Ausgabe 
24.3.1923
 
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Ur. 7j Zweiter Blatt siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Samstag, 24. März 1923

Deutscher Reichstag.

325. Sitzung, vormittags 11 llfjr.

Berlin, 23. März 1923.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Be­ratung des Gesetzentwurfes zur Erhaltung leistungsfähiger Krankenkassen.

Abg. Streiter (D. Vpt.) berichtete über die Verhandlungen des 6. Ausschusses. Die Frage der freien Aerztewahl sei zurückgestellt worden. Die Festsetzung der Lohngrenzen habe man dem Arbeitsministerium überlassen. Eine Rovelle zum Krankenkassengeseh dürfte dem Reichstag bald nach Ostern zugehen. Der Aus» fchust habe sich auch mit den Vertretern von Krankenkassen aller Art ins Benehmen gesetzt.

ReichSartettsminister Dr. Brauns: Bon dem Mistverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben werden besonders die allgemeinen Ortskranlenlassen und die Landkrankenkassen be­troffen, besonders, weil sie eine Mehrzahl von niedrig Gelohnten und eine Mehrzahl weiblicher Mitglieder führen, welch letztere besonders durch die Wochenhilfe ungeheure Kosten verursachen. Hier wird die Vorlage bessernd eingreisen. Die Dersicherungsgr^enze wird für diese Angestellten mit den Lohn- und Gehaltstarifen in Einklang gebracht werden. Die Gesetzgebung und die Kran­kenkassen haben das ihrige getan. Die Kranken­kassen selbst und auch die Aerzte müssen nun Sparsamkeit und Selbstzucht üben. Ich hoffe auf einen dauernden Frieden mit den Kassenärzten und empfehle die Annahme der Vorlage.

Abg. Giebel (Soz ) lehnt die Ablösung der Sachleistungen durch Geld ab. Organisatorisch bleibe es beim Alten. Dre Acbeitgeberschaft habe kein Interesse an der fortwährenden Errichtung neuer Deiriebskrankenkassen. In dieser Beziehung bringe die Vorlage einen Fortschritt, indem sie die Reuerrichtung von der Zustimmung der Be­triebsräte abhängig macht. Die sozialdemokrati­schen Anträge seien im Ausschuh leider abgeleynt worden. 3m Interesse der Sache stelle die Partei aber ihre Wünsche zurück und werde für die Vor­lage stimmen.

Abg. Andr6 (Ztr.) will vor allem wertere Beschränkung des ungeheuren Angestelltenherres der Krankenkassen, die mit den Mitteln der Ge­setzgebung und Verordnung wohl durchzuführen Ware. Den Wöchnerinnen, die schon wieder ver­dienen, mühte nur das halbe Krankengeld verab­folgt werden. In Einzelfällen seien für eine Wöch­nerin bis zu 900 003 Mk. aufgebracht worden.

Abg. Lambach (Dtschntl): Seine Partei habe die gesamten Kosten der Wochenhilfe auf den Staat übernehmen wollen. Trotz aller Bedenken stimme sie nun der Verteilung der Kosten der­selben auf die Gemernlasten zu. Einer weiteren Ausdehnung der Gemeinwirtschaft könnte sie nicht zustimmen.

Abg. Thiel (D. Vp.): Die Verschwendung von Menschenmaterial in der Verwaltung der Krankenkassen darf so wie bisher nicht mehr weitergehen. Bei einer folgenden Novelle wird eine weitere Verbesserung zu erstreben sein. Die Ueternahme der Kosten bis zu einem gewissen Grade auf die Gemeinlast ist ein Sprung ins Dunkle. Einer etwa noch weitergehenden Ver­schmelzung aller Kassen würden wir wider­sprechen.

Abg. Frick (D.) tritt für die Erhaltung kleinerer Krankenkassen und von Detriebskranlea- kassen ein, sofern fie sich bewährt haben.

Abg. Schwarzer (Bayer. Vp.) hebt dem­gegenüber hervor, dah arohzügige Heilstätten, Sanatorien usw. erst durch das Bestehen grober Krankenkassen der breiten Masse nutzbar gemacht werden konnten.

Abg M a l t z a h n (K) behauptet, dah die Ausschuhkompromisse nur durch politische Rück­sichten zustande g.-kommen seien.

Abg. Weg mann (6.) hält die Ausschuh- beschlüsse für sehr schlechte Rotmahnahmen.

