sche Regierung systematisch zu verletzen sucht, Ach­tung verschaffen.

Anmerkung des Wolssbureaas: Poincare handelt auch in diesem Falle nach seiner nun schon sattsam bekannten Methode. Er schickt die Roten zurück, in denen die deutsche Regierung die Gewaltakte und Vertragsbrüche kennzeichnet, oder er versucht, sie mit einer kurzen Anwendung abzutun. Die französische Regie­

rung bemühte sich in früheren Stadien der Ent­wicklung des Repacalionsproblems eifrig, Rechts­sätze und Vertragsparagraphen zur Begründung ihrer Pläne anzuführen. Auf die ausführliche deutsche Rote, worin die Rechtswidrigkeit der Verordnungen der Rheinlandkommission nachge- tokfen wurde, weih man jedoch in Paris "offenbar ebensowenig etwas zu erwidern wie auf den Nach­weis der Rechts Widrigkeit der militärischen Ruhr- besehung. Der Verzicht auf die Widerlegung des deutschen Standpunktes soll Wohl den Eindruck erwecken, dah es Frankreich nicht mehr nötig habe, die Welt von sei rem guten Rechte zu über­zeugen. Tatsächlich wird der Eindruck, dem wahren Sachverhalt entsprechend, der sein, dah gegen die deutsche Auffassung nur Argumente geltend ge­macht werden könnten, die selbst die französische Regierung der Öffentlichkeit nicht vorzulegen wagt. In den Schlußworten verkündet Poincare die Absicht, dem Vertrag von Versailles Achtung zu verschaffen. Deutschland will nichts aickreres als die Achtung des Vertrags. Hätten die Fran­zosen den Vertrag geachtet, würden jetzt weder die französischen Soldaten das Willlürregiment im Ruhrgebiet errichten, noch das deutsche Staats­eigentum im Rheinland geplündert werden.

Der französische Minister für öffentliche Arbeiten und General

Weygand im Ruh gebiet.

Paris, 25. Ian. (WLB.) Der Mi- nister für öffentliche Arbeiten1ft in Begleitung des Generals Weygand gestern abend nach dem Ruhrgeb ie t ab­gereist. DerPetit Parisien" gibt zu, dah die Reise wegen der Schwierigkeiten erfolgt ist, die entstanden sind. Das Blatt muh ferner zu­geben, dah die meisten Kohlenzüge, die auf Befehl der Besatzungsbehörde nach Belgien oder Frankreich gesandt werden sollten, ihr Ziel nicht erreicht haben. Rach wenigen Kilo­metern hätten sie wieder die Richtung nach dem unbesetzten Deutschland eingeschlagen. Der Widerstand sei noch nicht gebrochen. Da man nicht zu unnötiger Strenge greifen, aber auch nicht improvisieren wolle, so seien die Besatzungsmächte genötigt, sowohl hinsichtlich der Requisitionen, als auch hinsichtlich der Einziehung der Kohlensteuer eine gewisse Dause eintteten zu lassen. Rur ein Stu­dium an Ort und Stelle würde es ge­statten, die Mittel vorzuschlagen, durch die man zur Lösung kommen könne. Der Minister und der General wurden aber außer einem Organisationsplan die Aufgabe haben, die verschiedenen Dienste, die jetzt tätig seien, in einen einzigen überleiten zu lassen. Man habe heute drei Instanzen, die besetzende Militär­behörde, die Ingenieurkommission und den rheinischen Oberkommissar. Sehr oft seien die getroffenen Maßnahmen nicht gleichmäßig, und man müsse wieder in Paris Rückfrage halten. Es bestehe nunmehr die Aufgabe, ein Berwaltungssystem zu schufen, damit man den auftretenden Widerstand und, wenn nötig, auch den Widerstand in Deutschland brechen könne.

Mussolini tib?r die Lage.

