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Nr. 69

Erscheint täglich, außer Sonn« und Feiertags, mit derSamstagsbeikage: GießenerFamilienblätter Msnatlichevezugspreife: 2850Mark und 15OMark Trägerlohn,durch diePost OOOOMark.auchbeiNichl- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt - Fernsprech, Anschlüsse: für dieSchrift, leitung 112; für 93erleg und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: AnzriaerSirtzen.

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Erster Blatt J73. Zayrgang Donnerstag,

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General-Anzeiger für Gberhesten

vnttk nnv Verlag: yrühl'sche Universltäts-Ynch- und Sttinfrniderei R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: §ch«!stratze 7.

22. März 1925 Annahme von Anzeigen silr die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Berbindlichkeit.

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Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Geiselpolitik.

3r der Nacht zum vergangenen Sonntag wird am Hauptbahnhvf in Essen a. d. Ruhr ein französischer Posten erschossen. Niemand weih zunächst, wer der Täter ist. Die Fran­zosen, die ganz allein im Besitz des still- gelegten, menschenleeren Bahnhofs sind, neh­men natürlich an, daß nur ein Deutscher die Tat begangen haben könnte und verhaften eine Reihe hochgestellter deutscher Persönlichkei­ten, einen Reichstagsabgeordneten, einen Landgerichtspräsidenten und mehrere Dank- direktvren als Geiseln. Diese Geiseln wer­den in das Zuchthaus nach Werden gebracht und die gallonierten Albas an der Ruhr sind wahrscheinlich fest davon überzeugt, daß sie damit eine ebenso rechtliche wie praktische und notwendige Maßnahme getroffen haben. Es sind nicht die ersten Opfer der französischen Borsicht". Aus den verschiedensten Gründen werden seit acht Wochen im Ruhrgebiet deut­sche Einwohner und Bürger von der einge­drungenen Räuberarmee in Geiselhaft genom­men oder um Zahlungen zu erpressen oder endlich um angebliche deutsche Attentäter aus­findig zu machen. Nach welchem Recht ge­schieht dies? Denn da hier nur ein Ausfluß reiner Macht- und Rachegier vorliegt, wür­den sich die Minister in Paris und Brüssel scheuen, zuzugeben, wenn man sie auf diplo­matischem Wege oder parlamentarischem dar­nach fragen wollte. Also wo ist die Rechts­grundlage? Ein früheres Völkerrecht, das heute nicht mehr im Schwange ist, kannte die Stellung von Geiseln als Mittel, die Erfül­lung vertragsmäßiger, staatlicher Verpflich­tungen zu sichern. 3m Altertum wurden nach beendigtem Krieg die Söhne von Fürsten und andere Leute von Rang dem Sieger über­geben als menschliches Pfand dafür, daß der Friedensvertrag eingehallen werde. Aber wie human gegen die Sitten der Heutigen Gallier war jenes Geiselrecht! Die Geiseln waren Ehrengäste des Siegers. Sie durften sich frei auf dem fremden Gebiete bewegen. Sie ver­fielen dem Kriegsrecht nur, wenn ihre Volks­genossen den Frieden brachen.

