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115. Jahrgang
Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.Bei Platz. Vorschrift20' Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. ®oep; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Biehen.
Nr. 9$
Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertag», mit derSamstagsbeilage: BießenerFamilienblätter Monotlichevezuorpreif«: 3400 Mark und2OOMark Trägerlohn,durch diePost 36O0Mark,auch beiNicht« erscheinen einzelner Nurn, mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrift. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Eieheu.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Erweiternngen des Einbruchs flebictes.
— Limburg a. d. L., 22. April. 3n Dauborn, Werschau und Nauheim wurde Samstag mittag den Bürgermeistern von französischen Offizieren erklärt, daß^ mc Orte nunmehr zmmdesetztenGebiet zu rechnen seien. Die drei Gemeinden liegen zwei bis drei Kilometer südöstlich der Bahnlinie Limburg—Samberg, östlich des Flaschenhalses und gehören völlig zum unbesetzten Gebiet.
Der Mülheimer Aufruhr.
OE ün ft er, 21. April. (Wolff.) 3n Mülheim ist der gestrige Tag und der Abend im allgemeinen ruhig verlaufen. Eme Anzahl weiterer Verhaftungen ist vorgenvmmen worden. L.,
Es bestättgt sich, das) in einer Wirtschaft der Besitzer bei einer Zahlungsforderung von den Aufständischen e r m o r d e t und der Sohn eines Mülheimer Stadwervrdneten so s ch w e r verletzt worden ist, das) er starb.
Die gestern gemeldete Besetzung der Zechen „Julia" und „von der Hehdt" bei S-yerne durch die Franzosen bestätigt sich nicht.
Duisburg, 21. April. (Wolff.) Wie der Sonderberichterstatter der „Niederrheini- schen Nachrichten" aus Mülheim (Ruhr) meldet, sollen die Kommunisten im Laufe der gesttigen Kämpfe etwa sechs bis ach t Tote und eine große Anzahl Schwerverletz-
Eine Rede Loucheurs.
Paris, 21. April. (WTB.) Der ehemalige französische Wiederaufbauminister L v u ch e u r hielt heute bei einem Frühstück des Derbanders der französischen Industriellen und Kaufleute eine Rede über die allgemeine Wirtschaftslage, in derer die Politik Englands, Deutschlands und Frankreichs einer vergleichenden Prüfung unterzog. England, erklärte er, habe dadurch, daß es die Wiederaufrichtung seiner Finanzen vollzogen, um das Pfund Sterling auf Pari zu erheben, etwas Wunderbares durchgeführt. Es habe aber einen großen Fehler gemacht; denn England habe eine schwere Arbeitslosigkeit durchgemacht, und die Lebenshaltung habe sich stark rxrteuert. 3m Jahre 1919 habe England es abgelehnh sich an einer wirtschaftlichen Wiederherstellung der Welt gemeinsam mit Frankreich zu beteckigen. Deutschland seinerseits habe geglaubt, seine Zahlungsfähigkeit herabzumindern, indem es seine Wahrung entwertete. Durch diese Pflück der ständigen Zahlungsverweigerung hgbe Deutschland sich ruiniert. Es werde gezwungen sein, in oller Kürze fernen Bankrott zu erklären, der vor allem seinen Mittelstark empfindlich treffen werde. Frankreich habe sich zwischen den beiden Extremen gehalten. Seit drei Zahr«i sei sem Notenumlauf in gleicher Höhe ®le
Preisschwankungen seien nicht durch schwankungen, sondern durch andere wirtschaftllche Erscheinungen verursacht worden. Der entscheidende Punkt, was die Rückkehr zu em«n normalen Zustand anlange, liege im Wechselkurs. Die Wechselkursfrage sei abhängig von der m ausländischen Händen befindlichen schwebenden Schuld. Die Wechselkursfrage habe aber arch noch eine zweite Seite: die politische. So habe der Einmarsch in das Ruhrgebiet erne gewisse Hausse hervorgerufen, ohne daß die französische Wirtschaftslage sich geändert hatte. Aber es sei sicher, daß in einem sehr nahe bevorstehenden Zeitpunkt, wenn die Situation mit dem fron
tet gehabt haben.