Die eiiy,einen Bestimmungen der Vorlage wer­den sodann in 2. und 3. Lesung angenommen, die namentliche Abstimmung findet später statt. Angenommen wird ferner eine Entschliehung, die einen Gesetzentwurf fordert, wonach die Ver- waltungskos'en für die Wvchenhilfe von den Krankenkasstn erseht werden sollen.

Es folgt hierauf der Haushalt des ReichS- ministeriums für Ernährung und Land­wirtschaft. Der Ausschuh beantragt hierzu eine Reihe von Entschliehungen. Er fordert ll a. die Ablehni- ng jeder Beteiligung des Reiches an der Getreide-Kredit-A.-G., ferner dieDerbilligung des Brotes für die minderbemittelte Bevölkerung, Beschaffung einer Drotgetreidereserve für 1923'24, Abstandnahme ron e ner we teren Getreide vr ajc- vorlage im Ernähiungsprvgramm, Versorgung des besetzten Gebietes mit Sämereien, PreiSermähigunz für N..3 letzte Sechstel des älnilagegetreides, aus- retch^...ve Versorgung mit Dünge- und Faller-

Unter dem Hreiheittbcmm.

Roman von Clara Diebin.

72. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Adami 'hatte nicht Zeit, auf seine Landjäger zu warten. Welch glücklicher Zufall, der ihm den Rosenblatt in den Weg geweht hatte! Es galt, den zu nützen. Dr stob durch Springiersbach Wo der Weg ftd> kreuzte, stand ein uraltes Heiligen­bill» Da girg's hinunter nach der Mosel da hinauf nach tem Kontel. Er bekreuzte sich flüchtig. Schon war »er Abend da.

Als er dem einsamen Häuschen zuritt, das, fern allen anderen Behausungen, w.e ein Schwal­bennest zusammengckleistert und dreck.g, an einem Rasenhang klebte, ging schon der Mond auf. Er war noch n'cht ganz herauf, sein Licht zitterte nrxf) im Streit mit Wollen und Daumen and machte alles wesenlos und ungreifbar. Ein un­heimlich dämmerndes Licht und eine ©timte, in der es nicht gut tut, wenn man ganz allein ist. Adami fühl'e das, er hätte do-ch vielleicht nicht so vvrausretten sollen. Im Hui fielen allerlei trübe Gedanken über ihn her. Gr dachte plötzlich auch an die einstige Braut. Wenn Susanne jetzt seine Frau wäre, würde er sich gewist nicht so rücksichtslos allem aussetzen, was nun kommen konnte. Gr gab sich keinen Illusionen darüber hin. Aber s" hatte er ja kein Glück zu verlieren.

Er Pfisl tem Hund, der eine Katze jagte: QKiro, hierstrr! Du bleibst bei mir, Miro. Pass auf!" Er füblte nach seiner Waffe.

Run wor er am Haus. Durch das einzige gensterchen, hinter dem trüber Lichtstrahl blinzle,

Mitteln und die Herabsetzung deS Zuckerpreises. Die Sozialisten beantvagen ferner Vergünstigun­gen für die Einfuhr von Gefrier- und Kühlfleisch, weitere Beibehaltung der ©etreiteumlage und Festsetzung derselben auf 4,5 Millionen Tonnen. Ein deutschnationaler Antrag verlangt Aufhebung der fächsischen Höchstpreisverordnung für Milch.

Abg. Jansen (D. Vp.) empfiehlt als Be­richterstatter die Annahme ter Ausschuhteschlüsse.

Abg. Schmidt- Köp. (S.) hält auch im kommenden Jahr eine Getreideumlage für un­bedingt notwendig. Den Landwirten müsse Ge­legenheit gegeben werden, durch Austausch von Stickstoff gegen Getreide sich in bequemer Weise in den Besitz billiger Düngemittel zu sehen. Der Zucker- und Milchpreis müsse herabgesetzt werden. Dor allem aber müsse für billigeres Drot Sorge getragen werten.

Abg. Pennemann (Ztr.) erinnert daran, dah die deutschen Landwirte 1 330 030 Kinder von ter Ruhr ausgenommen hätten. Die Landwirt­schaft werte das Vertrauen der Eltern rechtfer­tigen. Eine Wiederholung der Getreideumlage sei unmöglich. Mit Hilfe der landwirtschaftlichen Or­ganisationen werte eine ausreichende Drotgetreite- rcserve gesichert werten. Die im besetzten Gebiete lagernden groben Kleiemengen sollten den dorti­gen Landwirten zur Hebung der Milcherzeugung zugeführt werten.