Von jenem vornehmen Geiselrecht kann heute nicht mehr die Rede sein. Geiseln gibt es heute nur noch nach Kriegsrecht, und dieser Zustand, soweit er noch von ehrenhaften Kämpfern als Rechtszustand angesehen wird, ist geregelt durch die Haager Landkriegsvrd- nung von 1899. Danach gibt es völkerrechtlich Geiseln nur, wo Krieg herrscht. Die Geiseln . sind den Kriegsgefangenen gleichgestellt. Gei­seln von Rang müssen wie kriegsgefangene Offiziere behandel^ werden. Außerdem sind Geiseln nur zuinternieren", nicht wie Ver­brecher zu verhaften, nicht wie Strafgefangene einzusperren. Die von der feindlichen Propa­ganda im Kriege so vielverleumdete deutsche Heeresverwaltung hat sich an die Haager Landkriegsordnung gehalten, als sie den Brüs­seler Bürgermeister Max in der Festung Glatz in Ehrenhaft setzt. Was tteiben aber heute die uniformierten französischen Apgchen im Ruhr­gebiet? Herr Poincare bestreitet wahrschein­lich immeer noch, dgß er Deutschland mit einem neuen Krieg überzogen hat. Die Generale De- goutte, Craon und wie sie alle heißen, haben immer noch die offizielle, scheinbar so harm­lose Aufgabe, die französischen und belgischen Ingenieure bei deren vergeblichen Suchen nach Kohlen zu schützen. Die Armee aber, die bis an die Zähne bewaffnet, mit Bajonetten und Tanks bewaffnete Armee muß wiederum durch deutsche Geiseln geschützt werden? Das ist im Kriegszustand unter den genannten Voraus­setzungen völkerrechtlich gestattet, weil der Krieg vieles erlaubt, was im Frieden nach menschlicher Sitte verpönt ist. Aber da der Ueberfall eines friedlichen und wehrlosen Lan­des tatsächlich kein Kriegsrecht, sondern nur einen Unrechtszustand herstellt, ist die Geisel­politik der französischen und belgischen Trup­pen im Ruhrgebiet roheste Willkür und ge­meinste Quülsucht.

Man kann sie nur noch psychologisch erklä­ren. Die kleinlichen Quälereien, denen die deut­schen Feldgrauen während des Krieges in französischer und belgischer Gefangenschaft ausgesetzt waren, als da sind: Wegnahme der Kleidung und der Gebrauchsgegenstände, Ent­ziehung der Waschgelegenheit, Einsperren in gesundheitsschädliche Räume, Uebernachten- lassen unter freiem Himmel, Preisgabe allen Unbilden der Witterung, Vvrenthaltung der Mindestnahrungsmenge und Vernachlässigung der ärztlichen Behandlung, alle diese sadisti­schen Handlungen kehren imRuhrkrieg" wie­der. Man hat es ja erlebt, wie die ausgewie­senen Beamten bei Nacht und Kälte auf offe­ner Landsttaße ausgesetzt wurden, wie die Fa­milien dieser Märtyrer ihre Wohnungen Hals über Kopf verlassen mußten, wie verhaftete Deutsche den abscheulichsten Mißhandlungen unterworfen oder meuchlings erschossen wur­den. Und man erlebt jetzt die blutlüsterne und

rachesprühende Geiselpolittk einer Nation, zu der auch die belgischen Wallonen gehören und von der schon der Franzose Voltaire gesagt hat:Es gibt im Grunde keine grausamere Natur als die französische." Die Epigonen des Marquis de Sade zeigen sich in ihrer grauen­haften Entartung.

Eine neue deutsche Protestnote.

Berlin, 21. März. (WTD.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris hatte ter französischen Negierung am 25. Februar eine Note über­reicht, in der unter Anführung einiger besonders krasser Fälle gegen die an ter Bevölkerung des Ruhrgebietes verübten Gewalttätigkeiten der französischen Truppen protestiert wurde. Dabei hatte die deutsche Regierung sich ausdrück­lich Vorbehalten, auf Grund des von ihr fort­laufend gesammelten Materials für jedes be­gangene Unrecht volle Genugtuung zu fordern. Dor einigen Tagen hat nun der deutsche Geschäftsträger in Paris ter französischen Regierung in einer Note eine Sammlung weiterer Beispiele von Gewaltakten der französischen Trup­pen im Ruhrgebiet unter Protest übermittelt.