Zn D a t t e I n sammelte sich vor dem Rathaus ebenfalls eine große Anzahl Arbeitsloser, die Unterstützung verlangten. Da die Polizei von der französischen Militärbehörde aufgelöst wurde, hatte sich die Feuerwehr zum Schutze des Rathauses eingefunden. Auch m Vohwinkel kam es zu Demonstrationen der Arbeitslosen.
Ausqewiesen.
-- Höchst a. M., 22. April. Der Che- miker und Stadtverordnete Dr. Beil, Führer der Deutschen Bvlkspartei und 'Direktor der Höchster Farbwerke, und Oberstadtsekretär Lorenz wurden von der Besatzungsöehörde ausgewiesen.
Der für Hochöfen unbrauchbare Koks.
Paris, 23. April. (WTB.) Der Berliner Dertteter des „Matin" will aus absolut sicherer Quelle erfahren haben, daß der K v k s, der sich auf den Halden des Ruhrgebietes befindet, durch ein chemisches Produkt für Hochöfen unverwendbar gemacht worden sei. Man könne ihn 'höchstens als Hausbrand verwenden.
Deutsche Kinder in der Schweiz.
Bern, 21. April. (Wolff.) Am Freitag trafen 7 50 Ferienkinder aus Deutsch-- land, hauptsächlich aus dem Ruhr gebiet, in Bern ein, wo sie auf die von den Pflegeeltern der Stadt Bern, im i Mittelland, im Emmental und im Oberland zur Verfügung gestellten Ferienplätze verteilt wurden.
Der Arbeitswille Deutschlands.
Neu York, 19. April. (Wolfs.) Durch Funkspruch. Der bekannte Finanzmann Schwab sagte in einer Rede vor der briti- schen Handelskammer:
England und Amerika sind die Werkstätten der Welt. Sie müssen auch die Verfrachter der Welt sein. Die deutsche Leistungsfähigkeit ist auf viele Jahre hinaus zerstört, aber wir müssen uns vor Augen halten, daß schließlich in den Leiden, die die Deutschen jetzt ourchmachen, die erprobte deutsche Arbeitskraft eine wichtige RvlIe m der 3ndustrie der Welt spielen wird. Wir müssen uns dies vergegenwärtigen, weil wir eines Tages damit zu rechnen haben werden, und wir müssen uns auch die Tatsache ver- gegenwärttgen, daß, obwohl Dir den flrpfoen Krieg gewonnen haben, Deutschland durch seinen tatkräftigen Arbeitswillen die wirklichen Vorteile des Krieges ernten wird.
toerm es fortgesetzt die augenfälligsten Ereignisse < fälscht, daß es die Geister verwirren werde. Dar- i auf kann es nicht rechnen. ____
Poincar6 sagte weiter, der deutsche Außenminister habe behauptet, man sei ohne er istckche Lllsache ins Ruhrgebiet einmarschiert unb hätte im Zanuar ein Angebot von 30 Milliarden an ite Ge- samtheit der Alliierten zui-ückgewiesen. Dieses Angebot sei nachträglich erfunden und niemals erfolgt. Wenn man beutetie Ziffer von 30 Milliarden ausspreche so geschehe das zweifelsohne, um den deutschen Sozialdemokraten zu gefallen, die diese Zahl inzwischen genannt hätten. Aber selbst, wenn man zugeven wollte, daß Rosenberg die Wahrheit sagte, wurde sich daraus ergeben, daß, nachdem Deutschland sich im Mai 1921 formell als Schuldnerin von 132 Milliarden Goldmark bekannt und dadurch erzielte daß das Ruhrgebiet nicht besetzt werde, es nunmehr im Zanuar 1923 den Alliierten weniger als ein Viertel der versprochenen Summe anbiete, damit ihm ein Moiatormm von drei oder vier Zähren