Darauf wird die Deratung unterbrochen und die namentliche Abstimmung über den Gesetzent­wurf zur Erhaltung leistungsfähiger Krankenkassen vorgenommen. Das Gesetz wird mit 383 gegen 35 Stimmen (Kommunisten und einige Deutsch- nationale) bei zwei Stimmenthaltungen angenom­men.

In Fortsetzung der Aussprache über den Etat des Ernährungsministeriums betont 2T6g. Schiele (Dtschntl.), in den angelsächsischen Län­dern, wo ileterflub herrsche, bäte man durch einen dreifachen Friedenspreis ter Produkte die Anbau­fläche gesteigert. Dei uns, die wir notleiden, habe man das eine Rettungsmittel, die Steigerung ter heimischen Produktion. Die Regierung träte aus Furcht und aus politischen Kuhhandelsgrünten immer noch eine falsche Preispolitik. Die Zwangs­wirtschaft habe die Ernteergebnisse verringert. Wenn man den Landwirten nicht einmal die Ge­stehungskosten zubillige, müsse die rückläufige 'Be­legung eintreten. 'Beim ersten Drittel des Um- lagegetreiteS habe die Landwirtschaft einen Ver­lust von 400 Milliarden gehabt, beim dritten Sech­stel von 70 Milliarden usw. Das erste Dättel sei den Landwirten erst im Februar bezahlt worden. Da können die Landwirte nicht rechtzeitig bUlige Stickstoffs einfaufen.

Zur Frage der Getreideumlage ist inzwischen ein Antrag ter bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft eingegangen, in dem festgestellt wird, dah von einer weiteren Getreideumlage abgesehen werten müsse. Eine Reserve an Brotgetreide müsse unter Mitwirkung ter in Fraae kommenden Organi­sationen sichergestellt werten. Für Mintertemit- telte soll das Brot verbilligt werten. Die er­forderlichen Mittel sollen durch Belastung des Besitzes aufgebracht werten.

In einer Entschliehung Herbst (Dintl.) wird ebenfalls die Aushebung der Getreideumlage verlangt, sowie die Auflösung ter Reichsgetreite- stelle bis zum 1. Oktober d. I., ferner die Schaf­fung einer Drotreserve, die Verbilligung des Drotpreifes für Minderbemittelte. Die Kosten ter Drotverbilligung sollen durch Steuern aufgebracht werten, die den leistungsfähigen Devölkerangs- fchichten aufzuerlegen find.

Ein kvimnunistischer Antrag fordert Beibehal­tung der Brotgetreiteumlage und Erhöhung ihres Ertrages auf 4,5 Millionen Tonnen. Die Sozial- demokraten fordern die Aufbringung ter Mittel für die Brotverbilligung durch Zuschläge auf die Reichsvermögenssteuer.

ReichLernährungsminister Luther gibt einen Ueterblick über den Ernährungsstand des deut­schen Volkes. Der Fleischverbrauch ist von 52 Kilo­gramm auf den Kops der Bevölkerung der Vor­kriegszeit auf 26 Kilogramm gesunken, die Milch­erzeugung von 330 Liter auf 175 Liter. Wir haben die zulässige Grenze in ter Ernährungs­frage überschritten. Dazu kommt die mangelnde Kaufkraft, die uns verhindert, Lebensmittel aus dem Auslände in beschränktem Mähe einzuführen. Der Minister stellt fest, dah die Br Ölversorgung bis mitten in den Sommer hinein gesichert ist. Wegen ter Kartoffeln brauchen wir ebenfalls keine Sorge zu haben. Beim Fett besteht die Gefahr, dah wegen der mangelnden Kaufkraft die Vorräte zurückgehen. Zur Verbilligung ter Milch sind elf Millionen eingestellt. Die Reichs­regierung legt das gröhte Gewicht auf die Ver­billigung des Brotes. Chilisalpeter können wir wegen des hohen Preises nicht einführen. Dei terBrotfrage müssen drei Gesichtspunkte be­achtet werten: 1. Förderung ter Erzeugung, 2. Sicherung einer Reserve In der Hand ter Re-

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schaute er in die Stute. Er konnte nichts sehen. Otter er horte drin Stimmen.