Rom, 24. Jan. (Wolfs.) In einer Rede vor dem Ministerrat über.die Lage im Ruhrrevier erklärte Mussolini, dah ein regelrechles Der- mittlungsangebot nicht bestehe und auch nicht hätte gemacht werden fönnen, ohne im voraus die Sicherheit zu haben, dah das Angebot günstig aus­genommen werde. Italien wolle sich feinem Mtß- ersolg aussehen. Tatsache fei jedoch, dah die ita­lienische Regierung niemals unterlassen habe, die deutsche Regierung auf die Gefährlichkeit der Sack­gasse aufmerksam zu machen, in die sie geraten fei. Auf der anderen Seite habe die italienische Re­gierung in sreunoschaftlicher Weise die franzö­sische Regierung auf die Verwicklungen politischer, sozialer und wirtschaftlicher Art hingewiesen, die die Ruhrbesetzung mit sich bringen fönne. Unter diesen Umständen könne die italienische Regierung: zur Zeit ihre Haltung nicht ändern, da irgendeine Geste Italiens keinen Wechsel in die allgemeine Lage bringen und die italienische Regierung auch keinen entscheidenden Einfluß auf den Entschluß, der am meisten interessierten Regierungen haben würde. Rach (Auffassung der italienischen Re­gierung sei die Lage im Ruhrgebiet noch nicht aus einem toten Punkt angekommen, in welchem Frll allein sich die Lösung notwendig machen würde. In diesem Falle werde vielleicht die Ar­beit der italienischen Regierung einen Einfluß auf die Lösung ausüben können.

Die Haltung Japans.

Tokio, 24. Ian. (WTB.) Der Außen­minister Graf Uchida bedauerte in einer Rede bei Eröffnung des Parlaments, daß große europäische Probleme, wie die Repa­rationsfrage, bisher ungelöst seien. Der Mi­nister erklärte weiter, dah kürzlich Frank­reich in Uebereinstimmung mit Belgien es für zweckmäßig angeseh n habe, eine bestimmte Aktion im Ruhr gebiet zu unternehmen. Das Borgehen könnte z u einer schwie­rigen Lage führen. Die japanische Re­gierung, die beständig die Ueberzeugung von der Wichtigkeit der Aufrechterhaltung des Friedens hege, verfolge d i e Entwick­lung der Dinge mit großer Auf­merksamkeit.

Das U teil gegen die Iechenvertreter.

Die Hauptschuldfrage verneint, gu Geldstrafen verurteilt.

Ma i nz, 24. Jan. (WTB.) 3m Prozeß gegen die Zechenvertreter hat das franzosi - sche Kriegsgericht die Hauptschuld- frage verneint und die Rebenfrage auf Verstoß gegen eirei Requifitlonsbefehl bejaht. Die Angeklagten wurden unler Zubilligung mil­dernder Umstände zu Geldstrafen verurteilt in der Höhe des Doppel et der angeforderten Re­quisitionen, Thyssen zu 5100 Fr., Ulfe zu 224 066 Fr., Spindler zu 47 752 Fr., Kosten zu 15 632 Fr., WüsteNhofer zu 8640 Fr. und Tengelmann zu 6020 Fr.

Das Urteil des Kriegsgerichts, sowohl was den Freispruch als auch was die Verurtei­lung anbetrifst, ist einstimmig erfolgt, die Zubilligung mildernder Umstände mit Mehrheit.

Mainz, 24. Jan. (WTB.) Die verhafteten Zcchenvertre er find heute abend kurz nach 7 Uhr in Freiheit gefetzt Wörter. Sie begaben sich sofort ins Zentral Hotel, wo sich rasch eine nach Tausenden zäh.'eide, immer zahlreicher werdende Men re ansammelte, die unaufhör­lich Hochrufe auf d i e Freigelassenen ausbrachte und patriotische Lieder fang. Die Kundgebungen dauer e r bis gegen 1/29 Uhr abends. Auch später noch hielten Tausende den Platz vor dem Hotel beseht. Die Freigelassenen kehren morgen vormittag nach Essen zurück, tro der Zug um 2 Uhr 54 nachmittags eintrifft.

Mainz, 24. Ian. (WTB.) Bei dem Ver­hör gaben die Angeklagten eine Schilde­rung der bekannten Vorgänge. Alle betonten ihre unentwegte Entschlossenheit, von niemandem Wei­sungen entgegenzunehmen und zu befolgen, die den Interessen ihres Vaterlandes zuwiderliefen. Wir werden der deutschen Regierung die Treue wahren, wir handeln nie und nimmermehr gegen die In­teressen unseres Vaterlandes. Richts m der Well kann uns veranlassen, gegen unser Land zu han­deln. Das sind die Worte, die immer wieder er­tönen und die trotz der starrenden Bajonette im Zuschauerraum mit Beifall begrüßt werden.

