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Nr. 95
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Dienstag, 24. April 1925
175. Zahrgang
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ahnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigern,. 27 mm Breite örtlich 80 Mk., auswärts 100 Mk.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.Bei Platz. Vorschrift 20°/, Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;fürben Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Biegen.
GietzenerAMger
General-Anzeiger für Oderhefsen
Druck vnd Verlag: vrühl'sche Umversltäts.vllch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschästsftelle: Schulftrahe 7.
Der erste Schritt.
®rn an maßgebender Stelle unterrichtet er Mitarbeiter schreib uns:
In bürgerlichen Kreisen ist es ausgefallen, daß. der Reichskanzler die erste Aussprache über die Rede Curzons mit den — Spitzengewerkschaft- lern und nicht mit den Parteiführern des Deutschen Reichstags abgehalten hat. Aber die Aussprache mit den Vertretern der Spihenverbände ist nun einmal Tleberlieserung in der neuen deutschen Republik geworden. Man kam diesmal zusammen, um die Wirtschaftslage und den Ruyr- krieg zu besprechen. Dabe' ergab sich für den Außenminister Dr. Rosenberg die Gelegenheit, zu den englischen Forderungen Stellung zu nehmen, von selbst. Selbstverständlich wird sich die Regierung auch mit den Parteien in Verbindung sehen, und es wird nichts ohne reiflich? Erwägung innerhalb des parlamentarischen Kreises geschehen. Lord Curzon verlangt, daß Deutschland in der Auseinandersetzung mit Frankreich das erste Wort sprechen soll, weil es das Schuldnerland sei. Diese Begründung würde von deutscher Seite wohl kaum verkannt werden. Deutschland ist der an der Ruhr überfallene, vergewaltigte und gedenrütigte Teil. Sache des Angreifers wäre es, die Hand hiirzu- strecken. Statt dessen hat Poincare in seiner neuesten Rede im Meuse-Departemeifts, ohne aus Curzons Oberhausrede auch nur mit einer Silbe einzugehen, wieder Beschimpfungen gegen Deutschland gehäuft. Er spricht von deutschen Lügen, von den „unverschämten Manieren Bismarcks und den schändlichen Täu- schungSversuchen des heutigen Deutschen Gleiches.
Glaubt der französische Ministerprästdent, der seine Bedingungen einer Annäherung auf die beiden Schlagworte Reparationen und Sicherheiten gründet, Deutschland das erste Wort zu erleichtern, wenn er den Ton schärfster Feindseligkeit an» schlägt? Lord Curzon hat der deutschen Regierung zu ihrem „weisen Entschluß" nicht auf der Forderung der vorangehenden Räumung des Ruhrgebiets zu bestehen, förmlich gratuliert, aber Eng- strnd und alle Alliierten können versichert sein: Einem so feindlichen Gegner wie Poincare gegenüber ist es Pflicht der deutschen Regierung, wäh- renD der Verhandlungen in der Ruhrabwehr bis zur Räumung fortzufahren. Es tritt kein Waffenstillstand ein! Sollte England deii Garan- ten eines solchen Waffenstillstandes, das heißt eines Verzichts auf den passiven Widerstand spielen wollen — Deutschland hat von den 1 4 Lü g en pun k t e n W i l f o n s gen u g. Es fällt nicht zum zweiten Male auf solche Sirenengesänge herein. Damit soll nicht gesagt fein, daß man die Curzvnschen Vorschläge an Drrlmer Amtsstellen etwa überargwöhnisch als Falle betrachte. Diese Vorschläge sind zweifellos e r n st und ehrlich gemeint. Cs fragt sich nur. wie wert Deutschland in dem verlangten ersten Schritt gehen darf, ohne sich dem Übermächtigen Einfluß Frankreichs innerhalb der Entente auszulw- fern. England will j.r nicht der Schiedsrichter im deutsch-französischen Konflikt fein, sondern es bietet nur feine guten Dienste zur Vermittlung an. England verlangt, daß die deutsche Regierung eine ganz.bestimmte Summe nenne, die gezahlt werden solle. Dr. v. Rosenberg hat andeutungsweise die Ziffer des deutschen Angebots der Pariser Konferenz, also 30 Milliarden genannt, von der man bei den Verhandlungen ausgehen könnte unter