In der Stute von Julie Dläsius lag das Hänneschen in Krämpfen. Die starren Augen in dem dicken Kopf blickten noch starrer zur Decke; der Heine Körper wurde hin und her geworfen, die Fühchen waren zum Leib hinaufgezvgen, die Händchen so fest zusammengeballt dah man sie nicht hätte aufmachen können, ohne sie zu zer­brechen.

Als Julie ihren Hannes angesch'eppt hatte, war es schon später Abend gewesen; da die fran­zösischen Reiter umherstreiften, hatten sie für Stunden versteckt im Dusch liegen müssen. Als sie endlich nach Haus gelangten, schlief ter Knabe ncch immer, schlief so fest, wie ihn die Julie beim Morgengrauen verlassen hatte.

Die Alle war sehr stolz:Esu hat han geschlof den ganzen Dag!" Dah sie ihm immer wieder and wieder sein Lutschteutelchen in Mohntee getunft hatte, das sagte sie nicht.

In ter Rächt wachte ter Vater auf von einem gellenden Schrei. Im nächsten Augenblick war er schon an ter Wiege. 11 nb nun wankte auch Zulle verschlafen heran. Krämpfe schleuderten das Kindchen fast aus dem Kissen. Sie stauten entsetzt.

.Dat fern eweil die Gicher," tröstete die Alte, ^die Han mein Könter als oft gehatt, die gehn vorüwer I"

Aber sie gingen nicht vorüber. Die Eltern standen dabei, von Schrecken ganz starr. Stunde auf Stunde verrann.

6t micht als die Zähn," tröstete wieder die Alte. Ater ihr fetter war es nicht geheuer, selbst

gicrung, 3. Verbilligung. Eine grobe Drotver- forgung muh auf jeden Fall gesichert sein. Die Regierung rechnet damit, dah sie zwei Millionen Tonnen aus dem Auslante einführen muh und dah anderthalb Millionen Tonnen aus tem In­laute aufgebracht werten können. Eine Viertel- Million will sie im freien Markte kaufen. Das übrige muh von ter Landwirtschaft, den Ge­nossenschaften und dem Handel aufgebracht wer­den. Sollte ein solches Abkommen nicht zustande kommen, so mühte trotz aller Bedenken dieser Teil wieder umgelegt werten. Hoffentlich wird es aber gelingen, zu einer Vereinbarung mit der Landwirtschaft zu kommen. Dann kann auch die Getreideumlage fallen. Dezüglich der Verbilli­gung steht die Regierung auf temBoten des Antrages der bürgerlichen Mittelparteien. Die Frage ter Kredithilfe für die Landwirtschaft wird geprüft. Wird das Ziel ter freien Ge­treidewirtschaft für die Landwirtschaft erreicht, dann wird und muh diese auch ihr Versprechen einlösen, dah bei einer freien Wirtschaft das deutsche Volk besser zu ernähren ist. (Beifall.)

Um 71/2 Uhr abends schlägt Präsident Löbe Vertagung vor, während Abg. Schulz- Brom- terg (Dntl.) Weiterbecatung wünscht, damit das Haus noch heute in i>ie Ferien gehen kann. Bor der Abstimmung verlassen die Sozialdemokraten den Saal, um das Haus teschluhunfähig z 1 mach-en. Der Präsident stellt die Deschluhunfahig- (eit fest, beruft ater, um noch eine Verständigung der Parteien zu ermöglichen, eine neue Sitzung für zehn Minuten später an. Schluh 1/28 Uyr.

*

(Aben d s i h u n g.)

In ter neuen Sitzung protestierte Abg. Schulz- Dromberg (Dntl.) gegen die Feststellung ter Beschlustunfähigkeit des Hauses durch das 'Bureau. Dei ter Anzweiflung sei das Haus noch beschluhsähig gewesen. Die Feststellung des Dureaus sei verzögert worden, weil zwei Schrift­führer, Schmidt- Sachsen und Frau Agnes (Soz.) auf die Frage des Präsidenten die Ant­wort verweigert hätten. Das sei unerhört und dagegen müsse eingeschritten werten. Die Frage sei im Aelteslenrat behandelt worden.

Abg. von Guerard (Ztr.) gibt die Er­klärung ab, dah die bürgerlichen Parteien bereit seien, am Samstag noch zu verhandeln.