Mainz. 24. Jan. (Wolff.) In der heutigen Rachmittagssitzung des Kriegsgericht sprozesses er­griff sofort Rechtsanwalt Dr. Grimm- Essen vas Wort zu einer groß angelegten Verteidigungs­rede. in der er die Argumente des Militär» staatsanwalts ganz unbarmherzig scharf zerpflückte. Gr wies nach daß die Arsikel 63 und 267 des Mi'itärstrasg setzbuches ausdrücklich nur in feind­lichem Gebiet angewendet werden bürften. Einen Feind gäbe es aber nur, wenn ein Kriegszustand bestände, was Wohl in dem fraglichen Falle nie­mand behaupten wolle. Die Artikel der Haager Konvention stellten ausdrücklich den Grundsatz auf, daß niemand gezwungen werden könne, gegen fein eigenes Land zu handeln. Hier warf der Verteidiger die Frage auf, was denn eigentlich die Haager Konvention sei. Sie sei eine Ab­machung, die binde und verpflichte, eine voller­rechtliche Abmachung eine Abmachung die von F anrr ich unter"(fy i.ben Worte 1 f .i. Eine solche ilnterfef;rift sei ein gegebenes Wort. Diese Herren hier (auf die Angeklagten deutend), die durch ihr vorbildliches Leben durch ihre Arbeit und durch ihre wohlverdiente Ehre eine ganz besondere Stel­lung in Deutschland habew haben auch ganz be­sondere Pflichten. Sie können keine Verräter fein. Sie werden niemals Verräter sein. Sie werden, meine ich, Ihnen sagen: Hier stehen wir, wir können nicht anders handeln. Bestrafen Sie uns, wenn Sie glauben, uns verurteilen zu können. Unfer Widerstand aber wird wei e bestehen. Er wird immer und immer unerschüttert weiterbe­stehen bleiben.

Rachdem Rechtsanwalt Dr. Grimm seine Ausführungen in wirksamer Weise damit abge­schlossen hatte, dah er erklärte, er appelliere nicht an mildernde Umstände, er wolle feine Gnade für die Angeklagten, sondern wolle den ganzen Freispruch, nahmen auch dir übrigen Ver­teidiger, Justizrat Dr. Friedemann aus Essen, Justizrat Wallach-Essen, Dr. Reumann-Mainz das Wort. Sie alle kamen zu dem Schluß, daß uneingeschränkter Freispruch der Angeklagten statt- finten müsse.

Rechtsanwalt Leckerc (Ranch) betonte, daß er sich bei der Uebernahme der Verteidigung in einem gewissen Konflikt befunden habe, sich «aber schließlich zur Uebernahme entschlossen habe. Er betonte, das Recht Frankreichs, den absicht­lichen Verfehlungen Deutschlands gegenüber, so zu handeln, wie jetzt im Ruhrgebiet gehandelt werde plädierte aber doch auf Freispruch der Angeklagten, die zweifellos unter einem mo­ralischen Zwang gehandelt hätten, der sie straffrei mache.

Rechtsanwalt Dr. Grimm betonte dem­gegenüber die deutsche These, daß der Einbruch in das Ruhrgebiet rechtswidrig sei, eine These, die nicht nur die Bewohner des Ruhrgebiets, sondern das ganze deutsche Voll sich zu eigen gemacht habe.

Auch Fritz Thyssen betonte, dah er sich diesen Worten voll anschließe und mit der Auf­fassung der französischen These, wie sie Leclerc hier vertreten habe, nicht das mindeste zu tun habe.

Wah-end der Verhandlungen war der Vater Fritz Thyssens. August Thyssen, auf der Tribüne als Zuschauer erschienen und zog eine Zeit lang die Aufmerksamkeit des dicht gefüllten Zuschauerraumes auf sich

Mainz, 24. Ian. (WTB.) Die französische Desatzungsbehörde hat kurz nach 9 iUjr gegen die Menge, welche noch immer den Platz vor dem

Zentralhotel beseht hielt, Kavallerie eingesetzt, welche den Platz säuberte.

Revision eingelegt.

Mainz, 24. Ian. (WTB.) Wie wir hören, wird seitens der Verurteilten gegen das Urteil des Kriegsgerichte Revision eingelegt werden.

Dr. Sck lntius zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Ma in z, 24. Ian. (WTB.) Heute abend fand die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen den Prä­sidenten des|se dorser Finanzamts Dr. Schlu » tius statt. Dr. Schlutius wurde zu einem I^rhce Gefängnis mit Strafaufschub verurteilt und ist sofort aus der Haft entlassen worden.

G heimrat Rcisscisen zu einem Jahr (yefängnis verurteilt.

Mainz, 24. Ian. (WTB.) In einer wei­teren Kriegsgerichtsverhandlung wurde Ge­heimrat Reiffeisen, Präsident der Berg­werksdirektion Recklin Hausen, zu einem Jahre Gefängnis und Strafaufschub verurteilt. Ge­heimrat Reiffeisen wurde sofort in Freiheit gesetzt.