Berücksichtigung der neuen Schwächungen Deutschlands durch Den Ruhrtrisg. Die englische Auffassung hält bekanntlich einen Betrag von 40 Goldmilliarden als tragbar für Deutschland. Der letzte belgisch-fr-an- zösischr Vorschlag fordert 50 Goldmilliarden. Aber an diesen Zahlen hängt nicht der Streit, worauf auch Dr. Stresemann in seiner Rede am Sonntag in Berlin hingewiesen hat, sondern an der Garantiefrage. Deutschland soll nach britischem Wunsche alle Garantien aufzählen, die es für die Ausführung der Zahlungen geben will. Diese Garantien sollen nicht nur wirtschaftliche und finanzielle sein, sondern auch politische. Sehr wohltuend wirkte dabei auf das verbitterte deutsche Gefühl Curzons Forderung, daß die politischen Garantien „im wesentlichen auf © e g e n f e i t i g f e i t zwischen Deutschland und Frankreich aufgebaut sein müssen", und daß sie nicht in einer Zerreißung deutschen Landes bestehen Dürfen. Das klingt schön und ist unklar tote einst Wilsons Verheißung. Poincare wird eine ganz andere Sprache sprechen. Er hat in seiner Kriegerdenkmalsrede am vergangenen Sonntag wieder von „Pfändern und Garantien" geredet, ohne die für ihn ein deutsches Angebot undenkbar sei: Wie denkt sich Herr Poincare die Gegenseitigkeit der Pfänder? Deutschland verlangt als Unterpfand der Einigung mit den Franzosen (die mit der Hissung der Trikolore in Essen den denkbar schlechtesten Anfang mit der Einigung gemacht haben) die volle Wiederherstellung und Sicherung der deutschen Staatshoheit in den besetzten Gebieten an Rhein und Ruhr. Dies wird das erste und letzte Wort Deutschlands fein.
Berlin, 24. April. Vor den Berliner Funktionären der Sozialdemokraten sprach gestern Reichstagsabg. Hermann Müller über die politische Lage. Er sagte, es gebe keinen Grund, .die Aufstellung eines Zahlungsplanes hinanszuzogern. Dir deutsche Regierung habe die Pflicht, diesen Plan aufzustellen. 3n der so- z alhemo iratt'che r Reich itagsfraftio i sei ro le Einmütigkeit vorhanden, daß dieser Plan von der jetzicmn Regierung ausgehen müsse. Es wäre ja leicht, Die Regierung zu stürzen. Aber damit wäre nichts gewonnen. Die Sozialdemokratie sei bereit, die Regierung Cuno zu stützen, wenn sie das 2kot- wendige tue. Sie sei aber auch bereit, die Kon
sequenzen zu ziehen, wenn sie sich weigere, das Rotwendige zu tun.
London, 23. April. (WB.) Der deutsche Botschafter Sthamer hat heute nachmittag im Foreign Office vorgesprochen.
Poincar^s Hetzrede.
Berlin, 23. April. (Wolff.) Die neue Rede des französischen Ministerpräsidenten unterscheidet sich von den letzten Ausführungen so wenig, daß sie (einen Anlaß zu längeren Erörterungen gibt. Sie enthält dieselbe Häufung von Anklagen, Verleumdungen und tatsächlichen äln- richtigkeiten, mit denen er bet ähnlichen Gelegenheiten stets zu operieren pflegt. Große Teile seiner Rede sind Darauf berechnet, die Zuhörer erneut in eine Kriegspsychose zu versehen und aus ihr heraus die Zustimmung zu einer Politik zu erlangen, die Frankreich in immer tiefere Schwierigkeiten hineinführt. Poincares Rcchtsausführungen über den Einmarsch ins Ruhrgebiet sind heute geradeso unhaltbar wie am ersten Tage der Aktion, ie werden täglich aufs neue durch die Tatsachen und durch die Konsequenzen widerlegt, die Frankreich vom ersten Tlnrecht zu immer neuem Anrecht ühren. Was der französische Ministerpräsident iber das in Paris bereitgestellte deutsche Angebot agt, ist durch die inzwischen veröffentlichten Doku- mentc bis ins einzelne widerlegt. Poincare bemüht sich vergebens, die Tatsache aus der Welt zu chassen, daß er es war, der Die Mitteilung des deutschen Planes an Der Pariser Konferenz Der Ministerpräsidenten verhindert hat. Was seine Angaben über Die deutsche Schutzpolizei betrifft, so beschränken wir uns fürs erste auf Die Feststellung, daß die angekündigte Mitteilung Der Alliierten, Die Der Auflösung der militärischen Cadres der Schutzpolizei verlangen soll, bisher in Berlin nicht eingegangen ist.