Rach Erledigung einer kleinen Vorlage ver­tagt sich das Haus auf Samstag vormittag 9 Uhr. Schluh nach 8 Uhr.

Die Biebertalbahn.

In den Gemeinten des Diebertales herrscht schon seit längerer Zeit eine tiefgehende Mist- fttmmung über die Personenbeförderung auf der Diebertalbahn. Richtete sich die Unzufriedenheit bis in die ersten Wochen dieses Jahres hinein gegen die Unzulänglichkeiten in ter Fahrzeit ter Züge und gegen den Ausfall ter Sonntagszüge, so erhöhte sich die Opposition gegen Ente Januar in sehr starker Weise, als bekannt wurde, dah die Diebertalbahn ihren ohnehin schon kümmerlichen Werktagsfahrplan noch Wetter, auf nur zwei Zugpaare am Tage, einzuschränken be­absichtige. Diele Deschränkung trat tatsächlich am 1. Februar in Straft Justiz rat Grünewald- G leben und (Bürgern»elfter Dender-Rrchheim haben daraufhin imSiebener Anzeiger" die Verkehrpolitik ter Biebertalbahnverwaltung einer eingehenden und sehr abfälligen Äritlf unter­zogen. Die (Siebener Handelskammer und ter Siebener Detaillisten-Deretn haben sich gleich­falls mit Entschiedenhett gegen die Dahn ge­wandt. Steiner ter sachlich gut begründeten Proteste hatte bisher Erfolg. Run hat sich auch die (Siebener Stadtverwaltung ter Sache ter Be­schwerdeführer mit Rachd.-uck angenommen, und da unsere Stadt hier ein sehr gewichtiges Wort in die Erörterung zu werfen hat, darf wohl erwartet teerten, dab die Klagen gegen die Diebertalbahn von ter Bahnverwaltung jetzt etwas ernstlicher beachtet werten.

Es geht bei diesem Kampfe bekanntlich um die Einhaltung des den allerdringendsten Er- forterniffen gerecht wertenden Fahrplans. Wer den Streit objektiv betrachtet, tobt?) zu ier Aul­fassung kommen, dab die Anlieaergemeinden ter Dahn bei ter Wahrnehmung ihrer 'Belange die Unterstützung aller Behörden und ter breitesten Oeffentlichkett verdienen. Es kann nicht dem ge­ringsten Zweifel unterliegen, dab die Dahnver- toaltung ihre vertraglichen Verpflichtungen, die sie bei ter Inanspruchnahme des Geländes zum Dahn bau eingegangen ist, und ferner mabgebente Anordnungen einer Denstau.sichtsbehörte in krasser Weise mibachtet hat. Sie hatte sich femer- jeit auf eine bestimmte Mintestzugtesorterang an jedem Tag als Gegenleistung für die kosten­lose Ueberlaffung des BahngelänteS festgelegt. Die jetzt gefahrenen Züge bleiben aber weit hinter

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ihrer Gleichgültigkeit hämmerte etwas. Das Kind tourte ganz blau.

»Hältst du et nit allein gelassen, toär et eweil nit eso krank," stöhnte Bückler vorwurfsvoll. Warum biste mir auch nachgerannt? Er hob die Faust gegen Julie.

Weil du keine andre bei dir haben sollst, tocil ich allein zu dir gehör, ich, immer und ewiglich!" Sie sah ihn starr-trotzig an.

Da liest er die Faust sinken. Sie hatte recht, beite gehörten zusammen, dies war ihrer beiter Kind. Und er hielt ihr die Hand hin:Sei mir nit böö!

Als ter Tag weiter vorschritt unt» keine Besse­rung eintrat, verlangte Julie nach einem Doktor. Aber fie trauten sich nicht, einen zu holen; ter könnte sie ja erkennen. Julie jammerte laut; nun fie sich mit tem Hannes ausgeföhnt hatte, er­wachte auch toicter ihr Gefühl für das Ha Mies­chen. Sie gab sich gar nicht zufrieden.En Dokter, en Dc kter, wenn mir doch nur en Dokter hätten I"

Da, m der höchsten Rot, fiel dem Hannes ter Krinkhofer ein. Alles was wahr war, ter kurierte gut, ter tat mehr Wunder als ein gelernter Doktor! Er machte sich auf nach Krinkhof.