In der Note werden zunächst die Blut­taten in Essen, Hörde, Bochum. Gelsen- kir chen und Oberhausen angeführt. Er­mordet. wurden: Am 3. Mär; in Essen der Bahnwärter Franz H - r o l d, als er nach Be­setzung des Hauptbahnhofs aus seinem Wärter­häuschen noch einige Habseligkeiten zu retten ver­suchte; am gleichen Tage in Essen-Frohnhausen der Gerichtsbeamte Hermann Löwe, als er snne neben der Polizeiwachentür liegende Haustüre öffnen wollte; seine Ehefrau war vom Balkon ter Wohnung aus Zeuge der Bluttat. Zur gleichen Stunde wurde der Ingenieur Ewald Dirks in der Hermannstraße in Hörte von einem französi­schen Soldaten, anscheinend einem Unteroffizier, ohne jede Veranlassung durch einen Revolver­schuß schwer verletzt und starb am 5. März im Krankenhaus. Der Soldat entfloh nach ter Tat. In ter Nacht zum 4. März wurde ter Kaufmann Ludwig in Bochum auf der Herner Straße von einem französischen Soldaten durch einen Bajonett­stich getötet. Am 5. März wurde ter Bergmann Gr oote auf ter Zeche Westerholt in Gelsen­kirchen erschossen, als er über die Anschlußgleise der Zeche zur Arbeit gehen wollte. Am 12. März wurde der Polizeibetriebs-assistent Schneider in Buer durch einen Gewehrschuß schwer verletzt, ebenso der Kaufmann Oskar Greveloh in Kett­wig. Bei der Besetzung ter Eisenbahnhauptwerk­stätte in Mühlheim-Speldorf durch französische Truppen wurde der Arbeiter Wilhelm Hell­muth durch einen Bajonettstich im Rücken verletzt.

Die deutsche Note schildert dann weiter die Mißhandlungen, die an einer Reihe von Beamten der Schutzpolizei begangen wurden. U. a. wurde Polizeiuntcrwachtmeister Krock in Buer ohne Grund von französischen Soldaten verhaftet und mit einer Reitpeitsche und dem Gewehr­kolben mißhandelt. Als Krock völlig erschöpft auf dem Fußboden lag, traten ein französischer Posten und die anderen in dem Raume befindlichen Sol­daten dauernd mit den nägelbeschlagenen Schuhen auf ihn. Die ärztliche Untersuchung Krocks hat ergeben, daß sein ganzer Rücken eine blaue Fläche war. Die Haut war vielfach strienen- weise aufgerisfen. Man konnte deutlich etwa 36 blutunterlaufene, stark schmerzhafte Striemen sehen.

Die Note schildert dann die Räubereien französischer Heeresangehöriger in E s s e n, L ü d- aendortmund und Herne und die Sittlich­keitsverbrechen französischer Soldaten, darunter vor allem die Vergewaltigung emes Mädchens bei Essen-Dellwig durch 6 französische Soldaten, sowie die versuchten Sittlichkeitsvergehen französischer Offiziere an den Frauen ausgewiese­ner Schuhpolizeibeamter in Recklinghausen. Die Namen ter betroffenen Frauen sind bekannt, sol­len jedoch, wie es in der Note heißt, aus nahe­liegenden Grünten nicht preisgegeben werden. Ferner wird in ter Schilderung der Gewaltmaß­nahmen ter Franzosen in Bochum die M>ß Handlung von 15 Primanern ter Ober­realschule II, die Aufhebung der Stadtverordneten­versammlung und insbesondere die Plünderung ter Handelskammer und des Landratsamtes in Bochum bestätigt.

Zum Schluß geht die Note auf die Plün­derungen bei ter Besetzung von Bahn­höfen ein und stellt fest, daß die Fran-osen in Wanne, Bochum-Nobd, Essen-Fintrop und Ober­hausen ein wüstes Bild ter Zerstörung hinter­liehen. Auch die Diensträume der Bahnhöfe Essen (Hauptbahnhof) und Kray-Nord, die am 3. März beseht wurden, tourten vollständig ge­plündert. Bei den Unternehmungen gegen die Bahnhöfe Langendreer und Weitmar tourten bei den verschiedensten Dienststellen fast alle Schränke und Pulte erbrochen, durchwühlt uird beraubt.

Verhaftungen und Ausweisungen.

N i e d e r l a h n st e i n, 21. März. (WTD.) Hier sind heute drei Postbeamte und eine Postbeamtin von den Franzosen verhaftet und nach Wiesbaden gebracht worden.

rm. Darmstadt, 22. März. Der Vize­präsident des Landtags, Abgeordneter S o h e r r, ist heute früh aus Bingen aus- gewiesen und mit dem Auto nach Worms gebracht worden. Er hatte vor einiger Zeit sein Amt als Beigeordneter ter Stadt Bingen nieder­gelegt.