Der britische Reparationsplan.
London, 23. April. (Wolfs.) 3m An- chluß an die letzte Rede Lord Curzons zeigt )ie Presse erneutes Interesse für den Drittel) en Reparationsplan, der den Alliierten im Januar vorgelegt wurde. Die allgemeine Auffassung ist, daß vielleicht die Form, in der er vorgelegt wurde, dazu beitrug, )ah man seine Vorzüge unbeachtet gelassen habe, obgleich Curzon andeutete, nichts berechtige zu dem Schluß, daß der Plan, wenn er erneut vorgelegt würde, eine günstigere Ausnahme finde. Er habe auch erklärt, daß die Regierung ihre Vorschläge nicht zurückgezogen habe, was aber nicht so auszufassen sei, als ob die Einzelheiten unverändert bleiben müßten.
Die „Sunday Times" erklärt, der Plan Donar Laws stelle den hoffnungsvollsten und aussichtsreichsten dar, der von den-Staats- männeni seit dein Waffenstillstände vorgelegt wurde. Es wäre als das glücklichste Ereignis zu bezeichnen, wenn er erneut in Erwägung gezogen würde. Der britische Plan hatte bekanntlich vorgesehen: 1. Herabsetzung der Re- parationssumme auf 2500 Millionen Pfund; 2. Einsetzung einer internationalen Körperschaft zur Reorganisation der deutschen Finanzen; 3. ein von einer Garantie begleitetes Moratorium von vier Jahren; 4. Beteiligung Großbritanniens an einer allgemeinen Aktion zur zwangsweisen Beschlagnahme deutscher Einkünfte und Gelder, und Ausdehnung des besetzten Gebietes, falls die Garantien sich als wirkungslos erweisen sollten. Als Gegenleistung für die allgemeine Annahme eines solchen Planes hat Großbritannien den Erlaß fast der gesamten Kriegsdarlehen angeboten.
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt zu der Erklärung Curzons, daß England auf seinen Re- parativnsanteil iy Höhe von 11 Milliarden Goldmark nicht verzichten könne. Die Verzichtleistung würde darauf hinauslaufen, daß es auch auf seinen Anspruch verzichte, seine Stimme bei der Festsetzung Der Reparationsregelung zur Geltung zu bringen. Dem Berichterstatter zufolge werde während des Wochenendes eine wichtige Mitteilung bettef- send die Reparationsfrage aus Rom erwartet.
Eine Rede des Neichsbank- präsidenten Havenstein.