Der Weg war weit, er rannte durch den Kontel, ter Schweiß, lief ihm in Strömen. Wenn er den Krinkhofer nur zu Hause antraf! Wäre es noch wie vordem gewesen, so hätte er leicht einen von ter Bande nach Krinkhof hinaus schicken können und selber beim Mieschen hieben. Aber wo waren die alle hin? Wie in die Winde zer­stoben. Er runzelte noch besorgter sein heute ohnehin kümmerliches Gesicht: Der schwarze Peter und Ätis-Iakc-b scheuen verloren. DackenbaN- Toni und Placken-Klas hatten sich auch noch nicht

dieser Mintestz'iffer zurück. Die Bahn ist weiter durch eine Anordnung ter Aufsicht» behörte ver­pflichtet, jede Zahrplan-Aenterui^ von ter Zusttmmung ter Gemeinten abhängig zu machen. Dis auf ^Inen Fall, in tem die Daanverwaltung die Stadt Gieben um ihr Einverstä>«bnis gebeten und es auch für diesen Fall als oorübergebenb erhalten hatte, ist fie, wie man utd versicherte, ter behördlichen Anordnung in keine. Weise nach­gekommen ; insbesondere hat fie dik jüngste sehr einschneidende Deschränkung des Fahrplans voll­ständig auf eiaene Faust vorgenomn en. Das Un­recht ter Dahn liegt also klar zu-age, und fie selbst wird sich dessen auch tewubi fein.

Die Dahnverwaltung begrünter die Drosse­lung des Perfonenzugverkehrs mit Kohlenmangel und mit Unrentierlichkeit ter Personenbeförde­rung. Wenn auch zuzugeben ist, das» die Kohlen- verforgung in dieser Zeit auf grolwe Schwie ttg- feiten stöbt, so darf daraus aber nicht geschlossen werten, test die Dahnverwaltung einen Freispruch von Schuld beanspruchen kann. S-e hätte sich, wie so viele andere Unternehmungen auch eben rechtzeitig mit Kohle einteefen müss«n. Wenn sie unmittelbar nach tem feindlichen Einbruch in das Ruhrgebiet, als die gesamte Koilenförteiung ter Rührrechen nach tem unbelebten Gebiet rollte, deutsche Kohle nicht erlangen konnte was die Dahn erst noch bettelten mühteI so hätte fie sich damals schon auf den Bezug englischer Kohle,» einstellen müssen. Seit jener Zeit ist die englische Kohlenförderung in steigendem Mabe ter deut­schen Wirtschaft nutzbar gemacht worden. Ruür- lich konnte damit ter Ausfall der Ruhrkohle nicht ganz wettgemacht werten, aber immerhin wurde es doch ermöglicht, toenigflens den dringendsten Bedürfnissen Genüge zu leisten. Ql ter auch bei dieser Gelegenheit ist die Diebertalbahn wieder im Rückstand geblieben, denn ihr Kohlenvorrat ist nach glaubwürdigen Delundungen auch jetzt noch überaus ärmlich Ganz offensichtlich hat die Dahn bis heute noch nicht an ten Dezug englischer Kohlen gedacht, und obendrein btt sie dieser Tage einem Industriewerk des Dirtertals, das ihr einen Waggon englischer Kohlen zur Beste-- nmg ter Betriebs Verhältnisse anbot, einen ab­lehnenden Bescheid gegeben, weil diese Kohlen (ter Zentner zirka 18 000 Marl) zu teuer seien. Angesichts dieser Sachlage must man mit den An l leger gemeinten die bedauerliche Tatsache feflftellen, dah die B.ebertalbaim aus eigener Schuld der Bahngesellschaft unter Kohlen­mangel leitet. Geht man zur Betrachtung der Wirtschaftlichkeit des Dahnun vernehmens über, so ist zunächst daran zu erinnern, dah dir Dahnver­waltung ter von tem Bürgermeister Bender- Rodheim in Rr. 39 desGiest. Anz." aufgestelllen Rentabilitätsberechnung über den Betrieb ter Diebertalbahn, in ter an Hand von gutem Ma terial bargelegt wurde, da st die Dahn allein an dem Güterverkehr im Januar dS. Is einen Rein­gewinn von 12 Millionen Mark erzielte, bis heute noch nicht widersprochen hat. Dieses Schweinen ter Dahn darf man wohl als Anerkennung ter Richtigkeit jener Berechnung deuten. Weiter ist darauf hinzu weisen, da st die Olltien ter Bahn­unternehmerin, ter Deutschen Kleinbahngesell­schaft, heute noch an derBerliner Börse trotz der Baisse nut 12 250 (amtlicheRotterang vom 21. März) notiert werten. Gin Unternehmen, dessen Aktienpapier in schwieriger Zett noch so gut bewertet wird, kann nicht als notleitend angesehen werten. Die Dahnverwaltung steht aus tem Standpunkt, die Personenbeförderung sei nicht rentierlich, nur ter Güterverkehr bringe ihr den Gewinn, also mülle ter Personenverkehr als un­rentabel gerasselt werten. Justiziar Grüne­wald hat in Rr. 35 des »Giest Olnz." diesen Standpunkt der Dahn mit Recht als total abwegig bezeichnet. Es kommt in ter Tat nicht auf das Ergebnis eines einzelnen Tetri.bszo«eiges, fentern lediglich auf ten Ertrag des Gesam lunternehmens an. Dieser ist ater bei ter Diebrtalbahn noch immer so gut, test die Bahn ihren Verpflichtungen gegenüber den Denragskontrahent<n nachlommen kann und auch entsprechen must. Die Dahn kann sich nicht, wie irgend ein anderes Privatwirtschaft- liches Unternehmen, auf den rein privatkapi­talistischen Standpunkt stellen, so» dem sie must bedenken, test sie als ein ter Oeffem lichkeit dienen­des Derlehrsunternehmen zu einem sehr wesent­lichen Teil durch die. HUse ter Olllg-meinheit ent­standen ist und infolgedessen auch Ps lichten gegen­über ter Allgemeinheit zu erfüllen hat. Uebrigens gibt ter Standpunkt der Diebertalbahnverwaltung gegenüber tem Personenverkehr 21 »last, die Sache auch mal von einem anderen Gesichtspunkt zu be­trachten. Die Diebertalbah-i berechnet jetzt die einfache Fahrt von Dieter ober Rodheim nach Giesten mit 360 Mark. Die Dahnentfernung vrn Dieter nach Giesten beträgt 7Vs Kilometer. Für die gleiche Entfernung oerechnet dagegen die Reichsbahn auf ihren Strecken 160 Mark in ter vierten, 200 Mark in der dritten Klasse. Diese