ohne Pfand und Garantien bewil- ligt würde. Wie hätte man übrigens Vertrauen haben können zu der Verpflichtung im Zähre 1923, nachdem die Verpflichtung des Zahres 1921 verletzt worden sei? Am 17. Zanuar sei das Gesetz, das der S ch u tz p o l i z e i ein ähnliches Statut wie dem Rcichsheer .gebe, erlassen worden, um die Staatspolizei zu verallgemeinern und den Austausch mit der Reichswehr möglich zu machm. Arn Tage, an dem Rosenberg im Reichstag gesprochen habe, hätten sich alle alliierten Regierungen nach verschiedenen mißlungenen Versuchen entschloßen, die Auflösung des militärischen Kaders der Schutzpolizei zu verlangen, um aus der Polizei ein Personal von Angestellten und kein militärisches Personal zu machen. Man brauche sich also nicht zu wundem, daß man im Ruhrgebiet unter dem ttn- gerischen Namen „Schutzpolizei" wahrtzaf e ^rup- penglieder, für den Kampf organisiert, vorgefun- den habe. Dort habe man sie aufgelöst und ausgewiesen. Da aber, wo Frankreich nicht sei, würden sie noch beibehalten und bedeuteten eine Herausforderung nicht nur der Ruhe der Alliierten, sondern der Ruhe der ganzen Welt. Trotzdem gebe es großmütige Seelen, die Frankreich anrieten, Deutschland mit Nachsicht zu behandeln. Das Deutsche Reich selbst erkläre, daß ohne eine Verständigung zwischen ihm und Frankreich der Wiederaufbau Europas unmöglich bleibe. Hmg es von uns ab, daß normale Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland nach Tlitterzeichnung des Friedensvertrages von Versailles wieder ausgenommen würden? Als Fvaukreichl871 die deutsch Besetzung über sich ergehen lassen mußte, hat sich Thiers nicht nur bemüht, so rasch als möglich alle Klauseln des Vertrages von Frankfurt zu erfüllen, 1 er hat auch gegenüüber dem Fürsteir Bismarck, dem
Grafen Arnim und dem General von Manteuffel ' die Höflich keil s beweise verdoppelt. Wie ‘ hat Bismarck auf diese wiederholten Beweise der ' Höflichkeit geantwortet? Deutschland habe leinen ' anderen Gedanken gehabt, als uns fortgesetzt das
Gewicht unserer Niederlage fühlen zu lassen. Bis- mara als getreuer Dolmetsch seines Landes habe Manteuffel als zu wohlwollend gefunden und ihm vorgeworfen, daß er Frankreich nicht genug demütige. Frankreich fei weit davon entfernt, heute diese unverschämten Manieren (?) nachzuahmen. Seit dem Frieden habe es nicht aufgehört, Beweise von Geduld und Langmut zu geben. Wie könne mau also von einer Entente sprechen, wenn man damit beginne, die Ableugnungen der Vertrage und die Derleubnung der gegebenen Nntecschrift- ten in der Praxis zu betreiben? Die wesentliche Bedingung einer Annäherung ruht in den beiden Worten, immer denselben: Reparationen und Sicherheit!
Die deutschen Folgerungen aus Lord Curzons Rede.
Berlin, 22. April. (WTB.) Wie wir hören, betrachtet die Reichsregierung die Rede Lord Curzons als eine wichtige politische Tatsache, die die bisherige Situation nichtunwesentlichbeeinflussen könnte. Die Reichsregierung ist in Erwägungen darüber erngetreten, welche Folgerungen sich hieraus ergeben.
Erklärungen Stresemanns.