Berlin, 23. April (Wolff) 3n Der Sitzung Des Zcn'ralausschusses der R e i ch s b a n f wurde Der Boschluh Des RcichsdanMrektoriums. Den Diskont von 12 auf 18 Prozent zu erhöhen, von Den Mitgliedern Des Zentralausschusses einstimmig gutgeheißen. Der Vorsitzende, ReichLbankpräsident H a v e n st e i n, gab zunächst eine -liebertief)! über die Entwicklung Des Status der Reichsbank seit der letzten Zentralausschußsihung und feit der letzten Diskonterhöhung und führte Des toei eren aus: Ich brauche im Einzelnen nicht darzulegen, woraus die neuen gewaltigen Ansprüche an KreditenundZahlungsmitteln zurückzuführen find, Es sind neben den früher wiederholt dargelegtcn und weiter fortwirkenden älrsachen vor allem die weiteren Auswirkungen Des Einbruchs der Franzosen und Belgier in das Ruhrgebiet, wo die Aufrechterhaltung Der Produktion die Gewährung umfangreicher ÄreDite not
wendig machte. Da Absatz nach Dem unbesetzten Deutschland und nach dem Ausland nahezu unmöglich geworden ist. Aber auch im unbesetzten Deutschland sind naturgemäß die Ansprüche außer- oibentlid) stark gewesen infolge der Störungen, Die mit der Abschnürung des Ruhrgebiets auch für das übrige Deutschland entstanden sind. Dabet hat sich Die Reichsbankleitung nach wie vor bemüht. Die Kredite auf Das geringmögliche Maß einzu- schränken, was em Gebot Der Rotwendigkett war, wetrn Die Interventionstättgkeit zur Stützung des Markkurses von Dauer und Erfolg fern sollte. Die Vorwürfe, daß dte Reichsbank zuviel Äi einte gegeben habe
und gebe, berücksichtigt nicht, daß die Reichsbank natürlich ihrer ganzen Zweckbestimnrung nach darauf bedacht sein muh, der legitimen Produktion eine Stühe zu sein und jedenfalls gesunde .Unternehmungen nicht durch übermäßige Kreditbe^chrän- fung oder Kreditverweigerung zum Erliegen zu bringen. Ich habe in verschiedenen früheren Sitzungen ausgefü'hrt, daß wir Den Weg^ einer scharfen Kreditprüsung und Beschränkung für den nach Lage Der Verhältnisse am zweckmäßigsten an sehen müßten, da weitere Diskonterhöhungen Die erstrebten Beschränkungen kaum hätten Der bei» führen können, und daß die Reichsbankleitang bis auf weiteres von Diskonterhöhungen abgesehen habe, um die legitime Produktion nicht zu sehr zu erschweren. Wir haben in dieser Erwägung und auch um den infolge Der Stützungsaktion einsehenden Preisabbau nicht za stören, durch volle drei Monate von einer weiteren Erhöhung des Diskonts abgesehen, obgleich die Gestaltung der Geldmarktlage eine weiter zunehmende Verarmung und Kapitalnot eine solche an sich schon längst gerechtfertigt hätten. Wir 'halten aber nunmehr den Zeitpunkt für gekommen, diese Zurückhaltung aufzugeben, indes zugleich für geboten, die Erhöhung in einem Ausmaß vorzunehmen, das stark über die bisherige Hebung 'hinausgeht. ilnfer Volk und Land steht in einem schweren Kampf, dessen Ausgang vielleicht für lange Zeit über seine Zukunft entscheidet. Wir sind ipaffenloS, aber nicht wehrlos. Diese letzten drei Monate 'haben den Beweis geliefert, daß auchvon einem waffenlosen Volk Recht gegen Gewalt mit Erfolg verteidigt werden kann, wenn die Regierung, die Wirtschaft und alle Schichten des Volkes geschlossen und entschlossen zusammenstshen und nur das £ine Ziel sehen, durch, ihre Abwehrhaltung sich das Recht zu erkämpfen und zu wahren, wieder in Freiheit zu arbeiten und zu schaffen auf freiem Boden.