wieder gemeldet; schliefen die noch Immer oben in Edinger feinem Haus? An den anderen Diü- tem c3 waren ihrer über dreistig lag ihm nicht halb fcviel; die waren nur aus Gewohnheit beim Handwerk und stumpf, bei denen kam nicht die rechte Lust dran hinzu.

Wo ter Bursche Iean-Claute geblieben war, cb ter sich mit dem Toni und tem Dlacken-Klas glücklich verzogen hatte, daran dachte er nicht. Sem ganzer Sinn war bei tem Kinde geblieben. Wie rnocyte es jetzt tem Hänneschen gehen? Er würde seinen Knaben doch noch lebendig wieter- finten? Jesus, Hans Dast inustte mit ihm kom­men, Hans Dast mustte helfen! Und wenn er feine Seele tem Teufel verschreiben sollte.

Wie ein Besessener rannte ter geängstigte Vater. Jetzt war er auf Kaisers herberg. Ver­schnaufend sah er sich einen Augenblick am. Sommer tage fielen ihm ein. laue Rächte, von Glühwürmchen durchfunkelt, in denen sie hier sich gelagert hatten. Da war alles so gut gegangen. Schön war'S hier gewesen. Hei es blitzte in seinen Augen auf, wenn's erst wieder sowett war! Dann sollte das Mosellcmb erst recht ein­mal staunen, die ganze Wclt. Dann war ter Hannes ihr König! Er lachte laut auf. 21 ter bann verfinsterte sich sein erheitertet Gesicht rasch wie- ter: Roch war es lange bis dahin.

Je froher er nach Krinkhof hinauf kam, desto weniger war vom Frühling zu merken; tot lag noch ter Waldboten, die Buchen zeigten kein Leben, finstergrün nur cajten die Tannen. Die Eifel vor ihm lag noch fest im Schlaf. Duckelauf, buckelab, durch Schluchten, über Höhen. Die Schmiede auf tem höchsten Buckel lag winde- umweht. Er stürmte sie eilig. (Forts, folgt)