Berlin, 22. April. Auf einer von der Deutschen Volkspartei veranstalteten Kundgebung hiell Abg. Dr. Stresemann eine Rede, in der er u. a. ausftchrte: D re Rede Lord Curzons in eng i che ' O erbau e schaffe eine neue politische Sachlage, die auch von der deutschen Regierung entsprechend gewertet wird. Wir ernennen mit Genugtuung an, daß Curzon anders
von Deutschland spricht, als wir „gewohnt sind, es aus französischem Munde zu hören. Was die Idee Curzons anbetrifft, dem Völkerbund einen bestimmenden Einfluß auf die Verwaltung der Rheinlande zu geben, so muß demgegenüber noch einmal sestgestellt werden: Lieber die Sraqe der deutschen Reparationsanleihe wird man ilch mit Deutschland verständigen tonnen, Unter Lsoen und (Sterben hängt nicht davon ab, ob wir eine Gold- milliarde mehr oder weniger zahlen. Davon aber, daß Rhein und Ruhr deutsch bleiben, hangt unser Leben und Sterben ab. Heber Höhe und Modalte täten der deutschen Zahlungen wird man sich mi' Deutschland verständigen, aber über ein Au>- geben der deutschen Rheinlande gibt es für uns kerne Verständigung.
Der „Temps" gegen Lord Curzon.
Paris, 22. April. (WTB.) Der „Temps" schreibt u. a.: Talleyran d berichtete m einem Briefe an Ludwig XVIII. während des Wiener Kongresses Aeußerilngen von Lord Castle« reagh: Die Art und Weise, wie der Lord Frankreichs Kräfte einschätzte, liehen erkennen, daß er Frankreich am meisten fürchtete. Er habe getagt, Frankreich habe 25 Millionen Menschen. Wir rechnen sie aber 40 Millionen gleich Einmal habe er erklärt: Za, wenn ihr keine Aussicht auf das linke Rheinufer hättet. 51 Zähre spa n, nach dem Sieg von Sadowa habe der franzosilche Botschafter in London berichtet, Lord Stanley habe naiv zugestanden, daß unter zehn Parlamentariern sieben heute der preußische Poa.ik qünfttg gesinnt seien. Der „Temps schließt daraus, daß die britische Regiermng 1815 Preußen behilflich war, sich am linken Rheinufer festzu- setzcn und daß es 1866 der DiSmarckschen Verein- heit ichung Deut chlands zustimmte. Vie leicht unbewußt habe Lord Curzon diese verknöcherte Politik übernommen.
Lord Grey über die DermMlungsfrage.
der er u. a. sagte: _ ...___ .
Deutschland sucht heute bve weit zurückliegenden unmittelbaren Ursachen der Katastrophe in die es die Welt gestürzt habe, vergessen zu machen. Wenn man es hört, sollen die Nationen, die sich verbündet haben, um seinem teuflich en Betz e r r s ch u n g s p l an (!) Widersttlnd zu leiswn^ einen Verleumdeten und Unfd>uB>igen t>ar sich gehabt haben. Deutschland bemüht sich b^er, nicht etwa durch Reue, sondern durch Lüge die Erinnerung an die Gewalttaten zu verwischen, die es im Laufe der Feindseligkeiten begangen habe. Wenn die Franzosen im Ruhrgebiet angegriffen werden und, um sich zu verteidigen, von der Waffe Gebrauch machen müssen, sofort entstellt die deutsche Propaganda die Tatsachen und schreibt persiderweise unseren truppen Attentate zu, die gegen sie begangen tourben. Man hofft offensichtlich, durch derartige gabeln Witter einem dichten Vorhang ba6 Dill» der ©reueltaten zu verbergen, deren sich Deutschland schuloig gemacht hat. Aber in diesem Teil des Maas- departements wissen wir, was sich ereignet hat. Wir erinnern uns der D r and st i ft u ng e n und Morde (!), der summarischen Hinrichtungen von Greisen, Frauen und Kindern. Da baß Deutsche Reich jetzt Mißbrauch nut der Leichtgläubigkeit gewisser Völker treibt, mir hier, um es zu demaskieren. Wenn ein Mitglied der deutschen Regierung den traurigen Mut (!) bat, die deutsche Bevölkerung als das unglückliche Opfer, wie er sich ausdrückt, des französischen Militarismus hinzustellen, dann genügt