Der Kampf kann noch lange dauern. Wir müssen uns daraus einrichten, ihn noch lange und mit Erfolg zu führen, find wie es heute die selbstverständliche Pflicht eines jeden Deutschen ist, sich deshalb mit in Reih und Glied zrl stellen, und wie dieser Gesichtspunkt unsere ganze innere Politik beherrscht und sich in einer Reihe positiver Maßnahmen auswirkt, die dafür in Aussicht genommen sind, so muß er auch richtunggebe.rd sein für die Politik der Reichsbank. Ihre feil bald drei Monaten geführte Stützungsaktion ist ein sehr wesentlicher Teil dieses Abwehrkampfes, und es ist notwendig, daß unser Volk, und vor allem ade Kreise der deutschen Wirtschaft auch das voll erfassen und danach bandeln, älnd hier, meine Herren, ein ernstes Wort, das große Mittel, das Reich und Reichs- bank hierfür in Anwendung gebracht haben, und dessen Zweck allen beteiligten Wirtschaftskreisen sehr ernst und klar zur Kenntnis gebracht war, die Auflegung Der Goldschahanweisungsanleihe, hat den Erwartungen, die daran geknüpft werden durften, nicht entsprochen. Wenn wir auch nie einen Zweifel daran gehabt und gelassen haben, daß Die in der ausländischen, na- rndeutlich Der französischen und belgischen Presse vielfach verbreiteten Behauptungen von einem viele Goldmilliarden betrage '.Den Devisenbesitz Der deutschen Wirtschaft nichts weiter waren, als ein und zwar nur ein bewußte Gebilde der Phantasie, so durfte doch füglich erwartet werden, daß Der größere Teil der aufgebrachten Anleihe gezeichnet werden würde. Das ist nicht geschehen, und das hat die Wirkung gehabt, daß unser Gegner De Widerstandskraft und
den Widerstandswillen der deutschen Wirtschaft glaubten schwächer einschätzen zu
Dürfen, als sie sind, daß. aber auch — und das war das Schiimmere in dem eigenen Lande Heber Sonderinteressen sich;un Schaden des Ganzen in stärkerem Maße betätigten und die Ansprüche an den Devisenmarkt und an die Reichsbank sich von Woche zu Woche und sch ieh'ich zu einem Umfange steigerten, der weit über Den normalen- Bedarf unserer Wirtschaft hinausging und wach die Tages- s p e f u I a t i o n sich wieder, un telümmert um das Wohl des Ganzen in stärkerem Maße hervorwagte und durch Vorverkäufe an dem einen und Eindeckung an der Börje am anderen Tage die Stützungsaktton erschwerte. Wir haben aber auch mit tiefem Bedauern und mit ernster Sorge wahrnehmen müssen, daß nicht nur jene Tagesspeku- latton ihren eigenen Acker pflügte, sondern daß in dieser Zeit des schwersten Ringens Deutschlands auch ernste Kreise unserer Wirtschaft das Recht zu haben glaubten, sich nicht nur für den zwingenden Bedarf naher Zukunft, sondern auch wci erhin auf Vorrat oder für Devisen, die sie abgestohen hatten, mit großen Beträgen einzudecken, und selbst vor Konzernaufträgen nicht zu tücksch m.'en. Das alles geht heute nicht an, denn das heißt, wenn auch nicht absichtlich, aber doch tatsächlich der großen gemeinsamen Kampffront und der Aktion, die Reich und Reichsbank im Interesse unserer Politik und Wirtschaft führeg. in den Rücken fallen.
Die Mülheimer Aufrührer im französischen Dienst.
Mülheim, 24. April. (WTD.) Der Ar- beiter Linner, der am Donnerstag den Oberbürgermeister Dr. Lembke beinahe erschossen hätte, in demselben Augenblick aber von einer Kugel aus dem Rathaus getroffen wurde, ist einen Verletzungen erlegen. Die Zähl Der Todesopfer ist aus sechs gestiegen.
Die flüchtigen Aufrührer haben ich unter französischen Schu tz geteilt und sind am Samstag auf Die Zeche Ruhland gebracht worden, wo sie Kohlen laden müssen. Bei Der polizeilichen Vernehmung haben einige Gefangene ausgesagt, daß ie von Den Franzosen Gewehre unD Karabiner bekommen 'hätten. Demgegenüber ließ der französische Bataillvnskommandeur der Stadtverwal- tung mitteilen, daß mit seinem Wissen feine Waffen an die Aufständischen geliefert worden eien. Der durch die Zerstörung der Fenster- chttben im Rathaus verursachte Schaden wird auf 8 Millionen Mark geschäht.
Köln, 23. April. (WTD.) Wie Die ..Köln. Zeitung aus zuverlässiger Quelle in Mülheim erfährt, wurden bei den älnruhen in Mülheim acht Aufrührer getötet und 28 verletzt. Etwa 45 Personen wurden verhaf - t c t, gegen die ein Verfahren wegen Landfriedens- bruchs eingeleitet wird.
Die GewolLmahnahmen.
Essen, 24. April. (WTD.) Am 22. April haben die Franzosen die ZecheProsper II beseht. Aus Den Halden waren 2000 Tonnen Kohle und 6000 bis 8000 Tvnnen Koks. 10 beladene Wagen stehen aus dem Anschlußgleis.