Neue Verhaftungen und Ausweisungen.

Trier, 24. Jan. (WTB) Auf Anordnung der Interalliierten Rheinlandkommission ist die Absetzung und Ausweisung aus dem be­setzten Gebiet sollenden Oberbeamten be­schossen worden: Regierungspräsident Dr. Saa - , e"n, Oberregierungsrat Eichho r n. OEevregie- rungsrat Pfuhlstein, Oberregierungsr. Reff, Oberforstmeister Jansen, Fmanzamtsdirektvr Berirab, Zollrat Rebelung, Hauptzvll- amtsdirektor Riescheldorf, Oberbüx« e.meister v. Dachhausen, Lcmdrat Pohl. Die Aus­weisungen sind auf den 24. Januar erfolgt; den Familien ist eine Frist von vier Tagen gewährt worden. Begründet wird die Maßnahme damit, weil sich die Beamten geweigert haben, Anordnungen der Rheinlandkommifsion Folge zu leisten und weil sie einen Gesamtprotest gegen die Anordnungen unterzeichnet Hafen.

Düsseld 0 rf, 25. Jan. (WTB.) Der Leiter des Finanzamtes Reuß, Bergrat Sietmann, ist gestern von der belgischen Besahungsbehörde verhaftet und nach Krefeld gebracht worden, wall er es able^hnte, den Anordnungen der deut­schen Regierung zuwiderzühandeln.

Presscstimmcn über das französische Kriegsgerichtsnrteil. Berlin, 25. Ian. Zu dem Urteil des fran­zösischen Kriegsgerichts gegen die deutschen Ruhr­mdustriellen schreibt derQ 0 (a I a n 5 e i g e r: Das Urteil, das nicht auf Gefängnis lautet, jeagt nur bafür, wie schlecht das Gewissen der Fran­zosen bei ihrem Vorgehen ist. Kein Mensch wird in dem Urteil den Ausfluß französischer Ge- rechtigkeitsliebe sehen, sondern einzig und allein die Antwort der eigenen Kurage. Der Mangel an Mut, der aus dem Antrag des französischen Staatsanwalts und aus dem Spruch des Mainzer Kriegsgerichts spricht, wird den Deutschen des widerrechtlich besetzten Gebietes nur eine Be­stätigung dessen fein können, daß sie mit ihrem Verhalten völlig auf dem richtigen Wege sind.

DasBerliner Tageblatt" betont: Dieses Urteil ist unter klarer Verletzung aller Regeln des Völkerrechts auf Befehl der fran­zösischen Machthaber ergangen. Unter dem Ein­druck der entschlossenen Haltung der Arbeiter- schäft ist man vor der Verhängung von Frei­heitsstrafen zurückgeschreckt. Die Geld­strafe dürfte auch in Frankreich selbst nicht als ausreichender Ersatz für die Kohle, die man sich holen wollte, angesehen werden.

DieVoss. Ztg." stellt fest: Rach der Logik des französischen Kriegsgerichts ist jeder Ein­wohner des besetztet Gebiets zu>er Handlung verpflichtet, die ein französischer Befehlshaber ihm ai Ikierllgcn beliebt. Was heute den Herren Thyssen und Olse passiert, kann morgen jedem Arb i er oder Gene J a.tsfüh er pas i ren. Wenn cs heute bei einer Geldstrafe verbleibt, kann mor­gen dem Richter der Mut zur Verhängung einer Gesängnisstra e kommen. Genau he r schalten haben es ja nun einmal an sich, daß sie zu immer schwe­reren Zwangsmaßregeln scheiten, je deutlicher ihnen wird, daß sie auf dem Holzwege sind.

Die Mobilisierung französischer Eisenbahner. Parts, 25. Ian. (WTB.) Das Kriegs­ministerium gibt gestern abend zu, daß in An­bettacht der Streikbewegung der Eisenbahner im Ruhrgebiet dieMobilisierungeines Kontingentes von Eisenbahnern für notwendig befunden worden sei. Fünf De­tachements seien einberufen worden und 750 Beamte seien bereits gestern abend abgegan­gen. Das Kriegsministerium behauptet aber, es handele sich nicht um eine Mobilisierungs- mahnahme, sondern um eine InsttuktionS- periode von beschränkter Dauer.

DuiSburg, 25. Ian. (WTB.) Auf dem hiesigen Hauptbahnhof sink) französische Eisenbahner eingettvffen.