Ludwigshafen, 21. März. (WTD.) Der Vorstand des Postamtes Ludwigshafen, Oberver­walter Schmidt, ist gestern von den Franzosen verhaftet worden. DerPfälzischen Post" zu­folge steht seine Verhaftung im Zusammenhang mit ter Festnahme des Präsidenten der Oberpost­direktion Speyer.

Ludwigs Hafen, 22. März. (WTD.) Die Verhaftung des Abgeordneten Koerner, des Vorsche'nten der Sozialdemokratischen Partei in der Pfalz, wurde nach einer bei ihm von den Franzosen vorgenommenen Haussuchung ausge­führt. Auch bei dem Vorsitzenden der pfälzischen Gruppe der Deutschen Volkspartei, des in Mün­chen weilenden Abgeordneten Durger, wurde eine Haussuchung durchgeführt und verschiedene Schriftstücke beschlagnahmt. Außerdem wurden 15 junge Leute unter dem Verdacht, einer Offiziers- Vereinigung anzugehören, festgenommen, desglei­chen mehrere Polizei- und Feuerwehroffiziere. Schließlich tourten auch ter Staatsanwalt am Landgericht Frankenthal, I u n g, uYib der dortige GesängnisverWalter von den Franzosen verhaftet. Beide wurden nach Mainz abtransportiert.

Speyer, 21. März. (Wolff.) Der Präsi­dent ter Oberpostdirektion für die Pfalz, Fein- eis, ist gestern von den Franzosen verhaftet und nach Landau abtransportiert worden. Di.e Verhaftung crf'lgtc, weil Hemeis die Den>rd- nung 12 ter Rheinlandkommission, die er übrigens gar nicht kannte, nicht befolgt hat.

Offenburg, 21. März. (Wolff.) Der Bürgermeister von Windschläg ist von den Franzosen verhaftet Worten, weil er sich geweigert hatte, Räumlichkeiten für die ftanzö- sische Dahnhofswache zur Verfügung zu stellen. Der gestern verhaftete Obmann der christ­lichen Gewerkschaft deutscher Eisenbahner und ter Besitzer des Wirtshaus^ zum Anker sind mit Kraftwagen von hier fvrtgeschafft worden. Man vermutet, daß sie nach Straßburg gebracht wurden.

15 Jahre Zuchthaus!

Boch um, 21. März. (WTD.) Vor dem fran­zösischen Kriegsgericht in Werden hatte sich der 20 Jahre alte Kaufmann Franz Stach aus Kupferdreh toegen Mordversuchs zu ver­antworten. Der Angeschuldigte hatte eines Nachts anläßlich einer Paßrevision durch französische Soldaten die Flucht ergriffen, als er nach Waffen untersucht werden sollte. Auf ter Flucht gab er einen Schuß ab, durch den ein verfolgender Fran­zose am linken Unterschenkel verletzt wurde. Das Urteil lautete auf 15 Jahre Zuchthaus. Der Anklagevertreter hatte lebenslängliche Zucht­hausstrafe beantragt.

Die Erschießung eines Franzosen in Essen.

Bochum, 21. März. (WTD.) Die Staats­anwaltschaft in Essen hat auf Ermittlung des Täters, ter nächtlicherweile einen Franzosen, ter als Heizer im Keller des Hauptbahnhofs be­schäftigt war, durch das Fenster erschossen haben soll, ein» Belohnung von 1 Million ausgesetzt. Der Franzose stammt aus Noiseville bei Metz und soll schon während des Krieges in Deutschland be­schäftigt gewesen fein. Man vermutet, daß den Täter persönliche Beweggründe zu ter Tat, ver­anlaßt haben.

Verkehrssperre

über das besetzte Gebiet.