Köln, 23. April. (Wolff.) Am 21. April besetzte eine französische Abteilung von 5 Mann das Gockelwerk in Beuren am Rhein, welches für Rechnung des Reiches Reichsbahn- iinb französische Deutewagen instandseht. Rach Weigerung der Delegschaft, die Arbeit fortzusehen, holten die 'Franzosen etwa 45 deutsche Reparaturund französische Deutewagen aus dem Werk und brachten sie nach dem Bahnhof Beuren. Da die Werkeingänge militärisch beseht sind, ruht der Betrieb im Werk. Weitere Verhaftungen und Ausweisungen im französisch und belgisch besetzten Teil des Kölner Bezirks sind erfolgt
Lu dwig s haf e n, 23. April. (Wolfs.) Arn 20. April wurde auf Dem Kohlenumschlag- pla he Der Rheinischen Kohlen- und Brikett- werle am Ka serwörthhasen h Ludwigsha'en durch Die Franzosen ohne Verständigung und ohne Zustimmung der Firma ein dieser gehöriger Dampfkran abmontiert.
Ausgewiesen wurden am 21. April der Eisenbahndiätar Otto Schneider aus Kaiserslautern und der Eisenbahnassistent Franz Gadinger mit Frau und zwei Kindern, beide Beamte zur Wertstätteniiftpettion I gehörend.
Offenburg, 23. April. (WTB) Staatsanwalt Burger, der derzeitige Leiter der Staatsanwalttchaft, hat dem für Sonntag erhaltenen Ausweisungsbefehl keine Folge geleistet und ist deshalb heute ftnrh von den Franzosen verhaftet und im Auto fortgeschwft worden. Er wurde zwischen Orterch-wg und Ohisbach ausgesetzt.
Ortenberg, 23. April. (WTD.) Arn Sonntag nachmittag erfolgte wiederum ein Eingriff Der Franzosen in den Post bet rieb in Ortenberg, indem sie Leitungen nach Offenburg verlangten. Postinspektor Schwarz wurde zum zweften Male verhaftet, ist aber wieder freigelassen worden. Der Fernsprechverkehr, der während des Eingrifts ruhte, funktioniert heule wieder.
Prozeß gegen die Krupp'schen Direktoren wieder verschoben.
Berlin, 23. April. Rach einer Meldung der „Dvssischen Zeitung" aus Essen wurde der ursprünglich auf Ende dieser Woche angesehie Termin der Anklage gegen die drei Direktoren» der Kruppwerke wieder verschoben. Der ProzÄ wird nun am 2. Mai beginnen und voraussichtlich Drei Tage Dauern.
Die Behandlung der Verhafteten.
Dortmund, 24. April. (WTD.) Den wiederholten Vorstellungen Der Deutschen Verteidiger ist es gelungen, im Hauptquartier in Düsseldorf zu erreichen, daß in Zukunft alle Fälle durch die froTrzösische Gefängnisaufsicht gemeldet werden müssen, in denen die Verhafteten über acht Tage ohne gerichtliche Vernehmung und ohne Mitteilung des Anklage- g r u n d e s festgehalten werden. Ferner sind die französischen Anllazevertreler angehalten worden, nicht mehr, wie es vielfach bisher gehandhabt worden ist, die Termine erst 24 Stunden vorher anzusehen, sondern so rechtzeitig, daß die Möglichkeit bleibt, die Verteidigung ausreichend vorzubereiten.
Der unverwendbare Koks.
Paris, 24. April. (WTD.) Wie der ,Ma- t in“ mitteilt, erklärte das Ministerium für öffentliche Arbeiten die „Matin"-Meldung aus Brrkin, daß der aus dem Ruhrgebiet abttansportiertr Koks von deutscher Seite mit Hilfe eines chemischen Produkts unverwendbar gemacht worden sei, für f a l f ch. Der abgehende Koks sei vor seinem Abtransport nach Frankreich einer chemischen Analyse unterzogen worden Dis jetzt habe man noch nichts entdecken fönnen.
Weitere Eiscnbahnunfätle.
Köln 23. April. (Dolft.) Am 20. Aprik gegen 9 Tlhr vormittags fuhr Der v- Zug Essen — Paris auf einen vor Dem Bahnhof