es, zu zeigen, was derartige Redensarten Lächerliches und Odioses an sich haben, wenn man daran erinnert, was dir Kommunen des Maasdeparte- nients in den Monaten August und Sept^nber 1914 ausgestanden haben. Als wir in baä Ruhrgebiet einmarschierten um bas Pfand für eme Forderung zu nehmen, deren sich Deutschlcuw entledigen wollte, erschienen wir nicht in feindseliger Absicht oder mit drohenden Gebärden. Wir hätten gewünscht, und wir sagten es, und an Ort und Stelle mit den Industriellen und Arbeitern zu verständigen, damit die Kohlengruben unter der Kontrolle der Alliierten zum Nutzen der Reparationen ausgebeutet werden könnten. 2lber die Order, die die deiZtsche Regierung aus- acaeben hat, ist überall der organisierte Widerstand und der systematische Streik der Beamten, die uns zwangen, der Operation einen ausgesprocheneren militäris che n Charakterzugeben, und Deutschland gegenüber eine Serie von Druckmitteln anzuwenden, um es zum Respekt des Friedensvertrages von Versailles und zur Ausführung der D«:pflichtinden, die es übernommen hat, zu zwingen. Am 14. Za- nuar verständigten uns die Industriellen des Ruhrgebietes davon, daß die deutsche Regierung sie aufgefordert habe, keine Reparationsk'hlen mehr zu liefern. Am 26. Zanuar stellte die lRepa- rationskommission, deren Machtbefugnisse Deutschland feierlichst anerkannt hat, zu Lasten des Reiches die allgemeine Verfehluiig aller letner Verpflichtungen fest. Wir waren also durch den Vertrag selbst berechtigt, alle Sanktionen zu ergreifen, die wir als notwendig erachteten, ohne daß die deutsche Regierung dies als feindselige Haltung auf fassen kann. Wenn Deutschland alle diese Wahrhriten angeblich nicht wissen will, dann | betrachtet es eben wieder einmal diplomatische
Atte als einen „Fetzen Papier". Es beleidigt die I Intelligenz anderer Nationen: es bildet sich ein (I).
London, 21. April.,(WTB.) Bei der Debatte hn Oberhause über die Reparationsfrage führte Lord Grey aus:
Er schließe sich keineswegs irgendwe.ch-n An- grifsen auf die Regierung an wen diese nicht vorzeitig interveniert habe. Welchen ^Sert würde wohl eine Intervention in einer so heillen Lage gehabt haben? Eine vorzeittge Interven- tion üätte nur zur D-r'-Prsung der Lage juh^n tonnen. Aber natürlich könne die Zeit kommen, wo. sie als diplomatische Aktton von d«- britischen Regierung bei der Lösung der Schwierig- leiten nützlich fern könne. Er (Grey) Curzons shmpathi chm Äußerungen über Frank- ttich und seinen Ausführungen über die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Entente am Wenn die Entente verschwinde, sei die Lage Europas hoffnungslos. Nur neue Verwirrung und Katastrophen könnten die Folge sein.
Grey fuhr fort, man wisse, wie schwer der Kampf sei, um den britischen Kredit aufrechtzuerhalten. Man wisse, daß die französische ftnan- zielle Lage noch schwieriger als die vritifche lei. Es sei äußerst wichtig, daß Frankreich Nepara- tionszahlungen von Deutschland erhalte. wenn seine verwüsteten Gebiete wiederhergestellt und seine ftnanziellen 2nteressen gesichert werden so- len Aber was geschehe im Augenblick? Fran k° reich leiste sich sehr hohe Zahlungen |ür die Besetzung des Ruhrgebietes und zur selben Zeit verliere es das Geld das es sonst von Deutschland erhalten würde. Deutschland leiste ebenso schwere Zahlungen: aber diese gingen nicht an Frankreich, sondern zur Unterstützung der Polftck des passiven Widerstandes ins Ruhrgeb^t und zum Ankauf von Produkten deren es.durch die französische Besetzung beraubt werd-, m andere Länder. Dies förderte die Reparationsftagu. nicht. Die Kardinaltatsache der Rerarattonsfrage sei vollkommen aus den Augen verlorsi Worten Tatsache sei, daß der Kredit Frankreichs und der D^'tschlands nur aufrechterhalten wer^n wnn^ wenn Frankreich Zahlungen von Deutschland.er halte: Deutschland könne diese Zahlungen nicht leisten bevor sein Kredit wieder Hergel teilt sei. Der Kampf, der zwischen beiden Lanbern im @angc fei - aut ber -im-n und pafftwr