Frankfurt g. M, 21. März. (WTD.) Wie wir erfahren, hat die französische Desatzungs­behörde als Sanktion gegen die angeblich von Deutschen verübten Attentate gegen fran­zösische Soldaten von heute ab jeden Ver­kehr nach und aus dem besetzten Gebiet von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens verboten.

Ludroigshafen, 21. März. (WTD.) Die französische Desatzungsbehörde hat über Lud­wigshafen eine neue Verkehrs sperre swerhängt, und zwar von abends 8 Uhr bis 5 Uhr morgens. Der Grund zu ter neuen Sperrmaß­nahme ist noch nicht zu erfahren.

Die Wirkung der Ruhrbesetzung in Belgien.

QI m ft e r b a m, 22. März. (WTD)HetDvlk" schreibt: Noch schwerer als in Rotterdam scheinen sich die Folgen der Ruhrbesehung in den belgischen Häfen bemerkbar zu machen. Das geht aus ter erschreckenden Zunahme ter Zahl ter Arbeitslosen und ter großen Verminderung des Verkehrs hervor. Die belgische Regierung habe sich mit ter "Beteiligung an ter Ruhrbesehung schwer ins eigene Fleisch geschnitten oder min­destens in das Fleisch ihrer eigenen Bevölkerung. Statt ter versprochenen Erhöhung ter Barzahlun­gen und ter Sachlieferungen bringt die Regierung dem belgischen Volk durch das Ruhrabenteuer große Arbeitslosigkeit und Teuerung.

Die Stimmung in Essen.

Amst erdam, 22. März. (WTD) Ein Kor­respondent des sozialisttschen Dlattes »Het Volk" schreibt aus Essen: Der Geist des Wider­st a n d e s bei der Devölkerung ter Stadt ist noch keineswegs gebrochen. Von einer Neigung zum Nachgeben habe ich nichts bemerken können, be­sonders nicht bei ter Arbeiterklasse. Diese fasse den Kampf noch immer als einen Kampf gegen Imperialismus und Militarismus auf. Das macht sich bemerkbar sowohl gegenüber Drohungen als auch gegenüber den Freundlichkeiten ter franzö­sischen Behörden.

Japanische Offiziere im Ruhrgebiet.

Paris, 21. März. (WTD.) Nach einer Ha- vasmeldung aus Düsseldorf trifft am 23. März

dort ter japanische Vize admiral und stellvertretende Ehef des Admiralstabs Duron A b o. in "Begleitung ter Kapitäne Ojura und Sato zu einem "Besuch des Ruhrgebiets ein.

Die Folgen

des Anschlags aus Smeets.

Paris, 21. März. (WTD.) Nach eine.« Havasmeldung aus Koblenz hat die englische^ Polizei in der britischen Desehungszone in-1 folge des Anschlags auf S nvee t s bei zahlreichen Persönlichkeiten, die angeblich wegen ihrer nativ' . nalistischm und antialliierten Gesinnung bekannt sind, Haussuchungen gehalten, namentlich bei dem als Gegner von Smeets bekannten Albert Paß, bet dem Abg. Moldenhauer, tew dessen franzosenseindlichen Treibereien mehrmals die Rede gewesen ist, usw. Haussuchungen haben ferner ftattgefunden bei dem Ortsverband des Iuimdeulschen Ordens. Nach Havas glaubt man. die Mitschuldigen des Attentats in ter Hand zu "haben. In Köln seien vier Verhaftungen vorgenommen worden. Auch in ter französi­schen Zone seien die Haussuchungen eifrig be­trieben worden. Gestern seien dort neun Ver­haftungen vorgenommen Morten. Der oben - genannte Altert Paß ist nach einer weiteren Ha vasmeldung aus Koblenz heute vormittag in Köln verhaftet worden.

K ö l n , 21. März. (Wolff.) Wie das Wolffs Bureau hört, ist es den Demühangen ter Köl­ner Polizei gelungen, den Anschlag gegen Smeets aufzuklären und die Persönlichkeit des Täters festzustellen. Nähere Eingaben können, um den Gang ter Untersuchung nicht zu ge­fährden, zur Zeit nicht gemacht werten. N§ch den in der Wohnung des Täters Vorgefundenen Papieren scheint es sich um einen jugend­lichen Phantasten zu hanteln. Der Auf- klärungsarteip der amtlichen deutschen Stellen standen um so größere Schwierigkeiten entgegen, als jeder Anhalt für die Persönlichkeit ter Täter fehlte.

Frage und Antwort im englischen Unterhaus.

London, 21. März. (WTD.) Unter­haus. Wedgetovod fragte: 1. ob die srarv zösische Regierung die englische gefragt habe, ob Großbritannien geneigt sei, sich Maßnahmen an­zuschließen, die dazu bestimmt seien, die Ausfüh­rung ter Bedingungen des Versailler Vertrags über die Entwaffnung Deutschlands und die Tättgkeit der interalliierten Militärkommis- sivn zu erzwingen; 2. ob mit Rücksicht auf das unabhängige Vorgehen ter Franzosen int Ruhr­gebiet di? englische Regierung davon Abstand nehmen wolle, General Bingham, dem englischen Vertreter in der Militäriontrvllcommission, den Befehl zu erteilen', mit ter Kommission zusammen­zuwirken. Donar Lato erwiderte, die Ant­wort auf die erste Frage laute bejahend, auf die zweite verneinend. Wedgewood sagte dar­auf: Dann wirkt also General Bingham mit ter Militärkontrollkommission zusammen? Bonar La w antwortete: Ja. In Erwiderung auf eine andere Frage erklärte Donar Law, daß seit Be­ginn der Ruhrbesehung die Frage des mili­tärischen Garantiepaktes weder offiziell noch un- vfsiziell zwischen ter britischen und französischen Regierung erwogen worden sei.

Die gedehnte englische Politik.

London, 21. März. (Wolfs.) Schrhkanzlsr Baldwin erklärte in einer Danlettrede. die beiden unbedingten Notwendigkeiten für den De stand Englands seien Friede und Arbeit. England lebe von seinem Aw enhantel. Der Welt­handel besser^ sich langsam, könne jedoch innerhalb einer angemessenen Zeit nicht wiederhergestellt werden ohne eine Rege lung inEuropa. und die Regelung in Europa bedeute die endgültige Regelung der Fragen der Schulten, ter Repara­tionen und ter Sicherheit. Heber Westeuropa "hänge eine dunkle Wolke. Auf die zwischen Eng­land und 'Frankreich in ter Reparationsfrage herrschenden MeinungLrerschied en heilen eingehend erklärte ter Schatzkanz'er ^England halte ten Weg, den es verfolgen toürte, für ten besseren, um Reparationen zu erhalten. Die Franzosen stellten die Frage der Sicherheit über die Frage ter Reparationen. Daldwin fuhr fort: Was auch immer jemand in England im Augenbliä! der Er­regung sagen möge über den Militarismus in Frank:ich oder den französischen Wunsch. Deutsch­land zu zertrümmern oder über Komplotte der französischen Staatsmänner ich nehme ke i ne Notiz davon. Ich erkenne an, daß der Wun (ch nach Sicherheit eine zwingende Kraft sein kann, ter sich nichts in Frankreich zu widersetzen imstande ist. England sei bereit ge­wesen, große Opfer zu bringen, um eine endgültige Regestlng ter Schulten und Repar ttionn Cerbci- zuführen. Es sei auch weiterhin bereit, dies zu tun und werte bereit fein, wenn die Gelegenheit komme, diesen Standpuntt aufrechtzuerhalten. Aber so lange die augenblickliche Lage dauere, scheine ter Augenblick ter endgültigen Regelung immer weiter verschoben zu werden. Die Frage der Reparationen und Schulden könne niemals ge­regelt werten, bevor eine Regelung ter Schwie­rigkeiten in Westeuropa gefunden sei.

Die Reise Lord d'Abernons.

London, 22. März. (WTD.) Lord d'Abernvn erklärte in einer Unterredung, seine Reise nach London sei in keiner Weise | amtlicher, sondern völlig Privater Natur.