Widerstand auf der anderen Sette, bn t a t a ftrobbal für beide Länder. bringe bic Reparationsfrage der Lösung nicht naher, denn er mach- es Deutschland unmöglich ein so gutes Angebot machen wie es vor der Besetzung hatte machen
zösischen Siege liauidiert werde, der Wechselkurs toieter auf das gleiche Niveau ^rucksinken werde wie vor der Besetzung des Ruhrgebiets. Die Zahlungsbilanz sei sür Frankreichaußerorden- lich günstig, namentlich infolge des Besuches zahl reicher Ausländer und der industriellen und wirtschaftlichen Lage des Landes. Die Frage, ob der Franken sich wieder auf seinen Vorkriegsw.rt erheben werde, will Loucheur nicht beantworten Eine derartige Entwicklung würde sehr ^rns.e Folgen haben, namentlich vom sozialen cotano- punkt. Die Anstrengungen des Landes mußten auf die Rückkehr zur gesunden Währung gerichtet sem. Die Hauplqualität einer Wirtschaft sei ihre Stabilität. Loucheur hat nach dem Havasbericht oar- getan, daß Deutschland, wenn durch seinen Bankrott seiner inneren Schulden ledig fet, 'Cl)r leicht 6—8 Milliarden Goldmark für die Zahlung seiner Schulden in sein Budget einstellen könne. Was Frankreich anbetreffe, so sichere das Gleichgewicht seiner Produktion seine Zukunft.
können Frankreich erhalte weniger Kohle von I Deutschland als es vor der Besetzung erhielt und es erhalte sie zu dem riesigen Preis der Be- | sahungskosten. , ,r,
Ze länger b efer Zustand dauere, um fo Id)ltm- mtr müsse die Lage für beide Länder tnerben. Es sei zu hoffen, daß beide zu der Einsicht kommen würden, daß Deutschland immer weniger zahlen und Frankreich immer weniger erhalten könne. Wenn dieses die wahre wirtschaftliche Seite der Lage sei, so wäre es sicher für Deutschland Der Mühe wert,»sobald wie möglich em Angebot zu machen und für die französische Regierung dieses Angebot entgegenzunehmen und ihm erne günftige Erwägung zu widmen. Wahrend der allerletzten Wochen sei die Lage in getolltem Sinne schlimmer geworden, aber in anderer -De- Siebung habe sie sich gebessert. Gr glaube es seien Anzeichen vorhanden, daß die französische und die be lg i sch - N e g i e- ru ng einzusehen beginnen, daß Die Ausübung eines gewaltsamen Druk- les auf Deutschland allein teme Loftin g herbeiführen werde. Er glaube, sic kämen immer ntehr zu der Einsicht, daß eine Losung gefunden werden müsse, nicht allein durch ihr Sondervorgehen im Ruhrgebiet, sondern durch eine Afticn in Gemeinschaft mit ihren Alliierten. In Dcutschland frage man, weshalb Frankreich so ängstlich wegen seiner Sicherheit sei und erkläre, Deutschland sei hilflos. Der Beweis feiner Hilflosigkeit fei durch die Vorgänge im Ruhrgebiet erbracht. Dies sei währ für den gegenwärtigen Augenblick, aber bei einem V o 1 k. das so tüchtig sei, wie das deutsche, fei Die Frage der Sicherheit im Verlaufe von 10 bis 20 Zähren eine sehr reale und sehr besorgniserregende Frage für Frankreich
Grey schloß, er glaube, daß die Ruyr- Politik Frankreichs keine Sicherheit für die Zukunft gebe. Sie sei vielmehr eine Saat für die Revanche.
Eine neue Hetzrede Poincar^s.
Paris, 22. April. (WTB.) Poincare hielt heute nachmittag in der Gemeinde Bold im Maasdepartement anläßlich der Enthüllung eines Kriegerdenkmals eine Rede, m
Montag, 23. April 1923
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